BuchKult
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Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel.

James Henry Leigh Hunt, 1784-1859, englischer Essayist, Dichter und Kritiker

… schöne Bescherung !!!!?

lustiges kitschiges garstiges kritisches perverses zum fest

 

Ebenezer Scrooge (Jim Carrey)

aus: A Christmas Carol (Regie: Robert Zemeckis, 2009), der Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Charles Dickens (1843)
 

Die meisten Leute feiern Weihnachten,

weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

Kurt Tucholsky 1890-1935

 

 

Fred Barnard,

Bob and Timothy Cratchit, Illustration aus:

Charles Dickens,

A Christmas Carol
 

A little Weihnachtsgedicht

Autor unbekannt

 

When the snow falls wunderbar,

and the children happy are.

When the Glatteis on the street,

and we all a Glühwein need.

Then you know, es ist soweit.

she is here, the Weihnachtszeit.

 

Every Parkhaus is besetzt,

weil die people fahren jetzt.

All to Kaufhof, Mediamarkt,

kriegen nearly Herzinfarkt.

Shopping hirnverbrannte things,

and the Christmasglocke rings.

 

Mother in the kitchen bakes,

Schoko-, Nuss- and Mandelkeks.

Daddy in the Nebenraum,

schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum.

He is hanging off the balls,

then he from the Leiter falls.

 

Finaly the Kinderlein,

to the Zimmer kommen rein.

And it sings the family

schauerlich: "Oh, Chistmastree!"

And then jeder in the house,

is packing the Geschenke aus.

 

Mama finds unter the Tanne,

eine brandnew Teflon-Pfanne.

Papa gets a Schlips and Socken,

everybody does frohlocken.

President speaks in TV,

all around is Harmonie.

Bis mother in the kitchen runs,

im Ofen burns the Weihnachtsgans.

And so comes die Feuerwehr,

with Tatü, tata daher.

And they bring a long, long Schlauch,

and a long, long Leiter auch.

And they schrei - "Wasser marsch!",

Christmas now is in the Eimer.

 

Merry Christmas, merry Christmas,

Hear the music, see the lights,

Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,

Merry Christmas allerseits!

 

 

W.H. Robinson,

Der Geist von Weihnachten in der Regent Street
William Heath Robinson (* 31. Mai 1872 in London; † 13. September 1944 ebenda) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner. Bekannt wurde er durch seine komischen Zeichnungen von Maschinen, deren Kompliziertheit in keinem Verhältnis zu ihrem banalen Nutzen steht.
 

Grüßt, ihr Herren, die Damen

… und sagt ihnen,

man könne sogar seine Gefühle

nach dem Kalender regeln:

zum Geburtstag, zum Gedenktag

– und zu Weihnachten.

Aber man muß welche haben.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Die besinnlichen Tage

zwischen Weihnachten und Neujahr

haben schon manchen

um die Besinnung gebracht.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Die schwierigste Aufgabe

des Vaters zu Weihnachten:

Den Kindern klar machen,

daß er der Weihnachtsmann ist,

und der Frau klar machen,

daß er es nicht ist.

Unbekannt

 

I Saw Mommy Kissing Santa Claus

Zu Weihnachten getanzt im Schnee,

zu Ostern Frost im Zeh.

Wilhelm Busch 1832-1908

 

 

Ludwig Richter, Die Heiligen Drei Könige
Adrian Ludwig Richter (1803- 1884) war ein bedeutender deutscher Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers.
 

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Epiphaniasfest

 

Die heiligen drei König' mit ihrem Stern,

sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;

sie essen gern, sie trinken gern,

sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.

 

Die heilgen drei König' sind gekommen allhier,

es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;

und wenn zu dreien der vierte wär,

so wär ein heilger drei König mehr.

 

Ich erster bin der weiß' und auch der schön',

bei Tage solltet ihr mich erst sehn!

Doch ach, mit allen Spezerein

werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfreun.

 

Ich aber bin der braun' und bin der lang',

bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.

Ich bringe Gold statt Spezerein,

da werd ich überall willkommen sein.

 

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein',

und mag auch wohl einmal recht lustig sein.

Ich esse gern ich trinke gern,

ich esse, trinke und bedank mich gern.

 

Die heilgen drei König' sind wohlgesinnt,

sie suchen die Mutter und das Kind;

der Joseph fromm sitzt auch dabei,

der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

 

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,

dem Weihrauch sind die Damen hold;

und haben wir Wein von gutem Gewächs,

so trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

 

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,

aber keine Ochsen und Esel schaun;

so sind wir nicht am rechten Ort

und ziehen unseres Weges weiter fort.

 

Victor von Bülow - Loriot

Advent

 

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,

Schneeflöcklein leis herniedersinken.

Auf Edeltännleins grünem Wipfel

häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort vom Fenster her durchbricht

den dunklen Tann ein warmes Licht.

 

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer

die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht

hat sie den Förster umgebracht.

Er war ihr bei des Heimes Pflege

seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:

am Niklasabend muß es sein.

 

Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,

das Häslein tat die Augen zu,

erlegte sie direkt von vorn

den Gatten über Kimm und Korn.

Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase

zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase

und ruhet weiter süß im Dunkeln,

derweil die Sternlein traulich funkeln.

 

Und in der guten Stube drinnen

da läuft des Försters Blut von hinnen.

 

Nun muß die Försterin sich eilen,

den Gatten sauber zu zerteilen.

Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen

nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied

(was der Gemahl bisher vermied) -,

behält ein Teil Filet zurück

als festtägliches Bratenstück

und packt zum Schluß, es geht auf vier,

die Reste in Geschenkpapier.

 

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,

im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist’s, der in so tiefer Nacht

im Schnee noch seine Runde macht?

Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten

auf einem Hirsch herangeritten!

He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,

die armen Menschen Freude machen?

 

Des Försters Haus ist tiefverschneit,

doch seine Frau steht schon bereit:

Die sechs Pakete, heil’ger Mann,

’s ist alles, was ich geben kann.

Die Silberschellen klingen leise,

Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt,

ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

 

W. H. Robinson, Mechanical aids for christmas the chestnut stuffer
William Heath Robinson (* 31. Mai 1872 in London; † 13. September 1944 ebenda) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner. Bekannt wurde er durch seine komischen Zeichnungen von Maschinen, deren Kompliziertheit in keinem Verhältnis zu ihrem banalen Nutzen steht.

Richard Dehmel 1863-1920

Furchtbar schlimm

 

Vater, Vater, der Weihnachtsmann!

Eben hat er ganz laut geblasen,

viel lauter als der Postwagenmann.

Er ist gleich wieder weitergegangen,

und hat zwei furchtbar lange Nasen,

die waren ganz mit Eis behangen.

Und die eine war wie ein Schornstein,

die andre ganz klein wie'n Fliegenbein,

darauf ritten lauter, lauter Engelein,

die hielten eine großmächtige Leine,

und seine Stiefel waren wie Deine.

Und an der Leine, da ging ein Herr,

ja wirklich, Vater, wie'n alter Bär,

und die Engelein machten hottehott;

ich glaube, das war der liebe Gott.

Denn er brummte furchtbar mit dem Mund,

ganz furchtbar schlimm, ja wirklich; und -

 

"Aber Detta, du schwindelst ja,

das sind ja wieder lauter Lügen!"

 

Na, was schad't denn das, Papa?

Das macht mir doch soviel Vergnügen.

 

"So? - Na ja."

 

Paul Heyse 1839-1914

Advent

 

Am Himmel Wolkenjagd, bleifarb'ge Helle,

In Frost erschauernd lag die Flur, die nackte;

Fern sah herüber spukhaft der Soracte,

Und lautlos schlich die gelbe Tiberwelle.

 

Ein junges Hirtenpaar, in Ziegenfelle

Gehüllt, schritt mit dem Dudelsack im Takte

Dem Tore zu, bis sie die Wache packte

Und unsanft sie hinwegwies von der Schwelle.

 

Erblichen ist in Rom, ihr guten Kinder,

Der Stern, der einst in Bethlehem erglommen.

Der Felsen Petri ward zur schroffen Klippe.

 

Und pochtet ihr am Vatikan, noch minder

Wär' dort die Mahnung an den Stall willkommen,

Wo einst das Heil der Welt lag in der Krippe.

 

Der Krampus (Begleiter des Hlg. Nikolaus in den Ostalpen), entspricht in etwa unserem Knecht Ruprecht - aber makabrer, grausiger.

Erich Mühsam 1878-1934

Weihnachten

 

Nun ist das Fest der Weihenacht,

das Fest, das alle glücklich macht,

wo sich mit reichen Festgeschenken

Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,

wo aller Hader wird vergessen

beim Christbaum und beim Karpfenessen; --

und Groß und Klein und Arm und Reich, --

an diesem Tag ist alles gleich.

So steht's in vielerlei Varianten

in deutschen Blättern. Alten Tanten

und Wickelkindern rollt die Zähre

ins Taschentuch ob dieser Mähre.

Papa liest's der Familie vor,

und alle lauschen und sind Ohr...

Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt

ein armer Kerl gelesen hat.

Er hob es auf aus einer Pfütze,

dass es ihm hinterm Zaune nütze.

 

Haddon Sundblom, Santa, 1931
Haddon Sundblom (1999-1976) war ein amerikanischer Grafiker und Cartoonist. Bekannt wurde er vor allem durch seine Bilder des Weihnachtsmanns, die er für die Coca-Cola Company erstellte.

Klabund 1890-1928

Bürgerliches Weihnachtsidyll

 

Was bringt der Weihnachtsmann Emilien?

Ein Strauß von Rosmarin und Lilien.

Sie geht so fleißig auf den Strich.

O Tochter Zions, freue dich!

 

Doch sieh, was wird sie bleich wie Flieder?

Vom Himmel hoch, da komm ich nieder.

Die Mutter wandelt wie im Traum.

O Tannebaum! O Tannebaum!

 

O Kind, was hast du da gemacht?

Stille Nacht, heilige Nacht.

Leis hat sie ihr ins Ohr gesungen:

Mama, es ist ein Reis entsprungen!

Papa haut ihr die Fresse breit.

O du selige Weihnachtszeit!

 

 

Father Christmas walks the streets of wartime London. December 1940.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Einsiedlers Heiliger Abend

 

Ich hab’ in den Weihnachtstagen –

Ich weiß auch, warum –

Mir selbst einen Christbaum geschlagen,

Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

 

Ich bohrte ein Loch in die Diele

Und steckte ihn da hinein

Und stellte rings um ihn viele

Flaschen Burgunderwein.

 

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter

Zu sparen, ihn abend noch spät

Mit Löffeln, Gabeln und Trichter

Und anderem blanken Gerät.

 

Ich kochte zur heiligen Stunde

Mir Erbsenuppe und Speck

Und gab meinem fröhlichen Hunde

Gulasch und litt seinen Dreck.

 

Und sang aus burgundernder Kehle

Das Pfannenflickerlied.

Und pries mit bewundernder Seele

Alles das, was ich mied.

 

Es glimmte petroleumbetrunken

Später der Lampendocht.

Ich saß in Gedanken versunken.

Da hat’s an der Tür gepocht.

 

Und pochte wieder und wieder.

Es konnte das Christkind sein.

Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?

Ich aber rief nicht: “Herein!”

 

Ich zog mich aus und ging leise

Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,

Und dankte auf krumme Weise

Lallend dem lieben Gott.

 

Norman Percevel Rockwell, Christmas Rush - Tired Salesgirl on Christmas Eve
Norman Percevel Rockwell (1894-1978) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator des frühen 20. Jahrhunderts.
 

Klabund 1890-1928

Die heiligen drei Könige

 

Wir sind die drei Weisen aus dem Morgenland,

Die Sonne, die hat uns so schwarz gebrannt.

Unsere Haut ist schwarz, unsere Seel ist klar,

Doch unser Hemd ist besch... ganz und gar.

Kyrieeleis.

 

Der erste, der trägt eine lederne Hos',

Der zweite ist gar am A... bloß,

Der dritte hat einen spitzigen Hut,

Auf dem ein Stern sich drehen tut.

Kyrieeleis.

 

Der erste, der hat den Kopf voll Grind,

Der zweite ist ein unehlich' Kind.

Der dritte nicht Vater, nicht Mutter preist,

Ihn zeugte höchstselbst der heilige Geist.

Kyrieeleis.

 

Der erste hat einen Pfennig gespart,

Der zweite hat Läuse in seinem Bart,

Der dritte hat noch weniger als nichts,

Er steht im Strahl des göttlichen Lichts.

Kyrieeleis.

 

Wir sind die heiligen drei Könige,

Wir haben Wünsche nicht wenige.

Den ersten hungert, den zweiten dürst',

Der dritte wünscht sich gebratene Würst.

Kyrieeleis.

 

Ach, schenkt den armen drei Königen was.

Ein Schöpflöffel aus dem Heringsfass -

Verschimmelt Brot, verfaulter Fisch,

Da setzen sie sich noch fröhlich zu Tisch.

Kyrieeleis.

 

Wir singen einen süßen Gesang

Den Weibern auf der Ofenbank.

Wir lassen an einem jeglichen Ort

Einen kleinen heiligen König zum Andenken dort.

Kyrieeleis.

 

Wir geben euch unseren Segen drein,

Gemischt aus Kuhdreck und Rosmarein.

Wir danken für Schnaps, wir danken für Bier.

Anders Jahr um die Zeit sind wir wieder hier.

Kyrieeleis.

 

 

Die drei Weisen aus dem Abendland

Ludwig Pfau (1821-1894)

Weihnachtslied

Den deutschen Arbeitern in Paris zum Bescherungsfest

 

Im Kreise froher Weihnachtsgäste

Sei uns gegrüßt, o Lichterbaum!

Verheißung strahlten deine Äste

Manch kindlichem Erlösungstraum.

Doch was wir mild Beschertes fanden,

Wie stolz das Halleluja klingt -

Der Heiland ist noch nicht erstanden,

Der in die Welt die Freiheit bringt.

 

Wohl folgten, Lieder auf den Lippen,

Die Weisen Bethleh'ms Leuchte gern;

Wohl lag das Kindlein in der Krippen,

Doch war sein Stern ein Wandelstern.

Die heitern Strahlen flohn und schwanden,

Wo schwarzer Wahn die Schleier schlingt –

Der Heiland ist noch nicht erstanden,

Der in die Welt die Freiheit bringt.

 

Umsonst mit seines Purpurs Falten

Bedeckt der Gott das Büßerkleid:

Die Gnade mag im Himmel walten,

Die Erde braucht Gerechtigkeit.

Die Liebe zwingt mit neuen Banden,

Ob auch die alte Fessel springt –

Der Heiland ist noch nicht erstanden,

Der in die Welt die Freiheit bringt.

 

Kein Jenseits kann den Helfer senden,

Den Christ säugt jede Mutter groß;

Die Menschheit muss mit eignen Händen

Erkämpfen sich ihr irdisch Los.

Er kommt in rußigen Gewanden,

Der Retter, der die Hölle zwingt –

Der Heiland ist noch nicht erstanden,

Der in die Welt die Freiheit bringt.

 

Erkenntnis heißt die Bundeslade,

Die Wahrheit gibt und Tugend schafft;

Und Arbeit heißt die Wirkungsgnade,

Die uns erlöst – durch unsre Kraft,

Wann wir den Erbfluch überwanden,

Der Hand und Hirn der Not verdingt –

Dann ist der Heiland auferstanden,

Der in die Welt die Freiheit bringt.

 

Schon pflanzt der Geist, der Überwinder,

Der Arbeit großen Weihnachtsbaum,

Um den die Völker einst, wie Kinder,

Sich scharen unterm Himmelsraum.

O Weihtag! wann der ob den Landen

Die ries'gen Lichteräste schwingt –

Dann ist in jeder Brust erstanden

Der Heiland, der die Freiheit bringt.

 

Ein glückliches Weihnachten

Ein herzliches Willkommen

Karte aus dem viktorianischen England

Klabund 1890-1928

Berliner Weihnacht 1918

 

Am Kurfürstendamm da hocken zusamm

Die Leute von heute mit großem Tamtam.

Brillanten mit Tanten, ein Frack mit was drin,

Ein Nerzpelz, ein Steinherz, ein Doppelkinn.

Perlen perlen, es perlt der Champagner.

Kokotten spotten: Wer will, der kann ja

Fünf Braune für mich auf das Tischtuch zählen ...

Na, Schieber, mein Lieber? - Nee, uns kanns nich fehlen,

Und wenn Millionen vor Hunger krepieren:

Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

 

Am Wedding ists totenstill und dunkel.

Keines Baumes Gefunkel, keines Traumes Gefunkel.

Keine Kohle, kein Licht ... im Zimmereck

Liegt der Mann besoffen im Dreck.

Kein Geld - keine Welt, kein Held zum lieben ...

Von sieben Kindern sind zwei geblieben,

Ohne Hemd auf der Streu, rachitisch und böse.

Sie hungern - und fressen ihr eignes Gekröse.

Zwei magre Nutten im Haustor frieren:

Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

Es schneit, es stürmt. Eine Stimme schreit: Halt ...

Über die Dächer türmt eine dunkle Gestalt ...

Die Blicke brennen, mit letzter Kraft

Umspannt die Hand einen Fahnenschaft.

Die Fahne vom neunten November, bedreckt,

Er ist der letzte, der sie noch reckt ...

Zivilisten ... Soldaten ... tach tach tach ...

Salvenfeuer ... ein Fall vom Dach ...

Die deutsche Revolution ist tot ...

Der weiße Schnee färbt sich blutrot ...

Die Gaslaternen flackern und stieren ...

Wir wolln uns mal wieder amüsieren ...

 

 

Spendet Liebesgaben für unsere Krieger, 1914

Erich Mühsam (1878-1934)

Weihnachtslied

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum -

sechs Zweiglein sind dein Alles.

So klein und dürr - man sieht dich kaum;

du hast in einem Stiefel Raum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum, du Sinnbild unsres Dalles!

 

O Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann -

du gehst vorbei ins Weite.

Hast ein zerfetztes Röcklein an,

bringst nichts, was Kinder freuen kann.

OWeihnächtsmann, o Weihnachtsmann,

auch dein Geschäft ist pleite.

 

O stille Nacht, o heilige Nacht -

in ungeheizter Stube!

Das Christkind hat sich fortgemacht.

Es schläft das Recht, die Feme wacht.

O stille Nacht, o heilige Nacht,

o Wulle und o Kube! *

 

O Friedensfest, o Liebesfest -

in Not und Angst Millionen! '

Und wer sich's nicht gefallen lässt,

den setzt die Republike fest.

O Friedensfest, o Liebesfest -

meim Rumfutsch oder Bohnen.

 

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

es hungern selbst die Flöhe. -

Doch ob nach Milch der Säugling schreit,

der Stahlhelmbund steht putschbereit. -

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

Hosianna in der Höhe!

(* geschrieben 1925; Wulle und Kube waren Deutschnationale.)

 

W.H. Robinson, Christmass Family Gliders
William Heath Robinson (* 31. Mai 1872 in London; † 13. September 1944 ebenda) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner. Bekannt wurde er durch seine komischen Zeichnungen von Maschinen, deren Kompliziertheit in keinem Verhältnis zu ihrem banalen Nutzen steht.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Weihnachten

 

Nikolaus der Gute

kommt mit einer Rute,

greift in seinen vollen Sack –

dir ein Päckchen – mir ein Pack.

Ruth Maria kriegt ein Buch

und ein Baumwolltaschentuch,

Noske einen Ehrensäbel

und ein Buch vom alten Bebel,

sozusagen zur Erheiterung,

zur Gelehrsamkeitserweiterung ...

Marloh kriegt ein Kaiserbild

und nen blanken Ehrenschild.

Oberst Reinhard kriegt zum Hohn

die gesetzliche Pension ...

Tante Lo, die, wie ihr wisst,

immer, immer müde ist,

kriegt von mir ein dickes Kissen. –

Und auch hinter die Kulissen

kommt der gute Weihnachtsmann:

Nimmt sich mancher Leute an,

schenkt da einen ganzen Sack

guten alten Kunstgeschmack.

Schenkt der Orska alle Rollen

Wedekinder, kesse Bollen –

(Hosenrollen mag sie nicht:

dabei sieht man nur Gesicht ...).

Der kriegt eine Bauerntruhe,

Fräulein Hippel neue Schuhe,

jener hält die liebste Hand –

Und das Land? Und das Land?

Bitt ich dich, so sehr ich kann:

Schenk ihm Ruhe – lieber Weihnachtsmann!

 

Nationalsozialistischer Weihnachtskult

Der nationalsozialistische Weihnachtskult hatte das Ziel,

die deutschen Weihnachtsbräuche

in die Ideologie des Nationalsozialismus einzubinden und

innerhalb der Volksgemeinschaft neu zu etablieren.

Durch Indoktrination mit Hilfe von nationalsozialistischer

Propaganda sollte im Bewusstsein des deutschen Volkes

der Einfluss des christlichen Glaubens zurückgedrängt werden.

Der nationalsozialistische Weihnachtskult verband patriotische, „jugendbewegte“ und völkische Weihnachtsmystik,

vermeintlich aus der germanischen

Mythologie entliehene Symbolik, übersteigerte

Mütter- und Heldenglorifizierung.

Quelle: Wikipedia bzw. DeWiki, Links s.u.

 

Deutsche Weihnachtsgrüße!

Uns ist ein Licht erstanden

in dunkler Winternacht.

So ist in deutschen Landen,

der Glaube neu entfacht.

Es kommt der Sonne Schein!

Nach vielen harten Tagen,

muß Sieg und Frieden sein.

 

Den Müttern an der Wiege,

den Kindlein sei beschert,

durch unsere Kraft im Kriege,

Ein Leben glückbeschwert!

Gott mach das Herze weit,

daß es dies Licht bewahre,

durch jede dunkle Zeit.

Umdichtung des Liedes "Es ist ein Ros entsprungen" 1942

 

Joseph Goebbels mit Kindern bei Weihnachtsfeier

Nun leuchtet’s in den Herzen

Und aller Mütter Traum

Blüht leis in lichten Kerzen,

Jung grünt der Lebensbaum.

Die liebe Weihnachtszeit

Sagt von stets neuen Werden

Und Gottes Ewigkeit.

 

Will auch ein Jahr sich legen,

Dem nächsten reicht’s die Hand,

Viel hundert Keime regen

sich bald im weiten Land.

Viel tausend Kinderlein

Sind unsres Volkes Morgen,

Des laßt uns fröhlich sein!

 

Nun leuchtet’s in den Herzen

Und aller Mütter Traum

Blüht leis in lichten Kerzen,

Jung grünt der Lebensbaum.

Die liebe Weihnachtszeit

Sagt von stets neuen Werden

Und Gottes Ewigkeit.

 

Will auch ein Jahr sich legen,

Dem nächsten reicht’s die Hand,

Viel hundert Keime regen

sich bald im weiten Land.

Viel tausend Kinderlein

Sind unsres Volkes Morgen,

Des laßt uns fröhlich sein!

Umdichtung des Liedes "Es ist ein Ros entsprungen" 1943

 

 

Geschenkvorschlag: Der Wagen des Führers

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch her

vernehmet zur Weihnacht die uralte Mär

und seht, welch ein Baum trotz der eiskalten Zeit

geschmückt ist mit grünem, lebendigen Kleid.

 

Die Lichterlein blitzen und blinken soviel

und leuchten zu Jubel und kindlichem Spiel

und jedes hat seinen hellflimmernden Schein

und ladet zu Heimkehr und Andacht uns ein.

 

Das deutet auf uralte Zeiten zurück

und lenkt auf die Sitte der Ahnen den Blick

und lehrt, daß dies Erbe bis heutigem Tag

und weiter in Zukunft bewahrt bleiben mag.

Umdichtung des Liedes "Ihr Kinderlein kommet" 1943

 

Deutsche Weihnachten, 1940

Stille Nacht, heilige Nacht

O wie schön! Welche Pracht!

In dem festlichen, trauten Raum

steht der strahlende Lichterbaum!

Weihnacht ist wieder da!

Weihnacht ist wieder da!

 

Stille Nacht, heilige Nacht –

Kinderschar, o wie lacht

Freude euch aus Herz und Mund!

Weihnachtswunder tut sich euch kund!

Werdet Lichtsucher all!

Werdet Lichtsucher all!

 

Stille Nacht, heilige Nacht –

Kerzenschein flimmert sacht –

Das zum Leben erweckende Licht

Sieghaft durch das Dunkel bricht!

Freuet euch und seid froh!

Freuet euch und seid froh!

 

Umdichtung des Liedes "Stille Nacht, heilige Nacht" 1943

 

Hohe Nacht der klaren Sterne

 

Hohe Nacht der klaren Sterne,

Die wie helle Zeichen steh'n

Über einer weiten Ferne

D'rüber uns're Herzen geh'n

 

Hohe Nacht mit großen Feuern,

Die auf allen Bergen sind,

Heut' muß sich die Erd' erneuern,

Wie ein junggeboren Kind!

 

Mütter, euch sind alle Feuer,

Alle Sterne aufgestellt;

Mütter, tief in euren Herzen

Schlägt das Herz der weiten Welt!

 

Bei "Hohe Nacht der klaren Sterne" handelt es sich um ein nationalsozialistisches Weihnachtslied, das 1936 von Hans Baumann (damals Referent der Reichsjugendführung) veröffentlicht wurde. Dieses intentional antichristliche Lied sollte Lieder wie "Stille Nacht, heilige Nacht" verdrängen. Nach 1945 wurde es weiterhin rezipiert.

http://www.liederlexikon.de/lieder/hohe_nacht_der_klaren_sterne

Lieber, guter Nikolaus,

lösch uns unsere Fünfen aus,

mache lauter Einsen draus,

bist ein braver Nikolaus!

unbekannt

 

Nikolaus, sei unser Gast,

wenn du was im Sacke hast.

Hast du was, so lass dich nieder,

hast du nichts, so pack dich wieder!

unbekannt

 

Wenn die Glocke sieben schlägt,

kommt der Niklaus angefegt

mit dem großen Besenstiel,

haut die Kinder gar zu viel.

Unbekannt

 

Lieber Weihnachtsmann

Ich wünsch mir von dir dieses Jahr

ein dickes Bankkonto

und eine schlanke Figur.

Bitte bring die beiden aber

nicht wieder durcheinander

wie im letzten Jahr.

Danke!

 

Liebe Teenies,

das Christkind hat alle eure Profile

bei Facebook gesehen.

Zu Weihnachten gibt’s

etwas zum Anziehen und einen Duden.

 

"Papa, was bekomme ich zu Weihnachten?"

"Das, was der Weihnachtsmann dir bringt."

"Den gibt es nicht!"

"Das ist jetzt aber echt blöd für dich…"

 

Liebes Christkind

Bitte schenk dieses Jahr all den

armen Frauen auf Papas Computer

was zum Anziehen!

 

 

 

 

Wenn die stille Zeit

vorbei ist,

dann wird es auch

wieder ruhiger!

 

Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin
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