BuchKult
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Julius Rodenberg 1831-1914

April

 

Bald ein raues kaltes Rauschen,

Dass der dunkle Forst erkracht;

Bald ein Flüstern, Kosen, Lauschen,

Wie die stillste Frühlingsnacht.

 

Bald der Himmel, bald die Sonne,

Bald die Wolken, bald der Schnee –

Wie der Liebe erste Wonne,

Wie der Liebe erstes Weh.

 

Bald das Jauchzen, bald die Trauer

In der aufgeregten Brust –

Und noch halb in Winterschauer,

Und schon halb in Frühlingslust.

 

Bald ein ungestümes Ringen,

Bald ein Frieden sonntagsstill –

O, was wirst du mir noch bringen

Schöner, stürmischer April?

 

 

Bassano, April, Kunsthistorisches Museum
Leandro da Ponte, genannt Bassano (1557-1622) war ein italienischer Maler und einer der vier Söhne aus der Malerfamilie von Jacopo Bassano.

 

Jörg Breu, Summer, Detail April
Jörg Breu (der Ältere) (um 1475/1480-1537) war ein Maler und Zeichner für Glasmalerei und Holzschnitt sowie Illuminator.

 

Martin Greif 1839-1911

Aprilwetter

 

Sprühregen, drein die Sonne scheint,

Jetzt da und jetzt auch schon vorüber,

So kurz, wie wach der Säugling weint,

Er wendet sich und schlummert lieber.

 

Sprühregen! Jetzt der Himmel blau,

Und jetzt von Wolken überzogen,

Nun lachend über allem Grau

Im Wunderschein der Regenbogen.

 

 

Simon Bening, April, Labors of the Months April, from a Flemish Book of Hours
Simon Bening (1483-1561), auch Simon Bennik, war ein flämischer Miniaturenmaler und Illustrator. Er gilt als einer der bedeutenden Künstler seines Fachs.

 

 

Breviarium Grimani - April
Breviarium Grimani, Stundenbuch des Domenico Grimani, Das berühmte Breviarium Grimani mit über 1600 durchgehend illuminierten Seiten gilt als eines der schönsten Zeugnisse der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. Um 1510-1520 in Brügge und Gent entstanden, waren zahlreiche berühmte Miniaturisten an seiner Entstehung beteiligt, darunter Gerard David, Simon Bening und Gerard Horenbout.

 

Georg Britting 1891-1964

Der wilde April

 

Weh, der Narr, der wilde April! Aufs neue

Regen, Schnee und wirbelndes Eis und Windstoß

Bringt er. Veilchenäugig dazwischen leuchtet

Himmlische Bläue.

 

Einen Tag lang tut er wie Sommer. Kinder

Singen, und am Waldrand die Steine glänzen

Goldhell. Aber schmächtigen Glauben höhnend

Krächzt er schnell: Winter !

 

Unbeständig spielt der Gesell und seine

Laune. Warte ! Sei wie ein Kind nicht ! Bald sind

Mai und Juni. Wochenlang glühn dann Wälder,

Wiesen und Steine.

 

Julian Onderdonk, April Morning in the Catskill Mountains, 1909,
Robert Julian Onderdonk (1882-1922) war ein Maler des Texanischen Impressionismus, der oft als "Vater der texanischen Malerei" bezeichnet wurde.

Leonard Turzhansky, The April sun - Spring in Murmansk
Leonard Victorovich Turzhansky (1875-1945) war ein impressionistischer russischer Maler. 

Wilhelm Müller 1794-1827

April

 

Leichtsinnig, launig, neckisch, ausgelassen,

Wandl' ich in jeder Stunde Leib und Sinn:

Kaum weiß ich selbst, wie ich beschaffen bin,

Wie sollen mich die fremden Leute fassen?

 

Hier werf' ich einen Schneeball durch die Gassen,

Dort schweb' ich blau in jungen Düften hin,

Bald streich' ich sanft der Schönen weiches Kinn,

Bald sagen sie, ich wäre grob im Spaßen.

 

Gern wollt' ich dir noch Vieles von mir sagen,

Doch drückt mich des Sonettes enges Band,

Das mir die Muse um den Mund geschlagen.

 

Sie sprach: Ich kenne dich als ungezogen,

Und jener Herr hat in dem welschen Land

Der besten Sitt' als Kavalier gepflogen.

 

 

Samuel John Birch, April Singing the Buds of May
Samuel John Birch (1869-1955) war ein britischer Maler des Spätimpressionismus

Francis-Marie Picabia, Effet de soleil - Avril,  Sur les bords du Loing
Francis-Marie Martinez Picabia (1879-1953) war ein französischer Schriftsteller, Maler und Grafiker.

Friedrich Wilhelm August Schmidt 1764-1838

Bitte an die Hausschwalben

 

(Im April 1800)

 

Schon strahlet durch die Lindenäste

Der Morgen rot und sommerlich.

Mit Halmen trägt zum stillen Neste

Im Schnabel schon die Taube sich.

 

Das Eis am Dachgesimse schlich

Schon gestern mit dem letzten Reste

Von Schnee davon: besucht ihr mich

Nun wieder, liebe Giebelgäste?

 

Wenn bald wir nun, bei Froschgesang,

An unsrer Hüttentür die Bank

Zum Plauderstündchen niederklappen,

 

Und dürstend dann nach unserm Blut,

Uns Mücken quälen: seid so gut,

Sie ohn' Erbarmen wegzuschnappen.

 

 

Jacques Callot, April
Jacques Callot (1592-1635) war ein lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer.

Hendrik Hondius, De twaalf maanden - Aprilis, Rijksmuseum
Hendrik Hondius (1573-1650) auch d’Hondt oder de Hondt, war ein niederländischer Verleger, Zeichner und Kupferstecher.

Eduard Mörike 1804-1875

Zitronenfalter im April

 

Grausame Frühlingssonne,

Du weckst mich vor der Zeit,

Dem nur in Maienwonne

Die zarte Kost gedeiht!

Ist nicht ein liebes Mädchen hier,

Das auf der Rosenlippe mir

Ein Tröpfchen Honig beut,

So muß ich jämmerlich vergehn

Und wird der Mai mich nimmer sehn

In meinem gelben Kleid.

 

 

Merian-Aubry Monatsbilder, April
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) war ein schweizerisch-deutscher Kupferstecher und Verleger aus der vornehmen Basler Familie Merian.
Peter Aubry (1596–1666) war ein deutscher Graveur.

Egidius Sadeler, Pieter Stevens II, April
Egidius Sadeler (auch Aegidius Sadeler; * um 1570-1629) war ein flämischer Maler und Kupferstecher am Hofe Rudolf II. in Prag.
Pieter Stevens II. oder Peter Stevens II (ca. 1567 – nach 1626) war ein flämischer Maler und Zeichner, der für seine Landschaften bekannt war.

Jan van de Velde, April dorp aan water met verhuizing per boot aan oever bloemen-verkoop
Jan van de Velde (1593-1641) war ein niederländischer Maler und Kupferstecher. 

Detlev von Liliencron 1844-1909

April

 

Wie der Südwind pfeift,

In den Dornbusch greift,

Der vor unserm Fenster sprießt.

Wie der Regen stürzt

Und den Garten würzt

Und den ersten Frühling gießt!

 

Plötzlich säumt der Wind,

Und der Regen rinnt

Spärlich aus dem Wolkensieb.

Und die Mühle dreht

Langsam sich und steht,

Die noch eben mächtig trieb.

 

Schießt ein Sonnenblick

Über Feld und Knick,

Wie der Blitz vom Goldhelm huscht,

Und auf Baum und Gras

Schnell im Tropfennass

Tausend Silbertüpfel tuscht.

 

Wieder dann der Süd,

Immer noch nicht müd,

Zornt die Welt gewaltig an.

Und der Regen rauscht,

Und der Garten lauscht

Demütig dem wilden Mann.

 

Meiner Schulter dicht

Lehnt dein hold Gesicht,

Schaut ins Wetter still hinein.

Kennst das alte Wort,

Ewig treibt es fort:

Regen tauscht und Sonnenschein.

 

 

 

Giuseppe Maria Mitelli, Aprile, 1691
Giuseppe Maria Mitelli (1634–1718) war ein italienischer Kupferstecher und Maler des Barock.

 

 

Santa Maria del Castello, Monatsbilder April

 

Kurt Schwitters 1887-1948

Aprilwetter

 

Ich saß am Fenster, hoch in Sturmes Meer,

Der Regen fiel an meine Scheiben schwer,

Die Wolkenriesen stürmten wild daher,

Die blanken Straßen waren öd und leer.

 

Im Elbstrom überschlugen sich die Wogen,

Mit Heulen kam der Sturm dahergezogen,

Die Pappeln ächzten, tief herausgebogen,

Da keucht ein altes Weib zum Brückenbogen.

 

Am Horizonte flackert fahles Licht,

Als die Sonne durch die Wolken bricht.

Es peitscht der Sturm die schwarzen Wolken fort.

 

Allsichtig strahlt das Licht, es flieht das Dunkel,

Auf Brücke, Ufer und an jedem Ort

erstrahlt das Licht in blendendem Gefunkel.

 

 

Maurice Prendergast, Snow in April
Maurice Brazil Prendergast (1858-1924) war ein US-amerikanischer Aquarellist des Post-Impressionismus.

Tom Thomson, April in Algonquin Park
Tom (Thomas John) Thomson (1877-1917) war ein kanadischer Künstler.

Martin Greif 1839-1911

April

 

Sonnengrüße, Wolkenschauer

Und, noch eh' sich's klären will,

Wiederum verhangne Trauer –

Herz, wie stimmst du zum April!

 

 

Jules Tavernier, April Showers, Napa Valley
Jules Wilhelm Tavernier (1844-1889) war ein französisch-US-amerikanischer Maler, Zeichner und Illustrator. 

 

??? Antonín Machek, Aprilregen, jugend 1930_0263
Antonín Machek (1775-1844) war ein tschechischer Maler des Neoklassizismus und Biedermeier.

 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Aus einem April

 

Wieder duftet der Wald.

Es heben die schwebenden Lerchen

mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern

schwer war;

zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er

leer war, –

aber nach langen, regnenden Nachmittagen

kommen die goldübersonnten

neueren Stunden,

vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten

alle die wunden

Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

 

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser

über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.

Alle Geräusche ducken sich ganz

in die glänzenden Knospen der Reiser.

 

 

Henry Summer Watson, Outing April
Henry Summer Watson (1866-1933) war ein US-amerikanischer Künstler.

Georg Heym 1887-1912

April

 

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht,

Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht.

Zwei große Krähen flattern aufgescheucht

Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht.

 

Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht,

So ruhn die Berge hinten in dem Blau,

Auf die ein feiner Regen niedergeht,

Wie Silberschleier, dünn und zitternd grau.

 

 

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

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Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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