BuchKult
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Lachse, Gründling, Bürschling, Hecht,

sind im Januar nicht schlecht,

doch Bedingung ist zumeist:

Erst erwischen, eh' man speist.

unbekannter Autor

 

James Ensor, Il fuoco d'artificio, 1887 (cropped)
James Sidney Ensor (1860-1949) war ein belgischer Maler und Zeichner, der neben Gemälden auch eine Vielzahl von Radierungen und Kaltnadelarbeiten schuf.

Nur wenige der hier gezeigten Darstellungen werden wohl Neujahrsfeuerwerke sein.

Es dürfte trotzdem reizvoll sein zu sehen, wie die unterschiedlichen Künstler aus verschiedenen Kulturen und Epochen das Thema dargestellt haben.

Wilhelm Busch 1832-1908

Das alte Jahr gar schnell entwich ...

 

Das alte Jahr gar schnell entwich.

Es konnt sich kaum gedulden

Und ließ mit Freuden hinter sich

Den dicken Sack voll Schulden.

 

 

Pharamond Blanchard, Fireworks, a chromolithograph from the 1856 Alexander II Coronation Book
Henri Pierre Léon Pharamond Blanchard (1805-1873) war ein französischer Lithograf und Maler von Landschaften und historischen Motiven.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Neujahrslied

 

So singen wir, so trinken wir

Uns froh hinein ins neue Jahr.

Wir lassen drüben Gram und Leid,

Und nehmen mit die Fröhlichkeit

Ins neue Jahr.

 

So singen wir, so trinken wir

Uns froh hinein ins neue Jahr.

Die Freundschaft geht von selber mit,

Begleitet treu uns Schritt für Schritt

Ins neue Jahr.

 

So singen wir, so trinken wir

Uns froh hinein ins neue Jahr.

Die Hoffnung wartet unser dort,

Sie sprach: »Kommt mit! ich ziehe fort

Ins neue Jahr.«

 

So singen wir, so trinken wir

Uns froh hinein ins neue Jahr.

Drum, wer's nicht froh beginnen kann,

Der fang es lieber gar nicht an,

Das neue Jahr!

 

Der Feuerwerksplatz im Wiener Prater, c.1825

Emil Orlik, Nächtliches Heidelberg mit Feuerwerk, 1929
Emil Orlik (1870-1932) war ein böhmischer Maler, Grafiker, Fotograf, Medailleur und Kunsthandwerker.

Theodor Fontane 1819-1898

Und wieder hier draußen ein neues Jahr ...

 

Und wieder hier draußen ein neues Jahr -

Was werden die Tage bringen?!

Wird’s werden, wie es immer war,

Halb scheitern, halb gelingen?

 

Wird’s fördern das, worauf ich gebaut,

Oder vollends es verderben?

Gleichviel, was es im Kessel braut,

Nur wünsch’ ich nicht zu sterben.

 

Ich möchte noch wieder im Vaterland

Die Gläser klingen lassen,

Und wieder noch des Freundes Hand

Im Einverständnis fassen.

 

Ich möchte noch wirken und schaffen und tun

Und atmen eine Weile,

Denn um im Grabe auszuruhn,

Hat’s nimmer Not noch Eile.

 

Ich möchte leben, bis all dies Glühn

Rücklässt einen leuchtenden Funken

Und nicht vergeht wie die Flamm’ im Kamin,

Die eben zu Asche gesunken.

 

Wenzel Hollar, Fireworks in Hemissem
Wenzel Hollar (1607-1677), auch Wenceslaus oder Václav Hollar, war ein böhmischer Zeichner und Kupferstecher, der den größten Teil seines Lebens in England verbrachte.

Karl Henckell 1864-1929

Mein Neujahrswunsch

 

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?

Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,

Festzustehen im Grund der Erden,

Nicht zu lockern und morsch zu werden,

Mit den frisch ergrünenden Blättern

 

Wieder zu trotzen Wind und Wettern,

Mag es ächzen und mag es krachen,

Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,

So in Regen wie Sonnenschein

Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

 

Kobayashi Kiyochika, View of Fireworks at Ryohgoku,Tokyo
Kobayashi Kiyochika (1847-1915) war ein japanischer Holzschnitt-Künstler der Meiji-Zeit.

Eduard Mörike 1804-1875

Zum Neujahr

 

Mit einem Taschenkalender

 

An tausend Wünsche, federleicht,

Wird sich kein Gott noch Engel kehren,

Ja, wenn es so viel Flüche wären,

Dem Teufel wären sie zu seicht.

Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu

Dem andern den Kalender segnet,

So steht ein guter Geist dabei.

Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet,

Ob dir's auch ohne das beschieden sei.

 

 

Matthäus Merian, Feuerwerk im Stuttgarter Lustgarten, 17. März 1616
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) war ein schweizerisch-deutscher Kupferstecher und Verleger aus der vornehmen Basler Familie Merian.
 

Luise Otto-Peters 1819-1895

Jahreswechsel

 

Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen,

In mitternächtlich ernster Stund'

Des Jahres Scheidegruß zu bringen:

Dann lauschen wir, als werd' uns kund,

Was nun der neue Lauf der Horen

Uns Erdenpilgern bieten mag –

Das Jahr ward neuverjüngt geboren

Und festlich grüßt sein erster Tag.

 

Doch ist vergeblich alles Fragen,

Die Antwort lautet immer gleich:

Propheten sind aus unsern Tagen

Verbannt ins dunkle Sagenreich.

Kein Blick darf in die Werkstatt schweifen,

In der des Menschen Los sich webt,

Kein Arm in das Getriebe greifen,

Das Schicksals-Fäden senkt und hebt!

 

Das mußten alle wir erfahren

In unsrer Lieben engem Kreis –

Gebrochen müssen wir gewahren

Manch hoffnungsgrüne frisches Reis,

Und wo wir's ahnend kaum vermutet,

Da kam uns Rettung aus der Not,

Indessen dort ein Herz verblutet

Weil ihm sein Liebstes nahm der Tod!

Forsetzung unten

 

Franz Richard Unterberger, Santa-Lucia-Fest in Amalfi
Franz Richard Unterberger (1837-1902) war ein Tiroler Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts.

Forsetzung Otto-Peters, Jahreswechsel

 

Nur eitel ist das ird'sche Hoffen,

Das sich an äußre Zeichen hält,

Ist nicht in uns ein Himmel offen,

Von dem kein Stern herunterfällt.

Wie sehr auch Sturm und Donner wettert

Und frische Hoffnungssaat zerschlägt

Und alle Rosen uns entblättert,

Wie Staub in alle Winde trägt. –

 

Ein Himmel, den wir sicher schauen,

Wenn sich der Blick nur aufwärts hebt,

Ein Himmel, den wir selber bauen,

Wenn wir zum höchsten Ziel gestrebt,

Ein Himmel, draus seit Ewigkeiten

Zu uns die Schöpfungsformel spricht,

Die heiligste für alle Zeiten:

Kein Chaos mehr! – es werde Licht!

 

Kein Chaos mehr – in unserm Leben,

Kein Chaos mehr im Vaterland!

Es werde Licht, – dies unser Streben,

Die Waffe dies in unsrer Hand.

Des Gottesfunkens treue Wächter

An heil'ger Freiheit Hochaltar,

Und Feinde aller Lichtverächter:

So grüßen wir das neue Jahr.

 

 

 

Gaston La Touche, Dinner at the Casino, Dayton Art Institute
Gaston La Touche oder de La Touche (1854-1913) war ein französischer Maler, Illustrator, Graveur und Bildhauer.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

 

Zwischen zweier Jahre Sarg und Windel

Wiederholt sich immer solch historischer Schwindel,

Der zumal Kalenderfabrikanten

Und viele alte antitot gesinnte Tanten

Hochbeglückt.

 

Und auch mich.

Prosit Neujahr, Brüder!

Ich bin heute lüder-

lich.

Ja, ich brülle und betrinke mich.

Mich schlägt keine Uhr.

Und ich wünsche jedem Menschen nur:

Daß von dem, was er mit losem Munde

Heute erfleht,

möglichst wenig in Erfüllung geht.

Weil die Welt mir doch zu jeder Stunde

So am richtigsten erscheint, wie sie besteht.

 

Fritz Stoltenberg, Kiel Hafen Feuerwerk
Fritz Stoltenberg (1855-1921), vollständiger Name: Friedrich Martin Andreas Stoltenberg, war ein Landschafts- und Marinemaler aus Schleswig-Holstein.

Richard von Schaukal 1874-1942

Das neue Jahr

 

Ein Kinderlied

 

Das alte Jahr hat über Nacht

in aller Stille sich fortgemacht.

 

Das neue ist noch ein kleines Kind:

es weiß noch gar nicht, wer wir sind.

 

Und ist doch unser Herr von heut,

hat Macht über soviel tausend Leut’.

 

So wollen wir denn, ohne umzuschaun,

ihm all unsre Sachen anvertraun.

 

Es stammt aus einem großen Haus:

es kennt sich ganz gewiss bald aus.

 

 

Ernst Oppler, Feuerwerk
Ernst Oppler (1867-1929) war ein Maler und Grafiker des deutschen Impressionismus. Sein Schaffen ist kennzeichnend für den Übergang von der Kunst des 19. Jahrhunderts hin zur Klassischen Moderne zur Zeit des Wilhelminismus und der Weimarer Republik.
 

Johann Peter Hebel 1760-1826

Neujahrslied

 

Mit der Freude zieht der Schmerz

Traulich durch die Zeiten.

Schwere Stürme, milde Weste,

Bange Sorgen, frohe Feste

Wandeln sich zur Seiten.

 

Und wo eine Träne fällt,

Blüht auch eine Rose.

Schon gemischt, noch eh’ wir’s bitten,

Ist für Throne und für Hütten

Schmerz und Lust im Lose.

 

War’s nicht so im alten Jahr?

Wird’s im neuen enden?

Sonnen wallen auf und nieder,

Wolken geh’n und kommen wieder

Und kein Mensch wird’s wenden.

 

Gebe denn, der über uns

Wägt mit rechter Waage,

Jedem Sinn für seine Freuden,

Jedem Mut für seine Leiden

In die neuen Tage.

 

Jedem auf dem Lebenspfad

Einen Freund zur Seite,

Ein zufriedenes Gemüte

Und zu stiller Herzensgüte

Hoffnung ins Geleite.

 

Giovanni Signorini, Fireworks over the River Arno
Giovanni Signorini (1810-1862) war ein italienischer Maler.
 

Wilhelm Busch 1832-1908

Zum Neujahr

 

Bald, so wird es zwölfe schlagen.

Prost Neujahr! wird mancher sagen;

Aber mancher ohne Rrren!

Denn es gibt vergnügte Herren.

Auch ich selbst, auf meinen Wunsch,

Mache mir ein wenig Punsch. -

 

Wie ich nun allhier so sitze

Bei des Ofens milder Hitze,

Angetan den Rock der Ruhe

Und die schönverzierten Schuhe,

Und entlocke meiner Pfeife

Langgedehnte Wolkenstreife,

Da spricht mancher wohl entschieden:

Dieser Mensch ist recht zufrieden!

Leider muss ich, dementgegen,

Schüttelnd meinen Kopf bewegen. -

Schweigend lüfte ich das Glas.

(Ach, wie schön bekömmt mir das!) -

 

Sonsten wie erfreulich war es,

Wenn man so am Schluss des Jahres

Oder in des Jahres Mitten

Zum bewussten Schrein geschritten

Und in süßem Traum verloren,

Emsig den Kupon geschoren!

Aber itzo auf die Schere

Sickert eine Trauerzähre,

Währenddem der Unterkiefer

Tiefer sinkt und immer tiefer. -

Traurig leere ich das Glas

(Ach, wie schön bekömmt mir das!) -

 

Henriette, dieser Name

Füllt mich auch mit tiefem Grame:

Die ich einst in leichten Stoffen

Herzbeklemmend angetroffen

Nachts auf dem Kasinoballe,

Sie, die später auf dem Walle

Beim Ziewiet der Philomele

Meine unruhvolle Seele

Hoch beglückt und tief beseligt,

Sie ist anderweit verehlicht,

Ist im Standesamtsregister

Aufnotieret als Frau Pfister,

Und es wird davon gesprochen,

Nächstens käme sie in Wochen. -

Grollend lüfte ich das Glas.

(Ach, wie schön bekömmt mir das!) -

 

Fortsetzung unten

 

James McNeill Whistler, Nocturne in Black and Gold, The falling rocket
James Abbott McNeill Whistler (1834-1903) war ein US-amerikanischer Maler.

Fortsetzung Busch, Zum Neujahr

 

 

Ganz besonders und vorzüglich

Macht es mich so mißvergnüglich,

Dass es mal nicht zu vermeiden,

Von hienieden abzuscheiden,

Dass die Denkungskraft entschwindet,

Dass man sich so tot befindet,

Und es sprechen dann die Braven:

Siehe da, er ist entschiafen.

Und sie ziehn gelind und lose

Aus der Weste oder Hose

Den geheimen Bund der Schlüssel,

Und man rührt sich auch kein bissel,

Sondern ist, obschon vorhanden,

Friedlich lächelnd einverstanden. -

Schaudernd leere ich das Glas.

(Ach, wie schön bekömmt mir das!) -

 

Wo wird dann die Seele weilen?

Muss sie sich in Duft zerteilen?

Oder wird das alte Streben,

Hübsche Dinge zu erleben,

Sich in neue Form ergießen,

Um zu lieben, zu genießen,

Oder in Behindrungsfällen

Sehr zu knurren und zu bellen?

Kann man, frag' ich angstbeklommen,

Da denn gar nicht hinterkommen?

Kommt, o kommt herbeigezogen,

Ihr verehrten Theologen,

Die ihr längst die ew'ge Sonne

Treu verspundet in der Tonne.

Überschüttet mich mit Klarheit! -

Doch vor allem hoff' ich Wahrheit

Von dem hohen Philosophen;

Denn nur er, beim warmen Ofen,

Als der Pfiffigste von allen,

Fängt das Licht in Mäusefallen. -

Prost Neujahr! Und noch ein Glas!

(Ei, wie schön bekömmt mir das!) -

 

Uh, mir wird so wohl und helle!

Himmel, Sterne, Meereswelle,

Weiße Möwen, goldne Schiffe;

Selig schwanken die Be-jiffe,

Und ich tauche in das Bette

Mit dem Seufzer: Hen-i-jette!

 

Utagawa Toyoharu, Shinpan uki-e - Toto Ryogokubashi hanka no zu
Utagawa Toyoharu (1735-1814) war ein japanischer Künstler.

Achim von Arnim 1781-1831

Neujahr

 

Altes Jahr, du ruhst in Frieden,

Deine Augen sind geschlossen;

Bist von uns so still geschieden

Hin zu himmlischen Genossen,

Und die neuen Jahre kommen,

Werden auch wie du vergehen,

Bis wir alle aufgenommen

Uns im letzten wiedersehen.

Wenn dies letzte angefangen,

Deutet sich dies Neujahrgrüßen,

Denn erkannt ist dies Verlangen,

Nach dem Wiedersehn und Küssen.

 

Jakob Philipp Hackert, Feuerwerk auf der Engelsburg in Rom
Jakob Philipp Hackert, eigentlich Philipp Hackert (1737-1807) war ein deutscher Landschaftsmaler des Klassizismus.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Neujahrslied

 

Das alte Jahr vergangen ist,

Das neue Jahr beginnt.

Wir danken Gott zu dieser Frist,

Wohl uns, dass wir noch sind!

Wir sehn aufs alte Jahr zurück

Und haben neuen Mut:

Ein neues Jahr, ein neues Glück!

Die Zeit ist immer gut.

 

Ja, keine Zeit war jemals schlecht:

In jeder lebet fort

Gefühl für Wahrheit, Ehr’ und Recht

Und für ein freies Wort.

Hinweg mit allem Weh und Ach!

Hinweg mit allem Leid!

Wir selbst sind Glück und Ungemach,

Wir selber sind die Zeit.

 

Und machen wir uns froh und gut,

Ist froh und gut die Zeit

Und gibt uns Kraft und frohen Mut

Bei jedem neuen Leid.

Und was einmal die Zeit gebracht,

Das nimmt sie wieder hin -

Drum haben wir bei Tag und Nacht

Auch immer frohen Sinn.

 

Und weil die Zeit nur vorwärts will,

So schreiten vorwärts wir;

Die Zeit gebeut, nie stehn wir still,

Wir schreiten fort mit ihr.

Ein neues Jahr, ein neues Glück!

Wir ziehen froh hinein,

Denn vorwärts! vorwärts! nie zurück!

Soll unsre Losung sein.

 

Cavaliere Ippolito Caffi, La Girandola, Rome
Cavaliere Ippolito Caffi (1809-1866) war ein italienischer Maler.

Wilhelm Busch 1832-1908

Zu Neujahr

 

Will das Glück nach seinem Sinn

Dir was Gutes schenken,

Sage Dank und nimm es hin

Ohne viel Bedenken.

 

Jede Gabe sei begrüßt,

Doch vor allen Dingen:

Das, worum du dich bemühst,

Möge dir gelingen.

 

Ferdinand du Puigaudeau, Fireworks over the Port
Ferdinand du Puigaudeau (1864-1930) war ein französischer Maler.

Richard von Schaukal 1874-1942

Neues Jahr

 

Wieder ein Ring am Baum,

der seine Wurzeln in Traum

taucht und Tiefe der Nacht.

 

Wieder ein Zeichen der Zeit,

die durch die Ewigkeit

tastende Menschen erdacht.

 

Wieder um Weh und Wahn

kreisend gemessene Bahn,

bis wir am Ziel erwacht.

 

Edward Middleton Manigault, The Rocket, 1909
Edward Middleton Manigault (1887-1922)war ein amerikanischer Maler der Moderne.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Silvester

 

Daß bald das neue Jahr beginnt,

Spür ich nicht im Geringsten.

Ich merke nur: Die Zeit verrinnt

Genau so wie zu Pfingsten,

 

Genau wie jährlich tausendmal.

Doch Volk will Griff und Daten.

Ich höre Rührung, Suff, Skandal,

Ich speise Hasenbraten.

 

Mit Cumberland, und vis-à-vis

Sitzt von den Krankenschwestern

Die sinnlichste. Ich kenne sie

Gut, wenn auch erst seit gestern.

 

Champagner drängt, lügt und spricht wahr.

Prosit, barmherzige Schwester!

Auf! In mein Bett! Und Prost Neujahr!

Rasch! Prosit! Prost Silvester!

 

Die Zeit verrinnt. Die Spinne, spinnt

In heimlichen Geweben.

Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,

Beginnt ein neues Leben.

 

Hans Sebald Beham, Januar und Februar
Hans Sebald Beham (1500-1550) war ein bedeutender Maler und Kupferstecher.

Der Januar (lateinisch mensis Ianuarius), in Teilen des oberdeutschen Sprachraums zudem und in Österreich und Südtirol fast ausschließlich Jänner, ist der erste Monat des Jahres im gregorianischen und im julianischen Kalender. Er hat 31 Tage. Veraltete Namensformen sind Hartung, Hartmonat, Schneemonat, Eismond, Wintermonat oder Wolfsmonat.

Benannt ist er nach dem römischen Gott Janus, der mit zwei Gesichtern dargestellt wird. Er gilt als Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore. Im Amtsjahr des römischen Kalenders war der Ianuarius ursprünglich der elfte Monat und hatte 29 Tage. Mit der Umstellung des Jahresbeginns vom 1. März auf den 1. Januar im Jahre 153 v. Chr. wurde der Ianuarius zum ersten Monat des Kalenders. Nach Cäsars Kalenderreform erfolgte im julianischen Kalender ab dem Jahr 45 v. Chr. durch Einschub von zwei Zusatztagen eine Verlängerung des Monats auf 31 Tage. Unter Kaiser Commodus wurde der Monat in Amazonius umbenannt, nach dem Tod des Kaisers erhielt er allerdings wieder seinen alten Namen zurück.

 

 

Mensis Ianuarius

 

Janus, die alte Gottheit mit den zwei Gesichtern, ist ein Symbol für den Übergang vom Alten zum Neuen. Er symbolisiert die Übergänge, mit denen wir jeden Tag und jedes Jahr immer wieder konfrontiert sind, wenn wir Altes hinter uns lassen und Neues beginnen. Mit einem Gesicht, dem alten, schauen wir auf unsere Erfahrungen der Vergangenheit zurück, und mit dem anderen, jugendlichen, blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft.

 

Très Riches Heures, Janvier
Très Riches Heures - Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

 

Hans Thoma, Januar
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Erich Kästner 1899-1874

Der Januar

 

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.

Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Man steht am Fenster und wird langsam alt.

 

Die Amseln frieren.

Und die Krähen darben.

Und auch der Mensch hat seine liebe Not.

Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.

Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.

Und wär so gerne gelb und blau und rot.

 

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,

tanzt auf dem Eise stolz der Januar.

Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.

Es heißt, die Tage würden wieder länger.

Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

 

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.

Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.

Silvester hörte man’s auf allen Sendern,

dass sich auch unterm Himmel manches ändern

und, außer uns, viel besser werden soll.

 

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Und ist doch hunderttausend Jahre alt.

Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

 

 

Joachim von Sandrart, Der Monat Januar
Joachim von Sandrart der Ältere (1606-1688) war ein deutscher Maler, Kupferstecher, Kunsthistoriker und Übersetzer.

Ernst Lissauer 1882-1927

Januar

 

Ich bin erwacht aus toter Winterruh’,

Es taut mein Blut, lang war es zugefroren.

Die Adern rinnen, offen stehn die Poren,

Ich spüre tief: es geht dem Frühling zu.

Klar fließt in mir Lichtjanuar.

Es wächst der Tag, es schwillt das Jahr.

 

 

Eugène Grasset, Janvier
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Emil Besser 1863-?

Januar

 

Das weite todesmüde Schweigen;

Die kalte Klarheit in der Luft;

Die Bäume mit den kahlen Zweigen;

Auf frischem Schnee ein blauer Duft;

 

– Und drunter all das junge Leben,

Um dessen still verborgnes Sein

Schon ahnungsvolle Träume schweben

Von einer Welt im Sonnenschein.

 

Januar
Mittelalterliche Darstellung

Matthias Claudius 1740-1815

Ein Lied

hinter’m Ofen zu singen

 

Der Winter ist ein rechter Mann,

Kernfest und auf die Dauer;

Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,

Und scheut nicht Süß noch Sauer.

 

War je ein Mann gesund, ist er’s;

Er krankt und kränkelt nimmer,

Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs

Und schläft im kalten Zimmer.

 

Er zieht sein Hemd im Freien an,

Und läßt’s vorher nicht wärmen;

Und spottet über Fluß im Zahn

Und Kolik in Gedärmen.

 

Aus Blumen und aus Vogelsang

Weiß er sich nichts zu machen,

Haßt warmen Drang und warmen Klang

Und alle warme Sachen.

 

Doch wenn die Füchse bellen sehr,

Wenn’s Holz im Ofen knittert,

Und um den Ofen Knecht und Herr

Die Hände reibt und zittert;

 

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht,

Und Teich’ und Seen krachen;

Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,

Denn will er sich todt lachen. –

 

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus

Beym Nordpol an dem Strande;

Doch hat er auch ein Sommerhaus

Im lieben Schweizerlande.

 

Da ist er denn bald dort bald hier,

Gut Regiment zu führen.

Und wenn er durchzieht, stehen wir

Und sehn ihn an und frieren.

 

Louis Apol, A January evening in the Haagse Bos
Lodewijk Frederik Hendrik (Louis) Apol war ein niederländischer Maler und einer der bekanntesten Vertreter der Haager Schule.

Joseph von Eichendorff 1788-1857

Winternacht

 

Verschneit liegt rings die ganze Welt,

Ich hab’ nichts, was mich freuet,

Verlassen steht der Baum im Feld,

Hat längst sein Laub verstreuet.

 

Der Wind nur geht bei stiller Nacht

Und rüttelt an dem Baume,

Da rührt er seinen Wipfel sacht

Und redet wie im Traume.

 

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,

Von Grün und Quellenrauschen,

Wo er im neuen Blütenkleid

Zu Gottes Lob wird rauschen.

 

Karl Fredrik Nordström, Winter Evening at Roslagstull, Stockholm
Karl Fredrik Nordström (1855-1923) war ein schwedischer Maler.

Otto Ernst 1862-1926

Winternachmittag an der Elbe

 

Durch den Schnee, der Schlucht und Gräben füllt,

Wandert meine Seele ruhumhüllt.

Ach, sie möchte sich Genüge tun,

Lebenswarm im weißen Totenlinnen ruhn!

 

     Denn es wacht wie eine Flamme mein Gemüt

In der Stille dieser Schlummerzeit.

Wie ein einzig Licht in Waldesnächten glüht,

Brennt mein Herz in Wintereinsamkeit.

 

     Horch, wer hat den toten Hain erschreckt?

Überlast des Schnees fiel von den Zweigen.

Einen Laut hat sich Natur erweckt,

Weil ihr graute vor dem eignen Schweigen.

 

     Durch beschneite Zweige kann ich ferne sehn,

Wo die stillen Segel gehn.

Aus dem Reich der stummen Nebelhöhn gesandt,

Ziehn sie lautlos in des Traumes Land. –

 

     Holder Tag, der unterm Eis verrinnt,

Ewig wirst du mir im Herzen sein!

Tief gebettet dort, wirst du noch einst ein Wein,

Der die alten Augen mir mit Licht umspinnt.

 

Max Clarenbach, Treibeis auf dem Rhein
Max Clarenbach, eigentlich Maximilien Clarenbach (1880-1952), war ein deutscher Maler der Düsseldorfer Schule und als Mitbegründer des Sonderbundes in Düsseldorf einer der bedeutenden Vertreter der rheinischen Malerei im frühen 20. Jahrhundert.

Gustav Falke 1853-1916

Winter

 

Ein weißes Feld, ein stilles Feld.

Aus veilchenblauer Wolkenwand

hob hinten, fern am Horizont,

sich sacht des Mondes roter Rand.

 

Und hob sich ganz heraus und stand

bald eine runde Scheibe da,

In düstrer Glut. Und durch das Feld

klang einer Krähe heisres Krah.

 

Gespenstisch durch die Winternacht

der große dunkle Vogel glitt,

und unten huschte durch den Schnee

sein schwarzer Schatten lautlos mit.

 

Walter Launt Palmer, January
Walter Launt Palmer (1854-1932) war ein amerikanischer impressionistischer Maler.

Afanassi Afanassjewitsch Fet 1820 - 1892

 

Bild, schön ohnegleichen,

Lieb mir und verwandt:

Ebene, du weiße,

Vollmond überm Land,

 

Licht der hohen Himmel,

Schnee – ein Funkeln, zart,

Und der fernen Schlitten

Einsam stille Fahrt.

 

 

Iwan Aiwasowski, Winter landscape
Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817-1900) war ein russischer Maler der Romantik armenischer Abstammung.
 

Martin Greif 1839-1911

Wintertrost

 

Welche Wandlung über Nacht

Hat den Wald beschlichen,

Braun noch gestern, sieht erwacht

Er sein Haar verblichen.

 

Eis mit langen Zapfen hängt

Rings von allen Ästen,

Weiss der Silberbart sich mengt

Mit des Laubes Resten.

 

Wohl, Natur in solchem Bild

Mahnt sie an das Alter,

Wäre nicht der Winter mild

Auch ein Welterhalter.

 

Lasse dort die Eiche, grau,

Näher dich belehren:

Rieselt erst des Frühlings Tau,

Wird das Grün ihr kehren.

 

 

Nikolay Bogdanov-Belsky, Winter
Nikolay Petrovich Bogdanov-Belsky (1886-1945) war ein russischer Maler.
 

Martin Greif 1839-1911

Winterlied einer Meise

 

Wo auf winterlicher Flur

Noch kein Hälmchen zu erschauen,

Mahnt vom Walde her die Meise,

Auf die Sonne zu vertrauen,

Die für eine Weile nur

Uns entwandert auf der Reise.

 

 

Theodor Severin Kittelsen, Vintermorgen Dompap
Theodor Severin Kittelsen (1857-1914) war ein norwegischer Künstler.

Anastasius Grün (1808-1876)

Im Winter

 

Der Winter steigt, ein Riesenschwan, hernieder,
Die weite Welt bedeckt sein Schneegefieder.
Er singt kein Lied, so sterbensmatt er liegt,
Und brütend auf die tote Saat sich schmiegt;
Der junge Lenz doch schläft in seinem Schoß,
Und saugt an seiner kalten Brust sich groß,
Und blüht in tausend Blumen wohl herauf,
Und jubelt einst in tausend Liedern auf.

 

So steigt, ein bleicher Schwan, der Tod hernieder,
Senkt auf die Saat der Gräber sein Gefieder,
Und breitet weithin über stilles Land,
Selbst still und stumm, das starre Eisgewand;
Manch frischen Hügel, manch verweht Gebein,
Wohl teure Saaten, hüllt sein Busen ein;
Wir aber stehn dabei und harren still,
Ob nicht der Frühling bald erblühen will?

 

Iwan Choultsé, Sonnenuntergang im Winter
Iwan Fedorowitsch Choultsé (1874-1939) war ein Maler des russischen Realismus.

Heinrich Heine 1797-1856

Winter

 

     Die Kälte kann wahrlich brennen

Wie Feuer. Die Menschenkinder

Im Schneegestöber rennen

Und laufen immer geschwinder.

 

     O, bittre Winterhärte!

Die Nasen sind erfroren,

Und die Clavierconzerte

Zerreißen uns die Ohren.

 

     Weit besser ist es im Summer,

Da kann ich im Walde spazieren

Allein mit meinem Kummer

Und Liebeslieder scandiren.

 

 

Peder Mørk Mønsted, Evening Glow, 1920
Peder Mørk Mønsted (1859-1941) war ein dänischer Landschaftsmaler.

Arno Holz 1863-1929

Einstweilen!

 

Die alte Welt ist ein altes Haus

und furchtbar ungemütlich,

der Nordwind pustet die Lichter aus –

ich wollte, wir lägen mehr südlich!

 

Ich wollte ... Puh Teufel, wie das zieht!

Der Hagel prallt an die Scheiben;

drum singt nur einstweilen das tröstliche Lied:

Es kann ja nicht immer so bleiben!

 

Francis Hans Johnston, The Pole Star
Francis Hans Johnston (1888-1949) war ein kanadischer Künstler.
 

 6. Januar Dreikönigsfest

Alois Gabl, Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern, Glaspalast München 1883
Alois Gabl (1845-1893) war ein österreichischer Maler und Zeichner.

Epiphanias bzw. Epiphanie ist der ursprüngliche und heute noch in der evangelischen Kirche gebräuchliche Name eines am 6. Januar begangenen Festes im Christentum; in der aktuellen Ausgabe der Perikopenordnung wird es als „Fest der Erscheinung des Herrn: Epiphanias“ bezeichnet. In der katholischen Kirche wird es als Fest der Erscheinung des Herrn, volkstümlich und in vielen Kalendern auch als Dreikönigsfest, Dreikönigstag, Heilige Drei Könige und Heiligedreikönigstag bezeichnet, regional vereinzelt bis heute u. a. auch als Groß-Neujahr, Hochneujahr, Hoh-Neujahr oder Oberster bekannt. In Österreich wird dieser Tag auch Weihnachtszwölfer genannt. Diese Bezeichnung leitet sich vermutlich von dem alten Brauchtum ab, das Weihnachtsfest zwölf Tage lang zu begehen, wovon der letzte Tag das Fest der Erscheinung des Herrn war.

Das Fest wird von den Westkirchen der Anbetung des Kindes durch die Weisen aus dem Morgenland zugeordnet, in den Ostkirchen als Tag der Taufe Jesu und Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit begangen.

 

 

Jan Miense Molenaer, Januar - Aus einer Reihe von 12 Monatsbildern
Jan Miense Molenaer (um 1610-1668) war ein niederländischer Maler und Radierer.
 

Georg Reicke · 1863-1923

Die heiligen drei Könige

 

Der Wintertag liegt auf dem Dörfchen stumm,

die heiligen drei Könige gehen heut um.

 

Der Erste schreitet gebeugt einher,

sein Alter und Krone drücken ihn schwer.

 

Der Zweite führt trippelnd ein Kind an der Hand,

ihn fröstelt im Königs-Bettlergewand.

 

Der Dritte hebt hoch empor sein Gesicht –

er grüßt eines blinkenden Sternes Licht.

 

Und als sie die dörfliche Runde vollbracht,

hat jeder sich schweigend davon gemacht.

 

Im Armenhaus auf der Ofenbank

schlürft bald der Erste den wärmenden Trank.

 

Sein böses Weib trifft der Zweite an,

sie schlägt das Kind und sie schimpft den Mann.

 

Der Dritte hat stumm sich hinausgewandt

und schaut übern Schnee und das dunkelnde Land –

 

schaut lange hinauf zu den Sternenhöhn,

kann sich und ihr Leuchten doch nimmer verstehn!

 

Christen Dalsgaard, De Hellige Tre Konger besøger et Jysk Bondehje
Christen Dalsgaard (1824-1907) war eine dänische Malerin.
 

Heinrich Daniel Zschokke 1771-1848

 

Jeder wünscht sich langes Leben,

seine Kisten voller Geld,

Wiesen, Wälder, Äcker, Reben -

Klugheit, Schönheit, Ruhm der Welt,

doch wenn alles würde wahr

was man wünscht zum neuen Jahr,

dann erst wär es um die Welt,

glaubt es, jämmerlich bestellt.

 

Lebten alle tausend Jahre,

was gewönnen wir dabei?

Kahle Köpfe, graue Haare

und das ew'ge Einerlei!

Im erschrecklichen Gedränge

ungeheurer Menschenmenge

würden Stadt und Dorf zu enge,

und die ganze Welt zu klein.

Niemand könnte etwas erben,

denn es würde keiner sterben;

und wer möchte Doktor sein?

 

Wäre jedermann so reich,

als wohl jeder wünscht zu werden:

Nun, dann würden wir auf Erden

uns, in Sorgen, alle gleich.

Da niemand des andern Bürde

künftig auf sich laden würde,

müßte jeglicher allein

sein höchsteigner Diener sein;

selber seine Strümpfe stricken,

möcht' er nicht gern barfuß gehn;

selber Rock und Hosen flicken

möcht' er nicht wie Adam stehen;

müßte kochen, braten, backen,

liebte er gesunde Kost.

Wäre er kein Freund vom Frost,

müßt' er selber Holz sich hacken.

 

Ständen alle ohne Mängel

wir hienieden schon, als Engel,

o wie wär' es böse Zeit

für die liebe Geistlichkeit!

Wer denn könnte Pfarrer werden

in dem Himmel hier auf Erden,

wenn der Laie besser wäre

als die Predigt, die er hört?

Nur wo nötig ist die Lehre

-und sonst nirgends- hat sie Wert.

Advokaten gingen müßig;

Richter wären überflüßig;

und Dragoner und Husaren

wären überflüß'ge Waren.

Ach, in diesem Weltgetümmel

wüchse wieder neue Not,

denn es brächte unser Himmel

manchen braven Mann ums Brot.

 

Wären alle Mädchen schön,

und von außen und von innen

und vom Wirbel bis zum Zehn

zauberische Huldgöttinnen:

zu alltäglich, zu gemein

würden schöne Mädchen sein;

niemand würde auf sie blicken. -

Wäre alles Diamant,

was jetzt Kiesel ist und Sand,

niemand möchte sich drum bücken.

 

Jeder wünscht zum neuen Jahr.

Aber würde alles wahr,

dann erst wär' es um die Welt,

glaubt es, jämmerlich bestellt!

Wollet Ihr die Welt verbessern,

(bloße Wünsche tun es nie,

Spiele sind's der Phantasie!)

wollet ihr die Welt verbessern,

fange jeder an bei sich,

denn der Mittelpunkt der größern

Welt ist jeglichem sein Ich.

Dieses Ich wirft seine Strahlen,

einer innern Sonne gleich,

durch des Lebens weites Reich.

Wie es selber ist, so malen

sich die Dinge klein und groß,

prächtig oder farbenlos!

 

 

New Year's Day in Old New York, from the Christmas Number of 'The Graphic'

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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