Der 1. April ist der Tag,
an dem wir uns erinnern sollen,
was wir 364 Tage im Jahr sind:
nämlich Narren.
Mark Twain
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Très Riches Heures, Avril
Très Riches Heures - Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry
bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm
Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
Erich Kästner 1899-1974
Der April
Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!
Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
er hat ihn in den April geschickt.
Und schon hoppeln die Hasen,
mit Pinseln und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben
durch Gärten und Straßen
und über den Rasen
in Ställe und Stuben.
Dort legen sie Eier, als ob's gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere,
er blickt dabei entschlossen ins Leere -
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan!
Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.
Da kräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp sind die Hasen verschwunden.
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt er, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.
Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Manne nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.
Detlev von Liliencron 1844-1909
Mein täglicher Spaziergang
Nur ein paar Birken, Einsamkeit und Leere,
Ein Sumpf, geheimnisvoll, ein Fleckchen Haide,
Der Kiebitz gibt mir im April die Ehre,
Im Winter Raben, Rauch und Reifgeschmeide,
Und niemals Menschen, keine Grande Misère,
Nichts, nichts von unserm ewigen Seelenleide.
Ich bin allein. Was einzig ich begehre?
Grast ihr für euch, und mir laßt meine Weide.
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
April
Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
Denn ihr sagt was gar zu Schönes,
Gar des lieblichsten Getönes;
Und in gleichem Sinne fragt ihr.
Doch ich glaub euch zu erfassen:
Hinter dieser Augen Klarheit
Ruht ein Herz in Lieb und Wahrheit
Jetzt sich selber überlassen,
Dem es wohl behagen müßte,
Unter so viel stumpfen, blinden
Endlich einen Blick zu finden,
Der es auch zu schätzen wüßte.
Und indem ich diese Chiffern
Mich versenke zu studieren,
Laßt euch ebenfalls verführen,
Meine Blicke zu entziffern!
Robert Reinick 1805-1852
April
Vor kurzem, da war die Erde noch weiß,
Und nun wird’s überall grün.
Vor kurzem, da stand der Bach noch voll Eis,
Wo lustig die Wellen nun zieh’n.
Und sieh! o sieh! – hab ich recht geschaut?
Ein Veilchen! wie das mich freut!
Und der Vogel im Fliederbusch; singt so laut;
O du prächtige Frühlingszeit!
Franz Werfel 1890-1945
April
Hör ich nicht das Herz der Birke,
Das ihr bis zum Halse pocht?
Welche Lieb im Lichtbezirke
Hat sie plötzlich übermocht?
Gestern starrte öd gegittert
Ihr Geäst als toter Strauch.
Heute wölkt sie sich und zittert
Geistig grün empor wie Rauch.
Emanuel Geibel 1815-1884
Die Liebe gleichet dem April
Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,
Bald Blüten im Herzen, und Thalen,
Bald stürmisch und bald still;
Bald heimliches Ringen und Sehnen,
Bald Wolken, Regen und Thränen, –
Im ewigen Schwanken und Wähnen,
Wer weiß, was werden will.
Arno Holz 1863-1929
Abklingendes Aprilgewitter
Aus grauem Himmel
sticht die Sonne.
Jagende Wolken, blendendes Blau!
Ins grüne Gras greift der Wind, die Silberweiden sträuben sich.
Plötzlich - still.
Auf einem jungen Erlenbaum
wiegen sich blinkende Tropfen!
Ferdinand Avenarius 1856-1923
April
Still von unsichtbarer Hand
Seh die Welt ich schmücken,
Und es wandelt übers Land
Ruhiges Beglücken.
Unsre alte Erde weit
Sank in frommes Sinnen,
Ahnend einer neuen Zeit
Keimendes Beginnen
Bald ist alles in dem Rund
Werdens voll und Waltens.
Jede Scholle wird zum Grund
Drängenden Gestaltens.
Reichtum seh ich jeden Platz
Aus der Tiefe heben,
Schenkend zeigt versenkten Schatz
Jedes Stückchen Leben.
Johann Georg Jacobi 1740-1814
April
Was kümmerts dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr tut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gib uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bei Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirtschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.
Else Lasker-Schüler 1869-1945
An Apollon
Es ist am Abend im April.
Der Käfer kriecht ins dichte Moos.
Er hat so Angst – die Welt so groß!
Die Wirbelwinde hadern mit dem Leben,
Ich halte meine Hände still ergeben
Auf meinem frommbezwungenen Schoß.
Ein Engel spielte sanft auf blauen Tasten,
Langher verklungene Phantasie.
Und alle Bürde meiner Lasten,
Verklärte und entschwerte sie.
Jäh tut mein sehr verwaistes Herz mir weh –
Blutige Fäden spalten seine Stille.
Zwei Augen blicken wund durch ihre Marmorhülle
In meines pochenden Granates See.
Er legte Brand an meines Herzens Lande –
Nicht mal sein Götterlächeln
Ließ er mir zum Pfande.
Heinrich Seidel 1842-1906
April
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel klar und rein,
Bald schaun die Wolken düster drein,
Bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
Mit Weinen und mit Lachen
Ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Und schneit mir in den Blütenbaum,
In all den Frühlingswiegentraum!
Ganz greulich ist's, man glaubt es kaum:
Heut Frost und gestern Hitze,
Heut Reif und morgen Blitze;
Das sind so seine Witze.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Und kriegt der raue Wintersmann
Auch seinen Freund, den Nordwind, an
Und wehrt er sich, so gut er kann,
Es soll ihm nicht gelingen;
Denn alle Knospen springen,
Und alle Vöglein singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Björnstjerne Björnson 1832-1910
Ich wähl’ mir den April
Ich wähl’ mir den April,
Wo Altes bricht zusammen,
Und Neues — Wurzeln, feste,
Bekommt, bei Krach und Flammen.
Nicht Frieden ist das Beste,
Nein — dass man Etwas will!
Ich wähl’ mir den April,
Er stürmt, dass Alle beben,
Er lächelt, schmelzt und blitzet,
Da regt sich neues Leben,
Weil er Talent besitzet
Und Sommer bringen will!
Theodor Storm 1817-1888
April
Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
Theodor Kirchhoff 1828-1899
April in Californien
Es erweckt der April im deutschen Land
In Jedem des Ärgers Gewalten.
Ein falscher Geselle wird er genannt
Von den Jungen sowohl wie den Alten;
Und lächeln die Falten seines Gesichts,
Falsch ist er und bleibt er – es hilft ihm nichts!
Gewiß verdroß ihn das ew’ge Geschelt,
Als wär’ er voll Laster und Sünden.
Drum kam er herüber zur Neuen Welt,
Eine bessere Heimath zu finden,
Und eilte durch Berge, Wüsten und Plan,
Bis er schaute den westlichen Ocean.
Mir schien’s, als wär’ er der wonnige Mai,
Der Juni, mit leuchtenden Blicken,
Als jüngst ich ihn sah an Pablos Bai
Bunt schimmernde Blumen pflücken,
Als er lächelnd grüßte Sonómas Thal
Und Napa mit goldigem Sonnenstrahl.
Die Fluren kleidet’ er all’ in Smaragd
Und schmückte in zaubrischem Bilde
Mit orangenglühender Blumenpracht
Die von Eichen umsäumten Gefilde.
Auf die Berge legt’ er mit Künstlerhand
Von Ultramarin ein festlich Gewand.
In den Gärten streute der Pfirsich schon
Von den Zweigen die rosigen Blüthen,
Und Fuchsien prangten und bunter Mohn;
Aus den Büschen am Boden glühten,
Als wären’s Karfunkeln mit rothem Strahl,
Die Erdbeeren, reif zum würzigen Mahl.
Auf den Feldern standen in endlosen Reih’n
Die Rebenstöcke und tranken
Mit Lust den strahlenden Sonnenschein.
Es schwoll der Saft in den Ranken
Und drängte zum Licht sich, mit heißem Blut
Auf’s neu’ uns zu spenden der Sonne Gluth.
Die Lerchen sangen aus blauer Luft
Ihr Lied in die blühenden Lande,
Die Sträucher athmeten wonnigen Duft
Im festlichen Frühlingsgewande,
und deutsche Männer, mit frohem Gesang,
Die zechten beim tönenden Gläserklang.
Diesen Becher mit feurigem Napawein,
Ihn will ich heute zu Ehren
Des heitern April auf blumigem Nain
In durstigen Zügen leeren.
Hoch sei er gepriesen, der lachende Fant,
Der Liebling vom Californialand!
Erschienen in: (Die Gartenlaube Nr. 29 S. 480)
Hermann Lingg 1820-1905
Stoßseufzer im April
Nimm vom elenden Menschengeschlecht
Nimm, o Gott, die Sorgen,
Gib uns für Kirchen- und andres Recht
Heitere Frühlingsmorgen!
Nimm uns Krieg und Weltgeschick,
Aber an Sankt Georgen*
Gib uns endlich einen Blick
In sonnige Sonntagsmorgen!
*23. April Georgstag
Emanuel Geibel 1815-1884
Im April
Du feuchter Frühlingsabend,
Wie hab’ ich dich so gern!
Der Himmel wolkenverhangen,
Nur hie und da ein Stern.
Wie leiser Liebesodem
Hauchet so lau die Luft,
Es steigt aus allen Talen
Ein warmer Veilchenduft.
Ich möcht’ ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich,
Und kann den Klang nicht finden,
So dunkel, mild und weich.
Max Dauthendey 1867- 1918
April spricht Geistersprache
April spricht Geistersprache.
Wie ein Vergoldermeister
Sitzt er am Nachbardache,
Spritzt Goldschaum auf Taube und Tauber,
Beklebt die Zimmer lichtsauber,
Belebt die Fenstergardinen,
Den Staub auf alten Tischen,
Vergoldet Falten und Mienen,
Sein Zauber will nie mehr verwischen.
Auf meinen Stühlen sitzt still,
Ich seh' ihn mit blumigen Gliedern,
Ein Geist von Liebesliedern,
Der dreist erlöst sein will.
Franz Werfel 1890-1945
Vollkraft des April
Der Krokus jubelt aus der Fläche
Die er mit Kriegsmacht überzieht.
Ein Rinnsal steigert seine Schwäche
Nachdrücklich zum Triolenlied.
Die Bäume stehn wie neue Bauten,
Die bis zum Dachfirst schon gediehn.
Man ahnt ihr inneres Erlauten,
Den Arbeitslärm der Energien.
Das erste Laub ist tief beschäftigt,
Der Knospe Selbst verwundert sich.
Mit frischgestrichnem Gelb bekräftigt
Ein Amselschnabel alles Ich.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Nicht! noch nicht!
Ein leichter Suff umnebelt die Gedanken.
Verdammt! Der Frühling kommt zu früh.
Der Parapluie
steht tief im Schrank – die Zeitbegriffe schwanken.
Was wehen jetzt die warmen Frühlingslüfte?
Ein lauer Wind umsäuselt still
mich im April –
die Nase schnuppert ungewohnte Düfte.
Du lieber Gott, da ist doch nichts dahinter!
Und wie ein dicker Bär sich murrend schleckt,
zu früh geweckt,
so zieh ich mich zurück und träume Winter.
Ich bin zu schwach. Ich will am Ofen hocken –
die Animalität ist noch nicht wach.
Ich bin zu schwach.
Laternenschimmer will ich, trübe Dämmerung und dichte
Flocken.
Otto Reutter 1870-1931
Der Blusenkauf
Wenn Frau'n was kaufen, das geht flink.
Ich weiß, wie's meinem Freund erging.
Der, jungvermählt, wollt' in der Früh'
mal ins Büro, das sagte sie:
"Laß mich ein Stückchen mit dir gehn."
Dann blieb sie vor 'nem Laden stehn.
"Dein Port'monnaie! Bin gleich zurück,
es dauert nur 'nen Augenblick.
Bleib draußen", sprach Frau Suse,
"ich kauf mir bloß 'ne Bluse."
Nun geht sie rein, "nen Augenblick."
Ihr Mann, sehr heiter, bleibt zurück.
Er freut sich, 's Wetter ist sehr schön,
sieht Kinder, die zur Schule gehn,
und sie sagt drinnen zur Mamsell:
" 'ne blaue Bluse, aber schnell!"
Nun schleppt man alle blauen rein,
und nach 'ner Stunde sagt sie: "Nein,
ich finde keine nette,
ich möcht' 'ne violette."
Nun packt man violette aus.
Ihr Mann, geduldig, steht vorm Haus,
denkt: "Ziemlich lange währt so'n Kauf",
geht auf und ab und ab und auf,
und sie sagt drinnen: "Das ist nett!
Wie kam ich nur auf violett?
Da fällt mir ein, Frau Doktor Schmidt
geht immer mit der Mode mit,
und sie trägt jetzt 'ne gelbe.
Ach, geb'n Sie mir dieselbe.
Nun packt man alle gelben aus.
Ihr Mann wird hungrig vor dem Haus.
Der Mittag naht, die Sonne sticht,
die Kinder komm'n vom Unterricht.
Und sie sucht drin und sagt alsdann:
"Was geht Frau Doktor Schmidt mich an?
Wie kam ich auf 'ne gelbe nur?
Es wird ja Frühling, die Natur
zeigt frohe Hoffnungsmiene,
ach, geb'n Sie mir 'ne grüne."
Nun packt man alle grünen aus.
Ihr Mann ist matt und seufzt vorm Haus:
"Gern kauf't ich 'ne Zigarre mir,
doch's Port'monnaie, das ist bei ihr."
Und sie sagt drin: "Beim Sonnenschein,
da wird das Grün zu dunkel sein."
Da schaut er rein. Mein Port'monnaie",
sie sagt: " 'nen Augenblick noch. Geh!
Ich bin ja gleich zur Stelle.
Ach, geb'n Sie mir 'ne helle."
Nun packt man alle hellen aus.
Da gibt's ein Ungewitter drauß'.
Es regnet bis zum Abendrot.
Ihm fehlt ein Schirm und's Abendbrot.
Und sie sagt drinnen zur Mamsell:
"So'n Wetter heut, und dazu hell?
Und überhaupt, wir haben bald
April, da wird's oft naß und kalt,
dann bin ich die Blamierte.
Ach, geb'n Sie 'ne karierte."
Nun packt man die karierten aus,
und er stöhnt, frei nach Goethe, drauß´:
"Was ewig weiblich, zieht uns an.
Das Weib, das zieht sich ewig an."
Und sie probt drin und sagt entsetzt:
"Was, Nummer vierundvierzig jetzt?
Nicht zweiundvierzig, schlank und schick?
Dann nichts Kariertes, das macht dick."
Ihr Blick zur Taille schweifte.
"Dann geb'n Sie 'ne gestreifte."
Nun packt man die gestreiften aus.
Ihr Mann, der wankt und röchelt drauß':
"Ein'n Augenblick!" Das war ihr Wort!
Dann fällt er um, man trägt ihn fort.
Dann kommt sie mit ner roten raus.
"Hier bin ich schon!" ruft sie froh aus
und schreit: "Mein Mann! Mein Glück!
Gott, ist er tot? Ein'n Augenblick!"
Und in den Laden starrt se:
"Dann geb'n Sie mir 'ne schwarze."
Christian Morgenstern 1871-1914
Der Leu
Auf einem Wandkalenderblatt
ein Leu sich abgebildet hat.
Er blickt dich an, bewegt und still,
den ganzen 17. April.
Wodurch er zu erinnern liebt,
daß es ihn immerhin noch gibt.
Hoffmann von Fallersleben 1798-1874
Der erste April
Wie wir als Knaben uns doch neckten!
Wie wir voll Schelmenstücke steckten!
Ich mach´s noch heute nicht bekannt,
Wonach ich einstmals ward gesandt,
Ich schweige still,
Sonst hört' ich heute noch: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.
Nach ungebrannter Asche gingen,
Nach Mückenfett und selteneren Dingen
wir ernsthaft in des Krämers Haus,
Der warf uns dann zur Tür hinaus.
Schwieg still, schweig still!
Sonst ruft man heute noch: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.
Wie wir´s gemacht als kleine Kinder,
So macht´s ein König auch nicht minder:
Er schickt sein Volk nach Freiheit aus,
Es kehret wiederum nach Haus
Ganz still, ganz still.
Die Nachbarn rufen laut: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.
Albert Ehrenstein 1886-1950
April
Der Himmel ist blau oder grau,
Die Rose weiß, gelb oder rot,
Das Zweibein ist entweder Mann oder Frau,
Die Sonne geht auf und unter,
Du lebst oder bist tot —
All dieser Lenzherbst
Ist mir zu traurig und munter.
Erich Kästner 1899-1974
April, April!
Dies ist der Tag der faulen Witze.
Die Redakteure sind fidel.
Die Zeitung lacht aus jeder Ritze.
Sie stopft Bonbons in die Geschütze,
zeigt auf dem Zweirad ein Kamel
und Hermann Müller ganz in Tüll.
Der Leser soll vor Lachen bersten.
Einmal pro Jahr. Und zwar am ersten
April.
Da läßt sich nichts dagegen machen.
Von vorn und hinten — nichts als Spaß!
In Wort und Bild — die tollsten Sachen!
Ich mußte selber mächtig lachen,
als ich die Zeitung sah und las.
Doch plötzlich wurde ich sehr still ...
Das, was ich las, war gar kein Scherz!
Die Zeitung war von Ende März,
nicht vom April.
Und was ich las: von den Parteien,
von der Zensur, vom Zeppelin,
von Börsensturz und Schweinereien —
war ernst gemeint und nicht zum Schreien.
Obwohl es nur erfunden schien.
Ja, Witze fallen dem am schwersten,
der sie freiwillig machen will ...
Lacht jeden Tag! (Nur nicht am ersten April.)
2. April 1929
Rudolf Georg Binding 1867-1938
April
April! April! – Das Wetter narrt
den der ihm vertraut.
April! April! Der Bräutigam harrt
schwankend auf die Braut.
Ist der Monat wetterwendig –
– uns ist’s einerlei.
Liebe ist aprilbeständig
– und dann kommt der Mai.
Eduard Mörike 1804-1875
Es ist doch im April fürwahr,
der Frühling weder halb noch gar!
Komm Rosenbringer, süßer Mai,
komm du herbei!
So weiß ich, daß es Frühling sei.