BuchKult
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Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Glück auf die Reise!

 

Sie machen die Luft dir dumpf und schwer,

Die kreischenden Zwerge?

Lach ihnen Abschied! Fahr über das Meer!

Steig über die Berge!

 

Doch, ehe du gehst, nimm einen am Ohr

Und schüttel ihn leise.

Verloren ist, wer den Humor verlor.

Glück auf die Reise!

 

Theodor Kittelsen, Far, far away Soria Moria Palace shimmered like Gold
Theodor Severin Kittelsen (1857-1914) war ein norwegischer Künstler.

Wilhelm Busch 1832-1908

Im Sommer

 

In Sommerbäder

Reist jetzt ein jeder

Und lebt famos.

Der arme Dokter,

Zu Hause hockt er

Patientenlos.

 

Von Winterszenen,

Von schrecklich schönen,

Träumt sein Gemüt,

Wenn, Dank der Götter,

Bei Hundewetter

Sein Weizen blüht..

 

 

Maurice Brazil Prendergast, The Balloon, 1898
Maurice Brazil Prendergast (1858-1924) war ein US-amerikanischer Aquarellist des Post-Impressionismus.
 

Fred Endrikat 1890-1942

Sommerfrische

 

Man soll nicht in die Sommerfrische gehen,

man wird doch seines Lebens nicht so richtig froh.

Ob da nun Berges- oder Meereslüfte wehen,

auf dem Balkon zu Hause weht es grade so.

Man wird gepiesackt von den Schnaken und den Mücken,

im Meer die Quallen sind auch nicht sehr angenehm.

Und dann an alle Welt das Ansichtskartenschicken.

Nee, nee, mir ist schon mies von alledem.

Ich frage Sie: ist das vielleicht Erbauung,

wenn man da schwitzend auf die Berge klimmt?

Und dann: das fremde Wasser stört mir die Verdauung.

Laß mich in Ruh mit diesem ganzen Zimt.

Was brauch ich Schwarzwald? Ich hab' eine Edeltanne

und laß' den Ventilator durch mein Zimmer wehn.

Statt in den See, kriech' ich in meine Badewanne.

Nee, nee, man soll nicht in die Sommerfrische gehn.

 

Ernst Albert Fischer-Cörlin, In der Sommerfrische
Ernst Albert Fischer-Cörlin (1853-1932) war ein deutscher Maler.

Theodor Fontane 1819-1898

Guter Rat

 

An einem Sommermorgen

Da nimm den Wanderstab,

Es fallen deine Sorgen

Wie Nebel von dir ab.

 

Des Himmels heitere Bläue

Lacht dir ins Herz hinein,

Und schließt, wie Gottes Treue,

Mit seinem Dach dich ein.

 

Rings Blüten nur und Triebe

Und Halme von Segen schwer,

Dir ist, als zöge die Liebe

Des Weges nebenher.

 

So heimisch alles klinget

Als wir im Vaterhaus,

Und über die Lerchen schwinget

Die Seele sich hinaus.

 

Gustave Courbet, Bonjour Monsieur Courbet, 1854, Montpellier, Musée Fabre
Jean Désiré Gustave Courbet (1819-1877) war ein französischer Maler des Realismus.

Heinrich Heine 1797-1856

 

Himmel grau und wochentäglich!

Auch die Stadt ist noch dieselbe!

Und noch immer blöd und kläglich

Spiegelt sie sich in der Elbe.

 

Lange Nasen, noch langweilig

Werden sie wie sonst geschneuzet,

Und das duckt sich noch scheinheilig,

Oder bläht sich, stolz gespreizet.

 

Schöner Süden! wie verehr ich

Deinen Himmel, deine Götter,

Seit ich diesen Menschenkehricht

Wiederseh, und dieses Wetter!

 

 

Vilhelm Marstrand, Voyageurs à Venise, 1854, Copenhague, Collection Hirschsprung
Vilhelm Nicolai Marstrand, auch Wilhelm Nicolai Marstrand, (1810-1873) war ein dänischer Maler und Zeichner.

Wilhelm Müller 1794-1827

Rast

 

Nun merk' ich erst, wie müd' ich bin,

Da ich zur Ruh' mich lege:

Das Wandern hielt mich munter hin

Auf unwirtbarem Wege.

 

Die Füße frugen nicht nach Rast,

Es war zu kalt zum Stehen;

Der Rücken fühlte keine Last,

Der Sturm half fort mich wehen.

 

In eines Köhlers engem Haus

Hab' Obdach ich gefunden;

Doch meine Glieder ruh'n nicht aus:

So brennen ihre Wunden.

 

Auch du, mein Herz, in Kampf und Sturm

So wild und so verwegen,

Fühlst in der Still' erst deinen Wurm

Mit heißem Stich sich regen!

 

 

Jørgen Roed, An Artist Resting by the Roadside, Statens Museum for Kunst
Jørgen Roed (1808-1888) war ein dänischer Porträt-, Architektur- und Genre-Maler.

Franz Grillparze 1791-1872

In der Fremde

 

Schon bin ich müd zu reisen,

Wär's doch damit am Rand,

Vor Hören und vor Sehen

Vergeht mir der Verstand.

 

So willst Du denn nach Hause?

O nein! Nur nicht nach Haus!

Dort stirbt des Lebens Leben

Im Einerlei mir aus.

 

Wo also willst Du weilen?

Wo findest Du die Statt?

O Mensch, der nur zwei Fremden

Und keine Heimat hat.

 

Jan Griffier, Paysage de montagne avec rivière et voyageurs, au printemps, um 1715, Turin, Sabauda
Jan Griffier (1652-1718) war ein aus den Niederlanden stammender Landschaftsmaler und Radierer.

Max Haushofer 1840-1907

Beim Wandern

 

Wärst du beim hellen Sonnenschein

Gegangen in die Welt hinein

Zu wandern:

Sie hätte wohl ihr Glück und Gold

Auch deinen Augen aufgerollt

Wie andern!

 

Und wärst mit hellem Auge du

Dahingeflogen immerzu

Im Wandern:

Du stießest nicht an Stock und Stein

Und lachtest in die Welt hinein

Mit andern!

 

Und hättest du in stiller Nacht

Die Augen besser aufgemacht

Im Wandern:

So müßtest du nicht kosend sehn

Die Mägdlein an den Fenstern stehn

Mit andern!

 

 

Ernst Förster, Der Wanderer
Ernst Förster (1800–1885) war ein deutscher Maler.

Anastasius Grün 1806-1876

Zwei Heimgekehrte

 

Zwei Wanderer zogen hinaus zum Tor

Zur herrlichen Alpenwelt empor;

Der eine ging, weil's Mode just,

Den andern trieb der Drang in der Brust.

 

Und als daheim nun wieder die zwei,

Da rückte die ganze Sippe herbei,

Da wirbelt's von Fragen ohne Zahl:

"Was habt ihr gesehen? Erzählt einmal!"

 

Der eine drauf mit Gähnen spricht:

"Was wir gesehen? Viel war es nicht!

Ach, Bäume, Wiesen, Bach und Hain,

Und blauen Himmel und Sonnenschein!"

 

Der andere lächelnd dasselbe spricht,

Doch leuchtenden Blicks, mit verklärtem Gesicht:

"Ei, Bäume, Wiesen, Bach und Hain,

Und blauen Himmel und Sonnenschein!"

 

Bernhard Reinhold, Künstler erkunden die österreichischen Alpen, 1819
Ludwig Heinrich Bernhard Reinhold (1824-1892) war ein deutscher Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Ausflug mit der Eisenbahn

 

Puff-puff Eisenbahn -

jetzt fahren wir nach Wiesenplan!

 

Wiesenplan, das ist die Stadt,

die den Kohlweißling zum Bürger hat.

 

Der Kohlweißling bewohnt ein Haus,

das sieht wie eine Glocke aus -

 

wie eine Glockenblume blau!

Da wohnt der Kohlweißling mit seiner Frau.

 

Und weht der Wind, macht die Glocke kling, kling,

und da freuen sich Herr und Frau Schmetterling.

 

Puff-puff Eisenbahn!

Jetzt fahren wir wieder aus Wiesenplan

 

hinaus, hinaus, dem Walde zu . . .

wohin? wohin? . . . Nach - Quellwaldruh!

 

Der Bahnwärter von Quellwaldruh,

das ist ein Frosch und quakt dazu.

 

"Quak, quak, aussteigen! quak!

in Quellwaldruh ist heut Ostertag!

 

In Quellwaldruh ist heut Osterfeier,

da versteckt der Osterhas bunte Eier!

 

Rote und gelbe und allerlei,

und das Suchen steht allen Fahrgästen frei!

 

Quak, quak, quak! Guten Tag!"

Guten Tag! Schönen Dank! Herr Bahnwärter Quak!

 

Und jetzt wollen wir unter den Eichen und Buchen

und Tannen und Birken die Ostereier suchen!

 

Und im Moos und unter den großen Wurzeln,

darüber die kleinen Kinder purzeln.

 

Nicht wahr? Und haben wir alle gefunden

und in unsre Sacktücher eingebunden,

 

dann fahren wir am Abend wieder nach Haus

und packen das Wunder vor Großmutter aus! -

 

Charles Rossiter, To Brighton and back for 3 shillings and sixpence
Charles Rossiter (1827–1897) war ein britischer Maler.

Emanuel Geibel 1815-1884

Morgenwanderung

 

Wer recht in Freuden wandern will,

der geh der Sonn' entgegen;

da ist der Wald so kirchenstill,

kein Lüftchen mag sich regen;

noch sind nicht die Lerchen wach,

nur im hohen Gras der Bach

singt leise den Morgensegen.

 

Die ganze Welt ist wie ein Buch,

darin uns aufgeschrieben

in bunten Zeilen manch ein Spruch,

wie Gott uns treu geblieben;

Wald und Blumen nah und fern

und der helle Morgenstern

sind Zeugen von seinem Lieben.

 

Da zieht die Andacht wie ein Hauch

durch alle Sinnen leise,

da pocht ans Herz die Liebe auch

in ihrer stillen Weise,

pocht und pocht, bis sich's erschließt

und die Lippe überfließt

von lautem, jubelndem Preise.

 

Und plötzlich läßt die Nachtigall

im Busch ihr Lied erklingen,

in Berg und Tal erwacht der Schall

und will sich aufwärts schwingen,

und der Morgenröte Schein

stimmt in lichter Glut mit ein:

Laßt uns dem Herrn lobsingen!

 

 

Leo Prochownik, Der Wanderer, aus: Guckkasten, 1909 Nr.10
Leo Prochownik (1875-1936) war ein deutscher Figuren-, Landschafts- und Marinemaler, Radierer und Illustrator.

August von Platen-Hallermünde (Graf Platen) 1796-1835

 

O wonnigliche Reiselust,

an dich gedenk ich früh und spat!

Der Sommer naht, der Sommer naht,

Mai, Juni, Juli und August,

da quillt empor,

da schwillt empor

das Herz in jeder Brust.

 

Ein Tor, wer immer stille steht,

drum Lebewohl und reisen wir!

Ich lobe mir, ich lobe mir

die Liebe, die auf Reisen geht!

Drum säume nicht und träume nicht,

wer meinen Wink versteht.

 

Adolph von Menzel, Reisepläne
Adolph Friedrich Erdmann Menzel, ab 1898 von Menzel (1815-1905), war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator.

Carl Hermann Busse 1872-1918

Auf der Reise

 

Das kann nicht anders werden,

Wir alle wandern ja,

Sind Gäste nur auf Erden

Und für die Reise da.

 

So laß das Glück denn treiben,

Das ist nun einerlei,

Wir dürfen doch nicht bleiben

Und gehn uns stumm vorbei.

 

Und wandern müd' und leise,

Am Schuh zerreißt das Band,

Und suchen auf der Reise

Das große Vaterland.

 

Ich hört' ein Lied verwehen,

Das klang und rauschte so,

Ich hab das Glück gesehen,

Weiß aber nicht mehr, wo.

 

Camille Pissarro, Wanderer near wood, 1887
Jacob Abraham Camille Pissarro (1830-1903) war einer der bedeutendsten und produktivsten Maler des Impressionismus.

Christian Morgenstern 1871-1914

Spruch zum Wandern

 

Empfange mich, du reine Luft,

und gieb mir deine Kraft;

vertilge, was in mir an Gruft,

und nähre, was da schafft!

 

Dass ewig neuen Blutes Strom

verjüngten Adern kreise

und erdenmütterlich Arom

noch fernste Träume speise!

 

Konstantin Korovin, Gurzuf, 1914
Konstantin Alekseyevich Korovin (1861-1939) war ein russischer Maler, Bühnenbildner und Pädagoge. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Impressionismus des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Richard Dehmel 1863-1920

Klarer Tag

 

Der Himmel leuchtet aus dem Meer;

ich geh und leuchte still wie er.

 

Und viele Menschen gehn wie ich,

sie leuchten alle still für sich.

 

Zuweilen scheint nur Licht zu gehn

und durch die Stille hinzuwehn.

 

Ein Lüftchen haucht den Strand entlang:

o wundervoller Müßiggang.

 

Jerome B. Thompson, The Belated Party on Mansfield Mountain
Jerome B. Thompson (1814-1886) war ein US-amerikanischer Künstler.

Karl Friedrich Hartmann Mayer 1786-1870

Sommerreise

 

Blaudunkler, als die Lüfte blühn,

sahn Nelken aus dem Saatengrün.

Den schönsten Farbengruß entbot

Durchsichtig, feuerpurpurrot

der Ackermohn dem Sonnentag,

und ob das Entzücken lag

als Lerchensang in klarer Luft,

berauscht von süßem Segensduft.

Da gab es viel zu sehn, zu preisen

und langsam ging es mit dem Reisen.

 

Jacques Arthois, Waldlandschaft mit Fluss und Reisenden, Schwerin, Staatliches Museum
Jacques d’Arthois (1613-1686) war ein flämischer Landschaftsmaler.

Wilhelm Busch 1832-1908

 

Viel zu spät begreifen viele

die versäumten Lebensziele,

Freunde, Schönheit der Natur,

Gesundheit, Reisen und Kultur.

Darum, Mensch, sei zeitig weise!

Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!

 

Konstantin Sawizki, Travellers in Auvergne
Konstantin Apollonowitsch Sawizki (1844-1905) war ein russischer Maler und Pädagoge.

Eduard Mörike 1804-1875

Auf der Reise

 

Zwischen süßem Schmerz,

Zwischen dumpfem Wohlbehagen

Sitz ich nächtlich in dem Reisewagen,

Lasse mich so weit von dir, mein Herz,

Weit und immer weiter tragen.

 

Schweigend sitz ich und allein,

Ich wiege mich in bunten Träumen,

Das muntre Posthorn klingt darein,

Es tanzt der liebe Mondenschein

Nach diesem Ton auf Quellen und auf Bäumen

Sogar zu mir durchs enge Fensterlein.

 

Ich wünsche mir nun dies und das.

O könnt ich jetzo durch ein Zauberglas

Ins Goldgewebe deines Traumes blicken!

Vielleicht dann säh ich wieder mit Entzücken

Dich in der Laube wohlbekannt,

Ich sähe Genovevens Hand

Auf deiner Schulter traulich liegen,

Am Ende säh ich selber mich,

Halb keck und halb bescheidentlich,

An deine holde Wange schmiegen.

 

Doch nein! wie dürft ich auch nur hoffen,

Daß jetzt mein Schatten bei dir sei!

Ach, stünden deine Träume für mich offen,

Du winktest wohl auch wachend mich herbei!

 

 

Marinus Adrianus Koekkoek der Ältere,

Walkers in a landscape
Marinus Adrianus Koekkoek der Ältere (1807-1868) war ein niederländischer Landschafts- und Marinemaler.
 

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Reisespruch

 

Bunte Dörfer, bunte Kühe,

Ackerpracht und Ackermühe,

Reichsten Lebens frischer Lauf.

Dreht sich alles weit im Kreise;

Mittendurch geht deine Reise:

Thu nur Herz und Augen auf.

 

 

Carl Gustav Carus, Wanderer auf Bergeshöh, 1818, Saint Louis Art Museum
Carl Gustav Carus, auch Karl Gustav Carus (1789-1869) war ein deutscher Arzt, Maler und Naturphilosoph sowie Psychologe.
 

Fred Endrikat 1890-1942

Stadtflucht

 

Manchmal schau' ich aufwärts zu den Dächern ringsumher,

denn die grauen Häusermauern drohn mich zu erdrücken.

Auf den Straßen liegt die trübe Last so bleiern schwer.

und ich trage sie wie eine Last auf meinem Rücken.

 

Einmal möchte ich von einem grünen Bergeshang

wieder einen Blick ins blaue, weite All genießen.

Möchte still bewundern einen Sonnenuntergang,

wie wenn Himmel, See und Erde ineinanderfließen.

 

Möchte wieder einen Baum mit reifen Äpfeln sehn,

wie wir sie als Kinder heimlich, oft und gern gestohlen.

Möcht' auf einem Bauernhof vor einem Kuhstall stehn

und ganz tief, aus allertiefsten Tiefen Atem holen.

 

Einmal möcht' ich wieder über weite Felder gehn

und die weiche Schnauze streicheln einem Ackerpferde.

Möchte Enten schnattern hören und die Hähne krähn.

Meine asphaltmüden Füße sehnen sich nach Erde.

 

 

 

Karl Friedrich Schinkel, Felsentor, 1818, Alte Nationalgalerie
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) war ein preußischer Baubeamter, Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker, Medailleur und Bühnenbildner.
 

Hugo von Hofmannsthal 1874-1929

Reiselied

 

Wasser stürzt, uns zu verschlingen,

Rollt der Fels, uns zu erschlagen,

Kommen schon auf starken Schwingen

Vögel her, uns fortzutragen.

 

Aber unten liegt ein Land,

Früchte spiegeln ohne Ende

In den alterslosen Seen.

 

Marmorstirn und Brunnenrand

Steigt aus blumigem Gelände,

Und die leichten Winde wehn.

 

Hans Thoma, Der Wanderer im Schwarzwald, 1891
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Heinrich Möwes 1793-1834

Ausflug

 

Ins Freye hinaus, wo's grünt und blüht,

    Wo lockende Berge ragen,

Wo Leben aus Gräsern und Bäumen sprüht,

    Will mich es auf Flügeln tragen!

Es fallen, es fallen die Ketten,

Ich kann aus der Haft nun ins Freye mich retten!

 

Will's Gott, will's Gott, so grüß' ich euch bald,

    Ihr fernen lachenden Felder;

Und höre, wie lustig das Echo schallt

    In den Klüften der Berge und Wälder;

Und wandre, auf sonnigen Höhen

Und grünenden Matten mich froh zu ergehen.

 

"Die blühenden Matten" du Pilger, wo,

    Wo grünen sie dir? — Wo ragen

Die Höhen, auf welche du wacker und froh

    Willst lustigen Fußes dich wagen?"

Sie liegen und lachen, du Lieber,

Hier unter den Sternen — oder darüber!

 

 

Frans van Mieris der Ältere,

Le Voyageur au repos, um 1657
Frans van Mieris der Ältere (1635-1681) war ein niederländischer Porträt-, Historien- und Genremaler.

Ludwig Tieck 1773-1853

Ermunterung

 

Keinen hat es noch gereut

Keinen hat es noch gereut,

Der das Roß bestiegen,

Um in frischer Jugendzeit

Durch die Welt zu fliegen.

 

Berge und Auen,

Einsamer Wald,

Mädchen und Frauen

Prächtig im Kleide,

Golden Geschmeide,

Alles erfreut ihn mit schöner Gestalt.

 

Wunderlich fliehen

Gestalten dahin,

Schwärmerisch glühen

Wünsche in jugendlich trunkenem Sinn.

 

Ruhm streut ihm Rosen

Schnell in die Bahn,

Lieben und Kosen,

Lorbeer und Rosen

Führen ihn höher und höher hinan.

 

Rund um ihn Freuden,

Feinde beneiden,

Erliegend, den Held. –

Dann wählt er bescheiden

Das Fräulein, das ihm nur vor allen gefällt.

 

Und Berge und Felder

Und einsame Wälder

Mißt er zurück.

Die Eltern in Tränen,

Ach, alle ihr Sehnen –

Sie alle verreinigt das lieblichste Glück.

 

Sind Jahre verschwunden,

Erzählt er dem Sohn

In traulichen Stunden,

Und zeigt seine Wunden,

Der Tapferkeit Lohn.

So bleibt das Alter selbst noch jung,

Ein Lichtstrahl in der Dämmerung.

 

 

 

Mela Koehler, Wanderin, Postkarte der Wiener Werkstätten
Melanie Leopoldina (Mela) Köhler (auch: Koehler, 1885-1960), verh. Broman war eine Malerin, Grafikerin, Illustratorin, Aquarellistin und war eine Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte.
 

 

Reklame aus:

Monsieur, Paris, 1920

 

Der Geheimrat in den Alpen, aus: Guckkasten, 1909, Nr.14

Max von Eyth 1836-1906

Wanderlebensregeln

 

Willst du hinaus in die weite Welt,

So laß das Sorgen dahinten.

Nimm nicht zu viel, doch ein wenig Geld,

Das weitere solltest du finden.

 

Ein flinker Fuß, eine stetige Hand,

Und das Herz am richtigen Flecke,

So kommst du sicher im fernsten Land

Auch um die gefährlichste Ecke.

 

Und den Schulsack – vergiß den Schulsack nicht,

Um den uns der Erdkreis beneidet.

Erfreu dich an seinem schönen Gewicht,

Solange dein Rücken es leidet.

 

Doch hab' er ein Loch, hübsch lang und weit,

Wenn nötig, gebrauche die Schere,

Damit er beim Wandern, im Laufe der Zeit,

Sich heimlich und schmerzlos entleere.

 

Was alles du siehst, ist dein Wandersold,

Den magst in die Tasche du rammen;

Vielleicht ist es Plunder, vielleicht ist es Gold,

So lag's auch im Schulsack beisammen.

 

Dann: – fährt dich niemand, und du mußt gehn,

Greif aus, kein Weg mach' dir bange.

Und siehst du das Glück auf der Straße stehn:

Greif zu, besinn dich nicht lange.

 

Doch wendet den Rücken es manches Mal

Und zeigt dir boshaft die Kralle,

Geh weiter! Bleib treu deinem Eisen und Stahl,

Und pfeif auf die Edelmetalle.

 

So ziehe getrost bergauf, bergab,

Und trage und schaffe und scherze;

Bringst du nur zurück, was Gott dir gab,

Dein altes, fröhliches Herze.

 

 

Adolph von Menzel, Auf der Fahrt durch schöne Natur
Adolph Friedrich Erdmann Menzel, ab 1898 von Menzel (1815-1905), war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Luftveränderung

 

Fahre mit der Eisenbahn,

fahre, Junge, fahre,

Auf dem Deck vom Wasserkahn

wehen deine Haare.

 

Tauch in fremde Städte ein,

lauf in fremden Gassen;

höre fremde Menschen schrein,

trink aus fremden Tassen.

 

Flieh Betrieb und Telefon,

grab in alten Schmökern,

sieh am Seinekai, mein Sohn,

Weisheit still verhökern.

 

Lauf in Afrika umher,

reite durch Oasen;

lausche auf ein blaues Meer,

hör den Mistral blasen!

 

Wie du auch die Welt durchflitzt

ohne Rast und Ruh-:

Hinten auf dem Puffer sitzt

du.

 

Camille-Leopold Cabaillot-Lassale, The Railway Carriage
Camille-Leopold Cabaillot-Lassale (1839-1888) war ein französischer Maler.

Isolde Kurz 1853-1944

Italien

 

Hingestreckt zwischen beiden Meeren

Liegst du und träumst in Mittagsruh’,

Götterliebling!

Und die Wellen singen ihr altes Lied,

Das weltenalte,

Von deiner Schöne, von deinem Ruhm.

Die fernsten Ufer hallen’s zurück,

Doch von der seligen Stirne,

Die kein Leid gefurcht, die kein Gram gebeugt,

Ist der schwere Lorbeer gefallen.

Und die Hand, die herrliche Bildnerin,

Die die Kette gebrochen der langen Schmach,

Heut liegt sie müde und feiert.

Will nicht mehr schaffen, will nicht mehr siegen,

Schelte sie Keiner um ihre Ruh’!

Denn fernher kommen bezwung’ne Barbaren,

Zahlen willig der Ehrfurcht Zoll,

Und die Götter, die launisch grollten,

Haben der Freundin, der lange Verstoßnen,

Endlich heiteren Abend geschenkt.

 

 

Max Slevogt, Porträt des Gründers des Pfälzerwald-Vereins, Heinrich Kohl, als ruhender Wanderer, 1920
Franz Theodor Max Slevogt (1868-1932) war ein deutscher Maler, Grafiker, Illustrator und Bühnenbildner des deutschen Impressionismus.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Reisegeldgedicht

 

Es gibt der Worte nicht genug,

Um Heim und Heimat laut zu preisen.

Um zehn Uhr vierzig geht mein Zug.

Adieu! Adieu! Ich muss verreisen.

 

Mein Reisekoffer, frisch entstaubt,

Folgt seiner Sehnsucht in die Weite

Und hat mir freundschaftlich erlaubt,

Dass ich ihn unterwegs begleite.

 

Und Sehnsucht, Kohle und Benzin

Soll uns recht fern durch Fremdes treiben,

Damit wir denen, die wir fliehn,

Recht frohe Ansichtskarten schreiben.

 

Auf Wiedersehn! Ich reise fort.

Mein Reisegeld sucht andres, andre.

Bis ich erkenne: Hier ist dort

Und neu vergnügt nach Hause wandre.

 

Richard Zommer, Camp of the Wanderers
Richard Karlovich Zommer (1866-1939) war ein in München geborener russischer Maler.

Josef Weinheber 1892-1945

Ausflug

 

Auf und aus zur Frühlingsfeier!

Jeder Rucksack schwellt sich froh.

Schnitzel, Speck, sechs weiche Eier -

Und das Glück brennt lichterloh.

 

Noch die kleine Vorbeschwerde

einer Stunde Bundesbahn -

Forsch gehst du die junge Erde

als ein schwarzer Büßer an.

 

Ach, sie wäscht dir, sanfter Regen,

ab der Großstadt Satanie.

In den aufgeweichten Wegen

sinkst du ein bis unters Knie.

 

Aber querwiesein erstrahlen

Enzian und Knabenkraut,

und es läßt sich nicht bezahlen,

wenn dein Aug' den Waldlauch schaut.

 

Bunter Falter erstes Flattern,

brauner Hummeln dunkler Ton,

alter Motorräder Knattern -

Schätzel, Schätzel, schläfst du schon?

 

Beserlwald, geliebte Fluren,

wo, aus blauer Höh' geweht,

Odenreif gleich Engelsspuren

alle Schritt ein Wirtshaus steht.

 

Wo im Schutz der Brombeerbüsche

Bub und Mädel, unbewacht

und in wilder Jugendfrische

plaudern, daß das Herz dir lacht.

 

Freu' dich, nimm den Stab und gehe!

Grüß mir Wiese, Wald und Wind!

Wenn nicht grade in der Nähe

Heimatschutzmanöver sind.

 

Erik Henningsen, Morgenturen, 1907
Erik Ludvig Henningsen (1855-1930) war ein dänischer Maler und Illustrator.
 

Fred Endrikat 1890-1942

Brief aus der Sommerfrische

 

Heute morgen war der Himmel wolkengrau bezogen.

Nach dem Regen aber kam ein sonnig schöner Tag,

und ein Stückchen von dem wunderbaren Regenbogen

lege ich Dir mit hinein in diesen Briefumschlag.

Auch dies kleine Blümchen hier, ganz einfach und bescheiden,

sendet Dir die besten Grüße über Tal und Höh'n.

Seine Schwestern blühn am See dort bei den alten Weiden.

Wie die Blümchen heißen, weiß ich nicht, doch sie sind schön.

 

Wenn Du hören könntest, wie die Vögel jubilieren –

und Du hockst dort in der Stadt im dunstigen Büro,

mußt auf Straßenpflaster abends müde heimmarschieren.

Der Gedanke stimmt mich dann ein wenig gar nicht froh.

Aber was ich hier erlebte in den schönen Tagen,

steht Dir alles noch in allernächster Zeit bevor.

Was vorüber ist, das soll man nimmermehr beklagen.

Wenn die Sonne scheint, dann weint und jammert nur der Tor.

 

Nur acht Tage, noch acht schöne Tage, und dahinter

winken ferne schon die Ferien im nächsten Jahr.

Eine einz'ge Krähe macht noch lange keinen Winter,

und ein graues Härchen macht noch keinen Jubilar.

Und so will ich denn für heute meinen Brief beschließen,

leider wurde daraus wieder einmal ein Gedicht.

Alle Bäume lassen Dich aus tiefster Wurzel grüßen.

Grüße Du dort alle Menschen – nur die Spießer nicht.

 

 

Heinrich Gernler, Berggänger, 1876
Karl Heinrich Gernler (1811–1880) war ein Schweizer Maler.

Johann Gabriel Seidl 1804-1875

Der Wanderer an den Mond

 

Ich auf der Erd', am Himmel du,

Wir wandern beide rüstig zu:

Ich ernst und trüb, du mild und rein,

Was mag der Unterschied wohl sein?

 

Ich wandre fremd von Land zu Land,

So heimatlos, so unbekannt;

Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,

Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.

 

Du aber wanderst auf und ab

Aus Ostens Wieg' in Westens Grab,

Wallst Länder ein und Länder aus,

Und bist doch, wo du bist, zu Haus.

 

Der Himmel, endlos ausgespannt,

Ist dein geliebtes Heimatland;

O glücklich, wer, wohin er geht,

Doch auf der Heimat Boden steht!

 

Wlastimil Hofman, Two Wanderers
Wlastimil Hofman (1881-1970) war ein polnischer Maler.

Ludwig Thoma 1867-1921

Urlaubshitze

 

Überall hört man von Hitze,

Manchen trifft sogar der Schlag,

Naß wird man am Hosensitze

Schon am frühen Vormittag.

 

Damen, denen man begegnet,

Leiden sehr am Ambopoäng:

"Gott! Wenn es nur endlich regnet'!"

Ist der ewige Refräng.

 

Oberlehrer und Pastoren

Baden sich in diesem Jahr,

Ihre Scham geht auch verloren,

Und man nimmt sie nackicht wahr.

 

Busen, Hintern, Waden, Bäuche

Zeigt man heuer lächelnd her,

Und wir kriegen schon Gebräuche

Wie die Neger ungefähr.

 

Wenn das Barometer sänke,

Käme eine bess're Zeit

In bezug auf die Gestänke

Und in puncto Sittlichkeit.

 

Lovis Corinth, Der Hamburger Unternehmer Henry B. Simms 1910 in der Klobensteiner Sommerfrische
Lovis Corinth (1858-1925) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Sommerfrische

 

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,

Das durch den sonnigen Himmel schreitet.

Und schmücke den Hut, der dich begleitet,

Mit einem grünen Reis.

 

Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.

Weil's wohltut, weil's frommt.

Und bist du ein Mundharmonikabläser

Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

 

Und laß deine Melodien lenken

Von dem freigegebenen Wolkengezupf.

Vergiß dich. Es soll dein Denken

Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

 

 

Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer
Caspar David Friedrich (1774-1840) war ein deutscher Maler, Grafiker und Zeichner.Er gilt heute als der bedeutendste Künstler der deutschen Frühromantik.
 

Josef Weinheber 1892-1945

Einsames Wandern

 

Zuerst noch Gärten und hinter den Zäunen

wohnte das runde Glück.

Dann kamen Felder und hockende Scheunen,

dann ließ ich auch die zurück.

 

Nun ist noch hie und da ein Gehöft.

Der Schritt geht vorbei; geht schwer.

Und der Hof und der Hund an der Kette schläft.

Menschen seh ich schon lange nicht mehr.

 

Jetzt ist schon Glück, wenn fernwo ein Baum

an der endlosen Straße steht.

Und immer müder wird der Traum,

der mit mir wandern geht.

 

Vielleicht komm abends ich an ein Haus.

Viel Hoffnung ist nicht.

Die Jugend ist hin und der Stolz ist aus.

Die Luft geht rauh und Schnee ist in Sicht.

 

Ich wünsch mir noch einen schönen Sturm.

Einen Himmel in Abendglut.

Dann sei ein Ende! -

Grüß Gott, Bruder Wurm! -

 

Jean-Bruno Gassies, Landschaft in Schottland
Jean-Bruno Gassies (1786–1832) war ein französischer Historien- und Genremaler.

Nikolaus Lenau

An den Ischler Himmel im Sommer

 

Himmel! seit vierzehn Tagen unablässig

Bist du so gehässig und regennässig,

Bald ein Schütten in Strömen, bald Geträufel;

Himmel, o Himmel, es hole dich der Teufel!

 

Gurgelst wieder herab die schmutzigen Lieder,

Hängen vom Leibe dir die Fetzen nieder,

Taumelst gleich einem versoffnen zitternden Lumpen,

Hin von Berge zu Berge mit vollem Humpen!

 

Warfst den Bergen die Kinder aus ihren Betten,

Alle Bäche heraus, und plump zertreten

Hast du die reifende Saat den armen Bauern;

Unband! wie lange noch soll dein Unfug dauern?

 

Wenn doch endlich tüchtige Winde brausten

Und dich rasch von dannen peitschten und zausten!

Aber du wirst von Stunde zu Stunde noch frecher,

Lümmelst schon dich herein bis auf unsre Dächer.

 

Hast an harten Felsen den Kopf zerschlagen,

Und noch bist du nicht hin! seit vierzehn Tagen!

Blinder Unhold! es ist das Auge der Sonnen

Und das Auge des Monds dir ausgeronnen.

 

Ungastfreundlicher Strolch! die schönsten Frauen

Kamen, zu baden und das Gebirg zu schauen;

Baden können sie gnug, doch den Hals nie strecken

Aus dem Tale, dem riesigen Badebecken.

 

Hätte Ischl nur dich und seine Solen,

Hätt ich mit einem Fluche mich längst empfohlen;

Doch nebst dir und deinem Wolkengewimmel

Hat es zum Glück noch einen andern Himmel!

 

Victor Gabriel Gilbert, Caught in the storm
Victor Gabriel Gilbert (1847-1933) war ein französischer Maler.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Die Ameisen

 

In Hamburg lebten zwei Ameisen,

Die wollten nach Australien reisen.

Bei Altona auf der Chaussee

Da taten ihnen die Beine weh,

Und da verzichteten sie weise

Denn auf den letzten Teil der Reise.

 

So will man oft und kann doch nicht

Und leistet dann recht gern Verzicht.

 

Thomas Fearnley, Landscape with a Wanderer, 1830, National Museum of Art, Architecture and Design
Thomas Fearnley (1802-1842) war ein norwegischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Das böhmische Dorf

 

Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,

in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.

 

Unverständlich bleibt ihm alles dort,

von dem ersten bis zum letzten Wort.

 

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen

ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

 

Doch just dieses macht in blass vor Glück.

Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.

 

Und er schreibt in seine Wochenchronik:

Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!

 

Pieter Kluyver, A Wanderer on a Sandy Track
Pieter Kluyver (1816-1900) war ein niederländischer Maler.

Heinz Erhardt 1909-1979

 

Ich geh' im Urwald für mich hin ...

Wie schön, dass ich im Urwald bin:

man kann hier noch so lange wandern,

ein Urbaum steht neben dem andern.

Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,

hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat!

 

 

 

William Heath Robinson,

The Moon’s First Voyage
William Heath Robinson (1872-1944) war ein britischer Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Bühnenbildner.Bekannt wurde er durch seine komischen Zeichnungen von Maschinen, deren Kompliziertheit in keinem Verhältnis zu ihrem banalen Nutzen steht.
 

Richard Dehmel 1863-1920

Die Reise

 

Tipp, tapp, Stuhlbein,

hüh, du sollst mein Pferdchen sein!

Klipp, klapp, Hutsche,

du bist meine Kutsche,

wutsch!

 

Wipp, wapp, zu langsam,

hott, wir fahren Eisenbahn!

Alle meine Pferde,

um die ganze Erde,

rutsch!

 

Tipp tapp, zipp zapp,

halt, wann geht das Luftschiff ab!

Fertig, Kinder, eingestiegen,

wollen in den Himmel fliegen,

futsch!

 

Clément-Auguste Andrieux, Le voyage de troisième classe
Clément-Auguste Andrieux (1829-1880) war ein französischer Künstler und Illustrator.

Georg Bötticher 1849-1918

Der Genügsamste

 

Vier verwegene Gesellen

Stiegen einst hinab zur Höllen.

Vor dem höllischen Palast

Machten sie ein Weilchen Rast.

 

Alle schwitzten sie erklecklich,

Denn die Hitze war erschrecklich,

Und der Höllen-Reaumür

Stand auf Achtzehnhundertvier.

 

"Na, ick danke", rief der Preuße,

"So ne jottverdammte Reise!

Hier kann eener ja verkochen –

Ick bin schonstens Haut un Knochen!"

 

"Gibts denn nöt a Bier, zum Geier,

Himmelsackra!" schrie der Bayer,

"Jesses, un bei dera Hitzen –

Na, do mag der Deifel sitzen!"

 

"Chrischtli!" jammerte der Schwabe,

"Läg i liewer noch begrabe!

Schwäbli, jetzscht gehts iewers Köpfli –

I zerschwitz in lauta Tröpfli!"

 

"Heernse", sprach der Sachse:"schwiele

Find ichs nich – nich grade kiehle.

's Örtchen liegt e bißchen siedlich,

Awer sonst nich ungemiedlich."

 

 

Hans Thoma, Der Wanderer
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

O Wanderer

 

O Wanderer, steh und schau:

Hier fiel ich -

in die Hände meiner Frau!

Bete für mich ein frommes Gebet,

daß es dir nicht wie mir geht.

 

 

Ford Madox Brown,

Manfred on the Jungfrau
Ford Madox Brown (1821-1893) war ein englischer Maler aus dem Kreis der Präraffaeliten.
 

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

BuchKult

Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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