BuchKult
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Nikolaus Lenau 1802-1850

Frühlings Tod

 

Warum, o Lüfte, flüstert ihr so bang?

Durch alle Haine weht die Trauerkunde,

Und störrisch klagt der trüben Welle Gang:

Das ist des holden Frühlings Todesstunde!

 

Der Himmel, finster und gewitterschwül,

Umhüllt sich tief, daß er sein Leid verhehle,

Und an des Lenzes grünem Sterbepfühl

Weint noch sein Kind, sein liebstes, Philomele.

 

Wenn so der Lenz frohlocket, schmerzlich ahnt

Das Herz sein Paradies, das uns verloren,

Und weil er uns zu laut daran gemahnt,

Mußt ihn der heiße Sonnenpfeil durchbohren.

 

Der Himmel blitzt, und Donnerwolken fliehn,

Die lauten Stürme durch die Haine tosen;

Doch lächelnd stirbt der holde Lenz dahin,

Sein Herzblut still verströmend, seine Rosen.

 

Henri Biva, Landscape with a Pond
Henri Biva (1848-1929) war ein französischer Maler.

Gustav Falke 1853-1916

König Sommer

 

Nun fallen leise die Blüten ab,

Und die jungen Früchte schwellen.

Lächelnd steigt der Frühling ins Grab

Und tritt dem Sommer die Herrschaft ab,

Dem starken, braunen Gesellen.

 

König Sommer bereist sein Land

Bis an die fernsten Grenzen,

Die Ähren küssen ihm das Gewand,

Er segnet sie alle mit reicher Hand,

Wie stolz sie nun stehen und glänzen.

 

Es ist eine Pracht unterm neuen Herrn,

Ein sattes Genügen, Genießen,

Und jedes fühlt sich im innersten Kern

So reich und tüchtig. Der Tod ist so fern,

Und des Lebens Quellen fließen.

 

König Sommer auf rotem Roß

Hält auf der Mittagsheide,

Müdigkeit ihn überfloß,

Er träumt von einem weißen Schloß

Und einem König in weißem Kleide.

 

Hans am Ende, Sommer am Weyerberg
Hans am Ende (1864-1918) war ein deutscher Maler des Impressionismus und Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede.

Wilhelm Busch 1832-1908

Immer wieder

 

Der Winter ging, der Sommer kam.

Er bringt aufs neue wieder

Den vielbeliebten Wunderkram

Der Blumen und der Lieder.

 

Wie das so wechselt Jahr um Jahr,

Betracht ich fast mit Sorgen.

Was lebte, starb, was ist, es war,

Und heute wird zu morgen.

 

Stets muß die Bildnerin Natur

Den alten Ton benützen

In Haus und Garten, Wald und Flur

Zu ihren neuen Skizzen.

 

Fjodor Wassiljew, Summer hot day
Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew (1850-1873) war ein russischer Maler.

Richard Dehmel 1863-1920

Morgenandacht

 

Sehnsucht hat mich früh geweckt;

wo die alten Eichen rauschen,

hier am Waldrand hingestreckt,

will ich dich, Natur, belauschen.

 

Jeder Halm steht wie erwacht;

grüner scheint das Feld zu leben,

wenn im kühlen Tau der Nacht

warm die ersten Strahlen beben.

 

Wie die Fülle mich beengt!

so viel Großes! so viel Kleines!

wie es sich zusammendrängt

in ein übermächtig Eines!

 

Wie der Wind im Hafer surrt,

tief im Gras die Grillen klingen,

hoch im Holz die Taube gurrt,

wie die Blätter alle schwingen,

 

wie die Bienen taumelnd sammeln

und die Käfer lautlos schlüpfen -

oh Natur! was soll mein Stammeln,

seh ich all das dich verknüpfen:

 

wie es mir ins Innre dringt,

all das Große, all das Kleine,

wie's mit mir zusammenklingt

in das übermächtig Eine!

 

Isaak Lewitan, Lilii
Isaak Iljitsch Lewitan (1860-1900) war einer der bedeutendsten russischen Maler des Realismus.

Lisa Baumfeld 1877-1897

Sommertraum

 

Golddurchflammte Ätherwogen,

Schwerer Äste grüne Bogen,

Süß verwob'ne Träumerei'n…

Sommer, deine warmen Farben,

Helle Blumen, gold'ne Garben

Leuchten mir ins Herz hinein…

 

In dem Wald, dem dämm'rig düstern,

Hörst du's rauschen, lispeln, flüstern,

Elfenmärchen – Duft und Schaum…?

Blumenkinder nicken leise,

Lauschen fromm der alten Weise

Von des Waldes Sommertraum…

 

Und der See, der windumfächelt

Lallend plätschert, sonnig lächelt,

Netzt das Schilf aus lauem Born…

Rosen blühen am Gelände,

Rosenglut, wo ich mich wende,

Und im Herzen tief ein Dorn…

 

Peder Mørk Mønsted, Sunny Forest Stream, 1899
Peder Mørk Mønsted (1859-1941) war ein dänischer Landschaftsmaler.

Fred Endrikat 1890-1942

Sommerlied

 

Der Morgenwind weht mir ein schönes Lied entgegen,

ein Sommerlied, so farbenfroh und wunderbar.

Es klingt wie Harfenspiel, wenn sich die schlanken Halme regen.

Wenn sich die goldnen Ähren sanft im Wind bewegen,

ist es, als streichle eine zarte Frauenhand mein Haar.

 

Der Vogel streift den Morgentau von dem Gefieder.

Ein Duft von Heu und Gräsern weht herauf vom Wiesengrund.

Beim Kornfeld setz' ich mich am Rand des Weges nieder.

Der rote Mohn erfreut mich immer wieder

gleich einem vollerblühten, süßen Frauenmund.

 

In blauer Ferne höre ich ein Volkslied klingen,

so wie es Bauernmädchen singen, die zur Arbeit gehn.

Und die Gedanken flattern mit den Schmetterlingen.

sie bringen Grüße dir auf bunten Schwingen

von mir und einem Sommermorgen wunderschön.

 

Man fühlt den Odem der Natur vorüberwehen,

trinkt die Musik und ihre Farbenmelodie.

Man lernt die Nichtigkeit des Menschen ganz verstehen,

die Hände faltend, dankbar zu den Wolken sehen,

vor der unendlich, herrlich großen Sinfonie

 

Grigori Mjassojedow, In the Field
Grigori Grigorjewitsch Mjassojedow (1834-1911) war ein russischer Maler und Bildhauer und einer der führenden Vertreter der Peredwischniki.

Emanuel Geibel 1815-1884

 

O Sommerfrühe blau und hold!

Es trieft der Wald von Sonnengold,

in Blumen steht die Wiese;

die Rosen blühen rot und weiß,

und durch die Fluren wandelt leis,

ein Hauch vom Paradise.

 

Claude Monet, View near Rouelles, 1858, (first oil painting with 18 years)
Claude Monet (1840-1926) war ein bedeutender französischer Maler.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Sommer

 

Singe, meine liebe Seele,

Denn der Sommer lacht.

Alle Farben sind voll Feuer,

Alle Wett ist eine Scheuer,

Alle Frucht ist aufgewacht.

 

Singe, meine liebe Seele,

Denn das Glück ist da.

Zwischen Aehren, welch ein Schreiten!

Flimmernd tanzen alle Weiten,

Gott singt selbst Hallelujah.

 

Nikolai Sergejew, Sommerlandschaft
Nikolai Alexandrowitsch Sergejew (1855-1919) war ein russischer Landschaftsmaler und ab 1887 Ehrenmitglied der zaristischen Kunstakademie.

 

Paul Gerhardt 1607–1676

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

 

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud

in dieser lieben Sommerzeit

an deines Gottes Gaben;

Schau an der schönen Gärten Zier,

und siehe, wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben.

 

2. Die Bäume stehen voller Laub,

das Erdreich decket seinen Staub

mit einem grünen Kleide;

Narzissus und die Tulipan,

die ziehen sich viel schöner an

als Salomonis Seide.

 

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hochbegabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder.

 

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus,

der Storch baut und bewohnt sein Haus,

das Schwälblein speist die Jungen,

der schnelle Hirsch, das leichte Reh

ist froh und kommt aus seiner Höh

ins tiefe Gras gesprungen.

 

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand

und malen sich an ihrem Rand

mit schattenreichen Myrten;

die Wiesen liegen hart dabei

und klingen ganz vom Lustgeschrei

der Schaf und ihrer Hirten.

 

6. Die unverdrossne Bienenschar

fliegt hin und her, sucht hier und da

ihr edle Honigspeise;

des süßen Weinstocks starker Saft

bringt täglich neue Stärk und Kraft

in seinem schwachen Reise.

 

7. Der Weizen wächset mit Gewalt;

darüber jauchzet jung und alt

und rühmt die große Güte

des, der so überfließend labt,

und mit so manchem Gut begabt

das menschliche Gemüte.

 

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinnen;

ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt,

aus meinem Herzen rinnen.

 

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön

und läßt du’s uns so lieblich gehn

auf dieser armen Erden;

was will doch wohl nach dieser Welt

dort in dem reichen Himmelszelt

und güldnen Schlosse werden!

 

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein

wird wohl in Christi Garten sein!

Wie muß es da wohl klingen,

da so viel tausend Seraphim

mit unverdroßnem Mund und Stimm

ihr Halleluja singen?

 

11. O wär ich da! O stünd ich schon,

ach süßer Gott, vor deinem Thron

und trüge meine Palmen:

So wollt ich nach der Engel Weis

erhöhen deines Namens Preis

mit tausend schönen Psalmen.

 

12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch

hier trage dieses Leibes Joch,

auch nicht gar stille schweigen;

mein Herze soll sich fort und fort

an diesem und an allem Ort

zu deinem Lobe neigen.

 

13. Hilf mir und segne meinen Geist

mit Segen, der vom Himmel fleußt,

daß ich dir stetig blühe;

gib, daß der Sommer deiner Gnad

in meiner Seele früh und spat

viel Glaubensfrüchte ziehe.

 

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,

daß ich dir werd ein guter Baum,

und laß mich Wurzel treiben.

Verleihe, daß zu deinem Ruhm

ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben.

 

15. Erwähle mich zum Paradeis

und laß mich bis zur letzten Reis

an Leib und Seele grünen,

so will ich dir und deiner Ehr

allein und sonsten keinem mehr

hier und dort ewig dienen.

 

Viele Abdrucke des Textes beschränken sich auf die Auswahl der Strophen 1–3 und 8. In dieser Form verselbständigte sich das Lied zum Volkslied.

Textfassung nach: Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Thüringen. 2. Auflage. Evangelischer Presseverband für Bayern, München 1995, ISBN 3-583-12100-7, S. 882–884.

 

Vilhelm Kyhn, Ein Sommertag, Motiv aus Horneland bei Fåborg, 1869
Peter Vilhelm Carl Kyhn (1819-1903) war ein dänischer Landschaftsmaler und Professor an der Königlich Dänischen Kunstakademie.

Gustav Falke 1853-1916

Sommer

 

Ihr singt von schönen Frühlingstagen,

Von Blütenduft und Sonnenschein,

Ich will nichts nach dem Frühling fragen,

Nein Sommer, Sommer muss es sein.

 

Wo alles drängt und sich bereite

Auf einen goldnen Erntetag,

Wo jede Frucht sich schwellt und weitet

Und schenkt, was Süsses in ihr lag.

 

Auch ich bin eine herbe, harte,

Bin eine Frucht, die langsam reift.

O Glut des Sommers, komm! Ich warte,

Dass mich dein heisser Atem streift.

 

 

Eero Järnefelt, Flowering Summer
Erik (Eero) Nikolai Järnefelt (1863-1937) war ein finnischer Maler des Realismus.
 

Fred Endrikat 1890-1942

Weltanschauung

 

Der Sommer färbt die Äpfel rot,

die Trauben und die Beeren.

Der Mohn in Farbenflammen loht,

sein Leuchten zu entzünden droht

die strahlend gelben Ähren.

 

Nur Farbenpracht, wohin man schaut,

wohin man hört ein Klingen.

Der weite Sommerhimmel blaut,

in lichten Höhen jubelnd laut

die kleinen Lerchen singen.

 

Der Maulwurf in der Erde gräbt,

weiß nichts von diesen Dingen.

Er hat das Schöne nie erlebt.

Der Finsterling nach unten strebt

und wühlt nach Engerlingen.

 

Es findet jeder, wie er kann,

auf seine Art Erbauung.

Schaut man die Welt von oben an –

von unten – so hat jedermann

die beste Weltanschauung.

 

 

Pál Szinyei-Merse, Meadow with Poppies
Pál Szinyei Merse (1845-1920), auch Paul Merse von Szinyei, war ein ungarischer Maler.
 

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

 

Wenn der Sommer sich verkündet,

Rosenknospe sich entzündet,

Wer mag solches Glück entbehren?

 

aus Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt,

Weitläufiger Saal mit Nebengemächern, Rosenknospen

 

 

 

Anders Zorn, Landschaftsstudie aus Mora 1886
Leonard Zorn (1860-1920) war ein schwedischer Maler, Grafiker und Bildhauer.
 

Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Sommermorgen

 

O Sommermorgen, wie bist du so schön,

So schön im Thal und auf den Höhn!

 

Wenn's Morgenroth aus Osten strahlt

Und golden den Saum der Wolken malt,

 

Und mit immer glänzend rötherer Glut

Auf den Wipfeln der dunkelen Wälder ruht;

 

Wenn Halm' und Blumen in Flur und Au

Frisch duften im kühlen Morgenthau;

 

Wenn durch des Waldes Stille der Quell

Vorüber rieselt silberhell;

 

Wenn durch die Blätter säuselt der Wind

Und im Felde die Lerch' ihr Lied beginnt:

 

Dann muß das Herz in Andacht beben

Und auch gen Himmel sein Lied erheben.

 

Johannes Boesen, Sunny Forest Clearing
Johannes Boesen (1847-1916) war ein dänischer Maler.

Paul Heyse 1830-1914

 

Schwüle Stunden! Flüsternd kaum

Bebt das Laub im Sommerwinde;

Vogelstimmen wie im Traum

Girren im Gezweig der Linde.

 

Auf dem blumigen Wiesenplan

Glüht und zittert Sonnenhelle;

Schlummertrunken ruht der Schwan

Auf des Weihers blanker Welle.

 

Ach, und mir in tiefster Brust

Brechen auf die alten Wunden.

Sehnsuchtsvoll in Qual und Lust

Denk' ich alter schwüler Stunden!

 

Andrew Nicholl, Malahide Estuary
Andrew Nicholl (1804-1886) war ein irischer Maler.

Arno Holz 1863-1929

Löwenzahn

 

Mählich durchbrechende Sonne

 

Schönes,

grünes, weiches

Gras.

Drin

liege ich.

Inmitten goldgelber

Butterblumen!

 

Über mir ... warm ... der Himmel:

 

Ein

weites, schütteres,

lichtwühlig, lichtblendig, lichtwogig

zitterndes

Weiß,

das mir die

Augen

langsam ... ganz ... langsam

schließt.

 

Wehende ... Luft ... kaum merklich

ein Duft, ein

zartes . . . Summen.

 

Nun bin ich fern

von jeder Welt,

ein sanftes Rot erfüllt mich ganz, und

deutlich . . . spüre ich . . . wie die

Sonne

mir durchs Blut

rinnt.

 

Minutenlang.

 

Versunken

alles . . . Nur noch

ich.

 

Selig!

 

Harald Slott-Møller, Dansk landskab, 1891
Harald Slott-Møller (1864-1937) war ein dänischer Maler und Keramiker. Zusammen mit seiner Frau, der Malerin Agnes Slott-Møller, war er Gründungsmitglied von Den Frie Udstilling (Die freie Ausstellung).

Friedrich Hölderlin 1770-1843

Der Sommer

 

Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert

Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel

In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,

Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.

 

Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,

Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,

Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben

Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.

 

Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,

Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,

Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,

Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

 

Gyula Zorkoczy, Summer Landscape
Gyula Zorkoczy (1873-1932) war ein ungarischer Maler.

Otto Bierbaum 1865-1910

 

Wenn im Sommer der rote Mohn

wieder glüht im gelben Korn,

wenn des Finken süßer Ton

wieder lockt im Hagedorn,

wenn es wieder weit und breit

feierklar und fruchtstill ist,

dann erfüllt sich uns die Zeit,

die mit vollen Massen misst.

 

Dann verebbt, was uns bedroht,

dann verweht, was uns bedrückt,

über dem Schlangenkopf der Not

ist das Sonnenschwert gezückt.

Glaube nur, es wird geschehn!

Wende nicht den Blick zurück!

Wenn die Sommerwinde wehn,

werden wir in Rosen gehn,

und die Sonne lacht uns Glück!

 

Julius Rolshoven, Field of Poppies
Julius Rolshoven (1858-1930) war ein US-amerikanischer Porträt-, Genre- und Landschaftsmaler.

Max Dauthendey 1867-1918

Im Sommerwald

 

Im Sommerwald, wo sich die Blätter drücken,

Liegt Sonnenschein in kleinen Stücken,

Drinnen die Mücken schweben und rücken.

Ich muß mich unter die Stille bücken.

Vor den finstern Tannenlücken

Sah ich einen Schmetterling weiß wie einen Geist aufzücken.

Der Wald riecht nach Kien und ist heiß.

Vielleicht hat hier ein Herz gebrannt und nur der Wald davon weiß.

 

Antonín Hudeček, A Forest Still Life
Antonín Hudecek (1872-1941) war ein tschechischer, post-impressionistischer Landschaftsmaler.

Heinrich Heine 1797-1856

Der Schmetterling

 

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,

umflattert sie tausendmal,

ihn selber aber, goldig zart,

umflattert der liebende Sonnenstrahl.

 

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?

Das wüßt ich gar zu gern.

Ist es die singende Nachtigall?

Ist es der schweigende Abendstern?

 

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;

ich aber lieb euch all:

Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,

Abendstern und Nachtigall.

 

 

Gustave Doré, Summer - Flowers in a Landscape
Paul Gustave Doré (1832-1883) war ein französischer Maler und Grafiker, der sich vor allem als Illustrator einen Namen machte.
 

Gotthold Ephraim Lessing 1729-1781

Der Sommer

 

Brüder! lobt die Sommerszeit!

Ja, dich, Sommer, will ich loben!

Wer nur deine Munterkeit,

Deine bunte Pracht erhoben,

Dem ist wahrlich, dem ist nur,

Nur dein halbes Lob gelungen,

Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,

Brocks, der Liebling der Natur.

 

Hör ein größer Lob von mir,

Sommer! ohne stolz zu werden.

Brennst du mich, so dank ichs dir,

Daß ich bei des Strahls Beschwerden,

Bei der durstgen Mattigkeit,

Lechzend nach dem Weine frage,

Und gekühlt den Brüdern sage:

Brüder! lobt die durstge Zeit! L.

 

Giovanni Boldini, La Grand Rue à Combes la Ville, 1873
Giovanni Boldini (1842-1931) war ein italienisch-französischer Maler des Impressionismus.Er war einer der meist gefragten Porträtmaler in der Belle Époque.

Thekla Lingen 1866-1931

Sommer

 

Sieh, wie sie leuchtet,

Wie sie üppig steht,

Die Rose -

Welch satter Duft zu dir hinüberweht!

Doch lose

Nur haftet ihre Pracht -

Streift deine Lust sie,

Hältst du über Nacht

Die welken Blätter in der heissen Hand ...

 

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt

Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -

Hörst du das Rauschen goldener Ähren?

Es geht der Sommer über's Land ...

 

 

Carl Larsson, Summer Flowers
Carl Olof Larsson (1853-1919) war ein schwedischer Künstler.

Carl Hermann Busse 1872-1918

Blauer Sommer

 

Ein blauer Sommer glanz- und glutenschwer

Geht über Wiesen, Felder, Gärten her.

Die Sonnenkrone glüht auf seinen Locken,

Sein warmer Atem läutet Blütenglocken.

Ein goldnes Band umzieht die blaue Stirne,

Schwer aus den Zweigen fällt die reife Frucht

Und Sens' und Sichel blitzt auf Flur und Feld,

Und rot von Rosen ist die ganze Welt.

 

Robert Julian Onderdonk, Bluebonnet Scene
Robert Julian Onderdonk (1882-1922) war ein Maler des Texanischen Impressionismus, der oft als "Vater der texanischen Malerei" bezeichnet wurde

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

 

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,

und von den Auen dränget uns die Glut;

doch dort am Wasserfall, am Felsensitze

erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,

die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,

dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;

doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.

 

Ignac Ujvary, The Poppy Field
Ignac Ujvary (1860-1927) war ein ungarischer Maler.

Ada Christen 1839-1901

Nach dem Regen

 

Die Vögel zwitschern, die Mücken

Sie tanzen im Sonnenschein,

Tiefgrüne feuchte Reben

Gucken ins Fenster herein.

 

Die Tauben girren und kosen

Dort auf dem niedern Dach,

Im Garten jagen spielend

Die Buben den Mädeln nach.

 

Es knistert in den Büschen,

Es zieht durch die helle Luft

Das Klingen fallender Tropfen,

Der Sommerregenduft.

 

Sergei Winogradow, The Lake
Sergei Arsenjewitsch Winogradow (1869-1938) war ein russischer Maler.

Marie von Ebner-Eschenbach 1830-1916

Sommermorgen

 

Auf Bergeshöhen schneebedeckt,

Auf grünen Hügeln weitgestreckt

Erglänzt die Morgensonne;

Die tauerfrischten Zweige hebt

Der junge Buchenwald und bebt

Und bebt in Daseinswonne.

 

Es stürzt in ungestümer Lust

Herab aus dunkler Felsenbrust

Der Gießbach mit Getose,

Und blühend Leben weckt sein Hauch

Im stolzen Baum, im niedren Strauch,

In jedem zarten Moose.

 

Und drüben wo die Wiese liegt,

Im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt

Der Mücken Schwarm und Immen.

Wie sich's im hohen Grase regt

Und froh geschäftig sich bewegt,

Und summt mit feinen Stimmen.

 

Es steigt die junge Lerche frei

Empor gleich einem Jubelschrei

Im Wirbel ihrer Lieder.

Im nahen Holz der Kuckuck ruft,

Die Amsel segelt durch die Luft

Auf goldenem Gefieder.

 

O Welt voll Glanz und Sonnenschein,

O rastlos Werden, holdes Sein,

O höchsten Reichtums Fülle!

Und dennoch, ach - vergänglich nur

Und todgeweiht, und die Natur

Ist Schmerz in Schönheitshülle.

 

Alexander Kiselev, Sommerlandschaft
Alexander Alexandrovich Kiselev (1837-1911) war ein russischer Maler.

Wilhelm Runge 1894-1918

Blumen flattern Sommer

 

Blumen flattern Sommer

Duft nimmt beide roten Backen voll

Falter wiegen Wald

Goldkäfer schreien

Mücken strampeln himmelauf und ab

heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein

Unken patscht Libellenflügel wach

Zweige lachen

tuscheln

sonnen

strömen

Vögel wogen Wiesen

liegen flach

ziehn die Ahorndolden an den Händen

böse schelten Bienen in den Bart

Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder

taumelnd tollt des Atems Flügelschlag

und der Augen wilde Rosen springen

 

 

Georges Binet, Poppies on the Coast
Georges Binet (1865-1949) war ein französischer Maler.

Joseph von Eichendorff 1788-1857

Treue

 

Wenn schon alle Vögel schweigen

In des Sommers schwülem Drang,

Sieht man, Lerche, dich noch steigen

Himmelwärts mit frischem Klang.

 

Wenn die Bäume all verzagen

Und die Farben rings verblühn,

Tannbaum, deine Kronen ragen

Aus der Öde ewiggrün.

 

Darum halt nur fest die Treue,

Wird die Welt auch alt und bang,

Brich den Frühling an aufs neue,

Wunder tut ein rechter Klang.

 

František Kavan, Na vzduchu domova - The Air of Home
František Kaván (1866-1941) war ein tschechischer Maler.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

 

Täler grünen, Hügel schwellen,

buschen sich zu Schattenruh,

und in schwanken Silberwellen

wogt die Saat der Ernte zu.

 

aus: Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832

 

Adolf Heinrich Lier, Der Starnberger See von Pöcking aus gesehen
Adolf Heinrich Lier (1826-1882) war ein deutscher Landschaftsmaler.

Karl Ernst Knodt 1856-1917

Reife

 

Im hohen, heißen Sommer,

Wenn schwanger alle Luft,

Spürst du ganz einen eignen,

Der Reife schweren Duft.

 

Es weht ein drängend Leben

Von jedem Halme her.

... Auch du, mein Herz, wie trägst du

An deiner Liebe schwer

 

Fritz Overbeck, Sommer
Fritz Overbeck (1869-1909) war ein deutscher Maler und Radierer.

Friedrich Rückert 1788-1866

Wilder Sommer

 

An dem Himmel Wolkenwogen,

  Windesbrausen in dem Wald,

  Dabei bin ich auferzogen,

  Dieses ist mein Aufenthalt;

  Solchen Sommer liebt mein Sinn,

  Weil ich selbst ein solcher bin.

 

Wenn die Sonne aus dem Blauen

  Ungedämpft herniederblickt,

  Kann ich frei nicht aufwärts schauen,

  Weil der Glanz mich niederdrückt.

  Fragend sieht das Licht mich an,

  Warum ich nur trauern kann?

 

Aber wenn in Waldesblättern

  Sturmes Ahnung flüsternd wacht,

  Sich der Himmel regt zu Wettern,

  Und der Donner furchtbar lacht;

  Richt' ich meines Auges Blitz

  Kühn aus nach dem Wolkenritz.

 

Tag für Tag ein Regenbogen

  Über meine Flur gespannt!

  Komm' ich drunter hergezogen,

  Träufelts auf die heiße Hand;

  Und mein Auge labt das Licht,

  Das aus Himmelsthränen bricht.

 

Nicht auf regungslosen Feldern

  Schäfer, der die Flöte spielt!

  In den lauten Eichenwäldern,

  Wo der Schütz nach Blute zielt,

  Wo der Falk noch kreischen kann,

  Flieg' ich meine Falkenbahn,

 

Darum bin ich dir gewogen,

  Dir vor allen, Heimatsland;

  Kühl im Wald mich auferzogen

  Hast du, nicht im Sonnenbrand;

  Was mich wiegen kann in Ruh,

  Sturm und Wolken schenkest du.

 

Und in deinen deutschen Eichen

  Lehrst du deine Sprache mich;

  Wie sie rauschen, so desgleichen

  Rauschet sie gewaltiglich.

  Nur in deutscher Sprache Braus

  Stürmt das Herz von Grund heraus.

 

Willard Leroy Metcalf, Summer Day Gloucester Massachusetts, 1895, Huntington Museum of Art
Willard Leroy Metcalf (1858-1925) war ein amerikanischer Maler.

Hedwig Dransfeld 1871-1925

Mittagszauber

 

Goldstaub die Luft! – Der stille Park verträumt,

Die Rosen schwer, vom eignen Dufte trunken,

Und jeder Halm von weißem Licht umsäumt,

Und selbst das Erlenlaub in Schlaf versunken.

 

Es ist so still – nur dann und wann im Hag

Ein Wachtelruf, des Hähers Liebeslocken,

Ein schluchzend abgebrochner Amselschlag,

Ein kurzes Brausen wie versunkne Glocken.

 

Ich selbst verträumt, das Auge sonnenschwer,

Es flutet über mich mit schwüler Welle,

Ein blauer Falter taumelt um mich her,

Vom Schilfe tönt das Schwirren der Libelle.

 

In meiner Seele wird es licht und weit,

Ein Schwanken ist's, ein selig Untergehn.....

Des Sommertags verlor'ne Einsamkeit

Fühl ich wie gold'ne Nebel mich umwehn.

 

Noch sieht mein Aug' ein fallend Rosenblatt,

Ein Wasserhuhn ist taumelnd aufgeflogen.

Ich sinke hin – so still und traumesmatt

Und treibe steuerlos auf Traumeswogen.

 

 

Henri Biva, Landscape with a Pond
Henri Biva (1848-1929) war ein französischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Butterblumengelbe Wiesen

 

Butterblumengelbe Wiesen,

sauerampferrot getönt, -

o du überreiches Sprießen,

wie das Aug dich nie gewöhnt!

 

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,

wunderblütenschneebereift -

ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,

wie die Brust sie kaum begreift.

 

Johanne L. Frimodt, A Field of Buttercups by the Coast, 1902
Johanne Nicoline Louise Frimodt (1861-1920) war eine dänische Malerin.

Johannes Schlaf 1862-1941

Sommer

 

Grüne Schleier

Weit gesponnen.

Gleißend und gleitend. —

 

Ich sinke

In Farben und Sommerwärme,

Duftschwere, schwüle, summende Sommerwärme.

 

Steine Hand

Ruht in einem kühlen,

Leise kringelnden Braun,

 

Hans Thoma, Sommer
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Gottfried Keller 1819-1890

Das ist doch eine üppige Zeit

 

Das ist doch eine üppige Zeit,

Wo alles so schweigend blüht und glüht

Und des Sommers stolze Herrlichkeit

Still durch die grünenden Lande zieht.

 

Das Himmelblau und der Sonnenschein,

Die zehren und trinken mich gänzlich auf!

Ich welke dahin in müßiger Pein,

In Rosen versiegt mein Lebenslauf!

 

Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,

Nachdenklich und düster auf brennender Au!

Ich höre ein heimliches Dröhnen gehn

Rings in der Berge dämmerndem Blau.

 

Ich sehne mich nach Gewitternacht,

Nach Sturm und Regen und Donnerschlag!

Nach einer tüchtigen Freiheitsschlacht

Und einem entscheidenden Völkertag!

 

Viggo Pedersen, Playfulness over a Meadow
Viggo Christian Frederik Vilhelm Pedersen (1854-1926) war ein dänischer Landschaftsmaler.

Hermann Lingg 1820-1905

Hochsommer

 

O Frühling, holder fahrender Schüler,

Wo zogst du hin? Die Linden blühn,

Die Nächte werden stiller, schwüler,

Und dichter schwillt das dunkle Grün.

 

Doch ach! die schönen Stunden fehlen,

Wo jedes Leben überquoll,

Wo trunken alle Schöpfungsseelen

Ins Blaue schwärmten wollustvoll.

 

Nicht singt mehr, wie am Maienfeste,

Die Nachtigall, die Rosenbraut;

Sie fliegt zum tiefverborgnen Neste

Mit mütterlich besorgtem Laut.

 

Der goldne längste Tag ist nieder,

Der Himmel voll Gewitter glüht;

Verklungen sind die ersten Lieder,

Die schönsten Blumen sind verblüht.

 

George Inness, Georgia Pines, 1909, Smithsonian
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Emanuel Geibel 1815-1884

Hochsommer

 

Von des Sonnengotts Geschossen

Liegen Wald und Flur versengt,

Drüber, wie aus Stahl gegossen,

Wolkenlose Bläue hängt.

 

In der glutgeborstnen Erde

Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt

Am versiegten Bach die Herde,

Und der Hirsch im Forste lechzt.

 

Kein Gesang mehr in den Zweigen!

Keine Lilie mehr am Rain! –

O wann wirst du niedersteigen,

Donnerer, wir harren dein.

 

Komm, o komm in Wetterschlägen!

Deine Braut vergeht vor Weh –

Komm herab im goldnen Regen

Zur verschmachtenden Danae!

 

Alexei Sawrassow, Summer Mills, 1859
Alexei Kondratjewitsch Sawrassow (1830-1897) war ein russischer Landschaftsmaler.

Georg Trakl 1887-1914

Sommersneige

 

Der grüne Sommer ist so leise

Geworden, dein kristallenes Antlitz.

Am Abendweiher starben die Blumen,

Ein erschrockener Amselruf.

 

Vergebliche Hoffnung des Lebens.

Schon rüstet Zur Reise sich die Schwalbe im Haus

Und die Sonne versinkt am Hügel;

Schon winkt zur Sternenreise die Nacht.

 

Stille der Dörfer; es tönen rings

Die verlassenen Wälder. Herz,

Neige dich nun liebender

Über die ruhige Schläferin.

 

Der grüne Sommer ist so leise

Geworden und es läutet der Schritt

Des Fremdlings durch die silberne Nacht.

Gedächte ein blaues Wild seines Pfads,

Des Wohllauts seiner geistlichen Jahre!

 

Keeley Halswelle, Abingdon
Keeley Halswelle (1832-1891) war ein englischer Künstler.

Hermann Lingg 1820-1905

Abnehmende Tage

 

Nach langen sonnighellen Wochen

Wie hat es heut mich überrascht,

Ich sah das Sonnlicht wie gebrochen,

Schon von der Dämmrung Flug erhascht!

 

Es lag ein hold und sanft Verglimmen,

Welch eine Stille auf der Welt!

Im Wald die letzten Vogelstimmen,

Die Flur vom Abendrot erhellt.

 

Noch war mit ihren Blumen allen

Die Wiese bunt geschmückt und reich,

Doch wie der Sense schon verfallen

Und wie von Ahnungsgrauen bleich!

 

Es klang ein Echo ferner Laute,

Und ach, in diesem Abend lag

Ein Etwas, das mir still vertraute:

Von heute nimmt nun ab der Tag!

 

Vergleichen mußt' ich's mit den Jahren,

Wo erstes Alter uns beschleicht,

Wo staunend wir und ernst gewahren,

Daß uns ein kühler Hauch erreicht.

 

Ob auch noch stolze Freuden kommen

Und alles uns noch glücken mag,

Doch wirklich hat schon abgenommen

Das Licht von unserm Lebenstag.

 

Hugo Mühlig, In der Blumenwiese
Hugo Mühlig (1854-1929) war ein deutscher Maler. Er lebte ab 1881 als Maler von Landschaften und Genreszenen in Düsseldorf

Friedrich Hebbel 1813-1863

Sommerbild

 

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,

Sie war, als ob sie bluten könne, rot;

Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn:

So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

 

Es regte sich kein Hauch am heissen Tag,

Nur leise strich ein weisser Schmetterling;

Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag

Bewegte, sie empfand es und verging.

 

Walter Crane, Late Summer Landscape.
Walter Crane (1845-1915) war ein englischer Maler und Illustrator und einer der führenden Vertreter des Arts and Crafts Movement.

Ernst Goll 1887-1912

Später Sommer

 

Das ist des Sommers letztes Dankgebet:

Noch ist die Luft erfüllt von schwülen Träumen,

Doch wo der Wald im Mittagsbrande steht,

Will schon ein leises Rot die Wipfel säumen.

 

Ein Silberwölkchen gleitet über Land

Und taucht beseligt in die Sonnensphäre –

Wir aber geben uns die müde Hand

Und sind bedrückt von Not und Erdenschwere.

 

Marie Egner, Late Summer on the Salzburger Moor near Untersberg
Marie Egner (1850-1940) war eine österreichische Malerin.

Fred Endrikat 1890-1942

Später Sommer

 

Verschwunden sind vom Feld die letzten Garben.

Das Laub der Bäume schimmert rostigbraun.

Der Garten strahlt jetzt in Spätsommerfarben,

und draußen steht der Herbst schon vor dem Zaun.

Der Nebel senkt sich wie ein grauer, feuchter Hauch

auf Flur und Au und auf den Hagebuttenstrauch.

Ein letzter Gruß der bunten Georgine,

dann greife ich zur Winterpellerine.

 

Die Luft ist kühl, es schwingt in ihr ein Grämen,

so wie ein fernes, kaum geahntes Leid.

Es ist so wie ein stilles Abschiednehmen

von einer schönen, vielgeliebten Zeit.

Die Erde prangt in ihrem letzten Blumenflor,

bereitet sich auf herbstlich rauhe Tage vor.

Die Astern blühn so prächtig wie ein Wunder.

Im Glase blinkt und funkelt der Burgunder.

 

Jetzt rüsten sich die Vöglein auch zum Reisen,

versammeln sich in Scharen im Geäst.

Sie ruhen aus, sie fliegen auf und kreisen.

Es ist so wie ein Sommer-Abschiedsfest.

Bald geht mein Zug, denn heute ist der letzte Tag.

Mir ist so weh, daß ich es kaum beschreiben mag.

Verklungen sind des Sommers frohe Lieder.

Die Träne rinnt, der Asphalt hat mich wieder.

 

George Inness, Indian summer
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.
 

 

Das gefährlichste

Möbelstück ist die

›Lange Bank‹,
das gefährlichste

Instrument die

›Alte Leier‹.
Abraham a Sancta Clara

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht;
doch zuzeiten
sind erfrischend

wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

BuchKult

Franz Dewes

fjdewes@buchkult-dewes.de

 

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