BuchKult
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Rudolf Leonhard 1889-1953

Unwetter

 

Es regnet. Das Wasser fällt

in langen zackigen Strähnen.

Der flackernde Drahtzaun hält

glitzernde Tropfen mit zähen Zähnen.

 

Es schauern in feuchter Kält

die Bäume mit dünnen Mähnen,

uns ist von Regen die Welt nicht vergällt

in unsern Baracken wie in Kähnen.

 

Ich möchte in dieser Wirbelwelt

noch viele Jahre bleiben

in meinem Leben, in meinem Feld

vor mich hin wie ein Regen treiben,

 

noch lang in den Erdendingen wühlen

und schrein und singen und dringen und schreiben

und, wie das Licht die Haut mir hellt,

immer den Wind am Leibe fühlen.

 

 

Giorgione, La tempesta
Giorgione (1478-1510) – vollständiger Name Giorgio da Castelfranco, auch Zorzo da Castelfranco – war ein italienischer Maler der Renaissance.

Paul Zech 1881-1946

Wir ducken uns tief …

 

Endloser Regen rinnt und rinnt.

 

Nebel spannen im Schreiten

zitternde Saiten von Wind zu Wind.

 

Alle Weiten rauschen heran.

 

Und die Bäume stapfen ums Haus wie Riesen

und werfen Gewitter herein.

 

Wir ducken uns tief! Wir krümmen uns klein!

 

Und unser verschwistertes Hand in Hand

wird grau, wie ein einsamer Strand,

überschwemmt und verwiesen.

 

 

 

Jacob van Ruisdael, Storm on the Dunes, Philadelphia Museum of Art 
Jacob Isaackszoon van Ruisdael (um 1628/29-1682) war ein niederländischer Landschaftsmaler und Radierer des Barock.

Paul Zech 1881-1946

Schwarz hub sich ein Tannenwald

 

Schwarz hub sich ein Tannenwald vom Feld.

 

Spätgewitterkühle fuhr, vom Wind geschnellt,

durch die Wipfel und zerfetzte die Kontur,

 

Wald und Wolkenwälle flogen wie gehetzte

und verletzte Riesenvögel rasch daher.

 

Und die flache blondgemähnte Weizenflur

überschrie, gleich einem aufgewühlten Meer,

Lerchenchöre und das Wisperlied der Grillen.

 

Und dann strich der Regen, schräg ins Licht gestellt,

rauschend nieder und aus den gefurchten Rillen

sprang es silbersprühend auf, wie von Fontänen.

 

In den überschwemmten Wiesen, Sumpfmoränen,

schwamm der Schwarzforst wirr, wie aufgelöstes Haar,

und der Himmel, der wie ein verträntes Auge war.

 

 

 

Gaspard Poussin, Landscape with Lightning, ca. 1667-69
Gaspard Poussin (1615-1675) - eigentlich Gaspard Dughet - war ein italienischer Landschaftsmaler.

 

Nicolas Poussin, Landscape during a Thunderstorm with Pyramus and Thisbe, 1651
Nicolas Poussin (1594-1665) war ein französischer Maler des klassizistischen Barocks.

Paul Zech 1881-1946

Nachtgewitter

 

Dumpfe Stunde, da die Qächter schnarchen

und die FunkeJsteme jah verglimmen!

Staat und steinerne Alleen schwimmen

durch den Tropfensturz Wie Sintflutarchen,

 

All die Schläfer in den Schlafgemächern

sind von fremder Schwüle so gehalten,

daß die Atemzüge sich verschwächen

und die roten Säfte jäh erkalten.

 

Erst wenn Blitze jeden Traum zerstören,

fahren sie aus ihrem Federpfühle

in des aufgerissnen Fensters Kühle.

 

Und dann schwillt ein seltsames Beschwören

durch das Dunkel und mit sturmverwehten

Lauten schluchzen Glocken: Laßt uns beten!

 

 

 

Jan Wildens, Landschaft mit Gewitter, 1649 
Jan Wildens (1586-1653) war ein flämischer Maler.

Karl Friedrich Gottlob Wetzel 1779-1819

Ungewitter

 

Horch und sieh! Die Blitze dröhnen

Und die dumpfen Täler stöhnen,

Die Natur im Fiebertraum

Wälzt Gewitter durch den Raum.

Wenn mich das Gewirr umschauert,

In der Luft der Zufall kauert,

Mahnt ein Götterbote mich:

"Daß du Mensch bist, freue dich!

Sollen all' die Graungewalten

Zur Bedeutung sich gestalten,

Müssen sie, dir untertan,

Deiner Macht sich schmiegen an.

Du nur schaffst durch dein Beraten

Dieses Wurfspiel um zu Taten,

Hauchst in den verworrnen Drang

Sprache, Geist und Seelenklang!"

 

 

 

Jens Juel, Tordenregn nedstyrtende i havet - Ein Gewitter bricht über dem Meer herein, Statens Museum for Kunst
Jens Jørgensen Juel (1745-1802) war ein dänischer Maler. 

Josef Weinheber 1892-1945

Das Gewitter

 

Er saß in seinem Haus, allein, am Tisch.

Vor seinen Fenstern war ein Flammenmeer.

Er dachte nach. Er dachte schöpferisch.

Der Donner brüllte, finster dachte er —

 

Der Donner tobte. Und der Geist befahl

ihm, schön zu denken. Die Erschütterung

gab ihm den Mut dazu. Er hatte Wahl

wie nie vorher, er wurde jählings jung,

 

er rief die Erde auf (indessen die

betroffnen Kreaturen feig und bang

sich beugten in die wilde Dämonie),

und schrie und jauchzte in den Untergang,

 

und hatte Wahl und nahm die Wahl sehr streng

— die Blitze rissen ihm den Durchblick auf —

und im gesammelt furchtbaren Gedräng

erlebte er den ganzen Lebenslauf..

 

Er saß in seinem Haus, allein, am Tisch.

Vor seinen Fenstern war ein Flammenmeer.

Er dachte nach, er dachte schöpferisch,

der Donner brüllte, jedes Wort wog schwer,

 

wie Erde schwer, er hatte ganz bei sich

die Schuld und das, was er für Sünde hielt.

Er sah sein Glück — Ein Blitz. So königlich

war nichts vordem: Er sah das Ebenbild,

 

sah es zerschellen, sah es wieder rein

und ganz beisammen — Blitz und wieder Blitz.

Die Flammen! Diese Flammen, wild herein

zu seinen Fenstern, magisches Geflitz —

 

Da lag die Seele bloß. Zu tun war nichts.

Der Donner tobte: Jetzt gib Rechenschaft!

Ach, Stammeln alles, Stammeln angesichts

jener gehäuften, letzten Leidenschaft.

 

Ein herrlich flammender Befehl zerstob

Gefühl wie Denken. Planlos ? — Plötzlich. Ob

er Seins zu End gedacht, gefühlt ? Genug!

Der Blitz erschlug ihn, den der Blitz erschlug.

 

 

 

Caspar Goar Wolf, Gewitter und Blitzschlag am Unteren Grindelwaldgletscher
Caspar Goar Wolf (1735-1783) zählt zu den wichtigsten Schweizer Malern der Vorromantik und gilt als Pionier der Hochgebirgsmalerei.

August Stramm 1874-1915

Gewitter

 

Schwarz fletscht in Weiß

Die blauspielfrohen Dünste starren hagelgelb.

Helle flackert

Täubt zu Boden.

Wüten

Steinigt

Schlossen!

Tottoll krallet um die Nacht.

Matt aufadert Blau das Recken

Bebet bäumet

Wuchtet

Hebt sich

Stemmt die Fäuste

Hartscharfkantig

Schellet Wolken

Hellet Ängste

Steht und streckt sich

Packt das Gurgeln

Und zerwürgt es

Nach ihm stürzend

Sich verbeißend

Kollernd rollend

In

Die

Leere!

Augen

Schleiern auf und schluchzen!

Tränen

Wellen

Lösen

Schrecken!

Lichter

Grellen

Hoch im Bogen!

Klänge

Schwingen

Freie

Starke

Sonnsiegklänge!

 

 

 

Ludwig Richter, Gewitter am Monte Scalambra bei Olevano im Sabinergebirge, 1830, Städel Frankfurt
Adrian Ludwig Richter (1803-1884) war ein deutscher Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers.

Gustav Schwab 1792-1850

Das Gewitter

 

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

In dumpfer Stube beisammen sind;

Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,

Großmutter spinnet, Urahne gebückt

Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl. –

Wie wehen die Lüfte so schwül!

 

Das Kind spricht: »Morgen ist Feiertag,

Wie will ich spielen im grünen Hag,

Wie will ich springen durch Tal und Höhn,

Wie will ich pflücken viel Blumen schön;

Dem Anger, dem bin ich hold!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Die Mutter spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Da halten wir alle fröhlich Gelag,

Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;

Das Leben, es hat auch Lust nach Leid;

Dann scheint die Sonne wie Gold!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Großmutter spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Großmutter hat keinen Feiertag,

Sie kochet das Mal, sie spinnet das Kleid,

Das Leben ist Sorg und viel Arbeit;

Wohl dem, der tat, was er soll!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Urahne spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Am liebsten morgen ich sterben mag;

Ich kann nicht singen und scherzen mehr,

Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer;

Was tu ich noch auf der Welt?« –

Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

 

Sie hören’s nicht, sie sehen’s nicht,

Es flammet die Stube wie lauter Licht:

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

Vom Strahl miteinander getroffen sind;

Vier Leben endet ein Schlag, –

Und morgen ist’s Feiertag.

 

Gerard van Nijmegen, Landschap in de storm, 1804, Rijksmuseum Twenthe, Enschede, Netherlands.
Gerard van Nijmegen (1735-1808) war ein niederländischer Maler, Zeichner und Radierer.

Joseph Victor von Scheffel 1826-1886

 

Wenn im Tal und auf den Bergen

Mitternächtig heult der Sturm,

Klettert über First und Schornstein

Hiddigeigei auf zum Turm.

 

Einem Geist gleich steht er oben,

Schöner, als er jemals war.

Feuer sprühen seine Augen,

Feuer sein gesträubtes Haar.

 

Und er singt in wilden Weisen,

Singt ein altes Katerschlachtlied,

Das wie fern Gewitterrollen

Durch die sturmdurchbrauste Nacht zieht.

 

Nimmer hören ihn die Menschen,

Jeder schläft in seinem Haus,

Aber tief im Kellerloche

Hört erblassend ihn die Maus.

 

Und sie kennt des Alten Stimme,

Und sie zittert, und sie weiß:

Fürchterlich in seinem Grimme

Ist der Katerheldengreis.

 

 

 

Joachim Frich, Landscape with stormy Sky, National Museum of Art, Architecture and Design
Joachim Christian Geelmuyden Gyldenkrantz Frich (1810-1858) war ein norwegischer Landschaftsmaler und Lithograf.

Julius Rodenberg 1831-1914

Gewitter

 

Dunkler Regen verhüllt mir das Meer.

Wie die Wellen sich bäumen und zischen!

O, wie rollt es so dumpf und schwer,

Und wie fahren die Blitze dazwischen!

 

Einsam steh' ich am Holzstackett,

Zitternd von Sturm und Wellenschlägen;

Unter den Füßen mir bebt das Brett,

Aber mein Herze jauchzt in den Regen.

 

Weißlich dahin mit dem Sturme spritzt

Meerschaum, gekräuselt zu duftigen Streifen;

Ha, und wie es donnert und blitzt!

Wie die Möwen schrillen und pfeifen!

 

Sechst ziehen dahin. Ein Schiff

Taucht empor aus den schäumenden Wellen.

Seht Ihr die Brandung dort — seht Ihr das Riff?

Lotsen heraus! — sonst wird es zerschellen.

 

Wie in den feuchten Segeln der Wind

Rasselt! Wie Steuer und Stricke knattern!

Und wie die Wolken zerrissen sind,

Die darüber fliegen und flattern!

 

War' ich ein Bootsmann! Stand' ich am Bord,

Oder hing ich im Mastkorb oben!

Dürft' ich des Herzens wilden Akkord

Mischen mit diesem Stürmen und Toben!

 

Oder könnt' ich am funkelnden Strahl

Dieser Blitze die Seele laben!

Oder würd' ich mit einem Mal

So getroffen und so begraben!

 

 

 

John Steuart Curry, The Line Storm
John Steuart Curry (1897-1946) war ein US-amerikanischer Maler. 

Anna Ritter 1865-1921

Sturmnacht

 

Heda – Geselle,

Bist du erwacht?

Singst du die alten,

Tollen Gesänge

Wieder hinein in die Sommernacht?

Schweige, Sturmwind,

Ach, schweige still –

Laß doch schlafen,

Was schlafen will.

Frühlingsträume

Und Sommerlust

Und die Sehnsucht tief in der Brust!

 

Wie die armen, alten Linden

Unter deiner Faust sich winden,

Wie die Blumen jäh erschrecken

Und die scheuen Kinderaugen

Unter grünem Gras verstecken!

Alles störst du aus dem Schlummer!

Gier und Kummer,

Noth und Streit

Trägst du in die Heiligkeit

Dieser Nacht mit frevlem Sinn,

Streust die Blätter der Erinnrung

Dreist vor meine Füße hin,

Schmückst mit der verblichnen Krone

Todten Glückes, wie zum Hohne,

Königlich die Bettlerin!

 

 

 

George Inness, The Storm (1885)
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Gewitter

 

Oben in den Wolken krachte der Donner.

Am Ufer des Indischen Ozeans balzte ein Kind.

Würde der Mond noch monder, die Sonne noch sonner,

So würden die Menschen vielleicht noch drehlicher, als sie schon sind.

 

Tausend Menschen lachten und weinten;

Sechs von dem Tausend wußten, warum;

Zwei von den sechsen aber meinten

Von sich selber, sie seien eigentlich dumm.

 

Breite Straße filmte mir vorbei,

Links und rechts mit Lichtern und Reflexen

Fechtend und mit Worten und Geschrei.

Helle Nacht ergoß sich brausend.

 

Und ich grüßte ehrfurchtsvoll die zwei,

Und ich beugte staunend mich den sechsen,

Kniete, echt und bettelnd, vor dem Tausend.

 

Vor dem Grand Hotel zu den Drei Mohren

Kreiste jämmerlich ein Hund und schiß.

Nebenbei, von irgendwem verloren,

Lag ein künstliches Gebiß.

Doch ich räusperte und spie,

Und ich rotzte,

Bis ich einer weichen Phantasie

Würdig trotzte.

 

Und zur gleichen Zeit mag ein Kommis

(Elegante Kleidung – sauber – Schaf)

Auf dem Teppich heiß gestammelt haben,

Einer, der vom lieben Gott was wollte,

Was das Hauptbuch und den nächsten Tag betraf;

 

Dachten andere an Schützengraben.

 

Denn der Donner grollte.

 

 

 

 

Rudolf Jettmar, Gewitter-landschaft
Rudolf Jettmar (1869-1939) war ein österreichischer Maler und Grafiker sowie Hochschullehrer. 

 

 

Hermann Lingg 1820-1905

Hochsommer

 

O Frühling, holder fahrender Schüler,

Wo zogst du hin? Die Linden blühn,

Die Nächte werden stiller, schwüler,

Und dichter schwillt das dunkle Grün.

 

Doch ach! die schönen Stunden fehlen,

Wo jedes Leben überquoll,

Wo trunken alle Schöpfungsseelen

Ins Blaue schwärmten wollustvoll.

 

Nicht singt mehr, wie am Maienfeste,

Die Nachtigall, die Rosenbraut;

Sie fliegt zum tiefverborgnen Neste

Mit mütterlich besorgtem Laut.

 

Der goldne längste Tag ist nieder,

Der Himmel voll Gewitter glüht;

Verklungen sind die ersten Lieder,

Die schönsten Blumen sind verblüht.

 

 

 

Ludwig Dill, Gewitter im Moor mit Wolkenschatten, Karlsruhe, Kunsthalle 
Ludwig Dill (1848-1940) war ein deutscher Maler.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Schilflied

 

Sonnenuntergang;

Schwarze Wolken ziehn.

O wie schwül und bang

Alle Winde fliehn!

 

Durch den Himmel wild

Jagen Blitze, bleich;

Ihr vergänglich Bild

Wandelt durch den Teich.

 

Wie gewitterklar

Mein ich dich zu sehn

Und dein langes Haar

Frei im Sturme wehn!

 

 

 

Narcisso Virgilio Diaz de la pena, The Storm 
Narcisso Virgilio Díaz de la Peña (1807-1876) war ein französischer Maler.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Frühlings Tod

 

Warum, o Lüfte, flüstert ihr so bang?

Durch alle Haine weht die Trauerkunde,

Und störrisch klagt der trüben Welle Gang:

Das ist des holden Frühlings Todesstunde!

 

Der Himmel, finster und gewitterschwül,

Umhüllt sich tief, daß er sein Leid verhehle,

Und an des Lenzes grünem Sterbepfühl

Weint noch sein Kind, sein liebstes, Philomele.

 

Wenn so der Lenz frohlocket, schmerzlich ahnt

Das Herz sein Paradies, das uns verloren,

Und weil er uns zu laut daran gemahnt,

Mußt ihn der heiße Sonnenpfeil durchbohren.

 

Der Himmel blitzt, und Donnerwolken fliehn,

Die lauten Stürme durch die Haine tosen;

Doch lächelnd stirbt der holde Lenz dahin,

Sein Herzblut still verströmend, seine Rosen.

 

 

 

Adolf Kirstein, L'Orage, Musée des Beaux-Arts de Strasbourg 
Adolf Kirstein (1814-1873) war ein deutscher Maler.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Das Gewitter

 

Noch immer lag ein tiefes Schweigen

Rings auf den Höhn; doch plötzlich fuhr

Der Wind nun auf zum wilden Reigen,

Die sausende Gewitterspur.

 

Am Himmel eilt mit dumpfem Klange

Herauf der finstre Wolkenzug:

So nimmt der Zorn im heißen Drange

Den nächtlichen Gedankenflug.

 

Der Himmel donnert seinen Hader;

Auf seiner dunklen Stirne glüht

Der Blitz hervor, die Zornesader,

Die Schrecken auf die Erde sprüht.

 

Der Regen stürzt in lauten Güssen;

Mit Bäumen, die der Sturm zerbrach,

Erbraust der Strom zu meinen Füßen; –

Doch schweigt der Donner allgemach.

 

 

 

Johan Christian Clausen Dahl, Fields near Dresden with a white Horse, National Museum of Art, Architecture and Design
Johan Christian Clausen Dahl (1788-1857) war ein norwegischer Landschaftsmaler der Romantik und enger Freund von Caspar David Friedrich. Von 1818 bis 1857 lebte und wirkte er in Dresden.

Justinus Kerner 1786-1862

Lust der Sturmnacht

 

Wenn durch Berg und Tale draußen

Regen schauert, Stürme brausen,

Schild und Fenster hell erklirren,

Und in Nacht die Wandrer irren,

Ruht es sich so süß hier innen,

Aufgelöst in sel'ges Minnen;

All der goldne Himmelsschimmer

Flieht herein ins stille Zimmer:

Reiches Leben, hab Erbarmen!

Halt mich fest in linden Armen!

Lenzesblumen aufwärts dringen,

Wölklein ziehn und Vöglein singen.

Ende nie, du Sturmnacht, wilde!

Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde,

Bäumt euch, Wälder, braus, o Welle,

Mich umfängt des Himmels Helle.

 

 

 

Charles Cottet, Pêcheurs fuyant l’orage, 1903
Charles Cottet (1863-1925) war ein französischer Maler des Post-Impressionismus.

 

Charles Cottet, Temps d'orage sur la mer, Musée des Beaux-Arts de Reims
Charles Cottet (1863-1925) war ein französischer Maler des Post-Impressionismus.

Gottfried Keller 1819-1890

 

Es dämmert, es dämmert den See herab,

Die Wasser sind gar so dunkel;

Doch wann der Blitz über den Bergen strahlt,

Was ist das für ein Gefunkel!

 

Dann tun dem Schiffer die Augen weh,

Er sputet sich ängstlich zu Lande,

Wo gaffend der Feierabend steht

Am fahlerleuchteten Strande.

 

Die Leute freuen und fürchten sich

Und wünschen ein gutes Ende

Und daß der Herr sein Schloßengericht

Nicht in den Krautgarten sende!

 

Jetzt zischt der Strahl in die laue Flut

Wie eine feurige Kette,

Der dumme Haufen ergreift die Flucht

Und kriecht erschrocken zu Bette!

 

Wann Gott einen guten Gedanken hat,

Dann sagt man: Es wetterleuchtet!

Gib acht, du Gesindel, daß nicht einmal

In deine Wirtschaft er leuchtet!

 

 

 

Karl Heffner, Holländische Flußlandschaft während eines Gewitters
Karl Heffner (1849-1925) war ein deutscher Maler.

Ricarda Huch 1864-1947

 

Wie schaurig rauscht das Schicksal durch die Nacht!

Hoch fliegt der Purpur um die stolze Eiche,

Die Papppeln zücken Schwerter wie zur Schlacht,

Aufschluchzend neigt die Weide sich zum Teiche.

Dazwischen singt der Sturm auf seiner Geige

Ein wildes Lied – die Saite reißt entzwei,

Und durch den Aufruhr der empörten Zweige

Blitzt weiß der Himmel wie ein Schrei.

 

 

 

Félix Vallotton, The Wind
Félix Vallotton (1865-1925) war ein Schweizer, später französischer Maler, Grafiker, Holzstecher und Schriftsteller.

Hugo von Hofmannsthal 1874-1929

Sturmnacht

 

Die Sturmnacht hat uns vermählt

In Brausen und Toben und Bangen:

Was unsre Seelen sich lange verhehlt,

Da ist's uns aufgegangen.

 

Ich las so tief in deinem Blick

Beim Strahl vom Wetterleuchten:

Ich las darin mein flammend Glück,

In seinem Glanz, dem feuchten.

 

Es warf der Wind dein duft'ges Haar

Mir spielend um Stirn und Wangen,

Es flüsterte lockend die Wellenschar

Von heißem tiefem Verlangen.

 

Die Lippen waren sich so nah,

Ich hielt dich fest umschlungen;

Mein Werben und dein stammelnd Ja,

Die hat der Wind verschlungen ...

 

 

 

Maxim Worobjow, Oak, Struck by Lightning
Maxim Nikiforowitsch Worobjow (1787-1855) war ein russischer Landschaftsmaler der Romantik.

Georg Heym 1887-1912

Der Baum

 

Am Wassergraben, im Wiesenland

Steht ein Eichbaum, alt und zerrissen,

Vom Blitze hohl, und vom Sturm zerrissen.

Nesseln und Dorn umstehn ihn in schwarzer Wand.

 

Ein Wetter zieht sich gen Abend zusammen.

In die Schwüle ragt er hinauf, blau, vom Wind nicht gerührt.

Von der leeren Blitze Gekränz umschnürt,

Die lautlos über den Himmel flammen.

 

Ihn umflattert der Schwalben niedriger Schwarm.

Und die Fledermäuse huschenden Flugs,

Um den kahlen Ast, der zuhöchst entwuchs

Blitzverbrannt seinem Haupt, eines Galgens Arm.

 

Woran denkst du, Baum, in der Wetterstunde

Am Rande der Nacht? An der Schnitter Gered,

In der Mittagsrast, wenn der Krug umgeht,

Und die Sensen im Grase ruhn in der Runde?

 

Oder denkst du daran, wie in alter Zeit

Einen Mann sie in deine Krone gehenkt,

Wie, den Strick um den Hals, er die Beine verrenkt,

Und die Zunge blau hing aus dem Maule breit?

 

Wie er da Jahre hing, und den Winter trug,

In dem eisigen Winde tanzte zum Spaß,

Und wie ein Glockenklöppel, den Rost zerfraß,

An den zinnernen Himmel schlug.

 

 

 

Georges Michel, Gathering Storm
Georges Michel (1763-1843) war ein französischer Landschaftsmaler.

Heinrich Heine 1797-1856

Wartet nur

 

Weil ich so ganz vorzüglich blitze,

Glaubt ihr, daß ich nicht donnern könnt!

Ihr irrt euch sehr, denn ich besitze

Gleichfalls fürs Donnern ein Talent.

 

Es wird sich grausenhaft bewähren,

Wenn einst erscheint der rechte Tag;

Dann sollt ihr meine Stimme hören,

Das Donnerwort, den Wetterschlag.

 

Gar manche Eiche wird zersplittern

An jenem Tag der wilde Sturm,

Gar mancher Palast wird erzittern

Und stürzen mancher Kirchenturm!

 

 

 

László Mednyánszky, Landscape under brewing thunderstorm
László Mednyánszky, Baron von Mednyánszky, eigentlich Ladislaus Josephus Balthasar Eustachius Mednyánszky, (1852-1919) war ein ungarischer Landschaftsmaler.

Julius Hart 1859-1930

Gewitter

 

Den ganzen Abend hat es schon gegrollt

Und bang geflüstert in dem dunklen Laube,

Am Landweg kam in Wind der Staub gerollt,

Die Wolke flog gehüllt in dunkle Haube,

Scheu hat der Vogel sich ins Nest geduckt,

Der Hase barg sich in dem Laub voll Schrecken,

Als fern im Ost der erste Blitz gezuckt,

Der erste Regen rauschte durch die Hecken.

 

Nun ist's herauf, hinsaust die tolle Jagd

Des Sturmes durch den Schloßhof, in dem Weiher

Wühlt dumpf die Flut, wie dunkle Winternacht

Hängt über Thurm und Dach der Wolkenschleier,

Die Wipfel sausen und das Schilfrohr pfeift –

Ein toller Junker, geht's durch Teich und Binsen,

Hei, wie der Nebeldunst vorüber schleift,

Ein Höllenzug mit Winseln und mit Grinsen.

 

Hahi und Hussa, wie das jagt und tollt.

Der Blitz fällt zuckend hin, auf erz'nem Wagen

Kommt krachend hinterher der Donner angerollt,

Vom Wolkenmantel dicht den Leib umschlagen.

Ein Feuerstrahl fährt prasselnd aus dem Wald,

Und jach zum Himmel blitzen Flammenfluthen,

Drein jagt der Sturm, daß Hang und Heide hallt,

Und peitscht die Lüfte mit rothglüh'nden Ruthen.

 

O, könnt' ich doch auf dieser Wolken Nacht

In Feuerlettern meine Dichtung schreiben,

Die Dichtung, höll- und himmelheiß entfacht,

Und mit dem Sturm durch alle Lande treiben.

Dann sollte, wie bei wirbelndem Trommelklang,

Die Menschheit aus dem trägen Träumen schrecken,

Schlafmordend sollte mein Gesang

Zu heil'gem Kampf die Müden wecken.

 

 

 

Johann Adolf Stäbli, Gewitter, Karlsruhe, Kunsthalle 
Johann Adolf Stäbli (1842-1901) war ein Schweizer Maler.

Robert Hamerling 1830-1889

Gewitter im Walde

 

Es braus't der Forst, Gewitterwolken fliegen,

Des Waldes Ströme schwellend sich ergießen,

Gestein und Trümmer stürzen hingerissen,

Und krachend sich die hohen Wipfel biegen.

 

Die Thiere tief sich in die Klüfte schmiegen.

Wer leitet mich aus diesen Finsternissen?

Doch – bei der Blitze Schein, dem ungewissen,

Seh' ich vor mir die sich're Grotte liegen.

 

Ich lag're hin im weichen Moose mich:

Da kommt im Traum die Schönste mir der Schönen

Und neigt zu mir sanft mit Gekose sich.

 

Und während fernher die Gewitter dröhnen,

Erschließt mein Herz wie eine Rose sich,

Und stillt den Sturm mit Lieb' und Liebestönen.

 

 

 

Aelbert Cuyp, Gewitter über Dordrecht, ca. 1645
Aelbert Jacobsz. Cuyp (1620-1691) war einer der bedeutendsten niederländischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts.

Klaus Groth 1819-1899

Regenlied

 

Walle, Regen, walle nieder,

Wecke mir die Träume wieder,

Die ich in der Kindheit träumte,

Wenn das Naß im Sande schäumte;

 

Wenn die matte Sommerschwüle

Läßig stritt mit frischer Kühle,

Und die blanken Blätter tauten

Und die Saaten dunkler blauten.

 

Welche Wonne, in dem Fließen

Dann zu stehn mit nackten Füßen!

An dem Grase hinzustreifen

Und den Schaum mit Händen greifen.

 

Oder mit den heißen Wangen

Kalte Tropfen aufzufangen,

Und den neu erwachten Düften

Seine Kinderbrust zu lüften!

 

Wie die Kelche, die da troffen,

Stand die Seele atmend offen,

Wie die Blumen, düftetrunken

In dem Himmelstau versunken.

 

Schauernd kühlte jeder Tropfen

Tief bis an des Herzens Klopfen,

Und der Schöpfung heilig Weben

Drang bis ins verborgne Leben. –

 

Walle, Regen, walle nieder,

Wecke meine alten Lieder,

Die wir in der Türe sangen,

Wenn die Tropfen draußen klangen!

 

Möchte ihnen wieder lauschen,

Ihrem süßen, feuchten Rauschen,

Meine Seele sanft betauen

Mit dem frommen Kindergrauen.

 

 

 

John Constable, Gewitter über dem Meer
John Constable (1776-1837) war ein Vertreter der romantischen Malerei (Landschaftsmalerei) in England.

Hans Grasberger 1836-1898

Gewitterregen

 

Wie grimm du magst die Flügel schlagen,

O Sturm, ich achte dein nicht viel!

Die schweren Tropfen, wie sie jagen!

Ich schöpfe dreist frohlockendes Behagen

Aus wildem Plätscherspiel.

 

Mir ist, als könnt’ ich schier gesunden,

Wenn solch ein Tropfen, groß und voll,

Den Weg in meine Brust gefunden

Zur Stelle, wo die brennendste der Wunden

Und wo der tiefste Groll.

 

 

 

Carl Blechen, Stormy Weather over the Roman Campagna
Carl Eduard Ferdinand Blechen (1798-1840) war ein deutscher Landschaftsmaler und Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie der Künste.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

 

Ist um mich her ein wildes Brausen,

Als wogte Wald und Felsengrund,

Und doch stürzt, liebevoll im Sausen,

Die Wasserfülle sich zum Schlund,

Berufen, gleich das Tal zu wässern;

Der Blitz, der flammend niederschlug,

Die Atmosphäre zu verbessern,

Die Gift und Dunst im Busen trug –

Sind Liebesboten, sie verkünden,

Was ewig schaffend uns umwallt.

 

 

 

Albert Bierstadt, Sturm in den Rocky Mountains, Mt. Rosalie
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

 

Albert Bierstadt, Thunderstorm in the Rocky Mountains
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

 

Albert Bierstadt, Sturm in den Bergen von Albert Bierstadt, ca.1870, Museum of Fine Arts, Boston
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

Stefan George 1868-1933

Teppich des Lebens - Gewitter

 

Die irren flämmchen allerwege sind erloschen

Ein jäher donner hat die hohe saat gedroschen

Der sturm der nacht zerspaltet das geäst im forste

Er stört der eber lager und der geier horste.

 

Der strenge könig sprengt aus seinem wolkenschlosse

Er folgt auf goldgeschirrtem pferd mit grossem trosse

Der falschen gattin die sich tummelt in den wettern

Und preisgegeben ist den zügellosen rettern.

 

Oft glaubt er mit der rauhen faust sie zu versichern

Doch sie entwindet sich mit einem leisen kichern –

Bis er sie festet... zwischen seines gürtels spangen

Und dem genick des pferdes ist sie quer gefangen.

 

Bezwungen schluchzend regt sie ihre blanken zähne

Und schüttelt zürnend ihre aufgelöste mähne

Um ihre nackten glieder spült der schiefe regen

Ihr kalter busen sieht gefasst der haft entgegen.

 

 

 

Antoni Pyotrovski, Ucieczka przed deszczem
Antoni Adam Piotrowski, auch Antoni Pyotrovski (1853-1924) war ein polnischer Maler und Zeichner.

Gustav Falke 1853-1916

Nachtgewitter

 

Der runde, rote Mond rollt

auf schwarzen Wolken her.

Die Nacht ist schwül, die Nacht ist schwer,

sie zittert, wenn hinterm Wald heraus

das Wetter grollt.

 

Der rasche blaue Blitz tritt

herrisch aus seinem Haus

und schleudert den flammenden Speer hinaus.

Die Nacht erschrickt vor dem lodernden Schein,

zag zögert ihr Schritt.

 

Der runde, rote Mond kriecht

tief in die Wolken hinein.

Er will nicht ohnmächtiger Zeuge sein,

wenn der herrische Held seine bange Braut,

die Nacht besiegt.

 

Die steht mit gelöstem Schwarzhaar,

demütig, ohne Laut.

Durch tränenfeuchte Wimper schaut

sie auf, und der feurige Sieger küßt

ihr dunkles Augenpaar.

 

 

 

Jens Juel, Tordenvejr i udkanten af en by - Gewitter am Stadtrand, Statens Museum for Kunst
Jens Jørgensen Juel (1745-1802) war ein dänischer Maler. (Leider konnte ich keine Farbabbildung dieses Werks finden. FD)

Gustav Falke 1853-1916

Kurzes Gewitter

 

Der Tag, ein Jüngling, schlank und braun,

Lehnte an meinem Gartenzaun.

Da kam ein Wetter schnell herbei,

Schlug aus der Hand ihm die Schalmei,

Fuhr hart ihn an mit Blitz und Krach:

Laß doch den Sonntagssingsang nach!

Und zauste Haar ihm, Kranz und Kleid.

Der arme Junge tat mir leid.

Doch pudelnaß noch, lachte schon

Der überraschte Sonnensohn.

Weit hinten schwamm der schwarze Graus;

Er schüttelte die Locken aus

Und pfiff, als ob er nichts erlitt,

Und alle Vögel pfiffen mit.

 

 

 

 

Carl Häberlin, Gewittersturm 
Carl Häberlin, ab 1901 von Häberlin (1832-1911), war ein württembergischer Maler und Illustrator.

 

Heinz Erhardt 1909-1979

Das Gewitter

 

Der Mond verbirgt sein bleiches Licht,

die Sterne am Himmel, sie funkeln nicht.

Die Nacht ist schwül.

Im Herzen wird‘s bang.

Der Uhu krächzt einen Totengesang.

 

Da - bricht`s aus schwarzer Nacht hervor,

als wäre geöffnet der Hölle Tor,

als ständen die Säulen des Erdballs in Flammen,

als stürze das ganze Weltall zusammen,

und aus der Wolken feuchtem Schoß

der Regen in Strömen sich ringsum ergoss,

als wollten des Wassers wilde Gewalten

das Land zum unendlichen Meere gestalten.

 

Und wie es stürmt und brandet und kracht,

da, eine Jungfrau tritt hinaus in die Nacht

und ruft in die tosenden Winde hinaus:

"Na, das ist ein Dreckwetter, da bleib ich zuhaus!"

 

 

 

Victor Gabriel Gilbert, Caught in the storm
Victor Gabriel Gilbert (1847-1933) war ein französischer Maler.

Melanie Ebhardt 1879-1919

Gewitter

 

Die Tanne stöhnt und ächzt im Sturm,

Die starken Äste krachen,

Der Regen strömt, unheimlich schallt

Der Schrei der Eule durch den Wald

Wie wildes, schrilles Lachen.

 

Die Wolken ziehen grau und schwer,

Die grellen Blitze flammen,

Der Donner kracht, – dumpf rollt es nach –

Als bräche jäh beim nächsten Schlag

Die ganze Welt zusammen!

 

Doch wilder ist als Sturm und Wind

Mein sehnendes Verlangen!

Jäh, wie der Blitz die Nacht zerreißt,

Erscheint mein Glück vor meinem Geist,

Das gar zu schnell vergangen.

 

Und wenn der Wetterstrahl erlischt,

Scheint tiefer noch das Düster. –

Dein Nachglanz, Du verlor'nes Glück,

Enthüllt die Zukunft meinem Blick

Nur grauser noch und wüster!

 

 

 

 

Paul Delaroche, Enfants surpris par l'orage 
Paul Delaroche, selten auch Hippolyte Delaroche (1797-1856) war ein französischer Historienmaler des akademischen Realismus.

 

Karl Ferdinand Dräxler-Manfred 1805-1879

 

Da steht ein Baum vom Blitz gerührt,

Doch nieder nicht geschmettert,

Wen just der Weg vorüberführt,

Sieht an ihm, wie's gewettert.

Neugierde kommt und schaut ihn an,

Mitleid bedauert dann und wann,

Doch die nicht helfen, nicht stützen,

Die können alle ihm nichts nützen.

 

 

 

Eugène Laermans, Fuyant l'orage
Eugène Jules Joseph Baron Laermans (1864-1940) war ein belgischer Maler.

<

Max Dauthendey 1867-1918

Wenn die Wolken sich heiß

den Liebeshof machen

 

Ein lechzend Gewitter durch den Nachmittag strich

Und krepierend hinter die Berge hinschlich.

Als lagen Drachen im Liebeskampf,

Umbrüllten sich Wolken mit dumpfem Gestampf.

Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen,

Sitzt grell der Tod in ihrem Lachen.

Jetzt atmet das Gras wieder hell und klar;

Kühl steht die Welt an alter Stell'

Und weiß kaum noch, dass sie voll Durstgefühl war.

 

 

 

Luke Clennell, Baggage Wagons in a Thunderstorm
Luke Clennell (1781-1840) war ein britischer Maler.

Franz Arnold Cöllen 1830-1860

Das Gewitter

 

Horchet, wie am schroffen Felsen

Wuthentbrannt der Donner prallt,

Doch die Felsen starr und trotzig,

Werfen ihn zurück zum Wald.

 

Und er dringt in tiefe Schluchten,

Wo er grollend wiedertönt,

Wo das Echo hundertstimmig

Keck die Elemente höhnt.

 

Wie aus alten Riefenschlünden

Schlag auf Schlag ins Weite hallt,

Wo aus Wald und Schlucht der Donner

Unermüdlich wiederschallt.

 

Blitze zwischen durch das Dunkel

Und beleuchten Hain und Flur,

Es erbittert wie im Zorne

Furchterregend die Natur.

 

Blitze brechen durch die Wolken

Und zertheilen ihren Flor;

Aus den frisch geris'nen Wunden

Strömen Wasserbäche vor.

 

Bebt Ihr, schwache Erdensöhne —

Schrecken jene Wettermassen?

Armer Mensch! Bist Du so friedlich,

Daß der Sturm Dich macht erblassen?

 

Schau doch in die eig'ne Seele,

Trägst ja selbst das wilde Grollen

In der Brust, in Deinen Augen,

In den stets gewittervollen.

 

Sieh, wie die Gefühle rasen,

Wenn sich häufet Dein Verlangen,

Wie die Gluthen sich entfesseln,

Um das Opfer zu empfangen.

 

Dir sind sie zu klein die Welten,

Wo Du schaffst um zu vernichten;

Taufend Dinge müssen enden,

Sich nach Deinem Willen richten.

 

Warum bebst Du, wenn die Gottheit

Sich verkündet in dem Sturm?

Trägst ja ew'gen Sturm im Herzen,

Schwacher, stolzer Erdenwurm!

 

 

 

Eugenio Lucas Velázquez, The stagecoach under the storm, 1856.
Eugenio Lucas Velázquez (1817-1870) war ein spanischer Maler von Kriegsszenen, Figuren und Freskomaler der Spätromantik.

Iwan Aiwasowski, Carriage in a Storm
Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817-1900) war ein russischer Maler der Romantik armenischer Abstammung.

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

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Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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Franz Dewes

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