BuchKult
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Erich Kästner 1899-1974

Der Juni

       

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.

Kaum schrieb man sechs Gedichte,

ist schon ein halbes Jahr herum

und fühlt sich als Geschichte.

 

Die Kirschen werden reif und rot,

die süßen wie die sauern.

Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,

so sehr wir es bedauern.

 

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.

Aus Herrlichkeit wird Nahrung.

Aus manchem, was das Herz erfuhr,

wird, bestenfalls, Erfahrung.

 

Es wird und war. Es war und wird.

Aus Kälbern werden Rinder

und, weil's zur Jahreszeit gehört,

aus Küssen kleine Kinder.

 

Die Vögel füttern ihre Brut

und singen nur noch selten.

So ist's bestellt in unsrer Welt,

der besten aller Welten.

 

Spät tritt der Abend in den Park,

mit Sternen auf der Weste.

Glühwürmchen ziehn mit Lampions

zu einem Gartenfeste.

 

Dort wird getrunken und gelacht.

In vorgerückter Stunde

tanzt dann der Abend mit der Nacht

die kurze Ehrenrunde.

 

Am letzten Tische streiten sich

ein Heide und ein Frommer,

ob's Wunder oder keine gibt.

Und nächstens wird es Sommer.

 

Arazzi trivulzio - Giugno ca. 1503-1508. Wandbehang nach einem Entwurf von Bartolomeo Suardi, genannt Bramantino (ca. 1465-1530)

Juni

 

Der Juni (früher auch Brachmonat) ist der sechste Monat des Jahres im gregorianischen Kalender.

 

Benannt ist er nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter, Göttin der Ehe und Beschützerin von Rom.

 

Der alte deutsche Monatsname ist Brachet oder Brachmond, da in der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters in diesem Monat die Bearbeitung der Brache begann. In Gärtnerkreisen spricht man auch vom Rosenmonat, da die Rosenblüte im Juni ihren Höhepunkt erreicht; aus diesem Grund wurde der Juni früher auch Rosenmond genannt.

 

 

Sforza Black hours, June
Schwarzes Stundenbuch, das früher Galeazzo Maria Sforza gehörte und im 15. Jahrhundert in Flandern hergestellt wurde.

Gertrud Kolmar 1894-1943

Junilied

 

Meine Hand streicht übers Korn;

Silberblondes Rauschen weht:

Läute, läute, liebe Glocke,

Die in meinem Herzen geht.

Jauchze jedem frohen Tag

Wie der Vogelruf im Ried,

Decke alle heissen Tränen

Zu mit einem dunklen Lied.

All mein Tun im schönsten Klang,

Der sich liebem Freunde bringt –

Läute, läute, goldne Glocke,

Die mit meinem Leben schwingt!

 

 

Eugène Samuel Grasset, La Belle Jardinière - Juin, 1896
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.

Sommergedichte

 

Das Sommergedicht gehört zu den selteneren Gedichtkategorien. Im Vergleich vor allem zum Herbstgedicht oder Frühlingsgedicht ist es eher weniger geläufig. Das mag daran liegen, dass der Sommer als Jahreszeit für den Lyriker vielleicht weniger facettenreich ist als die Jahreszeiten des Übergangs Herbst und Frühling. Auch der kalte Winter wird weitaus häufiger von Dichtern verarbeitet als der Sommer. Es gibt allerdings eine Reihe sehr gelungener Sommergedichte bekannter Poeten, die einen festen Platz in der Literaturgeschichte haben.

 

Die meisten Sommergedichte sind in schlichter Reimform gehalten. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Poesie der Gattung Naturgedichte. Als erstes waren es die Dichter der Klassik und Romantik, die verstärkt jahreszeitlich gefärbte Gedichte zu Papier brachten und Sommergedichte der freien Natur widmeten. Diese Epochen waren die ersten, die sich intensiv lyrisch mit der Natur und den Jahreszeiten befassten, die Barockzeit und noch ältere Epochen thematisierten eher den Menschen in Bezug zu Gott und seine Stellung in der Welt. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel und eines der bekanntesten und schönsten deutschen Sommergedichte überhaupt stammt aus dem Jahr 1653: "Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit". Geschrieben hat es Paul Gerhardt, ein poetisches Ausnahmetalent seiner Zeit mit einer Vorliebe für naturnahe Themen.

 

Erst das 18. und 19. Jahrhundert wandte sich verstärkt der jahreszeitlichen Lyrik und somit auch dem Sommergedicht zu. Mit der Einführung des lyrischen Ichs, begannen die Autoren dieses Ich poetisch in den Ausdrucksformen der Natur und im Wechsel der Jahreszeiten zu spiegeln. So entstanden einige wohlklingende Sommergedichte aus der Feder von Dichtern wie Goethe und Joseph von Eichendorff. Später war es vor allem der nordfriesische Erzähler und Lyriker Theodor Storm, der dem Sommer in der Landschaft seiner Heimat einige schwermütige Gedichte widmete.

 

Nur sehr wenige Gedichte mit sommerlichen Themen greifen Motive aus dem Leben in der Stadt auf. Diese Art von Gedichten sind typisch für das 20. Jahrhundert, als auch der Poet immer mehr zum Stadtmenschen wurde. Ein Beispiel dafür ist das Gedicht "Sommer Sonntag in der Stadt", das der Lyriker Georg Britting 1952 veröffentlichte. Bezeichnenderweise beschreibt er darin die Leere einer Stadt im Sommer, während die neuen Freizeitmenschen vor der Hitze in die freie Natur fliehen.

 

(aus Woxicon: https://gedichte.woxikon.de/sommergedichte)

 

 

Breviarium Grimani, Juni
Das berühmte Breviarium Grimani gilt als eines der schönsten Zeugnisse der flämischen Buchmalerei des frühen 16. Jahrhunderts. Um 1510-1520 in Brügge und Gent entstanden, waren zahlreiche berühmte Miniaturisten an seiner Entstehung beteiligt, darunter Gerard David, Simon Bening und Gerard Horenbout. Über 1600 Seiten sind durchgehend illuminiert und reihen einen künstlerischen Höhepunkt an den anderen.
 

Detlev Freiherr von Liliencron 1844-1909

Schöne Junitage

 

Mitternacht, die Gärten lauschen,

Flüsterwort und Liebeskuß,

Bis der letzte Klang verklungen,

Weil nun alles schlafen muß –

Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Sonnengrüner Rosengarten,

Sonnenweiße Stromesflut,

Sonnenstiller Morgenfriede,

Der auf Baum und Beeten ruht –

Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Straßentreiben, fern, verworren,

Reicher Mann und Bettelkind,

Myrtenkränze, Leichenzüge,

Tausendfältig Leben rinnt –

Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Langsam graut der Abend nieder,

Milde wird die harte Welt,

Und das Herz macht seinen Frieden,

Und zum Kinde wird der Held –

Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Nikolai Astrup, Klar juninatt
Nikolai Astrup (1880-1928) war ein norwegischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Butterblumengelbe Wiesen

 

Butterblumengelbe Wiesen,

sauerampferrot getönt, -

o du überreiches Sprießen,

wie das Aug dich nie gewöhnt!

 

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,

wunderblütenschneebereift -

ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,

wie die Brust sie kaum begreift.

 

Isaak Iljitsch Lewitan, Day of june, 1890er-Jahre
Isaak Iljitsch Lewitan (1860-1900) war einer der bedeutendsten russischen Maler des Realismus.

Anna Louisa Karsch 1722-1791

Morgengedanken

 

Schön ist der Morgen, schön die trunkne Flur,

Von Gottes Wolken gestern überströmt

Und heute früh von seiner Sonne Glanz

Mit Blumenschöpferblicken angelacht.

Die Rose drang aus grüner Knospe leicht,

Wie mein Gedank aus diesem Herzen dringt,

Aus dieser neuerweckten Seele steigt

Zu dem, der mich wie Blumen werden ließ,

Verwelken und zu Staube werden läßt,

Wenn eine mir bestimmte Stunde kömmt.

Ich preise dich, wie dich der Vogel preist,

Der unter deinem niedern Himmel schwebt,

Ich danke dir, wie dir die Grille dankt,

Die kummerfrei von Halm zu Halme hüpft

Im manneshoch heraufgewachsnen Korn.

Ich bitte dich mit aller Flehekraft,

Die du den Menschen eingegossen hast:

Erhalte mir ein immerfrohes Herz

Voll Zuversicht auf deine Vaterhuld,

Bewahre mich vor Lebensüberdruß,

Laß mich im Alter noch das Tagelicht

Mit diesem Auge trinken, welches dich

In deinen Werken wie im Spiegel sieht.

Und wie mein Auge schütze meinen Freund!

 

Lauritz Andersen Ring, In the month of June, 1899
Lauritz Andersen Ring, auch Lars Andersen Ring, eigentlich Lauritz Andersen (1854-1933) war ein dänischer Figuren-, Genre-, Landschafts-, Bildnismaler, Zeichner und Keramiker.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Müder Juniabend

 

Blühende Kastanienzweige

Strecken ihre Tatzen vor.

Wenn ich jetzt das rechte Ohr,

Weil es taub ist, rückwärts neige,

Höre ich einen Spatzenchor.

 

Weil mich dessen Plärr so kalt

Läßt, und angeregt von Tatzen,

Suche ich jetzt mit Gewalt

Einen Pickel aufzukratzen,

Der im Grund zwar noch nicht reif ist,

Doch mich hinten an der Scharte,

Wo beim Affen noch der Schweif ist,

Schikaniert. Da plötzlich zischt

Schnupfen in die Speisekarte.

 

Rasches Taschentuch verwischt

Rotz und Preise der Gemüse

Und Salate. Und ich grüße

Eine Dame, die vorbeigeht

Und mich kennt, mir auch gefällt.

Wobei leise was entzweigeht,

Was den Hosenträger hält.

 

Frederic Leighton, Flaming June, 1895
Frederic Leighton, (1830-1896) war ein englischer Maler, Illustrator und Bildhauer des viktorianischen Neoklassizismus.

Kurt Tucholsky als Theobald Tiger 1907-1935

Park Monceau

 

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.

Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.

Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen

sagt keine Tafel, was verboten ist.

 

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.

Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.

Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen

und freut sich, wenn er was gefunden hat.

 

Es prüfen vier Amerikanerinnen,

ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.

Paris von außen und Paris von innen:

sie sehen nichts und müssen alles sehn.

 

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.

Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.

Ich sitze still und lasse mich bescheinen

und ruh von meinem Vaterlande aus.

 

 

Carl Frederik Aagaard, Day in June
Carl Frederik Aagaard (1833-1895) war ein dänischer Landschaftsmaler.

Wilhelm Runge 1894-1918

Blumen flattern Sommer

 

Blumen flattern Sommer

Duft nimmt beide roten Backen voll

Falter wiegen Wald

Goldkäfer schreien

Mücken strampeln himmelauf und ab

heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein

Unken patscht Libellenflügel wach

Zweige lachen

tuscheln

sonnen

strömen

Vögel wogen Wiesen

liegen flach

ziehn die Ahorndolden an den Händen

böse schelten Bienen in den Bart

Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder

taumelnd tollt des Atems Flügelschlag

und der Augen wilde Rosen springen

 

 

Fronleichnam

 

Master of James IV of Scotland, Procession for Corpus Christi, (Buchmalerei)
Als Meister Jakobs IV. von Schottland (engl. Master of James IV of Scotland) oder Jakobsmeister wird der wohl flämische Buchmaler bezeichnet, der um 1500 das Porträt von Jakob IV. von Schottland für eine Seite eines Gebetbuchs gemalt hat.

Fronleichnamsfest

 

Das Fronleichnamsfest (lateinisch Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi ‚Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi‘) ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird.

 

Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich von mittelhochdeutsch vrône lîcham für ‚des Herren Leib‘ ab, von vrôn ‚was den Herrn betrifft‘ (siehe auch Fron) und lîcham (‚der Leib‘). In der Liturgie heißt das Fest Hochfest des Leibes und Blutes Christi, regional wird es auch Prangertag oder Blutstag genannt. In das Englische und in andere Sprachen ist die lateinische Bezeichnung des Hochfestes, Corpus Christi, eingegangen.

 

Jean-Pierre-Alexandre Antigna, La Fête Dieu, 1855
Jean-Pierre-Alexandre Antigna (1817-1878) war ein französischer Maler.

Das Schmücken ganzer Straßenzüge (in Österreich vor allem mit Birkenzweigen) für die Prozession ist bis heute verbreitet. Vielerorts werden zusätzlich zu den Prozessionsfähnchen am Wegesrand traditionell auch Bilder, Ornamente und Schriften aus vielen einzelnen Blütenteilen als Blumenteppich vor Stationsaltäre und auf den Prozessionsweg gelegt. Bekannt für ihre Blumenteppiche zu Fronleichnam sind in Deutschland besonders die Stadt Hüfingen und die Gemeinde Mühlenbach im Schwarzwald.

 

Antoine Jean-Baptiste Thomas, Infiorata à Genzano (1817)
Antoine Jean-Baptiste Thomas (1791–1833) war ein französischer Maler und Lithograph.

Theodor Kramer

Wien, Fronleichnam 1939

 

Wenige waren es, die Stellung nahmen

unterm Himmel, um zur Stadt zu gehn;

als sie singend ihres Weges kamen,

blieben viele auf den Steigen stehn.

 

Schütter quoll der Weihrauch und die Reiser

längs der Straße standen schier erlaubt;

klagend sang der kleine Chor sich heiser

und das Volk entblößte still das Haupt.

Manche kannten nur vom Hörensagen

noch den Umgang; doch dem baren Haar

tat es wohl, daß selbst in diesen Tagen

irgendetwas manchen heilig war.

 

Und indessen sie dem Zug nachstarrten,

salzigen Auges, Mannsvolk, Weib und Kind,

schwenkten aus den Fenstern die Standarten

alle das verbogne Kreuz im Wind.

 

Adolph von Menzel, Fronleichnamsprozession in Hofgastein, 1880
Adolph Friedrich Erdmann von Menzel (1815-1905), geadelt 1898, war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator. Er gilt als der bedeutendste deutsche Realist des 19. Jahrhunderts.

Theodor Däubler 1876-1934

Fronleichnamsprozession

 

Glocken erschallen!

Von ruhmvollem Dom

Locken und hallen

Die Rufe von Rom!

Es folgen die Leute

Dem klingenden Strom.

– Sonntag ist heute –

Frohlockende Glocken,

Ihr greift mir ins Herz!

Der Äther ist trocken

Und klar schwingt das Erz.

Campaniens Campanen

Erweckt doch in allen

Ein gläubiges Ahnen,

In schallenden Hallen

Ergeht sich der Geist:

Oh Rom, du verzeihst

Dem Geist der entgleist!

Der Frühling erglitzert,

Von Liedern umzwitschert,

Umblühen die Bäume

Inngfräuliche Schäume.

Jetzt tönen auch Schellen

Von Klöstern Kapellen,

Und selbst bis in Zellen

Dringt Jubelgetön:

Ja alles wird schön!

Auf schneeigen Höhn

Verflattert der Föhn!

Duftender Schaum

Steigt durch den Raum,

Das Frühlingserblühn

Verschüttet das Grün.

Wie, alles vergeht?

Der Westwind verweht;

Nein, Bläue die währt,

Hat alles verklärt!

Fromme Gesänge

Beleben die Hänge,

Menschliche Schlangen,

Voll Gottesverlangen,

Durchziehen die Felder,

Dann bergen sie Wälder!

Oft hör ich Gebimmel:

Da seh ich Gewimmel,

Auch scheinen rings Fahnen

Zu drohn und zu mahnen,

Das freut wohl den Himmel,

Denn niemals noch war

Der Äther so klar.

 

Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen, 1857
Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit.

Sommersonnenwende & Johannistag

Peder Severin Krøyer, Sankthansbaal paa Skagen strand, 1903
Peder Severin Krøyer (1851-1909), war ein norwegisch-dänischer Maler der Künstlerkolonie Skagen. Seine Werke sind überwiegend der impressionistischen Freilichtmalerei zuzuordnen.

Johannistag

 

Der Johannistag (auch Johanni, Johannisfest und Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni.

Verknüpft ist der Tag auch mit Festen im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende und Brauchtum wie dem Johannisfeuer, wie auch als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern und Lostag im Zusammenhang mit Bauernregeln.

 

Jules Breton, Johannisfest, 1875
Jules Adolphe Aimé Louis Breton (1827-1906) war ein französischer Maler.

 

Edward Robert Hughes, Midsummer Eve, ca 1908
Edward Robert Hughes (1851-1914) war ein englischer Maler, der im Stil der Präraffaeliten und des Ästhetizismus arbeitete.

Georg Heym 1887-1912

Sonnenwendtag

 

Es war am Sommersonnwendtag,

Dein braunes Haar im Nacken lag

Wie Gold und schwere Seiden.

 

Da nahmst Du mir die feine Hand.

Und hinter Dir stob auf der Sand

Des Feldwegs an den Weiden.

 

Von allen Bäumen floß der Glanz.

Dein Ritt war lauter Elfentanz

Hin über rote Heiden.

 

Und um mich duftete der Hag,

Wie nur am Sommersonnwendtag,

Ein Dank und Sichbescheiden.

 

Iwan Sokolov, Kupala Night, 1856
Iwan Sokolov (1823-1918) war ein russischer Maler.

Sommersonnenwende

 

Die Sommersonnenwende wird in vielen Ländern, wie in Mitteleuropa und den USA, als Beginn der Jahreszeit Sommer gesehen. In Irland hingegen wird der Zeitraum vom 1. Mai (siehe auch Beltane) bis zum 31. Juli als Sommer betrachtet; die Sommersonnenwende liegt also etwa in der Mitte der Jahreszeit. In vielen Ländern, in denen heute der kalendarische Sommer am 20./21. Juni beginnt, wird der Tag der Sommersonnenwende dennoch als Mittsommer bezeichnet, was möglicherweise auf einen alten gemeinsamen steinzeitlichen Kalender zurückgeht. Im Belchen-System geht zum Beispiel die Sonne zur Sommersonnenwende vom Elsässer Belchen aus gesehen über dem nordöstlich gelegenen Kleinen Belchen auf, was die Bestimmung des Zeitpunkts der Sommersonnenwende unabhängig von anthropogenen Objekten ermöglicht.

 

Schon der Turm von Jericho aus dem 9. Jahrtausend v. Chr. deutet auf die Kenntnis der Sommersonnenwende hin, und spätere steinzeitliche Kultstätten wie Stonehenge erfassten diesen Zeitpunkt mittels der relativ leicht feststellbaren Auf- und Untergangspunkte der Sonne, die zu Winterbeginn etwa im Südosten bzw. Südwesten liegen. Auch die Himmelsscheibe von Nebra als wichtiger bronzezeitlicher Fund dokumentiert die Sonnenwende.

 

Den Tag der Sommersonnenwende betrachten seit je manche Menschen als mystischen Tag; manche begehen ihn mit weltlichen oder religiösen Feierlichkeiten. Sonnenwendfeste hatten vor allem in den germanischen, nordischen, baltischen, slawischen und keltischen Religionen einen festen Platz. Die größte unorganisierte Sommersonnwendfeier in Europa findet in Stonehenge statt, die größte Deutschlands an den Externsteinen. Die südlichste Sommersonnenwendfeier findet seit 1929 in der spanischen Region Alicante statt. Das Golowan-Fest findet in Cornwall statt und wurde erstmals 1754 von William Borlase beschrieben.[3] Seit der Christianisierung Europas werden diese Feiern oft mit dem Heiligen des 24. Juni, Johannes dem Täufer, verbunden, der als besonders machtvoller Heiliger galt (Johannistag). Einige der Sonnenwendbräuche, die sich bis heute erhalten haben, wie die Johannisfeuer, sind nach ihm benannt. So wird der Johannistag in der Bretagne manchmal erst am folgenden Wochenende gefeiert. Auch hier liegt das Datum kurz nach der tatsächlichen Sommersonnenwende.

 

 

Anders Zorn, Midsommardans, 1897
Anders Leonard Zorn (1860-1920) war ein schwedischer Maler, Grafiker und Bildhauer.

Max Dauthendey 1867-1918

Johannisfeuer

 

Auf den Bergen reiten Feuer,

Werfen sich wie Ungeheuer

In die Nachtluft, in den Raum;

Flammen stehen hell als Baum,

Rote Flügel sich entfachen,

Aus den Bergen fliegen Drachen,

Nichts hält mehr den Berg im Zaum.

Flammen sich wie Lieder wiegen —

Sonne hat die Nacht erstiegen.

 

Nikolai Astrup, Jonsokbål
Nikolai Astrup (1880-1928) war ein norwegischer Maler.

Johannisfeuer

 

Zu den Bräuchen zählte in der Johannisnacht der Tanz um das Johannisfeuer. Das Johannis- oder Würzfeuer steht in einem Zusammenhang mit der Symbolik von Feuer und Sonne wie auch der Sonnenwende. Deshalb wird das Feuer selbst ebenso als Sonnenfeuer bzw. Sonnwendfeuer bezeichnet. Es ist ein seit dem 12. Jahrhundert erstmals, seit dem 14. Jahrhundert dann häufig belegter Brauch. Das Feuer wird meist in der Nacht vor dem Johannistag angezündet. Vor allem auf Bergen ist es ein altes Symbol für die Sonne und damit für Christus. Auch Johannes selbst hat mit Feuer zu tun, denn er gilt nach dem Propheten Maleachi als der Vorläufer Jesu (Mal 3,1–2 EU). Johannes sagte, dass Christus mit „Feuer und mit Geist“ taufen werde (Mt 3,11 EU). Die Höhen- oder Bergsymbolik befindet sich im sogenannten Lobgesang des Zacharias, des Vaters von Johannes

(Lk 1,76–78 EU).

 

 

Johannisfest in der Bretagne (Le Petit Journal 1-07-1893)

Eaux-Bonnes - Fête de la St. Jean

Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer Dämonen abwehren, die Krankheiten hervorrufen oder Viehschaden und misswüchsige Kinder bewirken. Darauf deuten auch die Strohpuppen hin, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft („Hanslverbrennen“). Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden, daher wird das Johannisfeuer auch als Hagelfeuer bezeichnet. Dieses Brauchtum liegt vermutlich in der großen Beliebtheit des Heiligen begründet. Das Johannisfeuer findet man in verschiedener Ausgestaltung fast über ganz Europa verbreitet. Das beim Johannisfeuer mancherorts verwendete drehende Rad wird als Sonne gedeutet. Ein Zusammenhang könnte außerdem mit dem Not- oder Nodfeuer bestehen, dessen Hergang weitgehend vergleichbar ist.

 

Mancherorts springen Burschen und Mädchen über das Johannisfeuer. Dies ist eine Mutprobe mit abergläubischem Hintergrund: Der Sprung über das Feuer soll reinigen und vor Krankheit schützen. Je mehr Personen gleichzeitig darüber springen, desto größer soll die Wirkung sein, und wenn ein Paar Hand in Hand über das Feuer springt, soll bald Hochzeit gefeiert werden.

 

Knud Larsen Bergslien, St. Johns Evening
Knud Larsen Bergslien (1827-1908) war ein norwegischer Maler der Nationalromantik.

 

Georg Johann Köhler, Sonnwende
Georg Johann Köhler (1890–1944) war ein deutscher Maler und Grafiker.
 

Martin Greif 1839-1911

Juninächte

 

Juninächte, sternenlose,

In dem Blüthenmond der Rose!

Da das bange Herz dazu

Lieb' durchstürmte ohne Ruh',

 

Blitzgezuck und Wetterleuchten!

Und die Nachtigall im feuchten,

Thaubenetzten Busche tief

Wunderbare Laute rief.

 

Hatten uns so viel zu sagen,

Ließen hoch die Wolken jagen,

Blickten in den Flammenschein

Wie im tiefen Traum hinein.

 

 

Albert Joseph Moore, Midsummer, 1887
Albert Joseph Moore (1841-1893) war ein englischer Maler des späten 19. Jahrhunderts und wichtiger Vertreter der Akademischen Kunst und des Ästhetizismus.
 

 

Pfingstrose - Päonie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peony, aus: Curtis's botanical magazine (Plate 1422)
Curtis's botanical magazine war eine illustrierte Veröffentlichung, die 1787 begann.

Auguste Renoir, Les Pivoines, 1880
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919), oft nur Auguste Renoir genannt, war einer der bedeutendsten französischen Maler des Impressionismus.

Pfingstrosen

 

Die Gattung der Pfingstrosen (Paeonia) umfasst Stauden, Halbsträucher und Sträucher. Die Stauden- und die Strauchpfingstrosen, zuweilen auch Baum-Päonien genannt, haben in der Gartenkultur eine vergleichbar große Bedeutung. Die ehemals zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) zählende Gattung bildet heute eine eigene Pflanzenfamilie, die Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Es gibt weltweit 32 Arten, die bis auf zwei an der Westküste Nordamerikas beheimatete allesamt aus Europa und Asien stammen. Als Gartenpflanzen sind Pfingstrosen schon sehr lange in Kultur. Die bedeutendste europäische Art ist die in südeuropäischen Bergregionen heimische Gemeine oder Bauern-Pfingstrose (Paeonia officinalis), während in China die Baum-Päonien (Paeonia Suffruticosa-Hybriden) und Edel-Pfingstrosen (Paeonia Lactiflora-Hybriden) seit 2000 Jahren die Gartenkultur prägen. Ihre Ursprungsarten stammen aus den dortigen Bergwäldern und zum Teil auch aus Steppenregionen der gemäßigten und subtropischen Klimazone.

 

Die Pflanzen sind übrigens nach dem griechischen Götterarzt Paian benannt. Er heilte der Sage nach mithilfe der Pfingstrose die Wunden des Gottes Pluton, die ihm Herakles in der Schlacht um die Stadt Pylos zugefügt hatte. Die Gemeine Pfingstrose hatte früher als Heilpflanze eine große Bedeutung. Sie ist zwar in allen Pflanzenteilen schwach giftig, wurde aber unter anderem zur Behandlung der Gicht verwendet. Da ihre medizinische Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden konnte, hat sie in der heutigen Medizin keine Bedeutung mehr.

Quelle: Mein Schöner Garten https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/pfingstrose-paeonie-6026

 

Anselm Feuerbach, Pfingstrosen, 1871
Anselm Feuerbach (1829-1880) war ein deutscher Maler. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Friedrich Rückert 1788-1866

Letzter Juni

 

Beglückt ist, wer entflieht

Der Welt, zurück sich zieht

In Waldeseinsamkeit;

Dort hat er gute Zeit,

Wo er nicht hört noch sieht,

Was in der Welt geschieht.

 

Die Bäume wachsen noch,

So frisch, so frei, so hoch,

Und wenn ein Sturmwind schnaubt,

So schütteln sie das Haupt:

O Mensch, wie beugst du doch

Den Nacken unters Joch!

 

Noch singt der Vogelchor

So froh, so laut empor:

Uns ist vor Fall und Fang

Nicht in der Freiheit bang;

Wie ist der Mensch ein Tor,

Der all sein Glück verlor!

 

Eugène Delacroix, Bouquet de pivoines,
Ferdinand Victor Eugène Delacroix (1798-1863) war französischer Maler.

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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