Anonym
Kartoffellied
Alle Menschen, groß und kleine,
leben nicht vom Brot alleine,
auch Kartoffeln müssen sein,
denn die schmecken immer fein
Trulla, trulla trulla la,
trulla trulla trulla la
Auch Kartoffeln müssen sein,
denn die schmecken immer fein
Montag weiß ich was ich koche,
es ist der erste Tage der Woche.
Montags gibt’s Kartoffelbrei,
Speck und Zwiebel mit dabei.
Dienstag möchte ich euch vertellen,
muß ich die Kartoffel pellen,
Dienstag schmeckt ganz delikat
die Kartoffel als Salat.
Mittwoch woll’n wir mal versuchen
den Kartoffelreibekuchen.
Mittwoch steht auf unserm Tisch
leck’rer Puffer, groß und frisch.
Donnerstag, da koch ich Klöße,
alle von egaler Größe,
Donnerstag schmeckt tadellos
die Kartoffel nur als Kloß.
Freitag brauch ich die Friteuse,
daß ich drin das Fett auflöse.
Freitag, ja das ist kein Witz,
gibt’s Kartoffeln als Pommes frites.
Samstag essen Ruth und Stoffel
gerne unsre Bratkartoffeln.
Samstags putzen alle weg
Bratkartoffeln mit viel Speck.
Und am siebten Tag der Woche
ich mal Salzkartoffeln koche.
Sonntag gibt’s zum Mittagsmahl
Salzkartoffeln auch einmal.
Mancher rührt mit vielen Worten
auch noch die Kartoffelsorten.
Alle sehen wir daran,
was man mit Kartoffeln kann.
Musik: auf die Melodie von Auf de Schwäbsche Eisebahne
Anonym
Morgenrot, Morgenrot,
En Elberfeil es Ärpelsnot
Use Väder leien em Schützengrawen
Wie arme Blagen kriegen nix en den Magen
Äs die fulen Ädkohlraben
Ärpel = Erdäpfel, Kartoffeln
Anonym
Jula hin Jula her
Jula ist das schönste Kind
Jula hier und Jula da!
Wenn andre nicht zu Hause sind
ist sie das schönste Kind
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Montag kocht sie Sauerkohl
Jula hier und Jula da!
Ich wollt‘, daß sie der Teufel hol
mit ihrem sauern Kohl!
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Dienstag kocht sie Knöchelfleisch
Jula hier und Jula da!
Es ist zu süß und gar nicht weich
so ist ihr Knöchelfleisch
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Mittwoch kocht sie Kartoffelbrei
Jula hier und Jula da!
Da ist die halbe Woch‘ vorbei
mit ihrer Kocherei.
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Donnerstag kocht sie dicke Nadel
Jula hier und Jula da!
Ist das nicht ein recht’s Spektakel
mit ihre dicke Nadel?
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Freitag kocht sie Dillekuchen
Jula hier und Jula da!
Hat das Mensch den Topf zerbrochen
mit ihrem Dillekuchen.
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Samstag soll’s doch auch was sein
Jula hier und Jula da!
Da bringt das Mensch den Kaffee ‚rein
mit ihrer Kocherei.
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin
Am Sonntag kocht sie Wirschinggemüs
Jula hier und Jula da!
Es ist verbrennt und ist nicht süß
so ist ihr Wirschinggemüs.
Wer gut leben will
der geh zu meiner Jula hin
wer gut leben will
der geh zur Jula hin!
aus: Franz Wilhelm von Ditfurth, Fränkische Volkslieder II 1855
Anonym
Kennst Du das Land wo die Kartoffeln blühn
Kennst Du das Land
wo die Kartoffeln blühn,
wo dürre Ochsen
krumme Furchen ziehn
wo Magd und Bauer
aus der selben Schüssel fressen?
Das ist das Land
der dummen Hessen
(Wo Magd und Bauer wanken,
dort ist das schöne Franken)
Wilhelm Busch 1832-1908
Pfannkuchen und Salat
Von Fruchtomletts da mag berichten
Ein Dichter aus den höhern Schichten.
Wir aber, ohne Neid nach oben,
Mit bürgerlicher Zunge loben
Uns Pfannekuchen und Salat.
Wie unsre Liese delikat
So etwas backt und zubereitet,
Sei hier in Worten angedeutet.
Drei Eier, frisch und ohne Fehl,
Und Milch und einen Löffel Mehl,
Die quirlt sie fleißig durcheinand
Zu einem innigen Verband.
Sodann, wenn Tränen auch ein Übel,
Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel
Mit Öl und Salz zu einer Brühe,
Daß der Salat sie an sich ziehe.
Um diesen ferner herzustellen,
Hat sie Kartoffeln abzupellen.
Da heißt es, fix die Finger brauchen,
Den Mund zu spitzen und zu hauchen,
Denn heiß geschnitten nur allein
Kann der Salat geschmeidig sein.
- Fortsetzung unten -
- Fortsetzung Busch, Pfannkuchen und Salat -
Hierauf so geht es wieder heiter
Mit unserem Pfannekuchen weiter.
Nachdem das Feuer leicht geschürt,
Die Pfanne sorgsam auspoliert,
Der Würfelspeck hineingeschüttelt,
So daß es lustig brät und brittelt,
Pisch, kommt darüber mit Gezisch
Das ersterwähnte Kunstgemisch.
Nun zeigt besonders und apart
Sich Lieschens Geistesgegenwart,
Denn nur zu bald, wie allbekannt,
Ist solch ein Kuchen angebrannt.
Sie prickelt ihn, sie stochert ihn.
Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn
Und lüftet ihn, bis augenscheinlich
Die Unterseite eben bräunlich,
Die umgekehrt geschickt und prompt
Jetzt ihrerseits nach oben kommt.
Geduld, es währt nur noch ein bissel,
Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel.
Doch späterhin die Einverleibung,
Wie die zu Mund und Herzen spricht,
Das spottet jeglicher Beschreibung,
Und darum endet das Gedicht.
"Solanum tuberosum L., die Kartoffel, Erdäpfel, aus dem heißeren Amerika herstammend, hat als Nahrungsmittel alle Zweifel besiegt, trotz ihrer bösen Verwandtschaft. Die Gattung Solanum, Nachtschatten, ist eine der zahlreichsten des Pflanzenreiches; sie gehört vorzüglich dem heißeren Erdgürtel an. Die Pflanzen, die sie einbegreift, sind der schädlichen Eigenschaften, die wir in den vorerwähnten Giftpflanzen bezeichnet haben, teilhaftig oder verdächtig. Die Früchte etlicher werden als Gemüse gegessen. Die Knollen, welche Stärkemehlbehälter zur Ernährung der Pflanzen sind, haben bei verschiedenen Gewächsen keinen Anteil an deren giftigen Kräften; die Knollen von Solanum tuberosum und von zwei anderen verwandten Arten sind eine gesunde Nahrung, und die Kartoffel wird jetzt überall angebaut."
Adelbert von Chamisso
Matthias Claudius 1740-1815
Kartoffellied
Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chere
von Fröschen und von Kröten.
Und viel Pastet und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt Euch sagen!
Schön rötlich die Kartoffeln sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster.
Georg Christian Dieffenbach 1822-1901
Die Kartoffeln hurtig bringt...
Die Kartoffeln hurtig bringt,
werft sie in die Kohlen,
und ihr andern lauft und springt,
dürres Kraut zu holen!
Ei, das ist ein gut Gericht,
ein Kartoffelbraten!
So was hat ein König nicht,
wenn sie nur geraten!
Ludwig Eichrodt
Kartoffellied
Herbei, herbei zu meinem Sang!
Hans, Jörgel, Michel, Stoffel!
Und singt mit mir das Ehrenlied
Dem Stifter der Kartoffel.
Franz Drake hieß der brave Mann,
Der vor zweihundert Jahren
Von England nach Amerika
Als Kapitän gefahren.
Europa sollte diesem Mann
Auf allen seinen Auen,
Wo es nur je Kartoffeln pflanzt,
Ein goldnes Denkmal bauen.
Salat davon, gut angemacht,
Mit Feldsalat durchschossen,
Der wird mit großem Appetit
Von Jedermann genossen.
Gebrätelt schmecken sie auch gut,
In saurer Brüh' nicht minder,
Erdbirnenknöpfe essen gern
Die Eltern und die Kinder.
Hat Jemand sich die Haut verbrannt
Und hilft kein Feuersegen,
So darf er auf die Wunde nur
Kartoffelschabsig legen.
Und welche Wohlthat sind sie uns
Das Vieh damit zu mästen!
Und wie viel Sorten gibt's! Jedoch
Die gutsten sind die besten.
etc. etc.
Ein allgemeines Lob verdient
Der würdige Franz Drake
Vom Fürsten bis zum Bauersmann
Ob seinem Wohlgeschmacke.
Fred Endrikat 1890-1942
Sang an die Frühkartoffel
Die ersten Veilchen sind für das Gemüt,
im jungen Frühling, wenn die Finken schlagen,
doch wenn der Sommer in die Lande zieht,
der Frühkartoffel klingt mein schönstes Lied,
aus allertiefstem, dankerfülltem Magen.
Sie hat uns in der höchsten Not erfreut,
wenn alle Reste schon zu schwinden drohten.
Sie hat den Glauben wiederum erneut,
und wenn auch nur mit Körnlein Salz bestreut,
wir grüßten sie als ersten Ernteboten.
Wenn auf dem Teller vor uns, dampfend heiß,
die Frühkartoffel ruht so zart und mehlig,
im Petersilienschmuck ihr Alabasterweiß,
da lacht das Herz, der Mund spricht Lob und Preis,
der Bauch hat ausgeknurrt und lächelt selig.
Wie herrlich, wenn sie uns entgegenrollt,
frisch aus der braunen, warmen Erdenscholle.
Sie ist uns mehr als blankes, pures Gold.
Es sei ihr unser Gruß und Dank gezollt,
der lehmbeklebten Frühkartoffelknolle.
Fred Endrikat 1890-1942
Die Kokosnuß erzählt von hohen Palmen
Romanzen aus der Tropenkolonie.
Wenn hier daheim Kartoffelpuffer qualmen,-
Das nenn' ich Weihrauch,- das ist Poesie!
Ich stütze meine Arme auf den Spaten.
Verdammt - das Bücken fällt beim Buddeln schwer.
Die Pellkartoffeln sind famos geraten.
Nun noch der Hering! Herz, was willst du mehr?
Fred Endrikat 1890-1942
Gedanken beim Kartoffelbuddeln
Der Winzer erntet seine goldnen Trauben.
Die edle Frucht ist allerwärts begehrt.
Ich denk' bescheiden beim Kartoffelklauben:
Ein jeder erntet, was ihm Gott beschert.
Wo die Zitronen blühn im fernen Süden,
reift die Orange voller Herrlichkeit.
Ihr Dichter, lasset mich damit in Frieden,
der Bratkartoffel sei mein Lied geweiht.
Die Kokosnuß erzählt von hohen Palmen
Romanzen aus der Tropenkolonie.
Wenn hier daheim Kartoffelpuffer qualmen –
das nenn' ich Weihrauch – das ist Poesie.
Ich stütze meine Arme auf den Spaten.
Verdammt – das Bücken fällt beim Buddeln schwer.
Die Pellkartoffeln sind famos geraten.
Nun noch der Hering. Herz, was willst du mehr?
Frisch auf, ans Werk. Das Buddeln hat begonnen.
Man buddelt hier, man buddelt da und dort.
Man buddelt alles an das Licht der Sonnen –
das weiß der Bauer, und das ahnt der Lord.
Hans Fallada 1893-1947
Durchhalten!
Droh'n uns're Feinde auch noch so viel
uns mit der Hungersnot Graus.
Wir machen die letzte Kartoffel mobil.
Wir Deutsche, wir halten es aus.
auch für die Propaganda musste die Kartoffel herhalten!
Karl Gerok 1815-1890
Blühendes Kartoffelkraut
sanft vom Sommerwind umkost,
immer wenn ich dich geschaut,
warst du mir ein Augentrost.
Mit der Büsche Laubgezelt,
mit der Blüten Rötlichblau
hebst du wie ein Blumenfeld
dich heraus aus grüner Au.
Erich Kästner 1899-1974
...
Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.
...
aus: September
Rudolf Lavant 1844-1915
Kartoffelfeuer
Mir trübt das Weltbild keine graue Brille.
Ich liebe sehr der Sommertage Schluß.
Ich liebe sehr die Klarheit und die Stille
Und der Oktobersonne warmen Kuß.
Und wenn am Rain die Hagebutten reifen
Und blaubehaucht die herben Schlehen stehn,
Dann muß ich meinem treuen Hunde pfeifen
Und querfeldein durch Wald und Fluren gehn.
Ich fahre nichts behaglich in die Scheuer,
Wenn sich das Jahr zu seinem Ende neigt,
Doch grüß ich freudig die Kartoffelfeuer,
Aus denen prasselnd eine Flamme steigt,
Und mit den muntern Buben möcht ich springen,
Die jubelnd sich um diese Feuer mühn,
Und ärmevoll die dürren Stauden bringen,
Die prasselnd sich zu weißer Asche glühn.
Im Rauch verschwinden ab und zu die Jungen,
Der aus den Lücken bricht des losen Baus,
Dazwischen lecken rote Feuerzungen,
Und schier bedrohlich sieht’s mitunter aus.
Inzwischen aber wühlt die flinke Hacke,
Die hurtig leer den warmen Boden macht,
Und sichtlich häuft der Segen sich im Sacke,
Den ernsten Blicks der weiße Spitz bewacht.
Mit einem Scherzwort trocknen von der Stirne,
Für Augenblicke rastend, sich den Schweiß
Der rüst’ge Mann, die fixe, ros’ge Dirne,
Denn reiche Ernte lohnt der Arbeit Fleiß.
Das muntre Bild verlockte mich zum Bleiben;
Am Saum des Ackers blieb ich lächelnd stehn,
Und teilnahmsvoll hab ich dem regen Treiben,
Dem Erntefest des Volkes, zugesehn.
Hermann Löns 1866-1914
Kartoffelfeuer
Du wirbelnder Rauch der Kartoffelfeuer,
Erinnerer an alte, verflossene Zeit,
wie ist mir dein herber Geruch noch so teuer,
du bleibst mir als Jugenderinnerung geweiht.
Im Bruchwald, am Seerand, da war eine Ecke
von Weiden umwuchert, von Dornen geschützt.
Wir brieten in sicherem Räuberverstecke
uns dort Kartoffeln, die wir uns stibitzt.
A. de Nora 1864-1936
Die Kartoffel
Es ist für uns Materielle
Nur eine Kartoffel die Welt,
Von der der Weise die Pelle
Fürsorglich herunter schält.
Denn eine von unsern Devisen
Ist die: Kartoffel und Welt,
Sind beide nicht zu genießen,
Wenn man sie nicht richtig quellt.
Der idealistische Stoffel,
Der alles für herrlich hält,
Verzehrt die ganze Kartoffel
Natürlich unabgepellt.
Doch liegt sie ihm dann im Magen,
So jammert er und erzählt,
Wie schwer für ihn zu ertragen
Oft diese so "rohe" Welt!
Wir aber genießen behaglich
Die Süße, die sie enthält –
Die beste Kartoffel, unfraglich,
Ist – richtig genossen – die Welt.
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Mittelböhmische Landschaft
Fern dämmert wogender Wälder
beschatteter Saum.
Dann unterbricht
nur hie und da ein Baum
die falbe Fläche hoher Ährenfelder.
Im hellsten Licht
keimt die Kartoffel; dann
ein wenig weiter Gerste, bis der Tann
das Bild begrenzt.
Hoch überm Jungwald glänzt
so goldig-rot ein Kirchturmkreuz herüber,
aus Fichten ragt der Hegerhütte Bau; -
und drüber
wölbt sich ein Himmel blank und blau.
Joachim Ringelnatz 1883-1934
"Hört!" rief die Kartoffel, "ich weiß eine tolle
Geschichte von einer Zauberknolle,
Die einen Regenwurm in ein Blatt
Und dann in ein Heupferd verwandelt hat!"
Und die Kartoffel wollte beginnen - -
Da war kein Wasser im Topf mehr drinnen.
So platzte ihr schönes Kartoffelkleid.
"Ach", jammerte sie, "es tut mir so leid,
Ich würde euch gern die Geschichte erzählen,
Doch ist es zu spät - ich muss mich jetzt schälen."
So sprach die Kartoffel und drehte sich um
Und blieb von dieser Minute an stumm!
Joachim Ringelnatz 1883-1934
Abschiedsworte an Pellka
Jetzt schlägt deine schlimme Stunde,
du Ungleichrunde,
du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
du Vielgequälte,
du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
mit der Gabel! - - Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut. -
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.
Ferdinand Sauter 1904-1854
Kartoffelgedicht
Solang wir die Kartoffelfrucht
in unserm Lande sehen,
kann keine große Hungersnot
aus Mißwuchs mehr entstehen.
Gott hat sie wie das liebe Brot
zur Nahrung uns gegeben,
wie viel Millionen Menschen sind,
die von Kartoffeln leben.
Salat davon, gut angemacht,
mit Feldsalat durchschossen,
der wird mit großem Appetit
von jedermann genossen.
Gebrätelt schmecken sie auch sehr gut,
in saurer Brüh' nicht minder,
Erdbirnenknöpfe essen gern
die Eltern und die Kinder.
Und selbst die schlechten
kann man noch zu etwas Gutem brauchen:
Man thut sie in ein Faß hinein
und thut sie recht verstauchen.
Und wenn sie dann verstauchet sein,
dann läßt man sie recht schweißen:
das gibt dann den Kartoffelschnaps,
der Fusel ist geheißen.
Hat jemand sich die Hand verbrannt
und hilft dafür kein Segen,
so thut man auf die Hand sogleich
Kartoffelschabig legen.
Ferdinand Sauter 1804-1854
Loblied auf die Kartoffel
Herbei, herbei zu meinem Sang, Hansjörgel, Michel, Stoffel,
und singt mir das frohe Lied dem Stifter der Kartoffel.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.
Franz Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jahren
von England nach Amerika als Kapitän gefahren.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.
Salat davon, gut angemacht, mit Feldsalat durchschossen,
der wird mit großem Appetit von jedermann genossen.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.
Gebraten schmecken sie recht gut, gesotten nicht viel minder,
Kartoffelklöße essen gern die Eltern und die Kinder.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.
Von Straßburg bis nach Amsterdam, von Stockholm bis nach Brüssel
kommt Johann zu der Abendsupp mit der Kartoffelschüssel.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.
Ferdinand Sauter 1804-1854
Loblied auf die Kartoffel
(2. Fassung)
Herbei, herbei zu meinem Sang, Hansjörgel, Michel, Stoffel,
und singt mir das frohe Lied dem Stifter der Kartoffel.
Franz Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jahren
von England nach Amerika als Kapitän gefahren.
Gott hat sie wie das liebe Brot als Nahrung uns gegeben:
wieviel Millionen Menschen sind, die von Kartoffeln leben!
Von Straßburg bis nach Amsterdam, von Stockholm bis nach Brüssel
kommt d'Mutter mit Kartoffelsupp in mächtig großer Schüssel.
Vor vielen Jahren sagte man, die Frucht sei für die Schweine:
jetzt ißt sie Kaiser, Königssohn, der Große und der Kleine.
Und kehren die Soldaten heim vom blut'gen Feld der Ehre,
so fragen sie sogleich: "Herr Wirt, hat er auch pommes de terre?"
Salat davon, gut angemacht, mit Feldsalat durchschossen,
der wird mit großem Appetit von jedermann genossen.
Gebraten schmecken sie recht gut, in saurer Brüh' nicht viel minder,
Kartoffelklöße essen gern die Eltern und die Kinder. : Hi ha, ...
Kartoffeln, frisch vom Sud hinweg, dazu ein wenig Butter,
das ist führwahr, ihr stimmt mit ein, ein delikates Futter!
Darum, ihr Schwestern allzumal, reicht uns die Hand daneben
und rufet dann mit Freuden aus: "Franz Drake, der soll leben!"
Heinrich Seidel 1842-1906
Frühlingsgrüne Buchenwälder -
ei, die sind wohl jedem recht;
blühende Kartoffelfelder
find ich aber auch nicht schlecht.
Wie sie wallen in der Ferne
mit dem dunkelgrünen Kraut,
drüber weiß und lila Sterne -
Schöneres hab' ich nie geschaut.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Die Kartoffeln
Ich las eines dieser patriotischen Bücher, die das deutsche Heer einer genauen Betrachtung unterziehen. Da stand auch eine historische Erinnerung, die es wert ist, daß wir sie uns aus der Nähe ansehn.
Bei der Belagerung von Paris im Jahre 1870, erzählt der Autor, haben sich die feindlichen Vorposten ganz gut gestanden. Man schoß durchaus nicht immer aufeinander, o nein! Es kam zum Beispiel vor, daß man sich mit Kartoffeln aushalf. Meistens werden es ja die Deutschen gewesen sein, die den Retter in der Not gemacht haben. Aber einmal näherte sich ein französischer Trupp von ein paar Mann, die Deutschen nahmen die Gewehre hoch, da sagte jemand auf deutsch: »Nicht schießen! Wir schießen auch nicht!« und man begann sich wegen auszutauschender Getränke zu verständigen.
Man könnte da von »Landesverrat« sprechen, und tatsächlich untersagte nachher ein Armeebefehl diese Annäherungen aufs schärfste. Aber was ging hier Wichtigeres vor sich?
Doch offenbar eine Diskreditierung des Krieges. Denn es ist nicht anzunehmen, daß Pflichtvergessene beider Parteien hier böse Dinge inszenierten. Es waren sicher Familienväter, Arbeiter, Landleute, die man in einen farbigen Rock gesteckt hatte, mit der Weisung, auf andersfarbige zu schießen.
Warum schossen sie nicht? Offenbar waren doch der Nationalhaß, der Zorn, der angeblich das ganze deutsche Volk auf die Beine rief, nicht mehr so groß, wie damals Unter den Linden, als es noch nicht galt, auf seine Mitmenschen zu schießen. Damals hatte mancher mitgebrüllt, weil alle brüllten, und das verpflichtete zu nichts. Aber hier waren Leute, die einen Sommer und einen Winter lang an den eigenen Leibern erfahren hatten, was das heißt: Töten, und was das heißt: Hungern. Und da verschwand der ›tief eingewurzelte Haß‹, und man aß gemeinsam Kartoffeln . . . Dieselben Kartoffeln; dieselben Kapitalisten. Aber andere Röcke. Das ist der Krieg.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Mutterns Hände
Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht ...
alles mit deine Hände.
Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält ...
alles mit deine Hände.
Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
auch 'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben ...
Alles mit deine Hände.
Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Die Kartoffeln
Ich las eines dieser patriotischen Bücher, die das deutsche Heer einer genauen Betrachtung unterziehen. Da stand auch eine historische Erinnerung, die es wert ist, daß wir sie uns aus der Nähe ansehn.
Bei der Belagerung von Paris im Jahre 1870, erzählt der Autor, haben sich die feindlichen Vorposten ganz gut gestanden. Man schoß durchaus nicht immer aufeinander, o nein! Es kam zum Beispiel vor, daß man sich mit Kartoffeln aushalf. Meistens werden es ja die Deutschen gewesen sein, die den Retter in der Not gemacht haben. Aber einmal näherte sich ein französischer Trupp von ein paar Mann, die Deutschen nahmen die Gewehre hoch, da sagte jemand auf deutsch: »Nicht schießen! Wir schießen auch nicht!« und man begann sich wegen auszutauschender Getränke zu verständigen.
Man könnte da von »Landesverrat« sprechen, und tatsächlich untersagte nachher ein Armeebefehl diese Annäherungen aufs schärfste. Aber was ging hier Wichtigeres vor sich?
Doch offenbar eine Diskreditierung des Krieges. Denn es ist nicht anzunehmen, daß Pflichtvergessene beider Parteien hier böse Dinge inszenierten. Es waren sicher Familienväter, Arbeiter, Landleute, die man in einen farbigen Rock gesteckt hatte, mit der Weisung, auf andersfarbige zu schießen.
Warum schossen sie nicht? Offenbar waren doch der Nationalhaß, der Zorn, der angeblich das ganze deutsche Volk auf die Beine rief, nicht mehr so groß, wie damals Unter den Linden, als es noch nicht galt, auf seine Mitmenschen zu schießen. Damals hatte mancher mitgebrüllt, weil alle brüllten, und das verpflichtete zu nichts. Aber hier waren Leute, die einen Sommer und einen Winter lang an den eigenen Leibern erfahren hatten, was das heißt: Töten, und was das heißt: Hungern. Und da verschwand der ›tief eingewurzelte Haß‹, und man aß gemeinsam Kartoffeln . . . Dieselben Kartoffeln; dieselben Kapitalisten. Aber andere Röcke. Das ist der Krieg.
Johann Heinrich Voß 1751-1826
Die Kartoffelernte
Kindlein, sammelt mit Gesang
Der Kartoffeln überschwang!
Ob wir voll bis oben schütten
Alle Mulden, Körb’ und Bütten;
Noch ist immer kein Vergang!
Wo man nur den Bulten hebt,
Schaut, wie voll es lebt und webt!
O die schöngekerbten Knollen,
Weiß und rot, und dick geschwollen!
Immer mehr, je mehr man gräbt!
Nicht umsonst in bunter Schau
Blüht’ es rötlich, weiß und blau!
Ward gejätet, ward gehäufet:
Kindlein, Gottes Segen reifet!
Rief ich oft, und traf’s genau!
Einst vom Himmel schaute Gott
Auf der Armen bittre Not:
Nahe ging’s ihm; und was that er
Uns zum Trost, der gute Vater?
Regnet’ er uns Mannabrot?
- Fortsetzung unten -
- Fortsetzung Voß, Die Kartoffelernte -
Nein, ein Mann ward ausgesandt,
Der die neue Welt erfand!
Reiche nennen’s Land des Goldes:
Doch der Arme nennt’s sein holdes
Nährendes Kartoffelland!
Nur ein Knöllchen eingesteckt,
Und mit Erde zugedeckt!
Unten treibt dann Gott sein Wesen!
Kaum sind Hände gnug zum Lesen,
Wie es unten wühlt und heckt!
Was ist nur für Sorge noch?
Klar im irdnen Napf und hoch,
Dampft Kartoffelschmaus für alle!
Unsre Milchkuh auch im Stalle
Nimmt ihr Teil, und brummt am Trog!
Aber, Kindlein, hört! ihr sollt
Nicht verschmähn das liebe Gold!
Habt ihr Gold, ihr könnt bei Haufen
Schöne Saatkartoffeln kaufen,
Grad’ aus Holland, wenn ihr wollt!
Georg Weerth 1822-1836
Das Lied von der verunglückten Kartoffel
Zur Nacht auf ihrem Lager lag
Eine arme, kranke Kartoffel.
Sie hob sich matt empor und sprach,
Sie sprach zu dem armen Stoffel:
"O Stoffel, unglücksel´ger Mann,
Ich fühl´s, daß ich sterben werde!
Schon kommt der Tod, der schlimme, heran
Und rafft mich von der Erde.
Zwar frag ich nach mir selber nicht,
Nicht will ich mich bedauern.
Doch wenn ich schaue dein bleich Gesicht,
Da muß ich trauern und trauern.
Dir blüht kein Wein und Weizen nicht,
Hast weder Ochs noch Rinder.
O Stoffel, du bist ein armer Wicht,
Du hast nur hungrige Kinder.
Was wird aus deinen Kindern nun,
Die fröhling waren noch gestern,
Wenn ich bald werde im Grabe ruhn
Mit all meinen lieblichen Schwestern?
Sie starben in Ober- und Niederland,
Sie starben mit Weh und Gewinsel;
Sie starben an Englands weißem Strand
Und auf der smaragdnen Insel.
Sie starben; und ach, ich folg ihnen nach!
So sprach die kranke Kartoffel.
Sie schwieg, und das Herz, das Herz ihr brach -
Auf schluchzte der arme Stoffel.
Und weinte die Nacht mit Weib und Kind,
Und der Hunger, der wollte nicht weichen.
Dumpf brauste der kalte Novemberwind
In den prächtigen deutschen Eichen.
Josef Weinheber 1892-1945
Durch Bauernland
Ein Streifen Mais, ein Streifen Klee.
Kartoffelfurchen je und je,
und Acker braun und Acker rot,
Im gelben Mittag reift das Brot;
der Wiesenweg gebändert weiß,
ein Streifen Klee, ein Streifen Mais,
der Jogl zieht am Strick das Kalb,
und Acker rot und Acker falb,
Kartoffelfurchen je und je,
im hohen Hafer äst das Reh,
die reifen Mandeln Reih an Reih,
ein Leiterwagen nahebei,
und Wegerich und Rittersporn,
im gelben Mittag rauscht' das Korn,
die Weiden an dem Wasserbug
beschatten kühl den Schnitterkrug,
und Acker falb und Acker schwarz,
im lichten Forste riecht das Harz,
mit Ochsen schwer, der Bauer dran,
geht um die Hufe das Gespann,
geschobert liegt das Heu zuhauf,
Rebhühner stehen knatternd auf,
ein Kirchturm, ein paar Höfe weit,
und wieder nichts als Einsamkeit,
ein Streifen Mais, ein Streifen Klee,
Kartoffelfurchen je und je,
und Acker hier und Acker dort,
und an und um und immerfort...