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Luther erschütterte Deutschland –
aber Franz Drake beruhigte es wieder:
er gab uns die Kartoffel.
Heinrich Heine 1797-1856
Wer genau die Kartoffel nach Europa brachte, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Sir Francis Drake, der britische Seefahrer seiner Majestät, galt lange Zeit als Überbringer. In den Tagebuchaufzeichungen seiner Mitfahrer gab es jedoch keine Hinweise, dass er die Kartoffel wirklich nach Europa brachte.
Paul Zech 1881-1946
Alte Frauen im Kartoffelfeld
Schwarz flattern Witwenschleier über Stirnen.
drin alle Fröhlichkeit erloschen ist.
Es wohnt dort nur die eine starke List:
im Ackern gleich zu sein den jungen Dirnen.
Kraut türmt sich unterm Schwung der krummen Hacken
wie Garben auf. Und Säcke hlähn sich hreit.
Die Feuer qualmen in die Landschaft weit
und röten beizend eingefallne Backen.
Die Erde duftet wie Geruch von Myrthen —
oh Haar, darin es blühend einmal stand,
nun schwillst du ahwärts hin und bist wie Sand
so grau, von Alter und vom Grambewirten.
Die alten Frauen auf des Ackers Mitten
sind schutzlos in den harten Wind gestellt;
und dieser Wind beherrscht die Grenzen ihrer Welt,
die sie von Fron gehalten, niemals überschritten.
Sie wühlen wie ein Pflüger Rille schroff an Rille,
Die Knechte keuchen unter der hochaufgesackten Last.
Und wenn des Felds entblößte Brust gen Abend blaßt,
zerbricht ihr Singsang spukhaft alle Stille.
Johann Heinrich Voß 1751-1826
Die Kartoffelernte
Kindlein, sammelt mit Gesang
Der Kartoffeln überschwang!
Ob wir voll bis oben schütten
Alle Mulden, Körb’ und Bütten;
Noch ist immer kein Vergang!
Wo man nur den Bulten hebt,
Schaut, wie voll es lebt und webt!
O die schöngekerbten Knollen,
Weiß und rot, und dick geschwollen!
Immer mehr, je mehr man gräbt!
Nicht umsonst in bunter Schau
Blüht’ es rötlich, weiß und blau!
Ward gejätet, ward gehäufet:
Kindlein, Gottes Segen reifet!
Rief ich oft, und traf’s genau!
Einst vom Himmel schaute Gott
Auf der Armen bittre Not:
Nahe ging’s ihm; und was that er
Uns zum Trost, der gute Vater?
Regnet’ er uns Mannabrot?
- Fortsetzung unten -
- Fortsetzung Voß, Die Kartoffelernte -
Nein, ein Mann ward ausgesandt,
Der die neue Welt erfand!
Reiche nennen’s Land des Goldes:
Doch der Arme nennt’s sein holdes
Nährendes Kartoffelland!
Nur ein Knöllchen eingesteckt,
Und mit Erde zugedeckt!
Unten treibt dann Gott sein Wesen!
Kaum sind Hände gnug zum Lesen,
Wie es unten wühlt und heckt!
Was ist nur für Sorge noch?
Klar im irdnen Napf und hoch,
Dampft Kartoffelschmaus für alle!
Unsre Milchkuh auch im Stalle
Nimmt ihr Teil, und brummt am Trog!
Aber, Kindlein, hört! ihr sollt
Nicht verschmähn das liebe Gold!
Habt ihr Gold, ihr könnt bei Haufen
Schöne Saatkartoffeln kaufen,
Grad’ aus Holland, wenn ihr wollt!
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Mittelböhmische Landschaft
Fern dämmert wogender Wälder
beschatteter Saum.
Dann unterbricht
nur hie und da ein Baum
die falbe Fläche hoher Ährenfelder.
Im hellsten Licht
keimt die Kartoffel; dann
ein wenig weiter Gerste, bis der Tann
das Bild begrenzt.
Hoch überm Jungwald glänzt
so goldig-rot ein Kirchturmkreuz herüber,
aus Fichten ragt der Hegerhütte Bau; -
und drüber
wölbt sich ein Himmel blank und blau.
Lorbeer macht nicht satt:
besser, wer Kartoffeln hat.
Deutsches Sprichwort
Anonym
Ja, wenn im Dorf die Bratkartoffeln blühn
ist alles in Butter / der Vater küsst die Mutter
ja wenn im Dorf die Bratkartoffeln blühn
ist alles wieder gut und wieder schön
Ludwig Eichrodt
Kartoffellied
Herbei, herbei zu meinem Sang!
Hans, Jörgel, Michel, Stoffel!
Und singt mit mir das Ehrenlied
Dem Stifter der Kartoffel.
Franz Drake hieß der brave Mann,
Der vor zweihundert Jahren
Von England nach Amerika
Als Kapitän gefahren.
Europa sollte diesem Mann
Auf allen seinen Auen,
Wo es nur je Kartoffeln pflanzt,
Ein goldnes Denkmal bauen.
Salat davon, gut angemacht,
Mit Feldsalat durchschossen,
Der wird mit großem Appetit
Von Jedermann genossen.
Gebrätelt schmecken sie auch gut,
In saurer Brüh' nicht minder,
Erdbirnenknöpfe essen gern
Die Eltern und die Kinder.
Hat Jemand sich die Haut verbrannt
Und hilft kein Feuersegen,
So darf er auf die Wunde nur
Kartoffelschabsig legen.
Und welche Wohlthat sind sie uns
Das Vieh damit zu mästen!
Und wie viel Sorten gibt's! Jedoch
Die gutsten sind die besten.
etc. etc.
Ein allgemeines Lob verdient
Der würdige Franz Drake
Vom Fürsten bis zum Bauersmann
Ob seinem Wohlgeschmacke.
Rudolf Lavant 1844-1915
Kartoffelfeuer
Mir trübt das Weltbild keine graue Brille.
Ich liebe sehr der Sommertage Schluß.
Ich liebe sehr die Klarheit und die Stille
Und der Oktobersonne warmen Kuß.
Und wenn am Rain die Hagebutten reifen
Und blaubehaucht die herben Schlehen stehn,
Dann muß ich meinem treuen Hunde pfeifen
Und querfeldein durch Wald und Fluren gehn.
Ich fahre nichts behaglich in die Scheuer,
Wenn sich das Jahr zu seinem Ende neigt,
Doch grüß ich freudig die Kartoffelfeuer,
Aus denen prasselnd eine Flamme steigt,
Und mit den muntern Buben möcht ich springen,
Die jubelnd sich um diese Feuer mühn,
Und ärmevoll die dürren Stauden bringen,
Die prasselnd sich zu weißer Asche glühn.
Im Rauch verschwinden ab und zu die Jungen,
Der aus den Lücken bricht des losen Baus,
Dazwischen lecken rote Feuerzungen,
Und schier bedrohlich sieht’s mitunter aus.
Inzwischen aber wühlt die flinke Hacke,
Die hurtig leer den warmen Boden macht,
Und sichtlich häuft der Segen sich im Sacke,
Den ernsten Blicks der weiße Spitz bewacht.
Mit einem Scherzwort trocknen von der Stirne,
Für Augenblicke rastend, sich den Schweiß
Der rüst’ge Mann, die fixe, ros’ge Dirne,
Denn reiche Ernte lohnt der Arbeit Fleiß.
Das muntre Bild verlockte mich zum Bleiben;
Am Saum des Ackers blieb ich lächelnd stehn,
Und teilnahmsvoll hab ich dem regen Treiben,
Dem Erntefest des Volkes, zugesehn.
Hermann Löns 1866-1914
Kartoffelfeuer
Du wirbelnder Rauch der Kartoffelfeuer,
Erinnerer an alte, verflossene Zeit,
wie ist mir dein herber Geruch noch so teuer,
du bleibst mir als Jugenderinnerung geweiht.
Im Bruchwald, am Seerand, da war eine Ecke
von Weiden umwuchert, von Dornen geschützt.
Wir brieten in sicherem Räuberverstecke
uns dort Kartoffeln, die wir uns stibitzt.