BuchKult
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lustiges - kitschiges - garstiges - kritisches - perverses zum fest

 

Fred Barnard, Bob and Timothy Cratchit,

Illustration aus: Dickens, A Christmas Carol
 

A little Weihnachtsgedicht

 

When the snow falls wunderbar,

and the children happy are.

When the Glatteis on the street,

and we all a Glühwein need.

Then you know, es ist soweit.

she is here, the Weihnachtszeit.

 

Every Parkhaus is besetzt,

weil die people fahren jetzt.

All to Kaufhof, Mediamarkt,

kriegen nearly Herzinfarkt.

Shopping hirnverbrannte things,

and the Christmasglocke rings.

 

Mother in the kitchen bakes,

Schoko-, Nuss- and Mandelkeks.

Daddy in the Nebenraum,

schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum.

He is hanging off the balls,

then he from the Leiter falls.

 

Finaly the Kinderlein,

to the Zimmer kommen rein.

And it sings the family

schauerlich: "Oh, Chistmastree!"

And then jeder in the house,

is packing the Geschenke aus.

 

Mama finds unter the Tanne,

eine brandnew Teflon-Pfanne.

Papa gets a Schlips and Socken,

everybody does frohlocken.

President speaks in TV,

all around is Harmonie.

Bis mother in the kitchen runs,

im Ofen burns the Weihnachtsgans.

And so comes die Feuerwehr,

with Tatü, tata daher.

And they bring a long, long Schlauch,

and a long, long Leiter auch.

And they schrei - "Wasser marsch!",

Christmas now is in the Eimer.

 

Merry Christmas, merry Christmas,

Hear the music, see the lights,

Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,

Merry Christmas allerseits!

 

Autor: unbekannt

 

 

Joseph Christian Leyendecker, I Saw Mommy Kissing Santa Claus
Joseph Christian Leyendecker (1874–1951) war ein US-amerikanischer Zeichner und Illustrator.
 

Victor von Bülow - Loriot

Advent

 

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,

Schneeflöcklein leis herniedersinken.

Auf Edeltännleins grünem Wipfel

läuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort vom Fenster her durchbricht

den dunklen Tann ein warmes Licht.

 

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer

die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht

hat sie den Förster umgebracht.

Er war ihr bei des Heimes Pflege

seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:

am Niklasabend muß es sein.

 

Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,

das Häslein tat die Augen zu,

erlegte sie direkt von vorn

den Gatten über Kimm und Korn.

Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase

zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase

und ruhet weiter süß im Dunkeln,

derweil die Sternlein traulich funkeln.

 

Und in der guten Stube drinnen

da läuft des Försters Blut von hinnen.

 

Nun muß die Försterin sich eilen,

den Gatten sauber zu zerteilen.

Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen

nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied

(was der Gemahl bisher vermied) -,

behält ein Teil Filet zurück

als festtägliches Bratenstück

und packt zum Schluß, es geht auf vier,

die Reste in Geschenkpapier.

 

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,

im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist’s, der in so tiefer Nacht

im Schnee noch seine Runde macht?

Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten

auf einem Hirsch herangeritten!

He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,

die armen Menschen Freude machen?

 

Des Försters Haus ist tiefverschneit,

doch seine Frau steht schon bereit:

Die sechs Pakete, heil’ger Mann,

’s ist alles, was ich geben kann.

Die Silberschellen klingen leise,

Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt,

ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

 

Norman Percevel Rockwell, Christmas Rush - Tired Salesgirl on Christmas Eve
Norman Percevel Rockwell (1894-1978) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator des frühen 20. Jahrhunderts.

Augusta Burchardt-Nienstein 1855-?

Weihnachtshandel

 

Durch die Straßen, laut und hell,

Eilt die Menge froh und schnell,

Einzuhandeln Weihnachtssachen,

Sich und andern Scherz zu machen.

... Wir stehn an der kalten Ecke

Halberfroren auf dem Flecke,

Augen trüb und Wangen blass...

„Lieben Leute, kauft doch was!..."

 

Ach! zu Haus die bittre Not!

Mutter krank und Vater tot!

Niemand hilft und borgt uns mehr,

Und der Hunger schmerzt so sehr!

Glücklich reiche Kinder ziehn

Scharenweis vor uns dahin,

Holen dies und tragen das...

„Lieben Kinder, kauft doch was!..."

 

Für den Baum die schönste Zier

Haben in dem Kästchen wir.

Lichtchen, Kugeln, Goldschaum klar,

Und Christkindleins Silberhaar.

Das blieb in den Tannen hangen,

Als es durch den Wald gegangen,

Glitzernd lags in Busch und Gras...

„Lieben Kinder, kauft doch was!..."

 

Ach, uns brennt kein Weihnachtsbaum,

Dunkel bleibt der Hütte Raum,

Während ihr die Fülle habt,

Kaum ein Stücklein Brot uns labt.

Schuldlos sind wir ausgeschlossen

Wo rings Gaben Überflossen,

Rührt euch nicht die Seele das ?...

„Bitte, bitte, kauft doch was!..."

 

 

W.H. Robinson, Der Geist von Weihnachten in der Regent Street
William Heath Robinson (1872-1944) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner.

Paul Heyse 1839-1914

Advent

 

Am Himmel Wolkenjagd, bleifarb'ge Helle,

In Frost erschauernd lag die Flur, die nackte;

Fern sah herüber spukhaft der Soracte,

Und lautlos schlich die gelbe Tiberwelle.

 

Ein junges Hirtenpaar, in Ziegenfelle

Gehüllt, schritt mit dem Dudelsack im Takte

Dem Tore zu, bis sie die Wache packte

Und unsanft sie hinwegwies von der Schwelle.

 

Erblichen ist in Rom, ihr guten Kinder,

Der Stern, der einst in Bethlehem erglommen.

Der Felsen Petri ward zur schroffen Klippe.

 

Und pochtet ihr am Vatikan, noch minder

Wär' dort die Mahnung an den Stall willkommen,

Wo einst das Heil der Welt lag in der Krippe.

 

 

Carl Reichert, A Christmas Treat
Carl Reichert (auch: Karl Reichert), Pseudonym: J. Hartung (1836-1918) war ein österreichischer Maler, vor allem Landschafts- und Tiermaler.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Großstadt–Weihnachten

 

Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Fluren

die Weihenacht! die Weihenacht!

Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,

wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

 

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?

Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.

Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,

den Aschenbecher aus Emalch glasé.

 

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen

auf einen stillen heiligen Grammophon.

Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen

den Schlips, die Puppe und das Lexikohn,

 

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,

voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,

dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:

»Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!«

 

Und frohgelaunt spricht er vom ›Weihnachtswetter‹,

mag es nun regnen oder mag es schnein,

Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,

die trächtig sind von süßen Plauderein.

 

So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden

in dieser Residenz Christkindleins Flug?

Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …

»Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.«

 

Henriëtte Ronner-Knip, The Christmas Spat
Henriëtte Ronner-Knip (1821-1909) war eine niederländisch-belgische Malerin, Aquarellmalerin und Zeichnerin.

Erich Kästner 1899-1974

Weihnachtslied, chemisch gereinigt

 

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!

Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.

Mutter schenkte euch das Leben.

Das genügt, wenn man's bedenkt.

Einmal kommt auch Eure Zeit.

Morgen ist's noch nicht so weit.

 

Doch ihr dürft nicht traurig werden,

Reiche haben Armut gern.

Gänsebraten macht Beschwerden,

Puppen sind nicht mehr modern.

Morgen kommt der Weihnachtsmann.

Allerdings nur nebenan.

 

Lauft ein bisschen durch die Straßen!

Dort gibt's Weihnachtsfest genug.

Christentum, vom Turm geblasen,

macht die kleinsten Kinder klug.

Kopf gut schütteln vor Gebrauch!

Ohne Christbaum geht es auch.

 

Tannengrün mit Osrambirnen -

lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!

Reißt die Bretter von den Stirnen,

denn im Ofen fehlt's an Holz!

Stille Nacht und heilge Nacht -

Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!

 

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!

Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!

Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!

Gott ist nicht allein dran schuld.

Gottes Güte reicht so weit . . .

Ach, du liebe Weihnachtszeit!

 

 

Father Christmas walks the streets of wartime London. December 1940

Klabund 1890-1928

Berliner Weihnacht 1918

 

Am Kurfürstendamm da hocken zusamm

Die Leute von heute mit großem Tamtam.

Brillanten mit Tanten, ein Frack mit was drin,

Ein Nerzpelz, ein Steinherz, ein Doppelkinn.

Perlen perlen, es perlt der Champagner.

Kokotten spotten: Wer will, der kann ja

Fünf Braune für mich auf das Tischtuch zählen ...

Na, Schieber, mein Lieber? - Nee, uns kanns nich fehlen,

Und wenn Millionen vor Hunger krepieren:

Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

 

Am Wedding ists totenstill und dunkel.

Keines Baumes Gefunkel, keines Traumes Gefunkel.

Keine Kohle, kein Licht ... im Zimmereck

Liegt der Mann besoffen im Dreck.

Kein Geld - keine Welt, kein Held zum lieben ...

Von sieben Kindern sind zwei geblieben,

Ohne Hemd auf der Streu, rachitisch und böse.

Sie hungern - und fressen ihr eignes Gekröse.

Zwei magre Nutten im Haustor frieren:

Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

Es schneit, es stürmt. Eine Stimme schreit: Halt ...

Über die Dächer türmt eine dunkle Gestalt ...

Die Blicke brennen, mit letzter Kraft

Umspannt die Hand einen Fahnenschaft.

Die Fahne vom neunten November, bedreckt,

Er ist der letzte, der sie noch reckt ...

Zivilisten ... Soldaten ... tach tach tach ...

Salvenfeuer ... ein Fall vom Dach ...

Die deutsche Revolution ist tot ...

Der weiße Schnee färbt sich blutrot ...

Die Gaslaternen flackern und stieren ...

Wir wolln uns mal wieder amüsieren ...

 

Hurra! Die Liebesgaben sind da!
Glückliches und gesegnetes Weihnachtsfest!

Erich Mühsam 1878-1934

Weihnachtslied

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum -

sechs Zweiglein sind dein Alles.

So klein und dürr - man sieht dich kaum;

du hast in einem Stiefel Raum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum, du Sinnbild unsres Dalles!

 

O Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann -

du gehst vorbei ins Weite.

Hast ein zerfetztes Röcklein an,

bringst nichts, was Kinder freuen kann.

OWeihnächtsmann, o Weihnachtsmann,

auch dein Geschäft ist pleite.

 

O stille Nacht, o heilige Nacht -

in ungeheizter Stube!

Das Christkind hat sich fortgemacht.

Es schläft das Recht, die Feme wacht.

O stille Nacht, o heilige Nacht,

o Wulle und o Kube!*

 

O Friedensfest, o Liebesfest -

in Not und Angst Millionen! '

Und wer sich's nicht gefallen lässt,

den setzt die Republike fest.

O Friedensfest, o Liebesfest -

meim Rumfutsch oder Bohnen.

 

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

es hungern selbst die Flöhe. -

Doch ob nach Milch der Säugling schreit,

der Stahlhelmbund steht putschbereit. -

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

Hosianna in der Höhe!

 

(* geschrieben 1925; Wulle und Kube waren Deutschnationale.)

 

Ebenezer Scrooge (Jim Carrey)

aus: A Christmas Carol (Regie: Robert Zemeckis, 2009) der Verfilmung der gleichnamigen Erzahlung von Charles Dickens (1843)

Richard Dehmel 1863-1920

Furchtbar schlimm

 

Vater, Vater, der Weihnachtsmann!

Eben hat er ganz laut geblasen,

viel lauter als der Postwagenmann.

Er ist gleich wieder weitergegangen,

und hat zwei furchtbar lange Nasen,

die waren ganz mit Eis behangen.

Und die eine war wie ein Schornstein,

die andre ganz klein wie'n Fliegenbein,

darauf ritten lauter, lauter Engelein,

die hielten eine großmächtige Leine,

und seine Stiefel waren wie Deine.

Und an der Leine, da ging ein Herr,

ja wirklich, Vater, wie'n alter Bär,

und die Engelein machten hottehott;

ich glaube, das war der liebe Gott.

Denn er brummte furchtbar mit dem Mund,

ganz furchtbar schlimm, ja wirklich; und -

 

"Aber Detta, du schwindelst ja,

das sind ja wieder lauter Lügen!"

 

Na, was schad't denn das, Papa?

Das macht mir doch soviel Vergnügen.

"So? - Na ja."

 

Ein glükliches Weihnachten. Ein herzliches Willkommen!

Karte aus dem viktorianischen England

Erich Mühsam 1878-1934

Heilige Nacht

 

Geboren ward zu Bethlehem

ein Kindlein aus dem Stamme Sem.

Und ist es auch schon lange her,

seit's in der Krippe lag,

so freun sich doch die Menschen sehr

bis auf den heutigen Tag.

Minister und Agrarier

Bourgeois und Proletarier –

es feiert jeder Arier

zu gleicher Zeit und überall

die Christgeburt im Rindviehstall.

(Das Volk allein, dem es geschah,

das feiert lieber Chanukka.)

 

 

The Three Wise Men of the West (Christmas 1914)

Klabund 1890-1928

Die heiligen drei Könige

 

Wir sind die drei Weisen aus dem Morgenland,

Die Sonne, die hat uns so schwarz gebrannt.

Unsere Haut ist schwarz, unsere Seel ist klar,

Doch unser Hemd ist besch... ganz und gar.

Kyrieeleis.

 

Der erste, der trägt eine lederne Hos',

Der zweite ist gar am A... bloß,

Der dritte hat einen spitzigen Hut,

Auf dem ein Stern sich drehen tut.

Kyrieeleis.

 

Der erste, der hat den Kopf voll Grind,

Der zweite ist ein unehlich' Kind.

Der dritte nicht Vater, nicht Mutter preist,

Ihn zeugte höchstselbst der heilige Geist.

Kyrieeleis.

 

Der erste hat einen Pfennig gespart,

Der zweite hat Läuse in seinem Bart,

Der dritte hat noch weniger als nichts,

Er steht im Strahl des göttlichen Lichts.

Kyrieeleis.

 

Wir sind die heiligen drei Könige,

Wir haben Wünsche nicht wenige.

Den ersten hungert, den zweiten dürst',

Der dritte wünscht sich gebratene Würst.

Kyrieeleis.

 

Ach, schenkt den armen drei Königen was.

Ein Schöpflöffel aus dem Heringsfass -

Verschimmelt Brot, verfaulter Fisch,

Da setzen sie sich noch fröhlich zu Tisch.

Kyrieeleis.

 

Wir singen einen süßen Gesang

Den Weibern auf der Ofenbank.

Wir lassen an einem jeglichen Ort

Einen kleinen heiligen König zum Andenken dort.

Kyrieeleis.

 

Wir geben euch unseren Segen drein,

Gemischt aus Kuhdreck und Rosmarein.

Wir danken für Schnaps, wir danken für Bier.

Anders Jahr um die Zeit sind wir wieder hier.

Kyrieeleis.

 

 

Ludwig Richter, Die Heiligen Drei Könige
Adrian Ludwig Richter (1803- 1884) war ein bedeutender deutscher Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers.
 

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Epiphaniasfest

 

Die heiligen drei König' mit ihrem Stern,

sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;

sie essen gern, sie trinken gern,

sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.

 

Die heilgen drei König' sind gekommen allhier,

es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;

und wenn zu dreien der vierte wär,

so wär ein heilger drei König mehr.

 

Ich erster bin der weiß' und auch der schön',

bei Tage solltet ihr mich erst sehn!

Doch ach, mit allen Spezerein

werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfreun.

 

Ich aber bin der braun' und bin der lang',

bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.

Ich bringe Gold statt Spezerein,

da werd ich überall willkommen sein.

 

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein',

und mag auch wohl einmal recht lustig sein.

Ich esse gern ich trinke gern,

ich esse, trinke und bedank mich gern.

 

Die heilgen drei König' sind wohlgesinnt,

sie suchen die Mutter und das Kind;

der Joseph fromm sitzt auch dabei,

der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

 

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,

dem Weihrauch sind die Damen hold;

und haben wir Wein von gutem Gewächs,

so trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

 

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,

aber keine Ochsen und Esel schaun;

so sind wir nicht am rechten Ort

und ziehen unseres Weges weiter fort.

 

Fritz Grotemeyer, Das Weihnachtsfest der kaiserlichen Familie im Grottensaal, 1897
Fritz Grotemeyer, eigentlich Friedrich Albert Theresia Grotemeyer (1864-1947) war ein deutscher Illustrator, Porträt-, Historien- und Kriegsmaler.
 

Klabund 1890-1928

Bürgerliches Weihnachtsidyll

 

Was bringt der Weihnachtsmann Emilien?

Ein Strauß von Rosmarin und Lilien.

Sie geht so fleißig auf den Strich.

O Tochter Zions, freue dich!

 

Doch sieh, was wird sie bleich wie Flieder?

Vom Himmel hoch, da komm ich nieder.

Die Mutter wandelt wie im Traum.

O Tannebaum! O Tannebaum!

 

O Kind, was hast du da gemacht?

Stille Nacht, heilige Nacht.

Leis hat sie ihr ins Ohr gesungen:

Mama, es ist ein Reis entsprungen!

Papa haut ihr die Fresse breit.

O du selige Weihnachtszeit!

 

Haddon Sundblom, Santa, 1931
Haddon Sundblom (1999-1976) war ein amerikanischer Grafiker und Cartoonist. Bekannt wurde er vor allem durch seine Bilder des Weihnachtsmanns, die er für die Coca-Cola Company erstellte.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Einsiedlers Heiliger Abend

 

Ich hab’ in den Weihnachtstagen –

Ich weiß auch, warum –

Mir selbst einen Christbaum geschlagen,

Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

 

Ich bohrte ein Loch in die Diele

Und steckte ihn da hinein

Und stellte rings um ihn viele

Flaschen Burgunderwein.

 

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter

Zu sparen, ihn abend noch spät

Mit Löffeln, Gabeln und Trichter

Und anderem blanken Gerät.

 

Ich kochte zur heiligen Stunde

Mir Erbsenuppe und Speck

Und gab meinem fröhlichen Hunde

Gulasch und litt seinen Dreck.

 

Und sang aus burgundernder Kehle

Das Pfannenflickerlied.

Und pries mit bewundernder Seele

Alles das, was ich mied.

 

Es glimmte petroleumbetrunken

Später der Lampendocht.

Ich saß in Gedanken versunken.

Da hat’s an der Tür gepocht.

 

Und pochte wieder und wieder.

Es konnte das Christkind sein.

Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?

Ich aber rief nicht: “Herein!”

 

Ich zog mich aus und ging leise

Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,

Und dankte auf krumme Weise

Lallend dem lieben Gott.

 

 

Thomas Nast, Merry Old Santa Claus
Thomas Nast (1840-1902) war ein deutschamerikanischer Karikaturist. Er wird als Vater des politischen amerikanischen Cartoons angesehen.

Erich Mühsam 1878-1934

Weihnachten

 

Nun ist das Fest der Weihenacht,

das Fest, das alle glücklich macht,

wo sich mit reichen Festgeschenken

Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,

wo aller Hader wird vergessen

beim Christbaum und beim Karpfenessen; --

und Groß und Klein und Arm und Reich, --

an diesem Tag ist alles gleich.

So steht's in vielerlei Varianten

in deutschen Blättern. Alten Tanten

und Wickelkindern rollt die Zähre

ins Taschentuch ob dieser Mähre.

Papa liest's der Familie vor,

und alle lauschen und sind Ohr...

Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt

ein armer Kerl gelesen hat.

Er hob es auf aus einer Pfütze,

dass es ihm hinterm Zaune nütze.

 

Peter Hille 1854-1904

Die Weihnachtsfee

 

Und Frieden auf Erden den Menschen,

die eines guten Willens sind.

 

Suchende Sterne ins eilende Haar,

Frierende Sterne, schmelzend zergangen

Über den wunderfeiernden Wangen,

Und die Augen von Liebe so klar.

 

Wie Glocken klar, wie Reif so rein

Und so duft und so jung und blühend vor Güte

Tau der Frühe himmlische Blüte

Wie Rosen und wie Fliederschnein.

 

Da steigen die Hände, ein bettelndes Meer,

Augen dunkeln nach Geschenken,

Mir! Mir! Mir! Mich musst du bedenken!

So steigen die bettelnden Teller her.

 

Dunkel wird's, ein Wundern steht

Strenge in der Feenseele,

Wie wenn rohe Nacht das Leuchten quäle,

Und Ernst in die Güte der Augen geht.

 

Und es spricht wie klares Licht

Aus dem milden Angesicht:

Geben euch? Was soll ich euch geben,

Alle Wunder habt ihr ja hier,

Eine Erde die könnt hegen ihr,

In euch selber will der Himmel leben.

 

Kinder, ihr wünscht,

So könnt ihr ja geben

Und selig sein und selig machen,

Und innig sein wie Kinderlachen

Und wie wir von Wundern leben.

 

Tuet frohe Liebesgaben

Einer in des anderen Hand,

Tuet ab das Geizgewand

Und ihr pflücket alles Haben.

 

 

Weihnachtliche und winterliche Erfindungen

von William Heath Robinson

W.H. Robinson, Mechanical aids for christmas - the chestnut stuffer

William Heath Robinson (1872-1944) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner. Bekannt wurde er durch seine komischen Zeichnungen von Maschinen, deren Kompliziertheit in keinem Verhältnis zu ihrem banalen Nutzen steht.
 

...und ein paar Cartoons

Und nicht vergessen

 

Wenn die stille Zeit vorbei ist,

dann wird es auch wieder ruhiger !

Karl Valentin

 

Vintage Christmas Illustration

 

 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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