BuchKult
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Es ist das Osterfest alljährlich

für den Hasen recht beschwerlich.

Wilhelm Busch 1832-1908

 

 

Albrecht Dürer, Hase, 1502
Albrecht Dürer (1471-1528) der Jüngere (auch Duerer) war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker.Mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten zählt er zu den herausragenden Vertretern der Renaissance.
 

Für eine vergrößerte Darstellung können die Bilder angeklickt werden.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Osterspaziergang

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden, belebenden Blick.

Im Tale grünet Hoffnungsglück.

Der alte Winter in seiner Schwäche

zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur

ohnmächtige Schauer körnigen Eises

in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weisses.

Überall regt sich Bildung und Streben,

alles will sie mit Farbe beleben.

Doch an Blumen fehlts im Revier.

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

 

Kehre dich um, von diesen Höhen

nach der Stadt zurückzusehen!

Aus dem hohlen, finstern Tor

dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden.

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

aus der Strassen quetschender Enge,

aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

sind sie alle ans Licht gebracht.

 

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge

durch die Gärten und Felder zerschlägt,

wie der Fluss in Breit und Länge

so manchen lustigen Nachen bewegt,

und, bis zum Sinken überladen,

entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges ferner Pfaden

blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel.

Hier ist des Volkes wahrer Himmel.

Zufrieden jauchzet gross und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 

aus: Faust 1

 

 

Ostersonntag - Spaziergang vor dem Thor. Aus Goethe’s Faust. Nach dem Ölgemälde von J. Wichmann, Die Gartenlaube, 1885 S.229

Johann Andreas Engelhart, Der Osterspaziergang
Johann Andreas Engelhard, auch Engelhart (1802-1858) war ein deutscher Maler Maler, Radierer und Illustrator

Emanuel Geibel 1815-1884

 

Die Lerche stieg am Ostermorgen

empor ins klarste Luftgebiet

und schmettert' hoch im Blau verborgen

ein freudig Auferstehungslied.

Und wie sie schmetterte, da klangen

es tausend Stimmen nach im Feld:

Wach auf, das Alte ist vergangen,

wach auf, du froh verjüngte Welt!

 

Wacht auf und rauscht durchs Tal,

ihr Bronnen,

und lobt den Herrn mit frohem Schall!

Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,

ihr grünen Halm' und Läuber all!

Ihr Veilchen in den Waldesgründen,

ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,

ihr sollt es alle mit verkünden:

Die Lieb ist stärker als der Tod.

 

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,

die ihr im Winterschlafe säumt,

in dumpfen Lüften, dumpfen Schmerzen

ein gottentfremdet Dasein träumt.

Die Kraft des Herrn weht durch die Lande

wie Jugendhauch, o laßt sie ein!

Zerreißt wie Simson eure Bande,

und wie die Adler sollt ihr sein.

 

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen

gebrochen an den Gräbern steht,

ihr trüben Augen, die vor Tränen

ihr nicht des Frühlings Blüten seht,

ihr Grübler, die ihr fern verloren

traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,

wacht auf! Die Welt ist neugeboren,

hier ist ein Wunder, nehmt es an!

 

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,

das über euch ergossen ward!

Es ist ein inniges Erneuen,

im Bild des Frühlings offenbart.

Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,

jung wird das Alte fern und nah.

Der Odem Gottes sprengt die Grüfte –

wacht auf! Der Ostertag ist da.

 

James Aumonier, An Easter Holiday, the Children of Bloomsbury Parochial School in a Wood at Watford
James Aumonier (1832-1911) war ein englischer Maler.

Adolf Böttger 1815-1870

Die Glocken läuten Ostern ein

 

Die Glocken läuten das Ostern ein

In allen Enden und Landen,

Und fromme Herzen jubeln darein:

Der Lenz ist wieder entstanden!

 

Es atmet der Wald, die Erde treibt

Und kleidet sich lachend im Moose,

Und aus den schönen Augen reibt

Den Schlaf sich erwachend die Rose.

 

Das schaffende Licht, es stammt und kreist

Und sprengt die fesselnde Hülle;

Und über den Wassern schwebt der Geist

Unendlicher Liebesfülle!

 

George Hitchcock, Easter Sunday (In Brabant, The Bride)
George Hitchcock (1850-1913) war ein US-amerikanischer Maler.

Achim von Arnim 1781-1831

Ostern

 

Vom Erdenstaub zu reinen, blauen Lüften

Dringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen,

Und höher steigt der mächt'ge Sonnenwagen,

Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften,

Und heilige Geschichten uns dann sagen

Was sich geahnet in des Herzens Klüften.

Er ist erstanden aus den Todesgrüften,

Und wie vergebens war der Menschen Zagen,

Ja so ersteht die Welt der Himmelsgaben

Mit jedem Jahre neu, die Knospen brechen,

Und nichts ist unsrer Liebe zu erhaben,

Sie gibt uns alles in den Wonnebächen,

Die nach dem Eisgang Flur und Aug' durchgraben,

Das Unsichtbarste will zum Lichte sprechen.

 

Aleksander Augustynowicz, Alleluja
Aleksander Augustynowicz (1865-1944) war ein polnischer Genre- und Porträtmaler.

Angelus Silesius 1624-1677

Osterjubel

 

Jetzt ist der Himmel aufgetan,

jetzt hat er wahres Licht!

Jetzt schauet Gott uns wieder an

mit gnädigem Gesicht.

Jetzt scheinet die Sonne

der ewigen Wonne!

Jetzt lachen die Felder,

jetzt jauchzen die Wälder,

jetzt ist man voller Fröhlichkeit.

 

Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit

und voller Ruhm und Preis.

Jetzt ist die wahre, goldne Zeit

wie einst im Paradeis.

Drum lasset uns singen

mit Jauchzen und Klingen,

frohlocken und freuen;

Gott in der Höh sei Lob und Ehr.

 

Jesus, du Heiland aller Welt,

dir dank ich Tag und Nacht,

daß du dich hast zu uns gesellt

und diesen Jubel bracht.

Du hast uns befreiet,

die Erde erneuet,

den Himmel gesenket,

dich selbst uns geschenket,

dir, Jesus, sei Ehre und Preis.

 

Vladimir Makovsky, Gebetsgottesdienst zu Ostern, 1887-88
Vladimir Egorovich Makovsky (1846-1920) war ein russischer Maler, Pädagoge und Mitglied der Genossenschaft der Künstler der Wanderausstellungen, der Peredwischniki.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

Osterpredigt in Reimen

 

Verehrter Mitmensch, höre und vernimm

Freundwillig mit Hulden und ohne Grimm:

Dieweil es nun Ostern geworden ist,

Sollst du, von welcher Art du auch bist,

Ob Heide, Jude, Moslem, Christ,

Durchaus vergnügt im Herzen sein,

Osterwürdig und osterrein.

 

Mit einem Birkenreise kehre

Aus deiner Seele den Geist der Schwere!

Der Wenns und Abers und Achs und Os,

Die hart und starr dein Herz umwindet,

Dass der Geist der Leichte kaum Eingang findet,

Mache dich hurtig und heiter los!

 

Du brauchst nichts weiter dazuzutun,

Als dich im Grünen auszuruhn.

Da atmet sichs sehr wonnig ein,

Was dir das Herz macht frei und rein:

Der jungen Blumen frischer Hauch;

Und die Augen haben der Wonne auch,

Denn nichts ist lieblicher anzusehn,

Als wie sie da hold beisammenstehn,

Blau, weiß und rosa, klar und licht,

Der Erde süßestes Ostergedicht.

 

An ihnen dir ein Beispiel zu nehmen,

Sollst du, ach Mensch, dich keineswegs schämen!

 

Vergiss dein Gehirn eine Weile und sei

Gedankenlos dem lieben Leben

Blumeninnig hingegeben;

Vergiss dein Begehren, vergiss dein Streben

Und sei in seliger Einfalt frei

Des Zwangs, der dich durchs Hirn regiert!

 

 Er hat dich freilich hoch geführt

Und vieles dir zu wissen gegeben,

Aber das allertiefste Leben

Wird nicht gewusst, wird nur gespürt.

Der Blumen zarte Wurzeln fühlen

Im keimlebendigen, frühlingskühlen

Erdboden mehr von ihm als du.

Und bist doch auch ein Kind der Erde.

Dass sie nicht sinnenfremd dir werde,

Wende ihr heut die Sinne zu!

 

Das ist der festlich tiefe Sinn

Der Ostertage: Mit Entzücken

Sollst du zum Mutterschoß dich bücken.

Gib heut, o Mensch, dich innerst zu beglücken,

Der Mutter Erde frühlingsfromm dich hin!

 

Nicholas Roerich, Russian Easter
Nicholas Roerich (Nikolai Konstantinowitsch Rerich; 1874-1947) war ein russischer Maler, Schriftsteller, Archäologe, Wissenschaftler, Reisender und Philosoph.
 

Wilhelm Engelhardt 1857-1935

Ostern

 

Die Ostersonne steigt empor,

tritt durch das goldne Morgentor

beim Klang der Osterglocken.

Die Erde prangt im Festtagskleid

in neu erwachter Herrlichkeit,

und alles ist Frohlocken.

 

Der Heiland lebt, er ist nicht tot,

er ging hervor beim Morgenrot

aus finstern Grabesbanden.

Die Engel Gottes tun es kund

der ganzen Welt mit frohem Mund:

»Der Herr ist auferstanden!«

 

Der Stein, so schwer, so fest und groß,

vermochte nicht, im Erdenschoß

den Herrn der Welt zu halten,

der Osterkönig ist nun frei,

die Siegel brach der Held entzwei,

trotz höllischer Gewalten.

 

Wir sehen nun mit Glaubenssinn,

das leere Grab und nichts darin

als himmlische Gesandten.

Wir gehen mit den frommen Frau'n,

den Lebensfürsten selbst zu schau'n,

Der wahrlich auferstanden.

 

Wir eilen ohne Rast und Ruh

dem holden Freund der Sünder zu,

und sinken ihm zu Füßen,

wie jene Jesusjünger dort,

so hören wir sein Friedenswort,

sein sel'ges Ostergrüßen.

 

Der Herr ist Sieger allezeit,

in Kreuz und Todesbitterkeit,

der starke Fürst des Lebens.

Wer ihm vertraut in aller Not,

ihm treu verbleibt bis an den Tod,

glaubt wahrlich nicht vergebens.

 

Zwar ist in diesem Jammertal

der Weg der Zionspilger schmal,

und eng die Himmelspforte.

Wir wissen wohl:

Durch Kreuz und Leid

führt unser Pfad zur Herrlichkeit,

nach Gottes heil'gem Worte.

 

Der Osterkönig geht voran

und zeigt uns selbst die rechte Bahn,

auch durch des Todes Türen.

Und ob es eine Weile währt,

so wird er uns doch – schön verklärt –

zur Himmelsfreude führen.

 

Oh Siegesfürst, du Osterheld,

dir bringt die ganze Sünderwelt

Anbetung, Preis und Ehre.

Dort in des Himmels Osterschein

klingt unser Halleluja rein,

im Chor der Himmelsheere.

 

Georges Lapchine, Easter Feast, 1926
Georgi (Georgy, Georges) Alexandrovich Lapchine (1885-1950) war ein in Frankreich tätiger russischer Maler.

Clara Müller-Jahnke 1860-1905

Zur Osterzeit

 

Ist das ein Ostern! - Schnee und Eis

hielt noch die Erde fest umfangen;

frostschauernd sind am Weidenreis

die Palmenkätzchen aufgegangen.

 

Verstohlen durch den Wolkenflor

blitzt hie und da ein Sonnenfunken -

es war, als sei im Weihnachtstraum

die schlummermüde Welt versunken.

 

Es war, als sollten nimmermehr

ins blaue Meer die Segel gehen, -

im Park ertönen Finkenschlag,

und Veilchenduft das Tal durchwehen. -

 

Und dennoch, Seele, sei gewiss:

Wie eng sich auch die Fesseln schlingen,

es wird Lenz, das Sonnenkind,

dem Schoss der Erde sich entringen.

 

Dann sinkt dahin wie Nebelflor

auch all dein Wein und deine Sorgen,

und veilchenäugig lacht dich an

ein goldner Auferstehungsmorgen! -

 

Boris Kustodiev, Meeting Easter Day 1917
Boris Mikhailowich Kustodiev (1878-1927) war ein russischer Maler und Grafiker.

Richard Dehmel 1863-1920

Erfüllung

 

Daß du auch an meinem Herzen,

Herz, nur neue Sehnsucht fühlst

und dich in vergangne Schmerzen

schmerzlicher als je verwühlst:

ist das nicht Erfüllung. Du?

 

Wenn die Erde schmilzt vom Eise,

daß die Luft nach Frühling schmeckt,

und in immer neuer Weise

wild ihr Grün zum Himmel reckt:

ist das nicht Erfüllung, Du?

 

Wenn wir dann noch Ostern feiern,

weil ein Mensch sein Leben ließ,

der den Frevlern wie Kasteiern

gleiche Seligkeit verhieß:

ist das nicht Erfüllung, Du?

 

Laß die tragische Geberde,

sei wie Gott, du bist es schon:

jedes Weib ist Mutter Erde,

jeder Mann ist Menschensohn,

Alles ist Erfüllung, Du!

 

 

Nikolay Bogdanov-Belski, Easter table
Nikolay Petrovich Bogdanov-Belsky (1886-1945) war ein russischer Maler.
 

Johanna Lankau 1866-1921

Ostern

 

Die Osterglocken klingen!

Horch auf, du zagend Herz!

Es schwebt auf goldnen Schwingen

Die Hoffnung erdenwärts.

 

Was stumm im Winterleide

Gebeugt und trauernd stand,

Trägt nun am grünen Kleide

Ein blaues Veilchenband.

 

Die lenzlichen Standarten,

Lichtblau und Sonnensaum

Fliegen im Frühlingsgarten

Und um den Blütenbaum.

 

Die Scholle dampft, ihr Samen

Sproßt unter Lerchensang,

Die Drossel singt ihr Amen

Vom grünen Birkenhang.

 

Und du, du wolltest schweigen,

Du Herz in meiner Brust?

Wenn tausend Freuden geigen

Von Dank und Lenzes Lust?

 

Mach' hoch das Tor mit Singen,

Daß wir den Himmel sehn:

Die Osterglocken klingen!

Herz, du sollst auferstehn!

 

Aleksandr Makovski, Easter-table
Aleksandr Vladimirovich Makovski (1869-1924) war ein russischer realistischer Maler und Grafiker; mit dem Peredvizhniki verbunden.

A. de Nora 1864-1936

Ostern

 

Nicht einmal nur im Jahre

Ist Auferstehungszeit.

Es liegt in jeder Bahre

Ein Stück Unendlichkeit.

 

Der Welt geht nichts verloren,

Und immer wieder bricht

Sich aus des Todes Toren

Das Leben durch das Licht.

 

Und Götter auferstehen

Mit jedem Glockenschlag.

Für Taten und Ideen

Ist ewig Ostertag.

 

Stanislav Zhukowski, Ostertisch, 1912, Nationalgalerie der Ukraine, Kiew
Stanislav Yulianovich Zhukovsky (1873–1944) war ein polnischer Impressionist.

Emil Rittershaus 1834-1897

Im Kampf des Lenzes

 

Ein Osterlied

 

Nun weht der Wind aus Westen

So weich und wundermild,

Und an der Bäume Aesten

Die braune Knospe schwillt,

Und in den kahlen Zweigen,

Da flüstert’s heimlich sacht:

Aus winterlichem Schweigen

Ist jetzt der Wald erwacht.

 

O horch, mit hellen Klängen

Ein Ruf zum Wasserspiel!

Den Winter zu verdrängen,

Macht nun der Lenz mobil.

Fanfaren hat geblasen

Der Lenztrompeter Fink;

Da schwingt sich auf vom Rasen

Die muntre Lerche flink.

 

Sie jauchzt – und durch die Lande

Klingt’s wonneweckend hin –:

„O, komm, im Goldgewande,

Du Sonnenkönigin!“

Der Fink mit frohem Muthe,

Er mahnet: „Dran und drauf!“

Da steckt die Haselruthe

Den rothen Helmbusch auf.

 

Es fliegt aus blauen Räumen

Der Strahlen Lichtgeschoß.

Des Stromes Wogen schäumen,

Die lang’ das Eis umschloß.

Da springt von Hügelkronen

In’s Thal hinab der Quell;

Da nahen die Schwadronen

Der Wandervögel schnell.

 

Da macht mit grünen Lanzen

Die junge Saat sich Raum;

Aus finstren Felsenschanzen

Wagt sich der Winter kaum.

Vergeblich all sein Ringen!

Es zieht im Sonnenschein

Auf weißen Wolkenschwingen

Der stolze Sieger ein.

 

Mit Primeln und Ranunkeln

Begrüß’ ihn, Wies’ und Feld!

In Schönheit sollst du funkeln,

Du neuverjüngte Welt –

Und Sorgen, die dich pressen,

Und alles, alles Leid

Sollst du, o Herz, vergessen

In Frühlingsseligkeit. –

 

 

Osterbrauch in Kärnthen, Originalzeichnung von F. Schlegel -

Die Gartenlaube 1887 S. 224


Osterspiele,

Die Gartenlaube (1880)

Hermann Lingg 1820-1905

Ostern

 

Eiszeitstürme rissen sich los

Von Gletscherhöh´n, schwarz die Nacht,

Schwarz die Erde, Stromgetos,

Hagelschauer und Wolkenschlacht. –

 

Das ist der Frühling, eh' er erwacht.

 

Finster noch ist sein Antlitz, seine Brauen

Seh'n drohend umschattet, Kampf ist sein Loos.

Es trotzten ihm Frost und Nebelgrauen,

Es trotzt verschlossen der Erde Schoos.

Grabhügel wirft er und mordet Blüthen,

Wie ein Erob´rer nur im Zerstören groß.

 

Aber bald regt es sich milder, es thauen

Frühere Morgen, Herzen erglühten,

Herzen erglühen, und Veilchen schauen

Lächelnd empor, der Schnee zerrann –

Jetzt führt er, ein Sieger, sein dampfend Gespann

Jauchzend über Bergesspitzen –

Unter Blumen dann, weil er die Schlacht gewann,

Schlummert er ein, gekrönt von Blitzen.

 

Ueber den Wipfeln lichter immer

      Ahnungsvoll nah,

Leuchtet schon wärmerer Schimmer,

      Ostern ist da!

 

Ostern! Lieblicher Name, gestickt

In´s Festgewand der verjüngten Natur,

Schon aus duftenden Kelchen blickt

Sonnengelb wieder und Himmelsazur!

Ostern! Ihr jubelnd Frohlocken

Schmettert die Lerche dem Aether zu,

Ostern - es mahnen die ernsten Glocken:

Menschenherz, frohlock´ auch du!

 

Ueberall breiten im Frühlingssegen

Deiner Sehnsucht, liebenden Armen gleich,

Sich die Wunder der vom Todtenreich

Auferstandenen Schöpfung entgegen.

         Ostern ist da!

 

Aus: Die Gartenlaube 1883, Heft 12

 

 

Illarion Pryanishnikov, Religious procession, 1893
Illarion Michailowitsch Prjanischnikow (1840-1894) war ein russischer Maler, Mitglied der Petersburger Kunstakademie und einer der Begründer der Künstlergruppe Peredwischniki.

Sophie Hoechstetter 1873-1943

Ostersonnabend

 

Aus fernen Gründen, die noch keiner nannte,

Weil alle dort wie eine stille Welle

Im Strome des Vergessens sinken, sandte

Der Welterhalter junge Lebensquelle:

 

Nun fuhr der Tauwind brausend durch die Lande –

Am Berghang blüht die blaue Küchenschelle,

Ich zittre, weil mir jäh das Herz entbrannte

In dieses Abends keusch-verklärter Helle.

 

Durch klare Stille tönen stark die Glocken.

Ja, dieser Abend ist durchbebt von Freude,

Von einer Freude, die sich wie erschrocken

Bewußt wird dieses kindersüßen Heute.

Du glühst, mein Herz? Wohl dir, du kannst frohlocken:

Dein Ostern kommt mit lenzlichem Geläute.

 

Maurice Prendergast, Easter procession - St. Mark, 1899
Maurice Brazil Prendergast (1858-1924) war ein US-amerikanischer Aquarellist des Post-Impressionismus.

Victor Blüthgen 1844-1920

Osternacht

 

Im tiefen Schnee ruht Berg und Thal,

Die Nacht durchdämmert der Mondenstrahl.

Das ist die heimliche Wundernacht!

Von den Bäumen sacht

Fallen die thauenden Flocken,

Und die Lüfte wandeln so feucht, so schwer,

Vom Kirchhof dröhnt es und schwingt sich her:

     Es läuten die Osterglocken.

 

Drei Leute wandern die Kluft entlang,

Wo die Wasser schäumen am Bergeshang;

Der Priester trägt das heiligste Gut.

Bei der Leuchte Gluth

Schreiten sie sonder Stocken;

Des Meßners Schelle verloren tönt;

Nah schimmert der Hof, und die Bäurin stöhnt:

     Es läuten die Osterglocken.

 

In der frostigen Kammer der Bauer wacht;

Schwer drückt das Bett in der Fiebernacht,

Und er hat das Leben so lieb, so lieb,

Und er fühlt so trüb

Fliehende Freuden locken!

Verlöschend harrt er der letzten Qual –

Da reißt’s ihn empor mit einem Mal:

     Es läuten die Osterglocken.

 

Das klingt wie der Ruf vom jüngsten Tag,

Wie Wipfelbrausen und Finkenschlag,

Und im Herzen sprudelt’s ihm frisch und warm;

Und er streicht mit dem Arm

Selig die Stirn sich trocken:

„Gottlob, nun wird mir wieder frei

Und das Kind bekommt noch sein Osterei –“

     Es läuten die Osterglocken.

 

Die Thür springt auf, und die Tröster nah’n,

Und lächelnd sieht sie der Kranke an:

„Grüß Gott, Herr Pfarrer! es thut nicht noth;

Frau, bringe das Brod –

Trinket und eßt einen Brocken!“

Dann sinkt er zurück und schlummert ein

Und schläft sich in’s volle Leben hinein –

     Es läuten die Osterglocken.

 

Mykola Pymonenko, Ostermesse
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde, Schöpfer zahlreicher Genrebilder,[2] und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki.

Mikhail Germaschew, Nach der Ostermette
Mikhail Markianowich Germashev (1867-1930) war ein russischer Maler.

Julius Lohmeyer 1835-1903

Ostermorgen

 

Wald und Strom in Silberduft,

Glockenklang in sonn’ger Luft;

Durch die Lande frisches Wehen –

Quellensingen, Auferstehen!

 

Ueber Trümmern, Todesgrüften

Froh Erwarten, erstes Düften;

Erstes Grün in Feld und Au –

Lerchenjauchzen hoch im Blau!

 

Aus der Stadt im Morgenschleier

Strömt’s und wogt's zur Frühlingsfeier:

Neu die Erde, neu das Herz –

Kinderjubel allerwärts! –

 

Mädchenherz, auch dich umblühe

Ahnungsreich die Osterfrühe:

Fühl’ den Himmel wieder offen –

Und Erfüllung jedem Hoffen!

 

Aus: Die Gartenlaube 1886, Heft 15

 

Helene Schjerfbeck, On the Way to Church - Easter Morning
Helene Schjerfbeck (1862-1946) war eine finnlandschwedische Malerin.

Ostermorgen. Von R. Beyschlag.

Nach einem Kupferstiche im Verlage von J. Aumüller in München -

Die Gartenlaube, 1881 b 261

Otto Ludwig 1813-1865

Der Ostermorgen

 

Der Ostermorgen lächelt,

Ein Bräut'gam, in die Welt;

Vom Frühlingsduft gefächelt

Aus seinem blauen Zelt.

 

Und rings herum das Schweigen;

Der Wald, er steht so still;

Kein Blümchen sich verneigen,

Kein Läubchen rauschen will.

 

Im fernen Kirchlein singet

Die fromme Christenschar;

Hier von den Steinen klinget

Ein Echo wunderbar.

 

Als wenn aus Bergestiefen

Das Singen quöll' hervor;

Als wenn die Felsen riefen:

'Er lebt! er lebt!' im Chor.

 

'Er lebt! er lebt!' da lauschen

Die Blümlein, beugen sich,

Da bücket sich mit Rauschen

Der Wald so feierlich.

 

Und mächt'ger klingt's und wieder:

'Er lebt! er lebt!' vom Stein,

Mir rinnt ein Schauer nieder

Am innersten Gebein.

 

Und denk' – und muß mich beugen –

Was dort geschrieben ist:

Die Steine werden zeugen,

Wenn mich der Mensch vergißt.

 

 

Caspar David Friedrich, Ostermorgen
Caspar David Friedrich (1774-1840) war ein deutscher Maler, Grafiker und Zeichner.Er gilt heute als der bedeutendste Künstler der deutschen Frühromantik.
 

 

Frederick Childe Hassam,

Easter Morning
Frederick Childe Hassam (1859-1935) war ein amerikanischer Maler des Impressionismus.

Friedrich Rückert 1788-1866

Am Ostermorgen

 

Am Ostermorgen schwang die Lerche

sich auf aus irdischem Gebiet

und, schwebend überm stillen Pferche

der Hirten, sang sie dieses Lied:

Erwacht! Die Nacht entflieht.

Das Licht zerbricht

die Macht der Nacht;

erwacht ihr Lämmer all, erwacht,

auf feuchtem Rasen kniet!

 

Es ward von einem Osterlamme

getan für alle Welt genug,

das blutend an dem Kreuzesstamme

die Schuld der ganzen Herde trug.

Des Sieges Stunde schlug!

Das Grab, es gab

den Raub vom Staub

zurück; nun weidet grünes Laub,

ihr Lämmer fromm und klug!

 

Der Baum des Lebens, fluchbeladen,

stand abgestorben, dürr und tot.

Des Lammes Blut ihn mußte baden;

nun wird es blühend rosenrot.

Gewendet ist die Not!

O seht, her geht

der Hirt, der wird

die Herde weiden unverirrt

im neuen Morgenrot.

 

 

Jules Guérin, The Court of the Church of the Holy Sepulcher, Easter Morning, 1910
Jules Guérin (1866-1946) war ein amerikanischer Wandmaler, Architekturzeichner und Illustrator .

Klabund 1890-1928

Ewige Ostern

 

Als sie warfen Gott in Banden,

Als sie ihn ans Kreuz geschlagen,

Ist der Herr nach dreien Tagen

Auferstanden.

 

Felder dorren. Nebel feuchten.

Wie auch hart der Winter wüte:

Einst wird wieder Blüt' bei Blüte

Leuchten.

 

Ganz Europa brach in Trümmer,

Und an Deutschland frisst der Geier, -

Doch der Frigga heiliger Schleier

Weht noch immer.

 

Leben, Liebe, Lenz und Lieder:

Mit der Erde mag's vergehen.

Auf dem nächsten Sterne sehen

Wir uns wieder.

 

Ilja Repin, Oster-Prozession
Ilja Jefimowitsch Repin (1844-1930) war ein russisch-finnischer Maler.Repin gilt als der bedeutendste Vertreter des russischen Realismus.

Joseph von Eichendorff 1788-1857

Ostern

 

Vom Münster Trauerglocken klingen,

Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.

Zur Ruh sie dort dem Toten singen,

Die Lerchen jubeln: Wache auf!

Mit Erde sie ihn still bedecken,

Das Grün aus allen Gräbern bricht,

Die Ströme hell durchs Land sich strecken,

Der Wald ernst wie in Träumen spricht,

Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,

Soweit ins Land man schauen mag,

Es ist ein tiefes Frühlingsschauern

Als wie ein Auferstehungstag.

 

Jacek Malczewski, Self Portrait with an Easter Egg
Jacek Malczewski (1854-1929) war ein polnischer Maler des Modernismus und Symbolismus.

Heinrich Kämpchen 1847-1912

Ostern

 

Ich mache meinen Ostergang,

In freier Luft, am Bergeshang,

Fernab vom Menschentreiben.

Der lauten Stadt bin ich entfloh’n,

Der Tageslast, der Wochenfron, –

Allein will ich verbleiben. –

 

Allein – und doch welch’ trüber Hall,

Wie fernverlor’ner Klageschall,

Will jach mein Ohr umtönen.

Von allen Seiten dringt er her,

Vermischt mit Seufzern tief und schwer,

Mit Jammerlaut und Stöhnen. –

 

Und in der reinen Osterluft

Spür’ ich den moderschwülen Duft,

Wie er das Grab umwittert.

Aus tausend Grüften schwelt der Hauch,

Aus tausend Klüften, sind sie auch

Verschlossen und umgittert. –

 

Und jetzt versteh’ ich auch den Klang,

so sterbetraurig und so bang’,

Von dem mein Ohr umhallet.

Es ist der Massenschrei der Not,

Der Hörigkeit nach Dach und Brot,

Der aus der Tiefe schallet. –

 

Der Schrei nach Freiheit, Luft und Licht,

Der fern aus Schacht und Stollen bricht,

Aus Werkstatt und Fabriken.

Er steigt herauf wie düst’re Flut,

Er schwillt von Elend, Brand und Blut

Und stetigem Bedrücken. –

 

Heloten, Fröner – Osterluft,

Ihr wittert sie in Qualm und Gruft,

Und spürt den Geist des Maien. –

Er kommt, er kommt – doch helft auch ihr

Aufsprengen mit die Grabestür,

Helft mit, euch zu befreien. –

 

Raffaello Sorbi, The Easter Procession
Raffaello Sorbi (1844-1931) war ein florentinischer Maler, der sich auf narrative Malerei spezialisierte.

Max von Schenkendorf 1783-1817

Ostern

 

Ostern, Ostern, Frühlingswehen!

Ostern, Ostern, Auferstehen,

Aus der tiefen Grabesnacht!

Blumen sollen fröhlich blühen,

Herzen sollen heimlich glühen,

Denn der Heiland ist erwacht!

 

Trotz euch, höllische Gewalten!

Hättet ihn wohl gern behalten,

Der euch in den Abgrund zwang.

Möchtet ihr das Leben binden?

aus des Todes düstern Gründen

Dringt hinan sein ew'ger Gang.

 

Der im Grabe lang gebunden

Hat den Satan überwunden,

Und der lange Kerker bricht.

Frühling spielet auf der Erden,

Frühling soll's im Herzen werden,

Herrschen soll das ew'ge Licht.

 

Alle Schranken sind entriegelt,

Alle Hoffnung ist versiegelt,

Und beflügelt jedes Herz;

Und es klagt bei keiner Leiche

Nimmermehr der kalte, bleiche,

Gottverlaß'ne Heidenschmerz.

 

Alle Gräber sind nun heilig,

Grabesträume schwinden eilig,

Seit im Grabe Jesus lag.

Jahre, Monden, Tage, Stunden,

Zeit und Raum, wie schnell verschwunden!

Und es scheint ein ew'ger Tag.

 

 

James Hayllar, Easter Flowers
James Hayllar (1829–1920) war ein englischer Genre-, Porträt- und Landschaftsmaler.

 

Theodor Grust, Easter Lilies
Theodor Grust (1857-1919) war ein deutscher Genre- und Porzellanmaler.
 

Ferdinand von Saar 1833-1906

Ostern

 

Ja, der Winter ging zur Neige,

holder Frühling kommt herbei,

Lieblich schwanken Birkenzweige,

und es glänzt das rote Ei.

 

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen

bei der Glocken Feierklang,

und auf oft betretnen Bahnen

nimmt der Umzug seinen Gang.

 

Nach dem dumpfen Grabchorale

tönt das Auferstehungslied,

und empor im Himmelsstrahle

schwebt er, der am Kreuz verschied.

 

So zum schönsten der Symbole

wird das frohe Osterfest,

daß der Mensch sich Glauben hole,

wenn ihn Mut und Kraft verläßt.

 

Jedes Herz, das Leid getroffen,

fühlt von Anfang sich durchweht,

daß sein Sehnen und sein Hoffen

immer wieder aufersteht.

 

 

Oumbertos Argyros,

Easter, 1932
Oumbertos Argyros (1877, 1882 oder 1884-1963), auch Umvertos Argyros oder Oumvertos Argyros, war ein griechischer Maler des Impressionismus.

Emanuel Geibel 1815-1884

Auferstehung

 

Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,

So trag' hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,

Daß ernst und still es sich mit dir ergehe

Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.

 

Da fühlst du bald, daß jener, der geschieden,

Lebendig dir im Herze auferstehe,

In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,

Und aus den Thränen blüht ein tiefer Frieden.

 

Ja, schöner muß der Tote dich begleiten,

Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,

Und treuer -- denn du hast ihn alle Zeiten.

 

Das Herz hat auch sein Ostern, wo der Stein

Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;

Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

 

 

Ernest Biéler,

Easter Bread (Entwurf)
Ernest Biéler (1863-1948) war ein Schweizer Maler und Illustrator. Er war durch den Impressionismus beeinflusst und wandte sich später dem Jugendstil zu.

 

Boris Kustodiev, Easter Greeting, 1916
Boris Mikhailowich Kustodiev (1878-1927) war ein russischer Maler und Grafiker.

Mikhail Mokhov, Ostern
Mikhail Andreevich Mokhov (1819-1903) war ein russischer Maler.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Ostern

 

Wenn die Schokolade keimt,

Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen

„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“

Endlich reimt,

Und der Osterhase hinten auch schon preßt,

Dann kommt bald das Osterfest.

 

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen

Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –

Dann mit jenen Dichterlingen

Und mit deren jugendlichen Bräuten

Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – –

Ach, das denk ich mir entsetzlich,

Außerdem – unter Umständen –

Ungesetzlich.

 

Aber morgens auf dem Frühstückstische

Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische

Eier. Und dann ganz hineingekniet!

Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme

Durch geheime Gänge und Gedärme

In die Zukunft zieht,

Und wie dankbar wir für solchen Segen

Sein müssen.

 

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,

Die so langgezogene Kugeln legen.

 

Constantin Daniel Stahi, Easter Food, 1916
Constantin Daniel Stahi (1844-Juni) war ein rumänischer Maler und Tiefdruckkünstler.

Stanislav Zhukowski, Ostertisch, 1912, Nationalgalerie der Ukraine, Kiew
Stanislav Yulianovich Zhukovsky (1873–1944) war ein polnischer Impressionist.

Kurt Tucholsky 1890-1935

Fröhliche Ostern

 

Da seht aufs neue dieses alte Wunder:

Der Osterhase kakelt wie ein Huhn

und fabriziert dort unter dem Holunder

ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.

 

Und auch der Mensch reckt frohbewegt die

Glieder – er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei ...

Ja, was errötet denn die Gattin wieder?

Ei, ei, ei

ei, ei

ei!

 

Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware

ins pappne Ei zum besseren Konsum:

Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,

die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

 

Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,

sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.

Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben:

Ei, ei, ei

ei, ei

ei!

 

Und Hans und Lene Steckens in die Jacke,

das liebe Osterei – wen freut es nicht?

Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,

und ohne jedes innre Gleichgewicht.

 

Die deutsche Politik ... Was wollt ich sagen?

Bei uns zu Lande ist das einerlei –

und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!

Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

 

 

Sergej Miloradovich, The preparation for Easter
Sergej Dmitrijewitsch Miloradowitsch (1851-1943) war ein russischer Maler historischer Themen.
 

Pierre Outin, The Easter Eggs
Pierre Outin (1840-1899) war ein französischer Maler.

Karl Rudolf Hagenbach

Der Osterhase

 

Der Has, der Has, der Hase,

Hat uns gelegt im Grase

Viel Eilein, gelb und roth,

Will hinter Stauden und Hecken

Er eilig sich verstecken,

So hat es keine Noth,

Wir suchen ihn im Grase,

Da liegt er schon, der Hase.

 

Auf bunten grünen Matten

Guckt er aus jungem Schatten

Des Blüthenbaums hervor,

Hier bei den Tulpenbeeten,

Dort hinter den Staketen,

Bei’m hohen Gartenthor,

O kommt, o kommt zu schauen,

Die bunten, die grünen, die blauen.

 

Im jungen Tannenwuchse,

Im hohen, schlanken Buchse,

Dort bei dem Veilchenstrauch,

Hier in dem weichen Moose,

Links vor der Maienrose

Liegt gar ein schönes auch,

Drei, vier, fünf, sechs dahinten

Dicht bei den Hyazinthen.

 

Gefunden sind nun alle,

„Daß kein’s zur Erde falle,

Nehmt Kinder! euch in Acht;

Denn wenn zerbricht die Schale,

Seid ihr mit einem Male

Um alle Lust gebracht,

Drum legt sie sacht ins Bettchen,

Ins weiche Eierkrättchen.“

 

Zu süßen Osterfladen

Sind wir nun eingeladen,

Schon ist das Mahl bereit,

Da lassen wir uns schmecken

Die Fladen und die Wecken

In aller Herrlichkeit:

Vivat die Osterfeier,

Die Fladen und die Eier!

 

Nikolay Koshelev, Children rolling Easter eggs
Nikolay Andreyevich Koshelev (1840–1918) war ein russischer Maler.

Fedot Sychkov, Easter Games
Fedot Vasilievich Sychkov (1870-1958) war ein russischer Maler.

Mihály von Munkácsy, Easter Sprinkling
Mihály von Munkácsy, eigentlich Michael Lieb (1844-1900), war ein ungarischer Maler des Realismus und Freskant.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Das Osterei

 

Hei, juchhei! Kommt herbei!

Suchen wir das Osterei!

Immerfort, hier und dort

Und an jedem Ort!

Ist es noch so gut versteckt,

Endlich wird es doch entdeckt. Hier ein Ei! dort ein Ei!

 

Bald sind’s zwei und drei.

Wer nicht blind, der gewinnt

Einen schönen Fund geschwind.

Eier blau, roth und grau

Kommen bald zur Schau.

Und ich sag’s, es bleibt dabei,

Gern such’ ich ein Osterei:

Zu gering ist kein Ding,

Selbst kein Pfifferling.

 

Christos Garoufalis, Easter Eggs
Christos Garoufalis (1959-) ist ein griechischer Maler.

Ignaz Heinrich von Wessenberg 1774-1860

Die Ostereier

 

Als Eltern noch einfältiglich

Dem Kindessinn nicht wehrten,

Versammelten die Kinder sich

Am Ostertag in Gärten,

Und suchten, wo zu finden sey

Ein bunt bemaltes Osterei.

 

O die ihr gern noch Kinder seyd,

Euch öffn’ ich leis’ das Pförtchen,

Damit ihr euch wie Kinder freut,

In meiner Muse Gärtchen,

Und jeder drinn mit Jubelschrei

Sich find’ ein liebes Osterei.

 

Mit Kinderaugen soll zu euch

Das Aufgefundne blicken,

Wie Veilchen, die am Dorngesträuch

Mit holder Einfalt nicken,

Wie Röschen, wie Vergißmeinnicht,

Mit sanft auflächelndem Gesicht.

 

Ilya Kaverznev, Svetloe Voskresenie
Ilya Kaverznev (1960-) ist ein russischer Maler.

Ignaz Heinrich von Wessenberg 1774-1860

Ostern

 

     O Wunder über Wunder! Plötzlich kehret,

Was todt in der Natur war, neu ins Leben.

Wie Alles grünt und blüht mit Wonnebeben!

Voll des Gesangs steh’n Flur und Wald verkläret.

 

     Und dir, o Geist, der Leben uns gewähret,

Entschwände, sinkt dein welkes Kleid, das Leben?

Mit ihm die Kraft, um dich verjüngt zu heben,

Die jetzt, wir seh’n, kein Samenkorn entbehret?

 

     O nein! umsonst nicht ist der Herr erstanden,

Der, daß wir ewig leben, war gestorben;

Entschwebt ist er zu ew’gen Sternenlanden!

 

     Jetzt, da was todt war, allwärts sich erneuert,

Werd’ Er, der uns Unsterblichkeit erworben,

Am Hochaltar des Frühlings froh gefeiert!

 

Edward Atkinson Hornel, Easter Eggs
Edward Atkinson Hornel (1864-1933) war ein schottischer Maler des Spätimpressionismus und wichtiger Vertreter der Glasgow Boys, einer Künstlergruppe aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.
 

und zum schluss

 

Friede!

Freude!

Eier suchen!
 

Ein schönes Fest wünscht

Franz Dewes

 

 

 

Osterhase        &         Hasterose

 

P.S.

Kurt Schwitters 1887-1948

Der Hasterose

 

Der Hasterose ist weiter nichts, als der umgekehrte Osterhase. Er entsteht dadurch, daß die Kinder Eier legen, und er frißt sie alle auf. Der Hasterose ist ein außerordentlich gefräßiges Tier. Millionen von Kindern legen zu Hastern Eier, und er frißt sie alle an einem einzigen Hastermorgen auf. Es ist einfach unglaubwürdig und eines gewöhnlichen Osen unwürdig, daß einer allein soviel frißt. Aber selbst der Hasterose würde sich seinen Magen dabei verderben, wenn es ein gewöhnlicher Magen wäre. Aber der Magen des Hasterosen ist doch nichts weiter als eine große Menge von Schokoladenfabriken, Bäckereien, Konditoreien und Privatbacköfen, auf der ganzen Welt verteilt.

 

 

P.P.S

 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Rätselhaftes Ostermärchen

(nur mit Ei und Eier aufzulösen)

 

Der FrackverlOher HOnrich OstermOO kehrte am ersten OsterfOOtage sehr betrunken hOm. SOne Frau, One wohlbelObte, klOne Dame, betrieb in der KlOststraße Onen OOhandel. Sie empfing HOnrich mit den Worten: „O O, mOn Lieber!“ DabO drohte sie ihm lächelnd mit dem Finger. Herr OstermOO sagte: „Ich schwöre Onen hOligen Od, daß ich nur ganz lOcht angehOtert bin. Ich war bO Oner WOhnachtsfOO des VerOns FrOgOstiger FrackverlOher. Dort hat Ones der Mitglieder anläßlich der Konfirmation sOner Tochter One Maibowle spendiert, und da habe ich denn sehr viel RhOnwOn auf das Wohl des verehrten JubelgrOses trinken müssen, wOl man ja nicht alle Tage zwOundneunzig Jahre alt wird.“ Frau OstermOO schenkte diesen Beteuerungen kOnen Glauben, sondern sagte nochmals: „O O, mOn Lieber!“ Worauf ihr PapagO die ersten zwO Worte „O O“ wohl drOßigmal laut wiederholte. Über das GeschrO des PapagOs geriet HOnrich in solche Wut, daß er On BOl ergriff und sämtliche OOOO zerschlug. Frau OstermOO wurde krOdeblOch und lief, triefend von Ogelb zur PolizO. Ihr Mann aber ließ sich erschöpft auf Onen Stuhl nieder und wOnte lOse vor sich hin. Bis ihm der PapagO von oben herab On OsterO in den Schoß warf. Da war alles vorbO.

 

Josef Douba, Happy easter
Josef Douba (1866-1928) war ein tschechischer Maler.

 

 

 

 

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Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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