Alfons Petzold 1882-1923
Herannahendes Gewitter
Wie heute war noch nie das Licht so grell.
Was sonst sich zeigt den Blicken klar und hell,
Schwimmt jetzt in einem glasig starren Duft.
Das Tal ist kleiner worden, eingeengt
Ist jedes Wesen, und die Sonne hängt
Wie eine tote Ampel in der Luft.
Ein schwarzer Rauchqualm überm trägen Fluß
Greift riesenarmig in den grauen Guß
Der Himmelswölbung, so als wolle er
Herunterreißen jene Wolkenbank,
Die ob dem Strom in ruhigem Geschwank
Herabdroht auf die Erde, ernst und schwer.
Karl Henckell 1864-1929
Gewitter
Es wetterleuchtet durch die Nacht,
Die Donner, sie rollen von ferne,
Die Wolken stürmen zur wilden Schlacht,
Und ängstlich verlöschen die Sterne.
Es jagt und wettert und kracht und braust,
Wie wenn in Lüften der Böse haust –
Was schmiegst du dich an mich mit Zittern?
He, holla! Mich freut das Gewittern.
Kennst du das Leben, mein liebes Kind?
Ach nein, du tändelst in Träumen.
Oft stürmt durch das Leben der Wirbelwind
Und reißt an den knorrigsten Bäumen.
Unter Donner und Blitzen, in stürmischer Nacht
Schlägt der Mensch mit dem Schicksal die lustige Schlacht.
Was schmiegst du dich an mich mit Zittern?
He, holla! Mich freut das Gewittern.
Wie brannte die Sonne so heiß und so dumpf!
Die Bäume, sie rangen nach Odem;
Nun flutet es feucht, und der dürrste Stumpf
Saugt ein den köstlichen Brodem.
Wenn träge die Sonne das Leben verbrennt,
Willkommen dann, schlagendes Element!
Lass ab von Zagen und Zittern,
He, holla! Mich freut das Gewittern.
Hedwig Lachmann 1865-1918
Schwermut
Mir ist, wie wenn in einer Sommernacht
Die Menschen schweigsam in den Lauben sitzen.
Die Luft ist schwer. Ein Wolkenhimmel dacht
Sich über ihnen. Und die Fernen blitzen.
Sie fragen in die Höh: Kommt wohl ein Sturm?
Und legen spät sich und bekümmert schlafen.
Und lauschen oft gepresst, ob nicht vom Turm
Ihr Ohr im Halbschlaf Glockenklänge trafen.
Georg Heym 1887-1912
Die nahen Donner schallten...
Die nahen Donner schallten von dem Fluß.
Der Wind ergriff der Inselpappel Laub,
Und warf's dem Ufer zu als Herbstes Gruß.
Die Straße lang erhob sich grauer Staub.
Die Vögel flohen ihrer Nistung Schutz
Unsicher flatternd über dunkler Flur.
Ein Falke nur bot drohndem Sturme Trutz
Und zog gelassen seine runde Spur.
Georg Heym 1887-1912
Der Himmel wird so schwarz, als würd es Nacht.
Der bleiche Schein der fernen Blitze loht.
Wie Todes Aug aus gelber Maske droht.
Das Wetter zieht herauf in dunkler Pracht.
Der erste Windstoß preßt die Kiefern rauh.
Die Raben wirbeln auf wie schwarzes Laub.
Vom weißen Strande wälzt sich hoch der Staub.
Und zieht zur See hinaus wie Wolken grau.
Die Möwen ziehn am Wasser ihren Kreis.
Ihr Fittich ist wie Frauenschultern rein.
Des Ufers Villen stehen in dem Schein
Des wetterdunklen Himmels seltsam weiß.
Der Regen rauscht in Abends Dunkelheit.
Fern in den Wolken noch der Donner hallt.
Im Wind und Regen friert der Uferwald
Wie in Novemberabends Traurigkeit.
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
Sommer
Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
Paula Dehmel (1862 - 1918)
Ich bin der Juli
Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?
Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.
Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
Joachim Winterfeld von Damerow 1873-1934
Heraufziehendes Gewitter
Erd' und Himmel, grell besonnt,
sind bedrängt von dumpfem Glühen.
Tief am flimmernden Horizont
wächst ein bleiches Blühen.
Brünstiger Atem wiegt und wellt
raschelnde Ähren, die reifensmatten.
Über dem jäh erblassenden Feld
ziehende Wolkenschatten.
Zögernd schwindet der Sonnenglast,
reglos stehen die Roggenschläge.
Unter der finsteren Wolkenlast
bleichen die Weiden am Wege.
Weiß in die grollende Wetternacht
flatternde Schmetterlinge,
wie Gebetlein angstentfacht,
so kleinlaut und geringe.
Carl Busse 1872-1918
Vor dem Gewitter
Schwül drückte die Luft und der Tag versank,
Und die Lande lagen in Träumen,
Wie pochende Reue flüsterte bang
Der Thauwind in den Bäumen.
Kein Licht am Himmel, der Vollmond schlief
In dunklen Wolkengezelten,
Ein Vogel schwirrte, und geisterhaft rief
Sein Schrei durch die ängstlichen Welten.
Sonst hörtest du nichts; nur hier und da
Schwergehend ein Atemholen -
Wie Frauenhaarduft, betäubend und nah -
Von Rosen und Nachtviolen.
Zwei Fledermäuse flatterten grau,
Und hinter den thauwindgescheuchten,
Fliehenden Wolken, schweflig und blau,
Glühte ein Wetterleuchten.
Georg Britting 1891-1964
Vor dem Gewitter
Der Nußbaum glänzt mit allen tausend Blättern.
Es fällt ein Blatt herab mir in den Wein.
Die Luft ist dumpf. Es riecht nach Blitz und Wettern.
Das Blatt fährt wie ein Schifflein auf dem Wein.
Ein zartes Donnern. Drüben. Überm Fluß.
Das grüne Blatt, ich hol es aus dem Wein.
Der schmeckt ein wenig bitter nun nach Nuß.
Ein wenig Bittres darf in allem sein,
Im Wort des Freundes, und im Liebeskuß -
Warum nicht auch im Wein?
Hans Jakob Breiter 1845-1893
Das Gewitter
Mir schien, als ich gen Himmel sah,
Ein Ungewitter drohend nah’.
Die Luft war schwül und finster, schwer
Hing über mir ein Wolkenmeer.
Schon sah ich bang’ der Blitze Sprüh’n,
Der Wolken schwarze Nacht durchzieh’n.
Schon hört’ ich, wie des Donners Groll
Von Ost nach Westen dröhnend scholl.
Und bange schaut’ ich rings umher,
Ob nirgends eine Zuflucht wär’.
Da hauchte sanft ein Windchen drein,
Und blies den Himmel wieder rein.
Und strahlend zog am Himmels Plan,
Die Sonne wieder ihre Bahn.
Verbirgt sich einst dein Sonnenlicht,
Dann, armes Herz, verzage nicht.
Wenn dir ein Ungewitter droht,
So schwarz es sei, vertraue Gott.
Schnell ist, haucht Seine Liebe drein,
Dein Lebenshimmel wieder rein.
Georg Trakl 1887-1914
Sommer
Am Abend schweigt die Klage
des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
der rote Mohn.
Schwarzes Gewitter droht
über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
erstirbt im Feld.
Nimmer regt sich das Laub
der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
rauscht dein Kleid.
Stille leuchtet die Kerze
im dunklen Zimmer;
eine silberne Hand
löschte sie aus;
windstille, sternlose Nacht.
Karl Friedrich Gottlob Wetzel 1779-1819
Ungewitter
Horch und sieh! Die Blitze dröhnen
Und die dumpfen Täler stöhnen,
Die Natur im Fiebertraum
Wälzt Gewitter durch den Raum.
Wenn mich das Gewirr umschauert,
In der Luft der Zufall kauert,
Mahnt ein Götterbote mich:
"Daß du Mensch bist, freue dich!
Sollen all' die Graungewalten
Zur Bedeutung sich gestalten,
Müssen sie, dir untertan,
Deiner Macht sich schmiegen an.
Du nur schaffst durch dein Beraten
Dieses Wurfspiel um zu Taten,
Hauchst in den verworrnen Drang
Sprache, Geist und Seelenklang!"
Emil Rittershaus 1834-1897
Über dem Haupt dir
Segeln die Wolken,
Tragen den schnellen
Tötenden Blitz.
Über dem Haupt dir
Strahlen die Sterne,
Winken dir traut
In trauriger Nacht.
Nieder zu dir hin
Fahren die Blitze,
Doch zu den Sternen
Streben mußt du!