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Wie mag in einem rechten Sturm

ein Baum zum Gefühl seiner selbst kommen!

Wie wunderbar ist eine Birke im Sturm!

Wie göttlich graziös!

Wie unsagbar malerisch!

Christian Morgenstern 1871-1914

 

 

Franz von Lenbach, Gewitterstimmung
Franz Seraph von Lenbach, seit 1882 Ritter von Lenbach, (1836-1904) war ein deutscher Maler.
 

Benjamin Williams Leader, Through the Barley
Benjamin Williams Leader (1831-1923) war ein englischer Landschaftsmaler.
 

Fritz Overbeck, Gewittertag, 1900, Bremen
Fritz Overbeck (1869-1909) war ein deutscher Maler und Radierer.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Frühlings Tod

 

Warum, o Lüfte, flüstert ihr so bang?

Durch alle Haine weht die Trauerkunde,

Und störrisch klagt der trüben Welle Gang:

Das ist des holden Frühlings Todesstunde!

 

Der Himmel, finster und gewitterschwül,

Umhüllt sich tief, daß er sein Leid verhehle,

Und an des Lenzes grünem Sterbepfühl

Weint noch sein Kind, sein liebstes, Philomele.

 

Wenn so der Lenz frohlocket, schmerzlich ahnt

Das Herz sein Paradies, das uns verloren,

Und weil er uns zu laut daran gemahnt,

Mußt ihn der heiße Sonnenpfeil durchbohren.

 

Der Himmel blitzt, und Donnerwolken fliehn,

Die lauten Stürme durch die Haine tosen;

Doch lächelnd stirbt der holde Lenz dahin,

Sein Herzblut still verströmend, seine Rosen.

 

Willem Roelofs, Landschaft mit nahenden Sturm, 1850, Rijksmuseum Amsterdam
Willem Roelofs (1822-1897) war ein niederländischer Landschaftsmaler, Aquarellist, Radierer, Zeichner, Lithograph und Entomologe.

Albert Bierstadt, Aufziehendes Gewitter im Tal
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

Désiré François Laugée, Frauen auf dem Felde
Désiré François Laugée (1823-1896) war ein französischer Genre- und Historienmaler.

Georg Trakl 1887-1914

Sommer

 

Am Abend schweigt die Klage

des Kuckucks im Wald.

Tiefer neigt sich das Korn,

der rote Mohn.

 

Schwarzes Gewitter droht

über dem Hügel.

Das alte Lied der Grille

erstirbt im Feld.

 

Nimmer regt sich das Laub

der Kastanie.

Auf der Wendeltreppe

rauscht dein Kleid.

 

Stille leuchtet die Kerze

im dunklen Zimmer;

eine silberne Hand

löschte sie aus;

 

windstille, sternlose Nacht.

 

 

Hans Thoma, Stille vor dem Sturm
Hans Thoma (1839-1924) war ein deutscher Maler und Grafiker.
 

Nikolai Dubowski, Es ist still geworden. Vor dem Sturm, 1890, Russisches Museum
Nikolai Nikanorowitsch Dubowskoj (1859-1918) war ein russischer Landschaftsmaler.

Carl Busse 1872-1918

Vor dem Gewitter

 

Schwül drückte die Luft und der Tag versank,

Und die Lande lagen in Träumen,

Wie pochende Reue flüsterte bang

Der Thauwind in den Bäumen.

 

Kein Licht am Himmel, der Vollmond schlief

In dunklen Wolkengezelten,

Ein Vogel schwirrte, und geisterhaft rief

Sein Schrei durch die ängstlichen Welten.

 

Sonst hörtest du nichts; nur hier und da

Schwergehend ein Atemholen -

Wie Frauenhaarduft, betäubend und nah -

Von Rosen und Nachtviolen.

 

Zwei Fledermäuse flatterten grau,

Und hinter den thauwindgescheuchten,

Fliehenden Wolken, schweflig und blau,

Glühte ein Wetterleuchten.

 

Robert P. Archer, Approaching Storm, ca.1938
Robert P. Archer (1905-?) war ein US-amerikanischer Maler.

Bruce Crane, Impending Storm
Robert Bruce Crane (1857-1937) war ein US-amerikanischer Maler.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Schilflied

 

Sonnenuntergang;

Schwarze Wolken ziehn.

O wie schwül und bang

Alle Winde fliehn!

 

Durch den Himmel wild

Jagen Blitze, bleich;

Ihr vergänglich Bild

Wandelt durch den Teich.

 

Wie gewitterklar

Mein ich dich zu sehn

Und dein langes Haar

Frei im Sturme wehn!

 

Albert Bierstadt, Bayerische Landschaft
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

Carl Blechen, Die Bucht von Rapallo
Carl Eduard Ferdinand Blechen (1798-1840) war ein deutscher Landschaftsmaler und Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie der Künste.

Hedwig Lachmann 1865-1918

Schwermut

 

Mir ist, wie wenn in einer Sommernacht

Die Menschen schweigsam in den Lauben sitzen.

Die Luft ist schwer. Ein Wolkenhimmel dacht

Sich über ihnen. Und die Fernen blitzen.

 

Sie fragen in die Höh: Kommt wohl ein Sturm?

Und legen spät sich und bekümmert schlafen.

Und lauschen oft gepresst, ob nicht vom Turm

Ihr Ohr im Halbschlaf Glockenklänge trafen.

 

George Morland, Vor dem Gewitter
George Morland (1763-1804) war ein englischer Maler.

Eugène Boudin, Ciel d'orage sur l'estuaire du Havre, Le Havre, Musée d'Art Moderne
Eugène Boudin (1824-1898) war ein französischer Maler, Vorläufer des Impressionismus und einer der ersten Freilichtmaler.

Joseph Freiherr von Eichendorff

Wetterleuchten

 

Wetterleuchten fern im Dunkeln;

Wunderbar die Berge stehn,

Nur die Bäche manchmal funkeln,

Die im Grund verworren gehn.

 

Und ich schaue froh erschrocken,

Wie in eines Traumes Pracht,

Schüttle nur die dunklen Locken, –

Deine Augen sind die Nacht.

 

Iwan Choultsé, A storm on the horizon
Iwan Fedorowitsch Choultsé (1874-1939) war ein Maler des russischen Realismus.

Georges Michel, Gathering Storm
Georges Michel (1763-1843) war ein französischer Landschaftsmaler.

Joachim Winterfeld von Damerow 1873-1934

Heraufziehendes Gewitter

 

Erd' und Himmel, grell besonnt,

sind bedrängt von dumpfem Glühen.

Tief am flimmernden Horizont

wächst ein bleiches Blühen.

 

Brünstiger Atem wiegt und wellt

raschelnde Ähren, die reifensmatten.

Über dem jäh erblassenden Feld

ziehende Wolkenschatten.

 

Zögernd schwindet der Sonnenglast,

reglos stehen die Roggenschläge.

Unter der finsteren Wolkenlast

bleichen die Weiden am Wege.

 

Weiß in die grollende Wetternacht

flatternde Schmetterlinge,

wie Gebetlein angstentfacht,

so kleinlaut und geringe.

 

George Inness, Landscape with Sheep, 1858
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Jens Juel, A Storm brewing behind a Farmhouse in Zealand, 1795
Jens Jørgensen Juel (1745-1802) war ein dänischer Maler.

Nikolaus Lenau 1802-1850

Das Gewitter

 

Noch immer lag ein tiefes Schweigen

Rings auf den Höhn; doch plötzlich fuhr

Der Wind nun auf zum wilden Reigen,

Die sausende Gewitterspur.

 

Am Himmel eilt mit dumpfem Klange

Herauf der finstre Wolkenzug:

So nimmt der Zorn im heißen Drange

Den nächtlichen Gedankenflug.

 

Der Himmel donnert seinen Hader;

Auf seiner dunklen Stirne glüht

Der Blitz hervor, die Zornesader,

Die Schrecken auf die Erde sprüht.

 

Der Regen stürzt in lauten Güssen;

Mit Bäumen, die der Sturm zerbrach,

Erbraust der Strom zu meinen Füßen; –

Doch schweigt der Donner allgemach.

 

Christian Morgenstern, Aufkommendes Gewitter über dem Starnberger See
Christian Ernst Bernhard Morgenstern (1805-1867) war ein deutscher Landschaftsmaler.

Georges Michel, Gewitterlandschaft, Kunsthistorisches Museum
Georges Michel (1763-1843) war ein französischer Landschaftsmaler.

Anna Ritter 1865-1921

Ich wollt', ich wär' des Sturmes Weib

 

Ich wollt', ich wär' des Sturmes Weib,

Es sollte mir nicht grausen,

Auf Felsenhöhen wohnt ich dann,

Dort, wo die Adler hausen.

 

Die Sonne wäre mein Gespiel,

Die Winde meine Knappen,

Mit dem Gemahl führ' ich dahin

Auf flücht'gem Wolkenrappen.

 

Frei würd' ich sein und stolz und groß,

Die Königin der Ferne,

Tief unter mir die dumpfe Welt

Und über mir die Sterne!

 

Martin Johnson Heade, Approaching Thunder Storm, 1859
Martin Johnson Heade (1819-1904) war ein US-amerikanischer Maler.

Isaak Lewitan, In the Vicinity of the Savvino-Storozhevsky Monastery
Isaak Iljitsch Lewitan (1860-1900) war einer der bedeutendsten russischen Maler des Realismus.

Karl Friedrich Gottlob Wetzel 1779-1819

Ungewitter

 

Horch und sieh! Die Blitze dröhnen

Und die dumpfen Täler stöhnen,

Die Natur im Fiebertraum

Wälzt Gewitter durch den Raum.

Wenn mich das Gewirr umschauert,

In der Luft der Zufall kauert,

Mahnt ein Götterbote mich:

"Daß du Mensch bist, freue dich!

Sollen all' die Graungewalten

Zur Bedeutung sich gestalten,

Müssen sie, dir untertan,

Deiner Macht sich schmiegen an.

Du nur schaffst durch dein Beraten

Dieses Wurfspiel um zu Taten,

Hauchst in den verworrnen Drang

Sprache, Geist und Seelenklang!"

 

Fjodor Wassiljew, Before a thunderstorm
Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew (1850-1873) war ein russischer Maler.

George Inness, The Lonely Farm, Nantucket, Art Institute of Chicago
George Inness (1825-1894) war ein amerikanischer tonalistischer Maler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Ebenengewitter

 

So löst sich denn die Spannung schwer.

Erfüllt ist, was wir baten:

Vom Himmel rauscht ein breites Meer

Auf durstig-dürre Saaten.

 

Und herrlich stürzt ein Donnerkeil

Sein Siegel auf all den Segen.

O Frucht, nun reifst du wieder heil

Dem hohen Herbst entgegen.

 

unbekannter amerikanischer Maler, Thunderstorm

Fjodor Wassiljew, The gust of wind
Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew (1850-1873) war ein russischer Maler.

August Stramm 1874-1915

Gewitter

 

Schwarz fletscht in Weiß

Die blauspielfrohen Dünste starren hagelgelb.

Helle flackert

Täubt zu Boden.

Wüten

Steinigt

Schlossen!

Tottoll krallet um die Nacht.

Matt aufadert Blau das Recken

Bebet bäumet

Wuchtet

Hebt sich

Stemmt die Fäuste

Hartscharfkantig

Schellet Wolken

Hellet Ängste

Steht und streckt sich

Packt das Gurgeln

Und zerwürgt es

Nach ihm stürzend

Sich verbeißend

Kollernd rollend

In

Die

Leere!

Augen

Schleiern auf und schluchzen!

Tränen

Wellen

Lösen

Schrecken!

Lichter

Grellen

Hoch im Bogen!

Klänge

Schwingen

Freie

Starke

Sonnsiegklänge!

 

Paul Huet, Le retour du Grognard
Paul Huet (1803-1869) war ein französischer Maler, Zeichner und Radierer.

 

Jens Juel, Tordenvejr i udkanten af en by, Statens Museum for Kunst
Jens Jørgensen Juel (1745-1802) war ein dänischer Maler. (Das Bild ist leider nicht in Farbe zu finden. FD)

Paul Zech 1881-1946

Wir ducken uns tief …

 

Endloser Regen rinnt und rinnt.

 

Nebel spannen im Schreiten

zitternde Saiten von Wind zu Wind.

 

Alle Weiten rauschen heran.

 

Und die Bäume stapfen ums Haus wie Riesen

und werfen Gewitter herein.

 

Wir ducken uns tief! Wir krümmen uns klein!

 

Und unser verschwistertes Hand in Hand

wird grau, wie ein einsamer Strand,

überschwemmt und verwiesen.

 

Victor Gabriel Gilbert, Caught in the storm
Victor Gabriel Gilbert (1847-1933) war ein französischer Maler.

Eugène Laermans, Fuyant l'orage
Eugène Jules Joseph Baron Laermans (1864-1940) war ein belgischer Maler.

Joseph Victor von Scheffel 1826-1886

 

Wenn im Tal und auf den Bergen

Mitternächtig heult der Sturm,

Klettert über First und Schornstein

Hiddigeigei auf zum Turm.

 

Einem Geist gleich steht er oben,

Schöner, als er jemals war.

Feuer sprühen seine Augen,

Feuer sein gesträubtes Haar.

 

Und er singt in wilden Weisen,

Singt ein altes Katerschlachtlied,

Das wie fern Gewitterrollen

Durch die sturmdurchbrauste Nacht zieht.

 

Nimmer hören ihn die Menschen,

Jeder schläft in seinem Haus,

Aber tief im Kellerloche

Hört erblassend ihn die Maus.

 

Und sie kennt des Alten Stimme,

Und sie zittert, und sie weiß:

Fürchterlich in seinem Grimme

Ist der Katerheldengreis.

 

Carl Blechen, Stormy Sea with Lighthouse
Carl Eduard Ferdinand Blechen (1798-1840) war ein deutscher Landschaftsmaler und Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie der Künste.

Jan van Goyen, The Thunderstorm, 1641
Jan Josephszoon van Goyen (1596-1656) war ein niederländischer Landschaftsmaler.

Christian Morgenstern 1871-1914

Mensch und Blitz

 

Nächtiges Gewitterlicht,

schütte rings um dieses Haus

deines Blendwerks Fülle aus,

doch es selber rühre nicht.

 

Denn in seinem Dunkel schläft,

der dich sein Geschwister heißt.

Blitze, wenn ihr diesen träft,

träft ihr Geist von eurem Geist.

 

Aelbert Cuyp, Gewitter über Dordrecht, ca. 1645
Aelbert Jacobsz. Cuyp (1620-1691) war einer der bedeutendsten niederländischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts.

Edvard Munch, The Storm, 1893
Edvard Munch (1863-1944) war ein norwegischer Maler und Grafiker des Symbolismus.

Gustav Schwab 1792-1850

Das Gewitter

 

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

In dumpfer Stube beisammen sind;

Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,

Großmutter spinnet, Urahne gebückt

Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl. –

Wie wehen die Lüfte so schwül!

 

Das Kind spricht: »Morgen ist Feiertag,

Wie will ich spielen im grünen Hag,

Wie will ich springen durch Tal und Höhn,

Wie will ich pflücken viel Blumen schön;

Dem Anger, dem bin ich hold!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Die Mutter spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Da halten wir alle fröhlich Gelag,

Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;

Das Leben, es hat auch Lust nach Leid;

Dann scheint die Sonne wie Gold!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Großmutter spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Großmutter hat keinen Feiertag,

Sie kochet das Mal, sie spinnet das Kleid,

Das Leben ist Sorg und viel Arbeit;

Wohl dem, der tat, was er soll!« –

Hört ihr’s, wie der Donner grollt?

 

Urahne spricht: »Morgen ist’s Feiertag,

Am liebsten morgen ich sterben mag;

Ich kann nicht singen und scherzen mehr,

Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer;

Was tu ich noch auf der Welt?« –

Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

 

Sie hören’s nicht, sie sehen’s nicht,

Es flammet die Stube wie lauter Licht:

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

Vom Strahl miteinander getroffen sind;

Vier Leben endet ein Schlag, –

Und morgen ist’s Feiertag.

 

Bierstadt, A Storm in the Rocky Mountains, Mt. Rosalie, 1866, Brooklyn Museum
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.

Walter Withers, The Storm
Walter Herbert Withers (1854-1914) war ein australischer Landschaftskünstler und ein Mitglied der Heidelberger Schule, der australischen Impressionisten.

Oskar Loerke 1884-1941

Gartengewitter

 

Nach dem Monde greift ein Spuk,

Und er flieht gekrümmt.

Schwüler, träger Quell entspringt

Rings im Laub und fließt.

 

Durch die Kiefernwipfel huscht

Feuermähn ins Gras.

Aus dem grünen Schrecken glühn

Säulen wilden Weins.

 

Und sie schnellen wie zum Dienst

In den Regendom,

Das Gewölbe kracht und birst,

Doch sie tragen wohl.

 

Dann webt volle Finsternis.

Nur, wo Straßen sind,

Flickt das Dunkel dort und hier

Eine goldne Naht.

 

Jules Laurens, Le chemin des sables à Fontainebleau, Effet d'orage, 1869, Montpellier, Musée Fabre
Jules Joseph Augustin Laurens (1825-1901) war ein französischer Maler, Radierer, Zeichner, Holzschneider und Schriftsteller.

Valerius de Saedeleer, Onweer boven Sint-Martens-Latem, MSK Gent
Valerius de Saedeleer (1867-1941) oder Valerius De Saedeleer war ein belgischer Landschaftsmaler.

Melanie Ebhardt 1879-1919

Gewitter

 

Die Tanne stöhnt und ächzt im Sturm,

Die starken Äste krachen,

Der Regen strömt, unheimlich schallt

Der Schrei der Eule durch den Wald

Wie wildes, schrilles Lachen.

 

Die Wolken ziehen grau und schwer,

Die grellen Blitze flammen,

Der Donner kracht, – dumpf rollt es nach –

Als bräche jäh beim nächsten Schlag

Die ganze Welt zusammen!

 

Doch wilder ist als Sturm und Wind

Mein sehnendes Verlangen!

Jäh, wie der Blitz die Nacht zerreißt,

Erscheint mein Glück vor meinem Geist,

Das gar zu schnell vergangen.

 

Und wenn der Wetterstrahl erlischt,

Scheint tiefer noch das Düster. –

Dein Nachglanz, Du verlor'nes Glück,

Enthüllt die Zukunft meinem Blick

Nur grauser noch und wüster!

 

Francisque Millet, Mountain landscape with lightning, ca.1675
Francisque Millet (1642-?1680), auch bekannt als Jean-François Milée oder Millet I, war ein flämisch-französischer Landschaftsmaler des Barock.

Maxim Worobjow, Oak, Struck by Lightning
Maxim Nikiforowitsch Worobjow (1787-1855) war ein russischer Landschaftsmaler der Romantik.

Conrad Ferdinand Meyer 1825-1898

Die Füße im Feuer

 

Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm

Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Roß

Springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust

Im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.

Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell

Und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann ...

 

"Ich bin ein Knecht des Königs, als Kurier geschickt

Nach Nîmes. Herbergt mich! Ihr kennt des Königs Rock!"

"Es stürmt. Mein Gast bist du. Dein Kleid, was kümmerts mich?

Tritt ein und wärme dich! Ich sorge für dein Tier!"

Der Reiter tritt in einen dunkeln Ahnensaal,

Von eines weiten Herdes Feuer schwach erhellt,

Und je nach seines Flackerns launenhaftem Licht

Droht hier ein Hugenott im Harnisch, dort ein Weib,

Ein stolzes Edelweib aus braunem Ahnenbild ...

Der Reiter wirft sich in den Sessel vor dem Herd

Und starrt in den lebendgen Brand. Er brütet, gafft ...

Leis sträubt sich ihm das Haar. Er kennt den Herd, den Saal ...

Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.

Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin

Mit Linnen blendend weiß. Das Edelmägdlein hilft.

Ein Knabe trug den Krug mit Wein. Der Kinder Blick

Hangt schreckensstarr am Gast und hangt am Herd entsetzt ...

Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.

 

"Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal!

Drei Jahre sinds ... Auf einer Hugenottenjagd ...

Ein fein, halsstarrig Weib ... 'Wo steckt der Junker? Sprich!'

Sie schweigt. 'Bekenn!' Sie schweigt. 'Gib ihn heraus!' Sie schweigt.

Ich werde wild. Der Stolz! Ich zerre das Geschöpf ...

Die nackten Füße pack ich ihr und strecke sie

Tief mitten in die Glut ... 'Gib ihn heraus!' ... Sie schweigt ...

Sie windet sich ... Sahst du das Wappen nicht am Tor?

Wer hieß dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr?

Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich." -

Eintritt der Edelmann. "Du träumst! Zu Tische, Gast ..."

 

Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht

Und er. Doch keins der Kinder spricht das Tischgebet.

Ihn starren sie mit aufgerißnen Augen an -

Den Becher füllt und übergießt er, stürzt den Trunk,

Springt auf: "Herr, gebet jetzt mir meine Lagerstatt!

Müd bin ich wie ein Hund!" Ein Diener leuchtet ihm,

Doch auf der Schwelle wirft er einen Blick zurück

Und sieht den Knaben flüstern in des Vaters Ohr ...

Dem Diener folgt er taumelnd in das Turmgemach.

 

Fest riegelt er die Tür. Er prüft Pistol und Schwert.

Gell pfeift der Sturm. Die Diele bebt. Die Decke stöhnt.

Die Treppe kracht ... Dröhnt hier ein Tritt? Schleicht dort ein Schritt? ...

Ihn täuscht das Ohr. Vorüberwandelt Mitternacht.

Auf seinen Lidern lastet Blei, und schlummernd sinkt

Er auf das Lager. Draußen plätschert Regenflut.

 

Er träumt. "Gesteh!" Sie schweigt. "Gib ihn heraus!" Sie schweigt.

Er zerrt das Weib. Zwei Füße zucken in der Glut.

Aufsprüht und zischt ein Feuermeer, das ihn verschlingt ...

"Erwach! Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!"

Durch die Tapetentür in das Gemach gelangt,

Vor seinem Lager steht des Schlosses Herr - ergraut,

Dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar.

 

Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut.

Zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad,

Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traume noch.

Friedselge Wolken schwimmen durch die klare Luft,

Als kehrten Engel heim von einer nächtgen Wacht.

Die dunkeln Schollen atmen kräftgen Erdgeruch,

Die Ebne öffnet sich. Im Felde geht ein Pflug,

Der Reiter lauert aus den Augenwinkeln: "Herr,

Ihr seid ein kluger Mann und voll Besonnenheit

Und wißt, daß ich dem größten König eigen bin.

Lebt wohl! Auf Nimmerwiedersehn!" Der andre spricht:

"Du sagsts! Dem größten König eigen! Heute ward

Sein Dienst mir schwer ... Gemordet hast du teuflisch mir

Mein Weib! Und lebst ... Mein ist die Rache, redet Gott."

 

László Mednyánszky, Landscape under brewing thunderstorm
László Mednyánszky, Baron von Mednyánszky, eigentlich Ladislaus Josephus Balthasar Eustachius Mednyánszky, (1852-1919) war ein ungarischer Landschaftsmaler.

William Ashford, The Thunderstorm, Birmingham Museums Trust
William Ashford (1746–1824) war ein englischer Maler
 

Justinus Kerner 1786-1862

Lust der Sturmnacht

 

Wenn durch Berg und Tale draußen

Regen schauert, Stürme brausen,

Schild und Fenster hell erklirren,

Und in Nacht die Wandrer irren,

Ruht es sich so süß hier innen,

Aufgelöst in sel'ges Minnen;

All der goldne Himmelsschimmer

Flieht herein ins stille Zimmer:

Reiches Leben, hab Erbarmen!

Halt mich fest in linden Armen!

Lenzesblumen aufwärts dringen,

Wölklein ziehn und Vöglein singen.

Ende nie, du Sturmnacht, wilde!

Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde,

Bäumt euch, Wälder, braus, o Welle,

Mich umfängt des Himmels Helle.

 

Albert Bierstadt, Sturm in den Rocky Mountains, Mt. Rosalie
Albert Bierstadt (1830-1902) war ein amerikanischer Maler deutscher Herkunft.
 

Winslow Homer, Hurricane, Bahamas
Winslow Homer (1836-1910) war ein US-amerikanischer Zeichner und Maler.


 

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht;

doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Theodor Storm

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