BuchKult
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Alte deutsche Namen für die lateinische Bezeichnung November sind Windmond (eingeführt von Karl dem Großen im 8. Jahrhundert), Wintermonat und Nebelung. In den Niederlanden wurde der Monat auch Schlachtmond oder Schlachtemonat genannt, da zu dieser Zeit das Einschlachten der Schweine üblich war. Aufgrund der zahlreichen Anlässe des Totengedenkens trägt der November auch die Bezeichnung Trauermonat.

Im römischen Kalender war der November ursprünglich der neunte Monat (lat. novem = neun). Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn allerdings um zwei Monate vorverlegt, sodass die direkte Beziehung zwischen Name und Monatszählung verloren ging. Dies wird manchmal bei der Übertragung der früher oft verwendeten lateinischen Datumsangaben vergessen. Unter Kaiser Commodus wurde der Monat in Romanus umbenannt, nach dem Tod des Kaisers erhielt er aber wieder seinen alten Namen zurück.

 

 

Très Riches Heures, Novembre
Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

Erich Kästner

Der November       

 

Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor ...

Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.

Die Wälder weinten. Und die Farben starben.

Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.

Und der November trägt den Trauerflor.

 

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.

Die letzten Kränze werden feilgeboten.

Die Lebenden besuchen ihre Toten.

In der Kapelle klagt ein Männerchor.

Und der November trägt den Trauerflor.

 

Was man besaß, weiß man, wenn man's verlor.

Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.

Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.

Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.

Und der November trägt den Trauerflor ...

 

 

Gaspar Camps i Junyent, Noviembre
Gaspar Camps i Junyent (1874-1942) war ein spanischer Maler, Illustrator und Plakatkünstler des Jugendstils und der Art Déco.

Heinrich Heine 1797–1856

Im traurigen Monat November war’s

 

Im traurigen Monat November war’s,

Die Tage wurden trüber,

Der Wind riß von den Bäumen das Laub,

Da reist ich nach Deutschland hinüber.

 

Und als ich an die Grenze kam,

Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen

In meiner Brust, ich glaube sogar

Die Augen begunnen zu tropfen.

 

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,

Da ward mir seltsam zumute;

Ich meinte nicht anders, als ob das Herz

Recht angenehm verblute.

 

Ein kleines Harfenmädchen sang.

Sie sang mit wahrem Gefühle

Und falscher Stimme, doch ward ich sehr

Gerühret von ihrem Spiele.

 

Sie sang von Liebe und Liebesgram,

Aufopfrung und Wiederfinden

Dort oben, in jener besseren Welt,

Wo alle Leiden schwinden.

 

Sie sang vom irdischen Jammertal,

Von Freuden, die bald zerronnen,

Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt

Verklärt in ew’gen Wonnen.

 

Sie sang das alte Entsagungslied,

Das Eiapopeia vom Himmel,

Womit man einlullt, wenn es greint,

Das Volk, den großen Lümmel.

 

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,

Ich kenn auch die Herren Verfasser;

Ich weiß, sie tranken heimlich Wein

Und predigten öffentlich Wasser.

 

Ein neues Lied, ein besseres Lied,

O Freunde, will ich euch dichten!

Wir wollen hier auf Erden schon

Das Himmelreich errichten.

 

Wir wollen auf Erden glücklich sein,

Und wollen nicht mehr darben;

Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,

Was fleißige Hände erwarben.

 

Es wächst hienieden Brot genug

Für alle Menschenkinder,

Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,

Und Zuckererbsen nicht minder.

 

Ja, Zuckererbsen für jedermann,

Sobald die Schoten platzen!

Den Himmel überlassen wir

Den Engeln und den Spatzen.

 

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,

So wollen wir euch besuchen

Dort oben, und wir, wir essen mit euch

Die seligsten Torten und Kuchen.

 

Ein neues Lied, ein besseres Lied!

Es klingt wie Flöten und Geigen!

Das Miserere ist vorbei,

Die Sterbeglocken schweigen.

 

Die Jungfer Europa ist verlobt

Mit dem schönen Geniusse

Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,

Sie schwelgen im ersten Kusse.

 

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,

Die Ehe wird gültig nicht minder —

Es lebe Bräutigam und Braut,

Und ihre zukünftigen Kinder!

 

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,

Das bessere, das neue!

In meiner Seele gehen auf

Die Sterne der höchsten Weihe —

 

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,

Zerfließen in Flammenbächen —

Ich fühle mich wunderbar erstarkt,

Ich könnte Eichen zerbrechen!

 

Seit ich auf deutsche Erde trat,

Durchströmen mich Zaubersäfte —

Der Riese hat wieder die Mutter berührt,

Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

 

 

Eugène Grasset, Novembre
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Stefan George 1868-1933

Novemberrose...

 

Sag mir blasse Rose dort

Was stehst du noch an so trübem ort?

Schon senkt sich der herbst am zeitenhebel

Schon zieht an den bergen novembernebel.

Was bleibst du allein noch blasse rose?

Die letzte deiner gefährten und schwestern

Fiel tot und zerblättert zur erde gestern

Und liegt begraben im mutterschoosse...

 

Ach mahne mich nicht dass ich mich beeile!

Ich warte noch eine kleine weile.

Auf eines jünglings grab ich stehe:

Er vieler hoffnung und entzücken

Wie starb er? Warum? Gott es wissen mag!

Eh ich verwelke eh ich vergehe

Will ich sein frisches grab

noch schmücken

Am totentag.

 

 

Kolo Moser, November, 1902
Koloman Josef Moser (1868-1918; auch Kolo Moser) war ein österreichischer Maler, Grafiker und Kunsthandwerker.

Felix Dahn 1834-1912

November

 

Die Luft ist grau, das Feld steht kahl,

Die dumpfen Nebel spinnen:

Kein Ton, kein Sang, kein Farbenstrahl: –

Glück zog und Glanz von hinnen.

 

Rings Stille – matt starb selbst der Wind –

Ein Rabe huscht an den Steinen:

Mir ist, ich hör' mein fernes Kind

Bitter, bitter weinen.

 

 

Arnold Marc Gorter,

November mood
Arnold Marc Gorter (1866 -1933) war ein niederländischer Landschaftsmaler und Zeichner.

Max Dauthendey 1867-1918

November

 

Grau verwirrt der leere Wald.

Mit tausend blauglühenden Ätheraugen,

Hoch durch schwarzen Fichtenbehang,

Irren Heere blauer gigantischer Blüten.

 

Von fremden Dolden,

Niemand hat je sie belauscht,

Blüht jeder Morgen im Grase

Eisiger Samen.

 

Graue Frauen,

Die lautlos im Reigen kamen,

Sind lautlos gegangen.

Der Bleichen Juwelen

Strahlende Fäden

Irisgrün, irisgolden,

Hangen an allen Zweigen.

 

In nackten Kronen singen

Wachszarte Ströme der Sonne.

Um bloße Säulen,

Auf weißen Schwingen kreist

Einäugig ein Aar,

Das Schweigen.

 

 

Joachim von Sandrart, Der Monat November
Joachim von Sandrart der Ältere (1606-1688) war ein deutscher Maler, Kupferstecher, Kunsthistoriker und Übersetzer.

Martin Greif 1839-1911

Novemberstimmung

 

Die Flur umher

es kalt durchweht,

wo nirgend mehr

ein Blümlein steht.

 

Im Wald zerstiebt

das welke Laub –

Die ich geliebt,

sind alle Staub.

 

Sich frühe neigt

der Sonne Lauf,

am Himmel steigt

der Mond herauf.

 

Es füllt sich sacht

das Sternenzelt.

Sie sind erwacht

in jener Welt.

 

Jervis McEntee, November Day, 1863
Jervis McEntee (1828-1981) war ein amerikanischer Maler der Hudson River School.

Arno Holz 1863-1929

 

Unter

dunkelen, treibenden,

tiefschwerschleppenden Novemberwolken

verdämmert ... die Heide!

 

Gebückt

am Wegrand, kopfnickstumm

sitzt du, starrst du

und

... stierst ...

auf ... deine welken ... Hände.

 

Hofft,

harrt und ... hämmert in dir

noch

ein ... Herz?

 

Lebst ... du ... noch?

 

Schleichend,

unheimlich und tückisch,

durch

schwarzes, spitzes,

feuchtstarres Stachelgras

immer

näher und näher,

ein

klapperndes ... Rascheln.

 

Schauernd, eiskalt,

genickhoch

ein ... Hauch.

 

Gemartert,

im Dornenstrauch,

windgepackt, windgezwackt,

windgezaust

zittert ... ein ... letztes

Blättchen!

 

William Keith, Dark November (Pastorale)
William Keith (1838-1911) war ein schottisch-US-amerikanischer Maler der Düsseldorfer Schule.

Heinrich Hoffmann 1809-1894

November

 

Trüber Himmel, raue Tage

Kommen sicher jedes Jahr;

Schwere Sorgen, harte Plage,

Jedes Leben bringt sie dar.

Doch bedenkt, die heitern Stunden

Hätten nie euch so beglückt,

Hättet ihr nicht überwunden,

Was in trüben euch bedrückt.

 

Birge Harrison, November
Lovell Birge Harrison (1854-1929) war ein amerikanischer Genre- und Landschaftsmaler, Lehrer und Schriftsteller.

Klabund 1890-1928

Novemberelegie

 

Ich habe gestern ein Gedicht an dich geschrieben.

Ich saß am offenen Fenster.

Ich fröstelte.

Der Herbstwind wehte.

Er hat’s verweht.

 

Als du zu mir kamst,

Standen zwei alte Weiber im Hausflur.

Sie krächzten hinter dir her

Wie Krähen.

Du hüpftest wie eine Bachstelze stolz und zierlich.

Öde ist die Welt, ein braches Feld, und böse sind die Menschen.

 

Küsse mich mit deinen braunen Augen

Und wirf die Arme

Wie weiße Fliederäste um mich

Und schenke mir, dem herbstlich taumelnden,

Den Sommer,

Schenke

Noch einmal Sommer mir

Und weiße Rosen,

Letztes Licht.

 

Da nun der Winter eisig reisig klirrt

Und weißer Schnee die Wege wirrt:

Wohin soll ich wandern?

Wo soll ich bleiben,

Ich Habenichts,

Weißnichts,

Kannnichts?

 

Ich liege schon im offnen Sarg.

Küss meine kalten Lippen,

Um die der Schneesturm stob,

Ein letztes Mal

Und schlag den Deckel zu

Und geh ins Leben

Und lächle deiner Tränen. Lebe!

Liebe!

Und sei geliebt! Gelobt! Bedankt!

 

 

John Atkinson Grimshaw,

November, 1879
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) war ein englischer Maler.

Helene Krüger 1861-?

 

Nebelschleier, feucht und schwer,

Wallten um die elfte Schwester,

Fröstelnd schreitet sie einher,

Zieht des Mantels Falten fester.

 

Ihre Augen blicken trüb',

Ach, dahin ist alles Prangen!

Was den heit'ren Schwestern lieb,

Ist zur Ruhe eingegangen.

 

Aber sieh, des Menschen Lust

Ruht nicht mit den Kreaturen,

Jägereifer in der Brust

Folgt er kühn des Wildes Spuren.

 

Leicht entdeckt im weichen Schnee

Von der losgelass'nen Meute,

Werden Häslein, Fuchs und Reh

Seiner Flinte sichre Beute.

 

Auch November, feucht und grau,

Bietet seinem Herzen Freuden,

Und er sieht die hohe Frau

Ungern nur von hinnen scheiden.

 

Guy Orlando Rose, November
Guy Orlando Rose (1867-1925) war ein US-amerikanischer Maler und gilt als einer der Hauptvertreter des kalifornischen Impressionismus des späten 19. und angehenden 20. Jahrhunderts.

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Novembersonne

 

In den ächzenden Gewinden

Hat die Kelter sich gedreht,

Unter meinen alten Linden

Liegt das Laub hoch aufgeweht.

 

Dieser Erde Werke rasten,

Schon beginnt die Winterruh -

Sonne, noch mit unverblassten,

Goldnen Strahlen wanderst du!

 

Ehe sich das Jahr entlaubte,

Gingen, traun, sie müßig nie,

Nun an deinem lichten Haupte

Flammen unbeschäftigt sie.

 

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,

Und ein Traubenkoch zuletzt

Bist du nun der freie Ritter,

Der sich auf der Fahrt ergetzt.

 

Und die Schüler, zu den Bänken

Kehrend, grüßen jubelvoll,

Hingelagert vor den Schenken,

Dich als Musengott Apoll.

 

George Clausen, Morning in November
George Clausen (1852-1844) war ein britischer Künstler, der mit Öl und Aquarell, Radierung, Mezzotinta, Trockenpunkt und gelegentlich Lithografien arbeitete.

Heinrich Seidel 1842-1906

November

 

Solchen Monat muss man loben:

Keiner kann wie dieser toben,

Keiner so verdrießlich sein

Und so ohne Sonnenschein!

Keiner so in Wolken maulen,

Keiner so mit Sturmwind graulen!

Und wie nass er alles macht!

Ja, es ist ’ne wahre Pracht.

 

Seht das schöne Schlackerwetter!

Und die armen welken Blätter,

Wie sie tanzen in dem Wind

Und so ganz verloren sind!

Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt

Und sie durcheinanderwirbelt

Und sie hetzt ohn’ Unterlass:

Ja, das ist Novemberspaß!

 

Und die Scheiben, wie sie rinnen!

Und die Wolken, wie sie spinnen

Ihren feuchten Himmelstau

Ur und ewig, trüb und grau!

Auf dem Dach die Regentropfen:

Wie sie pochen, wie sie klopfen!

Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,

Einer dicken Träne gleich.

 

O, wie ist der Mann zu loben,

Der solch' unvernünft’ges Toben

Schon im Voraus hat bedacht

Und die Häuser hohl gemacht!

So, dass wir im Trocknen hausen

Und mit stillvergnügtem Grausen

Und in wohlgeborgner Ruh

Solchem Gräuel schauen zu!

 

John Atkinson Grimshaw, A November Morning
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) war ein englischer Maler.

Franz Werfel 1890-1945

Madonna mit den Krähen

 

Es ist November in der Welt.

Der Baum hebt nackt sein Krüppelbein.

Gebüsch bebt, bettelnd hingestellt.

Vereinsamt stiert der Meilenstein.

Frech wie ein Storch auf brachem Feld

Die alte Vogelscheuche lungert.

Die Mutter schleppt sich querfeldein.

Das Kindlein friert, das Kindlein hungert.

 

So grau war noch November nie.

Die Mutter rastet auf dem Stein.

Das Kind liegt schlaff auf ihrem Knie.

Wie sie allein ist nichts allein.

Wohl besser wär’s, es würde schnein,

Verschnein die Weiten und die Nähen,

Sie hebt den Kopf, sie hört ein Schrein,

Die Krähen kommen, hundert Krähen ...

 

Das Volk rauscht durch die Luft und schlägt

Und taumelt um Marias Haupt.

Doch keine Kräh im Schnabel trägt

Ein Bröcklein, fluges wo geklaubt.

Nie war die Welt so ausgeraubt.

Die Krähen rings verzweifelt streichen,

Aus Feld und Bäumen, todentlaubt,

Der Mutter Speisung darzureichen.

 

Nicht Korn und Haselnuss gibt’s mehr.

So kahl war kein November noch,

Und keine Nacht so liebeleer

Wie diese, die jetzt näherkroch.

Die Schwärze schlurft aus Schlucht und Loch.

Maria haucht, ihr Kind zu wärmen,

Und beugt sich tief, wenn immer noch

Die Krähn sie wahnsinnschrill umschwärmen.

 

Paul Baum, Weg nach Niedergrunstedt, Weimar Schlossmuseum
Paul Baum (1859-1932) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner und Grafiker.

Max Dauthendey 1867-1918

November

 

Bin heut im erstarrten Garten gewesen,

Wo ich in deinem Auge einst Lieder gelesen;

Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog,

Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog.

Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob,

Wie ein Herz, das sich von der Erde hob,

Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen,

Hab ich in toten Blättern noch Lieder gelesen.

 

John Joseph Enneking, Tranquility at Sunset
John Joseph Enneking (1841-1916) war ein amerikanischer impressionistischer Maler, der mit der Boston School verbunden war.

Ricarda Huch 1864-1947

November

 

Das Licht erlischt.

Die Nacht wird lang, es wachsen die Schatten,

Der Welt wird kahl, leer werden die Matten.

Wir essen Asche ins tägliche Brot gemischt –

Das Licht erlischt.

 

Das Licht ist tot.

Still sind die einst so fröhlichen Gassen,

Wieviel haben uns auf immer verlassen,

Die am Tisch mit uns saßen, mit uns brachen das Brot –

Das Licht ist tot.

 

Das Herz ist schwer.

Wo sind die vor uns dahigegangen?

Das Licht am Himmel wird neu erprangen,

Die toten Menschen kommen nie mehr – nie mehr –

Das Herz ist schwer.

 

Franklin de Haven, Silvery Waters
Franklin De Haven (1856-1934) war ein amerikanischer Maler.

Elisabeth Kulmann 1808-1825

Die letzten Blumen starben

 

Die letzten Blumen starben!

Längst sank die Königin

Der warmen Sommermonde,

Die holde Rose hin!

 

Du, hehre Georgine,

Erhebst nicht mehr dein Haupt!

Selbst meine hohe Pappel

Sah ich schon halb entlaubt.

 

Bin ich doch weder Pappel,

Noch Rose, zart und schlank;

Warum soll ich nicht sinken,

Da selbst die Rose sank?

 

 

Jules Breton, Last Flowers, Cincinnati Art Museum
Jules Adolphe Aimé Louis Breton (1827-1906) war ein französischer Maler.

Ernst Lissauer 1882-1927

Erwachen im November

 

Ist nicht ein Gram gesessen mir zu Häupten?

Ich schlief so hart und bin so dumpf erwacht;

Als ob Gewölke blasser Asche stäubten,

Färbt sich mit schalem Tag die Nacht.

Noch kann ich nicht die Stube sehen.

Sie ist voll Schwermut wie ein Schiff voll Fracht.

Noch weiß ich keinen Schmerz. Jedoch er wird geschehen.

 

Paul Gustav Fischer, Vesterbrogade
Paul Gustav Fischer (1860-1934) war ein dänischer Maler.

Clara Müller-Jahnke 1860-1905

Im Novembersturm

 

Der Sturmwind rast und der Regen schlägt

ans Fenster in schweren Tropfen –

Ich fühl in der tollen Novembernacht

mein Herz wohl hörbar klopfen.

 

Es schlägt in brennender Ungeduld

sehnsüchtig und beklommen ...

Ach, wenn die Stunde doch Flügel hätt'

und wäre der Winter gekommen!

 

Und deckte die Ströme das blinkende Eis

und der Schnee die schweigende Runde –

und wären wir endlich allein, allein

in der heimlichen Mitternachtsstunde!

 

O Liebster, Liebster, – der Sturmwind rast

und der Regen rauscht endlos nieder –

mir aber fluten durch Haupt und Herz

traumselige Liebeslieder.

 

Theodore Clement Steele, Sunrise
Theodore Clement Steele (1847-1926) war ein amerikanischer impressionistischer Maler, der für seine Landschaften in Indiana bekannt war.

Anna Ritter 1865-1921

Novemberabend

 

Kein Licht am Himmel,

Kein Laut auf den Gassen ...

In Dunkel und Stille,

Wie bin ich verlassen.

 

Es rauschen die Bäume ...

Der Wind hebt sich leise

Zu friedloser Irrfahrt,

Zu freudloser Reise.

 

Das Feuer im Ofen

Sinkt knisternd zusammen,

Von Asche begraben,

Ersticken die Flammen.

 

Die Lampe nur leuchtet

Hinein in das Zimmer

Und breitet um Alles

Den ruhigen Schimmer.

 

Sie weckt an den Wänden

Die Bilder der Lieben

Und segnet das Lied,

Das ich weinend geschrieben.

 

Und weiß wie ein Freund

Von vergangenen Tagen

Mir tausend vergessene

Dinge zu sagen.

 

Die tönen wie Märchen

Voll Sonne und Freude

Hinein in das graue,

Verlassene Heute.

 

Jakub Schikaneder, Herbsthimmel, nach 1910
Jakub Schikaneder (1855-1924) war ein böhmischer Maler.

Max Dauthendey 1867-1918

Erster November

 

Da draußen ist frühe Nebelnacht,

Die hat den Tag um Stunden bestohlen,

Hat aus den Fenstern Laternen gemacht.

Ich möchte mir den Mond herholen,

Dass ich einen hätt’, der ewig lacht,

Denn die Nacht ist wie ein schwarzes Bett.

Dort hat der Tod, wie auf Lagern aus Kohlen,

Gedankenlos als Dieb seine Ruhestätt’.

Weiß nicht, ist die Stadt draußen klein oder groß,

Ob Menschen drin hausen, oder bin ich allein,

Denn ein jeder Tag schwarz wie der Fluss fortfloss,

Und beklagt gingen viele zur Nacht hinein.

Auch Vater und Mutter haben gefragt,

Und niemandem wurde der Weg gesagt.

Auch Vater und Mutter wurden zu Stein,

Ein Stein, der sich über dem Grabe schloss.

Drauf lese ich heut’ ihre Namen bloß,

Nur noch die Namen sind beide mein.

Woher sie kamen, wohin sie gingen, -

Ich kann die Nacht nicht zum Reden zwingen.

 

Jan & Hubert van Eyck, Anbetung des Lammes, Genter Altar, untere Tafel, Mitte, Detail Die Heiligen

Allerheiligen (lateinisch Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, an dem aller Heiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“, der bekannten wie der unbekannten. Das Fest wird in der Westkirche am 1. November begangen, in den orthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nach Pfingsten.

Am Tag nach Allerheiligen, dem 2. November, begeht die römisch-katholische Kirche den Allerseelentag, an dem der Armen Seelen im Fegefeuer gedacht wird. Vielerorts wird die damit verbundene Gräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen, dem arbeitsfreien staatlichen Feiertag, vorgenommen. Damit verbunden ist der Brauch, die Gräber vor allem mit Lichtern besonders zu schmücken. Auf den Mainzer Friedhöfen wird die traditionelle Mainzer Kerze, der Newweling, entzündet.

Jules Bastien-Lepage, Le jour des morts - Allerseelen
Jules Bastien-Lepage (1848-1884) war ein französischer Maler. Sein Werk ist dem Naturalismus zuzuordnen
 

Jakub Schikaneder, All Souls' Day
Jakub Schikaneder (1855-1924) war ein böhmischer Maler.

Georg Trakl 1887-1914

Allerseelen

 

An Karl Hauer

 

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,

Sie streuen heute Blumen blau und rot

Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.

Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

 

O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,

Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.

Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,

Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.

 

Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen

Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.

Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen

Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

 

Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.

Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual,

Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.

Einsame wandeln still im Sternensaal.

 

 

Der Gang zu des Vaters Grab,

Die Gartenlaube 1865

José Gallegos y Arnosa, All souls day in Rome
José Gallegos y Arnosa (1859-1917) war ein spanischer Genremaler, Bildhauer und Architekt.

Ludwig Bauer 1832-1910

Ich stand gelehnt am Leichenstein

 

Ich stand gelehnt am Leichenstein

Am Allerseelentag

Von hundert Kerzen lichter Schein

Auf all den stummen Gräbern lag.

 

Ich dachte, wie viel Glück und Schmerz

Hier tief begraben liegt,

Wie manches sturmbewegte Herz

Auf ewig ward zur Ruh gewiegt.

 

Da gingst du still vorbei an mir,

Ich sah dir ins Gesicht,

Und eine Thräne blitzte dir

Im Aug', bestrahlt vom Kerzenlicht.

 

Im tiefsten Herzen hat sich da

Ein Grab mir aufgethan,

Und die gestorb'ne Jugend sah

Aus deinem Aug' mich lebend an!

 

 

Giovanni Segantini, The pain comforted by the Faith (The comfort of the Faith)
Giovanni Segantini (1858-1899) war ein in Welschtirol als österreichischer Staatsbürger geborener Maler des realistischen Symbolismus. Er galt als Meister der Hochgebirgslandschaft und begann früh mit der Freilichtmalerei.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Auf ein Grab

 

Ein Wind, gütig fächelnd,

Läßt Blätter und Tränen verwehn.

Empfange einst lächelnd,

Die weinend dir nachgesehn.

 

Gewesen, nicht vergessen;

Erinnert, doch verziehn.

 

Was uns Besitztum schien,

Hat keins von uns besessen,

War höchstens nur geliehn.

 

 

Franz Skarbina, Allerseelentag Hedwigskirchhof, 1896
Franz Skarbina (1849-1910) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner, Radierer und Illustrator.

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Schlußstück

 

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

Wenn wir uns

mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen

mitten in uns.

 

Émile Friant, Toussaint 1888
Émile Friant (1863-1932) war ein französischer Maler.

Ferdinand von Saar 1833-1906

Trauer

 

Frühe schon aus leisem Schlummer

Stört mich auf der wache Kummer,

Und mit stumm getrag'ner Pein

Schreit' ich in den Tag hinein.

 

Immer schwerer das Vollbringen,

Immer selt'ner das Gelingen,

Und es schwindet die Geduld –

Und ich fühl' die eig'ne Schuld.

 

Fühl' es mit geheimem Beben:

Uferlos verrinnt mein Leben

In ein Meer von Qual und Noth –

Komm', o komme, Tod!

 

 

William Adolphe Bouguereau,

The Day of the Dead, 1859
William Adolphe Bouguereau (1825-1905) war ein französischer Maler.
 

Franz Reinhold Fuchs 1858-1938

Allerseelen

 

Welch traumhaft stilles Schreiten

Den fahlen Hain entlang!

Rings müder Blätter Gleiten,

Und über Stoppelbreiten

Verlorner Glockenklang.

 

Was je dein Herz besessen

An Hoffnung, Glück und Leid,

Was unter Gruftzypressen

Geschlummert, halbvergessen,

Gibt klagend dir Geleit.

 

Gestalten, längst entschwunden,

Brechen des Grabes Bann:

Neu bluten alte Wunden,

Und tote Wonnestunden

Lächeln dich schmerzlich an.

 

Herz, heiß die Sehnsucht schweigen,

Die um Vergangnes wirbt! –

Die ew’gen Sterne steigen,

Die Heimat dir zu zeigen,

Wo jede Klage stirbt!

 

Pencho Georgiev, All Souls' Day
Pencho Georgiev (1900-1940) war ein bulgarischer Maler.

Johann Peter Glöckner*

Denk' an den Tod!

 

Denk' an den Tod

Mit seinen Schauern und mit seinen Schrecken!

Erschütternd tönt sein Wort, dich aufzuwecken,

Eh deinen Staub des Grabes Dunkel decken –

Denk' an den Tod!

 

Denk' an den Tod

Mit seinen Freuden und mit seinen Wonnen!

Beseligend, wenn Gram und Leid zerronnen,

Enthüllt er dir der ew'gen Heimat Sonnen –

Denk' an den Tod!

 

*Lebensdaten nicht bekannt, vermutlich lebte er im 19. Jahrhundert

 

János Thorma, Suffering People, 1892
János Thorma (1870-1937) war ein ungarischer Maler.

Arno Holz 1863-1929

Ein Herz, das zersprungen

 

Den Menschen fernab

In Sammt und in Trauer

Liegt einsam ein Grab,

Ein Grab an der Mauer.

 

Kein Marmorstein deckt

Den sinkenden Hügel,

Doch drüberhin reckt

Ein Baum seine Flügel.

 

Ein Christuskreuz sieht

Aus blühendem Flieder

Und manchmal auch kniet

Ein Weib davor nieder.

 

Und gestern, als sacht

Ich vorübergegangen,

Da gab ich drauf Acht,

Was die Vögel dort sangen.

 

Ich lauschte und sieh,

Da war es die alte,

Die Schmerzmelodie,

Die noch niemals verhallte:

 

Ein Baum, der verblüht,

Ein Ton, der verklungen,

Ein Stern, der verglüht,

Ein Herz, das zersprungen!

 

Joža Uprka, All Souls' Day
Joža Uprka (1861-1940) war ein tschechischer Maler und Grafiker, dessen Werk Elemente der Romantik und des Jugendstils kombiniert, um das Volksleben Südmährens zu dokumentieren.

 

 

Da Gedichte zu Allerheiligen und Allerseelen nicht sehr zahlreich sind, seien hier die Texte der fünf Kindertotenlieder von Friedrich Rückert wiedergegeben, die von Gustv Mahler vertont wurden.

Als Kindertodtenlieder bezeichnete der Dichter Friedrich Rückert die 428 Gedichte, die er unter dem Eindruck des Todes seiner Kinder Luise und Ernst 1833/1834 schrieb.

Die Gedichte erlangten Bekanntheit durch die Vertonung Gustav Mahlers. Der Historiker und Schriftsteller Hans Wollschläger nannte die Kindertodtenlieder „die größte Totenklage der Weltliteratur“.

Alle damals sechs Kinder Rückerts waren im Dezember 1833 an Scharlach erkrankt. Am 31. Dezember 1833 starb Rückerts seinerzeit einzige Tochter Luise (* 25. Juni 1830), am 16. Januar 1834 sein Sohn Ernst (* 1. Januar 1829). Die übrigen vier Kinder erholten sich von der Krankheit

Albert Anker, Ruedi, 1869
Albert Samuel Anker (183-1910) war ein Schweizer Maler, Grafiker und Genremaler des schweizerischen Volkslebens.

Friedrich Rückert 1788–1866

In diesem Wetter, in diesem Braus

 

In diesem Wetter, in diesem Braus,

Nie hätt’ ich gesendet die Kinder hinaus;

Man hat sie hinaus getragen,

Ich durfte dazu nichts sagen.

 

In diesem Wetter, in diesem Saus,

Nie hätt’ ich gelassen die Kinder hinaus,

Ich fürchtete, sie erkranken,

Das sind nun eitle Gedanken.

 

In diesem Wetter, in diesem Graus,

Hätt’ ich gelassen die Kinder hinaus,

Ich sorgte, sie stürben morgen,

Das ist nun nicht zu besorgen.

 

In diesem Wetter, in diesem Braus,

Sie ruhn als wie in der Mutter Haus,

Von keinem Sturm erschrecket,

Von Gottes Hand bedecket.

 

 

Carl Fredrik Hill, Kyrkogården
Carl Fredrik Hill (1849-1911) war ein schwedischer Maler und besonders durch seine Zeichnungen bekannt. Er wird der Epoche des Impressionismus zugeordnet.
 

Friedrich Rückert 1788–1866

Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen

 

Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen,

Bald werden sie wieder nach Haus gelangen,

Der Tag ist schön, o sei nicht bang,

Sie machen nur einen weitern Gang.

 

Ja wohl, sie sind nur ausgegangen,

Und werden jetzt nach Haus gelangen,

O sei nicht bang, der Tag ist schön,

Sie machen den Gang zu jenen Höhn

 

Sie sind uns nur voraus gegangen,

Und werden nicht hier nach Haus verlangen;

Wir holen sie ein auf jenen Höhn

Im Sonnenschein, der Tag ist schön

 

 

Émile Renouf, La Veuve de l'île de Sein 1830
Émile Renouf (1845-1894) war ein französischer Maler und Zeichner der Realismus-Impressionismus-Schule.

Friedrich Rückert 1788–1866

Wenn dein Mütterlein tritt zur Tür herein

 

Wenn dein Mütterlein

Tritt zur Tür herein,

Und den Kopf ich drehe,

Ihr entgegen sehe,

Fällt auf ihr Gesicht

Erst der Blick mir nicht,

Sondern auf die Stelle,

Näher nach der Schwelle,

Dort, wo würde dein

Lieb Gesichtchen sein,

Wenn du freudenhelle

Trätest mit herein,

Wie sonst, mein Töchterlein.

 

Wenn dein Mütterlein

Tritt zur Tür herein,

Mit der Kerze Schimmer,

Ist es mir, als immer

Kämst du mit herein,

Huschtest hinterdrein,

Als wie sonst ins Zimmer!

O du, des Vaters Zelle,

Ach, zu schnell, zu schnell,

Erloschner Freudenschein!

 

Jan Václav Mrkvička, Zaduszki (Allerheiligen), 1890
Jan Václav Mrkvicka, (1856-1938) auch Iwan Markwitschka, war ein tschechisch-bulgarischer Maler.

Friedrich Rückert 1788–1866

Nun seh' ich wohl, warum so dunkle Flammen

 

Nun seh' ich wohl, warum so dunkle Flammen

Ihr sprühtet mir in manchem Augenblicke,

O Augen, gleichsam um in einem Blicke

Zu drängen eure ganze Macht zusammen.

 

Dort ahnt' ich nicht, weil Nebel mich umschwammen,

Gewoben vom verblendenden Geschicke,

Daß sich der Strahl bereits zur Heimkehr schicke

Dorthin, von wannen alle Strahlen stammen.

 

Ihr wolltet mir mit eurem Leuchten sagen:

Wir möchten nah dir immer bleiben gerne,

Doch ist und das vom Schicksal abgeschlagen.

 

Sieh' recht uns an! denn bald sind wir dir ferne.

Was dir noch Augen sind in diesen Tagen,

In künft'gen Nächten sind es dir nur Sterne.

 

Lauritz Andersen Ring, Auf dem Friedhof in Fløng
Lauritz Andersen Ring, auch Lars Andersen Ring, eigentlich Lauritz Andersen (1854-1933) war ein dänischer Figuren-, Genre-, Landschafts-, Bildnismaler, Zeichner und Keramiker.

Friedrich Rückert 1788–1866

Nun will die Sonne so hell aufgehn

 

Nun will die Sonne so hell aufgehn,

Als sei kein Unglück die Nacht geschehn.

 

Das Unglück geschah auch mir allein,

Die Sonne, sie scheinet allgemein.

 

Du mußt die Nacht nicht in dir verschrenken,

Mußt sie ins ewige Licht versenken.

 

Ein Lämpchen verlosch in meinem Zelt,

Heil sei dem Freudenlichte der Welt!

 

Ferdinand Georg Waldmüller, Am Allerseelentag
Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit.

Andreas Gryphius 1616-1664

 

Alles, was die Welt uns schenket,

Nimmt die Welt, wenn wir vergehn:

Liebe nur bleibt ewig stehn,

Lieb' ist, die kein Sterben kränket,

Liebe bricht durch Grab und Tod,

Liebe tritt mit uns vor Gott.

 

Jakub Schikaneder, Lost in thought 1890
Jakub Schikaneder (1855-1924) war ein böhmischer Maler.

Theodor Fontane 1819-1898

 

Leben, wohl dem, dem es spendet

Freude, Kinder, täglich Brot,

Doch das Beste, was es sendet,

Ist das Wissen, daß es endet,

Ist der Ausgang, ist der Tod.

 

Alexei Sawrassow, Herbstlandschaft mit einem sumpfigen Fluss unter dem Mond
Alexei Kondratjewitsch Sawrassow (1830-1897) war ein russischer Landschaftsmaler.

Alles ist nur Übergang.

Merke wohl die ernsten Worte:

Von der Stunde, von dem Orte

Treibt dich eingepflanzter Drang.

Tod ist Leben, Sterben Pforte.

Alles ist nur Übergang.

 

Unbekannt

Alte Brückeninschrift in Wien

 

 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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