Die Darstellung der Leidensgeschichte Christi nimmt in der europäischen Kunstgeschichte einen bedeutenden Raum ein. Von der mittelalterlischen Kunst bis zur heutigen Zeit wurden Kunstwerke geschaffen, die einzelne Aspekte der durch die Evangelien belegten Erzählungen darstellen. Dabei ist eine Reihe von Bildtypen entstanden, viele davon sind sehr bekannt (z.B. Abendmahl, Geißelung, Kreuzigung). Andere waren es einmal ( z.B. Jesus in der Vorhölle), sind aber später wieder verschwunden. Wiederum erlangten andere Bildtypen erst spät eine gewisse Popularität, wie die Kreuzabnahme, die von der Renaissance an zu einem der häufgsten Bildtypen der Passion Christi wird.
Die Passion Christi in Bildern und Texten der Evangelien
Alle vier Evangelisten erwähnen den triumphalen Einzug Jesu, der das folgende Geschehen ins Rollen brachte: den Pharisäern gefiel die Popularität Jesu ganz und gar nicht, es wurde eine Verschwörung angezettelt und der Apostel Judas Ischariot als – heute würde man sagen – als V-Mann gewonnen.
Die Evangelisten Markus und Lukas berichten von dem zornigen Auftritt Jesu im Tempel und der Vertreibung der Geschäftemacher aus diesem. Die beiden betten es in die Passionserzählung ein. Matthäus erwähnt das Geschehen gar nicht, Johannes erzählt zwar von einem ähnlichen Vorkommnis, bringt es aber nicht mit der Leidensgeschichte in Zusammenhang.
Am Vorabend seines Kreuzestodes wusch Jesus Christus während des letzten Abendmahls seinen Jüngern die Füße und trocknete sie mit dem Tuch, das ihn umgürtete.
Eine der zentralen Erzählungen des Christentums und ein ikonisches Bild von der Gründung der christlichen Kirche ist das Abendmahl.
Der Ölberg bei Jerusalem ist ein zentraler biblischer Ort, an dem
Jesus in seinen letzten Stunden vor der Kreuzigung im Garten Gethsemane betete, Verrat durch Judas erlitt und gefangen genommen wurde.
Zwei der zwölf Apostel spielen in der Passionsgeschichte eine besondere Rolle: Petrus und Judas. Von Petrus wird weiter unten die Rede sein. Judas Iscariot – es gibt auch noch einen Apostel Judas Thaddäus – jedoch erlangt durch seinen Verrat die ewige Verdammnis.
Nachdem ein Kommando mit Hilfe von Judas Iscariot Jesu’s Aufenthaltsort ausfindig und Judas Jesus durch einen Kuss für seine Begleiter identifiziert hatte, wird Jesus festgenommen. Nach einem Gerangel wird ein Angehöriger des Trupps (Malchus) von Petrus verletzt, er verliert ein Ohr, das aber umgehend von Jesus per Wunder an seinen Ort zurückfindet.
Kajaphas war ein amtierende, Hannas sein Schwiegervater ein ehemaliger Hohepriester. Die Beiden als Mitglieder des Hohen Rates (Sanhedrin) sollen die Anführer des Komplotts gegen Jesus gewesen sein.
Die Verleugnung des Petrus bezeichnet die in allen vier kanonischen Evangelien des Neuen Testaments berichtete dreimalige Verleugnung von Jesus durch den Apostel Petrus.
Verschiedene Bildtypen sind hier zusammengefasst: die Verspottung, die Geißelung und die Dornenkrönung als physische und psychische Gewalt gegen Jesus.
Pontius Pilatus war Präfekt des römischen Kaisers Tiberius in Judäa, ohne seine Zustimmung war kein Todesurteil gegen Jesus möglich. Aus Angst vor den politischen Folgen gab er den Wünschen des aufgeputschten Volks nach und bestätigte das Todesurteil.
Mit den Worten Ecce Homo (Sehet den Menschen) stellt Pilatus den geschundenen, mit Dornen gekrönten Jesus der Menge vor. Mit diesem Ausspruch wurde später ein ganzer Bildtypus begründet, den ich in einem Vorjahr bereits eine Präsentation gewidmet hatte. Diese können sie hier sehen
Die Kreuztragung Jesu bezeichnet einen Abschnitt der Leidensweges. Die synoptischen Evangelien erwähnen Simon von Cyrene als Kreuzträger; das Johannesevangelium nennt nur Jesus als den, der das Leidenswerkzeug – das Kreuz – nach Golgota trug, zum Ort der Kreuzigung.
Neben dem Abendmahl ist die Kreuzigung und mit dieser das Kreuz selbst Sinnbild und Zeichen des Christentums schlechthin.
Die Kreuzabnahme Jesu wird im Neuen Testament von Johannes, Markus und Lukas und in apokryphen Schriften beschrieben. Nach diesen Zeugnissen nahmen Josef von Arimathäa und nach Johannes auch Nikodemus Jesus vom Kreuz.
Die Grablegung bezeichnet allgemein den Vorgang der Bestattung und ist ein zentraler Begriff in der christlichen Kunst, der das Legen des Leichnams Jesu in das Grab nach der Kreuzabnahme darstellt. Als Bildtypus gehört sie zur Passion Christi, oft dargestellt mit Figuren wie Maria, Johannes, Nikodemus und Maria Magdalena.
Die Vorhölle (lateinisch limbus) ist ein theologisches Konzept des Katholizismus, das einen Zwischenort für Seelen beschreibt, die zwar nicht verdammt sind, aber ohne Taufe oder vor Christus nicht in den Himmel kommen.
Der französische Künstler James Tissot hat 1899 unter dem Titel "The life of our Saviour Jesus Christ - three hundred and sixty-five compositions from the four Gospels" 365 Illustrationen zum Leben Jesu veröffenlicht. Etwa 120 davon stellen die Vorgänge vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung dar. Diese habe ich bereits früher in einer Präsentation zusammengefasst, die hier besichtigt werden kann. Ich habe deshalb weitgehend darauf verzichtet, die Bilder Tissots in diese neue Präräsentation aufzunehmen.
Mathias Grünewald - Isenheimer Altar
Als Isenheimer Altar wird der Wandelaltar aus dem Antoniterkloster in Isenheim (französisch Issenheim) im Oberelsass (Département Haut-Rhin) bezeichnet, der im Musée Unterlinden in Colmar in drei Schauseiten getrennt ausgestellt ist. Die Gemälde auf zwei feststehenden und vier drehbaren Altar-Flügeln sind das in den Jahren 1512 bis 1516 geschaffene Hauptwerk von Matthias Grünewald und zugleich eines der bedeutendsten Meisterwerke der deutschen Tafelmalerei. Die Skulpturen im Altarschrein werden dem um 1490 in Straßburg tätigen Bildschnitzer Niklaus von Hagenau zugeschrieben.
Matthias Grünewald (* um 1480 vielleicht in Würzburg; † vor 1. September 1528 in Halle (Saale)) war ein bedeutender Maler, Grafiker und Wasserbauingenieur der Renaissance. Er hieß eigentlich Mathis Nithart (oder Gothart; in verschiedenen Varianten). Zeitgenössisch wurde er Mathis von Aschaffenburg (in verschiedenen Varianten) genannt. Er war vor allem Hofkünstler der Mainzer Erzbischöfe.
Die drei Schauseiten des Isenheimer Altars
Rogier van der Weyden - Kreuzabnahme
Das Tafelbild mit der Darstellung der Kreuzabnahme wurde etwa 1430–1440 für einen Altar in der Kirche Onze-Lieve-Vrouw-van-Ginderbuiten in Löwen geschaffen und wird von der Forschung überwiegend dem Maler Rogier van der Weyden zugeschrieben. Bei dem Gemälde handelt es sich um den Mittelteil eines Triptychons; die Flügel sind nicht erhalten. Es wird seit 1939 im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt.
Der Kunsthistoriker Lorne Campbell identifizierte die Figuren auf dem Gemälde (von links nach rechts): Maria Kleophas (Halbschwester der Jungfrau Maria); Johannes der Evangelist; Maria Salome (in Grün, ebenfalls eine Halbschwester der Jungfrau Maria); die Jungfrau Maria (in Ohnmacht); den Leichnam Jesu Christi; Nikodemus (in Rot); einen jungen Mann auf der Leiter – entweder einen Diener des Nikodemus oder des Josef von Arimathäa; Josef von Arimathäa (in einem goldfarbenen Gewand, dem prächtigsten Kostüm des Gemäldes); den bärtigen Mann hinter Josef mit einem Krug und vermutlich einen weiteren Diener; sowie Maria Magdalena, die rechts im Bild eine dramatische Pose einnimmt. Unter Kunsthistorikern herrscht Uneinigkeit über die Darstellung von Josef von Arimathäa und Nikodemus. Dirk de Vos identifiziert Josef von Arimathäa als den Mann in Rot, der den Leichnam Christi stützt, und Nikodemus als den prächtig gekleideten Mann, der die Beine Christi stützt – im Gegensatz zu Campbells Interpretation. Grablegung. Rogier van der Weyden stellt den Augenblick dar, in dem Josef von Arimathäa, Nikodemus und eine weitere Person den Leichnam Jesu halten und Maria in die Arme des Evangelisten Johannes und der heiligen Frauen sinkt. Die großformatigen Figuren sind allesamt in kostbare Stoffe gekleidet. Das Blau von Marias Gewand ist ein reines Lapislazuli, das in südniederländischen Gemälden dieser Zeit selten zu finden ist. (Wikipedia)
Rogier van der Weyden, geboren als Rogier de la Pasture, (* 1399 oder 1400 in Tournai, Flandern; † 18. Juni 1464 in Brüssel, Herzogtum Burgund) war ein flämischer Maler und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Altniederländischen Malerei.