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     Wohl kaum ein modisches Accessoire findet in der Malerei mehr Beachtung als der rote Sonnenschirm, wobei auch an sein Schlechtwetter-Pendant – den Regenschirm – bei der Bildauswahl gedacht wurde. Ist es doch nicht immer offensichtlich, ob wir es mit dem Einen oder dem Anderen zu tun haben. Parapluies lassen sich auch als Parasols nutzen (z.B. bei Franz Lenbach) wobei insbe-sondere soziale Unterschiede eine Rolle spielen: eine klein-bäuerliche Familie wird kaum über einen Sonnenschirm verfügt haben, da musste - falls vorhanden - der Regenschirm im Bedarfsfall herhalten.

      Der Schutz vor den Unbilden von Klima und Wetter ist in beiden Fällen wesentlich. Lediglich Material und Design können Ausschluss darüber geben, ob das Gerät gegen Regen, Schnee oder Sonne schützen soll. Schirme mit einer Bespannung aus Papier oder die modischen Winzlinge (s.u.) sind wenig für den Einsatz gegen Niederschläge geeignet.

 

 

Eine Galanterie Händlerin, Augsburg, Maximilianmuseum

     

      Während der Regenschirm meist einfach und einfarbig daherkommt (s. Hugo Wilhelm Kauffmann, Emily Mary Osborn u.a.), ist ein modisches Design beim Sonnenschirm offenbar wichtiger. Wenn’s Hunde und Katzen regnet, ist eh nur der auf der Straße, der es sein muss und die Frage des Gesehen-Werdens ist zweitrangig. Lacht jedoch die Sonne vom Himmel siegt das Design über das Sein. Der Schirm wird vom Gerät zum Accessoire, zur modischen Unterstützung sozialer und individueller Selbstdarstellung.

      Gleichwohl bestimmen die Uni-Farbigen auch hier die Szene, Muster sind Ausnahme (s. Albert Fourié oder Edward Okun). Es wirkt eher das Gesamtbild von Kleidung und Zubehör (s. James Ensor, James Tissot, Alfred Hartley oder Jules-Émile Saintin) das den gesellschaftlichen und individuellen Unterschied ausmacht. Es sind die großen Gartenschirme (wie z.B. bei Frederick Carl Frieseke oder Aimé Moro), die mit entsprechender Gestaltung von Reichtum und gesellschaftlicher Stellung der Besitzer künden.

 

 

Henri Meyer, Capoul dans Paul et Virginie

Jacques Meyer (1841-1899), bekannt als Henri Meyer und Reyem, war ein französischer Karikaturist und Illustrator.

      Apropos Größe, den manchmal lächerlich kleinen Schirmen der eleganten Damen (s. Erhard Amadeus Dier, Francesco Miralles Galup, Thomas Eakins oder Juan Cordero) stehen die großen Schirme der eher bäuerlichen und kleinbürgerlichen Bevölkerung gegenüber (Friedrich Friedländer, Hugo Wilhelm Kauffmann oder Franz Lenbach), die mehr als einer Person Schutz bieten konnten und bei denen die Funktion im Vordergrund stand.

      Ansonsten findet sich ein (rotbuntes) Sammelsurium an Schirmen. Natürlich kennt die Kunstgeschichte auch Schirme in anderen Farben, aber der rote Schirm ist schon überproportional präsent. Bei der Auswahl der Bilder wurde der Begriff „rot“ sehr weit gefasst: vom zarten rosé, über orange und signalrot bis bordeaux- und dunkelrot. Auch sollte rot schon einen gewichtigen Anteil an mehrfarbigen Schirmen ausmachen.

      Hinsichtlich der Präsens des Objektes unterscheiden sich die Bilder stark voneinander: vom das Format dominieren-den Bild-Element (etwa bei Laureà Barrau, Max Pechstein, Paul Prosper Tillier) bis zum fast verschwindenden roten Punkt, der dann aber sehr zentral gesetzt ist (etwa bei Heinrich Gogarten oder Gottfrid Kallstenius), überwiegend aufgespannt aber auch zusammengeklappt, vom Solisten bis zum geselligen Miteinander mehrerer Schirme - der Rote meist primus inter pares - reichen die Darstellungen. Oft von Frauen oder Kindern getragen, sind es aber auch Männer - und hier vorzugsweise geistliche Herren – die sich mit dem roten Schirm schmücken.

      Neben einigen Ausnahmen mit gefahrvollen Motiven (Charles Edward Conder, Louis-Roland Trinquesse, Jean-Georges Vibert und Joaquín Xaudaró) vermitteln die Bilder meist ruhige Gelassenheit, Selbstwertgefühl und Sicherheit. Auffallend ist ein oft amourös-erotischer Unterton, etwa beim Lesen eines (Liebes)briefs (z.B. bei Alexander Mark Rossi, Nikolay Bogdanov-Belsky, Antal Neogrady) oder bei einem heimliches Tête-à-Tête bei Joseph Bail, Constant Cap und Jean-Honoré Fragonard.

 

 

Mama Ocllo,

Peru, circa 1840,

San Antonio

Museum of Art

      Die Darstellung ist alphabetisch nach Künstlernamen gegliedert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Urheberecht schränkt die Auswahl auf Künstler ein, die mindestens 70 Jahre tot sind, bzw. bei denen ein entspre-chendes Veröffentlichungsrecht existiert. Die Angaben zu den Lebensdaten der Künstler sind Wikipedia entnommen.

      Auf Seite 6 finden sich nach den Malerei-Abbildungen noch einige Varia (Ansichtskarten und ähnliches) sowie ein paar Fotos mit Street-Art zum Thema.


 

 

Varela de Seijas, Nuevo Mundo, 1919

Enrique Varela de Seijas (?-1930) war ein spanischer Illustrator.

 

Seite 1

von

Ludovic René Alleaume

bis

Pierre Carrier-Belleuse

Seite 2

von

Frantz Charlet

bis

Grigory Gagarin

Seite 3

von

François Gall

bis

Jacqueline Marval

Seite 4

von

Arthur Joseph Meadows

bis

Val Prinsep

Seite 5

von

José García Ramos

bis

Paul Prosper Tillier

Seite 6

von

James Tissot

bis

Eugenio Zampighi

Seite 7

 

Nachträge

 

 

 

Der Rote Regenschirm

- das weltweite Symbol der Bewegung für die Rechte der SexarbeiterInnen

 

      Seit 2001 ist der Rote Regenschirm das weltweite Symbol der Bewegung für die Rechte der SexarbeiterInnen. Es entstand als Symbol der Bewegung vom 6. bis 8. Juni 2001 in Italien während der 49. Biennale der Kunst in Venedig. Sexarbeiterinnen aus verschiedenen Ländern (Taiwan, Thailand, Italien, Kambodscha, Deutschland, USA und Österreich) versammelten sich zu einer Veranstaltung, die teilweise vom Comitato per i Diritti Civili delle Prostitute aus Pordenone organisiert wurde, und marschierten mit roten Regenschirmen durch die Straßen Venedigs.

      Der sogenannte Weltkongress der Sexarbeiterinnen nahm an einer Kunstinstallation des slowenischen Künstlers Tadej Pogachar teil. Dies wurde in einem öffentlichen Bereich in Giardini unter einem Zelt namens "Prostituiertenpavillon" eingerichtet. Aktivisten organisierten Videoprojektionen, Ausstellungen, Performances, Straßentheater und die Verteilung von Drucksachen. Die italienische Sexarbeiterin Pia Covre motivierte die Verwendung roter Regenschirme für den Marsch:

    "Wir mussten die Stadt von der Biennale bis zur Ausstellung der Kunstgalerie durchqueren, also dachten wir, die Durchquerung der Stadt mit einem roten Regenschirm würde uns sichtbar machen. Venedig ist voller Touristen, deshalb wollten wir für den Rest der Menschen auf den Straßen sichtbar sein".

      Später wurden andere Erklärungen gegeben. Für einige Sexarbeiterinnen ist Rot die Farbe der Liebe, während andere angeben, dass der Regenschirm Schutz symbolisiert.

      Im Oktober 2005 wurde während der Brüsseler Konferenz der europäischen Sexarbeiterinnen der rote Regenschirm erneut als Symbol verwendet. Das europäische Netzwerk ICRSE hat es schließlich übernommen und wird heute in den meisten Teilen der Welt eingesetzt.

Infobroschüre der Arbeitsgruppe Prostitution Unterarbeitsgruppe der Task Force Menschenhandel Minoritenplatz 3 1010 Wien
sexwork_info_broschuere_deutsch.pdf
PDF-Dokument [730.8 KB]

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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