BuchKult
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jplenio, the dark hedges, by pixabay

Ist Sankt Lukas mild und warm,

folgt ein Winter, dass Gott erbarm.

18. Okt.  St. Lukas

 

Sankt Wendelin,

verlass uns nie,

 schirm unsern Stall,

 schütz unser Vieh.

20. Okt. St. Wendelin

Oktober

früher: Gilbhart, Gilbhard, Weinmond, Weinmonat, zweiter Herbstmond

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Très Riches Heures, Octobre
Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

Nationalfeiertage im Oktober

 

1.

VR China & Republik Zypern & Nigeria & Tuvalu

2.

Guinea & Indien

3.

Deutschland

4.

Lesotho

5.

Vanuatu & Portugal

8.

Kroatien

9.

Südkorea & Uganda

10.

Taiwan & Fidschi

12.

Äquatorialguinea

23.

Ungarn

24.

Sambia

26.

Österreich

27.

Turkmenistan

28.

Griechenland & Tschad

29.

Türkei

 

Eugène Samuel Grasset, Octobre
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Christliche Festtage im Oktober

 

3.

Franz von Assisi (Evang. Gedenktag)

4.

Franz von Assisi (Kath. Gedenktag)

7.

Rosenkranzfest

12.

Erscheinung der Gottesmutter Maria

16.

Gallustag

31.

Reformationstag

31.

St. Wolfgangs-Tag

 

Hans Thoma, Oktober
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Aktions- und Gedenktage im Oktober

 

Erster Freitag

Welttag des Lächelns

Zweiter Freitag

Internationaler Tag des Eies

Letzter Werktag

Weltspartag

1.

Internationaler Tag der älteren Menschen

1.

Weltmusiktag

1.

Weltvegetariertag

1.

Tag des Kaffees

2.

Internationaler Tag der Gewaltlosigkeit (1869 Geburtstag Ghandis)

3.

Tag der Deutschen Einheit

3.

Tag der offenen Moschee

4.

Welttag des Tierschutzes

5.

Internationaler Tag des Lehrers

5.

Tag der Epilepsie

7.

Welttag für menschenwürdige Arbeit

9.

Weltposttag

10.

Welttag gegen die Todesstrafe

10.

Internationaler Tag der seelischen Gesundheit

10.

Welthundetag

12.

Welt-Rheuma-Tag

13.

Tag der Katastrophenvorbeugung

15.

Tag der Rücksichtnahme auf Nichtsehende

15.

Internationaler Hände-Waschtag

16.

Welttag des Brotes

16.

Welternährungstag

17.

Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut

20.

Weltosteoporosetag

20.

Weltstatistiktag

22.

Welttag des Stotterns

24.

Tag der Vereinten Nationen

24.

Tag der Bibliotheken

25.

Weltnudeltag

27.

Welttag des audiovisuellen Erbes

27.

Welttag der Ergotherapie

28.

Welt-Poliotag

29.

Welt-Psoriasistag

29.

Welt-Schlaganfalltag

31.

Halloween und Samhain

31.

Welttag der Städte

Lucas van Valckenborch, Autumn landscape (October)
Lucas van Valckenborch (um 1535-1597) war ein flämischer Maler.

Erich Kästner (1899-1974)

Der Oktober        

 

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Was vorüber schien, beginnt.

Chrysanthemen blühn und frieren.

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Und du folgst ihr wie ein Kind.

 

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.

Kehr nicht um, als sei's zuviel.

Bis ans Ende musst du gehen.

Hadre nicht in den Alleen.

Ist der Weg denn schuld am Ziel?

 

Geh nicht wie mit fremden Füßen,

und als hätt'st du dich verirrt.

Willst du nicht die Rosen grüßen?

Laß den Herbst nicht dafür büßen,

daß es Winter werden wird.

 

An den Wegen, in den Wiesen

leuchten, wie auf grünen Fliesen,

Bäume bunt und blumenschön.

Sind's Buketts für sanfte Riesen?

Geh nur weiter. Bleib nicht stehn.

 

Blätter tanzen sterbensheiter

ihre letzten Menuetts.

Folge folgsam dem Begleiter.

Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.

Denn das Jahr ist dein Gesetz.

 

Nebel zaubern in der Lichtung

eine Welt des Ungefährs.

Raum wird Traum. Und Rauch wird Dichtung.

Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.

"Stirb und werde!" nannte er's.

 

George Inness, Near the Village - October
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Christian Morgenstern

Oktobersturm

 

Schwankende Bäume

im Abendrot -

Lebenssturmträume

vor purpurnem Tod -

 

Blättergeplauder -

wirbelnder Hauf -

nachtkalte Schauder

rauschen herauf.

 

Charles-François Daubigny, Octobre, Rijksmuseum
Charles-François Daubigny (1817-1878) war ein französischer Maler und Grafiker.

Theodor Storm (1817-1888)

Oktoberlied

 

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

 

Und geht es draußen noch so toll,

Unchristlich oder christlich,

Ist doch die Welt, die schöne Welt,

So gänzlich unverwüstlich!

 

Und wimmert auch einmal das Herz –

Stoß an und laß es klingen!

Wir wissen's doch, ein rechtes Herz

Ist gar nicht umzubringen.

 

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

 

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,

Doch warte nur ein Weilchen!

Der Frühling kommt, der Himmel lacht,

Es steht die Welt in Veilchen.

 

Die blauen Tage brechen an,

Und ehe sie verfließen,

Wir wollen sie, mein wackrer Freund,

Genießen, ja genießen!

 

Willard Metcalf, October
Willard Leroy Metcalf (1858-1925) war ein amerikanischer Maler

Justinus Kerner (1786-1862)

Oktober

 

Wie in Gold die Wälder prangen,

Rosen gleich die Bäum' erblühn!

Erde will wie Himmel glühn,

Eh sie starr liegt und vergangen.

 

Der verklärten Erden Wonne

Füllt mit Licht auch meine Brust,

Und das Herz hüpft auf in Lust,

Wie ein Vöglein in der Sonne.

 

Solche Lust, Herz, währt nicht lange,

Herz, das ist nur ein Erglühn

Vor dem gänzlichen Verblühn

Unterm Hügel kalt und bange.

Wie in der Brust Begeist'rung schwillt.

 

John Joseph Enneking, October Twilight Hitchcock
John Joseph Enneking (1841-1916) war ein amerikanischer impressionistischer Maler, der mit der Boston School verbunden war.

Friedrich Rückert (1788-1866)

Herbst Lebensabend

 

Du, dieses Jahres Abend, Herbst,

Sei meines Lebensabends Bild!

Wie langsam du den Hain entfärbst,

Und deine Sonn' ist frühlingsmild:

Es lacht das grünende Gefild'

Tief im Oktober ohne Frost,

Und in der Traube schwillt der Most,

Wie in der Brust Begeist'rung schwillt.

 

George Inness, October
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Martin Greif 1839-1911

Herbstgefühl

 

Wie ferne Tritte hörst du's schallen,

Doch weit umher ist nichts zu sehn,

Als wie die Blätter träumend fallen

Und rauschend mit dem Wind verwehn.

 

Es dringt hervor wie leise Klagen,

Die immer neuem Schmerz entstehn,

Wie Wehruf aus entschwundnen Tagen,

Wie stetes Kommen und Vergehn.

 

Du hörst, wie durch der Bäume Gipfel

Die Stunden unaufhaltsam gehn,

Der Nebel regnet in die Wipfel,

Du weinst, und kannst es nicht verstehn.

 

Carl Larson, October, 1882-83
Carl Olof Larsson (1853-1919) war ein schwedischer Künstler.

Gerhart Hauptmann 1862-1946

Der Herbstwind heult

 

Der Herbstwind heult, die Blätter jagen,

vom Sturm gescheucht, durch kalte Luft.

Die hüllenlosen Bäume ragen,

Denkmäler einer Totengruft.

 

Des Sommers Gluten blass verlodern,

von Wolkenmassen ausgedrückt,

die Sonne selbst scheint zu vermodern,

vom bleichen Tode angeblickt.

 

Es trieft aus nassen Ästen nieder,

Verwesung birgt ein jeder Hauch.

Und, Quelle meiner jungen Lieder,

Verwesung, scheint es, naht dir auch.

 

Mein Innres krampft sich jäh zusammen,

mein Auge ist von Schleiern schwer,

denn jene tiefgenährten Flammen

des Herzens leichten ihm nicht mehr.

 

Aus Wolken, die am Himmel schwimmen,

ein Tränenstrom in meinen taut,

und alles will zusammenstimmen

in einen einzigen Sterbelaut.

 

Yefim Volkov, Oktyabr, 1883
Yefim Yefimovich Volkov (1844-1920) war ein russischer Landschaftsmaler.

Friedrich Hebbel 1813-1863

Spaziergang am Herbstabend

 

Wenn ich abends einsam gehe

Und die Blätter fallen sehe,

Finsternisse niederwallen,

Ferne, fromme Glocken hallen:

Ach, wie viele sanfte Bilder,

Immer inniger und milder,

Schatten längst vergangner Zeiten,

Seh ich dann vorübergleiten.

 

Was ich in den fernsten Stunden,

Oft nur halb bewußt, empfunden,

Dämmert auf in Seel' und Sinnen,

Mich noch einmal zu umspinnen.

Und im inneren Zerfließen

Mein ich's wieder zu genießen,

Was mich vormals glücklich machte,

Oder mir Vergessen brachte.

 

Doch, dann frag ich mich mit Beben:

Ist so ganz verarmt dein Leben?

Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen,

Sprich, was war es einst dem Herzen?

Völlig dunkel ist's geworden,

Schärfer bläst der Wind aus Norden,

Und dies Blatt, dies kalt benetzte,

Ist vielleicht vom Baum das letzte.

 

 

Isaak Lewitan, Sokolniki Autumn, 1879
Isaak Iljitsch Lewitan (1860-1900) war einer der bedeutendsten russischen Maler des Realismus.

Richard von Schaukal 1874-1942

Herbst

 

Oktoberwind liegt auf dem Bauche

und wirbelt frech mit kaltem Hauche

die welken Blätter in die Welt.

Die blassen Fensterscheiben zittern,

die Bäche sind erschreckt und flittern,

die Hasen ducken sich ins Feld.

 

Du, hohe Sonne, kämpfst vergebens

mit schwachem Strahle kranken Lebens:

der Winter wartet auf dem Berg.

Die Verse sind ganz steif gefroren,

sie haben allen Schwung verloren

und humpeln wie ein alter Zwerg.

 

Claude Monet, Autumn on the Seine, Argenteuil, 1873
Claude Monet (1840-1926) war ein bedeutender französischer Maler, dessen mittlere Schaffensperiode der Stilrichtung des Impressionismus zugeordnet wird.

Ferdinand von Saar 1833-1906

Herbstlese

 

Schon blicken rothe Wipfel

Aus fahlem Laub hervor,

Leis' um der Berge Gipfel

Wallt lichter Nebelflor.

 

Schon folgt dem Schnitterreigen

Des Jägers rascher Schuß –

Doch reift's noch an den Zweigen

Im letzten Sonnenkuß.

 

Bald nahen frohe Hände,

Sie schütteln Ast um Ast,

Sie brechen vom Gelände

Der Trauben süße Last.

 

Denn so ist's allerwegen:

Daß für des Sommers Fleiß

Mit köstlich reichem Segen

Der Herbst zu lohnen weiß.

 

Doch was ist dir beschieden,

Der du die Zeit verträumt,

Der du, zu sä'n hienieden,

Zu pflanzen hast versäumt?

 

Da du im Frühlingshauche

Nach Rosen nur gesucht:

So pflück' vom dorn'gen Strauche

Dir jetzt die herbe Frucht.

 

Albert Bierstadt, On the Saco
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

Theodor Storm 1817-1888

Das ist der Herbst

 

Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,

Durch nackte Zweige fährt der Wind;

Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen -

Leb wohl, du reizend Schifferkind! --

 

Sie schaute mit den klaren Augen

Vom Bord des Schiffes unverwandt,

Und Grüße einer fremden Sprache

Schickte sie wieder und wieder ans Land.

 

Am Ufer standen wir und hielten

Den Segler mit den Augen fest -

Das ist der Herbst! wo alles Leben

Und alle Schönheit uns verläßt.

 

Jasper Francis Cropsey, Autumn - On the Hudson River, 1860
Jasper Francis Cropsey (1823-1900) war ein US-amerikanischer Maler und Architekt.

Friedrich Hölderlin 1770-1843

Der Herbst

 

Die Sagen, die der Erde sich entfernen,

Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,

Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen

Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.

 

Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen

Von der Natur, als wie die Tag’ verblassen

Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,

Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.

 

In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,

Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,

Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,

In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.

 

Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret

Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret,

Es zeiget sich mit einem goldnen Tage,

Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.

 

Aksel Waldemar Johannessen, Herbststimmung, um 1916
Aksel Waldemar Johannessen (1880-1922) war ein norwegischer Grafiker, Bildhauer und Maler des Expressionismus.

Georg Trakl 1887-1914

Verklärter Herbst

 

Gewaltig endet so das Jahr

Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.

Rund schweigen Wälder wunderbar

Und sind des Einsamen Gefährten.

 

Da sagt der Landmann: Es ist gut.

Ihr Abendglocken lang und leise

Gebt noch zum Ende frohen Mut.

Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

 

Es ist der Liebe milde Zeit.

Im Kahn den blauen Fluß hinunter

Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -

Das geht in Ruh und Schweigen unter.

 

Mihály von Munkácsy, Maizefield, 1874
Mihály von Munkácsy, eigentlich Michael Lieb (1844-1900), war ein ungarischer Maler des Realismus und Freskant, der im 19. Jahrhundert europaweit bekannt war.

Detlev von Liliencron 1844-1909

Herbst

 

Astern blühen schon im Garten,

Schwächer trifft der Sonnenpfeil.

Blumen, die den Tod erwarten

Durch des Frostes Henkerbeil.

 

Brauner dunkelt längst die Heide,

Blätter zittern durch die Luft.

Und es liegen Wald und Weide

Unbewegt in blauem Duft.

 

Pfirsich an der Gartenmauer,

Kranich auf der Winterflucht.

Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,

Welke Rosen, reife Frucht.

 

 

Lovis Corinth, Herbstblumen, 1895
Lovis Corinth (1858-1925) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker.

Theodor Storm 1817-1888

Im Herbste

 

Es rauscht, die gelben Blätter fliegen,

Am Himmel steht ein falber Schein;

Du schauerst leis und drückst dich fester

In deines Mannes Arm hinein.

 

Was nun von Halm zu Halme wandelt,

Was nach den letzten Blumen greift,

Hat heimlich im Vorübergehen

Auch dein geliebtes Haupt gestreift.

 

Doch reißen auch die zarten Fäden,

Die warme Nacht auf Wiesen spann –

Es ist der Sommer nur, der scheidet;

Was geht denn uns der Sommer an?

 

Du legst die Hand an meine Stirne

Und schaust mir prüfend ins Gesicht;

Aus deinen milden Frauenaugen

Bricht gar zu melancholisch Licht.

 

Erlosch auch hier ein Duft, ein Schimmer,

Ein Rätsel, das dich einst bewegt,

Daß du in meiner Hand gefangen

Die freie Mädchenhand gelegt?

 

O schaudre nicht! Ob auch unmerklich

Der schönste Sonnenschein verrann –

Es ist der Sommer nur, der scheidet;

Was geht denn uns der Sommer an?

 

 

Hans am Ende, Herbst im Moor, um 1900, Worpsweder Kunsthalle
Hans am Ende (1864-1918) war ein deutscher Maler des Impressionismus und Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede.

Georg Heym 1887-1912

Der Abend

 

Versunken ist der Tag in Purpurrot,

Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte.

Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot

Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.

 

Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald

Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren.

Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt

Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.

 

Das Dunkel ist im Osten ausgegossen,

Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne.

Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen,

Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.

 

Charles Wilson Knapp, Mountain River Scene Autumn of the Hudson, 1870
Charles Wilson Knapp (1823-1900) war ein amerikanischer Maler.

Paul Verlaine 1844-1896

Herbstlied

 

Hohler Ton,

Violenton,

Bang im Herbste,

Stöhnt mit ein-

Töniger Pein

Lang im Herzen.

 

Ganz verstummt,

Wenn Turm summt,

Stunden schlagen,

Bleich und wach

Wein ich nach

Früheren Tagen.

 

Und ich geh

Im Wehn und Weh

Hingetrieben,

Da, dort,

Wie verdorrt

Blätter stieben.

 

 

Winslow Homer, Autumn
Winslow Homer (1836-1910) war ein US-amerikanischer Zeichner und Maler.

Barthold Heinrich Brockes 1680-1747

Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst

 

In einem angenehmen Herbst,

bey ganz entwölktem heiterm Wetter,

Indem ich im verdünnten Schatten,

bald Blätter-loser Bäume, geh',

Und des so schön gefärbten Laubes

annoch vorhandnen Rest beseh';

Befällt mich schnell ein sanfter Regen,

von selbst herabgesunkner Blätter.

Ein reges Schweben füllt die Luft.

Es zirkelt, schwärmt' und drehte sich

Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer;

doch selten im geraden Strich.

Es schien die Luft, sich zu bemühn,

den Schmuck, der sie bisher gezieret,

So lang es möglich, zu behalten,

und hindert' ihren schnellen Fall.

Hiedurch ward ihre leichte Last,

im weiten Luft-Kreis überall,

In kleinen Zirkelchen bewegt,

in sanften Wirbeln umgeführet,

Bevor ein jedes seinen Zweck,

und seiner Mutter Schooß, berühret;

Um sie, bevor sie aufgelöst,

und sich dem Sichtlichen entrücken,

Mit Decken, die weit schöner noch,

als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken,

der Blätter lieblichem Gewühl,

Und dem dadurch, in heitrer Luft,

erregten angenehmen Spiel,

Der bunten Tropfen schwebendem,

im lindem Fall formiertem, Drehn,

Mit offnem Aug', und ernstem Denken,

nun eine Zeitlang zugesehn;

Als ihr von dem geliebten Baum

freywilligs Scheiden (da durch Wind,

Durch Regen, durch den scharfen Nord,

sie nicht herabgestreifet sind;

Nein, willig ihren Sitz verlassen,

in ihren ungezwungnen Fällen)

Nach ernstem Denken, mich bewog,

sie mir zum Bilde vorzustellen,

Von einem wohlgeführten Alter,

und sanftem Sterben; Die hingegen,

Die, durch der Stürme strengen Hauch,

durch scharfen Frost, durch schwehren Regen

ihren Zweigen abgestreift und abgerissen,

kommen mir,

Wie Menschen, die durch Krieg und Brand

und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht' ich, sind die Menschen,

die den freywillgen Blättern gleichen,

Und, wenn sie ihres Lebens Ziel,

in sanfter Ruh' und Fried', erreichen;

Der Ordnung der Natur zufolge,

gelassen scheiden, und erbleichen!

 

Emile Friant, Les Amoureux, Musée des beaux arts de Nancy
Émile Friant (1863-1932) war ein französischer Maler.

Erich Mühsam 1878-1934

Angst packt mich an

 

Angst packt mich an,

Denn ich ahne, es nahen Tage

voll großer Klage.

Komm du, komm her zu mir! –

Wenn die Blätter im Herbst ersterben

und sich die Flüsse trüber färben

und sich die Wolken ineinander schieben –

dann komm, du, komm!

Schütze mich –

stütze mich –

faß meine Hand an.

Hilf mir lieben!

 

Hans Andersen Brendekilde, A wooded path in autumn, 1902
Hans Andersen Brendekilde (1857-1942) war ein dänischer Maler.

Johannes Schlaf 1892-1941

Herbst

 

Nun kommen die letzten klaren Tage

Einer müderen Sonne.

Bunttaumelnde Pracht,

Blatt bei Blatt.

So heimisch raschelt

Der Fuß durchs Laub.

O du liebes, weitstilles Farbenlied!

Du zarte, umrißreine Wonne!

Komm!

Ein letztes Sonnenblickchen

Wärmt unser Heim.

Da wollen wir sitzen,

Still im Stillen,

Und in die müden Abendfarben sehn.

Da wollen wir beieinander sitzen

In Herbstmonddämmer hinein

Und leise

Verlorene Worte plaudern.

 

Abram Manewitsch, Autumn, 1914, National Art Museum of Ukraine
Abram Anschelowitsch Manewitsch (1881-1942) war ein weißrussisch-ukrainisch-amerikanischer Maler.

Luise Büchner 1821-1877

Herbstlied

 

Es liegt der Herbst auf allen Wegen,

In hundert Farben prangt sein Kleid,

Wie seine Trauer, seinen Segen

Er um sich streut zu gleicher Zeit.

 

Es rauscht der Fuß im welken Laube,

Was blüht' und grünte, ward ein Traum –

Allein am Stocke winkt die Traube

Und goldne Frucht schmückt rings den Baum.

 

So nimmt und gibt mit vollen Händen

Der Herbst, ein Dieb und eine Fee;

Erfüllung kann allein er spenden,

Doch sie umfängt ein tiefes Weh! –

 

O, Herbst der Seele! deine Früchte,

Sind auch Gewinn sie, oder Raub?

Der Wünsche Blüthe ist zunichte,

Der Hoffnung Grün ein welkes Laub.

 

Zu schwer erkauft, um zu beglücken,

O, Seelenherbst, ist deine Zier!

Der Saft der Traube kann entzücken,

Doch keine Wonne strömt aus dir.

 

Die Weisheit, wie die Frucht sie nennen,

Sie preßt mir bittre Thränen aus,

Und ihres Kernes herbem Brennen

Entkeimet nie ein Frühlingsstrauß!

 

Mikhail Germashev, Fall landscape
Mikhail Markianowich Germashev (1867-1930) war ein russischer Maler.
 

Karl von Gerok 1815-1890

Herbst-Gefühl

 

Müder Glanz der Sonne!

Blasses Himmelblau!

Von verklungner Wonne

Träumet still die Au.

An der letzten Rose

Löset lebenssatt

Sich das letzte lose,

Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben

Schleicht sich durch den Hain!

Auch Vergeh'n und Sterben

Däucht mir süß zu sein.

 

Aristarch Lentulov, Autumn, um 1920-22
Aristarch Wassiljewitsch Lentulow (1882-1943) war ein russischer und sowjetischer Maler, Bühnenbildner und Pädagoge.

Wilhelm Busch 1832-1908

Im Herbst

 

Der schöne Sommer ging von hinnen,

Der Herbst, der reiche, zog ins Land.

Nun weben all die guten Spinnen

So manches feine Festgewand.

 

Sie weben zu des Tages Feier

Mit kunstgeübtem Hinterbein

Ganz allerliebste Elfenschleier

Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

 

Ja, tausend Silberfäden geben

Dem Winde sie zum leichten Spiel,

Die ziehen sanft dahin und schweben

Ans unbewußt bestimmte Ziel.

 

Sie ziehen in das Wunderländchen,

Wo Liebe scheu im Anbeginn,

Und leis verknüpft ein zartes Bändchen

Den Schäfer mit der Schäferin.

 

Konstantin Korovin, Herbstliche Landschaft
Konstantin Alexejewitsch Korowin (1861-1939) war ein russischer Maler, Bühnenbildner und Pädagoge.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Herbst im Fluss

 

Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort.
Ich dachte an alte Leute
Die auswandern ohne ein Klagewort.

 

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gezügig, und sinken dann still.

 

Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.

 

Joachim von Sandrart, Der Monat Oktober
Joachim von Sandrart der Ältere (1606-1688) war ein deutscher Maler, Kupferstecher, Kunsthistoriker und Übersetzer.

Der Wein

Sonne an Sankt Franz

gibt dem Wein den Glanz.

4. Okt.  St. Franziskus von Assisi

 

Sankt Burkhard Sonnenschein

schüttet Zucker in den Wein.

14. Okt.  St. Burkhard

 

Les vendanges, Imagerie nouvelle, Farblithografie, Mitte 19.Jh.

Wein hinein, Vernunft hinaus.

Aus Ungarn

 

Wein rein, Geheimnis raus.

-unbekannt-

 

Wein macht Menschen durchsichtig.

-unbekannt-

 

Wein ist ein kühner Redner.

Deutsches Sprichwort

 

Vincent van Gogh, Roter Weinberg
Vincent Willem van Gogh (1853-1890) war ein niederländischer Maler und Zeichner; er gilt als einer der Begründer der modernen Malerei.

Wein ist Poesie in Flaschen.

Robert Louis Stevenson

 

Der Wein ist die Milch der Greise.

Aus Frankreich

 

Der Wein wandelt den Maulwurf zum Adler.

Charles Baudelaire

 

Beim ersten Glas trinkt man Wein.

Beim zweiten trinkt der Wein den Wein.

Beim dritten trinkt der Wein den Trinker.

Aus Japan

 

Édouard Debat-Ponsan, Coin de vigne, 1886
Édouard Bernard Debat-Ponsan (1847-1913) war ein französischer Maler.

Besser zuviel Brot als zu wenig Wein.

Aus Brasilien

 

Schade, daß man einen Wein nicht streicheln kann.

Kurt Tucholsky

 

Der Wein wirkt stärkend auf

den Geisteszustand, den er vorfindet;

der Wein macht die Dummen dümmer

und die Klugen klüger.

Jean Paul

 

Für die Toten Wein,

für die Lebenden Wasser,

das ist eine Vorschrift für Fische.

Martin Luther

 

Juan Planella Rodríguez, La vendimia, Museo del Prado
Joan Planella Rodríguez (1849-1910) war ein spanischer Maler.

Es steckt mehr Philosophie

in einer Flasche Wein

als in allen Büchern dieser Welt.

Louis Pasteur

 

Der Wein heilt und erfreut den Menschen

mit seiner wohltuenden Wärme und großen Kraft.

Hildegard von Bingen

 

Das ist Menschenlos,

– bald fehlt uns der Wein,

bald fehlt uns der Becher.

Friedrich Hebbel

 

Wer da trinket guten Wein,

dem schaut Gott ins Herz hinein.

-unbekannt-

 

 

John Roddam Spencer Stanhope,

The Wine Press, 1864
John Roddam Spencer Stanhope (1829-1908) war ein englischer Künstler, der mit Edward Burne-Jones und George Frederic Watts in Verbindung steht und oft als Präraffaelit bezeichnet wird.
 

Ludwig Uhland 1787-1862

 

Was ist das für ein durstig Jahr!

Die Kehle lechzet immerdar,

Die Leber dorrt mir ein.

Ich bin ein Fisch auf trocknem Sand,

Ich bin ein trocknes Ackerland,

O schafft mir Wein, schafft Wein!

 

Joaquín Sorolla, Comiendo uvas
Joaquín Sorolla y Bastida (1863-1923) war ein spanischer Maler und Grafiker des Impressionismus.

Wie es der alte Spruch befiehlt,

So liebt' ich Wein stets, Weib und Lieder,

Doch kam ich dabei übel an

Und thät's wahrhaft nimmer wieder.

 

Die Weiber fand ich alle falsch,

Die Lieder hab' ich falsch gesungen,

Und nun hat der gefälschte Wein

Mich schließlich auch noch umgebrungen.

 

Autor unbekannt

Quelle: Fliegende Blätter, humoristische

deutsche Wochenschrift, 1845-1944

 

 

Ferdinand Georg Waldmüller, Kinder im Presshaus
Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit.

Friedrich von Bodenstedt

1819-1892

 

Lieber Sterne ohne Strahlen

Als Strahlen ohne Sterne;

Lieber Kerne ohne Schalen

Als Schalen ohne Kerne;

Geld lieber ohne Taschen

Als Taschen ohne Geld;

Wein lieber ohne Flaschen

Als umgekehrt bestellt.

 

Albert Samuel Anker, The Wine Festival
Albert Samuel Anker (183-1910) war ein Schweizer Maler, Grafiker und Genremaler des schweizerischen Volkslebens

Sarah Jane Prentiss, Autumn Leaves
Sarah Jane Prentiss (1823-1877) war eine amerikanische Malerin.

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin
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