BuchKult
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Weihnachten – Die Geburt Christi

 

Fra Angelico,

Annunciation - Angel, Detroit Institute of Arts
Fra Angelico (zw. 1386 und 1400-1455) – geboren als Guido di Pietro – war ein Maler der italienischen Frührenaissance.

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Alle folgenden Bibel-Zitate entstammen der

Einheitsüberstzung 2016

Die Ankündigung der Geburt Jesu Lk 1, 26–38

 

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel

von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27 zu einer Jungfrau gesandt.

Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,

der aus dem Haus David stammte.

Der Name der Jungfrau war Maria.

28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte:

Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte,

was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31 Siehe, du wirst schwanger werden

und einen Sohn wirst du gebären;

dem sollst du den Namen Jesus geben.

32 Er wird groß sein und Sohn des

Höchsten genannt werden.

Gott, der Herr, wird ihm den Thron

seines Vaters David geben.

33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit

herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen,

da ich keinen Mann erkenne?

35 Der Engel antwortete ihr:

Heiliger Geist wird über dich kommen und

Kraft des Höchsten wird dich überschatten.

Deshalb wird auch das Kind heilig

und Sohn Gottes genannt werden.

36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,

hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;

obwohl sie als unfruchtbar gilt,

ist sie schon im sechsten Monat.

37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38 Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;

mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Danach verließ sie der Engel.

 

Henry Ossawa Tanner, The Annunciation, 1898
Henry Ossawa Tanner (1859-1937) war ein afroamerikanischer Künstler, der bei Thomas Eakins studierte und als erster afroamerikanischer Maler internationale Anerkennung erreichte.

Über die Geburt Jesu Mt 1, 18–25

18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so:

Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;

noch bevor sie zusammengekommen waren,

zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete -

durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und

sie nicht bloßstellen wollte, beschloss,

sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20 Während er noch darüber nachdachte,

siehe, da erschien ihm ein Engel des

Herrn im Traum und sagte:

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht,

Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;

denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21 Sie wird einen Sohn gebären;

ihm sollst du den Namen Jesus geben;

denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte,

was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

23 Siehe: Die Jungfrau wird empfangen /

und einen Sohn gebären /

und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, /

das heißt übersetzt: Gott mit uns.

24 Als Josef erwachte, tat er,

was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,

und nahm seine Frau zu sich.

25 Er erkannte sie aber nicht,

bis sie ihren Sohn gebar.

Und er gab ihm den Namen Jesus.

 

 

Meister von Seitenstetten,

Maria Verkündigung, ca. 1490
 

Die Geburt Jesu Lk 2, 1-7

1 Es geschah aber in jenen Tagen,

dass Kaiser Augustus den Befehl erließ,

den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.

2 Diese Aufzeichnung war die erste;

damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa

hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt;

denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten,

die ein Kind erwartete. 6 Es geschah, als sie dort waren,

da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte,

7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,

weil in der Herberge kein Platz für sie war.

 

 

Robert Campin, Die Geburt Christi
Robert Campin (um 1375-1444) war ein flämischer Maler.  
 

Lukas 2, 8-14

8 In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld

und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen

und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie

und sie fürchteten sich sehr.

10 Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht,

denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude,

die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:

11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;

er ist der Christus, der Herr.

12 Und das soll euch als Zeichen dienen:

Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt,

in einer Krippe liegt.

13 Und plötzlich war bei dem Engel

ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14 Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden /

den Menschen seines Wohlgefallens.

 

 

Hans Baldung,

Die Geburt Christi, Freiburger Hochaltar
Hans Baldung (1484-1545), auch Hans Baldung Grien genannt, war ein deutscher Maler, Zeichner und Kupferstecher zur Zeit Albrecht Dürers.
 

Lukas 2, 15-21

15 Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander:

Lasst uns nach Betlehem gehen,

um das Ereignis zu sehen,

das uns der Herr kundgetan hat!

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef

und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort,

das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über das,

was ihnen von den Hirten erzählt wurde.

19 Maria aber bewahrte alle diese Worte

und erwog sie in ihrem Herzen.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott

und priesen ihn für alles,

was sie gehört und gesehen hatten,

so wie es ihnen gesagt worden war.

21 Als acht Tage vorüber waren

und das Kind beschnitten werden sollte,

gab man ihm den Namen Jesus,

den der Engel genannt hatte,

bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

 

Albin Egger-Lienz, Christnacht, 1903-05
Albin Egger-Lienz (1868-1926) war ein österreichischer Maler.

Die Huldigung der Sterndeuter Mt 2, 1-7

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes

in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe,

da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er

und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten

des Volkes zusammenkommen

und erkundigte sich bei ihnen,

wo der Christus geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa;

denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich

und ließ sich von ihnen genau sagen,

wann der Stern erschienen war.

 

Pieter Aertsen, The Adoration of the Magi, ca. 1560
Pieter Aertsen (um 1509-1575) war ein niederländischer Maler.

Mt 2, 8-12

8 Dann schickte er sie nach Betlehem

und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind;

und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir,

damit auch ich hingehe und ihm huldige!

9 Nach diesen Worten des Königs

machten sie sich auf den Weg.

Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,

zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war;

dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen,

wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.

Dann holten sie ihre Schätze hervor

und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe

als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde,

nicht zu Herodes zurückzukehren,

zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

 

Hans Thoma, Flucht nach Ägypten, 1879
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Die Flucht nach Ägypten Mt 2, 13–15

13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,

siehe, da erschien dem Josef im Traum

ein Engel des Herrn und sagte:

Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter

und flieh nach Ägypten;

dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;

denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.

14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht

mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.

Denn es sollte sich erfüllen,

was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

 

Pieter Bruegel der Ältere, Der Bethlehemitische Kindermord, um 1565
Pieter Bruegel der Ältere (um 1525/1530-1569) war ein Maler der Niederländischen Renaissance. Er ist landläufig bekannt für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens im Herzogtum Brabant (Niederlande und Flandern) des 16. Jahrhunderts.

Der Kindermord in Betlehem Mt 2, 16–18

16 Als Herodes merkte,

dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten,

wurde er sehr zornig und er sandte aus

und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung

alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten,

genau der Zeit entsprechend,

die er von den Sterndeutern erfahren hatte.

17 Damals erfüllte sich,

was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:

18 Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren nicht mehr.

 

 

Matteo di Giovanni, Bethlehemitischer Kindermord
Matteo di Giovanni, genannt Matteo da Siena (um 1435-1495) war ein italienischer Maler.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Weihnachtslied

 

Maria lag in großer Not,

Mit Lumpen angetan,

In einem Stall zu Bethlehem

Und sah die Stunde nahn,

Da sie ein Kindlein haben sollt.

Der Himmel stand in lauter Gold;

Da hub ein Singen an:

 

"Süße Maria, sei getrost;

Das um dich ist kein Stall.

Blick um dich, allerholdste Frau,

Und sieh die Gäste all,

Die von weither gekommen sind,

Dich zu begrüßen und dein Kind

Mit Flöt- und Geigenschall."

 

Und wie Marie ihr Haupt erhob,

Oh Wunder, was sie sah:

Es knieten auf der schlechten Streu

Drei goldne Könige da,

Und, wie wenns ihr Gefolge wär,

Ein Heer von Engeln stand umher

Und sang Hallelujah.

 

Es war ein Licht und war ein Glanz,

Wie sie es nie gesehn,

Und vor den Türn und Fenstern war

Ein Auf- und Niedergehn,

Als ging die ganze Welt vorbei;

Da hört sie einen leisen Schrei:

Da war das Glück geschehn.

 

Maria strahlte wie ein Stern

Und hob das Kind empor;

Das war so hold und engelschön,

Wie nie ein Kind zuvor.

Die Wände sanken, und die Welt,

Die weite Welt war rings erhellt,

Und alles sang im Chor:

 

"O seht die Blume, die da blüht,

Die Blume weiß und rot!

Der Kelch ist von der Lilie,

Ein Herz darinnen loht.

Nun ist die ganze Erde licht,

Wir fürchten Schmerz und Trauern nicht

Und fürchten nicht den Tod.

 

Die Blüte leuchtet uns den Tag,

Und es versank die Nacht,

Und aus der Blüte wird die Frucht,

Die Alle fröhlich macht;

Die Frucht, die Allen Nahrung gibt,

Der Mensch, der alle Menschen liebt:

Die Liebe ist erwacht."

 

Der Chor verklang. Es sank der Stall

In braune Dunkelheit.

Maria gab dem Kind die Brust.

Still ward es weit und breit.

Da ward Marien im Herzen bang,

Sie küsst ihr liebes Kindlein lang,

Ihr tat ihr Kindlein leid.

 

 

Sandro Botticelli, Mystic Nativity, 1501, National Gallery, London
Sandro Botticelli (1445-1510), gen. Botticelli, war einer der bedeutendsten italienischen Maler und Zeichner der frühen Renaissance.

Wilhelm Busch 1832-1908

Der Stern

 

Hätt einer auch fast mehr Verstand

als wie die drei Weisen aus Morgenland

und ließe sich dünken, er wär wohl nie

dem Sternlein nachgereist wie sie;

dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,

fällt auch auf sein verständig Gesicht,

er mag es merken oder nicht,

ein freundlicher Strahl

des Wundersterns von dazumal.

 

 

Jan Gossaert, Anbetung der Könige
Jan Gossaert (um 1478-1532) ist ein Künstlername des niederländischen Malers Jenni Gosart
 

Matthias Claudius 1740-1815

Weihnachts-Kantilene

 

Maria war zu Bethlehem,

Wo sie sich schätzen lassen wollte;

Da kam die Zeit, daß sie gebären sollte;

Und sie gebar ihn –

Und als sie ihn geboren hatte

und sah den Knaben nackt und bloß;

Fühlt sie sich selig, fühlt sich groß,

und nahm voll Demut ihn auf ihren Schoß

Und freuet sich in ihrem Herzen fein,

berührt den Knaben zart und klein

Mit Zittern und mit Benedei'n,

und wickelt ihn in Windeln ein…

Und bettete ihn sanft in eine Krippe hin.

Sonst war kein Raum für ihn.

 

Vor Gott gehts göttlich her,

und nicht nach Stand und Würden.

Herodem läßt er leer,

mit seinem ganzen Heer;

Und Hirten auf dem Felde bei den Hürden

Erwählet er.

 

Sie saßen da und hüteten im Dunkeln ihre Herde,

mit unbefangnen, frommen Sinn;

Da stand vor ihnen an der Erde,

Ein Engel Gottes… und trat zu ihnen hin,

und sie umleuchtete des Herren Klarheit,

und er sagte ihnen die Wahrheit.

 

Und eilend auf sie standen,

Gen Bethlehem zu gehn,

und kamen hin und fanden,

Ohn' weiteres zu verstehn.

Maria und Joseph beide.

Und in der Krippe lag zu ihrer großen Freude,

in seinem Windelkleide,

auf Grummet von der Weide,

der Knabe wunderschön.

 

Die Väter hoffeten auf ihn mit Tränen

und mit Flehn,

und sehnten sich, den Tag des Herrn zu sehn,

und sahn ihn nicht.

 

Was Gott bereitete,

und von der Welt her heimlich und verborgen war,

ward in der Zeiten Fülle offenbar.

 

Die Weisen fielen vor ihm nieder,

und gaben ihre Schätze gern,

Und gaben Weihrauch, Gold und Myrrhen.

Sie sahen seinen Stern,

und kannten ihren Heiland, ihren Herrn,

und ließen sich das Heu und Stroh nicht irren.

 

Dem Menschen dünkt es wunderbar,

und mag es nicht verstehn;

doch ist's wahrhaftig wahr!

und selig sind die Augen die ihn sehn.

 

 

Meister von Avila García del Barco, Triptych of the Nativity, linker Flügel
Als Meister von Avila wird ein spanisch-kastilischer Maler bezeichnet, der nach 1470 in der Stadt Avila im damaligen Königreich Kastilien tätig war.
 

Peter Cornelius 1824-1874

Die Hirten

 

Hirten wachen im Feld;

Nacht ist rings auf der Welt;

Wach sind die Hirten alleine

Im Haine.

 

Und ein Engel so licht

Grüßet die Hirten und spricht:

»Christ, das Heil aller Frommen,

Ist kommen!«

 

Engel singen umher:

»Gott im Himmel sei Ehr!

Und den Menschen hienieden

Sei Frieden!«

 

Eilen die Hirten fort,

Eilen zum heiligen Ort,

Beten an in den Windlein

Das Kindlein.

 

Georges de La Tour, L'adoration des bergers
Georges de La Tour (1593-1652) war ein lothringischer Maler des Barocks

Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848

Am Weihnachtstag

 

Still ist die Nacht; in seinem Zelt geborgen,

der Schriftgelehrte späht mit finstren Sorgen,

wann Judas mächtiger Tyrann erscheint;

den Vorhang lüftet er, nachstarrend lange

dem Stern, der gleitet über Äthers Wange,

wie Freudenzähre, die der Himmel weint.

 

Und fern vom Zelte über einem Stalle,

da ist's, als ob aufs nied're Dach er falle;

in tausend Radien sein Licht er gießt.

Ein Meteor, so dachte der Gelehrte,

als langsam er zu seinen Büchern kehrte.

O weißt du, wen das nied're Dach umschließt?

 

In einer Krippe ruht ein neugeboren

und schlummernd Kindlein; wie im Traum verloren

die Mutter knieet, schlichter Mann rückt tief erschüttert

das Lager ihnen; seine Rechte zittert

dem Schleier nahe um den Mantel noch.

 

Und an der Türe steh'n geringe Leute,

mühsel'ge Hirten, doch die ersten heute,

und in den Lüften klingt es süß und lind,

verlor'ne Töne von der Engel Liede:

"Dem Höchsten Ehr' und allen Menschen Friede,

die eines guten Willens sind."

 

 

Caravaggio,

Adoration of the Shepherds, 1609
Caravaggio, Michelangelo Merisi (1571-1610), nach dem Herkunftsort seiner Eltern kurz Caravaggio genannt, war ein bedeutender italienischer Maler des Frühbarocks.

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Heiligste Nacht

 

O heiligste der Nächte,

in der Gott niederstieg,

in der er hat beendigt

jedweden Streit und Krieg, –

am Himmel stehen Sterne

und zeigten auf ein Haus,

da gingen zu der Stunde

die Engel ein und aus.

 

Und in geringer Krippe

lag da das edle Kind,

durch welches gläub'ge Menschen

vom Tod errettet sind.

Es freut sich an dem Knaben

der Hirten Lustgeschrei,

wir kennen unsern Heiland

und beten an dabei!

 

Horch, hörest du die Lieder?

Das sind die Engelchöre,

die ich in Weihnachtslüften

aus Himmelstiefen höre.

Ich hör' es silbertönig

mit Kinderstimmen schallen:

»Friede« ertönts, »auf Erden

und an den Menschen Wohlgefallen.«

 

O lichte, warme Strahlen

in kalter Winternacht!

Es wird uns aus dem Himmel

das Himmelskind gebracht.

Es freuen sich die Hirten

am himmlischen Geschenk

und bleiben seiner Ankunft

im Herzen eingedenk.

 

 

Albrecht Altdorfer, The Adoration of the Magi, Städel
Albrecht Altdorfer, (um 1480-1538), war ein deutscher Maler, Kupferstecher und Baumeister der Renaissance.
 

Eduard Mörike 1804-1875

Die Heilige Nacht

 

Gesegnet sei die Heilige Nacht,

Die uns das Licht der Welt gebracht! –

 

Wohl unterm lieben Himmelszelt

Die Hirten lagen auf dem Feld.

 

Ein Engel Gottes, licht und klar,

Mit seinem Gruß tritt auf sie dar.

 

Vor Angst sie decken ihr Angesicht,

Da spricht der Engel: »Fürcht't euch nicht!

 

Ich verkünd' euch große Freud:

Der Heiland ist euch geboren heut.«

 

Da gehn die Hirten hin in Eil,

Zu schaun mit Augen das ewig Heil;

 

Zu singen dem süßen Gast Willkomm,

Zu bringen ihm ein Lämmlein fromm. –

 

Bald kommen auch gezogen fern

Die Heil'gen Drei König' mit ihrem Stern.

 

Sie knien vor dem Kindlein hold,

Schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.

 

Vom Himmel hoch der Engel Heer

Frohlocket: »Gott in der Höh sei Ehr!«

 

Rogier van der Weyden - Der Bladelin-Altar
Rogier van der Weyden, ehemals Rogier de le Pasture (um 1399/1400-1464), war ein flämischer Maler und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Altniederländischen Malerei.

Philipp Nicolai 1556-1608

 

Wachet auf, ruft uns die Stimme

Der Wächter sehr hoch auf der Zinne,

Wach auf du Stadt Jerusalem!

Mitternacht heißt diese Stunde!

Sie rufen uns mit hellem Munde:

Wo seid ihr klugen Jungfrauen?

Wohlauf, der Bräut'gam kommt,

Steht auf, die Lampen nehmt!

Halleluja!

Macht euch bereit zu der Hochzeit;

Ihr müsset ihm entgegengehn!

 

Zion hört die Wächter singen,

Das Herz tut ihr vor Freude springen,

Sie wachet und steht eilend auf.

Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,

Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;

Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.

Nun komm, du werte Kron,

Herr Jesu, Gottes Sohn!

Hosianna!

Wir folgen all zum Freudensaal

Und halten mit das Abendmahl.

 

Gloria sei dir gesungen

Mit Menschen- und mit Engelzungen,

Mit Harfen und mit Zimbeln schön.

Von zwölf Perlen sind die Tore,

An deiner Stadt; wir stehn im Chore

Der Engel hoch um deinen Thron.

Kein Aug hat je gespürt,

Kein Ohr hat mehr gehört

Solche Freude.

Deß sind wir froh! jo! jo! jo!

Ewig in dulci jubilo!

 

Lorenzo Costa der Ältere, La Nativité
Lorenzo Costa der Ältere (1460-1535) war ein italienischer Maler der Renaissance.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Geburt Christi

 

Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte

dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt?

Sieh, der Gott, der über Völkern grollte,

macht sich mild und kommt in dir zur Welt.

 

Hast du dir ihn größer vorgestellt?

 

Was ist Größe? Quer durch alle Maße,

die er durchstreicht, geht sein grades Los.

Selbst ein Stern hat keine solche Straße.

Siehst du, diese Könige sind groß,

 

und sie schleppen dir vor deinen Schoß

 

Schätze, die sie für die größten halten,

und du staunst vielleicht bei dieser Gift -:

aber schau in deines Tuches Falten,

wie er jetzt schon alles übertrifft.

 

Aller Amber, den man weit verschifft,

 

jeder Goldschmuck und das Luftgewürze,

das sich trübend in die Sinne streut:

alles dieses war von rascher Kürze,

und am Ende hat man es bereut.

 

Aber (du wirst sehen): Er erfreut.

 

Jacques Daret, Nativity    
Jacques Daret (um 1404 - um 1468) war ein flämischer Maler. Er war zusammen mit Rogier van der Weyden Schüler bei Robert Campin.

August Wilhelm Schlegel 1767-1845

Die heiligen drei Könige

 

Aus fernen Landen kommen wir gezogen;

Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,

Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.

Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.

 

Nun steht er winkend still am Himmelsbogen:

Den Fürsten Juda's muss dies Haus bewahren.

Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?

Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.

 

Holdselig Kind, lass auf den Knie'n dich grüßen!

Womit die Sonne unsre Heimat segnet,

Das bringen wir, obschon geringe Gaben.

 

Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;

Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,

Willst du uns nur mit Einem Blicke laben.

 

 

Pieter Bruegel der Ältere,

Anbetung der Könige
Pieter Bruegel der Ältere (um 1525/1530-1569) war ein Maler der Niederländischen Renaissance. Er ist landläufig bekannt für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens im Herzogtum Brabant (Niederlande und Flandern) des 16. Jahrhunderts.

Angelus Silesius 1624-1677

An der Krippe

 

Kleiner Knabe, großer Gott,

schönste Blume, weiß und rot,

von Maria neugeboren,

unter tausend auserkoren,

allerliebstes Jesulein,

lasse mich dein Diener sein!

 

Nimm mich an, geliebtes Kind,

und befiel mir nur geschwind,

rege deine süßen Lippen,

rufe mich zu deiner Krippen:

tu mir durch deinen holden Mund

deinen liebsten Willen kund.

 

Ich verlasse nun die Welt

Und was mir an ihr gefällt.

Dir alleine will ich leben,

Dir mich gründlich untergeben.

Du alleine, Jesulein,

Sollst mein Herr und Obrer sein.

 

Dir soll meine Seel' allzeit

samt den Kräften sein bereit,

und mein Leib mit allen Sinnen

soll nichts ohne dich beginnen;

mein Gemüte soll an dich

denken jetzt und ewiglich.

 

Nimm mich an, o Jesu mein,

denn ich wünsche dein zu sein!

Dein verbleib' ich, weil ich lebe,

dein, wenn ich den Geist aufgebe.

Wer dir dient, du starker Held,

der beherrscht die ganze Welt.

 

 

Conrad von Soest, Geburt Christi
Conrad von Soest, auch Konrad, (um 1370 - nach 1422) war ein Maler und Hauptmeister der westfälischen Tafelmalerei des sogenannten weichen Stils der Spätgotik.
 

Ludwig Thoma 1867-1921

Anbetung der Hirten

 

Um Bethlehem ging ein kalter Wind,

Im Stall war das arme Christuskind.

Es lag auf zwei Büschel Grummetheu,

Ein Ochs und ein Esel standen dabei.

 

Die Hirten haben es schon gewisst,

Dass selbiges Kindlein der Heiland ist.

Denn auf dem Felde und bei der Nacht

Hat 's ihnen ein Engel zugebracht.

 

Sie haben gebetet und sich gefreut,

Und einer sagte: Ihr lieben Leut',

Ich glaub's wohl, dass er bei Armen steht,

Schon weil's ihm selber so schlecht ergeht.

 

Fritz von Uhde, Die Heilige Nacht
Fritz von Uhde (1848-1911) war ein sächsischer Kavallerieoffizier und Maler. Sein Stil lag zwischen Realismus und Impressionismus.

Es ist ein Reis (Ros') entsprungen

Aus einer Wurzel zart.

Wie uns die Alten sungen,

Aus Jesse kam die Art

Und hat ein Blümlein bracht,

Mitten im kalten Winter,

Wohl zu der halben Nacht.

 

Das Röslein das ich meine,

Davon Jesaias sagt:

Ist Maria, die Reine,

Die uns das Blümlein bracht.

Aus Gottes ew'gen Rat

Hat sie ein Kind geboren

Und blieb ein' reine Magd.

 

Den Hirten auf dem Felde

Verkünd't das englisch' Heer,

Wie zur selbigen Stunde

Christus geboren wär'

Zu Bethle'm in der Stadt,

Da sie das Kindlein finden,

Wie ihn'n der Engel g'sagt.

 

Das Blümelein so kleine,

Das duftet uns so süß,

Mit seinem hellen Scheine

Vertreibt's die Finsternis.

Wahr' Mensch und wahrer Gott,

Hilf uns aus allem Leide,

Rettet von Sünd' und Tod.

 

Wir bitten dich von Herzen,

O Heiland, edles Kind,

Durch alle deine Schmerzen,

Wann wir fahren dahin

Aus diesem Jammertal,

Du wollest uns geleiten

Bis in der Engel Saal.

 

O Jesu, bis zum Scheiden

Aus diesem Jammertal

Laß Dein Hilf uns geleiten

Hin in den Freudensaal,

In Deines Vaters Reich,

Da wir Dich ewig loben.

O Gott, uns das verleih.

 

Autor unbekannt

Gedicht aus dem Mittelalter

 

Meister des Aachener Altars, Anbetung der Könige
Als Meister des Aachener Altars wird ein anonymer Kölner Maler der Spätgotik bezeichnet, der zwischen ca. 1495 und 1520 tätig war, nach anderer Meinung zwischen ca. 1480 und 1520. Er ist benannt nach seinem Hauptwerk, dem Aachener Altar, ausgestellt in der Aachener Domschatzkammer.

Heinrich Heine 1797-1856

Die Heiligen drei Könige

 

Die heilgen drei Könige aus Morgenland,

Sie fragten in jedem Städtchen:

»Wo geht der Weg nach Bethlehem,

ihr lieben Buben und Mädchen?«

 

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,

Die Könige zogen weiter;

Sie folgten einem goldenen Stern,

Der leuchtete lieblich und heiter.

 

Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,

Da sind sie hineingegangen;

Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,

Die heilgen drei Könige sangen.

 

Albrecht Dürer, Die Anbetung der Könige, 1504, Uffizien
Albrecht Dürer (1471-1528) der Jüngere (auch Duerer) war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker. Mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten zählt er zu den herausragenden Vertretern der Renaissance.

Peter Cornelius 1824-1874

Die Könige

 

Drei Könige wandern aus Morgenland,

ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand,

in Juda fragen und forschen die drei,

wo der neugeborne König sei.

Sie wollen Weihrauch, Myrrhen und Gold

zum Opfer weihen dem Kindlein hold.

 

Und hell erglänzet des Sternes Schein,

zum Stalle gehen die Könige ein,

das Knäblein schauen sie wonniglich,

anbetend neigen die Könige sich,

sie bringen Weihrauch, Myrrhen und Gold

zum Opfer dar dem Knäbelein hold.

 

O Menschenkind, halte treulich Schritt,

die Könige wandern, o wandere mit!

Der Stern des Friedens, der Gnade Stern

erhelle dein Ziel, wenn du suchest den Herrn;

und fehlen dir Weihrauch, Myrrhen und Gold,

schenke dein Herz dem Knäblein hold!

 

 

Arthur Hughes, Nativity
Arthur Hughes (1832-1915) war ein britischer Illustrator und Maler aus der Gruppe der Präraffaeliten.

Emanuel Geibel 1815-1884

Weihnacht

 

Wie bewegt mich wundersam

Euer Hall, ihr Weihnachtsglocken,

Die ihr kündet mit Frohlocken,

Dass zur Welt die Gnade kam.

 

Überm Hause schien der Stern,

Und in Lilien stand die Krippe,

Wo der Engel reine Lippe

Hosianna sang dem Herrn.

 

Herz, und was geschah vordem,

Dir zum Heil erneut sich's heute:

Dies gedämpfte Festgeläute

Ruft auch dich nach Bethlehem.

 

Mit den Hirten darfst du ziehn,

Mit den Königen aus Osten

Und in ihrer Schar getrosten

Muts vor deinem Heiland knien.

 

Hast du Gold nicht und Rubin,

Weihrauch nicht und Myrrhenblüte:

Schütt' aus innerstem Gemüte

Deine Sehnsucht vor ihm hin!

 

Sieh, die Händchen zart und lind

Streckt er aus, zum Born der Gnaden,

Die da Kinder sind, zu laden,

Komm! Und sei auch du ein Kind!

 

 

Jacopo Tintoretto, Natività, 1578
Jacopo Robusti, gen. Jacopo Tintoretto (1518-1594), war ein italienischer Maler.

Klabund 1890-1928

Weihnacht

 

Ich bin der Tischler Josef,

Meine Frau, die heißet Marie.

Wir finden kein' Arbeit und Herberg'

Im kalten Winter allhie.

 

Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern

Nicht ein Unterkunft für mein Weib?

Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,

Zu betten den schwangren Leib. –

 

Ich hab kein Bett für Bettelleut;

Doch scherts euch nur in den Stall.

Gevatter Ochs und Base Kuh

Werden empfangen euch wohl. –

 

Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad

Und für die warme Stub.

Der Himmel lohns euch und unser Kind,

Seis Madel oder Bub.

 

Marie, Marie, was schreist du so sehr? –

Ach Josef, es sein die Wehn.

Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,

Das süßeste Wunder sehn. –

 

Der Josef Hebamme und Bader war

Und hob den lieben Sohn

Aus seiner Mutter dunklem Reich

Auf seinen strohernen Thron.

 

Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh

Sagt Vater Unserm den Dank.

Und Ochs und Esel und Pferd und Hund

Standen fromm dabei.

 

Aber die Katze sprang auf die Streu

Und wärmte zur Nacht das Kind. –

Davon die Katzen noch heutigen Tags

Maria die liebsten Tiere sind.

 

 

Nicolas Poussin, Nativité,

Alte Pinakothek
Nicolas Poussin (1594-1665) war ein französischer Maler des klassizistischen Barocks
 

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Friede auf Erden

 

Da die Hirten ihre Herde

ließen und des Engels Worte

trugen durch die enge Pforte

zu der Mutter und dem Kind

fuhr das himmlische Gesind

fort, im Sternenraum zu singen,

fuhr der Himmel fort zu klingen:

»Friede, Friede! auf der Erde!«

 

Seit die Engel so geraten,

o wie viele blutge Taten

hat der Streit auf wildem Pferde,

der geharnischte, vollbracht!

In wie mancher heilgen Nacht

sang der Chor der Geister zagend

dringlich flehend, leis verklagend:

»Friede, Friede! auf der Erde!«

 

Doch es ist ein ewger Glaube,

dass der Schwache nicht zum Raube

jeder frechen Mordgebärde

werde fallen allezeit:

Etwas wie Gerechtigkeit

webt und wirkt in Mord und Grauen,

und ein Reich will sich erbauen,

das den Frieden sucht der Erde.

 

Mählich wird es sich gestalten,

seines heilgen Amtes walten,

Waffen schmieden ohne Fährde,

Flammenschwerter für das Recht,

und ein königlich Geschlecht

wird erblühn mit starken Söhnen,

dessen helle Tuben dröhnen:

Friede, Friede auf der Erde!

 

Hugo van der Goes, Portinari-Triptychon
Hugo van der Goes (um 1435/1440-1482) war ein flämischer Maler und Hauptmeister der altniederländischen Malerei in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Christoph von Schmid 1768-1854

Das Licht in Bethlehem

 

Es wird so hell dort in der Luft

Und mitten in der Nacht;

Es strömt ein himmlisch süßer Duft

Herab zur Hirtenwacht.

 

Ein unbeschreiblich schönes Lied

Ertönt von oben her;

Der Hirten Aug, wies aufwärts sieht,

Erblickt der Engel Heer.

 

Da bliebe keiner wohl zurück

Bei diesem Festbesuch;

Ein Kindlein locket ihren Blick,

Gehüllt in leinen Tuch.

 

In einer Krippe liegt es da,

Ein neugebornes Kind.

Die Engel singen: Gloria!

Sing auch, du liebes Kind!

 

Das Kindlein hat dir Gott geschenkt,

Es ist sein eigner Sohn!

Ei, wer hat ihm das Herz gelenkt

Auf seinem hohen Thron?

 

Du glaubst es nicht, wie er dich liebt,

Mein Kind, o freu dich doch!

Wenn er sein Kostbarstes dir gibt,

Was fehlet dir dann noch?

 

Gerrit van Honthorst, Anbetung der Hirten, 1622, Wallraf Richartz Museum, Köln   
Gerrit van Honthorst (1592-1656) war ein niederländischer Maler. Er zählte zu den Anhängern Caravaggios und wird als einer der Utrechter Caravaggisten bezeichnet. Pseudonyme: Gherardo della Notte, Gerard van Honthorst, Gherardo Fiammingo oder Gerardo van Hermansz.

Ludwig Thoma 1867-1921

Die Heilige Nacht

 

So ward der Herr Jesus geboren

Im Stall bei der kalten Nacht.

Die Armen, die haben gefroren,

Den Reichen war's warm gemacht.

 

Sein Vater ist Schreiner gewesen,

Die Mutter war eine Magd,

Sie haben kein Geld besessen,

Sie haben sich wohl geplagt.

 

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;

Sie waren von Herzen froh,

Dass sie noch in Stall sind gekommen.

Sie legten das Kind auf Stroh.

 

Die Engel, die haben gesungen,

Dass wohl ein Wunder geschehn.

Da kamen die Hirten gesprungen

Und haben es angesehn.

 

Die Hirten, die will es erbarmen,

Wie elend das Kindlein sei.

Es ist eine G'schicht für die Armen,

Kein Reicher war nicht dabei.

 

Antoine Le Nain, Nativity with the torch
Antoine Le Nain (1588–1648) war ein französischer Maler des 17. Jahrhunderts.

Andreas Gryphius 1616-1664

Über die Geburt Jesu

 

Nacht, mehr denn lichte Nacht! Nacht, Lichter als der Tag!

Nacht, heller als die Sonn, in der das Licht geboren,

Das Gott, der Licht, in Licht wohnhaftig, ihm erkoren!

O Nacht, die alle Nächt und Tage trotzen mag!

 

O freudenreiche Nacht, in welcher Ach und Klag

Und Finsternis und, was sich auf die Welt verschworen,

Und Furcht und Höllen-Angst und Schrecken ward verloren!

Der Himmel bricht, doch fällt nunmehr kein Donnerschlag.

 

Der Zeit und Nächte schuf, ist diese Nacht ankommen

Und hat das Recht der Zeit und Fleisch an sich genommen

Und unser Fleisch und Zeit der Ewigkeit vermacht.

 

Der Jammer trübe Nacht, die schwarze Nacht der Sünden,

Des Grabes Dunkelheit muß durch die Nacht verschwinden.

Nacht, Lichter als der Tag! Nacht, mehr denn lichte Nacht!

 

Georges de La Tour, Newborn infant, Musée des Beaux Arts de Rennes
Georges de La Tour (1593-1652) war ein lothringischer Maler des Barocks

Wir wünschen dir den Frieden der Meeresdünung,

den Frieden einer sanften Brise,

den Frieden der schweigsamen Erde,

den Frieden einer klaren Sternennacht.

Wir wünschen dir den Frieden Jesu Christi,

der unser Friede ist für alle Zeit.

Altirischer Segenswunsch

 

Matthias Grünewald, Concert of Angels and Nativity
Matthias Grünewald (16. Jahrhundert) war ein bedeutender Maler und Grafiker der Renaissance.

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin
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