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Joaquín Sorolla y Bastida Sorolla, Elena entre rosas

 

Eugène Samuel Grasset,

La Belle Jardinière - Juillet, 1896
Eugène Samuel Grasset (1845-1917) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils.
 

Zum Vergrößern der Bilder können Sie diese anklicken.

Der Juli ist der siebte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender.

 

Er hat 31 Tage und ist nach dem römischen Staatsmann Julius Caesar benannt, auf den die Kalenderänderung des Jahres 46 v. Chr. zurückgeht. Unter Kaiser Commodus wurde der Name des Monats in Aurelius geändert, einer seiner Namen. Nach dem Tod des Kaisers erhielt der Monat seinen alten Namen zurück.

 

Der alte deutsche Name ist Heuet oder Heuert oder auch Heumonat genannt, da im Juli die erste Heu-Mahd eingebracht wird. Andere alte Namen für den Juli sind Bären- oder Honigmonat, wobei Letzteres, besonders in der Form Honigmond, auch den Monat nach der Hochzeit, die Flitterwochen bezeichnet.

 

 

Très Riches Heures, Julliet
Die Brüder von Limburg (Paul, Johan und Herman) waren niederländische Miniaturmaler. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures) ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein ausgesprochen reichhaltig verziertes Stundenbuch, das 208 Blätter mit 21,5 cm Breite und 30 cm Höhe enthält, von denen etwa die Hälfte ganzseitig bebildert sind.
 

 Bauernregeln für den Juli

 

Juli Sonnenbrand,

gut für Leut und Land.

 

Im Juli muss vor Hitze braten,

was im Herbste soll geraten.

 

Wenn's im Juli nicht donnert und blitzt,

wenn der Schnitter nicht schwitzt,

und der Regen dauert lang,

wird's dem Bauersmann bang.

 

Wie's Wetter am Siebenbrüdertag*,

es sieben Wochen bleiben mag. (10. Juli) s.u.

 

An Maria Magdalena regnet es gern;

denn sie weint um ihren Herrn. (22. Juli)

 

Ist's an Jacobi heiß und trocken,

kann der Bauer wohl frohlocken. (25.Juli.)

 

Ist's an St. Anna klar und rein,

wird bald das Korn geborgen sein. (26. Juli)

 

Simon Bening, Juli
Simon Bening (1483-1561), auch Simon Bennik, war ein flämischer Miniaturenmaler und Illustrator. Er gilt als einer der bedeutenden Künstler seines Fachs.
 

* Der 10. Juli ist der Tag der Sieben Brüder, mit welchen die sieben Söhne der heiligen Felicitas gemeint sind, die im 2. Jahrhundert unter der Herrschaft des Kaisers Antoninus in Rom zusammen mit ihren Söhnen den Märtyrertod starb. Nach der Überlieferung heißen die sieben Söhne Alexander, Felix, Januaris, Martialis, Philippus, Silvanus und Vitalis.

 

Hundstage heiß - Winter lange weiß.

Im Volksmund gelten die sogenannten Hundstage als die heißesten und sonnigsten Tage im Jahr. Sie dauern vom 23. Juli bis zum 23. August. Diese hochsommerliche Zeit ist nach dem Hundsstern Sirius benannt, der in diesem Zeitraum der Sonne am nächsten steht und mit ihr gleichzeitig aufgeht. Statistisch gesehen ist die heißeste Zeit im Jahr bereits um den 21. Juli herum.

 

 

Joachim von Sandrart, Der Monat Juli
Joachim von Sandrart der Ältere (1606-1688) war ein deutscher Maler, Kupferstecher, Kunsthistoriker und Übersetzer.

Paula Dehmel 1862–1918

Ich bin der Juli

 

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.

Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?

 

Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,

die Ähren sind zum Bersten voll;

 

reif sind die Beeren, die blauen und roten,

saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.

 

So habe ich ziemlich wenig zu tun,

darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.

 

Duftender Lindenbaum,

rausche den Sommertraum!

 

Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?

Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

 

Guy Orlando Rose, July Afternoon 1897
Guy Orlando Rose (1867-1925) war ein US-amerikanischer Maler und gilt als einer der Hauptvertreter des kalifornischen Impressionismus des späten 19. und angehenden 20. Jahrhunderts.

Erich Kästner

Der Juli  

       

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.

Die Menschheit geht auf Reisen

oder wandert sehr oder wandelt nur.

Und die Bauern vermieten die Natur

zu sehenswerten Preisen.

 

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,

die Platzmusik der Ortsfeuerwehr

und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.

Limousinen rasen hin und her

und finden und finden den Weg nicht mehr

zum Verlorenen Paradiese.

 

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort

auch die künftigen Brötchen und Brezeln.

Eidechsen zucken von Ort zu Ort.

Und die Wolken führen Regen an Bord

und den spitzen Blitz und das Donnerwort.

Der Mensch treibt Berg- und Wassersport

und hält nicht viel von Rätseln.

 

Er hält die Welt für ein Bilderbuch

mit Ansichtskartenserien.

Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.

Sie weiß Bescheid.

Sie weiß, die Zeit

überdauert sogar die Ferien.

 

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon

von hier beginnt das Märchen.

Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,

ruht ein zerzaustes Pärchen.

Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.

Hier steigen und sinken die Lerchen.

 

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.

Die Bienen summen zufrieden.

Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.

Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts

in den Wald und zieht, durch den Schluß

des Gedichts,

wie in alten Zeiten gen Süden.

 

Théophile-Alexandre Steinlen, Bal du 14 juillet
Théophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) war ein französischer Maler, Zeichner, Grafiker und Illustrator schweizerischer Herkunft. Er wurde vor allem für seine Plakat-Entwürfe, insbesondere für das Kabarett Le Chat Noir im Stil der französischen Kunstrichtung Art Nouveau bekannt.

Wilhelm Müller 1794-1827

Juli

 

Auf kühlen Bergen, an des Meeres Strande,

Ist dir ein heitrer Gartensitz bereitet,

Nicht allzu eng, auch nicht zu weit verbreitet:

Man liebt sich einzuschränken auf dem Lande.

 

Ein junger Quell im Bett von weichem Sande

Ist zierlich durch die Gänge hingeleitet,

Bis er betrogen in ein Becken gleitet,

Das ihm versteckt der Blumenhain am Rande.

 

Da muss er, eingezwängt in schlanker Säule,

Aufsteigen aus dem runden Marmormunde

Und auf der Höhe sich in Schaum zerstäuben.

 

Das Moosbett winkt zu mittäglicher Weile;

Es schlummert Alles, nur im klaren Grunde

Seh’ ich die goldnen Fischlein Spiele treiben.

 

 

Robert Lewis Reid,

A Summer Girl
Robert Lewis Reid (1862-1929) war ein US-amerikanischer Figuren- und Wandmaler, der sich ab 1905 als Porträtmaler vornehmlich Motiven mit weichen impressionistischen Pastellen zuwandte.

Hans Böhm 1876-1946

Juli

 

Mit weißen Wolken Sommertag

Wie himmlisch du mich überblühst!

Es neckt der Wind mit lauem Schlag

Die Sonne wandelt hoch und grüßt.

 

Im Lindenbaume fällt und steigt

Der Biene dunkler Glockenton.

Geziefer webend mich umgeigt

So hör ich’s tausend Jahre schon.

 

Und wie die Wärme jubelnd schwillt

Und flimmert über Feld und Au

Da fahr ich mit der Erde mild

Und golden in das Himmelsblau.

 

Matthäus Merian & Peter Aubry, Monatsbilder Juli
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) war ein schweizerisch-deutscher Kupferstecher und Verleger aus der vornehmen Basler Familie Merian.
Peter Aubry (1596–1666) war ein deutscher Graveur.

Carl Spitteler 1845-1924

Das blaugrüne Geheimnis oder der verräterische Kirchturm

 

Wann wars, daß wir lagen im grünen Gras?

Im Juli ferne.

Was sagtest du, daß du mich habest, was?

"Kein bißchen gerne."

 

Was blühte dir in den roten Mund?

Mariamargretchen.

Wem meintest du, daß du gleichest im Grund?

"Einem Gartenbeetchen."

 

Ich sprach: "Ja, was soll ich nun eigentlich Kraut,

Wen Unkraut nennen?"

Wie ein Iltis hast du mich angeschaut.

Nicht zu verkennen.

 

Wir hatten auf unserm Sommersitz

Vergnüglich gedauert.

Da kam hinterm Hügel ein Kirchturmspitz

Hervorgelauert.

 

"Ja komm nur, du Frommer! und spionier!

Spitz Nas' und Ohren!

Notiere dir jeden Kuß wegen mir!

Bist stumm geboren.

 

Was nützt dir der Zeiger im Zifferblatt

Als Stunden zu drehen?

Gut, daß er kein Sprachrohr im Schnabel hat,

Er würd' uns verkrähen."

 

Und weil einmal Leichtsinn und Würde nicht sehr

Zusammenpassen,

So schnitten wir eben, es war nicht schwer,

Dem Kirchturm Grimassen.

 

Wir stiegen am Abend voll blauen Glücks

Aus dem grünen Himmel.

Da verfolgt uns der Kirchturm hinterrücks

Mit Glockengebimmel:

 

"Fürio! ihr Leute! Landjäger herbei!

Weglagerer, Diebe!

Es zünseln, es brenzeln die beiden zwei

Brandstiftende Liebe!"

 

"Ei, daß dich das Wetter, du Schreihals du!

Der Blitz soll dich treffen!

Uns erst mit erlogener Kirchhofruh

So schändlich zu äffen!"

 

Was hilfts? jetzt weiß doch die Lästerwelt,

Wie wir es halten.

Drum wollen wir nur um so fester, gelt?

Zusammenhalten.

 

Henri Martin, Dans le jardin
Henri Jean Guillaume Martin (1860-1943) war ein französischer impressionistischer Maler.

Theodor Storm 1817-1888

Juli

 

Klingt im Wind ein Wiegenlied,

Sonne warm herniedersieht,

Seine Ähren senkt das Korn,

Rote Beere schwillt am Dorn,

Schwer von Segen ist die Flur -

Junge Frau, was sinnst du nur?

 

Eva Gonzalès, Dans les Blés
Eva Gonzalès (1849-1883) war eine französische Impressionistin.

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Der schöne Tag

 

In kühler Tiefe spiegelt sich

Des Juli-Himmels warmes Blau,

Libellen tanzen auf der Flut,

Die nicht der kleinste Hauch bewegt.

 

Zwei Knaben und ein ledig Boot –

Sie springen jauchzend in das Bad,

Der eine taucht gekühlt empor,

Der andre steigt nicht wieder auf.

 

Ein wilder Schrei: „Der Bruder sank!“

Von Booten wimmelt’s schon. Man fischt.

Den Einen rudern sie ans Land,

Der fahl wie ein Verbrecher sitzt.

 

Der andre Knabe sinkt und sinkt

Gemach hinab, ein Schlummernder,

Geschmiegt das sanfte Lockenhaupt

An einer Nymphe weiße Brust.

 

Évariste Carpentier, La baignade interdite
Évariste Carpentier (1845-1922) war ein belgischer Maler des Post-Impressionismus.

Felix Dörmann 1870-1928

Julinacht

 

Die Mondeslichter rinnen

Aus sterndurchsprengtem Raum

Zur regungslosen Erde,

Die müde atmet kaum.

 

Wie schlummertrunken schweigen

Die Linden rund umher,

Des Rauschens müde, neigen

Herab sie blütenschwer.

 

Nur manchmal, traumhaft leise,

Rauscht auf der Wipfel Lied,

Wenn schaurig durchs Geäste

Ein kühler Nachthauch zieht.

 

Mein Herz ist ruh-umfangen,

Ist weltvergessen still,

Kein Sehnen und Verlangen

Die Brust bewegen will.

 

Nur manchmal, traumhaft leise,

Durchzieht der alte Schmerz,

Wie Nachtwind durchs Geäste,

Das müdgeliebte Herz.

 

 

Frederick Childe Hassam,

July Night
Frederick Childe Hassam (1859-1935) war ein amerikanischer Maler des Impressionismus.
 

Gustav Falke 1853-1916

Sommerglück

 

Blütenschwere Tage

In Düften und Gluten rings,

Mein Herz tanzt wie auf Flügeln

Eines trunkenen Schmetterlings.

 

Die Rosen über den Mauern,

Der Birnbaum darüber her,

Alles so reich und schwer

In sehnenden Sommerschauern.

 

Das juligelbe Land

Mit dem träumenden Wälderschweigen

Fern am duftigen Rand,

Darüber die Wolken steigen –

 

O, wie sag ich nur,

Was alles mein Wünschen ins Weite führt!

Mich hat des Glücks eine leuchtende Spur

Mit zitternder Schwinge berührt.

 

Fritz von Wille, Mohnblüte
Friedrich (Fritz) Gustav August Julius Philipp Rudolf von Wille (1860-1941) war ein deutscher Landschaftsmaler.

Stefan George 1868-1933

Juli-Schwermut

 

An Ernest Dowson

 

Blumen des sommers duftet ihr noch so reich:

Ackerwinde im herben saatgeruch

Du ziehst mich nach am dorrenden geländer

Mir ward der stolzen gärten sesam fremd.

 

Aus dem vergessen lockst du träume: das kind

Auf keuscher scholle rastend des ährengefilds

In ernte-gluten neben nackten schnittern

Bei blanker sichel und versiegtem krug.

 

Schläfrig schaukelten wespen im mittagslied

Und ihm träufelten auf die gerötete stirn

Durch schwachen schutz der halme-schatten

Des mohnes blätter: breite tropfen blut.

 

Nichts was mir je war raubt die vergänglichkeit.

Schmachtend wie damals lieg ich in schmachtender flur

Aus mattem munde murmelt es: wie bin ich

Der blumen müd · der schönen blumen müd!

 

Alexej von Jawlensky, Weizenfeld bei Carantec
Alexej von Jawlensky (1864-1941) war ein russisch-deutscher Maler, der auch in der Schweiz und in Deutschland wirkte.

Rudolf G. Binding 1867-1938

Juli

 

Das Lied des hohen Sommers

vom Reifen schwellt das Herz.

Was frommt des späten Kommers

nachzüglerischer Schmerz?

 

Dass tiefer uns ergreife

des Lebens Glut vom Grund

singt sich das Lied der Reife

von selbst in unserm Mund.

 

Entfliehe nicht dir selber.

Lass aller Zeit den Flug.

Reif‘ mit dem Korn der Felder.

Des Blühens war genug.

 

Johannes Lingelbach, Heuernte
Johann(es) Lingelbach (1622-1674) war ein deutscher Maler.

In der Folge habe ich mich in der Auswahl von Bildern und Gedichten auf die beiden Sommer-Themen traditionelle Heu- und Getreideernte sowie - auf einer eigenen Seite - auf die Unbilden des Sommers - Sturm und Gewitter - konzentriert.

 

Häufig erscheinen beide Themen im gleichen Bild wie etwa auf den beiden Bildern von Johannes Lingelbach und Abel Grimmer, wo die teilweise Verdunkelung des Himmels oder das Aufziehen von Gewitterwolken vom Nahen eines Gewitters künden und zur Eile bei der Feldarbeit gemahnen.

 

Abel Grimmer, Summer
Abel Grimmer (um 1570–1620) war ein flämischer Maler der Spätrenaissance , hauptsächlich von Landschaften und in geringerem Maße von Architekturmalereien .

Ferdinand Avenarius 1856-1923

Kornrauschen

 

Bist du wohl im Kornfeld schon gegangen,

wenn die vollen Ähren überhangen,

durch die schmale Gasse dann inmitten

schlanker Flüsterhalme hingeschritten?

Zwang dich nicht das heimelige Rauschen,

stehn zu bleiben und darein zu lauschen?

Hörtest du nicht aus den Ähren allen

wie aus weiten Fernen Stimmen hallen?

Klang es drinnen nicht wie Sichelklang?

Sang es drinnen nicht wie Schnittersang?

Hörtest nicht den Wind du aus den Höhn

lustig sausend da sie Flügel drehn?

Hörtest nicht die Wasser aus den kühlen

Tälern singen du von Rädermühlen?

Leis, ganz leis nur hallt das und verschwebt,

wie im Korn sich Traum mit Traum verwebt,

in ein Summen wie von Orgelklingen,

drein ihr Danklied die Gemeinden singen.

Rückt die Sonne dann der Erde zu,

wird im Korne immer tiefre Ruh',

und der liebe Wind hat's eingewiegt,

wenn die Mondnacht schimmernd drüber liegt.

Wie von warmem Brot ein lauer Duft

zieht mit würz'gen Wellen durch die Luft.

 

Charles Hunt, Cornfield at Ewell
Charles Hunt (1803–1877) war ein britischer Maler.

Theodor Storm 1817-1888

 

Die Sense rauscht, die Ähre fällt,

die Tiere räumen scheu das Feld,

der Mensch begehrt die ganze Welt.

 

Anna Ancher, Harvesters, 1905
Anna Kirstine Brøndum Ancher, geb. Brøndum (1859-1935) war eine dänische Malerin des Impressionismus. Sie war eine Skagen-Malerin und ist als einzige der bekannten Künstlergemeinschaft tatsächlich in Skagen geboren.

Jozef Israëls, Maaiers
Jozef Israëls (1824-1911) war ein niederländischer Maler und Grafiker. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Haager Schule.

Jakob Bosshart 1862-1924

Das Kornfeld

 

Vom Sommerhauch berührt schwankt leis das Korn,

Wie Beter, gottergeben, stehn die Ähren.

Ich hör' von ferne Dengelhammerschlag,

Das goldne Wogen wird nicht lange währen.

 

Hier hat der Tod in jedem Halm gehaust,

Sie selber, die des Lebens Keime bergen,

Die Körner, sind im Sonnenbrand erstarrt

Und gleichen goldumwundnen kleinen Särgen.

 

Tot bist du, Korn, doch welch ein tröstlich Bild!

Wer möcht' sich nicht wie du zur Ruhe legen:

Als eine wohlgereifte Garbe, schwer

Von Lebensbrot und von der Arbeit Segen.

 

Winslow Homer, The Veteran in a New Field, 1865
Winslow Homer (1836-1910) war ein US-amerikanischer Zeichner und Maler.

Mykola Pymonenko, Ernte in der Ukraine, 1896
Mykola Kornylijowytsch Pymonenko (1862-1912) war ein ukrainischer Maler der Russischen Avantgarde,[1] Schöpfer zahlreicher Genrebilder,[2] und Teilnehmer der russischen künstlerischen Bewegung der Peredwischniki.

Christian Morgenstern 1871-1914

Stilles Reifen

 

Alles fügt sich und erfüllt sich,

mußt es nur erwarten können

und dem Werden deines Glückes

Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest

und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

 

Franz von Lenbach, Roter Schirm
Franz Seraph Lenbach, seit 1882 Ritter von Lenbach, (1836-1904) war ein deutscher Maler.

Victor Gabriel Gilbert, The Harvest
Victor Gabriel Gilbert (1847-1933) war ein französischer Maler.

Max Dauthendey 1867-1918

 

Die blühenden blauen Konraden,

Sie fielen mit den Ähren;

Das Korn liegt still in Schwaden

Im Sonnenschein, im schweren.

 

Kaum ein paar kurze Wochen

Sind die Felder glühend zu sehen;

Gleich muß die Sense dann pochen,

Und Stoppeln bleiben kalt stehen.

 

Wenn Augenblicke erwarmen,

Fühlst ihren Atem kaum wehen,

Da entsinken sie schon unsern Armen –

Die Luft ist voll Kommen und Gehen.

 

 

Firmin Baes, Gleaner
Firmin Baes (1874-1943) war ein belgischer Maler, Pastellkünstler, Zeichner und Druckdesigner.
 

 

Asta Nørregaard, Bondekone fra Normandie, 1889
Asta Nørregaard (1853-1933) war eine norwegische Malerin, die für ihre Porträts bekannt ist.
 

Paul Grotowsky 1863-1938

Gebet der Ähre

 

Herr, ich harre deiner Sonne Glut;

sieh mein Leben, das im Schatten ruht!

Niederwarf mich deiner Stürme Heer;

tief am Boden lieg' ich regenschwer.

Herr, so gern trüg' ich den Armen Korn;

gieße nieder deines Lichtes Born,

eh' mich tiefer noch die Windsbraut tritt:

Herr, jetzt bangt mir vor der Sichel Schnitt,

vor dem Sinken in die finstre Nacht

Als ein Halm, der keine Frucht gebracht!

Herr, gebiete deiner Stürme Wehn,

laß mich wieder deine Sonne sehn;

laß mich wachsen ohne Ruh' und Rast,

bis mich beugt der eignen Fülle Last ...

Träum' ich golden dann im Julilicht,

reif und schwer, fürcht' ich den Schnitter nicht.

Klingt die Sense durch die Sommerruh',

fall ich still der großen Ernte zu!

 

Konstantin Makowski, Peasant dinner during harvesting, 1871
Konstantin Jegorowitsch Makowski (1839-1915) war ein russischer Maler und Mitglied der Gruppe der Wanderaussteller. Sein Bruder war der Maler Wladimir Makowski.

Robert Sterl, Sensendengler in Wittenborn, 1901
Robert Hermann Sterl (1867-1932) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Detlev von Liliencron 1844-1909

Die zwei Sensen

 

Das reife Feld, wer heimst es ein,

Wer nimmt ihm seine Bürde ab,

Wer bringts zur Ruh im Abendschein,

Bereitet ihm das Wintergrab?

 

Und all die Blumen fallen mit,

Die, weiß und rot und gelb und blau,

Erzittern vor dem Schnitterschritt,

Wenn er beginnt im Morgengrau.

 

Das dacht ich im Vorübergehn,

Als ich den reichen Segen sah.

Und leise kam ein sanftes Wehn,

Klang wie Misericordia.

 

Am andern Morgen, noch vor Tag,

Als wieder ich vorüberging,

Hört ich den ersten Sensenschlag,

Der scharf einblitzte wie zum Ring.

 

Ein alter Bauer, Ackerzucht,

Mit weißem Haar und weißem Bart,

Schlägt in den Roggenstrich mit Wucht,

Sein Auge mustert streng und hart.

 

Nur selten kommandiert er Stop

Und wischt sich von der Stirn den Schweiß,

Dann mäht er wieder grad und grob,

Die Sonne wütet juliheiß.

 

Schon geht der dritte Tag zu End,

Ein letztes Fleckchen steht noch da.

Wo schwach die Abendsonne brennt,

Klingts leis Misericordia.

 

Nun holt er aus, die Sense singt,

Da still – wer ist der andre Mann,

Der hinter ihm die Sense schwingt?

Das ist der große Welttyrann.

 

Der Alte stürzt dahingerafft,

Denn Mensch, wie Frucht sind Erntegut.

Tief aus der Erde quillt die Kraft,

Und in die Erde tropft ihr Blut.

 

Indessen bammelt sich der Tod

Ein Sternblümchen ans Beckenbein

Und bummelt, todesunbedroht,

Gemächlich durch die Felderreihn.

 

Jules Breton, Le rappel des glaneuses
Jules Adolphe Aimé Louis Breton (1827-1906) war ein französischer Maler.

 

William J. Kennedy, The Harvesters
William J. Kennedy (1859–1918) war ein schottischer Maler.

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Auf Goldgrund

 

Ins Museum bin zu später

Stunde heut ich noch gegangen,

Wo die Heilgen, wo die Beter

Auf den goldnen Gründen prangen.

 

Dann durchs Feld bin ich geschritten

Heißer Abendglut entgegen,

Sah, die heut das Korn geschnitten,

Garben auf die Wagen legen.

 

Um die Lasten in den Armen,

Um den Schnitter und die Garbe

Floß der Abendglut, der warmen,

Wunderbare Goldesfarbe.

 

Auch des Tages letzte Bürde,

Auch der Fleiß der Feierstunde

War umflammt von heilger Würde,

Stand auf schimmernd goldnem Grunde.

 

Henry Moret, Le battage du blé au village, 1894
Henry Moret (1856-1913) war ein französischer Maler der Impressionisten. Er war einer der Künstler, die mit Paul Gauguin in Pont-Aven in der Bretagne verbunden waren

Eugène Boudin, Vanneuses à Quimper
Eugène Boudin (1824-1898) war ein französischer Maler, Vorläufer des Impressionismus und einer der ersten Freilichtmaler.
 

Wilhelm Busch 1832-1908

Ärgerlich

 

Aus der Mühle schaut der Müller,

Der so gerne mahlen will.

Stiller wird der Wind und stiller,

Und die Mühle stehet still.

 

So gehts immer, wie ich finde,

Rief der Müller voller Zorn.

Hat man Korn, so fehlts am Winde,

Hat man Wind, so fehlt das Korn.

 

 

George Clausen, The Gleaners Returning 1908
George Clausen (1852-1844) war ein britischer Künstler, der mit Öl und Aquarell, Radierung, Mezzotinta, Trockenpunkt und gelegentlich Lithografien arbeitete.
 

Fritz von Uhde, Die Ährenleser, 1889, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Fritz von Uhde (1848-1911) war ein sächsischer Kavallerieoffizier und Maler. Sein Stil lag zwischen Realismus und Impressionismus.

Friedrich Rückert 1788-1866

 

Das beste Werk auf Erden ist,

Korn in die Scholle säen,

Und aller Freuden reichste ist,

Die vollen Schwaden mähen.

Rund geht der Wurf des Sämanns

und rund des Schnitters Eisen

des ganzen Lebens auf und ab

liegt zwischen diesen Kreisen.

 

Jules Bastien-Lepage, Weary, Trett, National Gallery Oslo
Jules Bastien-Lepage (1848-1884) war ein französischer Maler. Sein Werk ist dem Naturalismus zuzuordnen
 

 

Friedrich Eduard Meyerheim,

Heimkehr vom Feld, 1849
Friedrich Eduard Meyerheim (1808-1879) war ein deutscher Maler.

Friedrich Theodor von Vischer 1807-1887

Pastors Abendspaziergang

 

Das Abendroth brennt an des Himmels Saum,

Ich schlendre so, als wie im halben Traum,

Zum Dorf hinaus auf grünem Wiesenwege

Am Wald hinunter, wie ich täglich pflege.

Rings auf der Wiese wimmelt es und schafft,

Vom frischen Heu kommt mit gewürz'ger Kraft

Ein süßer Duft auf kühler Lüfte Wogen,

Mein alter Liebling, zu mir hergezogen.

Roth, Blau und Gold, ein ganzes Farbenreich,

Betrachtet sich im spiegelhellen Teich,

Wild-Enten sieht man durch die Wellen streben

Und hoch in Lüften Weih und Sperber schweben.

Ein flüsternd Wehen geht im dunkeln Wald,

Die Vögel rufen, daß es weithin schallt,

Die Unke will sich auf der Flöte zeigen,

Die Grille zirpt und auch die Schnaken geigen.

Studieren wollt' ich einen Predigtplan,

Nun hör' ich selbst die große Predigt an,

Voll Kraft und Mark, ein Menschenherz zu stärken,

Die große Predigt von des Meisters Werken.

 

Ferdinand Hodler, Der Mäher, ca. 1898
Ferdinand Hodler (1853-1918) war ein Schweizer Maler des Symbolismus und des Jugendstils.

Julien Dupré, La Recolte des foins
Julien Dupré (1851-1910) war ein französischer Genremaler.

Camille Pissarro, Hay Harvest at Éragny, 1901
Jacob Abraham Camille Pissarro (1830-1903) war einer der bedeutendsten und produktivsten Maler des Impressionismus.

Anna Ritter 1865-1921

Gekränkte Unschuld

 

Ein Rad gebrochen... Da liegt das Heu...

Da liegt der Wagen, und nebenbei

ein blasses, schmächtiges Dirnlein steht,

das heulend die Zipfel der Schürze dreht.

 

"Was willst denn?" Ich streichle ihm sanft das Gesicht.

Da zeigt's auf den riesigen Wagen, und spricht,

das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen:

"Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen".

 

Angelika Kauffmann, Die Heuernte, 1869
Angelika Kauffmann (1741-1807) war eine schweizerisch-österreichische Malerin des Klassizismus.

George Clausen, Day Dream
George Clausen (1852-1844) war ein britischer Künstler, der mit Öl und Aquarell, Radierung, Mezzotinta, Trockenpunkt und gelegentlich Lithografien arbeitete.

Georges Laugée, Frauen auf dem Felde
Georges Paul François Laurent Laugée (1853-1937) war ein naturalistischer französischer Maler


Die aufziehenden dunklen Wolken verheißen nichts Gutes, Eile ist geboten. Klicken Sie auf das Bild und Sie gelangen zur Seite Sturm & Gewitter (folgt demnächst).

 

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zu gu­ter Letzt

 

Jahrelang haben wir den Kindern beigebracht

alles aufzuessen,

damit es schönes Wetter gibt.
Und was haben wir jetzt?
Dicke Kinder und Hitzewelle.

 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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