Geschichte des Kartoffelanbaus
Friedrich der Große war bekannt für seine unangekündigten Inspektionsreisen durch sein Land. Anlässlich seiner Einführung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel per Anordnung 1756 kontrollierte der Große König auch die Bauern in den Dörfern. Eine solche Szene hat Robert Müller (gen. Warthmüller, 1712-1786) in seinem Gemälde "Die Kartoffelernte" festgehalten.
Kartoffelbefehl, auch Kartoffelerlass, ist eine Bezeichnung für Anordnungen, Rundschreiben und Verordnungen Friedrichs II. von Preußen an die Beamten seiner Provinzen, in denen er sich bemühte, den Anbau der Kartoffel in den preußischen Provinzen durchzusetzen. Es sind 15 solcher „Kartoffelbefehle“ bekannt; der erste wurde 1746 anlässlich einer Hungersnot in Pommern erlassen. hier weiterlesen (Wikipedia
Antoine Augustin Parmentier (1737-1813) war ein französischer Pharmazeut und Agronom.
Parmentier erlernte in Montdidier und in Paris die Pharmazie und arbeitete seit 1757 bei den Hospitälern der in Hannover operierenden Armee und seit 1766 am königlichen Invalidenhaus.
Als bei der Hungersnot 1769 die Académie française in Paris einen Preis auf die beste Abhandlung über diejenigen Gemüse aussetzte, welche das Brot ersetzen könnten, erwarb sich Parmentier diesen Preis durch seine Schrift über den Kartoffelanbau, zu dessen Verbreitung in Frankreich er in der Folge wesentlich mit beitrug.
Die Kartoffel in der Geschichte
Große Hungersnot in Irland 1845-1849
Die als Große Hungersnot (irisch An Gorta Mór; englisch Great Famine oder Irish potato famine) in die Geschichte eingegangene Hungersnot zwischen 1845 und 1849 war die Folge mehrerer durch die damals neuartige Kartoffelfäule ausgelöster Missernten, durch die das damalige Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung Irlands, die Kartoffel, vernichtet wurde. Die Folgen der Missernten wurden durch die Laissez-faire-Ideologie und die wirtschaftsliberale Politik der Whig-Regierung unter Lord John Russell noch erheblich verschärft.
Infolge der Hungersnot starben eine Million Menschen, etwa zwölf Prozent der irischen Bevölkerung. Weitere zwei Millionen wanderten aus. hier weiterlesen, Wikipedia
Ludwig Eichrodt 1827-1892
Schülerbubens Wanderlied
....
Nach dem grünen Land der Iren
Möcht‘ ich, Alter, mich verlieren
Wo die armen Teufel sind
Wo sich die Mylords, die reichen
Freuen der Kartoffelseuchen
Und der Mensch mit O‘ beginnt –
Dahin, Alter, laß mich ziehn
....
Aufstände und Revolution
Kartoffelrevolution
Als „Kartoffelrevolution“ wird die Hungerrevolte bezeichnet, die sich zwischen dem 21. April und 22./23. April 1847 in der preußischen Hauptstadt Berlin ereignete.
Kartoffelrevolution - Wikipedia
Kartoffelrevolution - Preussenchronik
Kartoffelrevolution - Geschichtsmaterialien
Fritz Gumbel
Korn verkommt in vollen Speichern
Korn verkommt in vollen Speichern
viele Zentner ungezählt
daß die Reichen sich bereichern
während uns der Hunger quält
Kämpft, Proleten, schließt die Reihen
setzt euch kühn zur Wehr
Fordre, Arbeitslosenheer:
Brot, Kartoffeln, Kohle her!
Berge von Kartoffelhaufen
lagern und verfaulen schon.
Der Prolet kann nichts mehr kaufen
von der Stütze und dem Lohn!
Kämpft, Proleten, schließt die Reihen
setzt euch kühn zur Wehr
Fordre, Arbeitslosenheer:
Brot, Kartoffeln, Kohle her!
Auf den Halden lagert Kohl,
doch wir friem bei Hungerskost!
Drum folgt alle der Parole:
Kampf dem Hunger, Kampf dem Frost!
Kämpft, Proleten, schließt die Reihen
setzt euch kühn zur Wehr
Fordre, Arbeitslosenheer:
Brot, Kartoffeln, Kohle her!
Darbt das Volk bei voll. Scheunen,
friert bei Kohlenüberfluß,
muß der Kampf uns alle einen,
macht mit diesem Irrsinn Schluß
Kämpft, Proleten, schließt die Reihen
setzt euch kühn zur Wehr
Fordre, Arbeitslosenheer:
Brot, Kartoffeln, Kohle her!
Die Kartoffel in der Kriegspropaganda
Hans Fallada 1893-1947
Durchhalten!
Droh'n uns're Feinde auch noch so viel
uns mit der Hungersnot Graus.
Wir machen die letzte Kartoffel mobil.
Wir Deutsche, wir halten es aus.
Anonym
Heil dir im Siegerkranz,
Kartoffeln und Heringsschwanz.
Heil Kaiser dir!
Kurt Tucholsky 1890-1935
Die Kartoffeln
Ich las eines dieser patriotischen Bücher, die das deutsche Heer einer genauen Betrachtung unterziehen. Da stand auch eine historische Erinnerung, die es wert ist, daß wir sie uns aus der Nähe ansehn.
Bei der Belagerung von Paris im Jahre 1870, erzählt der Autor, haben sich die feindlichen Vorposten ganz gut gestanden. Man schoß durchaus nicht immer aufeinander, o nein! Es kam zum Beispiel vor, daß man sich mit Kartoffeln aushalf. Meistens werden es ja die Deutschen gewesen sein, die den Retter in der Not gemacht haben. Aber einmal näherte sich ein französischer Trupp von ein paar Mann, die Deutschen nahmen die Gewehre hoch, da sagte jemand auf deutsch: »Nicht schießen! Wir schießen auch nicht!« und man begann sich wegen auszutau-schender Getränke zu verständigen.
Man könnte da von »Landesverrat« sprechen, und tatsächlich untersagte nachher ein Armeebefehl diese Annäherungen aufs schärfste. Aber was ging hier Wichtigeres vor sich?
Doch offenbar eine Diskreditierung des Krieges. Denn es ist nicht anzunehmen, daß Pflichtvergessene beider Parteien hier böse Dinge inszenierten. Es waren sicher Familienväter, Arbeiter, Landleute, die man in einen farbigen Rock gesteckt hatte, mit der Weisung, auf andersfarbige zu schießen.
Warum schossen sie nicht? Offenbar waren doch der Nationalhaß, der Zorn, der angeblich das ganze deutsche Volk auf die Beine rief, nicht mehr so groß, wie damals Unter den Linden, als es noch nicht galt, auf seine Mitmenschen zu schießen. Damals hatte mancher mitgebrüllt, weil alle brüllten, und das verpflichtete zu nichts. Aber hier waren Leute, die einen Sommer und einen Winter lang an den eigenen Leibern erfahren hatten, was das heißt: Töten, und was das heißt: Hungern. Und da verschwand der ›tief eingewurzelte Haß‹, und man aß gemeinsam Kartoffeln . . . Dieselben Kartoffeln; dieselben Kapitalisten. Aber andere Röcke. Das ist der Krieg.
Anonym
Morgenrot, Morgenrot,
En Elberfeil es Ärpelsnot
Use Väder leien em Schützengrawen
Wir arme Blagen kriegen nix en den Magen
Äs die fulen Ädkohlraben
Ärpel = Erdäpfel, Kartoffeln
Dieses Bild ist ein historisches US-amerikanisches Kriegsproduktionsplakat mit dem Titel „So You Think Your Job is Monotonous!“. Es wurde etwa 1942 vom United States Office for Emergency Management veröffentlicht. Das Plakat soll Arbeiter dazu motivieren, auch bei monotoner Arbeit durchzuhalten, indem es die Wichtigkeit ihrer Aufgaben für die Kriegsanstrengungen betont.
Kartoffelkäfer
Die Kartoffelwucherer
Moritz von Schwind, Das Echo - Der Teufel und der Kartoffelwucherer, Holzschnitt, Fliegende Blätter, 1847
Moritz Ludwig von Schwind (1804-1871) war ein österreichischer Maler und Zeichner der Spätromantik.
Kartoffel-Wucherer "Ueber und über schwarz, das ist eine Freude für Unsereins."
Echo - Beelzebub "Ueber und über schwarz, das ist eine Freude für Unsereins."
Vermischtes
"Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln!"
ruft man aus, wenn die bisher gültige Arbeitsanweisung durch eine genau zuwiderlaufende ersetzt wird.
Urheber dieser Redensart war Friedrich Wülfing, der 1881 in den 'Fliegenden Blättern', Nr. 1885 eine Karikatur mit dem Text veröffentlichte, worin im Manöver vom Kommandeur befohlen wird, dass ein Trupp Soldaten in einen Kartoffelacker einzurücken hat, während bald darauf der Befehl kommt, dass der Acker zur Vermeidung von Flurschäden wieder zu räumen sei.
Josef (Joe) Zawinul* 1932-2007
Erdäpfee Blues
I brauch Erdäpfeen, jo de brauch i
I steh auf Erdäpfeen, jo de moog i
Broodane Erdäpfeen, grösste Erdäpfeen
Erdäpfeen mit Butta oder an Liptauer
I bin mit Erdäpfeen aufgwochsen
Groos und schtoak wum
Mia haum fü Erdäpfeen gessn
Wia da Fata und de Mama no do woan
Owa jetzt sans gsturm und leida
Miaß ma ohne eana weida duan
Weida - Erdäpfeen essn
I brauch Erdäpfeen, jo de brauch i
I steh auf Erdäpfeen, jo de moog i
Julipeerle, Kipflaa san olle guad
Eibreende Erdäpfeen, oan Erdäpfee Schmoan
A Erdäpfee Suppn, had ma no nie in Magn faduam
Erdäpfeen, Erdäpfeen
I schau aus wira Erdäpfee
Von Kopf zu Fuaß
Des is o.k.
Solang I ma need de Erdäpfeen
Von unt anschaun muaß.
Josef Erich „Joe“ Zawinul (* 7. Juli 1932 in Wien; † 11. September 2007 ebenda) war ein österreichischer Musiker und einer der einflussreichsten Jazz-Musiker des 20. Jahrhunderts.