BuchKult
BuchKult

 

Die meisten Bilder können für eine vergrößerte Darstellung angeklickt werden.

Friedrich von Bodelschwingh 1831-1910

 

Nach Hause kommen, das ist es,

was das Kind von Bethlehem

allen schenken will, die weinen,

wachen und wandern auf dieser Erde.

 

 

Hans Andersen Brendekilde, Juleaften uden for Frue Kirke
Hans Andersen Brendekilde (1857-1942) war ein dänischer Maler.
 

Theodor Storm 1817-1888

 

Es wird Weihnachten!

Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen

– versteht sich nach Mutters Rezept –,

und ich sitze sozusagen schon seit Wochen

im Scheine des Tannenbaums.

Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe,

so ist auch der schon halbwegvergoldet.

 

 

Eastman Johnson, Christmas Time
Jonathan Eastman Johnson (1824-1906) war ein amerikanischer Maler.

Friedrich Rückert 1788-1866

Meiner lieben Schwiegertochter Alma

Weihnachten 1865

 

Zeitungsbringerin,

Fliegenwedelschwingerin,

Fehllose Jägerin,

Treffliche Totschlägerin,

Liebe Beleberin,

Kleinmutes Heberin,

Sorgenabwenderin,

Trostredespenderin,

Leidens Abfragerin,

Besserungswahrsagerin,

Leisanschweberin,

Arzeneigeberin,

Stundenmahnerin,

Zeitvertreibsanbahnerin,

Temperaturspürerin,

Feuernachschürerin,

Witterungskünderin,

Lampendochtanzünderin,

Morgenbegrüßerin,

Abendrastversüßerin,

Nachtvorleserin,

Bücheramtsverweserin,

Allzeitunterhalterin,

Gesprächsstoffsentfalterin,

Wunschablauscherin,

Dienstrollentauscherin,

Allesbeschickerin,

Allesüberblickerin,

Allesbestreiterin,

Krankenkostbereiterin,

Festgabebedenkerin,

Weihnachtsentenschenkerin,

Engelverwenderin,

Enkelzuspruchsenderin,

Ordnerin, Schmückerin,

Kopfkissenrückerin,

Pfeifenkopfstopferin,

Flaschenpfropfentpfropferin,

Schlummerbecherfüllerin,

Kalter Knie Umhüllerin,

Nachtruhanwünscherin,

Wenn ich wachensmatt bin,

Heimlich schwach schachmatt bin,

Treue Mitträgerin

Mitpflegerin

Neben deiner Schwägerin,

Schwiegerkind, Söhnerin,

Versöhnerin, Beschönerin,

Unbelohnt Taglöhnerin,

Allzeit frohe Frönerin,

Liebliche Verwöhnerin:

Nimm dies Liebeszeichen hin,

Wie ich dir dankbar bin.

 

Michael Ancher, Christmas Day, 1900
Michael Peter Ancher (1849-1927) war ein dänischer Maler.

Theodor Fontane 1819-1898

Ruhig sein...

 

Ruhig sein, nicht ärgern, nicht kränken,

Ist das allerbeste Schenken;

Aber mit diesem Pfefferkuchen

Will ich es noch mal versuchen.

 

 

Franz

Müller-Münster,

Die Backstube des Weihnachtsmanns, 1906
Franz Müller-Münster (1867-1936) war ein deutscher Maler und Grafiker/Illustrator sowie Mitglied des Vereins Berliner Künstler.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Vom Schenken

 

Schenke groß oder klein,

aber immer gediegen.

Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,

sei dein Gewissen rein.

 

Schenke herzlich und frei.

Schenke dabei,

was in dir wohnt

an Meinung, Geschmack und Humor,

so dass die eigene Freude zuvor

dich reichlich belohnt.

 

Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk,

dass dein Geschenk –

Du selber bist.

 

Lars Jorde, Julegilde
Lars Jorde (1865-1939) war ein norwegischer Maler und Illustrator.

Paula Dehmel 1862-1918

Weihnachtsschnee

 

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,

es riecht nach Weihnachtstorten;

Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd

und backt die feinsten Sorten.

 

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,

sonst nehmt den Operngucker:

die große Himmelsbüchse, seht,

tut Ruprecht ganz voll Zucker.

 

Er streut – die Kuchen sind schon voll –

er streut – na, das wird munter:

er schüttelt die Büchse und streut und streut

den ganzen Zucker runter.

 

Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,

schnell! Zucker schneit es heute!

Fangt auf, holt Schüsseln! – Ihr glaubt es nicht?

Ihr seid ungläubige Leute!

 

 

Gustave Doré, Christmas Eve
Paul Gustave Doré (1832-1883) war ein französischer Maler und Grafiker, der sich vor allem als Illustrator einen Namen machte.
 

Anna Ritter 1865-1921

Vom Christkind

 

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn!

Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,

mit rot gefrorenem Näschen.

Die kleinen Hände taten ihm weh;

denn es trug einen Sack,

der war gar schwer,

schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?

Ihr Naseweise, Ihr Schelmenpack -

denkt ihr, er wäre offen, der Sack?

Zugebunden bis oben hin!

Doch war gewiss was Schönes drin;

es roch so nach Äpfeln und Nüssen.

 

Théophile Schuler, Christkindel et Hans Trapp, 1858
Jules Théophile Schuler (1821-1878) war ein französischer Maler und Illustrator im romantischen Stil.

Emil Weber 1877-1944

Christkinds getreuer Knecht

 

Von grünen Tannen dicht umstellt

liegt still ein Haus am End der Welt.

Darinnen haust auf seine Art

ein alter Mann mit langem Bart.

 

Wenns Winter wird, da gibts zu tun

nicht mal am Abend kann er ruhn

und wenns die ersten Flocken schneit

dann schmunzelt er: "Bald ists so weit".

 

Und eines Abends schwebt ganz sacht

ein Engel nieder durch die Nacht,

er schwebt umglänzt vom goldnen Schein

aufs Häuschen zu und geht hinein.

 

"He, Alter", ruft er "sei bereit

Dezember ists und Weihnachtszeit".

Der Alte streicht den langen Bart

und spricht: "Ich bin bereit zur Fahrt."

 

"Längst fertig sind die Sachen all

der Esel wartet schon im Stall."

Der große, graue, dick vom ruhn

bekommt nun tüchtig was zu tun.

 

Drei große Säcke bis zum Rand

gefüllt, so gehts ins Menschenland.

Drei Tage drauf klopfts bei Euch an,

Du kriegst nen Schreck - der Weihnachtsmann.

 

Walther Caspari, Weihnachtsmann, ca.1905
Walther Caspari (1869-1913) war ein deutscher Maler, Grafiker, Illustrator und Karikaturist.

Paul Richter 1873-1945

Geschichte eines Pfefferkuchenmannes

 

Es war einmal ein Pfefferkuchenmann,

von Wuchse, groß und mächtig,

und was seinen innern Wert betraf,

so sagte der Bäcker: “Prächtig”.

 

Auf dieses glänzende Zeugnis hin

erstand ihn der Onkel Heller

und stellte ihn seinem Patenkind,

dem Fritz, auf den Weihnachtsteller.

 

Doch kaum war mit dem Pfefferkuchenmann

der Fritz ins Gespräch gekommen,

da hatte er schon – aus Höflichkeit –

die Mütze ihm abgenommen.

 

Als schlafen ging der Pfefferkuchenmann,

da bog er sich krumm vor Schmerze:

an der linken Seite fehlte fast ganz

sein stolzes Rosinenherze!

 

Als Fritz tags drauf den Pfefferkuchenmann,

besuchte, ganz früh und alleine,

da fehlten, o Schreck, dem armen Kerl

ein Arm schon und beide Beine!

 

Und wo einst saß am Pfefferkuchenmann

die mächtige Habichtsnase,

da war ein Loch! Und er weinte still

eine bräunliche Sirupblase.

 

Von nun an nahm der Pfefferkuchenmann

ein reißendes, schreckliches Ende:

Das letzte Stückchen kam schließlich durch Tausch

in Schwester Margeretchens Hände.

 

Die kochte als sorgfältige Hausfrau draus

für ihre hungrige Puppe

auf ihrem neuen Spiritusherd

eine kräftige, leckere Suppe.

 

Und das geschah dem Pfefferkuchenmann,

den einst so viele bewundert

in seiner Schönheit bei Bäcker Schmidt,

im Jahre neunzehnhundert.

 

 

Reinhard Pfaehler von Othegraven, Weihnachtsmann
Reinhard Pfaehler von Othegraven (1875-1932) war ein deutscher Maler und Graphiker.

Hermann Lingg 1820-1905

Weihnachtsgedicht

 

Für euch, o Kinder, blüht das Fest der Feste,

Was bringt's wohl diesmal? Welch ein Meer von Licht?

Könnt ihr's erwarten? Wisst, das Allerbeste,

Das habt ihr schon. Das ist's: ihr wisst's noch nicht.

 

Was wir zum Spiel, was wir zum Ernst euch geben,

als reine Freude gebt ihr’s uns zurück.

Das ist das Beste, dass es eurem Leben

noch Wahrheit ist und ungetrübtes Glück.

 

Noch goldne Früchte trägt an seinen Zweigen

Für euch der Tannbaum, der im Wintergraun

Und einsam steht im Wald mit ernstem Schweigen,

Auf den die goldnen Sterne niederschaun.

 

Ein ganzes Jahr mit vielen, vielen Tagen

Erglänzt an dieses Tages Widerschein.

Mög' jeder Ernst euch goldne Früchte tragen

Und jedes Spiel euch lehren, froh zu sein.

 

Robert Weise, Weihnachtszauber, ca. 1908
Robert Weise (1870-1923) war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator. Seine Werke sind durch den französischen Impressionismus beeinflusst, weisen darüber hinaus auch Tendenzen zum Jugendstil auf.

James Krüss 1926-1997

Die Weihnachtsmaus

 

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar –

sogar für die Gelehrten.

Denn einmal nur im ganzen Jahr

entdeckt man ihre Fährten.

 

Mit Fallen und mit Rattengift

kann man die Maus nicht fangen.

Sie ist, was diesen Punkt betrifft,

noch nie ins Garn gegangen.

 

Das ganze Jahr macht diese Maus

den Menschen keine Plage.

Doch plötzlich aus dem Loch heraus

kriecht sie am Weihnachtstage.

 

Zum Beispiel war vom Festgebäck,

das Mutter gut verborgen,

mit einem mal das Beste weg

am ersten Weihnachtsmorgen.

 

Da sagte jeder rundheraus:

Ich hab´ es nicht genommen!

Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,

die über Nacht gekommen.

 

Ein andres Mal verschwand sogar

das Marzipan von Peter;

Was seltsam und erstaunlich war.

Denn niemand fand es später.

 

Der Christian rief rundheraus:

ich hab es nicht genommen!

Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,

die über Nacht gekommen!

 

Ein drittes Mal verschwand vom Baum,

an dem die Kugeln hingen,

ein Weihnachtsmann aus Eierschaum

nebst andren leck`ren Dingen.

 

Die Nelly sagte rundheraus:

Ich habe nichts genommen!

Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,

die über Nacht gekommen!

 

Und Ernst und Hans und der Papa,

die riefen: welche Plage!

Die böse Maus ist wieder da

und just am Feiertage!

 

Nur Mutter sprach kein Klagewort.

Sie sagte unumwunden:

Sind erst die Süßigkeiten fort,

ist auch die Maus verschwunden!

 

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,

sobald der Baum geleert war,

sobald das letzte Festgebäck

gegessen und verzehrt war.

 

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus,

– bei Fränzchen oder Lieschen –

da gäb es keine Weihnachtsmaus,

dann zweifle ich ein bißchen!

 

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!

Das könnte euch so passen!

Was man von Weihnachtsmäusen denkt,

bleibt jedem überlassen.

 

Carl Larsson, Julaftonen, 1904
Carl Olof Larsson (1853-1919) war ein schwedischer Künstler.

Friedrich Rückert 1788-1866

Das Männlein in der Gans

 

Das Männlein ging spazieren einmal

Auf dem Dach, ei seht doch!

Das Männlein ist hurtig, das Dach ist schmal,

Gib acht, es fällt noch.

Eh' sich's versieht, fällt's vom Dach herunter

Und bricht den Hals nicht, das ist ein Wunder.

 

Unter dem Dach steht ein Wasserzuber,

Hineinfällt's nicht schlecht;

Da wird es nass über und über,

Ei, das geschieht ihm recht.

Da kommt die Gans gelaufen,

Die wird's Männlein saufen.

 

Die Gans hat's Männlein 'nuntergeschluckt,

Sie hat einen guten Magen;

Aber das Männlein hat sie doch gedruckt,

Das wollt' ich sagen.

Da schreit die Gans ganz jämmerlich;

Das ist der Köchin ärgerlich.

 

Die Köchin wetzt das Messer,

Sonst schneidt's ja nicht:

Die Gans schreit so, es ist nicht besser,

Als dass man sie sticht;

Wir wollen sie nehmen und schlachten

Zum Braten auf Weihnachten.

 

Sie rupft die Gans und nimmt sie aus

Und brät sie,

Aber das Männlein darf nicht 'raus,

Versteht sich.

Die Gans wird eben gebraten;

Was kann's dem Männlein schaden?

 

Weihnachten kommt die Gans auf den Tisch

Im Pfännlein;

Der Vater tut sie 'raus und zerschneid't sie frisch.

Und das Männlein?

Wie die Gans ist zerschnitten,

Kriecht's Männlein aus der Mitten.

 

Da springt der Vater vom Tisch auf,

Da wird der Stuhl leer;

Da setzt das Männlein sich drauf

Und macht sich über die Gans her.

Es sagt: »Du hast mich gefressen,

Jetzt will ich dafür dich essen.«

 

Da isst das Männlein gewaltig drauf los,

Als wären's seiner sieben;

Da essen wir alle dem Männlein zum Trotz,

Da ist nichts übergeblieben

Von der ganzen Gans, als ein Tätzlein,

Das kriegen dort hinten die Kätzlein.

 

Nichts kriegt die Maus,

Das Märlein ist aus.

Was ist denn das?

Ein Weihnachts-Spaß;

Aufs Neujahr lernst

Du, was?

Den Ernst.

 

 

Kate Greenaway, Christmas Eve, a Visit from Father Christmas
Kate Greenaway (Catherine Greenaway) (1846-1901) war eine englische Aquarellmalerin und Illustratorin von Kinderbüchern.

Wilhelm Busch 1832-1908

Der Stern

 

Hätt einer auch fast mehr Verstand

als wie die drei Weisen aus Morgenland

und ließe sich dünken, er wär wohl nie

dem Sternlein nachgereist wie sie;

dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,

fällt auch auf sein verständig Gesicht,

er mag es merken oder nicht,

ein freundlicher Strahl

des Wundersterns von dazumal.

 

Mykola Pymonenko, Carols
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde,[1] Schöpfer zahlreicher Genrebilder,[2] und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki.

Anna Ritter 1865-1921

Weihnachten

 

Weißer Flöckchen Schwebefall,

Stille Klarheit überall,

Glockenklang und Schellenklingen,

Mäulchen, die vom Christkind singen,

Flammen, die von grünen Zweigen

Gläubig, strahlend aufwärts steigen,

Und im tiefsten Herzen drinnen

Ein Erinnern, ein Besinnen …

 

Neige dich, mein Herz, und bete,

Daß das Christkind zu dir trete,

Auch in deiner Schwachheit Gründen

Eine Flamme zu entzünden,

Die das Ringen Deiner Tage

Gläubig strahlend aufwärts trage.

 

 

Ernst Ferdinand Oehme,

Stille Nacht, Meißen im Winter, Dresden, Gemälde Galerie Neue Meister Albertinum
Ernst Ferdinand Oehme (1797-1855) war ein der deutschen Romantik zuzurechnender Maler.
 

Unbekannter Autor aus dem Mittelalter

Es ist ein Reis entsprungen

 

Es ist ein Reis (Ros') entsprungen

Aus einer Wurzel zart.

Wie uns die Alten sungen,

Aus Jesse kam die Art

Und hat ein Blümlein bracht,

Mitten im kalten Winter,

Wohl zu der halben Nacht.

 

Das Röslein das ich meine,

Davon Jesaias sagt:

Ist Maria, die Reine,

Die uns das Blümlein bracht.

Aus Gottes ew'gen Rat

Hat sie ein Kind geboren

Und blieb ein' reine Magd.

 

Den Hirten auf dem Felde

Verkünd't das englisch' Heer,

Wie zur selbigen Stunde

Christus geboren wär'

Zu Bethle'm in der Stadt,

Da sie das Kindlein finden,

Wie ihn'n der Engel g'sagt.

 

Das Blümelein so kleine,

Das duftet uns so süß,

Mit seinem hellen Scheine

Vertreibt's die Finsternis.

Wahr' Mensch und wahrer Gott,

Hilf uns aus allem Leide,

Rettet von Sünd' und Tod.

 

Wir bitten dich von Herzen,

O Heiland, edles Kind,

Durch alle deine Schmerzen,

Wann wir fahren dahin

Aus diesem Jammertal,

Du wollest uns geleiten

Bis in der Engel Saal.

 

O Jesu, bis zum Scheiden

Aus diesem Jammertal

Laß Dein Hilf uns geleiten

Hin in den Freudensaal,

In Deines Vaters Reich,

Da wir Dich ewig loben.

O Gott, uns das verleih.

 

Clarence Gagnon, Christmas Mass, 1933
Clarence Gagnon (1881–1942) war ein kanadischer Maler.

Christoph von Schmid 1768-1854

Das Licht in Bethlehem

 

Es wird so hell dort in der Luft

Und mitten in der Nacht;

Es strömt ein himmlisch süßer Duft

Herab zur Hirtenwacht.

 

Ein unbeschreiblich schönes Lied

Ertönt von oben her;

Der Hirten Aug, wies aufwärts sieht,

Erblickt der Engel Heer.

 

Da bliebe keiner wohl zurück

Bei diesem Festbesuch;

Ein Kindlein locket ihren Blick,

Gehüllt in leinen Tuch.

 

In einer Krippe liegt es da,

Ein neugebornes Kind.

Die Engel singen: Gloria!

Sing auch, du liebes Kind!

 

Das Kindlein hat dir Gott geschenkt,

Es ist sein eigner Sohn!

Ei, wer hat ihm das Herz gelenkt

Auf seinem hohen Thron?

 

Du glaubst es nicht, wie er dich liebt,

Mein Kind, o freu dich doch!

Wenn er sein Kostbarstes dir gibt,

Was fehlet dir dann noch?

 

Stepan Kolesnikov, Christmas Eve
Stepan Fedorovitch Kolesnikoff (1879-1955) war ein realistischer Maler, der in Russland geboren wurde und den größten Teil seines Lebens in Serbien verbrachte.

Salomon Franck 1659-1725

Bereitet die Wege

 

Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!

Bereitet die Wege

und machet die Stege

im Glauben und Leben

dem Höchsten ganz eben,

Messias kömmt an!

 

Das Gedicht ist auch bekannt als Kantate von Johann Sebastian Bach (BWV 132). Er hat sie im Jahre 1715, während seiner Zeit als Konzertmeister am Weimarer Hof, komponiert. Der Hofdichter Salomon Franck hat im selben Jahr den Text dazu verfasst.

 

Andrej Mironov, Now God was born
Andrej Nikolajewitsch Mironow (1975-) ist ein russischer Maler.

Joseph Freiherr von Eichendorff 1788-1857

Weihnachten

 

Markt und Straßen stehn verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh' ich durch die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.

 

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

 

Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus in's freie Feld,

Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!

 

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schneees Einsamkeit

Steigt's wie wunderbares Singen –

O du gnadenreiche Zeit!

 

Frits Thaulow, Christmas Midnight Mass
Frits Thaulow, eigentlich Johan Frederik Thaulow (1847-1906), war ein norwegischer Maler des 19. Jahrhunderts.

Adelheid Humperdinck-Wette 1858-1916

Weihnachten

 

Leise weht's durch alle Lande

wie ein Gruß vom Sternenzelt,

schlinget neue Liebesbande

um die ganze weite Welt.

 

Jedes Herz mit starkem Triebe

ist zu Opfern froh bereit,

denn es naht das Fest der Liebe,

denn es naht die Weihnachtszeit.

 

Und schon hat mit tausend Sternen

sich des Himmels Glanz entfacht,

leise tönt aus Himmelsfernen

Weihgesang der heil'gen Nacht.

 

Hell aus jedem Fenster strahlet

wundersam des Christbaums Licht,

und der Freude Schimmer malet

sich auf jedem Angesicht.

 

Lichte Himmelsboten schweben

ungeseh'n von Haus zu Haus;

selig Nehmen, selig Geben

geht von ihrer Mitte aus.

 

O willkommen, Weihnachtsabend,

allen Menschen, groß und klein!

Friedebringend, froh und labend

mögst du allen Herzen sein!

 

Franz Hecker, Weihnachtsabend
Franz Hecker (1870-1944) war ein deutscher Maler und Graphiker. Seine Ausbildung erhielt er von 1890 bis 1893 an der Kunstakademie Düsseldorf, an der er unter anderem Fritz Overbeck, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler kennenlernte und seither oft die Künstlerkolonie Worpswede besuchte.

Hermann Hesse 1877-1962

Weihnachten

 

Ich sehn' mich so nach einem Land

der Ruhe und Geborgenheit

Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,

als ich den Sternenhimmel weit

und klar vor meinen Augen sah,

unendlich großes Weltenall.

Und etwas dann mit mir geschah:

Ich ahnte, spürte auf einmal,

daß alles: Sterne, Berg und Tal,

ob ferne Länder, fremdes Volk,

sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl,

daß Regen, Schnee und jede Wolk,

daß all das in mir drin ich find,

verkleinert, einmalig und schön

Ich muß gar nicht zu jedem hin,

ich spür das Schwingen, spür die Tön'

ein's jeden Dinges, nah und fern,

wenn ich mich öffne und werd' still

in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,

der all dies schuf und halten will.

Ich glaube, daß war der Moment,

den sicher jeder von euch kennt,

in dem der Mensch zur Lieb' bereit:

Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

 

George Inness, Christmas Eve
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Elisabeth Dauthendey 1854-1943

Weihnacht

 

Ein Augenblick im Meer der Zeiten,

In dem die stillen Stimmen tönen,

Die sonst der Tag verdeckt mit seinem lauten schrei'n

Der Augenblick, indem die Kerzen brennen,

Die heiligen Kerzen, die der Liebe leuchten,

Da jedes Herz es ahnt was Friede sei. -

 

In dieser Stille zwischen heut und morgen,

In dieser Handvoll weniger Minuten,

Besinnt der Mensch sich auf sein tiefstes Glück

Lauscht auf die leise Melodie der Liebe -

Und geht dann neu zu seinem Tag zurück.

 

Unbekannter Künstler, Christmas Eve

Gustav Falke 1853-1916

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen

 

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen

und wecken Freude in allen Herzen.

Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,

was sollen wir singen, was sollen wir sagen?

Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste

vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!

Wir wollen euch danken für alle Gaben

und wollen euch immer noch lieber haben.

 

 

Henry Mosler, Christmas Morning, 1916
Henry Mosler (1841-1920) war ein US-amerikanischer Maler, Holzschneider und Illustrator.
 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Weihnachten

 

Zwar ist das Jahr an Festen reich,

Doch ist kein Fest dem Feste gleich,

Worauf wir Kinder Jahr aus Jahr ein

Stets harren in süßer Lust und Pein.

 

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,

Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!

Wenn der heilige Christ in jedem Haus

Theilt seine lieben Gaben aus.

 

Und ist das Häuschen noch so klein,

So kommt der heilige Christ hinein,

Und Alle sind ihm lieb wie die Seinen,

Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.

 

Der heilige Christ an Alle denkt,

Ein Jedes wird von ihm beschenkt.

Drum laßt uns freu'n und dankbar sein!

Er denkt auch unser, mein und dein.

 

Sergey Dosekin, Vorbereitung auf Weihnachten
Sergey Vasilievich Dosekin (1869 - c.1916) war ein russischer Maler.

Jakob Loewenberg 1856-1929

Weihnachten bei den Großeltern

 

Heut abend, als wir zu euch gingen,

da war in der Luft ein leises Klingen,

da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,

als ob man in einem Tannenwald wär,

da huschte vorüber und ging nicht aus

ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.

 

Der Mond kam über die Dächer gesprungen:

„Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?

Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?“

und lachte uns an mit vollem Schein.

 

Da lachten wir wieder: „Du alter Klöner,

heut abend ist alles anders und schöner.

Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,

da wirst du ein blaues Wunder sehn.“

 

Da sprang er leuchtend uns voran,

bei diesem Hause hielt er an.

Wir gingen hinein mit froher Begier,

und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.

 

 

Edmund Koken, Weihnachtsabend
Johann Gottfried Edmund Koken (1814-1872) war ein deutscher Landschafts- und Porträtmaler.
 

Christian Morgenstern 1871-1914

Winternacht

 

Es war einmal eine Glocke,

die machte baum, baum…

Und es war einmal eine Flocke,

die fiel dazu wie im Traum…

Die fiel dazu wie im Traum…

Die sank so leis hernieder,

wie ein Stück Engleingefieder

aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,

die machte baum, baum…

Und dazu fiel eine Flocke,

so leis als wie ein Traum…

So leis als wie ein Traum…

Und als vieltausend gefallen leis,

da war die ganze Erde weiß,

als wie von Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß,

als wie von Engleinflaum.

 

 

George Hitchcock,

A Dream of Christmas
George Hitchcock (1850-1913) war ein US-amerikanischer Maler.
 

Ada Christen 1939-1901

Hörst auch du die leisen Stimmen

 

Hörst auch du die leisen Stimmen

aus den bunten Kerzlein dringen?

Die vergeßenen Gebete

aus den Tannenzweiglein singen?

Hörst auch du das schüchternfrohe,

helle Kinderlachen klingen?

Schaust auch du den stillen Engel

mit den reinen, weißen Schwingen?...

Schaust auch du dich selber wieder

fern und fremd nur wie im Traume?

Grüßt auch dich mit Märchenaugen

deine Kindheit aus dem Baume?...

 

 

Johann Friedrich Perlberg, Weihnachtsabend in Nürnberg
Johann Friedrich Perlberg (1848–1921) war ein deutscher Maler.

Theodor Storm 1817-1888

Weihnachtsabend

 

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,

Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus,

Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl

Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

 

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,

Drang mir ein heiser Stimmlein an das Ohr:

»Kauft, lieber Herr!« Ein magres Händchen hielt

Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

 

Ich schrak empor, und beim Laternenschein

Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;

Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,

Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

 

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,

Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:

»Kauft, lieber Herr!« den Ruf ohn Unterlaß

Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

 

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,

Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?

Eh meine Hand zu meiner Börse kam,

Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

 

Doch als ich endlich war mit mir allein,

Erfaßte mich die Angst im Herzen so,

Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein

Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

 

 

John Everett Millais, Christmas Eve
Sir John Everett Millais (1829-189) war ein britischer Maler aus dem Kreis der Präraffaeliten.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Weihnachten

 

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,

mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.

Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle

schöne Blumen der Vergangenheit.

 

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,

und das alte Lied von Gott und Christ

bebt durch Seelen und verkündet leise,

dass die kleinste Welt die größte ist.

 

Christian Krohg, Seamstress Christmas Eve
Christian Krohg (1852-1925) war ein norwegischer Genremaler, Autor und Journalist.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Der armen Kinder Weihnachtslied

 

Hört, schöne Herrn und Frauen,

Die ihr im Lichte seid:

Wir kommen aus dem Grauen,

Dem Lande Not und Leid;

Weh tun uns unsre Füße

Und unsre Herzen weh,

Doch kam uns eine süße

Botschaft aus Eis und Schnee.

Es ist ein Licht erglommen,

Und uns auch gilt sein Schein.

Wir habens wohl vernommen:

Das Christkind ist gekommen

Und soll auch uns gekommen sein.

 

Drum gehn wir zu den Orten,

Die hell erleuchtet sind,

Und klopfen an die Pforten:

Ist hier das Christuskind?

Es hat wohl nicht gefunden

Den Weg in unsre Nacht,

Drum haben wir mit wunden

Füßen uns aufgemacht,

Daß wir ihm unsre frommen

Herzen und Bitten weihn.

Wir habens wohl vernommen:

Das Christkind ist gekommen

Und soll auch uns gekommen sein.

 

So laßt es uns erschauen,

Die ihr im Lichte seid!

Wir kommen aus dem Grauen,

Dem Lande Not und Leid;

Wir kommen mit wunden Füßen,

Doch sind wir trostgemut:

Wenn wir das Christkind grüßen,

Wird alles, alles gut.

Der Stern, der heut erglommen,

Gibt allen seinen Schein:

Das Christkind ist gekommen! -

Die ihr es aufgenommen,

O, laßt auch uns zu Gaste sein!

 

John Ritchie, Christmas Day
John Ritchie (1828–1905) war ein britischer Maler.

Leon Vandersee* ?-1907

Heilige Nacht

 

Wieder flammen durch die Nacht

helle Christbaumkerzen,

und ein Kinderheimweh zieht

in die Menschenherzen.

 

Alte, liebe, fromme Lieder

klingen nah und weit,

leise rauschen Engelsschwingen -

o du selige Zeit!

 

Wenn die Liebesrosen blühn

an den grünen Zweigen,

kommt Erinnrung heimlich sacht

auf beschneiten Steigen.

 

Bringt verlorner Kinderträume

fernes Licht zurück,

sehnsuchtsbangen, müden Seelen,

einen Strahl vom Glück.

 

Christnachtwunder! Duft und Glanz

säumt der Menschheit Pfade:

Sei gegrüßt, du heilige Nacht,

Weihnacht, Fest der Gnade!

 

*Leon Vandersee ist das Pseudonym

von Helene von Tiedemann

 

Arthur Hughes, A Christmas Carol at Bracken Dene, Birmingham Museum and Art Gallery
Arthur Hughes (1832-1915) war ein britischer Illustrator und Maler aus der Gruppe der Präraffaeliten.

Katalanisches Weihnachtslied

Der Gesang der Vögel

 

Während sie aufgehen sehen

das kräftigste Licht

in der glückseligsten Nacht

beginnen die Vöglein singend

zu feiern

mit ihren zierlichen Stimmen.

 

Und der Kaiseradler

fliegt in den Himmel hinauf

singt eine Melodie

und spricht: – Jesus ist geboren,

um von uns die Sünde wegzunehmen

und uns große Freude zu geben.

 

Ihm antwortete der Sperling:

Die Weihnachtsnacht heute

ist eine Nacht großer Freude!

Der Grünfink und der Zeisig

sprechen auch singend:

Oh, welche Freude fühle ich!

 

Und der Hänfling, singt:

Oh, wie schön und wie hübsch

ist das Kind der Maria!

Diesem antwortet nun die Singdrossel

Besiegt ist der Tod

und mein Leben wird geboren!

 

Die Nachtigall murmelt:

Er ist schöner als die Sonne,

funkelnder

als ein Stern

Der Rotschwanz und das Schwarzkehlchen

feiern den Sanften

und (ebenso) seine Mutter, die Jungfrau.

 

Das Goldhähnchen zwitschert

zum Ruhme des Herren,

es trillert in Bizarrheit.

Der Kanarienvogel folgt (diesem Beispiel)

Ihre Musik ertönt (erscheint)

als eine himmlische Melodie.

 

Es tritt die Heidelerche herein

und sagt: Ihr Vögel, kommt,

die Morgenröte zu feiern.

Die Amsel, pfeifend,

feierte immerzu

ihre allerhöchste Herrin.

 

Die Kohlmeise sagt:

Es ist nicht mehr Winter und auch nicht Sommer.

Es ist nur noch Frühling.

Eine Blume ist geboren,

die einen solchen Duft verströmt,

dass dieser die ganze Erde erfüllt.

 

Das Frankolinhuhn sang:

Ihr Vögel, wer will kommen,

heute, bei Tagesanbruch

unseren großen Herrn zu sehen

mit seinem großen Glanz

in einem Stall?

 

Spechte und Gimpel

fliegen zwischen den Obstbäumen hin und her,

und singen ihre Freuden heraus.

Die Wachtel und der Kuckuck

sind von weit her gekommen,

um den Messias zu betrachten.

 

Der Wiedehopf kommt und pfeift:

Diese Nacht ist gekommen

der König der allergrößten Würde.

Die Turteltaube und die Taube

reizten alle zur Verwunderung

durch ihr Singen ohne jede Traurigkeit.

 

Und das Rebhuhn singt:

Ich beginne, mein Nest zu bauen,

in diesen Stall,

um das Kind gut sehen zu können,

wie es zittert

in den Armen Marias.

 

Die Elster, die Misteldrossel und der Eichelhäher

rufen: Jetzt kommt der Mai!

Der Stieglitz antwortet:

Alle Bäume ergrünen wieder,

alle Pflanzen blühen,

als ob es Frühling wäre.

 

Der Buchfink trillert:

Gloria heute und morgen;

ich fühle außerordentliche Freude

diesen Diamanten sehen zu dürfen,

so schön und brillant

in den Armen Marias.

 

Die Zwergohreule und auch der Steinkauz,

als sie die Sonne aufgehen sehen,

ziehen sich verwirrt zurück;

der Waldkauz und der Uhu

sprechen: Wir können nicht schauen;

solcher Glanz versetzt uns in Verwunderung.

 

 

El cant dels ocells (katalanisch für ‚Der Gesang der Vögel‘) ist ein altes Volks- und Weihnachtslied aus Katalonien. In diesem Lied feiern mehr als dreißig kleine und große Vogelarten die Geburt Christi. Das Lied ist in der Melodie feierlich getragen, in einem Moll-Ton gesetzt und umfasst einen sehr großen Notenumfang.

 

Der berühmte Cellist Pau Casals (1876-1973, auch als Pablo Casals bekannt) befand sich während des Franco Regimes als Katalane im Exil und beendete in dieser Zeit alle seine Konzerte mit dem Volkslied ‘El cant dels ocells ’. Das wehmütige in Moll gesetzte ‘Lied der Vögel’ wurde dadurch zum Symbol und Hoffnungsträger, zum Licht, das aus dem Schatten herausführt.
 

Link zu YouTube

Pablo Casals, Das Lied der Vögel, hier gespielt von Anna Abbühl, Cello

 

 

Dante Gabriel Rossetti,

A Christmas Carol, 1867
Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) war ein britischer Dichter und Maler, der in beiden Künsten gleichermaßen begabt war. Er war wegen seiner dominierenden und charismatischen Persönlichkeit die treibende Kraft der Präraffaeliten.
 

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Friede auf Erden

 

Da die Hirten ihre Herde

ließen und des Engels Worte

trugen durch die enge Pforte

zu der Mutter und dem Kind

fuhr das himmlische Gesind

fort, im Sternenraum zu singen,

fuhr der Himmel fort zu klingen:

»Friede, Friede! auf der Erde!«

 

Seit die Engel so geraten,

o wie viele blutge Taten

hat der Streit auf wildem Pferde,

der geharnischte, vollbracht!

In wie mancher heilgen Nacht

sang der Chor der Geister zagend

dringlich flehend, leis verklagend:

»Friede, Friede! auf der Erde!«

 

Doch es ist ein ewger Glaube,

dass der Schwache nicht zum Raube

jeder frechen Mordgebärde

werde fallen allezeit:

Etwas wie Gerechtigkeit

webt und wirkt in Mord und Grauen,

und ein Reich will sich erbauen,

das den Frieden sucht der Erde.

 

Mählich wird es sich gestalten,

seines heilgen Amtes walten,

Waffen schmieden ohne Fährde,

Flammenschwerter für das Recht,

und ein königlich Geschlecht

wird erblühn mit starken Söhnen,

dessen helle Tuben dröhnen:

Friede, Friede auf der Erde!

 

 

Edwin Deakin, Christmas Morning, Hotel de Cluny
Edwin Deakin (1838-1923) war ein britisch-amerikanischer Künstler, der vor allem für seine romantischen Landschaften und seine Architekturstudien bekannt war.
 

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Es gibt so wunderweiße Nächte

 

Es gibt so wunderweiße Nächte,

drin alle Dinge Silber sind.

Da schimmert mancher Stern so lind,

als ob er fromme Hirten brächte

zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube

bestreut, erscheinen Flur und Flut,

und in die Herzen, traumgemut,

steigt ein kapellenloser Glaube,

der leise seine Wunder tut.

 

Armand Guéry, Midnight Mass, Christmas Night in Bertincourt, Champagne
Armand Guéry (1853-1912) war ein französischer Künstler.

Max Dauthendey 1867-1918

Weihnachten

 

Die eisige Straße mit Schienengeleisen,

Die Häusermasse in steinernen Reih'n,

Der Schnee in Haufen, geisterweißen,

Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein.

 

Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen,

Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn;

Bekreuzen die Brust, kaum dass sie sich regen,

Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn.

 

Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten,

Umgeben von Mutter und Hirten und Stall,

Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten,

Liegt da wie im Mittelpunkte des All.

 

Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren,

Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht,

Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren,

Knien tausend und tausend Jahr im Gebet.

 

Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen;

Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief,

Siehst du sie atmen mit behutsamen Herzen

Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.

 

Firmin Baes, Weihnachtsszene
Firmin Baes (1874-1943) war ein belgischer Maler, Pastellkünstler, Zeichner und Druckdesigner.

Clemens Brentano 1778-1842

Kein Sternchen mehr funkelt

 

Kein Sternchen mehr funkelt,

Tief nächtlich umdunkelt

Lag Erde so bang;

Rang seufzend mit Klagen

Nach leuchtenden Tagen,

Ach! harren ist lang.

 

Als plötzlich erschlossen,

Vom Glänze durchgossen,

Der Himmel erglüht;

Es sangen die Chöre:

Gott Preis und Gott Ehre!

Erlösung erblüht.

 

Es sangen die Chöre:

Den Höhen sei Ehre,

Dem Vater sei Preis,

Und Frieden hienieden,

Ja Frieden, ja Frieden

Dem ganzen Erdkreis!

 

Wir waren verloren,

Nun ist uns geboren,

Was Gott uns verhieß,

Ein Kindlein zum Lieben,

Und nie zu betrüben,

Ach, Lieb ist ja süß!

 

O segne die Zungen,

Die mit mir gesungen,

Du himmlisches Kind!

Und laß dir das Lallen

Der Kinder gefallen,

So lieblich und lind.

 

O Friede dem Zorne,

O Röschen, dem Dorne

So lieblich erblüht;

Süß lallende Lippe

Des Kinds in der Krippe,

Dir gleicht wohl dies Lied.

 

Fedot Syckov, Sternsinger
Fedot Vasilievich Sychkov (1870-1958) war ein russischer Maler.

Martin Greif 1839-1911

Der Sunnwendmann

 

»Der Sunnwendmann,

wo kommt er her?«

Über Wiesen und Felder,

über Berge und Wälder,

vom weiten, weiten Meer,

da kommt er her.

 

»Der Sunnwendmann,

wie zieht er ein?«

Auf leuchtendem Schimmel,

wie die Sonn' am Himmel,

voll spiegelndem Schein,

so zieht er ein.

 

»Der Sunnwendmann,

was bringt er mit?«

Gar köstliche Gaben

für Mädchen und Knaben,

die guter Sitt';

das bringt er mit.

 

»Der Sunnwendmann,

wie teilt er's aus?«

Er legt sie verstohlen,

wo leicht sie zu holen,

ans Fenster, vors Haus,

so teilt er's aus.

 

 

Albert Ludovici jr., Christmas Fancy Dress
Albert Ludovici jr. (1852-1932) war ein britischer Maler.
 

Hanns von Gumppenberg 1866-1928

Christbaumnüsse

 

Kehrt der Weihnachtsabend wieder,

Friedvoll und verheißungshold,

Schmückt man viele tauben Nüsse

Festlich mit dem Flittergold.

 

Und die goldnen Nüsse leuchten

Herrlich in dem Lichtermeer,

Wundersame Märchenfrüchte –

Innen aber sind sie leer.

 

Und wie reich die schönen schimmern

So von außen, so von fern,

Höher wären sie zu schätzen,

Bärgen sie den süßen Kern:

 

Dienten sie nicht blos den Träumen

Eine Stunde oder zwei,

Gäben sie auch brav zu zehren,

Wenn das Friedensfest vorbei.

 

 

Franz Skarbina, Bethlehemskirche, Böhmische Kirche an Heilig Abend
Franz Skarbina (1849-1910) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner, Radierer und Illustrator.

Hugo von Hofmannsthal 1874-1929

Weihnacht

 

Weihnachtsgeläute

Im nächtigen Wind ...

Wer weiß, wo heute

Die Glocken sind,

Die Töne von damals sind?

 

Die lebenden Töne

Verflogener Jahr'

Mit kindischer Schöne

Und duftendem Haar,

Mit tannenduftigem Haar,

 

Mit Lippen und Locken

Von Träumen schwer? ...

Und wo kommen die Glocken

Von heute her,

Die wandernden heute her?

 

Die kommenden Tage,

Die wehn da vorbei.

Wer hörts, ob Klage,

Ob lachender Mai,

Ob blühender, glühender Mai? ...

 

Erik Henningsen, Christmas Time, Copenhagen
Erik Ludvig Henningsen (1855-1930) war ein dänischer Maler und Illustrator.

Hermann Hesse 1877-1962

In Weihnachtszeiten

 

In Weihnachtszeiten reis’ ich gern

und bin dem Kinderjubel fern

und geh’ in Wald und Schnee allein.

Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,

trifft meine gute Stunde ein,

dass ich von allem, was da war,

auf einen Augenblick gesunde

und irgendwo im Wald für eine Stunde

der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn

und wieder Knabe bin…

 

 

Gustave Brion, Christmas Singers
Gustave Adolphe Brion (1824-1877) war ein französischer Maler des Realismus.

Wilhelm Lobsien 1872-1947

Am Abend vor Weihnachten

 

Dämmerstille Nebelfelder,

Schneedurchglänzte Einsamkeit,

Und ein wunderbarer weicher

Weihnachtsfriede weit und breit.

 

Nur mitunter, windverloren,

Zieht ein Rauschen durch die Welt.

Und ein leises Glockenklingen

Wandert übers stille Feld.

 

Und dich grüßen alle Wunder,

Die am lauten Tag geruht,

Und dein Herz singt Kinderlieder,

Und dein Sinn wird fromm und gut.

 

Und dein Blick ist voller Leuchten,

Längst Entschlaf'nes ist erwacht ...

Und so gehst du durch die stille

Wunderweiche Winternacht.

 

 

Adolph Tidemand, Traditions of Christmas, Juleskikk
Adolph Tidemand (1814-1876) war ein norwegischer Maler der Düsseldorfer Schule und der führende Genremaler der norwegischen Nationalromantik.
 

Gertrud von le Fort 1876-1971

Weihnacht

 

Nicht auf die Präzision,

mit der wir unsere Apparate bedienen,

nicht auf die geschickte Ordnung,

mit der wir unseren Verkehr meistern,

sondern auf unser Herz, das sich öffnet,

auf unsere Ohren, die lauschen,

auf unsere Hände, die einander finden

und sich falten können, kurz:

Auf das eigentlich Menschliche des

Menschen kommt es in der Christnacht an.

Und im tiefsten Grunde wissen wir das auch.

Nur wenn wir den Menschen in uns retten,

kann sich Gott im Menschen offenbaren.

 

Henry John Yeend King, Twas the Night Before Christmas
Henry John Yeend King (1855-1924) war ein britischer Maler.

Theodor Fontane 1819-1898

Zum 24. Dezember 1890

 

Noch einmal ein Weihnachtsfest,

immer kleiner wird der Rest,

aber nehm ich so die Summe,

alles Grade, alles Krumme,

alles Falsche, alles Rechte,

alles Gute, alles Schlechte –

rechnet sich aus all dem Braus

doch ein richtig Leben raus.

Und dies können ist das Beste

wohl bei diesem Wiegenfeste.

 

Fritz von Uhde, Winterlandschaft - Der Heilige Abend, 1890
Fritz von Uhde (1848-1911) war ein sächsischer Kavallerieoffizier und Maler. Sein Stil lag zwischen Realismus und Impressionismus.
 

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

Druckversion Druckversion | Sitemap
© BuchKult