BuchKult
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Joachim Ringelnatz 1883-1934

 

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,

Und das alte Lied von Gott und Christ

Bebt durch Seelen und verkündet leise,

Daß die kleinste Welt die größte ist.

 

 

G. Holstein, aus Guckkasten, 1909 Nr.2

Nikiforos Lytras, Les Chants de Noel, 1872, Collection privée
Nikiforos Lytras (1832-1904) war ein griechischer Maler.

Theodor Storm 1817-1888

Weihnachtslied

 

Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte

Ein milder Stern herniederlacht;

Vom Tannenwalde steigen Düfte

Und hauchen durch die Winterlüfte,

Und kerzenhelle wird die Nacht.

 

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

Das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken,

Mich lieblich heimatlich verlocken

In märchenstiller Herrlichkeit.

 

Ein frommer Zauber hält mich nieder,

Anbetend, staunend muß ich stehn,

Es sinkt auf meine Augenlider,

Ein goldner Kindertraum hernieder,

Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

 

Augusto Giacometti, Christmas    
Antonio Augusto Giacometti (1877-1947) war ein Schweizer Maler.

Christoph von Schmid 1768-1854

Das Weihnachtslied

 

Vor Dir, Du holdes Himmelskind,

Dem Gottes Engel dienstbar sind,

Fall ich anbetend nieder;

Und freue mit Maria mich

Und preise mit den Engeln Dich

Und singe Jubellieder!

 

O sei getrost in jeder Not,

Denn sieh, den liebsten Sohn hat Gott

Zum Heiland dir gegeben!

Auf ihn vertrau’ und fasse Mut,

Was schlimm ist, macht er wieder gut;

Er liebt dich wie sein Leben.

 

Und kommt ein armes Kind in Not

Vor deine Tür, sag nicht: „Helf Gott!“

Wollst seiner dich erbarmen!

Fühlst du für Gottes Liebe Dank,

Lass liebreich es bei Speis und Trank

An deinem Herd erwarmen.

 

Fedot Syckov, Sternsinger
Fedot Vasilievich Sychkov (1870-1958) war ein russischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Ein Weihnachtslied

 

Wintersonnenwende!

Nacht ist nun zu Ende!

Schenkest, göttliches Gestirn,

neu dein Herz an Tal und Firn!

 

O der teuren Brände!

Hebet hoch die Hände!

Lasset uns die Gute loben!

Liebe, Liebe, Dir da droben!

 

Wintersonnenwende!

Nacht hat nun ein Ende!

Tag hebt an, goldgoldner Tag,

Blühn und Glühn und Lerchenschlag!

 

O du Schlummers Wende!

O du Kummers Ende!

 

 

Dante Gabriel Rossetti, A Christmas Carol, 1867
Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) war ein britischer Dichter und Maler, der in beiden Künsten gleichermaßen begabt war.

Theobald Nöthig 1841-1900

Weihnachtslied

 

Wieder strahlt der Tannenbaum
Im Geleucht der hellsten Kerzen.
Komme, lichter Weihnachtstraum,
Huldreich auch in unsre Herzen.

Lasse hell ob dunkler Welt
Deinen Stern von neuem kreisen,
Der geleitet auf dem Feld
Einst die Hirten und die Weisen.

Nur ein kindliches Gemüt,
Nur die Weisen und die Frommen
Solch ein Wundertraum durchglüht,
Ihnen kann der Gott nur kommen.

Jener Gott, der Mensch zugleich
Unser los vermag zu teilen,
Der an Trost und Liebe reich
Uns erlösen kann und heilen.

Friedensstern wirf deinen Schein
Rings auf alle Weihnachtskerzen,
Lass uns wieder Kinder sein,
schauen Gott im Menschenherzen.

 

 

Gunning King, Carol Singers
Gunning King (1859–1940) war ein britischer Maler.
 

Johannes Trojan 1837-1915

Weihnachtslied

 

Lieblich wieder durch die Welt

geht die holde Kunde,

die den Hirten auf dem Feld

klang aus Engelsmunde.

 

Was den Hirten wurde kund,

blieb uns unverloren:

wieder kündet Engelsmund,

daß uns Christ geboren.

 

Welch ein Glanz durchbricht die Nacht

in des Winters Mitte!

Welche Freude wird gebracht

in die ärmste Hütte!

 

Winters Nacht und Sorge weicht

hellen Jubel wieder,

und der Himmel wieder steigt

auf die Erde nieder.

 

Wenn die goldnen Sterne glüh’n

in des Himmels Ferne,

leuchten aus dem Tannengrün

auch viele goldne Sterne.

 

Haus an Haus mit hellem Schein

flammen auf die Kerzen,

durch die Augen fällt hinein

Licht auch in die Herzen.

 

Sei willkommen, Weihnachtslust,

kling empor im Liede!

Freude wohn in Menschenbrust,

auf der Erde Friede!

 

 

Norman Rockwell, Christmas trio
Norman Percevel Rockwell (1894-1978) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator des frühen 20. Jahrhunderts.
 

Ferdinand Freiligrath 1810-1876

Weihnachtslied

 

Wenn traulich mit schimmernden Flocken

Der Winter die Erde bestreut,

Und rings die metallenen Glocken

Sich regen zum Weihnachtsgeläut'

 

Dann senkt sich auf goldigem Wagen

Das Christkind zur Erde herab.

Von rosigen Wolken getragen.

Im Händchen den silbernen Stab.

 

Von purpurnem Samt ist sein Röckchen,

Das Krönlein von edlem Gestein,

Und über den wallenden Löckchen

Glänzt blendend ein Heiligenschein.

 

Und Engel mit farbigen Schwingen

Umringen das liebliche Kind,

Und zitternde Glöckchen erklingen,

Und huldigend flüstert der Wind.

 

So naht es der Erde Revieren

Mit strahlendem, bunten Gespann

Es öffnen von selbst sich die Türen,

Pocht leise sein Fingerchen an.

 

Und springen die Pforten, die Riegel,

Bewältigt vom himmlischen Schein,

Dann schwebt es mit leuchtendem Flügel

In Häuser und Hütten hinein.

 

Es sieht nach den schlafenden Kindern,

Und küßt sie voll Inbrunst und spricht

Schlaft ruhig, ihr möchtet mich hindern.

Schlaft ruhig und störet mich nicht.

 

Drauf trägt es in jegliches Zimmer

Den prangenden, duftenden Baum.

Wie schmücken mit leuchtendem Schimmer

Die Kerzen der Zweigelein Saum.

 

Wie funkeln die herrlichen Gaben.

Wer hat sich wohl Schön'res gedacht.

Es weiß, was die Kinder gern haben,

Das hat es denn alles gebracht.

 

O freut euch. Zu uns auch die Räder

Des Wägeleins hat es gelenkt.

O juble und freue sich jeder.

Wie reich find auch wir heut' beschenkt.

 

Ertöne melodisch, in leisen

Akkorden, o Weihnachtsgesang.

Christkindchen, empfange der Waisen,

Der Glücklichen, innigen Dank.

 

 

Laura

Alma-Tadema,

A Carol The Bridgeman Art Library
Laura Theresa Alma-Tadema, geb. Epps (1852-1909) war eine britische Malerin und Illustratorin.

 

Franz Graf von Pocci 1807-1876

Weihnachtslied

 

Es weht der Wind und es ist so kalt,

Es knarrt der Schnee im dürren Wald;

Die Sterne glänzen hell darein,

Da nahet sich ein Kindelein:

Ein Knabe, lieb und wunderhold,

Mit seinem Himmelsschein von Gold

Erhellt er die Dunkelheit

Und streuet Segen weit und breit.

 

Er bricht so manches Bäumelein

Im dunkelgrünen Tannenhain

Und bringt’s den Kindern die beglückt

Das Bäumchen schauen, viel geschmückt.

Ihr kennt das Knäblein allzu gut,

Das opferte sein eigen Blut

Und gab sein Leben hin für euch,

Ein Leitstern in das Himmelreich.

 

So betet denn zum Kinde fromm:

Du lieber Jesu, komm, o komm

Und zieh in unsre Herzen ein,

Zu schenken uns den Frieden dein;

Den Frieden den die Engel dort

Verkündigten am stillen Ort,

Den Frieden, den du uns gebracht

In jener heil’gen, ernsten Nacht.

 

 

Henry John Yeend King, Twas the Night Before Christmas
Henry John Yeend King (1855-1924) war ein britischer Maler.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Weihnachtslied

 

Maria lag in großer Not,

Mit Lumpen angetan,

In einem Stall zu Bethlehem

Und sah die Stunde nahn,

Da sie ein Kindlein haben sollt.

Der Himmel stand in lauter Gold;

Da hub ein Singen an:

 

"Süße Maria, sei getrost;

Das um dich ist kein Stall.

Blick um dich, allerholdste Frau,

Und sieh die Gäste all,

Die von weither gekommen sind,

Dich zu begrüßen und dein Kind

Mit Flöt- und Geigenschall."

 

Und wie Marie ihr Haupt erhob,

Oh Wunder, was sie sah:

Es knieten auf der schlechten Streu

Drei goldne Könige da,

Und, wie wenns ihr Gefolge wär,

Ein Heer von Engeln stand umher

Und sang Hallelujah.

 

Es war ein Licht und war ein Glanz,

Wie sie es nie gesehn,

Und vor den Türn und Fenstern war

Ein Auf- und Niedergehn,

Als ging die ganze Welt vorbei;

Da hört sie einen leisen Schrei:

Da war das Glück geschehn.

 

Maria strahlte wie ein Stern

Und hob das Kind empor;

Das war so hold und engelschön,

Wie nie ein Kind zuvor.

Die Wände sanken, und die Welt,

Die weite Welt war rings erhellt,

Und alles sang im Chor:

 

"O seht die Blume, die da blüht,

Die Blume weiß und rot!

Der Kelch ist von der Lilie,

Ein Herz darinnen loht.

Nun ist die ganze Erde licht,

Wir fürchten Schmerz und Trauern nicht

Und fürchten nicht den Tod.

 

Die Blüte leuchtet uns den Tag,

Und es versank die Nacht,

Und aus der Blüte wird die Frucht,

Die Alle fröhlich macht;

Die Frucht, die Allen Nahrung gibt,

Der Mensch, der alle Menschen liebt:

Die Liebe ist erwacht."

 

Der Chor verklang. Es sank der Stall

In braune Dunkelheit.

Maria gab dem Kind die Brust.

Still ward es weit und breit.

Da ward Marien im Herzen bang,

Sie küsst ihr liebes Kindlein lang,

Ihr tat ihr Kindlein leid.

 

 

Hans Bachmann, A Christmas Carol in Lucerne, 1887
Hans Bachmann (1852-1917) war ein Schweizer Maler und Kunstlehrer.
 

Ernst Moritz Arndt 1769-1860

Weihnachtslied

 

Erklinge, Lied, und werde Schall,

Kling gleich der hellsten Nachtigall,

Kling gleich dem hellsten Lerchenklang

Die ganze, weite Welt entlang.

 

Kling, Lied, und kling im höchsten Ton:

Es kommt der süße Gottessohn,

Es kommt das helle Himmelskind

Hernieder, wo die Sünder sind.

 

Er kehrt bei einer Jungfrau ein,

Will eines Weibes Säugling sein,

Der große Herr der ganzen Welt,

Ein Würmlein auf die Erde fällt.

 

Ein armes Knäblein nackt und bloß,

So liegt er in Marias Schoß;

Der alle Sterne lenken kann,

Fleht eines Weibes Gnade an.

 

Der eh'r als Erd' und Himmel war,

Das Wort des Vaters rein und klar,

Spricht lieb und freundlich bei uns ein

Und will der Sünder Bruder sein.

 

So kommt die unermessne Huld,

Zu tragen unsre schwere Schuld,

Die ewige Liebe steigt von Gott

Zu uns herab für Schmach und Spott.

 

Des solln wir alle fröhlich sein

Und singen mit den Engelein

Und singen mit der Hirten Schar:

Das ew'ge Heil wird offenbar.

 

Des solln wir alle fröhlich sein,

Dass Gott will unser Vater sein,

Und dass der süße Jesus Christ

Heut unser Bruder worden ist.

 

 

Augustus Edwin Mulready, Carol Singers
Augustus Edwin Mulready (1844-1904) war ein englischer Genremaler.
 

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Schneelied zu Weihnachten

 

Du trittst mich, singt der Schnee,

Mir aber tuts nicht weh:

Ich knirsche nicht, ich singe;

Dein Fuß ist wie der Bogenstrich,

Dass meine Seele klinge.

Hör und verstehe mich -:

Getreten singe ich,

Und nichts als frohe Dinge.

Denn, die getreten sind,

Wissen, es kam ein Kind,

Gar sehr geringe,

In einem Stall zur Welt:

Das hat sein Herz wie ein leuchtendes Licht

In große Finsternis gestellt.

 

Es wurde zerschlagen. Verloschen ists nicht.

 

 

Mykola Pymonenko, Sternsinger
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde, Schöpfer zahlreicher Genrebilder, und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki. 

 

Stine Andresen 1849-1927

Weihnachtslied

 

O Weihnachtszeit, du goldne Pforte!
Durch dich wallt froh der Kinder Schar,
Und ihnen folgt voll sel'gen Hoffens
Die Menschheit nach von Jahr zu Jahr.
Wem längst in weiter Ferne liegen
Die Kinderjahre wie ein Traum,
Wo noch zur Erde nieder stiegen
Die Engel aus des Himmels Raum,
Der denkt zurück mit stillem Lauschen
An jene Zeit voll Poesie
Und hört der Engel Schwingen rauschen,
Wie einst des Kindes Phantasie.

Wer könnte jemals dein vergessen,
Du Weihnachtsbaum der Kinderzeit!
Du bleibst ein heiliges Vermächtnis
Dem Herzen, lägst du noch so weit.
Voll Dank gedenken wir aufs neue
Der Opfer, die uns einst gebracht
Von jener Liebe, jener Treue,
Die unsrer Kindheit Glück bewacht;
Das Vaterhaus umgiebt uns wieder,
Wir hören teurer Stimmen Klang,
Und süß ertönen alte Lieder,
Die, ach, verklungen schon so lang.

Wir sehn im Geiste all' die Lieben
Im trauten Kreise um uns her,
Die wir vermißt, die wir beweinet
Bei mancher Weihnacht Wiederkehr.
Drum laßt uns stets, was uns das Leben
Noch ließ, mit treuer Lieb umfahn
Und freudigen Herzens Gaben geben
An die, die bittend sich uns nahn,
Und der Gedanke an die Toten
Wird dann, vom Weihnachtsstrahl erhellt,
Zu einem lichten Friedensboten
Aus jener hohem, bessern Welt.

O Weihnachtszeit, wo Gott vom Himmel,
Als seiner Gnade höchstes Pfand,
Den Sohn voll Lieb und Licht und Wahrheit
Uns Menschenkindern hergesandt,
Zünd an der Liebe Strahlenkerzen
Der Welt aufs neu, mach groß und weit
Und dankerfüllt der Menschen Herzen,
Zum Geben jede Hand bereit,
Laß sanft in unsere Seele fallen
Den Strahl des Lichtes wunderbar,
Daß wir getrost durch deine Hallen
Hinüber gehn ins neue Jahr.

 

Cornelis Troost, Singing Round the Star on Twelfth Night
Cornelis Troost (1696-1750) war ein Schauspieler und Maler aus dem 18. Jahrhundert aus Amsterdam.

Robert W. Wright,  Christmas Carol
Robert W. Wright (active 1870–1906) war ein britischer Maler

Gustav Falke 1853-1916

Weihnacht

 

Zeit der Weihnacht, immer wieder

rührst du an mein altes Herz,

führst es fromm zurück

in sein früh’stes Glück,

kinderheimatwärts.

 

Sterne leuchten über Städte,

über Dörfer rings im Land.

Heilig still und weiß

liegt die Welt im Kreis

unter Gottes Hand.

 

Kinder singen vor den Türen:

"Stille Nacht, heilige Nacht!"

Durch die Scheiben bricht

hell ein Strom von Licht,

aller Glanz erwacht.

 

Und von Turm zu Turm ein Grüßen,

und von Herz zu Herz ein Sinn,

und die Liebe hält

aller Welt

ihre beiden Hände hin.

 

 

Werner Zehme, Weihnachtstuten in der Mark, Gartenlaube, 1894
Werner Zehme (1859-1924) war ein deutscher Maler, Graphiker, Illustrator und Schriftsteller. 

 

Hanns von Gumppenberg 1866-1928

Christbaumnüsse

 

Kehrt der Weihnachtsabend wieder,

Friedvoll und verheißungshold,

Schmückt man viele tauben Nüsse

Festlich mit dem Flittergold.

 

Und die goldnen Nüsse leuchten

Herrlich in dem Lichtermeer,

Wundersame Märchenfrüchte –

Innen aber sind sie leer.

 

Und wie reich die schönen schimmern

So von außen, so von fern,

Höher wären sie zu schätzen,

Bärgen sie den süßen Kern:

 

Dienten sie nicht blos den Träumen

Eine Stunde oder zwei,

Gäben sie auch brav zu zehren,

Wenn das Friedensfest vorbei.

 

Mathias Artaria, Weihnachtsabend
Mathias Artaria (1814-1885) war ein deutscher Historien- und Genremaler der Düsseldorfer Schule. 

Wilhelm Dürr, Familie Blessing
Wilhelm Dürr (1815-1890) war ein deutscher Maler. 

Johann Peter Hebel 1760-1826

Die Mutter am Christabend

 

Er schläft, er schläft! Das ist einmal ein Schlaf!

So recht, du lieber Engel du!

Tu mir die Lieb und lieg in Ruh.

Gott gönnt es meinem Kind im Schlaf!

 

Erwach mir nicht, ich bitt, ich bitt!

Die Mutter geht mit stillem Tritt,

sie geht mit zartem Muttersinn,

und holt den Baum zur Kammer hin.

 

Was häng ich dir denn an?

'nen Pfefferkuchenmann,

ein Kätzelchen, ein Spätzelchen,

und Blumen bunt und süß und weich,

und alles ist von Zuckerteig.

 

Genug, du Mutterherz!

Viel Süßigkeit bringt Schmerz.

Gib sparsam wie der liebe Gott.

Tagtäglich nützt kein Zuckerbrot.

 

Jetzt rote Äpfel her,

die schönsten, die ich haben kann!

Es ist auch nicht ein Fleckchen dran,

wer hat sie schöner, wer?

's ist wahr, es ist 'ne Pracht,

was so ein Apfel lacht.

 

Jetzt – Gott behüte dich,

an ander Mal denn mehr!

Heut war es, wo der heilge Christ

ein Kind wie du geworden ist.

Werd auch so brav wie er!

 

 

Norman Rockwell, Is He Coming?
Norman Percevel Rockwell (1894-1978) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator des frühen 20. Jahrhunderts.

 

 

Walter Thor, Weihnachtsmorgen
Walter Thor (1870-1929) war ein deutscher Maler und Grafiker. 

Theodor Storm 1817-1888

Weihnachtsabend

 

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,

Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus,

Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl

Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

 

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,

Drang mir ein heiser Stimmlein an das Ohr:

»Kauft, lieber Herr!« Ein magres Händchen hielt

Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

 

Ich schrak empor, und beim Laternenschein

Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;

Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,

Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

 

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,

Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:

»Kauft, lieber Herr!« den Ruf ohn Unterlaß

Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

 

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,

Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?

Eh meine Hand zu meiner Börse kam,

Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

 

Doch als ich endlich war mit mir allein,

Erfaßte mich die Angst im Herzen so,

Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein

Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

 

 

Mansel Lewis, Christmas Morning, 1885
Charles William Mansel Lewis (1845-1931) war ein walisischer Maler des Spätimpressionismus.
 

 

Albert Anker, Girl with Christmas Presents
Albert Samuel Anker (1831-1910) war ein Schweizer Maler, Grafiker und Genremaler des schweizerischen Volkslebens.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Vom Honigkuchenmann

 

Keine Puppe will ich haben -

Puppen gehn mich gar nichts an.

Was erfreun mich kann und laben,

ist ein Honigkuchenmann,

so ein Mann mit Leib und Kleid

durch und durch von Süßigkeit.

 

Stattlicher als eine Puppe

sieht ein Honigkerl sich an,

eine ganze Puppengruppe

mich nicht so erfreuen kann.

Aber seh´ich recht dich an,

dauerst du mich, lieber Mann.

 

Denn du bist zum Tod erkoren -

bin ich dir auch noch so gut,

ob du hast ein Bein verloren,

ob das andre weh dir tut:

Armer Honigkuchenmann,

hilft dir nichts, du musst doch dran!

 

Hugo Oehmichen, Christmas Presents
Hugo Oehmichen (1843-1932) war ein deutscher Maler.

Carl Larsson, Christmas morning, 1894
Carl Olof Larsson (1853-1919) war ein schwedischer Künstler. 

 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Vom Schenken

 

Schenke groß oder klein,

aber immer gediegen.

Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,

sei dein Gewissen rein.

 

Schenke herzlich und frei.

Schenke dabei,

was in dir wohnt

an Meinung, Geschmack und Humor,

so dass die eigene Freude zuvor

dich reichlich belohnt.

 

Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk,

dass dein Geschenk –

Du selber bist.

 

 

Weihnachtlicher Gabentisch für ein Mädchen, 1840, Germanisches Nationalmuseum
 

Charles Green, Christmas Comes but Once a Year
Charles Green (1840–1898) war ein britischer Aquarellist und Illustrator.

Eduard Mörike 1804-1875

Christbescherung

 

Der Nussbaum spricht:

Jetzt sieht man Büblein, Mägdlein warten,

Auf einen schönen Christkindgarten;

Da stellt man in die Mitt’ hinein

Ein Tannenreis in Lichterschein:

Da hängt viel Naschwerk, Marzipan

Und sogar güldne Nüss’ daran.

Doch sind die Nüsse dürr und alt,

Die grünen Zweige welken bald:

Das Bäumlein kann halt nicht verhehlen

Dass Leben ihm und Wurzeln fehlen.

Ein kluges Kind hat das bald weg,

Und ist `gessen erst der Schleck,

Dann ist ein solcher Baum veracht’t,

Sein Glanz und Lust war über Nacht.

 

Schaut her! Da bin ich meiner Sechs!

Doch ganz ein anderes Gewächs.

Mich lud der Freund in seinem Garten,

Dem blonden Kinde aufzuwarten.

Und grüßte sie im warmen Stübchen,

Allein das schickt sich doch nicht ganz:

Ich bin ein gar zu langer Hans;

 

Drum bat ich sie zu mir heraus.

Zwar steh ich kahl und ohne Strauß,

Doch wart! Es kommt die Sommerzeit,

Da ist’s, wo unsereins sich freut,

Da wick’l ich los mein würzig Blatt,

Es sieht kein Menschenaug’ sich satt,

Die Vögel singen in meinen Zweigen,

Und alles, Schätzchen, ist dein eigen.

Und hast du mir es heut verziehn,

Dass ich nun bloß von Früchten bin,

So bring’ ich dir gewiss und wahr

Ein Schürzlein Nüsse Jahr für Jahr.

 

James Clark, Christmas
James Clark (1858-1943) war ein britischer Maler.

Harry Brooker, Christmas Eve
Harry Brooker (1848–1940) war ein britischer Maler.

Adelbert von Chamisso 1781-1838

Christgeschenke

 

Was klingelt im Hause so laut? Ei, ei!

Ich glaube, dass es das Christkind sei!

Das Christkind war's! Seid, Kinder, nur still

Und hört, was ich euch jetzt erzählen will:

 

Es hat euch gebracht einen Tannenbaum

Voll goldener Äpfel und Püppchen von Schaum,

Voll Zuckerwerk; doch, Kinderchen, denkt,

Hoch oben eine Rute hängt!

 

Das Christkind hat an alles gedacht

Und Nützliches und Schönes gebracht.

Da seht ihr Trommeln, Soldaten von Blei,

Und eine Fahne hängt nebenbei.

 

Seht Häuser von Pappe mit rotem Dach

Und drin ein zierliches, kleines Gemach.

Seht Schuhe und Kleider und Tücher und Hut,

Gewiss, das steht zu dem Feste gut.

 

Auch Teller und Töpfe von blankem Zinn

Und Pfefferkuchen und Mandeln drin!

Hier Peitschen und Wagen, ein Pferdchen gar wild,

Dort zum Zusammensetzen ein Bild.

 

Hier Schreibebücher; ein Püppchen ganz klein

Wird dort gewiss in der Wiege sein.

Auch herrliche Bücher sind aufgestellt,

Von tausend Lichtern ist alles erhellt.

 

Doch nur von den schönen Sachen bekommt,

Wer artig war, verträglich und fromm,

Wer folgsam den guten Eltern war

Und fleißig gelernt hat in diesem Jahr.

 

Wer oft an den lieben Gott gedacht,

Dem hat das Christkind viel Schönes gebracht.

Unartige Kinder dürfen nicht 'rein,

Für sie wird wohl nur die Rute sein!

 

Drum, wollt ihr am heiligen Abend euch freu'n,

So rat' ich euch, Kinder, stets artig zu sein!

 

 

Emil Czech, Christmas
Emil Czech (1862-1929) war ein österreichischer Maler aus Mähren. 
 

Richard Zoozmann 1863-1934

Mütterchen schilt

 

Wer hat hier genascht vom Weihnachtsbaum?

Das ist doch zu toll mit den Kindern!

Man wendet einmal den Rücken kaum,

Gleich fangen sie an zu plündern.

 

Wer ist's gewesen? Fritz oder Gret'?

Wer hat hier was abgegriffen

Und hier vom Pfefferkuchen – da fehlt!

Ein groß' Stück abgebissen?

 

Ihr schweigt? Sagt keiner, wer's getan?

Ich will's schon noch entdecken.

Zur Strafe kriegt ihr vom Marzipan

Kein einzig Stück zu schmecken.

 

Doch dass der Dieb mir erst wird kund,

Will ich den Fall untersuchen –

Komm, Fritz, mal her! Mach auf den Mund,

Beiß hier in den Pfefferkuchen!

 

Siehst du! Der Mund passt Zahn für Zahn

Ins abgebissne Eckchen –

Nun kriegst du nichts vom Marzipan,

Doch etwas mit dem Stöckchen!

 

 

V. Volz,

Stille Weihnacht, Tonzeichnung

 

Hanns Fechner, Heimkehr von der Wohltätigkeits-bescherung, aus: Die Gartenlaube 1893 S.848
Johannes „Hanns“ Fechner (1860-1931) war ein deutscher Maler, Grafiker, Medailleur und Schriftsteller.
 

Karl Ernst Knodt 1856-1917

Die Weihnachtsglocken

 

Wie tönen heut' die Weihnachtsglocken

Viel voller übers weiße Land,

So voll und weit, als gäb's kein Stocken

An irgend einer Felsenwand.

 

Als wär' die ganze weite Erde

Ein unbegrenztes, großes Meer –

Und drüber brauste neu ein „Werde“

Mit welterlösenden Lauten her.

 

Ein Liebeston lebt in den Klängen,

Den nur das Kinderohr versteht,

Ein Ton aus himmlischen Gesängen,

Wie Er die Welt einmal umweht

 

Im ganzen Jahr, – ein Engelreigen,

Wie er um Gottes Thron erklingt.

Erwach', o Welt, dich neu zu neigen

Dem Heiland, der den Frieden bringt

 

 

Ilja Repin,

Kirche in Kuokkala (oder Repino, Russland) in der Weihnachtsnacht
Ilja Jefimowitsch Repin (1844-1930) war ein russisch-finnischer Maler. Repin gilt als der bedeutendste Vertreter des russischen Realismus.
 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Es gibt so wunderweiße Nächte

 

Es gibt so wunderweiße Nächte,

drin alle Dinge Silber sind.

Da schimmert mancher Stern so lind,

als ob er fromme Hirten brächte

zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube

bestreut, erscheinen Flur und Flut,

und in die Herzen, traumgemut,

steigt ein kapellenloser Glaube,

der leise seine Wunder tut.

 

 

 

Edward Timothy Hurley, The Midnight Mass
Edward Timothy Hurley (1869-1950) war ein US-amerikanischer Maler.
 

Eduard Geselschap, A Christmas Morning, National Museum of Art, Architecture and Design
Eduard Geselschap (1814-1878) war ein deutsch-niederländischer Maler der Düsseldorfer Schule.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Weihnachten

 

Bäume leuchtend, Bäume blendend,

Überall das Süße spendend,

In dem Glanze sich bewegend,

Alt- und junges Herz erregend –

Solch ein Fest ist uns bescheret,

Mancher Gaben Schmuck verehret;

Staunend schaun wir auf und nieder,

Hin und her und immer wieder.

 

Aber, Fürst, wenn dirs begegnet,

Und ein Abend so dich segnet,

Dass als Lichter, dass als Flammen

Vor dir glänzten allzusammen

Alles, was du ausgerichtet,

Alle, die sich dir verpflichtet:

Mit erhöhten Geistesblicken

Fühltest herrliches Entzücken.

 

Michael Ancher, Christmas Day, 1900
Michael Peter Ancher (1849-1927) war ein dänischer Maler.

 

Carl Röchling, Soldatenweihnacht
Carl Röchling (auch: Karl Röchling) (1855-1920) war ein deutscher Maler und Illustrator vornehmlich militärischer und militärhistorischer Themen. 

 

Robert David Wilkie (attr.), The Christmas Party, Museum of Fine Arts, Boston
Robert David Wilkie (1827-1903) war ein amerikanischer Maler. 

Robert Reinick 1805-1852

Weihnacht!

 

Wie haben wir den Winter doch gefürchtet,

als ob er selber ein Knecht Ruprecht wär'!

's ist wahr, mitunter zieht er auch Gesichter

und brummt und macht Spektakel, heult ums Haus,

verschüttet Weg und Steg mit Schnee, dass

man nicht weiß wohin und fast im Wald verirrt.

Und was den Frost betrifft, da ist er Meister;

wen er nicht leiden kann, dem macht aus Bosheit

er rote Nasen und verfrorne Füße.

Es ist schon arg; doch ist es einmal so.

Wie aber der Knecht Ruprecht braven Kindern,

die sich nicht fürchten und die Spaß verstehen,

auch Freude bringt, so tut's der Winter auch.

An klaren Tagen, wenn der Teich voll Eis

und alle Felder weiß bedeckt von Schnee,

was ist das eine Lust dann Schlittschuhlaufen

und Schlittenfahren und den Schneemann bau'n!

Und an den schönen langen Abenden,

wie liest man da so still beim Lampenschimmer

und klebt in Pappe, schnitzt sich allerlei!

Und kommt zuletzt der Weihnachtsabend her

mit seinem Markt, mit Buden und Laternen,

da möcht' man, dass es immer Winter bliebe.

Das ist ein Fest, wenn die Bescherung fertig!

Der Vater klingelt und wir Kinder alle,

eins nach dem andern, treten in die Stube,

und vor uns glänzt der Baum mit seinen Lichtern.

Das ist ein Fest! Ach, wär' es nur erst da!

 

Unbekannt, Christmas Eve

 

The New Yorker Titelseite 2019

Josef Weinheber 1892-1945

Der Verehrten zu Weihnachten

 

Ein Geschenk? Ich wagte nicht,

kalt mich zu entschließen.

Nicht zum Schatten einer Pflicht

will ich dich bemüssen.

 

Denn den Nehmer allzuviel

bindet kleinste Gabe.

Und ich will, daß dein Gefühl

freie Wegfahrt habe.

 

Dieses anspruchslose Blatt

macht dir wenig Sorgen.

Unbeschwerter Wille hat

es vergessen morgen.

 

Was ich wollte, es ward doch

in die Form gegossen:

Herz, vom Strome einst wie noch

wogend überflossen.

 

Nimm denn, statt des Großen, dies

nur im Ansehn Kleine.

Und du fühlst im Wort gewiß

Wie das Herz es meine.

 

Sergei Korovin, Weihnachten
Sergei Alexejewitsch Korovin (1858-1908) war ein russischer Maler und Illustrator. Sein Bruder war der Maler Konstantin Korowin.

Katalanisches Weihnachtslied

Der Gesang der Vögel

 

Während sie aufgehen sehen

das kräftigste Licht

in der glückseligsten Nacht

beginnen die Vöglein singend

zu feiern

mit ihren zierlichen Stimmen.

 

Und der Kaiseradler

fliegt in den Himmel hinauf

singt eine Melodie

und spricht: – Jesus ist geboren,

um von uns die Sünde wegzunehmen

und uns große Freude zu geben.

 

Ihm antwortete der Sperling:

Die Weihnachtsnacht heute

ist eine Nacht großer Freude!

Der Grünfink und der Zeisig

sprechen auch singend:

Oh, welche Freude fühle ich!

 

Und der Hänfling, singt:

Oh, wie schön und wie hübsch

ist das Kind der Maria!

Diesem antwortet nun die Singdrossel

Besiegt ist der Tod

und mein Leben wird geboren!

 

Die Nachtigall murmelt:

Er ist schöner als die Sonne,

funkelnder

als ein Stern

Der Rotschwanz und das Schwarzkehlchen

feiern den Sanften

und (ebenso) seine Mutter, die Jungfrau.

 

Das Goldhähnchen zwitschert

zum Ruhme des Herren,

es trillert in Bizarrheit.

Der Kanarienvogel folgt (diesem Beispiel)

Ihre Musik ertönt (erscheint)

als eine himmlische Melodie.

 

Es tritt die Heidelerche herein

und sagt: Ihr Vögel, kommt,

die Morgenröte zu feiern.

Die Amsel, pfeifend,

feierte immerzu

ihre allerhöchste Herrin.

 

Die Kohlmeise sagt:

Es ist nicht mehr Winter und auch nicht Sommer.

Es ist nur noch Frühling.

Eine Blume ist geboren,

die einen solchen Duft verströmt,

dass dieser die ganze Erde erfüllt.

 

Das Frankolinhuhn sang:

Ihr Vögel, wer will kommen,

heute, bei Tagesanbruch

unseren großen Herrn zu sehen

mit seinem großen Glanz

in einem Stall?

 

Spechte und Gimpel

fliegen zwischen den Obstbäumen hin und her,

und singen ihre Freuden heraus.

Die Wachtel und der Kuckuck

sind von weit her gekommen,

um den Messias zu betrachten.

 

Der Wiedehopf kommt und pfeift:

Diese Nacht ist gekommen

der König der allergrößten Würde.

Die Turteltaube und die Taube

reizten alle zur Verwunderung

durch ihr Singen ohne jede Traurigkeit.

 

Und das Rebhuhn singt:

Ich beginne, mein Nest zu bauen,

in diesen Stall,

um das Kind gut sehen zu können,

wie es zittert

in den Armen Marias.

 

Die Elster, die Misteldrossel und der Eichelhäher

rufen: Jetzt kommt der Mai!

Der Stieglitz antwortet:

Alle Bäume ergrünen wieder,

alle Pflanzen blühen,

als ob es Frühling wäre.

 

Der Buchfink trillert:

Gloria heute und morgen;

ich fühle außerordentliche Freude

diesen Diamanten sehen zu dürfen,

so schön und brillant

in den Armen Marias.

 

Die Zwergohreule und auch der Steinkauz,

als sie die Sonne aufgehen sehen,

ziehen sich verwirrt zurück;

der Waldkauz und der Uhu

sprechen: Wir können nicht schauen;

solcher Glanz versetzt uns in Verwunderung.

 

El cant dels ocells (katalanisch für ‚Der Gesang der Vögel‘) ist ein altes Volks- und Weihnachtslied aus Katalonien. In diesem Lied feiern mehr als dreißig kleine und große Vogelarten die Geburt Christi. Das Lied ist in der Melodie feierlich getragen, in einem Moll-Ton gesetzt und umfasst einen sehr großen Notenumfang.

 

 

Der berühmte spanische Cellist Pau Casals (1876-1973, auch als Pablo Casals bekannt) beendete alle seine Exilkonzerte seit 1939 mit diesem Lied. Auf diese Weise wurde dieses Lied neben der offiziellen katalanischen Hymne Els Segadors zu einem katalanischen Nationalsymbol, einer Art heimlichen Nationalhymne.

 

 

Jugend Titelseite 1926 Nr. 50
 

Richard Dehmel 1863-1920

Weihnachtsglocken

 

Weihnachtsglocken, wieder, wieder

sänftigt und bestürmt ihr mich.

Kommt, o kommt, ihr hohen Lieder,

nehmt mich, überwältigt mich!

 

Daß ich in die Knie fallen,

daß ich wieder Kind sein kann,

wie als Kind Herr-Jesus lallen

und die Hände fallen kann.

 

Denn ich fühl's, die Liebe lebt, lebt,

die mit ihm geboren wurde,

ob sie gleich von Tod zu Tod schwebt,

obgleich er gekreuzigt wurde.

 

Fühl's, wie alle Brüder werden,

wenn wir hilflos, Mensch zu Menschen,

stammeln: "Friede sei auf Erden

und ein Wohlgefall'n am Menschen!"

 

 

Andrej Mironov, Now God was born
Andrej Nikolajewitsch Mironow (1975-) ist ein russischer Maler.
 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Vier Kerzen

 

Eine Kerze für den Frieden,

weil der Streit nicht wirklich ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten

eine Kerze für den Mut

Eine Kerze für die Hoffnung

gegen Angst und Herzensnot,

wenn Verzagtsein unsren Glauben

heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe,

als die wichtigste der Welt;

eine Kerze für die Liebe,

weil nur diese wirklich zählt.

 

The New Yorker Titelseite 2022

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

BuchKult

Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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