BuchKult
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Januar

Jacques Callot, January
Jacques Callot (1592-1635) war ein lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer.

Achim von Arnim 1781-1831

Neujahr

 

Altes Jahr, du ruhst in Frieden,

Deine Augen sind geschlossen;

Bist von uns so still geschieden

Hin zu himmlischen Genossen,

Und die neuen Jahre kommen,

Werden auch wie du vergehen,

Bis wir alle aufgenommen

Uns im letzten wiedersehen.

Wenn dies letzte angefangen,

Deutet sich dies Neujahrgrüßen,

Denn erkannt ist dies Verlangen,

Nach dem Wiedersehn und Küssen.

 

 

Breviarium Grimani Januar
Breviarium Grimani, Stundenbuch des Domenico Grimani. Das berühmte Breviarium Grimani mit über 1600 durchgehend illuminierten Seiten gilt als eines der schönsten Zeugnisse der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. Um 1510-1520 in Brügge und Gent entstanden, waren zahlreiche berühmte Miniaturisten an seiner Entstehung beteiligt, darunter Gerard David, Simon Bening und Gerard Horenbout.

Der Januar (lateinisch mensis Ianuarius),

in Teilen des oberdeutschen Sprachraums zudem und in Österreich und Südtirol fast ausschließlich Jänner, ist der erste Monat des Jahres im gregorianischen und im julianischen Kalender. Er hat 31 Tage. Veraltete Namensformen sind Hartung, Hartmonat, Schneemonat, Eismond, Wintermonat oder Wolfsmonat.

 

 

Eugène Grasset, Janvier
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Benannt ist der Monat nach dem römischen Gott Janus, der mit zwei Gesichtern dargestellt wird. Er gilt als Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore. Im Amtsjahr des römischen Kalenders war der Ianuarius ursprünglich der elfte Monat und hatte 29 Tage. Mit der Umstellung des Jahresbeginns vom 1. März auf den 1. Januar im Jahre 153 v. Chr. wurde der Ianuarius zum ersten Monat des Kalenders. Nach Cäsars Kalenderreform erfolgte im julianischen Kalender ab dem Jahr 45 v. Chr. durch Einschub von zwei Zusatztagen eine Verlängerung des Monats auf 31 Tage. Unter Kaiser Commodus wurde der Monat in Amazonius umbenannt, nach dem Tod des Kaisers erhielt er allerdings wieder seinen alten Namen zurück.

 

 

Der römische Gott Janus

Janus

Janus wurde gewöhnlich mit zwei Gesichtern dargestellt: ein altes Gesicht, manchmal mit Bart, manchmal ohne, und ein junges Gesicht. Eines seiner Hauptattribute ist der Schlüssel in der rechten Hand, Symbol für die Kraft des Öffnens und der Befreiung, aber auch für die Kraft des Abschließens. In der linken Hand hält er einen Stab oder eine Peitsche, mit der er all das, was durch die Tür nicht durchgehen durfte, abhielt. Manchmal trägt er in einer Hand die Zahl 300 (römisch CCC) und in der anderen Hand die Zahl 65 (römisch LXV) als Symbole für die Herrschaft über das Jahr mit seinen 365 Tagen.

 

 

Der römische Gott Janus

Die häufigsten Abbildungen von Janus findet man auf Münzen. Als Erinnerung an die goldenen Zeiten seiner und Saturns Herrschaft wurden die meisten römischen Münzen auf einer Seite mit Janus Bifrons und auf der anderen Seite mit dem Schiff, mit dem Saturn nach Italien segelte, geprägt.

Janus, die alte Gottheit mit den zwei Gesichtern, ist ein Symbol für den Übergang vom Alten zum Neuen. Er symbolisiert die Übergänge, mit denen wir jeden Tag und jedes Jahr immer wieder konfrontiert sind, wenn wir Altes hinter uns lassen und Neues beginnen. Mit einem Gesicht, dem alten, schauen wir auf unsere Erfahrungen der Vergangenheit zurück, und mit dem anderen, jugendlichen, blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft.

 

Très Riches Heures, Janvier

Très Riches Heures - Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.

Wilhelm Busch 1832-1908

Prosit Neujahr!

 

Das alte Jahr gar schnell entwich,

es konnt sich kaum gedulden

und ließ mit Freuden hinter sich

den dicken Sack voll Schulden.

 

 

Hans Thoma, Januar
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Ludwig Thoma 1867-1921

Neujahr bei Pastors

 

Mama schöpft aus dem Punschgefäße,

Der Vater lüftet das Gesäße

Und spricht: »Jetzt sind es vier Minuten

Nur mehr bis zwölfe, meine Guten.

 

Ich weiß, daß ihr mit mir empfindet,

Wie dieses alte Jahr entschwindet,

Und daß ihr Gott in seinen Werken

– Mama, den Punsch noch was verstärken! –

 

Und daß ihr Gott von Herzen danket,

Auch in der Liebe nimmer wanket,

Weil alles, was uns widerfahren

– Mama, nicht mit dem Arrak sparen! –

 

Weil, was geschah, und was geschehen,

Ob wir es freilich nicht verstehen,

Doch weise war, durch seine Gnade

– Mama, er schmeckt noch immer fade! –

 

In diesem Sinne meine Guten,

Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten,

In diesem gläubig frommen Sinne

– Gieß noch mal Rum in die Terrine! –

 

Wir bitten Gott, daß er uns helfe

Auch ferner – Wie? Es schlägt schon zwölfe?

Dann prosit! Prost an allen Tischen!

– Ich will den Punsch mal selber mischen.«

 

Gustave Caillebotte, Toits sous la neige, Paris
Gustave Caillebotte (1848-1894) war ein französischer Maler des Impressionismus, Kunstsammler, Mäzen und Bootsbauer.

Friederike Brun 1765-1835

Der Sonnenaufgang im Winter

 

          Sonne komm hervor!

          Sonne steig’ empor!

     Sieh’, es neiget

     Sich der Tanne Wipfel!

 

     Sieh’ es beuget,

 

     Halb im Schnee versteckt,

     Halb im Morgenroth entdeckt,

     Jedes Hälmchen seine Spitze dir!

 

Leise schwebt, wie nur der Geist empfindet,

     Hauch der Liebe ungesehen,

          Wie ein Kind der Mutter Arm umwindet,

Auf den kleinsten Hälmchen deines Athems Wehen!

     Und es steigt empor zu Himmelshöhen

     Leise das Erhaltungsflehen

          Aller Creatur,

          Und von der erstarrten Flur

     Das Dankopfer der Natur!

 

     Halb gesehn, und halb verschwunden,

          Neigt, nach still durchwallten Stunden,

     Cynthia ihr mattes Haupt;

          Schön mit Rosen ihre Stirn’ umwunden,

     Früh’ Aurorens Kranz geraubt.

 

     Fliege schnell, wie sanfter Liebe Sehnen,

          Morgenroth! zum besten Vater hin;

          Hin zur stillen Ruhestätte,

          Wo, nach innigem Gebete,

     Frohe Träume seine Stirn’ umziehn!

 

     Und mit leisem, liebevollem Säuseln,

Wie dem Abendhauch sich Bäche kräuseln,

     Sag’ ihm mit der Liebe Laut: Daß seine

     Fern von ihm getrennte Tochter weine,

     Daß sie nicht den heitern Morgengruß

     Heut empfängt, und ihres Vaters Kuß.

 

Fritz von Wille, Eifel im Winter
Friedrich (Fritz) Gustav August Julius Philipp Rudolf von Wille (1860-1941) war ein deutscher Landschaftsmaler.

Richard Schmidt-Cabanis 1838-1903

Winterliche Spatzen-Bitte

 

Insbesonders, hochverehrter Mensch,

du siehst, die Zeit ist wetterwend'sch,

der Schnee liegt hoch, kalt weht der Wind,

das Vöglein darbt mit Weib und Kind.

 

D'rum bitt' ich auch in diesem Jahr,

Du wolltest uns'rer nehmen wahr

und spenden, was an Korn und Spelt

von deinem reichen Tische fällt.

 

Jed' Krümchen nehmen wir voll Dank,

und sind an Zwitschern und Gesang

dereinst in holder Sommerzeit

zu jedem Gegendienst bereit.

 

Beauftragt vom beschwingten Chor,

trug ich dir dies geziemend vor;

nun öffne deines Mitleids Schatz!

Ergebenst: Dein getreuer Spatz!

 

 

Arthur B. Frost, Sparrows in the Snow
Arthur Burdett Frost, (1851-1928) normalerweise als A. B. Frost zitiert, war ein amerikanischer Illustrator, Grafiker und Comicautor.
 

Martin Greif 1839-1911

Winterlied einer Meise

 

Wo auf winterlicher Flur

Noch kein Hälmchen zu erschauen,

Mahnt vom Walde her die Meise,

Auf die Sonne zu vertrauen,

Die für eine Weile nur

Uns entwandert auf der Reise.

 

Konstantin Gorbatov, Wintertag
Konstantin Iwanowitsch Gorbatov (1876-1945) war ein russischer Vertreter des Post-Impressionismus und Professor der Petersburger Kunstakademie.

 

Igor Grabar, Wintermorgen
Igor Emmanuilowitsch Grabar (1871-1960) war ein russisch-sowjetischer Maler, Kunsthistoriker und Museumswissenschaftler.

Otto Ernst 1862-1926

Wintermärchen

 

Auf dem Baum vor meinem Fenster

Saß im rauhen Winterhauch

Eine Drossel, und ich fragte:

„Warum wanderst du nicht auch?

 

Warum bleibst du, wenn die Stürme

Brausen über Flur und Feld,

Da dir winkt im fernen Süden

Eine sonnenschöne Welt?“

 

Antwort gab sie leisen Tones:

„Weil ich nicht wie andre bin,

Die mit Zeiten und Geschicken

Wechseln ihren leichten Sinn.

 

Da die wandern nach der Sonne

Ruhelos von Land zu Land,

Haben nie das stille Leuchten

In der eignen Brust gekannt.

 

Mir erglüht’s mit ew’gem Strahle

– Ob auch Nacht auf Erden zieht –,

Sing’ ich unter Flockenschauern

Einsam ein erträumtes Lied.

 

Wundersamer Trost in Schmerzen!

Doch nur jene kennen ihn,

Die in Nacht und Sturm beharren

Und vor keinem Winter fliehn.

 

Dir auch leuchtet hell das Auge;

Deine Wange zwar ist bleich;

Doch es schaut dein Blick nach innen

In das ew’ge Sonnenreich.

 

Laß uns hier gemeinsam wohnen,

Und ein Lied von Zeit zu Zeit

Singen wir von dürrem Aste

Jenem Glanz der Ewigkeit.“

 

George Clausen, Winter morning, 1906
George Clausen (1852-1844) war ein britischer Künstler, der mit Öl und Aquarell, Radierung, Mezzotinta, Trockenpunkt und gelegentlich Lithografien arbeitete.

Gustav Falke 1853-1916

Winter

 

Ein weißes Feld, ein stilles Feld.

Aus veilchenblauer Wolkenwand

hob hinten, fern am Horizont,

sich sacht des Mondes roter Rand.

 

Und hob sich ganz heraus und stand

bald eine runde Scheibe da,

In düstrer Glut. Und durch das Feld

klang einer Krähe heisres Krah.

 

Gespenstisch durch die Winternacht

der große dunkle Vogel glitt,

und unten huschte durch den Schnee

sein schwarzer Schatten lautlos mit.

 

Paul Gustav Fischer, A Winter's Day on Kongens Nytorv Copenhagen
Paul Gustav Fischer (1860-1934) war ein dänischer Maler.

Erich Kästner 1899-1874

Der Januar

 

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.

Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Man steht am Fenster und wird langsam alt.

 

Die Amseln frieren.

Und die Krähen darben.

Und auch der Mensch hat seine liebe Not.

Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.

Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.

Und wär so gerne gelb und blau und rot.

 

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,

tanzt auf dem Eise stolz der Januar.

Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.

Es heißt, die Tage würden wieder länger.

Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

 

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.

Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.

Silvester hörte man’s auf allen Sendern,

dass sich auch unterm Himmel manches ändern

und, außer uns, viel besser werden soll.

 

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Und ist doch hunderttausend Jahre alt.

Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

 

 

Per Ekström, Sun and Snow Scene from Stockholm
Per Ekström (1844-1935) war ein schwedischer Landschaftsmaler, der für seine stimmungsvollen Szenen mit Sonnenuntergängen an kargen oder menschenleeren Orten bekannt war.
 

 

Alexey Bogoljubov, Winter in Borisoglebsk
Alexey Petrovich Bogolyubov (1824-1896) war ein russischer Landschaftsmaler.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz 1654-1699

Das Neue Jahr

Sonnet

 

So bleibt auf ewig nun das alte Jahr zurücke:

Wie theilt der Sonnen Lauff so schnell die Zeiten ab!

Wie schleppet uns so bald das Alter in das Grab!

Das heißt wol schlecht gelebt die kurtzen Augenblicke,

 

In welchen viel Verdruß, vermischt mit schlechtem Glücke,

Und lauter Unbestand sich zu erkennen gab!

Das heißt wol schlecht gewohnt, wenn uns der Wander-Stab

Nie aus den Händen kömmt; Wenn wir durch List und Stricke

 

Hinstraucheln in der Nacht, da wenig Licht zu sehn,

Und Licht, dem allemahl nicht sicher nachzugehn!

Denn, so der Höchste nicht ein eignes Licht will weisen,

 

Das, wenn wir uns verwirrt, uns Sinn und Auge rührt,

Ist alles Licht ein Licht, das zur Verdamniß führt!

O gar zu kurtze Zeit! O gar zu schweres Reisen!

 

Alexandre Antigna, La halte forcée, 1855
Jean-Pierre-Alexandre Antigna (1817-1878) war ein französischer Maler.

Heinrich Daniel Zschokke 1771-1848

Wintergedichte und Neujahrswünsche

 

Jeder wünscht sich langes Leben,

seine Kisten voller Geld,

Wiesen, Wälder, Äcker, Reben -

Klugheit, Schönheit, Ruhm der Welt,

doch wenn alles würde wahr

was man wünscht zum neuen Jahr,

dann erst wär es um die Welt,

glaubt es, jämmerlich bestellt.

 

Lebten alle tausend Jahre,

was gewönnen wir dabei?

Kahle Köpfe, graue Haare

und das ew'ge Einerlei!

Im erschrecklichen Gedränge

ungeheurer Menschenmenge

würden Stadt und Dorf zu enge,

und die ganze Welt zu klein.

Niemand könnte etwas erben,

denn es würde keiner sterben;

und wer möchte Doktor sein?

 

Wäre jedermann so reich,

als wohl jeder wünscht zu werden:

Nun, dann würden wir auf Erden

uns, in Sorgen, alle gleich.

Da niemand des andern Bürde

künftig auf sich laden würde,

müßte jeglicher allein

sein höchsteigner Diener sein;

selber seine Strümpfe stricken,

möcht' er nicht gern barfuß gehn;

selber Rock und Hosen flicken

möcht' er nicht wie Adam stehen;

müßte kochen, braten, backen,

liebte er gesunde Kost.

Wäre er kein Freund vom Frost,

müßt' er selber Holz sich hacken.

 

Ständen alle ohne Mängel

wir hienieden schon, als Engel,

o wie wär' es böse Zeit

für die liebe Geistlichkeit!

Wer denn könnte Pfarrer werden

in dem Himmel hier auf Erden,

wenn der Laie besser wäre

als die Predigt, die er hört?

Nur wo nötig ist die Lehre

- und sonst nirgends - hat sie Wert.

Advokaten gingen müßig;

Richter wären überflüßig;

und Dragoner und Husaren

wären überflüß'ge Waren.

Ach, in diesem Weltgetümmel

wüchse wieder neue Not,

denn es brächte unser Himmel

manchen braven Mann ums Brot.

 

Wären alle Mädchen schön,

und von außen und von innen

und vom Wirbel bis zum Zehn

zauberische Huldgöttinnen:

zu alltäglich, zu gemein

würden schöne Mädchen sein;

niemand würde auf sie blicken. -

Wäre alles Diamant,

was jetzt Kiesel ist und Sand,

niemand möchte sich drum bücken.

 

Jeder wünscht zum neuen Jahr.

Aber würde alles wahr,

dann erst wär' es um die Welt,

glaubt es, jämmerlich bestellt!

Wollet Ihr die Welt verbessern,

(bloße Wünsche tun es nie,

Spiele sind's der Phantasie!)

wollet ihr die Welt verbessern,

fange jeder an bei sich,

denn der Mittelpunkt der größern

Welt ist jeglichem sein Ich.

Dieses Ich wirft seine Strahlen,

einer innern Sonne gleich,

durch des Lebens weites Reich.

Wie es selber ist, so malen

sich die Dinge klein und groß,

prächtig oder farbenlos!

 

Andreas Achenbach, Winterlandschaft
Andreas Achenbach (1815-1910) war ein deutscher Landschaftsmaler der Romantik.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Der Eislauf

 

Der See ist zugefroren

Und hält schon seinen Mann.

Die Bahn ist wie ein Spiegel

Und glänzt uns freundlich an.

 

Das Wetter ist so heiter,

Die Sonne scheint so hell.

Wer will mit mir ins Freie?

Wer ist mein Mitgesell?

 

Da ist nicht viel zu fragen:

Wer mit will, macht sich auf.

Wir geh'n hinaus ins Freie,

Hinaus zum Schlittschuhlauf.

 

Was kümmert uns die Kälte?

Was kümmert uns der Schnee?

Wir wollen Schlittschuh laufen

Wohl auf dem blanken See.

 

Da sind wir ausgezogen

Zur Eisbahn alsobald,

Und haben uns am Ufer

Die Schlittschuh angeschnallt.

 

Das war ein lustig Leben

Im hellen Sonnenglanz!

Wir drehten uns und schwebten,

Als wär's ein Reigentanz.

 

Pieter Bruegel der Jüngere, Winterlandschaft
Pieter Bruegel der Jüngere (1564-1638), genannt de Helse Brueghel oder Höllenbrueghel, war ein brabantischer Genremaler.

Gerhart Hauptmann 1862-1946

Eislauf

 

Auf spiegelndem Teiche

zieh' ich spiegelnde Gleise.

Der Kauz ruft leise.

Der Mond, der bleiche,

liegt über dem Teiche.

 

Im raschelnden Schilfe,

da weben die Mären,

da lachet der Sylphe,

in silbernen Zähren,

tief innen im Schilfe.

 

Hei, fröhliches Kreisen,

dem Winde befohlen!

Glückseliges Reisen,

die Welt an den Sohlen,

in eigenen Kreisen!

 

Vergessen, vergeben,

im Mondlicht baden;

hingaukeln und schweben

auf nächtigen Pfaden!

Sich selbst nur leben!

 

Fedot Sychkov, Children Playing with a Sleigh
Fedot Vasilievich Sychkov (1870-1958) war ein russischer Maler.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

 

Als neulich der Schnee lag und meine Nachbarskinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße probieren wollten, sogleich war ein Polizeidiener nahe, und ich sah die armen Dingerchen fliehen, so schnell sie konnten. Jetzt, wo die Frühlingssonne sie aus den Häusern lockt und sie mit ihresgleichen vor ihren Türen gern ein Spielchen machten, sehe ich sie immer geniert, als wären sie nicht sicher und als fürchteten sie das Herannahen irgendeines polizeilichen Machthabers. Es darf kein Bube mit der Peitsche knallen, oder singen, oder rufen, sogleich ist die Polizei da, es ihm zu verbieten. Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, sodaß am Ende nichts übrig bleibt als der Philister.

(zu Eckermann, 12. 3. 1828)

 

Mal kein Gedicht, aber bei der Recherche für diese Seite fand ich diesen kleinen Prosatext von Goethe, der nichts von seiner Aktualität verloren hat. FD

 

Jan Abrahamszoon Beerstraten, The Paalhuis and the Nieuwe Brug in Amsterdam during Wintertime
Jan Abrahamszoon Beerstraten (1622-1666) war ein niederländischer Maler von Seestücken, Winterlandschaften und Stadtansichten.

Martin Greif 1839-1911

Frau Holle

 

Schneeflocken wirbeln um und um,

im Garten blüht die Weihnachtsblum',

Frau Holle fährt im Land herum –

Schnurre, Rädchen, schnurre!

 

Der Mond blickt aus dem Wolkengraus,

weist ihr den Weg zu jedem Haus,

daß sie die flinksten findet aus –

schnurre, Rädchen, schnurre!

 

Gewahrt sie wo noch einen Schein,

Frau Holle hält und schaut hinein;

Die munter drehn, belohnt sie fein –

Schnurre, Rädchen, schnurre!

 

Augustin Chenu, Paysage - Effet de neige
Augustin Pierre Bienvenu Chenu (1833-1875), auch bekannt als Fleury Chenu, war ein französischer Maler; bekannt für seine lokalen Landschaften und Jagdszenen.

Christian Morgenstern 1871-1914

Morgensonne im Winter

 

Auf den eisbedeckten Scheiben

fängt im Morgensonnenlichte

Blum’ und Scholle an zu treiben…

 

löst in diamantnen Tränen

ihren Frost und ihre Dichte,

rinnt herab in Perlensträhnen…

 

Herz, o Herz, nach langem Wähnen

laß auch deines Glücks Geschichte

diamantne Tränen schreiben!

 

John Fabian Carlson, Winter Morning
John Fabian Carlson (1875-1947) war ein in Schweden geborener amerikanischer Impressionist.

Friedrich Hebbel 1813-1863

Wintergedicht

 

Unendlich dehnt sie sich, die weisse Fläche,

Bis auf den letzten Hauch von Leben leer;

Die muntern Pulse stockten längst, die Bäche,

Es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

 

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eis,

Erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,

Und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,

So gräbt er, glaub ich, sich hinein ins Grab.

 

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,

Wirft einen letzten Blick aufs öde Land,

Doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,

Trotzt ihr der Tod im weissen Festgewand.

 

Karl Fredrik Nordström, Winter Evening at Roslagstull, Stockholm
Karl Fredrik Nordström (1855-1923) war ein schwedischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Der Seufzer

 

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis

     und träumte von Liebe und Freude.

Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß

     glänzten die Stadtwallgebäude.

 

Der Seufzer dacht an ein Maidelein

     und blieb erglühend stehen.

Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –

     und er sank – und ward nimmer gesehen.

 

Alexei Sawrassow, Winter hoarfrost
Alexei Kondratjewitsch Sawrassow (1830-1897) war ein russischer Landschaftsmaler.

Heinrich Heine 1797-1856

Altes Kaminstück

 

Draußen ziehen weiße Flocken

Durch die Nacht, der Sturm ist laut;

Hier im Stübchen ist es trocken,

Warm und einsam, stillvertraut.

 

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,

An dem knisternden Kamin,

Kochend summt der Wasserkessel

Längst verklungne Melodien.

 

Und ein Kätzchen sitzt daneben,

Wärmt die Pfötchen an der Glut;

Und die Flammen schweben, weben,

Wundersam wird mir zu Mut.

 

Dämmernd kommt heraufgestiegen

Manche längst vergessne Zeit,

Wie mit bunten Maskenzügen

Und verblichner Herrlichkeit.

 

Schöne Frauen, mit kluger Miene,

Winken süßgeheimnisvoll,

Und dazwischen Harlekine

Springen, lachen, lustigtoll.

 

Ferne grüßen Marmorgötter,

Traumhaft neben ihnen stehn

Märchenblumen, deren Blätter

In dem Mondenlichte wehn.

 

Wackelnd kommt herbeigeschwommen

Manches alte Zauberschloss;

Hintendrein geritten kommen

Blanke Ritter, Knappentross.

 

Und das alles zieht vorüber,

Schattenhastig übereilt –

Ach! da kocht der Kessel über,

Und das nasse Kätzchen heult.

 

Lovell Birge Harrison, Late Winter Afternoon
Lovell Birge Harrison (1854-1929) war ein amerikanischer Genre- und Landschaftsmaler, Lehrer und Schriftsteller.

George Inness, Home at Montclair, 1892
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Wintermorgen

 

Der Wasserfall ist eingefroren,

die Dohlen hocken hart am Teich.

Mein schönes Lieb hat rote Ohren

und sinnt auf einen Schelmenstreich.

 

Die Sonne küßt uns. Traumverloren

schwimmt im Geäst ein Klang in Moll;

und wir gehn fürder, alle Poren

vom Kraftarom des Morgens voll.

 

Alfred Rasenberger, Winterlandschaft
Alfred Rasenberger (1885-1948) war ein deutscher Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule.

Max Clarenbach, Winter an der Erft, ca. 1905-1907
Max Clarenbach, eigentlich Maximilien Clarenbach (1880-1952), war ein deutscher Maler der Düsseldorfer Schule und als Mitbegründer des Sonderbundes in Düsseldorf einer der bedeutenden Vertreter der rheinischen Malerei im frühen 20. Jahrhundert.

Ada Christen 1839-1901

Ganz eingerahmt

 

Ganz eingerahmt in weichem Flaum

Sind heute unsre Scheiben,

Ich sehe durch die Lücken kaum

Das wirre Flockentreiben.

 

Der Turm hat eine Mütze auf,

Schneeweiß, und Edelsteine

Umglitzern ihn bis an den Knauf

Im Wintersonnenscheine.

 

So guckt er freundlich aus der Fern

In unser Nest, das warme.

Als freute auch den alten Herrn

Das Kind in deinem Arme.

 

Mortimer L. Smith, Town Scene in Winter
Mortimer L. Smith (1840-1896) war ein US-amerikanischer Maler.

Elisabeth von Eicken, Winterlandschaft
Elisabeth von Eicken (1862-1940) war eine deutsche Landschaftsmalerin und Kunstgewerblerin.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Der Reif

 

Der Reif ist ein geschickter Mann:

O seht doch, was er alles kann!

Er haucht nur in den Wald hinein,

Wie ist verzuckert schön und fein

Ein jeder Zweig und Busch und Strauch

Von seinem Hauch!

 

Wie schnell es ihm von Händen geht!

Kein Zuckerbäcker das versteht.

Und alles fein und silberrein,

Wie glänzt es doch im Sonnenschein!

Wär' alles doch nur Zucker auch

Von seinem Hauch!

 

Doch nein, wir sind schon sehr erfreut,

Dass uns der Reif so Schönes beut.

O Winter, deinen Reif auch gib,

Uns ist auch Augenweide lieb,

Und ohne Duft und Frühlingshauch

Freu'n wir uns auch.

 

Gustave Courbet, Effet de Neige
Jean Désiré Gustave Courbet (1819-1877) war ein französischer Maler des Realismus.

Mihály von Munkácsy, Winterstraße.jpg
Mihály von Munkácsy, eigentlich Michael Lieb (1844-1900), war ein ungarischer Maler des Realismus und Freskant, der im 19. Jahrhundert europaweit bekannt war.

Theodor Fontane 1819-1898

Alles still!

 

Alles still! Es tanzt den Reigen

Mondenstrahl in Wald und Flur,

Und darüber thront das Schweigen

Und der Winterhimmel nur.

 

Alles still! Vergeblich lauschet

Man der Krähe heisrem Schrei,

Keiner Fichte Wipfel rauschet,

Und kein Bächlein summt vorbei.

 

Alles still! Die Dorfes-Hütten

Sind wie Gräber anzusehn,

Die, von Schnee bedeckt, inmitten

Eines weiten Friedhofs stehn.

 

Alles still! nichts hör' ich klopfen

Als mein Herze durch die Nacht; –

Heiße Tränen niedertropfen

Auf die kalte Winterpracht.

 

Carl Blechen, Landschaft im Winter bei Mondschein, 1836
Carl Eduard Ferdinand Blechen (1798-1840) war ein deutscher Landschaftsmaler und Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie der Künste.

Afanassi Afanassjewitsch Fet 1820-1892

 

Bild, schön ohnegleichen,

Lieb mir und verwandt:

Ebene, du weiße,

Vollmond überm Land,

 

Licht der hohen Himmel,

Schnee – ein Funkeln, zart,

Und der fernen Schlitten

Einsam stille Fahrt.

 

Maxfield Parrish, At Close of Day
Maxfield Parrish (1870-1966) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator.

Maurice Reinhold von Stern 1860-1938

 

Da glänzt in die schneeige Winternacht
Der Mond verklärend und kalt;
Es glitzert in funkelnder Silberpracht
Der Reif an den Bäumen im Wald.
O Welt, wie bist du so schön.

 

Louis Apol, A January evening in the Haagse Bos
Lodewijk Frederik Hendrik (Louis) Apol war ein niederländischer Maler und einer der bekanntesten Vertreter der Haager Schule.

6. Januar - Heilige Drei Könige

 

Jan Miense Molenaer, Januar - Aus einer Reihe von 12 Monatsbildern
Jan Miense Molenaer (um 1610-1668) war ein niederländischer Maler und Radierer.
 

Epiphanias bzw. Epiphanie

ist der ursprüngliche und heute noch in der evangelischen Kirche gebräuchliche Name eines am 6. Januar begangenen Festes im Christentum; in der aktuellen Ausgabe der Perikopenordnung wird es als „Fest der Erscheinung des Herrn: Epiphanias“ bezeichnet. In der katholischen Kirche wird es als Fest der Erscheinung des Herrn, volkstümlich und in vielen Kalendern auch als Dreikönigsfest, Dreikönigstag, Heilige Drei Könige und Heiligedreikönigstag bezeichnet, regional vereinzelt bis heute u.a. auch als Groß-Neujahr, Hochneujahr, Hoh-Neujahr oder Oberster bekannt. In Österreich wird dieser Tag auch Weihnachtszwölfer genannt. Diese Bezeichnung leitet sich vermutlich von dem alten Brauchtum ab, das Weihnachtsfest zwölf Tage lang zu begehen, wovon der letzte Tag das Fest der Erscheinung des Herrn war.

Das Fest wird von den Westkirchen der Anbetung des Kindes durch die Weisen aus dem Morgenland zugeordnet, in den Ostkirchen als Tag der Taufe Jesu und Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit begangen.

 

 

W. Jüttner,

Die heiligen drei Könige, aus, Guckkasten 1912, Nr.,1 S.3

Ludwig Ganghofer 1855-1920

Die heiligen drei Könige

Die heiligen drei König mit ihrem Stern,
die essen und trinken und zahlen net gern,
sie reiten auf einem weißen Ross
vor jedes Haus, vor jedes Schloss
und tragen um zum stopfen
einen leeren Sack und klopfen
an alle Fenster, alle Türn,
ob's net ebbes kriegen wern.
Draus in Tenna
laufn die fettn Henna,
droben im First
hangen die Würst,
gebt's mir die langen,
lasst die kurzen hangen,
Kerzen raus, Küechle raus,
oder ich schlag ein Loch ins Haus,
Äpfel raus, Birn raus,
geh mer in ein anders Haus!
Klopf an, klopf an,
die Bäurin hat ein schöna Mann,
die Bäurin is die schönste Frau,
was sie hat, das gibt `s mir a ...


 

Christen Dalsgaard, De Hellige Tre Konger besøger et Jysk Bondehje
Christen Dalsgaard (1824-1907) war eine dänische Malerin.

 

Giuseppe Arcimboldo,

Winter, 1573
Giuseppe Arcimboldo (um 1526-1593) war ein italienischer Maler der Spätrenaissance, speziell des Manierismus. Berühmt sind seine Tafelbilder, auf denen er Blumen, Früchte oder Gemüse, aber auch anorganische Objekte wie Bücher darstellte und daraus überraschende Porträts oder Stillleben komponierte.
 

Wilhelm Busch 1832-1908

Zu Neujahr

 

Will das Glück nach seinem Sinn

Dir was Gutes schenken,

Sage Dank und nimm es hin

Ohne viel Bedenken.

 

Jede Gabe sei begrüßt,

Doch vor allen Dingen:

Das, worum du dich bemühst,

Möge dir gelingen.

 

Sebald Beham, Januar und Februar
Hans Sebald Beham (1500-1550) war ein bedeutender Maler und Kupferstecher.

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin
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