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Julius Rodenberg 1831-1914

April

 

Bald ein raues kaltes Rauschen,

Dass der dunkle Forst erkracht;

Bald ein Flüstern, Kosen, Lauschen,

Wie die stillste Frühlingsnacht.

 

Bald der Himmel, bald die Sonne,

Bald die Wolken, bald der Schnee –

Wie der Liebe erste Wonne,

Wie der Liebe erstes Weh.

 

Bald das Jauchzen, bald die Trauer

In der aufgeregten Brust –

Und noch halb in Winterschauer,

Und schon halb in Frühlingslust.

 

Bald ein ungestümes Ringen,

Bald ein Frieden sonntagsstill –

O, was wirst du mir noch bringen

Schöner, stürmischer April?

 

 

Bassano, April, Kunsthistorisches Museum
Leandro da Ponte, genannt Bassano (1557-1622) war ein italienischer Maler und einer der vier Söhne aus der Malerfamilie von Jacopo Bassano.

 

Jörg Breu, Summer, Detail April
Jörg Breu (der Ältere) (um 1475/1480-1537) war ein Maler und Zeichner für Glasmalerei und Holzschnitt sowie Illuminator.

 

Martin Greif 1839-1911

Aprilwetter

 

Sprühregen, drein die Sonne scheint,

Jetzt da und jetzt auch schon vorüber,

So kurz, wie wach der Säugling weint,

Er wendet sich und schlummert lieber.

 

Sprühregen! Jetzt der Himmel blau,

Und jetzt von Wolken überzogen,

Nun lachend über allem Grau

Im Wunderschein der Regenbogen.

 

 

Simon Bening, April, Labors of the Months April, from a Flemish Book of Hours
Simon Bening (1483-1561), auch Simon Bennik, war ein flämischer Miniaturenmaler und Illustrator. Er gilt als einer der bedeutenden Künstler seines Fachs.

 

 

Breviarium Grimani - April
Breviarium Grimani, Stundenbuch des Domenico Grimani, Das berühmte Breviarium Grimani mit über 1600 durchgehend illuminierten Seiten gilt als eines der schönsten Zeugnisse der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. Um 1510-1520 in Brügge und Gent entstanden, waren zahlreiche berühmte Miniaturisten an seiner Entstehung beteiligt, darunter Gerard David, Simon Bening und Gerard Horenbout.

 

Georg Britting 1891-1964

Der wilde April

 

Weh, der Narr, der wilde April! Aufs neue

Regen, Schnee und wirbelndes Eis und Windstoß

Bringt er. Veilchenäugig dazwischen leuchtet

Himmlische Bläue.

 

Einen Tag lang tut er wie Sommer. Kinder

Singen, und am Waldrand die Steine glänzen

Goldhell. Aber schmächtigen Glauben höhnend

Krächzt er schnell: Winter !

 

Unbeständig spielt der Gesell und seine

Laune. Warte ! Sei wie ein Kind nicht ! Bald sind

Mai und Juni. Wochenlang glühn dann Wälder,

Wiesen und Steine.

 

Julian Onderdonk, April Morning in the Catskill Mountains, 1909,
Robert Julian Onderdonk (1882-1922) war ein Maler des Texanischen Impressionismus, der oft als "Vater der texanischen Malerei" bezeichnet wurde.

Leonard Turzhansky, The April sun - Spring in Murmansk
Leonard Victorovich Turzhansky (1875-1945) war ein impressionistischer russischer Maler. 

Wilhelm Müller 1794-1827

April

 

Leichtsinnig, launig, neckisch, ausgelassen,

Wandl' ich in jeder Stunde Leib und Sinn:

Kaum weiß ich selbst, wie ich beschaffen bin,

Wie sollen mich die fremden Leute fassen?

 

Hier werf' ich einen Schneeball durch die Gassen,

Dort schweb' ich blau in jungen Düften hin,

Bald streich' ich sanft der Schönen weiches Kinn,

Bald sagen sie, ich wäre grob im Spaßen.

 

Gern wollt' ich dir noch Vieles von mir sagen,

Doch drückt mich des Sonettes enges Band,

Das mir die Muse um den Mund geschlagen.

 

Sie sprach: Ich kenne dich als ungezogen,

Und jener Herr hat in dem welschen Land

Der besten Sitt' als Kavalier gepflogen.

 

 

Samuel John Birch, April Singing the Buds of May
Samuel John Birch (1869-1955) war ein britischer Maler des Spätimpressionismus

Francis-Marie Picabia, Effet de soleil - Avril,  Sur les bords du Loing
Francis-Marie Martinez Picabia (1879-1953) war ein französischer Schriftsteller, Maler und Grafiker.

Friedrich Wilhelm August Schmidt 1764-1838

Bitte an die Hausschwalben

 

(Im April 1800)

 

Schon strahlet durch die Lindenäste

Der Morgen rot und sommerlich.

Mit Halmen trägt zum stillen Neste

Im Schnabel schon die Taube sich.

 

Das Eis am Dachgesimse schlich

Schon gestern mit dem letzten Reste

Von Schnee davon: besucht ihr mich

Nun wieder, liebe Giebelgäste?

 

Wenn bald wir nun, bei Froschgesang,

An unsrer Hüttentür die Bank

Zum Plauderstündchen niederklappen,

 

Und dürstend dann nach unserm Blut,

Uns Mücken quälen: seid so gut,

Sie ohn' Erbarmen wegzuschnappen.

 

 

Jacques Callot, April
Jacques Callot (1592-1635) war ein lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer.

Hendrik Hondius, De twaalf maanden - Aprilis, Rijksmuseum
Hendrik Hondius (1573-1650) auch d’Hondt oder de Hondt, war ein niederländischer Verleger, Zeichner und Kupferstecher.

Eduard Mörike 1804-1875

Zitronenfalter im April

 

Grausame Frühlingssonne,

Du weckst mich vor der Zeit,

Dem nur in Maienwonne

Die zarte Kost gedeiht!

Ist nicht ein liebes Mädchen hier,

Das auf der Rosenlippe mir

Ein Tröpfchen Honig beut,

So muß ich jämmerlich vergehn

Und wird der Mai mich nimmer sehn

In meinem gelben Kleid.

 

 

Merian-Aubry Monatsbilder, April
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) war ein schweizerisch-deutscher Kupferstecher und Verleger aus der vornehmen Basler Familie Merian.
Peter Aubry (1596–1666) war ein deutscher Graveur.

Egidius Sadeler, Pieter Stevens II, April
Egidius Sadeler (auch Aegidius Sadeler; * um 1570-1629) war ein flämischer Maler und Kupferstecher am Hofe Rudolf II. in Prag.
Pieter Stevens II. oder Peter Stevens II (ca. 1567 – nach 1626) war ein flämischer Maler und Zeichner, der für seine Landschaften bekannt war.

Jan van de Velde, April dorp aan water met verhuizing per boot aan oever bloemen-verkoop
Jan van de Velde (1593-1641) war ein niederländischer Maler und Kupferstecher. 

Detlev von Liliencron 1844-1909

April

 

Wie der Südwind pfeift,

In den Dornbusch greift,

Der vor unserm Fenster sprießt.

Wie der Regen stürzt

Und den Garten würzt

Und den ersten Frühling gießt!

 

Plötzlich säumt der Wind,

Und der Regen rinnt

Spärlich aus dem Wolkensieb.

Und die Mühle dreht

Langsam sich und steht,

Die noch eben mächtig trieb.

 

Schießt ein Sonnenblick

Über Feld und Knick,

Wie der Blitz vom Goldhelm huscht,

Und auf Baum und Gras

Schnell im Tropfennass

Tausend Silbertüpfel tuscht.

 

Wieder dann der Süd,

Immer noch nicht müd,

Zornt die Welt gewaltig an.

Und der Regen rauscht,

Und der Garten lauscht

Demütig dem wilden Mann.

 

Meiner Schulter dicht

Lehnt dein hold Gesicht,

Schaut ins Wetter still hinein.

Kennst das alte Wort,

Ewig treibt es fort:

Regen tauscht und Sonnenschein.

 

 

 

Giuseppe Maria Mitelli, Aprile, 1691
Giuseppe Maria Mitelli (1634–1718) war ein italienischer Kupferstecher und Maler des Barock.

 

 

Santa Maria del Castello, Monatsbilder April

 

Kurt Schwitters 1887-1948

Aprilwetter

 

Ich saß am Fenster, hoch in Sturmes Meer,

Der Regen fiel an meine Scheiben schwer,

Die Wolkenriesen stürmten wild daher,

Die blanken Straßen waren öd und leer.

 

Im Elbstrom überschlugen sich die Wogen,

Mit Heulen kam der Sturm dahergezogen,

Die Pappeln ächzten, tief herausgebogen,

Da keucht ein altes Weib zum Brückenbogen.

 

Am Horizonte flackert fahles Licht,

Als die Sonne durch die Wolken bricht.

Es peitscht der Sturm die schwarzen Wolken fort.

 

Allsichtig strahlt das Licht, es flieht das Dunkel,

Auf Brücke, Ufer und an jedem Ort

erstrahlt das Licht in blendendem Gefunkel.

 

 

Maurice Prendergast, Snow in April
Maurice Brazil Prendergast (1858-1924) war ein US-amerikanischer Aquarellist des Post-Impressionismus.

Tom Thomson, April in Algonquin Park
Tom (Thomas John) Thomson (1877-1917) war ein kanadischer Künstler.

Martin Greif 1839-1911

April

 

Sonnengrüße, Wolkenschauer

Und, noch eh' sich's klären will,

Wiederum verhangne Trauer –

Herz, wie stimmst du zum April!

 

 

Jules Tavernier, April Showers, Napa Valley
Jules Wilhelm Tavernier (1844-1889) war ein französisch-US-amerikanischer Maler, Zeichner und Illustrator. 

 

??? Antonín Machek, Aprilregen, jugend 1930_0263
Antonín Machek (1775-1844) war ein tschechischer Maler des Neoklassizismus und Biedermeier.

 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Aus einem April

 

Wieder duftet der Wald.

Es heben die schwebenden Lerchen

mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern

schwer war;

zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er

leer war, –

aber nach langen, regnenden Nachmittagen

kommen die goldübersonnten

neueren Stunden,

vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten

alle die wunden

Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

 

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser

über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.

Alle Geräusche ducken sich ganz

in die glänzenden Knospen der Reiser.

 

 

Alfred de Breanski Sr., An April Evening
Alfred de Breanski Sr. (1852-1928) war britischer Maler.

Louis Burleigh Brühl, An April Morning on the Wye
Louis Burleigh Brühl (1861-1942) war ein englischer Landschaftsmaler.

Georg Heym 1887-1912

April

 

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht,

Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht.

Zwei große Krähen flattern aufgescheucht

Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht.

 

Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht,

So ruhn die Berge hinten in dem Blau,

Auf die ein feiner Regen niedergeht,

Wie Silberschleier, dünn und zitternd grau.

 

 

Alfred Sisley, Le pont de Moret, matin d'avril, 1888
Alfred Arthur Sisley (1839-1899) war ein englischer Maler des Impressionismus, der in Frankreich lebte und wirkte.

Albert Gottschalk, Eftermiddag i april
Albert Gottschalk (1866-1906) war ein dänischer Maler.

Josef Weinheber 1892-1945

April

 

Der Regen sprüht, die Sonne scheint.

Der Knecht er lacht, die Magd sie weint.

Vom Kirschbaum flockts, der Kuckuck schreit,

der Rebentrieb hat all noch Zeit.

Ein Farbenbogen steht gespannt,

und nimmer ruhn Gerät und Hand.

Noch drohn Sankt Georg und Sankt Marx,

die sind schon so, der Blüh viel Args.

Wenn aber nur die Frösch nicht schrein,

dann kanns um Peregrin auch schnein.

Was wär denn das für ein April,

der nicht tun dürfte, was er will?

 

 

Sankt Georg 23. April

Sankt Marx = Sankt Marcus 25. April

Sankt Peregrin 1. Mai

 

 

Jean Poyer, Hours of Henry VIII, April - Picking flowers and making wreaths, New York, Pierpont Morgan Library
Jean Poyer (1445-1503) war ein französischer Miniaturmaler und Manuskript-Illuminator des späten 15. Jahrhunderts.

 

 

Die Karwoche 

Palmsonntag

Zdzislaw Piotr Jasinski, Palm Sunday mass
Zdzislaw Piotr Jasinski (1863-1932) war ein polnischer Maler, Zeichner und Aquarellist. 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Vor-Ostern

 

Neapel

 

Morgen wird in diesen tiefgekerbten

Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen

unten dunkel nach dem Hafen drängen,

hell das Gold der Prozessionen rollen;

statt der Fetzen werden die ererbten

Bettbezüge, welche wehen wollen,

von den immer höheren Balkonen

(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.

 

Aber heute hämmert an den Klopfern

jeden Augenblick ein voll Bepackter,

und sie schleppen immer neue Käufe;

dennoch stehen strotzend noch die Stände.

An der Ecke zeigt ein aufgehackter

Ochse seine frischen Innenwände,

und in Fähnchen enden alle Läufe.

Und ein Vorrat wie von tausend Opfern

 

drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,

zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer

aller Türen, und vor dem Gegähne

der Melonen strecken sich die Brote.

Voller Gier und Handlung ist das Tote;

doch viel stiller sind die jungen Hähne

und die abgehängten Ziegenböcke

und am allerleisesten die Lämmer,

 

die die Knaben um die Schultern nehmen
und die willig von den Schritten nicken;
wahrend in der Mauer der verglasten
spanischen Madonna die Agraffe
und das Silber in den Diademen
von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter
schimmert. Aber drüber in dem Fenster
zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe
und führt rasch in einer angemaßten
Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.

 

Seraphima Blonskaya, Girls - Palm Sunday
Serafima Iassonowna Leontowskaja, geborene Blonskaja (1870-1947) war eine russische Malerin und Kunstlehrerin.

Eduard Mörike 1804-1875

Karwoche

 

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!

Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,

Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne

Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

 

Und senkest schweigend deine Flöre nieder;

Der Frühling darf indessen immer keimen,

Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen

Und alle Vöglein singen Jubellieder.

 

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!

Es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,

Die Engel singen leise Grabgesänge;

O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

 

Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!

Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauße,

Ihr wandert mit zum Muttergotteshause,

Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.

 

Ach dort, von Trauermelodieen trunken,

Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,

Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,

Und Lieb' und Frühling, alles ist versunken!

 

Otto Piltz, Palm Sunday
Otto Piltz (1846-1910) war ein deutscher Maler.

Alfons Petzold 1882-1923

Karwoche

 

In jenen Nächten, die vor Ostern sind,

Da sollt ihr wach sein, wie am hellen Tage.

Da bebt in allen Dingen eine Klage

Und weinen sich die großen Sterne blind.

 

Durch alle einsam-stillen Gassen schwebt

Ein langer Zug tieftrauriger Gestalten,

Die alle Blumen in den Händen halten,

In denen gleichfalls Leid und Liebe bebt.

 

Und wo ein Kreuzholz aufgerichtet steht,

Oft kaum gekannt von Licht und Regenschauer,

Reiht sich darum der stumme Zug der Trauer

Und schmückt das Holz mit Blumen und Gebet.

 

Kristian Zahrtmann, Drenge ved en italiensk Kirke - Palmesøndag, 1884
Peder Henrik Kristian Zahrtmann (1843-1917) war ein dänischer Maler.

Emanuel Geibel 1815-1884

Palmsonntagmorgen

 

Es fiel ein Tau vom Himmel himmlisch mild,

Der alle Pflanzen bis zur Wurzel stillt;

         Laß dein Sehnen,

         Laß die Thränen!

Es fiel ein Tau, der alles Dürsten stillt.

 

Ein sanftes Sausen kommt aus hoher Luft.

Still grünt das Thal und steht in Veilchenduft;

         Göttlich Leben

         Fühl' ich weben,

Ein sanftes Sausen lommt aus hoher Luft.

 

Wie Engelsflügel blitzt es über Land;

Nun schmück' dich, Herz, thu an ein rein Gewand.

         Sieh, die Sonne

         Steigt in Wonne,

Wie Engelsflügel blitzt es über Land.

 

Macht weit das Thor! Der König ziehet ein,

Die Welt soll jung und lauter Friede sein;

         Streuet Palmen!

         Singet Psalmen!

Hosianna singt, der König ziehet ein!

 

Vyacheslav Schwarz, Palmsonntag in Moskau zur Zeit des Zaren Alexej Michajlowitsch.
Vyacheslav Grigorevich Schwarz oder Shvarts (1838-1869) war ein russischer Geschichts- und Genremaler.

Max von Schenkendorf 1783-1817

Palmsonntag

 

Mildes warmes Frühlingswetter!

Weh' mich an, du laue Luft!

Allen Bäumen wachsen Blätter,

Veilchen senden süßen Duft.

 

Zu des alten Domes Hallen

Hell und menschenreich der Pfad;

Frohe Botschaft hör' ich schallen,

Daß der Liebeskönig naht.

 

Eilet, geht ihm doch entgegen,

Wandelt mit ihm Schritt vor Schritt,

Auf den blutbesprengten Wegen

In den Garten, wo er litt.

 

Habt ihr auch die Mär' vernommen,

Wie der Frühling mit ihm zieht,

Und im Herzen aller Frommen

Süßes Wunder schnell erblüht?

 

Kindlein stehn mit grünen Zweigen

Um den heiligen Altar,

Und die Engel Gottes neigen

Sich herab zur Kinderschaar.

 

Blüht empor, ihr Himmelsmaien,

Palmen, blüht aus meiner Brust,

Christi Wege zu bestreuen,

Der euch hegt in Lieb' und Lust.

 

 

 

Alfred Stevens,

Palm Sunday, Honolulu Museum of Art
Alfred Stevens (1823-1906) war ein belgischer Maler.

 

Ferdinand Georg Waldmüller, Palmsonntag
Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit.

Ludwig Giesebrecht 1792-1873

Glockengeläute

 

Hörst du der Glocken tiefatmendes Läuten,

Wie von der Höhe zur Tiefe es sinkt?

Fühlst du den tauigen Sabbat sich breiten,

Wie ihn die Seele voll Seligkeit trinkt?

Der ist der Sonntag der gründenden Palmen,

Dunklem Karfreitag das lachende Tor:

Siehe, so grenzen die jubelnden Psalmen

Und Miserere im klagenden Chor.

 

 

Jean-Georges Vibert,

Palm Sunday in Spain
Jean-Georges Vibert, auch Jehan-Georges Vibert (*1840-1902) war ein französischer Maler.

 

Palm Sunday - The Outskirts of Londom 

Le dimanche des rameaux en bretagne, 1873 

 

Gründonnerstag

Vasily Nikolaevich Baksheyev, Maundy Thursday
Vasily Nikolaevich Baksheyev (1862-1958) war ein russischer Maler. 

Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848

Am Gründonnerstage

 

O Wundernacht, ich grüße!

Herr Jesus wäscht die Füße.

Die Luft ganz stille stand;

Man hört den Atem hallen

Und wie die Tropfen fallen

Von seiner heil'gen Hand.

 

Da Jesus sich tut beugen,

Ins tiefe Meer sich neigen

Wohl Inseln diesem Gruß.

Ist er so tief gestiegen,

So muß ich ewig liegen

Vor meines Nächsten Fuß.

 

Herr, ob sich gleich betöret

Die Seele mein empöret

Vor aller Niedrigkeit,

Daß ich vielmehr mein Leben

In Qualen aufzugeben

Für deinen Ruhm bereit:

 

So gib, daß ich nicht klage,

Wenn du in meine Tage

Hast alle Schmach gebannt;

Laß brennen meine Wunden,

So du mich stark befunden

Zu solchem harten Stand!

 

O Gott, ich kann nicht bergen,

Wie angst mir von den Schergen,

Die du vielleicht gesandt

In Krankheit oder Grämen

Die Sinne mir zu nehmen,

Zu töten den Verstand!

 

Es ist mir oft zu Sinnen,

Als wolle schon beginnen

Dein schweres Strafgericht;

Als dämmre eine Wolke,

Doch unbewußt dem Volke,

Um meines Geistes Licht.

 

Doch wie die Schmerzen schwinden,

Die mein Gehirn entzünden,

So flieht der Nebelduft,

Und mit geheimem Glühen

Fühl' ich mich neu umziehen

Die frische starke Luft.

 

Mein Jesu, darf ich wählen,

Ich will mich lieber quälen

In aller Schmach und Leid,

Als daß mir so benommen,

Ob auch zu meinem Frommen,

Die Menschenherrlichkeit.

 

Doch ist er so vergiftet,

Daß es Vernichtung stiftet,

Wenn er mein Herz umfleußt:

So laß mich ihn verlieren,

Die Seele heimzuführen,

Den reichbegabten Geist.

 

Hast du es denn beschlossen,

Daß ich soll ausgegossen

Ein tot Gewässer stehn

Für dieses ganze Leben:

So will ich denn mit Beben

An deine Prüfung gehn.

 

 

Kharlampi Kostandi,

Maundy Thursday in the North, Gründonnerstag im Norden
Kharlampi Kostandi (1868-1939) war ein russischer Maler.

 

Rainer Maria Rilke  1875-1926

Das Abendmahl

 

Sie sind versammelt, staunende Verstörte,

um ihn, der wie ein Weiser sich beschließt,

und der sich fortnimmt, denen er gehörte,

und der an ihnen fremd vorüberfließt.

Die alte Einsamkeit kommt über ihn,

die ihn erzog zu seinem tiefen Handeln;

nun wird er wieder durch den Ölwald wandeln,

und die ihn lieben, werden vor ihm fliehn.

 

Er hat sie zu dem letzten Tisch entboten

und (wie ein Schuß die Vögel aus den Schoten

scheucht) scheucht er ihre Hände aus den Broten

mit seinem Wort: sie fliegen zu ihm her;

sie flattern bange durch die Tafelrunde

und suchen einen Ausgang. Aber er

ist überall wie eine Dämmerstunde.

 

 

Mykola Pymonenko, Maundy Thursday
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde, Schöpfer zahlreicher Genrebilder,[2] und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki.

 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Der Ölbaumgarten

 

Er ging hinauf unter dem grauen Laub

ganz grau und aufgelöst im Ölgelände

und legte seine Stirne voller Staub

tief in das Staubigsein der heißen Hände.

 

Nach allem dies. Und dieses war der Schluß.

Jetzt soll ich gehen, während ich erblinde,

und warum willst Du, daß ich sagen muß,

Du seist, wenn ich Dich selber nicht mehr finde.

 

Ich finde Dich nicht mehr. Nicht in mir, nein.

Nicht in den andern. Nicht in diesem Stein.

Ich finde Dich nicht mehr. Ich bin allein.

 

Ich bin allein mit aller Menschen Gram,

den ich durch Dich zu lindern unternahm,

der Du nicht bist. O namenlose Scham...

 

Später erzählte man, ein Engel kam –.

 

Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht

und blätterte gleichgültig in den Bäumen.

Die Jünger rührten sich in ihren Träumen.

Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht.

 

Die Nacht, die kam, war keine ungemeine;

so gehen hunderte vorbei.

Da schlafen Hunde, und da liegen Steine.

Ach eine traurige, ach irgendeine,

die wartet, bis es wieder Morgen sei.

 

Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern,

und Nächte werden nicht um solche groß.

Die Sich-Verlierenden läßt alles los,

und die sind preisgegeben von den Vätern

und ausgeschlossen aus der Mütter Schoß.

 

Mykola Pymonenko, Gründonnerstag
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde, Schöpfer zahlreicher Genrebilder,[2] und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki.

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

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Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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