BuchKult
BuchKult

Matthäus

Mt 26 36 Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete! 37 Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst 38 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!  39 Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.

 

 

William Dyce, The Garden of Gethsemane
William Dyce (1806-1864) war ein schottischer Maler.
 

 

Béla Iványi-Grünwald, Christ in Garden Getsemane, 1903
Béla Iványi-Grünwald (1867-1940) war ein ungarischer Maler.
 

 

Hippolyte Lazerges,

Le Christ cheminant dans le jardin des Oliviers,
Jean Raymond Hippolyte Lazerges (1817–1887) war ein französischer Maler.
 

Mt 26 40 Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? 41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. 42 Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille.

 

 

Hans Multscher, Jesus am Ölberg, Innenseite des Wurzacher Altars, links oben, Ausschnitt
Hans Multscher (um 1400-1467) war ein deutscher Bildhauer und Maler.
 

Giovanni Bellini, Agony in the Garden, 1469
Giovanni Bellini (um 1437-1516), auch Giambellino, war ein venezianischer Maler.Zusammen mit seinem Bruder Gentile begründete er die venezianische Malerschule der Frührenaissance.

 

Sandro Botticelli, Christ in the Garden Gethsemane, ca.1500
Sandro Botticelli (1445-1510), gen. Botticelli, war einer der bedeutendsten italienischen Maler und Zeichner der frühen Renaissance.
 

Mt 26 43 Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. 44 Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. 45 Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.

 

 

Pieter Coecke van Aelst, Agony in the Garden
Pieter Coecke van Aelst (1502-1550) war ein flämischer Maler.

Caravaggio, Christ on the Mount of Olives
Caravaggio, Michelangelo Merisi (1571-1610), nach dem Herkunftsort seiner Eltern kurz Caravaggio genannt, war ein bedeutender italienischer Maler des Frühbarocks.

 

Lucas Cranach der Ältere  & Werkstatt, Christus am Ölberg (Museum Kunstpalast)
Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) war einer der bedeutendsten deutschen Maler, Grafiker und Buchdrucker der Renaissance.
 

Markus

Mk 14 32 Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, während ich bete! 33 Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst 34 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!

 

 

Gustave Moreau, Christ in the garden
Gustave Moreau (1826-1898) war ein französischer Maler und Zeichner des Symbolismus.
 

Paul Gauguin, Christus am Ölberg, 1889
Eugène Henri Paul Gauguin (1848-1903) war ein einflussreicher französischer Maler.

 

Émile Bernard, Yellow Christ
Émile Bernard (1868-1941) war ein französischer Maler, Grafiker, Kunsttheoretiker und Romanautor.
 

Mk 14 35 Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. 36 Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst.

 

Meister des Nürnberger Marienaltars, Gebet am Ölberg

 

Nicolaus Haberschrack,

Gebet am Ölberg
Nicolaus Haberschrack (poln. Mikolaj Haberschrack) war im Zeitraum von ca.1454 bis 1486 als Maler und Bildhauer in Krakau tätig, damals Sitz des polnischen Königs. Er gehörte zu den etablierten und führenden Malern der Hauptstadt Polens der damaligen Zeit.
 

Sassetta, Agony in the Garden, Detroit, Institute of Arts
Il Sassetta, eigentlich Stefano di Giovanni di Consolo da Cortona (* um 1400-1450) war ein italienischer Maler in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, einer der bedeutendsten Künstler der Schule von Siena.

Mk 14 37 Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? 38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

 

 

Juan de Flandes, La oración del Huerto, Museo del Prado
Juan de Flandes, auch bekannt als Johannes von Flandern (1465-1519), war ein niederländischer Maler, der überwiegend in Spanien von 1496 bis 1519 wirkte.
 

Andrea Mantegna, La Prière au Jardin des Oliviers
Andrea Mantegna (1431-1506) war ein italienischer Maler und Kupferstecher.

Paolo Veronese, Christ in the Garden of Gethsemane, 1583-84
Paolo Veronese (1528-1588) war ein italienischer Maler.

Mk 14 39 Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worten. 40 Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

 

 

Flügelaltar Gampern, Ölberg

 

Santi di Tito,

Orazione nell'orto del getsemani, 1593
Santi di Tito (1536-1603), früher auch Sante Titi genannt, war ein italienischer Maler und Architekt.
 

Fernando Gallego, Oracion del huerto, University of Arizona Museum of Art
Fernando Gallego (Gallegos, um 1440 - nach 1507) war ein spanischer Maler zwischen der Spätgotik und Frührenaissance.
 

Mk 14 41 Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; siehe, jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert. 42 Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.

 

Archip Kuindschi, Christ in the Garden of Gethsemane, 1901
Archip Iwanowitsch Kuindschi (1841-1910) war ein russischer Maler des Realismus.

 

Nikolai Ge, Christus betritt mit seinen Jüngern den Garten Gethsemane, 1888
Nikolai Nikolajewitsch Ge (1831-1894) war ein russischer Maler. Er wurde vor allem bekannt als Maler historischer Gemälde sowie als Porträtmaler.Seine Werke sind dem Realismus zuzuordnen.
 

Wassili Perow, Christus im Garten von Gethsemane, 1878
Wassili Grigorjewitsch Perow (1833-1882) war ein russischer Maler.

Lukas

Lk 22 35 Dann sagte Jesus zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein. 36 Da sagte er zu ihnen: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer dies nicht hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich ein Schwert kaufen.

 

 

Hans Holbein der Jüngere, Passionsaltar, linke äußere Tafel, obere Szene
Hans Holbein der Jüngere (1497 oder 1498-1543) war ein deutscher Maler.
 

Wolf Huber, Le Christ au Mont des Oliviers, München, Alte Pinakothek
Wolf Huber (um 1485-1553) war ein österreichisch-deutscher Maler, Zeichner und Baumeister der Renaissance.

 

Friedrich Overbeck, Christus am Ölberg
Johann Friedrich Overbeck (1789-1869) war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator.

Lk 22 37 Denn ich sage euch: An mir muss sich erfüllen, was geschrieben steht: Er wurde zu den Gesetzlosen gerechnet. Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung. 38 Da sagten sie: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Genug davon! 39 Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm.

 

 

Albrecht Dürer, Agony in the Garden
Albrecht Dürer (1471-1528) der Jüngere (auch Duerer) war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker.Mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten zählt er zu den herausragenden Vertretern der Renaissance.
 

El Greco, Christus am Ölberg
El Greco ("der Grieche" 1541-1614) eigentlich Domínikos Theotokópoulos war ein Maler griechischer Herkunft und Hauptmeister des spanischen Manierismus und der ausklingenden Renaissance.

 

Francisco Goya, Christ on the Mount of Olives, 1819
Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) war ein spanischer Maler und Grafiker des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts
 

Lk 22 40 Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! 41 Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: 42 Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.

 

 

Hans Herbst, Christus am Ölberg
Hans Herbst (1470-1552) war ein Schweizer Maler.

 

Gyula Benczúr,

Christ on the Mount of Olives, 1919
Gyula Benczúr (1844-1920) war ein ungarischer Maler.
 

 

Knut Magnus Enckell, Gethsemane, Finnish National Gallery
Knut Magnus Enckell (1870-1925) war ein finnischer Maler.
 

Lk 22 43 Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. 45 Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. 46 Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!

 

 

Maria Laach am Jauerling, Kirche Flügelaltar, Ölberg

Benvenuto di Giovanni, The Agony in the Garden
Benvenuto di Giovanni (eigentlich Benvenuto di Giovanni di Meo del Guasta, 1436 - zwischen 1509 und 1518) war ein italienischer Maler.

 

 

 

 

 

 

 

Lorenzo Monaco, Le Christ au Jardin des Oliviers, Florence, Galleria dell' Accademia
Lorenzo Monaco (um 1370 - um 1425) war ein italienischer Maler der Frührenaissance.
 

Drei Gedichte zu Gethsemani

Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848

Gethsemane

 

Als Christus lag im Hain Gethsemane

auf seinem Antlitz mit geschloss’nen Augen, –

die Lüfte schienen Seufzer nur zu saugen,

und eine Quelle murmelte ihr Weh,

des Mondes blasse Scheibe widerscheinend, –

das war die Stunde, wo ein Engel weinend

von Gottes Throne ward herabgesandt,

den bittern Leidenskelch in seiner Hand.

 

Und vor dem Heiland stieg das Kreuz empor;

daran sah seinen eignen Leib er hangen,

zerrissen, ausgespannt; wie Stricke drangen

die Sehnen an den Gliedern ihm hervor.

Die Nägel sah er ragen und die Krone

auf seinem Haupte, wo an jedem Dorn

ein Blutestropfen hing, und wie im Zorn

murrte der Donner mit verhaltnem Tone.

Ein Tröpfeln hört‘ er; und am Stamme leis

herniederglitt ein Flimmern qualverloren.

Da seufzte Christus, und aus allen Poren

drang ihm der Schweiß.

 

Und dunkel ward die Nacht, im grauen Meer

schwamm eine tote Sonne, kaum zu schauen

war noch des qualbewegten Hauptes Grauen,

im Todeskampfe schwankend hin und her.

Am Kreuzesfuße lagen drei Gestalten;

er sah sie grau wie Nebelwolken liegen,

er hörte ihres schweren Odems Fliegen,

vor Zittern rauschten ihrer Kleider Falten.

O welch ein Lieben war wie seines heiß?

Er kannte sie, er hat sie wohl erkannt;

das Menschenblut in seinen Adern stand,

und stärker quoll der Schweiß.

 

Die Sonnenleiche schwand, nur schwarzer Rauch,

in ihm versunken Kreuz und Seufzerhauch;

ein Schweigen, grauser als des Donners Toben,

schwamm durch des Äthers sternenleere Gassen;

kein Lebenshauch auf weiter Erde mehr,

ringsum ein Krater, ausgebrannt und leer,

und eine hohle Stimme rief von oben:

»Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen!«

Da weinte Christus mit gebrochnem Munde:

»Herr, ist es möglich, so laß diese Stunde

an mir vorübergehn!«

 

Ein Blitz durchfuhr die Nacht; im Lichte schwamm

das Kreuz, o strahlend mit den Marterzeichen,

und Millionen Hände sah er reichen,

sich angstvoll klammernd um den blut’gen Stamm,

o Händ‘ und Händchen aus den fernsten Zonen!

Und um die Krone schwebten Millionen

noch ungeborner Seelen, Funken gleichend;

ein leiser Nebelhauch, dem Grund entschleichend,

stieg aus den Gräbern der Verstorbnen Flehn.

Da hob sich Christus in der Liebe Fülle,

und: »Vater, Vater,« rief er, »nicht mein Wille,

der deine mag geschehn!«

 

 

Carl Heinrich Bloch, Gethsemane
Carl Heinrich Bloch (1834-1890) war ein dänischer Maler.
 

Detlev von Liliencron 1844-1909

Legende

 

Ev. Matthäi 26, 36-45

 

Als der Herr in Gethsemane

Auf Knieen lag im schwersten Weh,

Als er sich hob, nach den Jüngern zu schauen,

Ließ er die Thränen niedertauen:

Er fand sie schlafend, und mit den Genossen

Hatte selbst Petrus die Augen geschlossen.

Zum zweiten Mal sucht er die Seinen dann,

Die liegen noch immer in Traumes Bann.

Und zum Dritten, allein im Schmerz,

Zeigt er Gott das kämpfende Herz.

Die heilige Stirn wird ihm feucht und naß,

"Mein Vater, ist es möglich, daß ..."

Und durch ein Gartenmauerloch

Schlüpft ein zottig Hündchen und kroch

Dem Heiland zu Füßen und schmiegt sich ihm an,

Als ob es ihm helfen will und kann.

Und der Herr hat mild lächelnd den Trost gespürt,

Und er nimmt's und drängt's an die Brust gerührt

Und muß es mit seiner Liebe umfassen,

Die Menschen hatten ihn verlassen.

 

Andrea Mantegna, Agony in the Garden
Andrea Mantegna (1431-1506) war ein italienischer Maler und Kupferstecher.

Richard Dehmel 1863-1920

Gethsemane

 

Lautlos steht der starre Hain der Palmen,

tiefe Schatten schaun aus Busch und Halmen,

ihre blauen Thränen weint die Nacht.

Nur von dumpfen Menschenlauten schauert

der verstummte starre Hain, und schauert;

einsam stöhnt und stöhnt und trauert

auf den Knien ein Mann in Betteltracht.

 

Höre, höre, Geist der Wahrheit,

meinen Zwiespalt, meine dunkle Schuld:

der ich wandelte in Kampf und Starrheit,

Liebe lehrt'ich und Geduld.

Ach! ein Baum, der Licht gab, wollt'ich leben,

übermächtig der Natur;

nur mein Glaube war mir Leben.

Ach, sie sahn nicht auf mein Streben,

sahn die That, des Baumes Schatten nur.

 

Uebermenschlich hab'ich mich vermessen,

und sie haben fromm gemeint:

Ich, ich lebte selbstvergessen.

Einer, Er nur - Judas! Freund!

warum willst du mich verraten?!

O zertrennte mich doch mein Gebet,

daß ich zwiefach lebte Wort und Thaten,

Menschen menschlich irrend zu beraten,

auch dem Zweifel ein Prophet!

 

Und zum Mond die Arme wild gebreitet

und die Augen in die Nacht geweitet,

läßt er seine dunkeln Blicke irr'n.

Und er sieht die Schaaren seiner Qualen,

durch das Dickicht brechen bleiche Stralen,

und sie bohren ihm die fahlen

Dolche gierig in die glühende Stirn.

 

Wehe, wehe, Geist der Liebe:

voller Reinheit schwebst du klar und hoch,

doch dein Pfad ist Nacht und kalt und trübe,

und mich kettete die Erde doch!

 

Schwerter stieß ich in die weichsten Herzen:

Allen wollt'ich liebend glühn,

aber meiner Mutter mach'ich Schmerzen

und mit sehnsuchtwundem Herzen

weint um mich die Magdalenerin.

 

Nackt und bloß, und nur ein Menschensohn,

wollt'ich trösten all mein arm Geschlecht;

doch im Mitleid glimmt die Rache schon,

auch der Reichste hat auf Liebe Recht!

Judas, Judas, kommst du mich zu richten?

ist Entsagung, ist Gewalt mein Loos?

Muß denn diese Welt sich erst vernichten,

um das Reich des Friedens aufzurichten?

Freiheit, lebst du im Gewissen blos?!

 

Und verzagt aufs Antlitz hingezwungen,

spürt er heftiger die Anfechtungen,

seine zarte Stirne trieft von Schweiß.

Und er fühlt wie Blut die großen Tropfen

von den Schläfen in die Gräser tropfen,

seine brennenden Pulse klopfen

an die Erde hart und laut und heiß.

 

Geist des Lebens: Klarheit, Klarheit!

wird denn Sieg um Opfer nur gewährt?

Sieh, es kommt der Jünger Meiner Wahrheit:

hier der Todesbecher, hier das Schwert!

Selig, meiner Inbrunst mich zu töten,

eine Lebensleuchte wollt'ich stehn,

aber jetzt in Todesnöten

sieh mich zittern, sieh mich beten:

laß den Kelch an mir vorübergehn!

 

Allzu willig war mein Fleisch dem Geist!

weh: entbrächen meines Glaubens Gluten.

Sollen Tausend um mich Einen bluten?

Wer nach Meinem Wandel lebt, verwaist.

Nein, ich fühl es: nicht wie Ich will, Vater,

dunkler Geist, der alle Seelen speist,

allen Fleisches Schöpfer und Berater,

Du des Lebens, Du des Todes Vater,

Deiner Hand befehl ich meinen Geist!

 

Und er horcht, und sieht die Nacht erglühen,

starrer stehn die Bäume, Fackeln sprühen

auf, und dumpfe Menschenlaute nahn.

Und verzückt den Seherblick gehoben,

steht und hört er seine Häscher toben,

und ein Lächeln schluchzt nach Oben:

Judas, komm! ich schreite nur voran -

 

George Richmond, The Agony in the Garden
George Richmond (1809-1896) war ein englischer Maler und Porträtist.
 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

Druckversion Druckversion | Sitemap
© BuchKult