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November - Allerheiligen & Sankt Martin

Allerheiligen (lateinisch Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, an dem aller Heiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“, der bekannten wie der unbekannten. Das Fest wird in der Westkirche am 1. November begangen, in den orthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nach Pfingsten.


Am Tag nach Allerheiligen, dem 2. November, begeht die römisch-katholische Kirche den Allerseelentag, an dem der Armen Seelen im Fegefeuer gedacht wird. Vielerorts wird die damit verbundene Gräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen, dem arbeitsfreien staatlichen Feiertag, vorgenommen. Damit verbunden ist der Brauch, die Gräber vor allem mit Lichtern besonders zu schmücken. Auf den Mainzer Friedhöfen wird die traditionelle Mainzer Kerze, der Newweling, entzündet.

 

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Jan & Hubert van Eyck, Anbetung des Lammes, Genter Altar, untere Tafel, Mitte
Jan van Eyck (* um 1390-1441) war ein flämischer Maler.
Hubert (auch: Huybrecht) van Eyck (1370-1426) war ein flämischer Maler.

Alles ist nur Übergang.

Merke wohl die ernsten Worte:

Von der Stunde, von dem Orte

Treibt dich eingepflanzter Drang.

Tod ist Leben, Sterben Pforte.

Alles ist nur Übergang.

 

Verfasser unbekannt, Quelle: Alte Brückeninschrift in Wien

 

Jules Bastien-Lepage, Le jour des morts
Jules Bastien-Lepage (1848-1884) war ein französischer Maler. Sein Werk ist dem Naturalismus zuzuordnen

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Schlußstück

 

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

 

Wenn wir uns

mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen

mitten in uns.

 

 

William Adolphe Bouguereau,

Le Jour des morts, 1859
William Adolphe Bouguereau (1825-1905) war ein französischer Maler.

Theodor Fontane 1819-1898

 

Leben, wohl dem, dem es spendet

Freude, Kinder, täglich Brot,

Doch das Beste, was es sendet,

Ist das Wissen, daß es endet,

Ist der Ausgang, ist der Tod.

 

Émile Friant, Toussaint, 1888
Émile Friant (1863-1932) war ein französischer Maler.

Ferdinand von Saar 1833-1906

Trauer

 

Frühe schon aus leisem Schlummer

Stört mich auf der wache Kummer,

Und mit stumm getrag'ner Pein

Schreit' ich in den Tag hinein.

 

Immer schwerer das Vollbringen,

Immer selt'ner das Gelingen,

Und es schwindet die Geduld –

Und ich fühl' die eig'ne Schuld.

 

Fühl' es mit geheimem Beben:

Uferlos verrinnt mein Leben

In ein Meer von Qual und Noth –

Komm', o komme, Tod!

 

José Gallegos y Arnosa, All souls day in Rome
José Gallegos y Arnosa (1859-1917) war ein spanischer Genremaler, Bildhauer und Architekt.

Ludwig Bauer 1832-1910

Ich stand gelehnt am Leichenstein

 

Ich stand gelehnt am Leichenstein

Am Allerseelentag

Von hundert Kerzen lichter Schein

Auf all den stummen Gräbern lag.

 

Ich dachte, wie viel Glück und Schmerz

Hier tief begraben liegt,

Wie manches sturmbewegte Herz

Auf ewig ward zur Ruh gewiegt.

 

Da gingst du still vorbei an mir,

Ich sah dir ins Gesicht,

Und eine Thräne blitzte dir

Im Aug', bestrahlt vom Kerzenlicht.

 

Im tiefsten Herzen hat sich da

Ein Grab mir aufgethan,

Und die gestorb'ne Jugend sah

Aus deinem Aug' mich lebend an!

 

Joža Uprka, All Souls' Day
Joža Uprka (1861-1940) war ein tschechischer Maler und Grafiker, dessen Werk Elemente der Romantik und des Jugendstils kombiniert, um das Volksleben Südmährens zu dokumentieren.
 

Georg Trakl 1887-1914

Allerseelen

 

An Karl Hauer

 

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,

Sie streuen heute Blumen blau und rot

Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.

Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

 

O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,

Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.

Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,

Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.

 

Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen

Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.

Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen

Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

 

Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.

Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual,

Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.

Einsame wandeln still im Sternensaal.

 

Jakub Schikaneder, Allerseelentag
Jakub Schikaneder (1855-1924) war ein böhmischer Maler.

Franz Reinhold Fuchs 1858-1938

Allerseelen

 

Welch traumhaft stilles Schreiten

Den fahlen Hain entlang!

Rings müder Blätter Gleiten,

Und über Stoppelbreiten

Verlorner Glockenklang.

 

Was je dein Herz besessen

An Hoffnung, Glück und Leid,

Was unter Gruftzypressen

Geschlummert, halbvergessen,

Gibt klagend dir Geleit.

 

Gestalten, längst entschwunden,

Brechen des Grabes Bann:

Neu bluten alte Wunden,

Und tote Wonnestunden

Lächeln dich schmerzlich an.

 

Herz, heiß die Sehnsucht schweigen,

Die um Vergangnes wirbt! –

Die ew’gen Sterne steigen,

Die Heimat dir zu zeigen,

Wo jede Klage stirbt!

 

Franz Skarbina, Allerseelentag Hedwigskirchhof, 1896
Franz Skarbina (1849-1910) war ein Maler des deutschen Impressionismus, Zeichner, Radierer und Illustrator.

 

Da Gedichte zu Allerheiligen und Allerseelen nicht sonderlich zahlreich sind, seien hier die Texte der fünf Kindertodtenlieder von Friedrich Rückert wiedergegeben, die von Gustv Mahler vertont wurden. Die Texte erscheinen in der ursprünglichen Version Rückerts. Sie wurden von Gustav Mahler für die Liedversionen angepasst.


Als Kindertodtenlieder bezeichnete der Dichter Friedrich Rückert die 428 Gedichte, die er unter dem Eindruck des Todes seiner Kinder Luise und Ernst 1833/1834 schrieb.

 

Die Gedichte erlangten Bekanntheit durch die Vertonung Gustav Mahlers. Der Historiker und Schriftsteller Hans Wollschläger nannte die Kindertodtenlieder „die größte Totenklage der Weltliteratur“.


Alle damals sechs Kinder Rückerts waren im Dezember 1833 an Scharlach erkrankt. Am 31. Dezember 1833 starb Rückerts seinerzeit einzige Tochter Luise (* 25. Juni 1830), am 16. Januar 1834 sein Sohn Ernst (* 1. Januar 1829). Die übrigen vier Kinder erholten sich von der Krankheit.

 

Die Texte der übrigen Kindertotenlieder können hier gelesen werden.

 

Friedrich Rückert (1788–1866)

Nun will die Sonne so hell aufgehn

 

Nun will die Sonne so hell aufgehn,

Als sei kein Unglück die Nacht geschehn.

 

Das Unglück geschah auch mir allein,

Die Sonne, sie scheinet allgemein.

 

Du mußt die Nacht nicht in dir verschrenken,

Mußt sie ins ewige Licht versenken.

 

Ein Lämpchen verlosch in meinem Zelt,

Heil sei dem Freudenlichte der Welt!

 

Pencho Georgiev, All Souls' Day
Pencho Georgiev (1900-1940) war ein bulgarischer Maler.

Friedrich Rückert (1788–1866)

Nun seh' ich wohl, warum so dunkle Flammen

 

Nun seh' ich wohl, warum so dunkle Flammen

Ihr sprühtet mir in manchem Augenblicke,

O Augen, gleichsam um in einem Blicke

Zu drängen eure ganze Macht zusammen.

 

Dort ahnt' ich nicht, weil Nebel mich umschwammen,

Gewoben vom verblendenden Geschicke,

Daß sich der Strahl bereits zur Heimkehr schicke

Dorthin, von wannen alle Strahlen stammen.

 

Ihr wolltet mir mit eurem Leuchten sagen:

Wir möchten nah dir immer bleiben gerne,

Doch ist und das vom Schicksal abgeschlagen.

 

Sieh' recht uns an! denn bald sind wir dir ferne.

Was dir noch Augen sind in diesen Tagen,

In künft'gen Nächten sind es dir nur Sterne.

 

Ferdinand Georg Waldmüller, Am Allerseelentag
Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit.

Friedrich Rückert (1788–1866)

Wenn dein Mütterlein tritt zur Tür herein

 

Wenn dein Mütterlein

Tritt zur Tür herein,

Und den Kopf ich drehe,

Ihr entgegen sehe,

Fällt auf ihr Gesicht

Erst der Blick mir nicht,

Sondern auf die Stelle,

Näher nach der Schwelle,

Dort, wo würde dein

Lieb Gesichtchen sein,

Wenn du freudenhelle

Trätest mit herein,

Wie sonst, mein Töchterlein.

 

Wenn dein Mütterlein

Tritt zur Tür herein,

Mit der Kerze Schimmer,

Ist es mir, als immer

Kämst du mit herein,

Huschtest hinterdrein,

Als wie sonst ins Zimmer!

O du, des Vaters Zelle,

Ach, zu schnell, zu schnell,

Erloschner Freudenschein!

 

 

Walter MacEwen, The Absent One On All Soul’s Day
Walter MacEwen (1860-1943) war ein amerikanischer Maler.

Friedrich Rückert (1788–1866)

Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen

 

Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen,

Bald werden sie wieder nach Haus gelangen,

Der Tag ist schön, o sei nicht bang,

Sie machen nur einen weitern Gang.

 

Ja wohl, sie sind nur ausgegangen,

Und werden jetzt nach Haus gelangen,

O sei nicht bang, der Tag ist schön,

Sie machen den Gang zu jenen Höhn

 

Sie sind uns nur voraus gegangen,

Und werden nicht hier nach Haus verlangen;

Wir holen sie ein auf jenen Höhn

Im Sonnenschein, der Tag ist schön.

 

Jan Václav Mrkvička, Zaduszki (Allerheiligen), 1890
Jan Václav Mrkvicka, (1856-1938) auch Iwan Markwitschka, war ein tschechisch-bulgarischer Maler.

Friedrich Rückert (1788–1866)

In diesem Wetter, in diesem Braus

 

In diesem Wetter, in diesem Braus,

Nie hätt’ ich gesendet die Kinder hinaus;

Man hat sie hinaus getragen,

Ich durfte dazu nichts sagen.

 

In diesem Wetter, in diesem Saus,

Nie hätt’ ich gelassen die Kinder hinaus,

Ich fürchtete, sie erkranken,

Das sind nun eitle Gedanken.

 

In diesem Wetter, in diesem Graus,

Hätt’ ich gelassen die Kinder hinaus,

Ich sorgte, sie stürben morgen,

Das ist nun nicht zu besorgen.

 

In diesem Wetter, in diesem Braus,

Sie ruhn als wie in der Mutter Haus,

Von keinem Sturm erschrecket,

Von Gottes Hand bedecket.

 

Wilhelm Riefstahl, Am Allerseelentage auf dem Friedhofe zu Egg im Bregenzer Walde , 1869
Wilhelm Ludwig Friedrich Riefstahl (1827-1888) war ein deutscher Landschaftsmaler und Direktor der Karlsruher Kunstschule.

Johann Peter Glöckner*

Denk' an den Tod!

 

Denk' an den Tod

Mit seinen Schauern und mit seinen Schrecken!

Erschütternd tönt sein Wort, dich aufzuwecken,

Eh deinen Staub des Grabes Dunkel decken –

Denk' an den Tod!

 

Denk' an den Tod

Mit seinen Freuden und mit seinen Wonnen!

Beseligend, wenn Gram und Leid zerronnen,

Enthüllt er dir der ew'gen Heimat Sonnen –

Denk' an den Tod!

 

*Lebensdaten nicht bekannt, vermutlich lebte er im 19. Jahrhundert

 

Émile Renouf,

La Veuve de l'île de Sein, 1830
Émile Renouf (1845-1894) war ein französischer Maler und Zeichner der Realismus-Impressionismus-Schule.

 

El Greco, San Martín y el mendigo, ca. 1597-1599, National Gallery of Art Washington, DC
El Greco ("der Grieche" 1541-1614) eigentlich Domínikos Theotokópoulos war ein Maler griechischer Herkunft und Hauptmeister des spanischen Manierismus und der ausklingenden Renaissance.
 

Martin von Tours, lateinisch Martinus (* um 316/317 in Savaria, römische Provinz Pannonia prima, heute Szombathely, Ungarn; † 8. November 397 in Candes bei Tours in Frankreich), war der dritte Bischof von Tours. Er ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche und wird auch in der orthodoxen, anglikanischen und evangelischen Kirche verehrt.

 

 

Das Leben

 

Martin, geboren wohl als Martinus, wuchs als Sohn eines römischen Militärtribuns in Pannonien im heutigen Ungarn auf. Die Jugend verbrachte er in Pavia, der Heimat seines Vaters in Oberitalien, wo er erstmals mit dem Christentum in Berührung kam. Im Alter von zehn Jahren wurde er in die Gruppe der Katechumenen, der Taufbewerber, aufgenommen. Widerwillig beugte Martinus sich dem Gebot des Vaters und schlug eine Militärlaufbahn ein. Als Sohn eines römischen Offiziers war er nach den Bestimmungen Diokletians gesetzlich zum Militärdienst verpflichtet. Im Alter von 15 Jahren wurde er zur Leibwache des Kaisers Konstantin II. nach Mailand eingezogen, das zu der Zeit die Residenz der westlichen römischen Reichshälfte war. Während Kämpfen zwischen Römern und Alemannen in Gallien, dem heutigen Frankreich, und später auch jenseits des Rheins, in denen Martinus unter Julian diente, vertiefte sich sein Glaube. Vor einer Schlacht gegen anrückende Germanen in der Nähe des Heerlagers der Civitas Vangionum, des heutigen Worms, verweigerte Martinus als Offizier des römischen Besatzungsheeres die Teilnahme mit dem Hinweis, er sei von nun an nicht mehr miles Caesaris, ein Soldat des römischen Kaisers, sondern miles Christi, Soldat Christi, und bat um Entlassung aus dem Armeedienst. Dies wurde ihm lange verweigert, und so wurde er erst 356 nach Ableistung seiner 25-jährigen Dienstzeit im Alter von 40 Jahren von Julian aus dem Heerdienst entlassen.

 

 

Meister des Riedener Altars, Mantelteilung des hl. Martin von Tours
Als Meister des Riedener Altars wird ein namentlich nicht bekannter gotischer Maler bezeichnet, der im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts in Bayerisch-Schwaben, eventuell in Kempten, Memmingen oder auch im Kloster Ottobeuren tätig war.
 

Im Jahr 351 – also im Alter von 34 oder 35 Jahren – wurde Martinus von Bischof Hilarius von Poitiers getauft. Nachdem er nach seinem Militärdienst einige Zeit bei ihm gelernt hatte, zog er sich als Einsiedler auf die Insel Gallinara bei Genua zurück. Bald aber folgten ihm viele Anhänger, sodass er dieses Leben wieder aufgab. Er reiste zu seiner Mutter nach Pannonien, die er zum christlichen Glauben bekehrte. Anschließend begab er sich erneut nach Gallien. Dort errichtete er 361 in Ligugé das erste Kloster des Abendlandes, die Abtei de Ligugé, die später ihm geweiht wurde. Im Jahre 375 errichtete er in der Nähe von Tours das Kloster Marmoutier. Bald lernte er Liborius, den Bischof von Le Mans, kennen. Mit ihm verband ihn eine lebenslange Freundschaft, und er spendete dem sterbenden Liborius im Juni 397 das Sakrament der Krankensalbung

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Martin war Bindeglied zwischen Rom und dem Reich der Franken. Er verkörperte als asketischer Mönch das spätantike Ideal eines Bischofs oder Priesters. Als Nothelfer und Wundertäter wurde Martin schnell in der gesamten Touraine bekannt. Am 4. Juli 372 wurde er zum Bischof von Tours geweiht. Statt in der Stadt zu leben, wohnte er lieber in den Holzhütten vor der Stadtmauer.

 

Léo Schnug, Saint Martin partageant son manteau
Léo Schnug (1878-1933) war ein elsässischer Maler und Graphiker des Jugendstils.
 

Er festigte die Christianisierung der Landbevölkerung durch die Zerstörung nicht-christlicher religiöser Stätten und die Errichtung von Kirchen und Klöstern, schreibt sein Biograph Sulpicius Severus in der Vita Sancti Martini: "Vor Martin gab es nur ganz wenige, eigentlich niemand, der in dieser Gegend den christlichen Glauben angenommen hatte. Durch seine Tugenden und sein Glaubensbeispiel ist der Glaube in einem solchen Maß gewachsen, dass es heute keinen Ort gibt, der nicht voll ist von Kirchen und Klöstern. Denn überall dort, wo er heidnische Kultstätten zerstörte, baute er Gotteshäuser und Klöster."


Als Martin in Trier weilte, klagten die Gegner des häretischen Bischofs Priscillian von Ávila diesen in Trier bei Kaiser Magnus Maximus an. Auf Betreiben Martins beendete Maximus den Prozess, ließ ihn aber nach der Abreise Martins aus Trier wieder aufnehmen und Priscillian 385 zum Tode verurteilen. Als Martin von der Hinrichtung erfuhr, protestierte er bei Kaiser Maximus ebenso wie Ambrosius von Mailand und Siricius von Rom scharf gegen dieses Vorgehen.


Als Martin 386 nach Trier kam, um sich bei Maximus für zwei Anhänger des 383 getöteten Kaisers Gratian einzusetzen, verweigerte er den Bischöfen um Ithacius, die die Verurteilung Priscillians betrieben oder gebilligt hatten, die eucharistische Gemeinschaft. Auf Drohungen des Kaisers, sowohl mit der Verfolgung der priscillianischen Gruppen als auch rechtgläubiger, mit Martin verbundener asketischer Gruppen zu beginnen, ließ Martin sich bewegen, die eucharistische Gemeinschaft mit den beteiligten Bischöfen zumindest während der Bischofsweihe des Trierer Bischofs Felix wieder aufzunehmen.
Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Er wurde am 11. November in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Text: Wikipedia
 

 

Unbekannter Künstler (1400-1500), Martin and the Beggar, Hungarian National Gallery
 

Die Legende

 

Ab 334 war Martin als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert. Die Gardisten trugen über dem Panzer die Chlamys, einen weißen Überwurf aus zwei Teilen, der im oberen Bereich mit Schaffell gefüttert war. In nahezu allen künstlerischen Darstellungen wird er allerdings mit einem roten Offiziersmantel (lat.: Paludamentum) abgebildet. An einem Tag im Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht sei ihm dann im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte.
 

Gruß vom Martinstag in Erfurt, Postkarte, um 1900

Am Vorabend des Martinstages, am 10. November, findet die traditionelle Martinsfeier statt. Sie gilt sowohl dem Stadtpatron, dem heiligen Martin von Tours als auch Martin Luther, der in Erfurt studiert hat und ins Kloster eingetreten ist. Martini hat für Erfurt deshalb eine besondere Bedeutung und die beiden großen Kirchen feiern gemeinsam ein ökumenisches Fest.
Tausende, unter ihnen viele Kinder mit Lampions, strömen aus allen Himmelsrichtungen auf den Domplatz, um diesem großen Ereignis beizuwohnen.
Text: Stadt Erfurt

 

Rudolf Bartels, Laternenkinder
Rudolf Bartels (1872-1943) war ein deutscher Maler.

Sankt-Martins-Umzug


In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, in Luxemburg sowie in Ostbelgien, Südtirol und Oberschlesien sind Umzüge zum Martinstag üblich. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. In Bregenz wird dieser Brauch Martinsritt genannt, im Rheinland Martinszug und in Vianden (Luxemburg) Miertchen. Häufig wird auch die legendarische Schenkung des Mantels an den Bettler nachgestellt. Bei dem Umzug werden Martinslieder gesungen, häufig begleitet von einer Blaskapelle. Die Laternen werden oft vorher im Unterricht der Grundschulen und in Kindergärten gebastelt.


Die heutige Form des Martinszuges, bei welcher der heilige Martin als Soldat oder als Bischof mitreitet, entstand um die Wende zum 20. Jahrhundert im Rheinland, nachdem es schon vorher Lichterzüge in Form von „Lärmumzügen mit Lichtern“ oder als geordneter, von Erwachsenen geleiteter Umzug (1867 aus Dülken belegt) gab. Im Oktober 2017 beantragte eine Initiative von 73 Sankt-Martins-Vereinen die Anerkennung der von ihnen gepflegten Tradition als Immaterielles Kulturerbe im Sinne der UNESCO. Heutige Martinszüge sind meist überpfarrlich, schulorientiert und katechetisch ausgerichtet. Das Rollenspiel der „Mantelteilung“ akzentuiert den Appell zum mitmenschlichen Helfen, der im nachträglichen Rückgriff auf die Martinslegende den teilnehmenden Kindern vermittelt werden soll.


Zum Abschluss gibt es häufig ein großes Martinsfeuer. Heutzutage erhalten Kinder in Westdeutschland dann einen Stutenkerl (westfälisch) oder Weckmann (rheinisch) aus Hefeteig mit Rosinen. In Süddeutschland sind kleine Martinsgänse aus Keks- oder Hefeteig, aber auch Martinshörnchen oder Laugenbrezeln üblich. In Teilen des Ruhrgebiets, des Sauerlands und anderen Teilen Deutschlands erhalten die Kinder eine „Martinsbrezel“ – eine Brezel aus süßem Hefeteig, in manchen Regionen bestreut mit Hagelzucker.

 

 

Eduard Geselschap, Martinsabend, 1870

Eduard Geselschap (1814-1878) war ein deutsch-niederländischer Maler der Düsseldorfer Schule.

Wilhelm Busch 1832-1908

Unbeliebtes Wunder

 

In Tours, zu Bischof Martins Zeit,

Gab's Krüppel viel und Bettelleut.

Darunter auch ein Ehepaar,

Was glücklich und zufrieden war.

Er, sonst gesund, war blind und stumm;

Sie sehend, aber lahm und krumm

An jedem Glied, bis auf die Zunge

Und eine unverletzte Lunge.

 

Das paßte schön. Sie reitet ihn

Und, selbstverständlich, leitet ihn

Als ein geduldig Satteltier,

Sie obenauf, er unter ihr,

Ganz einfach mit geringer Müh,

Bloß durch die Worte Hott und Hü,

Bald so, bald so, vor allen Dingen

Dahin, wo grad die Leute gingen.

 

Fast jeder, der's noch nicht gesehn,

Bleibt unwillkürlich stille stehn,

Ruft: "Lieber Gott, was ist denn das?"

Greift in den Sack, gibt ihnen was

Und denkt noch lange gern und heiter

An dieses Roß und diesen Reiter.

Fortsetzung unten

 

Heinrich Hermanns,

Sankt-Martins-Zug vor dem Düsseldorfer Rathaus, 1905
Heinrich Hermanns (1862-1942) war ein deutscher Lithograf sowie Landschafts-, Veduten- und Architekturmaler der Düsseldorfer Schule.
 

Fortsetzung

So hätten denn gewiß die zwei

Durch fortgesetzte Bettelei,

Vereint in solcherlei Gestalt,

Auch ferner ihren Unterhalt,

Ja, ein Vermögen sich erworben,

Wär' Bischof Martin nicht gestorben.

 

Als dieser nun gestorben war,

Legt man ihn auf die Totenbahr

Und tät' ihn unter Weheklagen

Fein langsam nach dem Dome tragen

Zu seiner wohlverdienten Ruh.

Und sieh, ein Wunder trug sich zu.

 

Da, wo der Zug vorüberkam,

Wer irgend blind, wer irgend lahm,

Der fühlte sich sogleich genesen,

Als ob er niemals krank gewesen.

 

Oh, wie erschrak die lahme Frau!

Von weitem schon sah sie's genau,

Weil sie hoch oben, wie gewohnt,

Auf des Gemahles Rücken thront.

"Lauf", rief sie, "laufe schnell von hinnen,

Damit wir noch beizeit entrinnen."

Er läuft, er stößt an einen Stein,

Er fällt und bricht beinah ein Bein.

Fortsetzung unten

Otto Modersohn, Laternenkinder
Friedrich Wilhelm Otto Modersohn (1865-1943) war ein Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede und wurde einer der bekanntesten deutschen Landschaftsmaler.

Fortsetzung

Die Prozession ist auch schon da.

Sie zieht vorbei. Der Blinde sah,

Die Lahme, ebenfalls kuriert,

Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert,

Und beide sind wie neugeboren

Und kratzen sich verdutzt die Ohren.

 

Jetzt fragt es sich: Was aber nun?

Wer leben will, der muß was tun.

Denn wer kein Geld sein eigen nennt

Und hat zum Betteln kein Talent

Und hält zum Stehlen sich zu fein

Und mag auch nicht im Kloster sein,

Der ist fürwahr nicht zu beneiden.

Das überlegten sich die beiden.

 

Sie, sehr begabt, wird eine fesche

Gesuchte Plätterin der Wäsche.

Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt

Und spaltet Klötze, daß es knackst,

Von morgens früh bis in die Nacht.

Das hat Sankt Martin gut gemacht.

 

Hubert Ritzenhofen, Martinszug in der Lambertusstraße, 1928. Stadtmuseum Düsseldorf
Hubert Ritzenhofen (1879-1961) war ein deutscher Maler.

Ich geh mit meiner Laterne

 

1. Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.

Da oben leuchten die Sterne, da unten leuchten wir.

Der Hahn der kräht, die Katz miaut. Rabimmel, rabammel, rabumm.

Der Hahn der kräht, die Katz miaut. Rabimmel, rabammel, rabumm - bumm, bumm.

 

2. [...] Ein Lichtermeer zu Martins Ehr. [...]

 

3. [...] Laternenlicht, verlösch mir nicht. [...]

 

4. [...] Ein Kuchenduft, liegt in der Luft. [...]

 

5. [...] Der Martinsmann, der zieht voran. [...]

 

6. [...] Wie schön es klingt, wenn jeder singt. [...]

 

7. [...] Beschenkt uns heut, ihr lieben Leut. [...]

 

8. [...] Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus! [...]

 

Rudolf Bartels, Laternenkinder 2
Rudolf Bartels (1872-1943) war ein deutscher Maler.

Heinrich Seidel 1842-1906

Abends wenn es dunkel wird

 

Abends, wenn es dunkel wird,

und die Fledermaus schon schwirrt,

ziehn wir mit Laterne aus

in den Garten hinterm Haus.

Und im Auf- und Niederwallen

lassen wir das Lied erschallen:

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

 

Plötzlich aus dem Wolkentor

kommt der gute Mond hervor,

wandelt seine Himmelsbahn,

wie ein Hauptlaternenmann.

Leuchtet bei dem Sterngefunkel,

lieblich aus dem blauen Dunkel

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

 

Ei, nun gehen wir nach Haus,

blasen die Laternen aus,

lassen Mond und Sternlein leuchten

in der Nacht allein,

bis die Sonne wird errwachen,

alle Lampen auszumachen.

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

 

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen
Paula Modersohn-Becker (1876-1907) war eine deutsche Malerin und einer der bedeutendsten Vertreter des frühen Expressionismus.

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

 

Laterne, Laterne,

Sonne, Mond und Sterne.

Brenne auf mein Licht,

Brenne auf mein Licht,

aber nur meine liebe Laterne nicht.

 

Laterne, Laterne,

Sonne, Mond und Sterne.

Sperrt ihn ein, den Wind,

Sperrt ihn ein, den Wind,

er soll warten, bis wir alle zu Hause sind.

 

Laterne, Laterne,

Sonne, Mond und Sterne.

Bleibe hell, mein Licht,

Bleibe hell, mein Licht,

denn sonst strahlt meine liebe Laterne nicht!

 

 

Lluís Graner i Arrufí - Girl with a Lantern
Lluís Graner i Arrufí oder Arrufat (1863-1929) war ein katalanischer Maler im realistischen Stil.
 

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

 

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin
ritt durch Schnee und Wind,
sein Roß das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut:
sein Mantel deckt' ihn warm und gut.

 

Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee da saß ein armer Mann,
hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen an.
"O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein Tod!"

 

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zog die Zügel an,
sein Roß stand still beim armen Mann,
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt'
den warmen Mantel unverweilt.

 

Sankt Martin, Sankt Martin
Sankt Martin gab den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil'
hinweg mit seinem Mantelteil.

 

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin legt sich müd' zur Ruh
da tritt im Traum der Herr dazu.
Er trägt des Mantels Stück als Kleid
sein Antlitz strahlet Lieblichkeit.

 

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin sieht ihn staunend an,
der Herr zeigt ihm die Wege an.
Er führt in seine Kirch' ihn ein,
und Martin will sein Jünger sein.

 

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin wurde Priester gar
und diente fromm an dem Altar,
das ziert ihn wohl bis an das Grab,
zuletzt trug er den Bischofsstab.

 

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin, o du Gottesmann,
nun höre unser Flehen an,
O bitt' für uns in dieser Zeit
und führe uns zur Seligkeit.

 

Anna Petersen, Laternenumzug, um 1885, Privatsammlung
Anna Petersen (1845-1910) war eine dänische Malerin.

Martinsgans
Das bäuerliche Wirtschaftjahr fand mit dem Martinstag seinen Abschluß und das Gesinde mußte entlohnt werden. Die Mägde, Hirten und Knechte bekamen ihren Lohn und meistens wurden auch Hühner oder Gänse bei der Entlohnung mitgegeben, da im Winter oft nicht genug Platz im Stall war, für das Federvieh.


Der Martinstag war also ein geeigneter Termin um einen Hofabend abzuhalten und so feierte das Gesinde mit Gänsebraten.


Mit der Gans als Entohnung für das Gesinde, wurde sie zum Symbol für den Martinstag.

 

 

Peter Schwingen, Martinsabend
Peter Schwingen (1813-1863) war ein deutscher Genre- und Porträtmaler der Düsseldorfer Malerschule.

Um ernst zu sein,

genügt Dummheit,

während zur Heiterkeit

ein großer Verstand unerläßlich ist.
William Shakespeare

Wer Trinken, Rauchen und Sex aufgibt,

lebt auch nicht länger.

Es kommt ihm nur so vor.
Sigmund Freud

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Was wir brauchen,

sind ein paar verrückte Leute;

seht euch an,

wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Der Kluge lernt aus allem
und von jedem,
der Normale aus
seinen Erfahrungen und
der Dumme
weiß alles besser.
Sokrates
Es ist schon alles gesagt,
nur noch nicht von allen.
Karl Valentin
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