BuchKult
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„Und dann der Herbst! Unausstehlich, wenn man selber herbstelt! Alte Bunker erspähte ich, bröckelnde Mauern, erste gelbe Blätter, Morgennebel, Abendrauch. In früheren Jahren war bei mir das erste Anzeichen von Herbst immer eine Nachdenklichkeit, ein frommes Gefühl, eine Bereitschaft zu dienendem Fleiß – natürlich eine Spätfolge aus der Schulzeit! Im Herbst wurden neue, glatte, saubere Hefte angefangen, die erste Seite immer in Schönschrift.“

Sten Nadolny
 

Paul Gauguin, Lane at Alchamps, Arles 1888
Eugène Henri Paul Gauguin (1848-1903) war ein einflussreicher französischer Maler.

Theodor Storm 1817-1888

Herbst

 

Schon ins Land der Pyramiden

Flohn die Störche übers Meer;

Schwalbenflug ist längst geschieden,

Auch die Lerche singt nicht mehr.

 

Seufzend in geheimer Klage

Streift der Wind das letzte Grün;

Und die süßen Sommertage,

Ach, sie sind dahin, dahin!

 

Nebel hat den Wald verschlungen,

Der dein stillstes Glück gesehn;

Ganz in Duft und Dämmerungen

Will die schöne Welt vergehn.

 

Nur noch einmal bricht die Sonne

Unaufhaltsam durch den Duft,

Und ein Strahl der alten Wonne

Rieselt über Tal und Kluft.

 

Und es leuchten Wald und Heide,

Dass man sicher glauben mag,

Hinter allem Winterleide

Lieg ein ferner Frühlingstag.

 

 

Hans am Ende, Herbst im Moor,

um 1900, Worpsweder Kunsthalle
Hans am Ende (1864-1918) war ein deutscher Maler des Impressionismus und Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede.

Klabund 1890–1928

Die letzte Kornblume

 

Sie ging, den Weg zu kürzen, übers Feld.

Es war gemäht. Die Ähren eingefahren.

Die braunen Stoppeln stachen in die Luft,

Als hätte sich der Erdgott schlecht rasiert.

Sie ging und ging. Und plötzlich traf sie

Auf die letzte blaue Blume dieses Sommers.

Sie sah die Blume an. Die Blume sie. Und beide dachten

(Sofern die Menschen denken können, dachte die Blume...)

Dachten ganz das gleiche:

Du bist die letzte Blüte dieses Sommers,

Du blühst, von lauter totem Gras umgeben.

Dich hat der Sensenmann verschont,

Damit ein letzter lauer Blütenduft

Über die abgestorbene Erde wehe –

Sie bückte sich. Und brach die blaue Blume.

Sie rupfte alle Blütenblätter einzeln:

Er liebt mich – liebt mich nicht – er liebt mich... nicht. –

Die blauen Blütenfetzen flatterten

Wie Himmelsfetzen über braune Stoppeln.

Ihr Auge glänzte feucht – vom Abendtau,

Der kühl und silbern auf die Felder fiel

Wie aus des Mondes Silberhorn geschüttet.

 

 

George Henry Boughton, Autumn
George Henry Boughton (1833-1905) war ein englisch-US-amerikanischer Landschafts- und Genremaler sowie Illustrator.
 

Ferdinand Avenarius 1856-1923

Wundervolles Wipfelrauschen

 

Wundervolles Wipfelrauschen,

     Schon dem Kind vertraut,

Darf ich wieder dich belauschen,

     Lieber Waldeslaut?

Rauschtest du dem müden Kinde

     Zukunftstaten zu –

Sing gelinde, sing gelinde

     Heut dem Manne Ruh!

 

Sommerstürmen und Gewittern

     Folgt ein milder Herbst;

Lass das Wen'ge nicht verzittern,

     Seele, was du erbst –

Wenn auch welk die Blätter fallen

     Deiner Jugendzeit,

Bleibt dir von den Freunden allen

     Doch die Einsamkeit.

 

Nimmer wird es ganz verstummen,

     Was dich einst beglückt,

Leise Wehmut lass es summen,

     Was dich einst entzückt –

Summen dunkel doch die Lieder

     Aus dem Frühlingstraum

Immer noch und immer wieder

     Im entlaubten Baum.

 

Ernest Biéler, Paysage automnal - les hauts de Savièse
Ernest Biéler (1863-1948) war ein Schweizer Maler und Illustrator. Er war durch den Impressionismus beeinflusst und wandte sich später dem Jugendstil zu.

Adelbert von Chamisso  1781–1838

Im Herbst

 

Niedrig schleicht blaß hin die entnervte Sonne,

Herbstlich goldgelb färbt sich das Laub, es trauert

Rings das Feld schon nackt und die Nebel ziehen

Über die Stoppeln.

 

Sieh, der Herbst schleicht her und der arge Winter

Schleicht dem Herbst bald nach, es erstarrt das Leben;

Ja, das Jahr wird alt, wie ich alt mich fühle

Selber geworden!

 

Gute, schreckhaft siehst du mich an, erschrick nicht;

Sieh, das Haupthaar weiß, und des Auges Sehkraft

Abgestumpft; warm schlägt in der Brust das Herz zwar,

Aber es friert mich!

 

Naht der Unhold, laß mich ins Auge ihm scharf sehn:

Wahrlich, Furcht nicht flößt er mir ein, er komme,

Nicht bewußtlos rafft er mich hin, ich will ihn

Sehen und kennen.

 

Laß den Wermutstrank mich, den letzten, schlürfen,

Nicht ein Leichnam längst, ein vergeßner, schleichen,

Wo ich markvoll einst in den Boden Spuren

Habe getreten.

 

Ach! ein Blutstrahl quillt aus dem lieben Herzen:

Fasse Mut, bleib stark; es vernarbt die Wunde,

Rein und liebwert hegst du mein Bild im Herzen

Nimmer vergänglich.

 

 

 

Carl Spitzweg, Drachensteigen
Franz Carl Spitzweg (veraltet auch: Karl Spitzweg; 1808-1885) war ein deutscher Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers.
 

Georg Britting 1891-1964

Drachen

 

Die Drachen steigen wieder

Und schwanken mit den Schwänzen

Und brummen stumme Lieder

Zu ihren Geistertänzen.

 

Von wo der knallende Wind herweht?

Von Bauerngärten schwer!

Jeder Garten prallfäustig voll Blumen steht,

Die Felder sind lustig leer.

 

Der hohe Himmel ist ausgeräumt,

Wasserblau, ohne Regenunmut.

Eine einzige weiße Wolke schäumt,

Goldhufig, wie ein Roß gebäumt,

Glanzstrudlig durch die Luftflut.

 

Dame Laura Knight, Flying a Kite
Dame Laura Knight (1877-1970) war eine britische impressionistische Malerin.

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Herbst

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: es ist in allen.

 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

 

Mikhail Germashev, Fall landscape
Mikhail Markianowich Germashev (1867-1930) war ein russischer Maler.
 

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Herbst

 

Eine trübe, kaltfeuchte Wagenspur:

Das ist die herbstliche Natur.

Sie hat geleuchtet, geduftet und trug

Ihre Früchte. – Nun ausgeglichen,

Hat sie vom Kämpfen und Wachsen genug. -

Scheint's nicht, als wäre alles Betrug

Gewesen, was ihr entwichen?

 

Das Händesinken in den Schoß,

Das Unbunte und Leise,

Das ist so schön, daß es wiederjung

Beginnen kann, wenn Erinnerung

Es nicht klein macht, sondern weise.

 

Ein Nebel blaut über das Blätterbraun,

Das zwischen den Bäumen den Boden bedeckt.

 

Wenn ihr euren Herbst entdeckt:

Dann seid darüber nicht traurig, ihr Fraun.

 

Paul Baum, Weg nach Niedergrunstedt, Weimar Schlossmuseum
Paul Baum (1859-1932) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner und Grafiker.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Das dürre Blatt

 

Durchs Fenster kommt ein dürres Blatt,

Vom Wind hereingetrieben;

Dies leichte, offne Brieflein hat

Der Tod an mich geschrieben.

 

Das dürre Blatt bewahr ich mir,

Will's in die Blätter breiten,

Die ich empfangen einst von Ihr;

Es waren schöne Zeiten!

 

Da draußen steht der Baum so leer;

Wie er sein Blatt im Fluge,

Kennt sie vielleicht ihr Blatt nicht mehr,

Trotz ihrem Namenszuge.

 

Der toten Liebe Worte flehn,

Daß ich auch sie vernichte;

Wie festgehaltne Lügner stehn

Sie mir im Angesichte.

 

Doch will ich nicht dem holden Wahn

Den Wurf ins Feuer gönnen;

Die Worte sehn mich traurig an,

Daß sie nicht sterben können.

 

Ich halte fest, zu bittrer Lust,

Was all mein Glück gewesen,

In meinen schmerzlichen Verlust

Will ich zurück mich lesen.

 

Das dürre Blatt leg ich dazu,

Des Todes milde Kunde,

Daß jedes Leiden findet Ruh,

Und Heilung jede Wunde.

 

 

 

Isaak Brodski, Fallen Leaves
Isaak Israilewitsch Brodski (1883-1939) war ein russischer Künstler.
 

Georg Trakl 1887-1914

Verwandlung

 

Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:

Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.

Des Menschen Hände tragen braune Reben,

Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.

 

Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land

Erscheinender in roter Buchen Schweigen.

Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen

Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.

 

Geruhiges vor einer Schenke spielt,

Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.

Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,

Resedenduft, der Weibliches umspült.

 

Rodolphe Wytsman, Chemin en automne
Rodolphe Wytsman, (1860-1927) war ein belgischer Landschaftsmaler, Aquarellist, Radierer und Lithograph.

Richard von Schaukal 1874-1942

Wende

 

Heut liegt der Garten schon von gelben Blättern voll.

Da sinkt auf meinen Weg ein fast noch grünes nieder:

Das ist der Tod: ich seh ihn wieder

am Werk, das lautlos sich vollenden soll.

 

Die Berge hat der Nebel aus der Welt gebracht.

Noch gestern standen sie hoch vorm hellen

ganz blauen Himmel. Gold aus warmen Quellen

durchströmte sommerlich die Luft. Nun wird es Nacht

 

Edward Theodore Compton, Herbst im Stodertal
Edward Theodore Compton, meist E.T. Compton genannt (1849-1921) war ein englischer Alpenmaler und Bergsteiger.

Theodor Däubler 1876-1934

Sahst du noch nie den Fall der Leoniden?

 

Sahst du noch nie den Fall der Leoniden1?

Wenn Sterne lautlos durch den Äther zittern

Und ringsum sich beim Sturze noch zersplittern,

Erkennst du doch den großen Wunsch nach Frieden?

 

Blick auf die Vögel! Ziehen sie nach Süden,

So scheinen sie, vereint, kein Arg zu wittern.

Doch kann ein einzger Sturz den Zug erschüttern,

Denn gleich fühlt sich der ganze Schwarm ermüden.

 

Dich konnt ich durch ein tiefes Wort erlangen,

Denn du ergabst dich plötzlich ungewußt,

Und Scham und Liebe quoll in deine Wangen,

 

Jetzt glüht dein Fühlen hold an meiner Brust.

Bald kann ich dich in voller Glut umfangen,

Denn Ruhe sucht urschließlich jede Lust.

 

1 Die Leoniden bilden einen Meteorstrom (Sternschnuppen-strom), der im November zu beobachten ist. (Wikipedia)

 

Pascal Dagnan-Bouveret, Willows by a Stream, 1908, Museum of Fine Arts
Pascal Adolphe Jean Dagnan (1852-1929), genannt Dagnan-Bouveret, war ein französischer Maler.

Max Dauthendey 1867-1918

Als siehst Du in ein Buch hinein

 

Als siehst Du in ein Buch hinein,

Und des blassen Papieres heller Schein

Liegt Dir im Gesicht, und bleich wie Stein

Wird Deine Stirn von des Buches Licht.

So gehst Du im Herbst den Weg, den hellen.

Die Bäume stehen wie wächserne Zellen,

Durchsichtig wie Körbe, lose geflochten,

Vom Licht durchflackert an allen Stellen;

Sie sind gleich Kerzen mit langen Dochten.

Und bleich beschienen von fremden Schmerzen,

Geht jeder unter den Bäumen hin,

Bleich, als trägt er die Last von Eisen und Erzen,

Und liest erblaßt des Lebens Sinn.

 

Titus Dvornikov, Autumn Landscape
Titus Jokovlevic Dvornikov (1862-1922) war ein russischer Landschaftsmaler.

Johann Hinrich Fehrs 1838-1916

Herbst

 

Die Blätter welken und falben,

Und kühle Lüfte gehn,

Und Störche ziehn und Schwalben,

Die Blätter welken und falben

Und werden bald verwehn.

 

Ist wohl ein Abendläuten,

Das fern herüberklingt –

Was mag der Klang bedeuten?

Ist wohl ein Abendläuten,

Das durch die Seele dringt.

 

John Everett Millais,

Autumn Leaves, 1856
Sir John Everett Millais, (1829-189]) war ein britischer Maler aus dem Kreis der Präraffaeliten.
 

Theodor Fontane 1819-1898

Barbara Allen

 

Es war im Herbst, im bunten Herbst,

Wenn die rotgelben Blätter fallen,

Da wurde John Graham vor Liebe krank,

Vor Liebe zu Barbara Allen.

 

Seine Läufer liefen hinab in die Stadt

Und suchten, bis sie gefunden:

“Ach unser Herr ist krank nach dir,

Komm Lady, und mach' ihn gesunden.”

 

Die Lady schritt zum Schloß hinan,

Schritt über die marmornen Stufen,

Sie trat ans Bett, sie sah ihn an:

“John Graham, du ließest mich rufen.”

 

“Ich ließ dich rufen, ich bin im Herbst

Und die rotgelben Blätter fallen,

Hast du kein letztes Wort für mich?

Ich sterbe, Barbara Allen.”

 

“John Graham, ich hab' ein letztes Wort,

Du warst mein All und Eines;

Du teiltest Pfänder und Bänder aus,

Mir aber gönntest du keines.

 

John Graham, und ob du mich lieben magst,

Ich weiß, ich hatte dich lieber,

Ich sah nach dir, du lachtest mich an

Und gingest lachend vorüber.

 

Wir haben gewechselt, ich und du,

Die Sprossen der Liebesleiter,

Du bist nun unten, du hast es gewollt

Ich aber bin oben und heiter.”

 

Sie ging zurück. Eine Meil' oder zwei,

Da hörte sie Glocken schallen;

Sie sprach: Die Glocken klingen für ihn,

Für ihn und für Barbara Allen.

 

“Liebe Mutter mach ein Bett für mich,

Unter Weiden und Eschen geborgen;

John Graham ist heute gestorben um mich

Und ich sterbe um ihn morgen.”

 

Stepan Kolesnikov, Herbstlandschaft
Stepan Fedorovitch Kolesnikoff (1879-1955) war ein realistischer Maler, der in Russland geboren wurde und den größten Teil seines Lebens in Serbien verbrachte.

Karl von Gerok 1815-1890

Herbst-Gefühl

 

Müder Glanz der Sonne!

Blasses Himmelblau!

Von verklungner Wonne

Träumet still die Au.

An der letzten Rose

Löset lebenssatt

Sich das letzte lose,

Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben

Schleicht sich durch den Hain!

Auch Vergeh'n und Sterben

Däucht mir süß zu sein.

 

Adolf Lier, Buchenwald im Herbst, Lenbachhaus
Adolf Heinrich Lier (1826-1882) war ein deutscher Landschaftsmaler.

Martin Greif 1839-1911

Preis des Herbstes

 

Schönste Zeit im ganzen Jahre,

Tage vor dem ersten Schnee,

Wolkenlose, sonnenklare,

Euch gebührt des Preises Höh'.

 

Wohl an Blumen müßt ihr darben,

Tückisch kalter Nächte Raub,

Doch es malt mit bunten Farben

Herbst das reichgestufte Laub.

 

Purpurn glänzt die Hagebutte,

Und aus Beeren, groß und klein,

Träuft in die bereite Butte

Bläßlichrot der süße Wein.

 

Apfelmostes Mittelgüte

Macht dem Obst uns zugetan,

Holder noch als ihre Blüte

Lacht die volle Frucht uns an.

 

Pflaumen, Äpfel, Birnen, Quitten,

Die uns vom belad'nen Baum

In den Schoß die Zweige schütten –

Ihren Reichtum birgst du kaum!

 

Mag der Sturm den Wald entlauben,

Steht der Winter vor der Tür,

Zeit der Nüsse, Zeit der Trauben,

Sei gepriesen für und für.

 

Claude Monet, Autumn on the Seine, Argenteuil, 1873
Claude Monet (1840-1926) war ein bedeutender französischer Maler, dessen mittlere Schaffensperiode dem Impressionismus zugeordnet wird.

Friedrich Hebbel 1813-1863

Spaziergang am Herbstabend

 

Wenn ich abends einsam gehe

Und die Blätter fallen sehe,

Finsternisse niederwallen,

Ferne, fromme Glocken hallen:

Ach, wie viele sanfte Bilder,

Immer inniger und milder,

Schatten längst vergangner Zeiten,

Seh ich dann vorübergleiten.

 

Was ich in den fernsten Stunden,

Oft nur halb bewußt, empfunden,

Dämmert auf in Seel' und Sinnen,

Mich noch einmal zu umspinnen.

Und im inneren Zerfließen

Mein ich's wieder zu genießen,

Was mich vormals glücklich machte,

Oder mir Vergessen brachte.

 

Doch, dann frag ich mich mit Beben:

Ist so ganz verarmt dein Leben?

Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen,

Sprich, was war es einst dem Herzen?

Völlig dunkel ist's geworden,

Schärfer bläst der Wind aus Norden,

Und dies Blatt, dies kalt benetzte,

Ist vielleicht vom Baum das letzte.

 

Alexander Lawrie, Autumn in the Hudson Highlands
Alexander Lawrie (1828-1917) war ein US-amerikanischer Landschafts- und Porträtmaler der Düsseldorfer Schule und der Hudson River School.

Georg Heym 1887-1912

Der Abend

 

Versunken ist der Tag in Purpurrot,

Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte.

Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot

Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.

 

Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald

Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren.

Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt

Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.

 

Das Dunkel ist im Osten ausgegossen,

Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne.

Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen,

Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.

 

Juho Kyyhkynen, Autumn Colours
Juho Kyyhkynen (1875-1909) war ein finnischer Maler.

Richard von Schaukal 1874-1942

Nach einem Regentage

 

Schon hat der Herbst die Wege

Mit Blättern still bestreut.

Ich geh und überlege:

Ist vieles, was mich reut.

 

Es funkelt noch die Feuchte

Im dunstig schwachen Schein.

Ein schüchternes Geleuchte

Fängt sich das Dickicht ein.

 

Mit rauschendem Gerinne

Singt sich der Bach zu Tal.

Es schimmert ein Gespinne

An einem Sonnenstrahl.

 

Da schau ich von dem Hange

Hinüber und hinauf:

Mit meinen Blicken fange

Ich einen Vogel auf.

 

Marie Bashkirtseff, Autumn
Marie Bashkirtseff (1858 oder 1860 - 1884) war eine russische Malerin, deren Gemälde in Frankreich entstanden sind. Ihr Werk ist dem Naturalismus zuzuordnen.

August von Platen 1796-1835

An eine Geißblattranke

 

Zwischen Fichtenbäumen in der Öde

Find ich, teure Blüte, dich so spat?

Rauhe Lüfte hauchen schnöde,

Da sich eilig schon der Winter naht.

 

Dicht auf Bergen lagen Nebelstreifen,

Hinter denen längst die Sonne schlief,

Als noch übers Feld zu schweifen

Mich ein inniges Verlangen rief.

 

Da verriet dich dein Geruch dem Wandrer,

Deine Weiße, die dich blendend schmückt:

Wohl mir, daß vor mir kein andrer

Dich gesehn und dich mir weggepflückt!

 

Wolltest du mit deinem Dufte warten,

Bis ich käm' an diesen stillen Ort?

Blühtest ohne Beet und Garten

Hier im Wald bis in den Winter fort?

 

Wert ist wohl die spät gefundne Blume,

Daß ein Jüngling in sein Lied sie mischt,

Sie vergleichend einem Ruhme,

Der noch wächst, da schon so viel erlischt.

 

Heinrich Böhmer, Sonnendurchflutetes Waldstück
Heinrich Böhmer, auch Heinrich Böhmer der Ältere (1852-1930), war ein deutscher Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule.

Friedrich Wilhelm Nietzsche 1844-1900

Der Herbst

 

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz!

Fliege fort! fliege fort!

Die Sonne schleicht zum Berg

Und steigt und steigt

Und ruht bei jedem Schritt.

 

Was ward die Welt so welk!

Auf müd gespannten Fäden spielt

Der Wind sein Lied.

Die Hoffnung floh –

Er klagt ihr nach.

 

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz!

Fliege fort! fliege fort!

O Frucht des Baums,

Du zitterst, fällst?

Welch ein Geheimnis lehrte dich

Die Nacht,

Daß eisiger Schauder deine Wange,

Die Purpur-Wange deckt? –

 

Du schweigst, antwortest nicht?

Wer redet noch? – –

 

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz!

Fliege fort! fliege fort!

Ich bin nicht schön

– so spricht die Sternenblume –,

Doch Menschen lieb ich

Und Menschen tröst ich –

 

Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,

Nach mir sich bücken

Ach! und mich brechen –

In ihrem Auge glänzet dann

Erinnerung auf,

"Erinnerung an Schöneres als ich: –

– ich seh's – und sterbe so." –

 

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz!

Fliege fort! fliege fort!

 

 

Joseph Coosemans, Paysage à Genk, Ixelles, Musée des Beaux Arts
Joseph Théodore Coosemans (1828-1904) war ein belgischer Landschaftsmaler.

A. de Nora 1864-1936

Zu spät

 

Ich weiß es wohl, was mir dein kühler Kuß

Geheim verrät,

Daß all mein Wünschen hier entsagen muß –

Es ist zu spät.

 

Wenn auch dein müdes Herz ein letztes Glück

Nicht ganz verschmäht,

Verlornes Leben bringt kein Kuß zurück –

Es ist zu spät.

 

Manchmal im Herbst von Blüten steht ein Strauch

Noch übersät –

Sie werden nie zur Frucht – und wissens auch …

Es ist zu spät.

 

Konstantin Gorbatov, Herbsttag
Konstantin Iwanowitsch Gorbatov (1876-1945) war ein russischer Vertreter des Post-Impressionismus und Professor der Petersburger Kunstakademie.

Richard Dehmel 1863-1920

Stiller Gang

 

Der Abend graut, Herbstfeuer brennen.

Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.

Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.

Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.

Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.

Vorbei.

 

William Hart, A Fall Day
William Hart (1823-1894) war ein in Schottland geborener amerikanischer Landschafts- und Tiermaler und Künstler der Hudson River School.

Kumagai Naoyoshi 1782-1862

 

Wenn einer einen blütenreichen Frühling

und einen satten Herbst erlebt,

so muß er sich doch eingestehen,

daß es schön ist, Mensch zu sein.

 

Armand Guillaumin, Die Ufer der Orge in Epiney, Ile de France
Armand Guillaumin (1841-1927) war ein französischer Maler und Grafiker.

Joseph Freiherr von Eichendorff 1788-1857

Herbst

 

Nun lass den Sommer gehen,

Lass Sturm und Winde wehen.

Bleibt diese Rose mein,

Wie könnt ich traurig sein?

 

Robert Russ, Landschaft mit Pferdegruppe, um 1918-19
Robert Russ (1847-1922) war ein österreichischer Maler.
 

Christian Morgenstern 1871-1914

Blätterfall

 

Der Herbstwald raschelt um mich her.

Ein unabsehbar Blättermeer

Entperlt dem Netz der Zweige.

Du aber, dessen schweres Herz

Mitklagen will den großen Schmerz:

Sei stark, sei stark und schweige!

 

Du lerne lächeln, wenn das Laub

Dem leichteren Wind ein leichter Raub

Hinabschwankt und verschwindet.

Du weißt, dass just Vergänglichkeit

Das Schwert, womit der Geist der Zeit

Sich selber überwindet.

 

 

Friedrich Kallmorgen, Holzsammlerin im Herbstwald, 1893
Friedrich Kallmorgen (1856-1924) war ein deutscher Maler.

Selma Meerbaum-Eisinger 1924-1942

Herbst

 

Der Regen spinnt

Sein graues Lied

Von Sehnsucht und

Von schwerem Weh.

 

Von Träumen blind

Alleinseins müd

Bin ich ein Hund

Und – geh'.

 

Verloschnes Gold

Und toter Traum

Von Liebe sieht

Mich an und schweigt.

 

Und um mich rollt

Schillernder Schaum –

Die Sehnsucht zieht

Und – geigt.

 

Der Herbst ist da

Und weint mich an

Mit Augen, die

Erloschen sind.

 

Ich weiß, er sah:

Das Glück verrann,

Zwang mich ins Knie

Und – ging.

 

Michal Pawel Wywiórski, Landschaft mit Sümpfen
Michal Pawel Gorstkin-Wywiórski (1861-1926) war ein polnischer Maler; vor allem von Landschaften und maritimen Szenen.

Cornelia Kopp 19./20. Jhdt.

Vom Abend sprachen wir

 

Vom Abend sprachen wir, und daß die goldnen Streifen

Am Horizont nun schon so früh verblassen

Und daß die Dämmerungen mit den blassen

Händen so sicher nach dem Lichte greifen.

 

Daß all das Sommerblühen und das Reifen

Des bunten Ernteherbstes so gelassen

Des Sterbens harrt und daß die alten Gassen

Mit ihren hellen Fenstern und den steifen

 

Giebeln so traut ausschaun im Abenddämmern

Und rings die Welt erfüllt sei von dem Schönen.

Dies alles sagten wir – und mehr noch, um das Hämmern

 

Des heißen Herzens ja zu übertönen –

Und unsere scheuen Augen irrten weit

Ins Land und bangen vor der Dunkelheit.

 

Félix Vallotton, The Lake in the Bois de Boulogne
Félix Vallotton (1865-1925) war ein Schweizer, später französischer Maler, Grafiker, Holzstecher und Schriftsteller.

Heinrich Lersch 1889-1936

Herbst

 

Gärtner, laß die Blätter liegen,

Die jetzt über die Erde rollen

Und die müde von der Reise

Sich zur Ruhe legen wollen.

 

Wie sie gelb und braun geworden -

Und der Reif an ihrem Rande -

Ruhn sie, tote Sommervögel,

Auf dem dunkelroten Sande.

 

Sieh, sie wollen deinem rauhen

Besen sich nur ungern fügen;

Du vermagst des Winters Nahen

Doch nicht recht hinwegzulügen.

 

Henri Le Sidaner, Table d'automne
Henri Le Sidaner (1862-1939) war ein französischer Maler.

Georg Trakl 1887-1914

Melancholie des Abends

 

Der Wald, der sich verstorben breitet –

Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.

Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,

Indes ein Bach ganz leise gleitet

 

Und Farnen folgt aus alten Steinen

Und silbern glänzt aus Laubgewinden.

Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden –

Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.

 

Der dunkle Plan scheint ohne Maßen,

Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,

Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.

Ein kalter Glanz huscht über Straßen.

 

Am Himmel ahnet man Bewegung,

Ein Heer von wilden Vögeln wandern

Nach jenen Ländern, schönen, andern.

Es steigt und sinkt des Rohres Regung.

 

Theodore Robinson, The old bridge, 1890, Madrid, Musée Thyssen Bornemisza
Theodore Robinson (1852-1896) war ein US-amerikanischer Maler, bekannt für seine impressionistischen Landschaften.

Iwan Sergejewitsch Turgenjew 1818-1883

Ich lieb den Herbst

 

Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.

In stillen Nebeltagen geh

Ich oft durch Fichtenwald und seh

Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,

Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.

Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei

Zu kauen, lächelnd zu zerstören

Den Traum, dem wir so gern gehören.

Fern des Spechtes scharfer Schrei!

Das Gras schon welk … schon starr vor Kühle,

Von hellen Schleiern überhaucht.

In mir das Weben der Gefühle,

Das Herz in Bitternis getaucht …

Soll ich Vergangenes nicht beschwören?

Soll, was da war, nie wieder sein?

Die Fichten nicken dunkel, hören

Gelassen zu und flüstern Nein.

Und da: ein ungeheures Lärmen,

Ein Ineinanderwehn von Zweigen,

Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,

Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

 

 

Jervis McEntee, Autumn in the Catskills, 1873
Jervis McEntee (1828-1981) war ein amerikanischer Maler der Hudson River School.
 

Erik Axel Karlfeldt 1864-1931

Ich bin eines Singenden Stimme

 

Ich bin eines Singenden Stimme in dunklen, tiefen Schächten,

dort hört kein Ohr, ist alles echolos,

bin ein irrendes Licht überm See in gespenstigen Nächten,

ein Trugschein, der im Dunkel lischt: in einem feuchten Schoß.

 

Ich bin ein treibendes Blatt in des Herbstes leeren Reichen,

ich wirble hin, der Sturm läßt mich nicht ruhn.

Ob ich hafte am Berg, ob versinke in grundlosen Teichen,

das weiß ich nicht, mich kümmert's nicht – kann nichts dagegen tun.

 

Erik Axel Karlfeldt (1864-1931), schwedischer Lyriker und Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, Nobelpreisträger für Literatur 1931

 

Jean-François Raffaëlli, Strollers Leaving a Village
Jean-François Raffaëlli (1850-1924) war ein französischer Maler des Realismus, Bildhauer und Drucker, Schauspieler sowie Autor.

Gottfried Keller 1819-1890

 

Herbstnächtliche Wolken, sie wanken und ziehn

Gleich fieberisch träumenden Kranken dahin:

Auf Bergwald und Seele die Düsternis ruht,

Ob kalt sie auch Luft und Gedanken durchfliehn.

Klarstrahlend jedoch tritt hervor nun der Mond,

Und weithin die Wolken entschwanken um ihn.

Geh auf auch im Herzen mir, lieblicher Stern,

Dem immer die Schatten noch sanken dahin!

 

Léon Augustin Lhermitte, View of Chartèves in Autumn
Léon Augustin Lhermitte (1844-1925) war ein französischer Künstler.

Justinus Kerner 1786-1862

Sei demütig!

 

Rühme dich auf dieser Welt,

Mensch, nicht deines eignen Lichts!

Sonnen sind ob dich gestellt,

Gegen die dein Schein ein Nichts.

 

Kannst hier hoffen, glauben nur,

Bitten, doch erzwingen nicht,

Nicht verändert's die Natur,

Wenn ein Menschenherz zerbricht.

 

Hoffe, daß durch Todesnacht

Gott dich führt in Sonnen ein –

Was er immer mit dir macht,

Du bist dein nicht, du bist sein.

 

Sei demütig wie das Blatt,

Das im Herbst vom Baume geht,

Und das nie geklaget hat,

Daß es jetzt der Sturm verweht.

 

 

Hans

Meyer-Kassel, Genoa Nevada Herbst
Hans Meyer-Kassel (1872-1952) war ein deutscher Landschafts-, Marine- und Porträtmaler sowie Grafiker, Illustrator und Zeichner.
 

Martin Greif 1839-1911

Herbstgefühl

 

Wie ferne Tritte hörst du's schallen,

Doch weit umher ist nichts zu sehn,

Als wie die Blätter träumend fallen

Und rauschend mit dem Wind verwehn.

 

Es dringt hervor wie leise Klagen,

Die immer neuem Schmerz entstehn,

Wie Wehruf aus entschwundnen Tagen,

Wie stetes Kommen und Vergehn.

 

Du hörst, wie durch der Bäume Gipfel

Die Stunden unaufhaltsam gehn,

Der Nebel regnet in die Wipfel,

Du weinst, und kannst es nicht verstehn.

 

Otto Modersohn, Herbst im Moor, 1895
Friedrich Wilhelm Otto Modersohn (1865-1943) war ein Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede und wurde einer der bekanntesten deutschen Landschaftsmaler.

Felix Grafe 1888-1942

Nun will der Herbst mit welken Blättern

 

Nun will der Herbst mit welken Blättern

mir meine blasse Stirne kränzen,

wenn Nebel durch die Äste klettern

in grauen, wunderlichen Tänzen.

 

Fühlst du, wie in den Hauch von Küssen

ein Schauer fremder Nächte gleitet?

Und wie ein Wiederwandernmüssen

dir neue Wege vorbereitet?

 

 

Edward Wilkins Waite,

Autumn Colouring
Edward Wilkins Waite (1854-1924) war ein englischer Landschaftsmaler.

Theodor Fontane 1819-1898

O trübe diese Tage nicht

 

O trübe diese Tage nicht,

Sie sind der letzte Sonnenschein,

Wie lange, und es lischt das Licht

Und unser Winter bricht herein.

 

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag

Viel Tage gilt in seinem Wert,

Weil man's nicht mehr erhoffen mag,

Dass so die Stunde wiederkehrt.

 

Die Flut des Lebens ist dahin,

Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,

Und sieh, es schleicht in unsern Sinn

Ein banger, nie gekannter Geiz;

 

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt

Und jede prüft auf ihren Glanz –

O sorge, dass uns keine fehlt,

Und gönn' uns jede Stunde ganz.

 

 

 

Matthew Doubleday,

A Path through the Wood, Autumn
Matthew Doubleday (ca.1828-1900) war ein britischer Maler.
 

Georg Trakl 1887-1914

Verklärter Herbst

 

Gewaltig endet so das Jahr

Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.

Rund schweigen Wälder wunderbar

Und sind des Einsamen Gefährten.

 

Da sagt der Landmann: Es ist gut.

Ihr Abendglocken lang und leise

Gebt noch zum Ende frohen Mut.

Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

 

Es ist der Liebe milde Zeit.

Im Kahn den blauen Fluß hinunter

Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -

Das geht in Ruh und Schweigen unter.

 

Myles Birket Foster, Burnham Beeches
Myles Birket Foster (1825-1899) war ein populärer englischer Zeichner, Illustrator und Maler des Viktorianischen Zeitalters.

sechs japanische haiku

 

 

Bashô 1643-1694

 

Auf blattlosem Ast

Sitzt allein eine Krähe;

Herbstlicher Abend.

 

*

 

Im Sturm des Herbstes

Zerbrochen und so traurig

Der Maulbeerstrauch dort.

 

 

Kobayashi Issa 1763-1827

 

Als Muschelschale

Kommt aus den Bergen heraus

Der Mond des Herbstes!

 

 

Yosa Buson 1715-1783

 

Auch die Einsamkeit

ist manchmal etwas Schönes -

ah, der Herbstabend!

 

 

Shiki 1867-1912

 

Auch der Mond ist da -

Chrysanthemen, gelb und weiß -

Herbstes Ende naht.

 

*

 

Wie der Herbstwind weht!

Doch wir beide leben noch,

beide, du und ich.

 

 

Jekaterina Fjodorowna Junge, Fall Day in the Lefortovo Palace Garden in Moscow, 1892
Jekaterina Fjodorowna Junge (1843-1913) war eine russische Landschafts-, Genre- und Porträtmalerin der Düsseldorfer Schule.

 

 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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