BuchKult
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Francis Danby, Sunset at Sea after a Storm 
Francis Danby (1793-1861) war ein irischer Landschaftsmaler.

Hermann Hölty 1828-1897

Unter und nach dem Gewitter

 

I.

 

Die See ist still. Ein regungsloses Schweigen!

Zuweilen nur ein Zittern und ein leises

Beklomm’nes Atmen, und ihr dunkles Auge

Schaut bang nach oben, wie um Gnade flehend.

 

Denn eine dunkle schwere Wetterwolke

Droht auf die See herab in finstrem Zorne.

Ihr Auge scheint zu sprechen: Rühr’ dich nicht!

Und keinen Laut! sonst blitz’ ich auf dich nieder.

 

II.

 

Es hat die Sonne und der Wind geschlagen

Nach langem schweren Kampf das Wolkenheer;

Und seine letzten Schatten fliehen, jagen

Wie irrende Gespenster über’s Meer.

 

Das Licht verfolget sie mit güld’nen Pfeilen

Und grüßt hernieder: See, du bange Maid,

Sieh, wie die Finstern in die Weite eilen!

Wir haben sie besiegt! du bist befreit!

 

Und tief aufatmet sie, und doch noch bebt sie.

Denn dass sie nun erlöst, sie fasst’s noch nicht,

Das blaue Auge aber dankbar hebt sie

Nach oben zu der Sonne Angesicht.

 

 

 

Arhip Kuindji, After a Rain, 1879
Arhip Ivanovich Kuindji (1841-1910) war ein russischer Maler des Realismus.

Arno Holz 1863-1929

Abziehendes Gewitter

 

Gegen

eine dunkele,

dumpf verrollende, schrägschwarz abziehende

Wetterwand,

aus

der mich noch

die

letzten schweren,

stürzenden Schlossen treffen,

plötzlich,

die Luft wird licht, die Lachen

flimmern,

der gärende, wählende, weißgrau brodelnde Himmel über mir

jählings, zerreißt,

sprühblitzt ... die Sonne!

 

Jagende Wolken! Blendendes Blau!

Ins grüne Gras greift der Wind, Silberweiden sträuben sich.

 

Den

Kopf vorgeduckt,

die Augen fast zu, den Hut in die Stirn,

kämpfe ich mich

durch den fegend sausenden,

stürmisch brausenden, entfesselt tobenden Frühlingsaufruhr!

 

Mit

einem Mal,

die Brust atmet auf, mein Mantel flattert nichtg mehr,

ich blicke erstaunt um mich

alles ... still.

 

Der ganze Spektakel, Lärm und Tumult,

kein Blättchen rührt sich, kein Hälmchen schwankt,

auch

nicht das leiseste,

sanfteste, zarteste Lüftchen mehr,

wie

weggeblasen!

 

Erquickende, friedliche, glasklare

Frische!

Der Himmel glänzt, eine kleine Meise singt wieder,

ich spüre wohligste

Wärme.

 

Auf einem jungen Erlenbaum,

regenbogenschillernd, edelsteinfunkelnd,

märchenbunt,

leuchtwiegen, blinkdrehen,

spiegelschaukeln

sich

spielschwebend, tanzhangende,

seligkeitszitternde

Tropfen!

 

 

 

Andreas Achenbach, Sonnenuntergang nach einem Sturm an der Küste von Sizilien
Andreas Achenbach (1815-1910) war ein deutscher Landschaftsmaler der Romantik.

Heinrich Steinheuer 1819-1889

Die dicke Tanne

 

Sie hob so stolz und prächtig

Ihr Haupt zur Höh empor,

Sie wehte riesenmächtig

Weit über der Bäume Chor.

Wie trotzte sie den Zeiten

Wohl ein Jahrhundert fast,

Sah sie vorüber schreiten,

Trug stark der Jahre Last.

Jetzt steht zerfetzt in Splitter

Die Tanne morsch verheert,

Ein einziges Gewitter

hat alle Pracht zerstört.

Oh Menschenherz, Dein Streben,

Und wär es noch so hoch,

Wie gleicht Dein inn'res Leben

Der morschen Tanne doch.

 

Antoine Chintreuil, Une mare  effet du soir après l'orage, Montpellier, Musée Fabre
Antoine Chintreuil (1814-1873) war ein französischerLandschaftsmaler.

Heinrich Seidel 1842-1906

Nach dem Gewitter

 

Friede, Friede!

Golden versank die Sonne

Im rosigen Wolkenmeer. -

Hinter den Bergen,

Fern und ferner

Verhallet der Donner,

Röthlich glimmen die Häupter der Berge,

Doch im Thale schon

Sinken die Schatten.

So nach des Lebens

Streben und Ringen -

Wenn meine Stunde naht -

Möchte ich scheiden,

Wie dieser Tag -

Friedfertig.

Nach dem Zucken der Blitze

Und dem Rollen des Donners,

In den süßen Frieden der Nacht,

Tiefer und tiefer

Schwindet das Roth.

Es dunkeln die Berge -

Aus den schwarzen Tannenzacken

Steigt der Mond hervor

Ueber die träumende Welt.

Friede, Friede!

 

 

 

Charles Guilloux, The Deluge, Cleveland Museum of Art
Charles-Victor Guilloux (1866-1946) war ein französischer Maler des Symbolismus.

Adolf Chwala, After the Storm 
Adolf Chwala (1836-1900) war ein tschechischer Maler.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Nach dem Gewitter

 

Der Blitz hat mich getroffen.

Mein stählerner, linker Manschettenknopf

Ist weggeschmolzen, und in meinem Kopf

Summt es, als wäre ich besoffen.

 

Der Doktor Berninger äußerte sich

Darüber sehr ungezogen:

Das mit dem Summen wär' typisch für mich,

Das mit dem Blitz wär' erlogen.

 

 

 

 

Giovanni Segantini,

Nach dem Sturm
Giovanni Segantini (1858-1899) war ein in Welschtirol als österreichischer Staatsbürger geborener Maler des realistischen Symbolismus.

Adolf Friedrich von Schack 1815-1894

Nach dem Gewitter

 

Nun zerreißt des Wetters Dach;

Matt verhallt das Sturmgetose;

Durch die Risse nach und nach

Blickt das Blau, das schleierlose;

Und wie sich der Sternenraum

Aufthut bis ans Weltenende,

Falten an der Wolken Saum

Engel zum Gebet die Hände.

 

Und hernieder wallt ein Ton

Von der Sonnen Feierreigen,

Die seit Ewigkeiten schon

Droben sinken oder steigen,

Reißt nach Sturm und Wettergroll

Aufwärts, aufwärts meine Seele,

Daß sie einstimmt andachtsvoll

In die himmlischen Choräle.

 

 

 

Lajos Deák Ébner, After Rain 
Lajos Deák Ébner (1850-1934) war ein ungarischer Maler.

Wilhelm Raabe 1831-1910

Vorüber

 

Nun ist es vorüber,

Nun ist es geschehn,

Die Donner verrollen,

Die Wolken verwehn.

 

Es leuchtet, es blitzet

Die Wiese, der Wald.

Was eben noch dunkel,

Wie hellt's sich so bald!

 

Nun ist es geschehen,

Nun ist es getan!

Es war ja ein Traum nur,

Es war nur ein Wahn!

 

Vom Zweige es träufet,

Die Wimper ab auch;

wie funkeln die Tropfen

An Blättlein und Aug'!

 

Wie leuchtet die Sonne

Mit glänzendem Schein,

Über Berg, über Tal,

Ins Herz mir hinein!

 

 

 

George Inness, Close of a Stormy Day, ca.1881-82
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

 

George Inness, After the Storm, 1879
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

 

George Inness, The Passing Storm, 1892, High Museum    
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Detlev von Liliencron 1844-1909

 

Wenn letzter Donner fern verrollt

Nach dunkler Sonnenstunde:

Schon winkt ein erstes Wolkengold

Dem regensatten Grunde:

 

Die Sonne küßt die Gräser wach,

Die lieben Lerchen singen,

Es trägt der Wind den blauen Tag

Empor auf kühlen Schwingen.

 

In solcher Stunde senkt mich ein,

Viel Müh ist nicht vonnöten,

Es wird die Erde hinterdrein

Mir rasch den Sarg verlöten.

 

Streut Rosen, Rosen in das Grab,

Und spielt Trompetenstücke;

Dann brecht mir meinen Wanderstab

Mit fester Hand in Stücke!

 

Es fiel ein Blatt vom Baum, es fiel

Durch fruchtbeschwerte Äste.

Nun geht zu euerm eignen Ziel,

Ihr meine letzten Gäste.

 

Zum eignen Ziel geht spielbereit,

Schwenkt hoch die Trauerfahnen,

Froh, daß ihr noch auf Erden seid

Und nicht bei euern Ahnen!

 

 

 

Théodore Rousseau, Paysage, après l'orage
Etienne Pierre Théodore Rousseau (1812-1867) war ein französischer  Landschaftsmaler

Robert Russ, Mountain torrent after the storm 
Robert Russ (1847-1922) war ein österreichischer Maler.

Moritz Hartmann 1821-1872

Nach dem Gewitter

 

Helldunkle Nacht. - Die Tropfen fallen

Melodisch aus den Blättern;

Die Erde ruht von Wettern,

Die hinter fernem Waldessaum verhallen.

Zahllose Rosenblätter, von Gewittern

Hoch in die Luft getragen, zittern

Zur Erde und zum Strauch zurück,

Wie Träume zu verlassnem Glück.

Ein wallender Schleier ist die Luft, gewebt

Aus Schwarz und Blau und Perl und Gold;

Was er bedeckt - ich weiß nicht, ob es bebt

Vor Freuden oder Schmerz -

Und was erbeben macht mein Herz,

Ist es ein Weinen, ist’s ein Kichern hold?

 

 

 

James Riddel, After the Rain, near Colinton
James Riddel (1857-1928) war ein schottischer Maler.

Gottlob Kemmler 1823-1907

Nach einem Gewitter

 

Horch, wie nach dem Gewitterregen

Die Lerche doppelt fröhlich singt!

Wie sie mit leichten Flügelschlägen

Durch die zerriss’nen Wolken dringt!

Wie glänzt mit neu erfrischtem Laube

Der Wald und atmet Lebensluft!

Wie richten sich, befreit vom Staube,

Die Blumen auf in Schmelz und Duft!

 

So möcht’ ich alles von mir legen,

Was meine Seele drängt und drückt,

Aufschwingen mich dem Licht entgegen,

Das tröstend durch die Wolken blickt,

Mein Herz im Frieden Gottes stillen

Und ganz, vom Staub der Erde rein,

Ein Mensch nach Gottes Schöpferwillen,

Nach Gottes Lichtgedanken sein.

 

 

 

Gilbert Munger, After the Storm, Utah
Gilbert Munger (1837-1903) war ein amerikanischer Landschaftsmaler.

Martin Greif 1839-1911

Nach dem Gewitter

 

Das Wetter ist niedergegangen,

Die Wolken, die grollend und grau

Ins schwüle Gebirge gehangen,

Sie stillten der Wälder Verlangen,

Gelöst in unendlichen Thau;

Der Himmel ward heiter und blau.

 

Wohl zittern wie flammend die Lüfte,

Doch kühlet ein Wehen sie lind

Und trägt durch die dampfenden Klüfte

Der Kräuter gewürzige Düfte;

Wo rege die Wipfel noch sind,

Erschauern die Sträucher im Wind.

 

Breit fluthet der Bach von den Fällen,

Der wirbelnd im Thale noch schwillt;

Rings tausend lebendige Quellen

Enteilen mit murmelnden Wellen:

Der Balsam, der köstliche, quillt,

Der Durst ist in Strömen gestillt.

 

 

 

Benjamin Williams Leader, Evening, Worcester - Clearing up after rain, 1886
Benjamin Williams Leader (1831-1923) war ein englischer Landschaftsmaler.

Heinrich Bone 1813-1893

Nach einem Gewitter

 

O so fühlt doch diese Wonne,

Dieses Leben, diese Lust!

Zieht herab die frische Sonne,

Preßt sie mir an meine Brust.

 

Will mit ihr ins Gras mich legen

Auf das kühlerquickte Land,

Mit ihr schlürfen von dem Segen,

Den uns Gott herabgesandt.

 

 

 

Fjodor Wassiljew, Nach dem Regen
Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew (1850-1873) war ein russischer Maler.

 

Fjodor Wassiljew, Nach dem Gewitter, 1871
Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew (1850-1873) war ein russischer Maler.

Friedrich Martin Bodenstedt 1819-1892

Nach dem Gewitter

 

Erst eben Donnergerolle

In flammender Wolkenschlacht,

Und nun die zaubervolle

Selige Stille der Nacht!

 

Es flohen die Ruhestörer

Des Tages vor ihr hin,

Wie die besiegten Empörer

Vor ihrer Königin.

 

Hell schwimmt im Wasserspiegel

Der ganze Himmelsdom —

Es drückt sein Sternensiegel

Der Himmel ans den Strom.

 

Nur matt am Himmelssaume

Leuchtet's noch ab und zu,

Wie sich der Geist im Traume

Noch regt in Schlafesruh'.

 

 

 

Emil Jakob Schindler, Nach dem Sturm
Emil Jakob Schindler (1842-1892) war ein österreichischer Landschaftsmaler.

Karl Heffner, Nach dem Unwetter
Karl Heffner (1849-1925) war ein deutscher Maler.

Ida John 1842-1907

Weinblüte

1891

 

O wilde Nacht! Wie flogen die Blitze hin und her! –

Nun ist der Sturm verzogen, kein Lüftchen regt sich mehr,

Erquickung deckt und Schweigen die mondbeglänzte Flur;

Schwer tropft es von den Zweigen, verweint noch liegt Natur.

 

Der Vaterhuld im Schoße ruht das verwöhnte Kind,

Vom Falter träumt die Rose, im Grase schläft der Wind.

Das Lied nur wacht, und leise erklingt am Wasserfall

Fern - fern die Sehnsuchtsweise einsamer Nachtigall.

 

Vom Osten, überm Weiher, am Berge schreitet hin

Mit Krone, Stab und Schleier die schönste Königin;

Ein Schimmer, nicht zu sagen, strahlt auf wohin sie spät,

Und Balsamwölkchen tragen die Feen-Majestät.

 

Sie neigt das Haupt, das holde, sie lächelt wie im Traum

Und senkt den Stab von Golde in jeder Blüthe Flaum,

Schöpft Honig, Thau und Düfte und braut im Waldesdom

Harzgeist und Sommerlüfte zu würzigem Arom.

 

Mischt drein die Wundersäfte aus diamantnem Krug,

Geheimnisvolle Kräfte, Lorbeer und Freiheitsflug,

Ein Tröpflein Gift und Lieder, Schlafkraut und Poesie,

Dazu von Lenz und Flieder die alte Melodie;

 

Vom Vaterland die Träume, der Liebe Rosengluth,

Herzheil und süße Schäume, Siegwurz und Drachenblut.

Ein Strahl nun, wie auf Erden kein Auge je gesehn,

Durchleuchtet all das Werden: Der Zauber ist geschehn!

 

Sie trägt in Schleierfalten die Spende, gnadenreich,

Sie schwebt in heil'gem Walten, unhörbar, elfengleich;

Und wo an Pfahl und Gitter ein Weinstock grünt im Rund,

Da faßt’s ihn wie Gewitter bis auf der Wurzel Grund;

 

Um seine goldnen Schosse wandelt die Königin

Und sprüht die Tracht, die lose, wie Perlen drüber hin.

Das kleinste Blatt erschauert, berührt vom süßen Gruß,

Weinblüte, grün vermauert, wacht auf beim Weihekuß.

 

Die zarten Triebe regt sie und sprengt das enge Haus,

Ihr winzig Sein bewegt sie verschämt ins All hinaus.

Und jetzt - in tausend Strahlen flammen auf der junge Tag,

Im Purpurlichte malen sich Berg und Waldeshag.

 

Im Lichte, Blüthe, lebe! Gesegnet sei dein Lauf

Vom Mutterarm der Rebe bis in das Glas hinauf!

Die Welt kann nicht zerfallen, so lang dein Feuerblut,

Auffunkelnd in Pokalen, manch heilig Wunder thut.

Doch dir, bewährter Zecher, sei immerdar erblüht

Ein Rosenkranz am Becher, Weinblüthe im Gemüth!

 

 

 

Thomas Fearnley, München nach dem Gewitter, Lenbachhaus 
Thomas Fearnley (1802-1842) war ein norwegischer Maler. 

Regenbogen

 

Oswald Achenbach, Abziehendes Gewitter und ein Regenbogen über dem Golf von Neapel
Oswald Achenbach (1827-1905) war ein deutscher Maler, welcher der Düsseldorfer Malerschule zugerechnet wird.

 

 

 

Nikolai Dubowski, Regenbogen
Nikolai Nikanorowitsch Dubowski (1859-1918) war ein russischer Landschaftsmaler.

 

 

Joseph Wright of Derby, Landscape with Rainbow, ca.1795
Joseph Wright of Derby (1734-1797) war ein englischer Maler.

Julius Rodenberg 1831-1914

Regenbogen

 

Noch schweben die Wolken zerrissen,

Noch hangen sie tief und schwer,

Mit den brütenden Finsternissen

Kämpft des Lichtes goldener Speer.

 

Und wo er sie trifft mit Funkeln,

Wie stäubt da die wilde Jagd!

Da strahlen die Wellen, die dunkeln,

Da blitzt es wie Gold und Smaragd.

 

Mit Staunen folgt und mit Freude

Der Blick dem verworrenen Hauf',

Phantastische Wolkengebäude

Steigen am Himmel herauf.

 

Schimmernde Seepaläste,

Wiesen von grünem Schein;

Die Sonne, der Wind als Gäste,

Die wandeln dort aus und ein.

 

Nun aber stürzt Turm und Mauer,

Und alles wird öd und fahl;

Ein eisiger Regenschauer

Löscht aus den letzten Strahl.

 

Es ballt sich zu finstrer Masse

Das Grau, das den Himmel verhüllt,

Bis plötzlich sich jene blasse

Wolke mit Glut erfüllt.

 

 

 

John Constable, Landscape With a Double Rainbow
John Constable (1776-1837) war ein Vertreter der romantischen Malerei in England.

William Turner, Arundel Castle, with Rainbow ca. 1824, British Museum
Joseph Mallord William Turner (1775-1851) war ein englischer Maler, Aquarellist und Zeichner.

Karl Stelter 1823-1912

Regenbogen

 

Regenbogen, Himmelsbogen,

Deiner Farben Pracht

Hast den Blumen du enflogen,

Heimlich über Nacht.

 

Blumen wie sie auf den Fluren,

In den Beeten sind —

Aller Blumen Farbenspuren

Trägst du Himmelskind.

 

Hast sie sorglich schön gestaltet,

Künstlerisch gewählt,

Allen Schmuck und Glanz entfaltet,

Der dein Bild beseelt.

 

Wenn der Sonne Feuerstrahlen

Sich im Tropfen Thau

Brechend, deinen Bogen malen,

Wird der Aether blau.

 

Blau der Himmel, blau die Fluthen

Die dein Spiegel sind —

Deines Glanzes Strahlengluthen

Löscht kein rauher Wind.

 

Regenbogen, Himmelsbogen

Deiner Farben Macht

Hat um mich ein Band gezogen,

Mährchenhafter Pracht.

 

Und das Band es zieht mich nieder

Zu der Blumen Reich,

Und da find' ich immer wieder

Daß die Farben gleich.

 

 

 

Karl Ludwig, Summer Rain
Karl Julius Emil Ludwig, auch Carl Ludwig (1839-1901), war ein deutscher Landschaftsmaler der Münchner Schule. 

Joseph Anton Koch, Landschaft mit dem Dankopfer Noahs 
Joseph Anton Koch (1768-1839) war ein österreichischer Maler der Biedermeierzeit.

Franz Werfel 1890-1945

Regenbogen und Hoffnung

 

Die Stadt in Wetter und Gewölk geschlagen,

Von niedrer Schwalben Schmerzensflug durchtobt.

Doch jenseits leichter Berg, emporgetragen,

Aus Graus und Pfuhl dem Himmel anverlobt.

 

Den einen Fuß in Heiterkeit verloren,

Der andre stampft in Donner, Zorn und Krampf,

Bäumt sich der Bogen, seelenvoll geboren

Aus Schwanenlicht und fürchterlichem Dampf.

 

Die ungeheure Zwieheit ist begonnen.

Gott stößt sich ab, und spricht mit neuem Mund.

Und ist das Bunte tränenhaft zerronnen,

Gestiftet steht der alte erste Bund.

 

Das Hüben noch von Pest und Strahl vergiftet,

Das Drüben schon in maßlos weißem Bad.

Wer weint mit mir? Gelichtet und gelüftet,

Steht in uns auf der alte Ararat.

 

 

 

Caspar David Friedrich, Landschaft auf Rügen mit Regenbogen
Caspar David Friedrich (1774-1840) war ein deutscher Maler, Grafiker und Zeichner.Er gilt heute als der bedeutendste Künstler der deutschen Frühromantik.

Wincenty Kasprzycki, Widok Morysinka w Wilanowie
Wincenty Kasprzycki (1802-1849) war ein polnischer Maler und Lithograf.

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Theobald Nöthig 1841-1900

Regenbogen

 

Der schwüle Tag hat ausgewittert,

Der Schöpfung Geist ruht auf der Flur;

Von heißer Leidenschaft durchzittert

Bemeisterte sich die Natur.

 

Beruhigt ihre Pulse klopfen...

Der letzte Donner fern verhallt.

Im Grase zeugen nur noch Tropfen

Von ihres Heldenstreits Gewalt.

 

Der Friedensbund ward neu geschlossen,

Die Gärten hauchen würzigen Duft,

Der Eichwald glänzt von Gold umflossen

Und Tauben steigen in die Luft.

 

Hervor aus dunkler Wolkenbraue

Blitzt schon das Sonnenauge klar,

Dass man am bunten Bogen schaue,

Wer in dem Kampfe Sieger war.

 

 

 

George Inness, After a Summer Shower, 1894, Art Institut Chicago
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

 

George Inness, Delaware Water Gap
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

 

George Inness, Der Regenbogen 
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Johannes Dose 1860-1933

Der Regenbogen

 

Wenn die Regenwolken sind verflogen,

Und die Sonne über Tränen lacht,

O dann spannt der Herr den Friedensbogen,

Der mein Herz so fest und freudig macht;

Denn er stehet überm Erdenvolke

Als Jehovas ewig treue Wacht,

Und so oft wir sehn ihn in der Wolke,

Hat der Herr an seinen Bund gedacht.

 

Er gedenkt der Ärmsten seiner Armen,

Deren Herzens Dichten nimmer recht,

Und er flieht mit herzlichem Erbarmen,

Was wir für ein elendes Gemächt.

Er gedenket, dass wir sind verführet,

Unter Feindeshand verkaufet auch,

Und er spähet, ob er irgend spüret

Eines Noahherzens Opferrauch.

 

Sei gegrüßet mir, o Bundeszeichen,

Das mit sagt: Ich bleibe, der ich bin!

Und die Erdenhügel fallen hin,

Doch der alte Gott, der ewig treue,

Der durch Gnaden führet es hinaus,

Und der nimmermehr in Zorn und Reue

Mit dem Menschen machet es gar aus.

 

Ich gedenke, wenn ich dich erblicke

Zwischen Erd‘ und Himmel ausgespannt:

Dieser Bogen war Jehovas Brücke,

Durch Jahrhunderte das letzte Band,

Darauf seine tausend Boten schritten,

Mit der Hoffnung Trost zu uns gesandt,

Bis auf diesem Weg in unsrer Mitten

Die Erfüllung überherrlich stand.

 

Wenn die Wetterwolken sind verflogen,

Und die Sonne über Tränen lacht –

Sei gegrüßet mir, o Regenbogen!

Denn es leuchtet mir in deiner Pracht,

Die in allen Farben glänzt und gleißet,

Gottes vielgestaltet‘ Wesensbild,

Der wohl heilig, stark und strenge heißet,

Aber Liebe auch und Langmut mild.

 

 

 

Armand Guery, L 'arc en ciel, plaines d 'Orainville
Armand Guéry (1853-1912) war ein französischer Künstler.

Bruce Crane, After the Storm
Robert Bruce Crane (1857-1937) war ein US-amerikanischer Maler.

Karl Mayer 1786-1870

Der Regenbogen

 

Sonnengrün blinkt das Gebüsch

Und das Turmdach rot und frisch.

Strahlen dingen, neu erweckte,

Durch die blaue Regenschwärze,

Wie wenn selig Lust mit Schmerze

Oder Leid mit Lust sich neckte.

Himmel, Herz und Erde ganz

Baden sich im Irisglanz.

 

 

 

Jean-François Millet, The Rainbow
Jean-François Millet (1814-1875) war ein französischer Maler des Realismus.

Christoffer Wilhelm Eckersberg, Rainbow above a Farm in the Village of Spejlsby on Møn
Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783-1853) war einer der bedeutendsten dänischen Maler des 19. Jahrhunderts.

Johann Gottfried Herder 1744-1803

Der Regenbogen

 

     Schönes Kind der Sonne,

Holder Regenbogen,

Ueber schwarzen Wolken

Mir ein Bild der Hoffnung.

 

     Tausend muntre Farben

Bricht der Stral der Sonne

In verhüllten Thränen

Ueber grauer Dämmrung.

 

     Und des weiten Bogens

Veste Säulen stehen

Auf des Horizontes

Sichrem Felsenboden.

 

     Ach der Bogen schwindet!

Seine Farben blassen;

Von den vesten Säulen

Glänzet noch ein Wölkchen.

 

     Aber seht, der Himmel

Bläuet sich; die Sonne

Herrschet allgewaltig

Und die Auen duften.

 

     Schwindet, holde Kinder

Schöner Jugendträume,

Schwindet! Nur die Sonne

Steig’ hinauf und walte.

 

     Hoffnungen sind Farben,

Sind gebrochner Stralen

Und der Thränen Kinder;

Wahrheit ist die Sonne.

 

 

 

Konstantin Somov, Landschaft mit einem Regenbogen
Konstantin Andrejewitsch Somow (1869-1939) war ein russischer Maler und Grafiker.

Konstantin Somov, Landschaft mit einem Regenbogen
Konstantin Andrejewitsch Somow (1869-1939) war ein russischer Maler und Grafiker.

Jean-Charles Cazin, The Rainbow, Acheres la Forêt 
Jean-Charles Cazin (1840-1901) war ein französischer Keramiker, Maler, Stecher und Zeichner.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Regen und Regenbogen

 

Auf schweres Gewitter und Regenguß

Blickt’ ein Philister zum Beschluß

Ins weiterziehende Grause nach,

Und so zu seinesgleichen sprach:

Der Donner hat uns sehr erschreckt,

Der Blitz die Scheunen angesteckt,

Und das war unsrer Sünden Teil!

Dagegen hat, zu frischem Heil,

Der Regen fruchtbar uns erquickt

Und für den nächsten Herbst beglückt.

Was kommt nun aber der Regenbogen

An grauer Wand herangezogen?

Der mag wohl zu entbehren sein,

Der bunte Trug! der leere Schein!

 

Frau Iris aber dagegen sprach:

Erkühnst du dich zu meiner Schmach?

Doch bin ich hier ins All gestellt

Als Zeugnis einer bessern Welt,

Für Augen, die vom Erdenlauf

Getrost sich wenden zum Himmel auf

Und in der Dünste trübem Netz

Erkennen Gott und sein Gesetz.

Drum wühle du, ein andres Schwein,

Nur immer den Rüssel in den Boden hinein

Und gönne dem verklärten Blick

An meiner Herrlichkeit sein Glück.

 

 

 

Willem Roelofs, De regenboog, 1875, Gemeentemuseum, Den Haag
Willem Roelofs (1822-1897) war ein niederländischer Landschaftsmaler, Aquarellist, Radierer, Zeichner, Lithograph und Entomologe.

John Arnesby Brown, The Riverbank
Sir John Alfred Arnesby Brown (1866-1955) war ein englischer Landschaftsmaler.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Regenbogen über den Hügeln

einer anmutigen Landschaft

 

Grau und trüb und immer trüber

Kommt das Wetter angezogen; –

Blitz und Donner sind vorüber,

Euch erquickt ein Regenbogen.

 

Wilde Stürme, Kriegeswogen

Rasten über Hain und Dach;

Ewig doch und allgemach

Stellt sich her der bunte Bogen.

 

Frohe Zeichen zu gewahren

Wird der Erdkreis nimmer müde;

Schon seit vielen tausend Jahren

Spricht der Himmelsbogen: Friede!

 

Aus des Regens düstrer Trübe

Glänzt das Bild, das immer neue;

In den Tränen zarter Liebe

Spiegelt sich der Engel Treue.

 

 

 

Darío de Regoyos, The downpour, Santoña Bay, Museu Nacional d'Art de Catalunya
Darío de Regoyos y Valdés (1857-1913) war ein spanischer Maler.

Jules Breton, L'Arc en ciel à Courrières, 1855, Paris, Petit Palais
Jules Adolphe Aimé Louis Breton (1827-1906) war ein französischer Maler.

 

Harald

Slott-Møller,

Under the rainbow
Harald

Slott-Møller (1864-1937) war ein dänischer Maler und Keramiker. 

Karl Friedrich von Gerok 1815-1890

Regenbogen

 

Tob. 3, 23.

Denn nach dem Ungewitter lässest du

die Sonne wieder scheinen und nach

dem Heulen und Weinen überschüttest

du uns mit Freuden

 

Das Wetter zieht hernieder

An ferner Bergeswand,

Die Vögel singen wieder,

Frisch duftet Flur und Land,

Am Himmel, noch umzogen

Vom grauen Wolkenflor,

Tut schon der Regenbogen

Wildleuchtend sich hervor.

 

Er steht mit einem Fuße

Im nassen Wiesengras,

Das brennt im goldnen Gusse

Wie feuriger Topas,

Er schwingt gleich einer Brücken

Von lauter Edelstein

Am dunklen Waldesrücken

Sich in die Luft hinein.

 

Und in den Wolken schimmerts

Wie mit Juwelenschrift,

Und in den Gräsern flimmerts

Mich an von Flur und Trift:

„Herz, traue deinem Retter,

Der seines Bunds gedenkt,

Und Sonnenschein auf Wetter

Und Trost in Tränen schenkt!“

 

 

 

Arhip Kuindji, Regenbogen, 1905
Arhip Ivanovich Kuindji (1841-1910) war ein russischer Maler des Realismus.

Die Arbeit läuft nicht davon,

während du deinem Kind einen Regenbogen zeigst,

aber der Regenbogen wartet nicht,

bis du mit der Arbeit fertig bist.

Chinesisches Sprichwort

 

 

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

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Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

BuchKult

Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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