BuchKult
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Fred Endrikat 1890-1942

Früher Frühling

 

Zwischen Februar und März

liegt die große Zeitenwende,

und, man spürt es allerwärts,

mit dem Winter geht’s zu Ende.

Schon beim ersten Sonnenschimmer

steigt der Lenz ins Wartezimmer.

Keiner weiß, wie es geschah,

und auf einmal ist der da.

 

Manche Knospe wird verschneit

zwar im frühen Lenz auf Erden.

Alles dauert seine Zeit,

nur Geduld, es wird schon werden.

Folgt auch noch ein rauer Schauer,

lacht der Himmel um so blauer.

Leichter schlägt das Menschenherz

zwischen Februar und März.

 

Leandro Bassano, März
Leandro da Ponte, genannt Bassano (1557-1622) war ein italienischer Maler und einer der vier Söhne aus der Malerfamilie von Jacopo Bassano.

Jacques Callot, Mars
Jacques Callot (1592-1635) war ein lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer.

Adelbert von Chamisso 1781–1838

Märzveilchen

 

Der Himmel wölbt sich rein und blau,

Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.

 

Am Fenster prangt ein flimmernder Flor,

Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor,

 

Und hinter den Blumen blühet noch gar

Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar,

 

Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn.

Der Reif wird, angehaucht, zergehn.

 

Eisblumen fangen zu schmelzen an,

Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.

 

 

Jacob van Huysum, Twelve Months of Flowers, March
Jacob van Huysum (1687-1740) war ein botanischer Maler des 18. Jahrhunderts aus den nördlichen Niederlanden.
 

Gustav Falke 1853-1916

Darum

 

Was freut dich so? Möcht's wissen, mein Herz.

Ach, meint das Herz, das kann ich nicht sagen.

Vielleicht ist's nur allein der März,

Und daß die Bäume nun Knospen tragen,

 

Und daß die Buben so fröhlich sind

Auf den wiederbesonnten Gassen,

Und daß die Mädel im Frühlingswind

Ihre Zöpfe fliegen lassen,

 

Und daß die eine dir gestern die Hand

So herzlich gedrückt. Wer will es sagen?

Im Frühling ist alles aus Rand und Band.

Warum? Darum! Nun laß dein Fragen.

 

Jean Poyer, March - Pruning the vine, Hours of Henry VIII, New York Pierpont Morgan Library
Jean Poyer (1445-1503) war ein französischer Miniaturmaler und Manuskript-Illuminator des späten 15. Jahrhunderts.

Rudolf Presber 1868-1935

Märzsonne

 

Nun wandr' ich über Berg und Tal,

Die Welt steht blühend offen,

Mich hat mit erstem Sonnenstrahl

Der Lenz ins Herz getroffen.

 

Ich hör' das kleine freche Herz

Im dunklen Brustkorb lachen;

Es weiß, es wird im grünen März

Eine selige Dummheit machen.

 

 

 

Eugène Grasset, La Belle Jardinière - Mars, 1896
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.
 

Paul Heyse 1830-1914

Vorfrühling

 

Sieh, die Kastanien – noch nicht entfalten

Sie ihre Knospen, harzig gebräunt.

Den weißen Schneehut hat aufbehalten

Der Monte Baldo, mein alter Freund.

 

Der schöne Frühling kommt zögernd heuer;

So warm der Mittag, die Nacht ist rauh.

Auch im Kamin ist ein kleines Feuer

Noch sehr willkommen der lieben Frau.

 

Jungfräulich herbe sind noch die Lüfte,

Noch hat kein Vogel sein Nest gebaut,

Doch von der Halde wehn Veilchendüfte,

Süß wie der Atem der jungen Braut.

 

Wer weiß, wie bald uns der Lenz beschieden,

Des holde Nähe sich schon verriet.

Ich fand heut früh an des Märzen Iden

Schon Pfirsichblüten und dieses Lied.

 

Franz Melchers, Het jaar - 03 Maart
Franz Melchers (1868-1944) ein niederländischer Maler, Designer und Kupferstecher deutscher Herkunft, der hauptsächlich in Belgien und den Niederlanden Karriere machte.

Unbekannt

Im Märzen der Bauer

 

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.

Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.

Er pflüget den Boden, er egget und sät

und rührt seine Hände früh morgens und spät.

 

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,

sie haben im Haus und im Garten zu tun;

sie graben und rechen und singen ein Lied

und freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.

 

So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei,

dann erntet der Bauer das duftende Heu;

er mäht das Getreide, dann drischt er es aus:

im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.

 

 

Breviarium Grimani, März
Breviarium Grimani, Stundenbuch des Domenico Grimani. Das berühmte Breviarium Grimani mit über 1600 durchgehend illuminierten Seiten gilt als eines der schönsten Zeugnisse der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. Um 1510-1520 in Brügge und Gent entstanden, waren zahlreiche berühmte Miniaturisten an seiner Entstehung beteiligt, darunter Gerard David, Simon Bening und Gerard Horenbout.
 

Abraham Emanuel Fröhlich 1796-1865

Märzlied

 

Eh' noch der Lenz beginnt,

Schnee von den Bergen rinnt,

Singet das Vöglein schon

Freudigen Ton.

 

Noch blüht kein Veilchen blau,

Noch ist der Wald so grau;

Was mag das Vögelein

Denn so erfreun?

 

Wärme und heller Schein

Hauchen ihm Ahnung ein:

Bald kommt mit neuem Glück

Frühling zurück.

 

Voll dieser Fröhlichkeit

Singt's ob der dürren Heid',

Lernt auf den künft'gen Mai

Lieder sich neu.

 

 

Theodor Kittelsen, Months of the Year 03 - March
Theodor Severin Kittelsen (1857-1914) war ein norwegischer Künstler.

Cäsar Flaischlen 1864-1920

März

 

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

So lockend die Sonne vom Himmel blitzt,

so lockend alles gänzt und glitzt…

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Es werden Tage wieder kommen,

bevor erblüht, wovon du träumst,

da alles wie vorher trostlos weh

im Regen sich begräbt und Schnee,

Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…

sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

 

Und doch und dennoch: Mit jubelndem Liede

grüße dies frohe befreiende Blau

über all dem farblosen Grau,

freu dich der flimmernden Mittagsstunden,

sonne das Herz dir zu keimender Kraft,

daß es dem müde machenden Winter

und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!

 

Nur warte, nur wart noch! Es wird sich erfüllen,

es wird sich erfüllen, was du ersehnst:

Glutig auflodern wird es am Himmel,

über die Berge her wird es wehn

und wie donnernde Osterglocken

wird es durch die Lande gehn…

Nur warte, nur wart noch und hab Geduld!

So schön und so köstlich dies blitzende Blau

mit seinem süßen stillen Locken,

es kommen Tage noch und Wochen,

farblos grau,

da alles wie vorher trostlos weh

in Regen sich begräbt und Schnee,

Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…

sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

 

 

 

Anonymus, Mensis Martius

Paul Fleming 1609-1640

 

Komm, brich an, du liebstes Licht,

komm, brich an für deinen Lieben,

dem der Himmel Heil verspricht

und hat in sein Buch geschrieben!

Recht ists, daß du den itzt labst,

dem du vor das Leben gabst.

 

Jupiters saphirner Saal

öffnet seine güldnen Pforten.

Der demantnen Lüfte Zahl

bricht herfür aus allen Orten.

Juno setzt ihr buntes Zelt

in das güldne Sternenfeld.

 

Titan ist vor Morgen auf

und heißt Memnons Mutter eilen,

daß er halte seinen Lauf

mit geschmücktern Feuer-Gäulen.

Zynthie, die volle, steht,

bis ihr ganzes Volk abgeht.

 

Die gefrorne Winterwelt

treibt zu See und Lande Scherze.

Kaspis rufet in den Belt,

und der Hornung schreit zum Märze:

Der sei ewig ohne Pein,

dem wir heute frölich sein!

 

 

Theo van Hoytema,

De maanden 1902 - 03 Maart
Theo van Hoytema, Theodorus van Hoytema oder Hoijtema (1863-1917) war ein niederländischer Maler, Lithograph und Illustrator, der sich der Darstellung von Vögeln widmete.
 

Rudolf G. Binding 1867-1938

 

März. Schmächtiger. Aus Fronmacht

Erwecktes Zart. O Lächeln

Noch zwischen Macht und Ohnmacht.

 

Die blassen Säfte steigen

Im Baum der Sonne nach

Zu schlafenden Gezweigen.

 

Und bleich im Ungewissen

Liegt Feld still neben Brache,

Ruht Land in Düsternissen. –

 

Der Lerche blauer Dom

Ist noch nicht aufgerichtet.

Doch wilder jagt der Strom.

 

Die Wasser drängts zu Meeren

Und heimlich hoch im Grau

Zieht es von Vogelheeren.

 

Nichts blickt zurück. Was stockt

Ist stummes Sich-ermannen

Im strengsten Ruf der lockt.

 

Und um dich ist es schwer

Und leicht von Schlaf und Schauern

Von Lächeln und Begehr.

 

 

Hans Thoma,

März
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.
 

Emanuel Geibel 1815-1884

Äquinoktium

 

Allgewaltig aus Nordosten

Braust der Märzwind über Land,

Und es bebt in ihren Pfosten

Meines Hauses Giebelwand.

 

Durch die Schlöte mit Gewimmer

Fegt der losgelaßne Hauch,

Trüb verzuckt des Herdes Schimmer,

Und die Halle füllt der Rauch.

 

Ziegel prasseln, Türen schlagen,

Dürres Astwerk kracht und bricht,

Doch in all das Unbehagen

Lächelt meine Mus' und spricht:

 

»Nur getrost! Sich zu erneuen

Ringt die Welt im Jugenddrang;

Darfst die kurze Not nicht scheuen,

Rauh ist jeder Übergang.

 

Auf den Braus des wüsten Tages

Folgt der Lenz im Goldgewand;

Merk' es dir, Poet, und sag' es

Deinem deutschen Vaterland!«

 

 

Heures de Notre Dame ou Hennessy - Mars
Heures de Notre-Dame: Das Stundenbuch von Notre-Dame, auch Stundenbuch von Hennessy, ist eine illuminierte Handschrift aus dem Jahr 1530, geschrieben in lateinischer Sprache, die in der Königlichen Bibliothek von Belgien in Brüssel aufbewahrt wird und dem Brügge Künstler Simon Bening und seinem Atelier zugeschrieben wird.
 

A. de Nora 1864-1936

Lerchenlied im März

 

Ein Lerchenlied? Du glaubst es kaum.

Hier unten noch im Schnee die Welt –

Dort oben wie ein Frühlingstraum

Ein Lerchenlied am Wolkenzelt?

 

Und war dir noch so schwer zumut

Und noch dein Herz so kummervoll,

Nun weißt du: bald wird alles gut!

Das erste Lerchenlied erscholl!

 

Aus deiner dunklen Tiefe zieht

Es dich empor zu Glück und Licht –

… Für jeden klingt ein Lerchenlied,

Doch hunderttausend hören's nicht!

 

 

Très Riches Heures, Mars
Très Riches Heures - Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler.Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

Johann Gaudenz von Salis-Seewis 1762-1834

Märzlied

 

Nun, da Schnee und Eis zerflossen

Und des Angers Rasen schwillt,

Hier an roten Lindenschossen

Knospen bersten, Blätter sprossen,

Weht der Auferstehung Odem

Durch das keimende Gefild.

 

Veilchen an den Wiesenbächen

Lösen ihrer Schale Band;

Primelngold bedeckt die Flächen;

Zarte Saatenspitzen stechen

Aus den Furchen; gelber Krokus

Schießt aus warmem Gartensand.

 

Alles fühlt erneutes Leben:

Die Phalänen, die am Stamm

Der gekerbten Eiche kleben,

Mücken, die im Reigen schweben,

Lerchen, hoch im Ätherglanze,

Tief im Thal das junge Lamm!

 

Seht! erweckte Bienen schwärmen

Um den frühen Mandelbaum;

Froh des Sonnenscheins, erwärmen

Sich die Greise; Kinder lärmen

Spielend mit den Ostereiern

Durch den weißbeblümten Raum.

 

Sprießt, ihr Keimchen, aus den Zweigen,

Sprießt aus Moos, das Gräber deckt!

Hoher Hoffnung Bild und Zeugen,

Daß auch wir der Erd' entsteigen,

Wenn des ew'gen Frühlings Odem

Uns zur Auferstehung weckt!

 

 

Wolfgang Kilian, Die Zwölff Monadt des Jarres - Martius, 1617
Wolfgang Kilian (1581-1663) war ein deutscher Kupferstecher und Verleger.

Emil Claar 1842-1930

Hyazinthe

 

Hyazinthe war die teure

Lieblingsblume meiner Mutter,

Die ein Lenzeskind gewesen,

Eine echte Märzgeborne.

 

Jährlich um des Monats Mitte,

Trat ich morgens in ihr Zimmer

Und bescherte zum Geburtstag

Ihr die ersten Hyazinthen.

 

Lenz durchglomm ihr blaues Auge,

Wob in ihrem feinen Antlitz

Und umstrahlte noch im Alter

den kastanienbraunen Scheitel.

 

Märzenstark war ihre Seele,

Die sich hob aus allem Niedern

Zum Erhab'nen und zum Zarten

Wie auf sichtbar hellen Schwingen.

 

Und auch diese Edle wurde

Hingebeugt von Erdenschwere,

Ihre lichte Liebe wankte

Kummervoll zu eis'ger Grabnacht.

 

Dorthin um des Monats Mitte

Trag' ich jetzt die Märzengabe

Süßester Erinnerungen,

Meinen ganzen toten Frühling!

 

Bild: Bouquet of Hyacinths (Boston Public Library)

 

 

Gaspar Camps i Junyent, Marzo
Gaspar Camps i Junyent (1874-1942) war ein spanischer Maler, Illustrator und Plakatkünstler des Jugendstils und der Art Déco.
 

Unbekannt

Aus Frankfurt

März

 

Im März fängt bunt de Frühling aa.

Die Blümmcher blühe hie un da,

umschwärmt von Biencher mit Gesumm.

Aa Glück: De Winter is erum!

De aale Urlaub werd genomme.

Der is aan jetzt so recht willkomme.

 

Zum Winterschlaf in dere Zeit

kimmt oft noch Frühjahrsmüdigkeit.

Doch wenn in alle Äst un Zweische

so nach un nach die Säfte steische,

erwache Triebe, lacht des Herz.

En scheene Monat is der März!

 

 

Nikolai Astrup, Martzmorgen
Nikolai Astrup (1880-1928) war ein norwegischer Maler und Grafiker.
 

Ferdinand Ernst Albert Avenarius 1856-1923

Im März

 

Graublaue Nebel schleichen

Durch winterlich Gefild,

Graublaue Berge dämmern

Gleich blassem Traumgebild.

 

Der Regen rieselt leise

Im blätterlosen Wald,

Vom kühlen Wind das Flüstern

Aus dürren Zweigen hallt.

 

Dort droben zwitschert ein Vogel

Schüchtern sein kleines Lied –

Weiss nicht, ob Herbst, ob Frühling

Die stille Welt durchzieht.

 

George Clausen, A Frosty March Morning
George Clausen (1852-1944) war ein britischer Künstler, der mit Öl und Aquarell, Radierung, Mezzotinta, Trockenpunkt und gelegentlich Lithografien arbeitete.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

März

 

Es ist ein Schnee gefallen,

Denn es ist noch nicht Zeit,

Dass von den Blümlein allen,

Dass von den Blümlein allen

Wir werden hoch erfreut.

 

Der Sonnenblick betrüget

Mit mildem, falschem Schein,

Die Schwalbe selber lüget,

Die Schwalbe selber lüget,

Warum? Sie kommt allein.

 

Sollt ich mich einzeln freuen,

Wenn auch der Frühling nah?

Doch kommen wir zu zweien,

Doch kommen wir zu zweien,

Gleich ist der Sommer da.

 

Konstantin Juon, März-Sonne, 1915
Konstantin Fjodorowitsch Juon (1875-1958) war ein russisch-sowjetischer Maler, Bühnenbildner und Kunsttheoretiker.

Max Dauthendey 1867-1918

Ich hatt' mal eine gute Zeit

 

Ich hatt' mal eine gute Zeit –

Kaum wie ein Hündlein bellt im Traum,

Sprach ich von Liebesschmerzen;

Wie jeder mal im Märzen klagt,

Wenn schon der Frühling angesagt,

Und Hastigkeit die Glieder plagt;

Wenn Neugier durch die Äste jagt,

Wenn kahl noch der Kastanienbaum

Schier stündlich nach den Kerzen fragt.

So wie vom Regenschnee der Flaum

Rührte kaum Leid des Ärmels Saum,

Aufs höchste spürte man's am Kleid.

Blitz lag mit Blitz noch nicht im Streit,

Die Lieb' lief durch die Ewigkeit,

Kein Meilenstein stand weit und breit.

Die Sehnsucht traf noch nicht das Mark,

Ich sehnte mich am Sehnen stark,

Blau war noch die Unendlichkeit –

Ich hatt' mal eine gute Zeit.

 

Frits Thaulow, March Day
Frits Thaulow, eigentlich Johan Frederik Thaulow (1847-1906), war ein norwegischer Maler des 19. Jahrhunderts.

Cäsar Flaischlen 1864-1920

Frühling

 

Hallo, es wird Frühling!

hallo, es ist März!

hörst du den Sturm nicht,

altes Herz?! und siehst du nicht:

wie Tag um Tag nun immer heller

die Sonne durch die Wolken bricht

und wie es ringsum tropft und rinnt

und wie es zu keimen und knospen beginnt

in Tal und Höh, all-allerwärts…

siehs doch und glaub es, altes Herz!

 

Siehs doch und glaub es

und rüst ihm entgegen

und schüttle ab, was dich bedrückt

und verstimmt…

es ist so einfach alles, wenn man

selber nur es einfach nimmt!

und Sorgen und Schwarzsehn trägt nicht weit;

Zuversicht schafft es und Fröhlichkeit!

 

Also raffe dich auf, hallo! und tu mit

und halte Schritt

und mache dich jung wieder, altes Herz!

es wird ja doch Frühling!

es ist ja schon März!

 

Und wiederum sag ich: Hallo, es ist Zeit!

und wenn es auch wettert mitunter

und schneit,

als wenn der Frühling noch monateweit,

es ist Zeit!

sei bereit!

noch ehe dus acht,

steht in siegender Pracht

am tiefblauen Himmel die Sonne und lacht:

 

Ihr habt gejammert wochein und -aus,

wenn nur der Winter erst wieder vorbei

und all die Karneval-Narretei!

man käm nicht aus Frack und aus Festen heraus

und möchte Mensch sein endlich wieder

und hinaus! …

Und nun, und nun?! wo bleibt ihr nun

wenn euch so viel darum zu tun?

 

Ich bin schon immer auf dem Weg,

ich weiß schon lange wie es steht,

und wer einmal über die Felder geht,

auch wenns ihm kalt um die Nase weht,

der weiß Bescheid

und macht sich bereit

und lacht und freut sich: es ist so weit!

 

 

Nikolai Astrup, March Atmosphere at Jølstravatnet
Nikolai Astrup (1880-1928) war ein norwegischer Maler und Grafiker.
 

Friedrich Hölderlin 1770-1843

An Neuffer

Im März 1794

 

Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder,

Noch altert nicht mein kindischfröhlich Herz,

Noch rinnt vom Auge mir der Tau der Liebe nieder

Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz.

 

Noch tröstet mich mit süßer Augenweide

Der blaue Himmel und die grüne Flur,

Mir reicht die Göttliche den Taumelkelch der Freude,

Die jugendliche freundliche Natur.

 

Getrost! es ist der Schmerzen wert, dies Leben,

So lang uns Armen Gottes Sonne scheint,

Und Bilder beßrer Zeit um unsre Seele schweben,

Und ach! mit uns ein freundlich Auge weint.

 

Daniel Garber, Bright Day, March
Daniel Garber (1880-1958) war ein amerikanischer impressionistischer Landschaftsmaler.

Theodor Fontane 1819-1898

Frühling

 

Nun ist er endlich kommen doch

In grünem Knospenschuh;

»Er kam, er kam ja immer noch«,

Die Bäume nicken sich's zu.

 

Sie konnten ihn all erwarten kaum,

Nun treiben sie Schuß auf Schuß;

Im Garten der alte Apfelbaum,

Er sträubt sich, aber er muß.

 

Wohl zögert auch das alte Herz

Und atmet noch nicht frei,

Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,

Und März ist noch nicht Mai.«

 

O schüttle ab den schweren Traum

Und die lange Winterruh:

Es wagt es der alte Apfelbaum,

Herze, wag's auch du.

 

 

Emil Jakob Schindler, Märzstimmung – Vorfrühling im Wienerwald, um 1884
Emil Jakob Schindler (1842-1892) war ein österreichischer Landschaftsmaler.
 

Arno Holz 1863-1929

Erste Lerche

 

Zwischen Gräben und grauen Hecken,

den Rockkragen hoch, die Hände in den Taschen,

schlendre ich durch den frühen Märzmorgen.

Falbes Gras, blinkende Lachen und schwarzes Brachland,

so weit ich sehn kann.

Dazwischen,

mitten in den weissen Horizont hinein,

wie erstarrt,

eine Weidenreihe.

Ich bleibe stehn.

Nirgends ein Laut. Noch nirgends Leben.

Nur die Luft und die Landschaft.

Und sonnenlos, wie den Himmel, fühl ich mein Herz!

Plötzlich ein Klang.

Ich starre in die Wolken.

Ueber mir,

jubelnd,

durch immer heller werdendes Licht,

die erste Lerche!

 

Marie Collart, La campagne en mars
Marie Collart (Ehename Marie Collart-Henrotin, auch: Madame Henrotin; 1842-1911) war eine belgische Landschaftsmalerin.

Julius Rodenberg 1831-1914

Frühlingssonne

 

Frühlingssonne tritt mit Funken

Aus den Wolken; Märzluft weht.

Tief am Berg, im Wald, dem dunkeln,

Und am Strom der Schnee zergeht.

Veilchendüfte, Lerchenschall,

Glanz und Jubel überall.

O wie wonnig,

O wie sonnig,

Wenn der Frühling aufersteht!

 

Möchte nun ein Vogel werden,

In den Himmel fliegen ein,

Und doch von dem Glanz der Erden

Kann ich gar nicht mich befrein.

O mein Schatz, so anmutreich,

Erd' und Himmel mir zugleich,

Stern und Sonne,

Qual und Wonne,

Könnt' ich nunmehr bei Dir sein!

 

 

 

Beppe Ciardi, Marzo
Giuseppe "Beppe" Ciardi (1875–1932) war ein italienischer Maler.

Emanuel Geibel 1815-1884

Im März

 

Es ist mir eben angetan,

Zwei schöne Augen sahn mich an,

Und in den süssen feuchten Schein

Blickt' ich zu tief, zu tief hinein.

Mir schwirrt der Kopf, mir glühn die Wangen,

Und nun kommt draussen der Lenz gegangen

Über die Hügel, über den Fluss,

Die Schwalbe zwitschert ihren Gruss,

Die Wolken ziehn und zwischendrein

Fliesset der lichte Sonnenschein,

Und aus dem klar vertieften Blau

Säuselt es linde, weht es lau,

Man meint, die Veilchen sind schon da.

Das ist ein sehnsuchtsvolles Weben,

Ein heimlich Locken und Leben

Allüberall, fern und nah.

Und du, mein Herz, wirst nie gescheidt,

Lässest so willig dich verführen,

Öffnest der Sehnsucht Tor und Türen;

Von Liebes-Freud und Leid

Singest du Lieder,

Und bist so froh, bist ganz so töricht wieder,

Als wie in deiner jungen Zeit.

 

 

Clarence Gagnon, March in the Birch woods, 1919
Clarence Gagnon (1881–1942) war ein kanadischer Maler.

Ludwig Thoma 1867-1921

März

 

Ah! Wie die buttergelbe Sonne

Uns wärmend durch die Poren dringt!

Wie neu erwachte Frühlingswonne

Uns das vergrämte Herz beschwingt!

 

Dem wintermüden Menschentume

Erheitert ihr die Phantasie,

Schneeglöckchen, Veilchen, Schlüsselblume

Und was auf Wiesen sonst gedieh!

 

Im Mistbeet herrscht ein reges Leben;

Das drängt sich an das helle Licht

Und will uns bald Gemüse geben,

Will Zutat sein zum Leibgericht.

 

Und wie sich froh den Hühnersteißen

Entringt das liebe Osterei!

So mag sich die Natur befleißen,

Dass sie nebst schön auch schmackhaft sei.

 

Das Starkbier regelt dann die Stühle,

Wenn Hertling spricht, ist's ebenso,

Man sitzt im Frühlingslustgefühle

Und wird im Sitzen lebensfroh.

 

Der in der letzten Strophe erwähnte Hertling war ein bayerischer Politiker.

 

 

William James Glackens, March Day Washington Square
William James Glackens (1870-1938) war ein amerikanischer Maler und Illustrator.

Ernst Blass 1890-1938

Märzabend

 

Meinem Freunde Kurt Hiller gewidmet

 

Die Luft kommt hart und mauerhaft herein

Durch offne Fenster. Und sie bringt Bazillen

Von Influenza sicherlich herein.

Und in dem unerbittlich Mauerstillen:

Zwei schwarze Schwäne, die

Mit Fadenhälsen Hyazinthen spein.

 

Vom Tode werden Mädchen oft entrückt

Dem Arzte, der noch Kampfer injiziert.

Dann wieder wird in Stuben kondoliert,

Wo Schränke stehen, weise und gedrückt;

Und Menscheneinsamkeit, die schüttelfröstelnd stiert

In Räume, in luftleere Räume.

 

Nils Edvard Kreuger, Marsafton - Riddarfjärden
Nils Edvard Kreuger (1858-1930) war ein schwedischer Maler, Zeichner, Illustrator und Werbegrafiker.

Erich Mühsam  1878-1934

März

 

Der Nachtschnee färbt die Straße blau.

Schwarz wächst der Wald am Weg empor,

streckt kahles Ästewerk hervor

wie drohende Wehr aus Feindesbau.

 

Wer hat den feuchten Schnee gehäuft?

Wer hat den Himmel grau verdeckt?

Wer hat den irren Fuß geschreckt,

dass er in lauernde Ängste läuft?

 

Das ist der März: der drückt und droht.

Das ist die Schwangerschaft der Welt.

Das ist, vom Frühlingsdunst zerspellt,

des Winters röchelnde Sterbensnot.

 

 

Nils Edvard Kreuger, Marsafton, Stockholm, National-museum
Nils Edvard Kreuger (1858-1930) war ein schwedischer Maler, Zeichner, Illustrator und Werbegrafiker.
 

Georg Trakl 1887-1914

Ein Frühlingsabend

 

Ein Strauch voll Larven; Abendföhn im März;

Ein toller Hund läuft durch ein ödes Feld

Durchs braune Dorf des Priesters Glocke schellt;

Ein kahler Baum krümmt sich in schwarzem Schmerz.

 

Im Schatten alter Dächer blutet Mais;

O Süße, die der Spatzen Hunger stillt.

Durch das vergilbte Rohr bricht scheu ein Wild.

O Einsamstehn vor Wassern still und weiß.

 

Unsäglich ragt des Nußbaums Traumgestalt.

Den Freund erfreut der Knaben bäurisch Spiel.

Verfallene Hütten, abgelebt' Gefühl;

Die Wolken wandern tief und schwarz geballt.

 

Iwan Choultsé, Nuit de Mars, Russie
Iwan Fedorowitsch Choultsé (1874-1939) war ein Maler des russischen Realismus.

Erich Kästner (1899-1974)

Der März

 

Sonne lag krank im Bett.

Sitzt nun am Ofen.

Liest, was gewesen ist.

Liest Katastrophen.

 

Springflut und Havarie,

Sturm und Lawinen, -

gibt es denn niemals Ruh

drunten bei ihnen.

 

Schaut den Kalender an.

Steht drauf: "Es werde!"

Greift nach dem Opernglas.

Blickt auf die Erde.

 

Schnee vom vergangenen Jahr

blieb nicht der gleiche.

Liegt wie ein Bettbezug

klein auf der Bleiche.

 

Winter macht Inventur.

Will sich verändern.

Schrieb auf ein Angebot

aus andern Ländern.

 

Mustert im Fortgehn noch

Weiden und Erlen.

Kätzchen blühn silbergrau.

Schimmern wie Perlen.

 

In Baum und Krume regt

sich's allenthalben.

Radio meldet schon

Störche und Schwalben.

 

Schneeglöckchen ahnen nun,

was sie bedeuten.

Wenn Du die Augen schließt,

hörst Du sie läuten.

 

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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