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St. Nikolaus 6. Dezember

Nikolaus von Myra (* zwischen 270 und 286 in Patara; † 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365) ist einer der bekanntesten Heiligen der Ostkirchen und der lateinischen Kirche. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird im gesamten Christentum begangen und ist mit zahlreichen Bräuchen verbunden.

Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, damals Teil des römischen, später des byzantinischen Reichs, mittlerweile der Türkei.

 

Nikolaus’ Wirken hat zu vielfältigen Legendenbildungen beigetragen, die im Laufe der Jahrhunderte dazu führten, dass er als einer der wichtigsten Heiligen angesehen wurde. Die Legenden basieren allerdings nicht nur auf dem Leben des Bischofs von Myra, sondern auch auf denen eines gleichnamigen Abtes des Klosters Sion bei Myra, der später Bischof in Pinara war und 564 starb.

 

 

Francesco Guardi,

Saint Nicolas bénissant
Francesco Guardi (1712-1793) war ein italienischer Veduten- und Landschaftsmaler des Rokoko.

Detlev von Liliencron 1844-1909

Die Legende vom heiligen Nikolaus

 

Nach dem französischen Urtext

 

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

Sie kamen abends an eines Schlachters Bank:

Wir sind hungrig und müd, gib uns Speis und Trank.

Nur herein, lieben Kinder, herein zu mir,

Hier findet ihr alles, auch Nachtquartier.

 

Kaum sind sie bei ihm und warten auf Brot,

Da schlägt sie der Schlachter mausetot

Und zerhackt sie in viele Stücke klein

Und pökelt sie wie Ferkelfleisch ein.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

Nach sieben Jahren ging Sankt Nikolaus

In diese selbe Gegend hinaus.

Er kam vorbei an des Schlachters Bank:

Ich bin hungrig und müd, gib mir Speis und Trank.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

Tritt ein, heiliger Nikolaus, tritt ein,

Hier findest du alles, auch Brot und Wein.

Der heilige Nikolaus hat sich kaum gesetzt,

Da hat er am Brot sein Messer gewetzt.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

Gib mir von deinem Pökelfleisch zart,

Das dort sieben Jahre schon liegt verwahrt.

Kaum hat der Schlachter gehört dies Wort,

Läuft er stracks aus seiner Ladentür fort.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

Aber Schlachter, Schlachter, lauf doch nicht,

Gott verzeiht ja dem reuigen Bösewicht

Sankt Nikolaus setzt an das Faß sich hin,

Wo rosig das Pökelfleisch lagerte drin.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ahrenlesen ins Feld.

 

Hört, ihr Knaben, ihr schlieft nun aus,

Ich bin der große Sankt Nikolaus.

Und der Heilige hob drei Finger baß,

Da sprangen die Drei heraus aus dem Faß.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

Der erste spricht: Wie schlief ich gut.

Der zweite: Auch ich hab sanft geruht.

Und der dritte Dreikäsehoch gähnt und sagt dies:

Mir träumte, ich war im Paradies.

Es waren einmal drei Kinder auf der Welt,

Die gingen zum Ährenlesen ins Feld.

 

 

John Pintard, St. Nicholas, 1810
John Pintard, Jr. (1759-1844) war ein amerikanischer Kaufmann und Philanthrop.

Paula Dehmel 1862-1918

Bescheidene Frage

 

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

bringst du der flinken Grete was?

Sie ist fast immer artig gewesen,

hat fleißig in ihrer Fibel gelesen,

kann das große H schon ganz richtig schreiben,

wird Ostern gewiss nicht sitzen bleiben;

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

schenkst du ihr was?

 

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

bringst du dem dicken Peterle was?

Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn,

aber beten kann er schon wunderschön:

»Lieber Dott, mach alle Menßen dut,

nimm alle unter deinen Hut!«

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

schenkst du ihm was?

 

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

bringst du der kleinen Lene was?

Sie gehört der armen Flick-Marie

und hat schon lange ein schlimmes Knie;

zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus,

sieht immer so blass und ängstlich aus.

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

schenkst du ihr was?

 

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

ich wünsch mir selber auch noch was:

möch in der Weihnacht mit dir gehn,

mir all die fröhlichen Kinder besehn,

wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken

und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken.

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,

schenkst du mir das?

 

 

Jan Steen,

Het Sint Nicolaasfeest
Jan Havickszoon Steen (1626-1679) war ein niederländischer Maler, ein Meister des holländischen Genrebildes im Goldenen Zeitalter der Niederlande.
 

Josef Weinheber 1892-1945

Sankt Nikolaus

 

Dort, Mutter, schau! Im Schnee der Schein,

jetzt biegt es in die Gass' herein,

der eine schwarz, der ander weiß,

jetzt stapft es über die Stiege leis,

ist an der Tür - Wohin? - Davon!

Knie nieder, Bübel, da sind sie schon.

 

„Ich bin der heilig Nikolaus,

sonst Schneidermeister im Huberhaus.

Zieh all herum und schau geschwind,

ob mir die Büblein richtig sind;

artig, folgsam, auch fleißig schier:

Wie steht es dieserhalb mit dir?"

 

Heiliger Nikolaus, bitte schön,

ich kann schon alleine zum Kaufmann gehn,

ich wasch mir schon selber Hals und Gesicht,

(nur Strümpf anziehen kann ich noch nicht)

und bevor ich essen und schlafen gehn tu,

falt ich die Händ und bete dazu.

 

„Dort hinten wart' mein schwarzer Knecht,

dem bist du in die Butten recht.

Sein Ketten, sein Hörndl, sein Ochsenschlepp,

sein lange Ruten, herauf die Trepp,

sein Feuerzungen, glüh und gleiß,

die machen dir, hoff ich, die Hölle heiß."

 

Ich bitt dich, heiliger Nikolaus,

meine Schuh, die stehen im Fenster drauß,

schütt Äpfel und Nüss' und stell über Nacht

ein lebzelten Reiter hin, der mirs bewacht.

Die Datteln aber mit lutschigem Kern,

die hab ich, weißt du, besonders gern.

 

„Mein liebes Bübel, steh auf von der Erd,

du bist mir Heiligem lieb und wert.

Halt' mir derweilen den Bischofstab,

damit ich dir leichter ein Bussel gab.

Geh, fürcht dich doch nicht vor meinem Bart!

Derselb ist bloß von Watte zart.."

 

 

 

 

Fritz Tüshaus, Sankt Nikolaus, Stadtmuseum Münster
Friedrich (Fritz) Tüshaus (1832-1885) war ein deutscher Genre- und Historienmaler sowie Holzstecher und Illustrator.
 

Ein paar despektierliche Nikolaus-Verse

 

Niklaus, Niklaus, lieber Mann,

Klopf an unsre Türe an!

Wir sind brav, drum bitte schön,

lass den Stecken draußen stehn!

 

◊

 

Niklaus, Niklaus, huckepack,

Schenk uns was aus deinem Sack!

Schüttle deine Sachen aus,

Gute Kinder sind im Haus!

 

◊

 

Wenn die Glocke sieben schlägt,

kommt der Niklaus angefegt

mit dem großen Besenstiel,

haut die Kinder gar zu viel.

 

◊

 

Lieber, guter Nikolaus,

lösch uns unsere Fünfen aus,

mache lauter Einsen draus,

bist ein braver Nikolaus!

 

◊

 

Nikolaus, sei unser Gast,

wenn du was im Sacke hast.

Hast du was, so lass dich nieder,

hast du nichts, so pack dich wieder!

 

 

Heinrich Hoffmann,

Struwwelpeter - Die Geschichte von den schwarzen Buben

St. Barbara 4. Dezember

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

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Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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