BuchKult
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Ist Sankt Lukas mild und warm,

folgt ein Winter, dass Gott erbarm.

18. Okt.  St. Lukas

 

Sankt Wendelin,

verlass uns nie,

 schirm unsern Stall,

 schütz unser Vieh.

20. Okt. St. Wendelin

 

Sonne an Sankt Franz,

gibt dem Wein den Glanz.

4. Okt.  St. Franziskus von Assisi

 

Sankt Burkhard Sonnenschein,

schüttet Zucker in den Wein.

14. Okt.  St. Burkhard

 

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Très Riches Heures, Octobre
Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

Goldener Oktober und goldener Herbst sind etablierte Bezeichnungen für das meist typische Landschaftsbild im herbstlichen Oktober beziehungsweise im Herbst. Die Bezeichnungen beziehen sich auf die in den Herbstmonaten einsetzende Blätterfärbung der Laubwälder. Bei einer gelb-rötlichen Sonneneinstrahlung, insbesondere bei Sonnenauf- oder -untergang, lässt sich ein goldener Farbton erkennen. Das Wort golden drückt zugleich aus, dass ein solcher Anblick von vielen Menschen als schön empfunden wird.

Der Ausdruck goldener Oktober hat in Deutschland eine jahrhundertelange Tradition. Er wurde nachweislich bereits vor mehreren hundert Jahren verwendet, wobei das exakte Datum des Aufkommens nicht gesichert ist.

 

 

Eugène Samuel Grasset, Octobre
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Erich Kästner 1899-1974

Der Oktober   

 

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Was vorüber schien, beginnt.

Chrysanthemen blühn und frieren.

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Und du folgst ihr wie ein Kind.

 

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.

Kehr nicht um, als sei's zuviel.

Bis ans Ende musst du gehen.

Hadre nicht in den Alleen.

Ist der Weg denn schuld am Ziel?

 

Geh nicht wie mit fremden Füßen,

und als hätt'st du dich verirrt.

Willst du nicht die Rosen grüßen?

Laß den Herbst nicht dafür büßen,

daß es Winter werden wird.

 

An den Wegen, in den Wiesen

leuchten, wie auf grünen Fliesen,

Bäume bunt und blumenschön.

Sind's Buketts für sanfte Riesen?

Geh nur weiter. Bleib nicht stehn.

 

Blätter tanzen sterbensheiter

ihre letzten Menuetts.

Folge folgsam dem Begleiter.

Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.

Denn das Jahr ist dein Gesetz.

 

Nebel zaubern in der Lichtung

eine Welt des Ungefährs.

Raum wird Traum. Und Rauch wird Dichtung.

Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.

"Stirb und werde!" nannte er's.

 

 

Guy Orlando Rose, October Morning
Guy Orlando Rose (1867-1925) war ein US-amerikanischer Maler und gilt als einer der Hauptvertreter des kalifornischen Impressionismus des späten 19. und angehenden 20. Jahrhunderts.

Friedrich Rückert 1788-1866

Herbst Lebensabend

 

Du, dieses Jahres Abend, Herbst,

Sei meines Lebensabends Bild!

Wie langsam du den Hain entfärbst,

Und deine Sonn' ist frühlingsmild:

Es lacht das grünende Gefild'

Tief im Oktober ohne Frost,

Und in der Traube schwillt der Most,

Wie in der Brust Begeist'rung schwillt.

 

 

Károly Ferenczy, Október, 1903
Károly Ferenczy (1862-1917) war ein ungarischer Maler des Impressionismus.
 

Justinus Kerner 1786-1862

Oktober

 

Wie in Gold die Wälder prangen,

Rosen gleich die Bäum' erblühn!

Erde will wie Himmel glühn,

Eh sie starr liegt und vergangen.

 

Der verklärten Erden Wonne

Füllt mit Licht auch meine Brust,

Und das Herz hüpft auf in Lust,

Wie ein Vöglein in der Sonne.

 

Solche Lust, Herz, währt nicht lange,

Herz, das ist nur ein Erglühn

Vor dem gänzlichen Verblühn

Unterm Hügel kalt und bange.

Wie in der Brust Begeist'rung schwillt.

 

Willard Metcalf, October
Willard Leroy Metcalf (1858-1925) war ein amerikanischer Maler.

Richard von Schaukal 1874-1942

Herbst

 

Oktoberwind liegt auf dem Bauche

und wirbelt frech mit kaltem Hauche

die welken Blätter in die Welt.

Die blassen Fensterscheiben zittern,

die Bäche sind erschreckt und flittern,

die Hasen ducken sich ins Feld.

 

Du, hohe Sonne, kämpfst vergebens

mit schwachem Strahle kranken Lebens:

der Winter wartet auf dem Berg.

Die Verse sind ganz steif gefroren,

sie haben allen Schwung verloren

und humpeln wie ein alter Zwerg.

 

 

Arnold Marc Gorter, October A Sunny Day in Autumn
Arnold Marc Gorter (1866 -1933) war ein niederländischer Landschaftsmaler und Zeichner.

Christian Morgenstern 1871-1914

Oktobersturm

 

Schwankende Bäume

im Abendrot -

Lebenssturmträume

vor purpurnem Tod -

 

Blättergeplauder -

wirbelnder Hauf -

nachtkalte Schauder

rauschen herauf.

 

Charles-François Daubigny, Octobre, Rijksmuseum
Charles-François Daubigny (1817-1878) war ein französischer Maler und Grafiker.

Max Dauthendey 1867-1918

Oktober

 

Zaudernde Nebel gehen ums Haus,

Der Herbsttag kleidet die Bäume aus.

Werde nicht bang, Geliebte mein,

Die Liebe schläft nicht mit den Bäumen ein.

Verlöschen im Garten die Blumen wie Funken,

Sind die Gärten wie Spuk versunken,

Werden die Tage dunkel und scheuer,

Dir wächst in meiner Kammer unersättliches Feuer.

In langen Nächten küßt es sich gut,

Verliebte haben den Sommer im Blut.

 

 

James Tissot, October

James Tissot (1836-1902) war ein französischer Maler und Grafiker. Der vor allem für seine Porträts im viktorianischen England der 1870er Jahre bekannte Künstler widmete sich in seinem Spätwerk überwiegend religiösen Themen.

Theodor Storm 1817-1888

Oktoberlied

 

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

 

Und geht es draußen noch so toll,

Unchristlich oder christlich,

Ist doch die Welt, die schöne Welt,

So gänzlich unverwüstlich!

 

Und wimmert auch einmal das Herz –

Stoß an und laß es klingen!

Wir wissen's doch, ein rechtes Herz

Ist gar nicht umzubringen.

 

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

 

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,

Doch warte nur ein Weilchen!

Der Frühling kommt, der Himmel lacht,

Es steht die Welt in Veilchen.

 

Die blauen Tage brechen an,

Und ehe sie verfließen,

Wir wollen sie, mein wackrer Freund,

Genießen, ja genießen!

 

 

Carl Larson, October, 1882-83
Carl Olof Larsson (1853-1919) war ein schwedischer Künstler.

Theodor Fontane 1819-1898

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

 

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«

Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

 

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.«

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht

Sangen »Jesus meine Zuversicht«,

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:

»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

 

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,

Der wußte genau, was damals er tat,

Als um eine Birn' ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

 

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet's wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,

So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«

Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

 

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

 

 

John Atkinson Grimshaw,

October Gold
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) war ein englischer Maler.

Barthold Heinrich Brockes 1680-1747

Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst

 

In einem angenehmen Herbst,

bey ganz entwölktem heiterm Wetter,

Indem ich im verdünnten Schatten,

bald Blätter-loser Bäume, geh',

Und des so schön gefärbten Laubes

annoch vorhandnen Rest beseh';

Befällt mich schnell ein sanfter Regen,

von selbst herabgesunkner Blätter.

Ein reges Schweben füllt die Luft.

Es zirkelt, schwärmt' und drehte sich

Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer;

doch selten im geraden Strich.

Es schien die Luft, sich zu bemühn,

den Schmuck, der sie bisher gezieret,

So lang es möglich, zu behalten,

und hindert' ihren schnellen Fall.

Hiedurch ward ihre leichte Last,

im weiten Luft-Kreis überall,

In kleinen Zirkelchen bewegt,

in sanften Wirbeln umgeführet,

Bevor ein jedes seinen Zweck,

und seiner Mutter Schooß, berühret;

Um sie, bevor sie aufgelöst,

und sich dem Sichtlichen entrücken,

Mit Decken, die weit schöner noch,

als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken,

der Blätter lieblichem Gewühl,

Und dem dadurch, in heitrer Luft,

erregten angenehmen Spiel,

Der bunten Tropfen schwebendem,

im lindem Fall formiertem, Drehn,

Mit offnem Aug', und ernstem Denken,

nun eine Zeitlang zugesehn;

Als ihr von dem geliebten Baum

freywilligs Scheiden (da durch Wind,

Durch Regen, durch den scharfen Nord,

sie nicht herabgestreifet sind;

Nein, willig ihren Sitz verlassen,

in ihren ungezwungnen Fällen)

Nach ernstem Denken, mich bewog,

sie mir zum Bilde vorzustellen,

Von einem wohlgeführten Alter,

und sanftem Sterben; Die hingegen,

Die, durch der Stürme strengen Hauch,

durch scharfen Frost, durch schwehren Regen

ihren Zweigen abgestreift und abgerissen,

kommen mir,

Wie Menschen, die durch Krieg und Brand

und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht' ich, sind die Menschen,

die den freywillgen Blättern gleichen,

Und, wenn sie ihres Lebens Ziel,

in sanfter Ruh' und Fried', erreichen;

Der Ordnung der Natur zufolge,

gelassen scheiden, und erbleichen!

 

George Inness, Near the Village - October
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Max Dauthendey 1867-1918

Vergänglichkeit

 

Nun spinnen sich die Tage ein,

Nicht einer will mehr freundlich sein,

Sie müssen sich alle besinnen

Auf eine Hand voll Sonnenschein

Und gehen dürftig von hinnen,

Wie Wasser im Sande verrinnen.

 

Die Menschen wandern hinterdrein,

Still einzeln, oder still zu zwein,

Und sehen die Blätter verfliegen

In alle vier Wände hinein.

Sie möchten im Sonnenschein liegen

Und müssen sich fröstelnd schmiegen.

 

So war es tausend Jahr und mehr,

Mit Blindheit kommt der Herbst daher.

Gern will ihn keiner sehen,

Er macht ja alle Wege leer.

Er muß zur Seite gehen

Und muß um Mitleid flehen.

 

Und so geht's tausend Jahre fort.

Vergänglichkeit, Du müdes Wort,

Du lösest ab die Tage,

Du duldest weder Zeit noch Ort,

Machst Wirklichkeit zur Sage,

Den Liebesrausch zur Klage.

 

Walter Frederick Osborne, An October Morning, 1885
Walter Frederick Osborne (1859-1903) war ein irischer Impressionist und Landschafts- und Porträtmaler nach dem Impressionismus. Bekannt wurde er durch seine dokumentarischen Darstellungen des Lebens der Arbeiterklasse im späten 19. Jahrhundert.

Wilhelm Busch 1832-1908

Abschied

 

Ach, wie eilet so geschwinde

Dieser Sommer durch die Welt.

Herbstlich rauscht es in der Linde,

Ihre Blätter mit dem Winde

Wehen übers Stoppelfeld.

 

Hörst du in den Lüften klingend

Sehnlich klagend das Kuru?

Wandervögel, flügelschwingend,

Lebewohl der Heimat singend,

Ziehn dem fremden Lande zu.

 

Morgen muß ich in die Ferne.

Liebes Mädchen, bleib mir gut.

Morgen lebt in der Kaserne,

Daß er exerzieren lerne,

Dein dich liebender Rekrut.

 

Yefim Volkov, Oktyabr, 1883
Yefim Yefimovich Volkov (1844-1920) war ein russischer Landschaftsmaler.

Karl von Gerok 1815-1890

Herbst-Gefühl

 

Müder Glanz der Sonne!

Blasses Himmelblau!

Von verklungner Wonne

Träumet still die Au.

An der letzten Rose

Löset lebenssatt

Sich das letzte lose,

Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben

Schleicht sich durch den Hain!

Auch Vergeh'n und Sterben

Däucht mir süß zu sein.

 

 

John Atkinson Grimshaw, Late October
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) war ein englischer Maler.

Bashô 1643-1694

 

Auf blattlosem Ast

Sitzt allein eine Krähe;

Herbstlicher Abend.

 

George Inness, October
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Stefan George 1868-1933

 

Wir schreiten auf und ab im reichen flitter

Des buchenganges beinah bis zum tore

Und sehen außen in dem feld vom gitter

Den mandelbaum zum zweitenmal im flore.

 

Wir suchen nach den schattenfreien bänken

Dort wo uns niemals fremde stimmen scheuchten,

In träumen unsre arme sich verschränken,

Wir laben uns am langen milden leuchten.

 

Wir fühlen dankbar wie zu leisem brausen

Von wipfeln strahlenspuren auf uns tropfen

Und blicken nur und horchen wenn in pausen

Die reifen früchte auf den boden klopfen.

 

Anders Andersen-Lundby, Herbstspaziergang im Englischen Garten München, 1887
Anders Andersen-Lundby (1841-1923) war ein dänischer Kunstmaler, der sich vor allem auf Winterlandschaften spezialisierte.

Felix Grafe 1888-1942

 

Nun will der Herbst mit welken Blättern

mir meine blasse Stirne kränzen,

wenn Nebel durch die Äste klettern

in grauen, wunderlichen Tänzen.

 

Fühlst du, wie in den Hauch von Küssen

ein Schauer fremder Nächte gleitet?

Und wie ein Wiederwandernmüssen

dir neue Wege vorbereitet?

 

Ernest Biéler, La Ramasseuse de feuilles mortes
Ernest Biéler (1863-1948) war ein Schweizer Maler und Illustrator. Er war durch den Impressionismus beeinflusst und wandte sich später dem Jugendstil zu.

Friedrich Hebbel 1813-1863

Herbstbild

 

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum,

und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,

die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

 

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält;

denn heute löst sich von den Zweigen nur,

was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

 

Edward Arthur Walton, Autumn Sunshine, 1883
Edward Arthur Walton (1860-1922) war ein schottischer Maler des Spätimpressionismus und wichtiger Vertreter der Glasgow Boys, einer Künstlergruppe aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Friedrich Hölderlin 1770-1843

Der Herbst

 

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,

Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,

Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,

Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

 

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet

Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet

Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen

Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

 

Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen

Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,

Der ganze Sinn des hellen Bildes lebt

Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

 

 

Will Hutchins, Autumn Landscape, 1905
Will Hutchins (1878-1948) war ein amerikanischer Maler.

 

Erich Kästner 1899-1974

Herbst auf der ganzen Linie

 

Nun gibt der Herbst dem Wind die Sporen.

Die bunten Laubgardinen wehn.

Die Straßen ähneln Korridoren,

In denen Türen offen stehn.

 

Das Jahr vergeht in Monatsraten.

Es ist schon wieder fast vorbei.

Und was man tut, sind selten Taten.

Das, was man tut, ist Tuerei.

 

Es ist, als ob die Sonne scheine,

Sie lässt uns kalt. Sie scheint zum Schein.

Man nimmt den Magen an die Leine.

Er knurrt und will gefüttert sein.

 

Das Laub verschießt, wird immer gelber,

Nimmt Abschied vom Geäst und sinkt.

Die Erde dreht sich um sich selber.

Man merkt es deutlich, wenn man trinkt.

 

Wird man denn wirklich nur geboren,

Um, wie die Jahre, zu vergehn?

Die Straßen ähneln Korridoren,

In denen Türen offen stehn.

 

Die Stunden machen ihre Runde.

Wir folgen ihnen Schritt für Schritt

Und gehen langsam vor die Hunde.

Man führt uns hin! Wir laufen mit.

 

Man grüßt die Welt mit kalten Mienen.

Das Lächeln ist nicht ernst gemeint.

Es wehen bunte Laubgardinen.

Nun regnet's gar. Der Himmel weint.

 

Man ist allein und wird es bleiben.

Ruth ist verreist, und der Verkehr

Beschränkt sich bloß aufs Briefeschreiben.

Die Liebe ist schon lange her!

 

Das Spiel ist ganz und gar verloren.

Und dennoch wird es weitergehn.

Die Straßen ähneln Korridoren,

In denen Türen offen stehn ...

 

 

Mikhail Germashev, Fall landscape
Mikhail Markianowich Germashev (1867-1930) war ein russischer Maler.
 

Gottfried Keller 1819-1890

Feldbeichte

 

Im Herbst, wenn sich der Baum entlaubt,

Nachdenklich wird und schweigend,

Mit Reif bestreut sein welkes Haupt,

Fromm sich dem Sturme neigend:

 

Da geht das Dichterjahr zu End',

Da wird mir ernst zu Mute;

Im Herbst nehm' ich das Sakrament

In jungem Traubenblute.

 

Da bin ich stets beim Abendrot

Allein im Feld zu finden,

Da brech' ich zag mein Stücklein Brot

Und denk' an meine Sünden.

 

Ich richte mir den Beichtstuhl ein

Auf ödem Haideplatze;

Der Mond, der muß mein Pfaffe sein

Mit seiner Silberglatze.

 

Und wenn er grämlich zögern will,

Der Last mich zu entheben,

Dann ruf' ich: "Alter, schweig' nur still,

Es ist mir schon vergeben!

 

Ich habe längst mit Not und Tod

Ein Wörtlein schon gesprochen!"

Dann wird mein Pfaff vor Ärger rot

Und hat sich bald verkrochen.

 

Armand Guillaumin, Die Ufer der Orge in Epiney, Ile de France
Armand Guillaumin (1841-1927) war ein französischer Maler und Grafiker.

Otfried Friedrich Krzyzanowski 1886-1918

Herbst

 

Der Abendhimmel, grau und taub

Sei Tafel meinem Stift.

Der starren Bäume fahles Laub

Sei meines Liedes Gift.

 

Das Spiel von Liebe und von Tod

Kann warten keine Stund’.

Noch leuchtet ihm des Waldes Rot,

Noch sind die Karten bunt.

 

Hans Andersen Brendekilde, A wooded path in autumn, 1902
Hans Andersen Brendekilde (1857-1942) war ein dänischer Maler.

Else Lasker-Schüler 1869-1945

Herbst

 

Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön ...

Es kam ein Engel mir mein Totenkleid zu nähen –

Denn ich muß andere Welten weiter tragen.

 

Das ewige Leben dem, der viel von Liebe weiß zu sagen.

Ein Mensch der Liebe kann nur auferstehen!

Haß schachtelt ein! wie hoch die Fackel auch mag schlagen.

 

Ich will dir viel viel Liebe sagen –

Wenn auch schon kühle Winde wehen,

In Wirbeln sich um Bäume drehen,

Um Herzen, die in ihren Wiegen lagen.

 

Mir ist auf Erden weh geschehen ...

Der Mond gibt Antwort dir auf deine Fragen.

Er sah verhängt mich auch an Tagen,

Die zaghaft ich beging auf Zehen.

 

 

Lovis Corinth, Herbstblumen, 1895
Lovis Corinth (1858-1925) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker.
 

Nikolaus Lenau 1802-1850

Herbst

 

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:

Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,

Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;

Ich liebe dieses milde Sterben.

 

Von hinnen geht die stille Reise,

Die Zeit der Liebe ist verklungen,

Die Vögel haben ausgesungen,

Und dürre Blätter sinken leise.

 

Die Vögel zogen nach dem Süden,

Aus dem Verfall des Laubes tauchen

Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,

Die Blätter fallen stets, die müden.

 

In dieses Waldes leisem Rauschen

Ist mir als hör' ich Kunde wehen,

dass alles Sterben und Vergehen

Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

 

Franklin de Haven, Landscape
Franklin De Haven (1856-1934) war ein amerikanischer Maler.

Clara Müller-Jahnke 1860-1905

Herbst

 

Und nun: der Wind geht hohl und schwer,

in weißen Wogen schäumt das Meer –

nun ist der Herbst gekommen

und hat vom Feld den Morgentau

und hat das letzte Stückchen Blau

vom Himmel weggenommen.

 

Und nun fahr hin! – Es rauscht und zieht

durch dunkle Luft ein dunkles Lied;

ich mag nicht ruhn und träumen.

Ich liege wach die ganze Nacht

und horche auf die heiße Schlacht,

das Stöhnen in den Bäumen.

 

Und nun fahr hin. Das war ein Jahr,

so früchtereif, so freudenklar . . .

nun laß die Blätter treiben.

Fahr hin! Die Saat von deiner Hand,

die Ernte, die in Halmen stand,

muß doch mein eigen bleiben.

 

Frank Weston Benson, Autumn, 1895
Frank Weston Benson (1862–1951) war ein US-amerikanischer Impressionist.

Friedrich Wilhelm Nietzsche 1844-1900

Baum im Herbste

 

Was habt ihr plumpen Tölpel mich gerüttelt

Als ich in seliger Blindheit stand:

Nie hat ein Schreck grausamer mich geschüttelt

— Mein Traum‚ mein goldner Traum entschwand!

 

Nashörner ihr mit Elefanten-Rüsseln

Macht man nicht höflich erst: Klopf! Klopf?

Vor Schrecken warf ich euch die Schüsseln

Goldreifer Früchte — an den Kopf.

 

Olga Wisinger-Florian, Falling Leaves
Olga Wisinger-Florian (1844-1926) war eine österreichische Malerin des Impressionismus.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Herbstliche Wege

 

Des Sommers weiße Wolkengrüße

zieh'n stumm den Vogelschwärmen nach,

die letzte Beere gärt voll Süße,

zärtliches Wort liegt wieder brach.

 

Und Schatten folgt den langen Wegen

aus Bäumen, die das Licht verfärbt,

der Himmel wächst, in Wind und Regen

stirbt Laub, verdorrt und braun gegerbt.

 

Der Duft der Blume ist vergessen,

Frucht birgt und Sonne nun der Wein

und du trägst, was dir zugemessen,

geklärt in deinen Herbst hinein.

 

Karl Buchholz, Parkweg
Karl Buchholz (1849-1889) war ein deutscher Landschaftsmaler, ausgebildet in der „Weimarer Malschule“.

Friedrich Rückert 1788-1866

Herbst Lebensabend

 

Du, dieses Jahres Abend, Herbst,

Sei meines Lebensabends Bild!

Wie langsam du den Hain entfärbst,

Und deine Sonn' ist frühlingsmild:

Es lacht das grünende Gefild'

Tief im Oktober ohne Frost,

Und in der Traube schwillt der Most,

Wie in der Brust Begeist'rung schwillt.

 

Isaak Lewitan, Der goldene Herbst, 1895
Isaak Iljitsch Lewitan (1860-1900) war einer der bedeutendsten russischen Maler des Realismus.

Ferdinand von Saar 1833-1906

Herbst

 

Der du die Wälder färbst,

Sonniger, milder Herbst,

Schöner als Rosenblühn

Dünkt mir dein sanftes Glühn.

 

Nimmermehr Sturm und Drang,

Nimmermehr Sehnsuchtsklang;

Leise nur atmest du

Tiefer Erfüllung Ruh.

 

Aber vernehmbar auch

Klaget ein scheuer Hauch,

Der durch die Blätter weht,

Daß es zu Ende geht.

 

Otto Modersohn, Herbstabend im Moor
Friedrich Wilhelm Otto Modersohn (1865-1943) war ein Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede und wurde einer der bekanntesten deutschen Landschaftsmaler.

Johann Gaudenz von Salis-Seewis 1762-1834

Herbstlied

 

Bunt sind schon die Wälder,

Gelb die Stoppelfelder,

Und der Herbst beginnt.

Rote Blätter fallen,

Graue Nebel wallen,

Kühler weht der Wind.

 

Wie die volle Traube

Aus dem Rebenlaube

Purpurfarbig strahlt!

Am Geländer reifen

Pfirsiche mit Streifen

Rot und weiß bemalt.

 

Sieh! Wie hier die Dirne

Emsig Pflaum und Birne

In ihr Körbchen legt,

Dort mit leichten Schritten

Jene goldnen Quitten

In den Landhof trägt!

 

Flinke Träger springen,

Und die Mädchen singen,

Alles jubelt froh!

Bunte Bänder schweben

Zwischen hohen Reben

Auf dem Hut von Stroh.

 

Geige tönt und Flöte

Bei der Abendröte

Und im Mondenglanz;

Junge Winzerinnen

Winken und beginnen

Deutschen Ringeltanz.

 

Théodore Rousseau, Under the Birches, Evening
Etienne Pierre Théodore Rousseau (1812-1867) war ein französischer Landschaftsmaler und Bruder des weniger bekannten Malers Philippe Rousseau. Er war Gründer der Schule von Barbizon, in der sich die ersten Freilichtmaler zusammenfanden. Sein Werk ist dem Realismus zuzuordnen.

Ernst Stadler 1883-1914

Herbstgang

 

Und strahlend unter goldnem Baldachin

um starre Wipfel funkelnd hingebreitet

und Kronen tragend gehn wir hin

und flüsternd gleitet

dein süßer Tritt gedämpft im bunten Laub.

Aus wilden schwanken lachenden Girlanden

rieselt's wie goldner Staub

und webt sich fließend ein in den Gewanden

und heftet wie Juwelen schwer

sich dir ins Haar und jagt vom Licht gehetzt

in grellen Wirbeln vor uns her

und sinkt aufstiebend in das wirre Meer

kräuselnder Blätter die vom Abendduft genetzt

wie goldgewirkte Teppiche sich spannen ...

 

Nun lischt im fernsten Feld der letzte Laut.

Vom Feuer leis umglüht ragen die Tannen.

Ein feiner dünner Nebel staut

und schlingt sich bäumend um zermürbte Reiser

und irgendwo zerfällt ein irres Rufen.

 

Und deiner Schleppe Goldsaum knistert leiser

und atmend steigen wir auf steilen Stufen.

Weit wächst das Land von Schatten feucht umballt.

Drohend aus Nebeln reckt sich Baum an Baum.

Und schwarz umfängt uns schon der große Wald.

Und dunkel trägt uns schon der große Traum.

 

Vilhelm Hammershøi, Near Fortunen Jægersborg Deer Park North of Copenhagen, Statens Museum for Kunst
Vilhelm Hammershøi (1864-1916) war ein dänischer Maler und gilt als Vertreter des Symbolismus.

Theodor Storm 1817-1888

Herbst

 

Schon ins Land der Pyramiden

Flohn die Störche übers Meer;

Schwalbenflug ist längst geschieden,

Auch die Lerche singt nicht mehr.

 

Seufzend in geheimer Klage

Streift der Wind das letzte Grün;

Und die süßen Sommertage,

Ach, sie sind dahin, dahin!

 

Nebel hat den Wald verschlungen,

Der dein stillstes Glück gesehn;

Ganz in Duft und Dämmerungen

Will die schöne Welt vergehn.

 

Nur noch einmal bricht die Sonne

Unaufhaltsam durch den Duft,

Und ein Strahl der alten Wonne

Rieselt über Tal und Kluft.

 

Und es leuchten Wald und Heide,

Dass man sicher glauben mag,

Hinter allem Winterleide

Lieg ein ferner Frühlingstag.

 

Jan Hendrik Weissenbruch, Herfstlandschap
Johan Hendrik Weissenbruch (1824-1903) war ein Maler aus den Niederlanden.

Georg Trakl 1887-1914

Musik im Mirabell

 

Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn

Im klaren Blau, die weißen, zarten.

Bedächtig stille Menschen gehn

Am Abend durch den alten Garten.

 

Der Ahnen Marmor ist ergraut.

Ein Vogelzug streift in die Weiten.

Ein Faun mit toten Augen schaut

Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

 

Das Laub fällt rot vom alten Baum

Und kreist herein durchs offne Fenster.

Ein Feuerschein glüht auf im Raum

Und malet trübe Angstgespenster.

 

Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.

Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.

Die Magd löscht eine Lampe aus,

Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.

 

Walentin Serow, Herbst Domotkanovo, 1892,
Walentin Alexandrowitsch Serow (1865-1911) war ein russischer Maler, Grafiker und Porträtmaler. Er gilt als ein Vertreter der russischen Jugendstilmalerei.

Paul Verlaine 1844-1896

Herbstlied

 

Geigen

des Herbstes,

Wie schluchzet ihr tief!

Brecht mir

das Herz,

Das voll Sehnsucht rief!

 

Weinend

steh' ich …

Die Stunde verrinnt …

Einstiger

Tage

Gedenkend, wie taub …

 

Frierend

treibt mich

Ein kalter Wind,

Hierhin

und dorthin –

Wie totes Laub!

 

Quelle: Verlaine, in: Gerhart Haug, Münchner Lesebogen Nr. 123.

Verlaine. Die Gedichte des armen Lelian, Münchner Buchverlag, München o.J. [ca. 1945]

 

Paul Baum, Rathaus in St. Anna
Paul Baum (1859-1932) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner und Grafiker.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Die Musik kommt

 

Nun zwängt, die sonst Musik die Töchter lehrte,

sich ins Schwarzseidene mit dem Krachkorsett;

und daß man Haydn, Bach und Koschat ehrte,

beweist man durch Gesang und am Spinett.

 

Nun schlagen wieder löwenmähnige Meister

mit ihren Pranken auf die Flügel ein,

und fiedelt jemand Violin, dann heißt er

Mischka und soll erst sieben Jahre sein.

 

Du siehst mich lächelnd an, Eleonore –

auch du, Geliebte, seist ein Singtalent?

Doch jach entfleucht durch meinem rechten Ohre,

was dein Sopran mir in das linke flennt.

 

Ach ja, der Herbst! Die Blätter werden gelber,

und jedes Mädchen kriegt ein hohes C,

und auch der Muhsikpädagoge selber

stund auf und tremolieretee . . .

 

Du Stadt der Lieder, bist du nicht verwundert?

So jedes Jahr hast du um den Advent

Musikkonzerte Stücker achtzehnhundert –

doch mit Gewinn: nur sechseinhalb Prozent.

 

 

Jan Miense Molenaer, Monatsbilder, Oktober
Jan Miense Molenaer (um 1610-1668) war ein niederländischer Maler und Radierer.
 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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